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Riester Rente - Tipps und Tricks

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Dieser thread ist veraltet, wird nicht mehr aktualisiert und ist insofern mit Vorsicht zu genießen.

 

 

 

 

 

 

 

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Was ist eigentlich die Riester Rente?

 

Riester Rente ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die Gesamtheit gesetzlicher und gesetzesähnlicher Regelungen rund um die 2002 eingeführte staatliche geförderte Altersvorsorge. Riester ist ein Altersvorsorgekonzept und sollte als solches stets zunächst losgelöst von einzelnen Produkten betrachtet werden.

 

Ein Konzept kann nicht pauschal "zu teuer" sein (... alternativ beliebige Stammtischparole hier einsetzen ... ). Ein Konzept kann sich nicht pauschal lohnen oder nicht lohnen. Die konzeptionelle Eignung der Riester Rente ist immer eine individuelle Momentaufnahme der aktuellen Förderkonstellation, die es jeweils zunächst zu beurteilen gilt.

 

Der Riester Förderung durch Zulagen und / oder Steuervorteile in der Anparphase (Aufschubphase) steht die nachgelagerte Besteuerung in der Auszahlungsphase (Ablaufphase) gegenüber. Die Riester Rente dient vornehmlich der Langlebigkeitsabsicherung, zumindest ist sie dafür ursprünglich gedacht.

 

Riester ist eine kapitalgedeckte Altersvorsorge. Heißt: Zur Verrentung kommen eingezahlte Beiträge, Zulagen und erwirtschaftete Zinsen. Doch anders als bei einzem Auszahlplan gibt es keinen Kapitalverzehr, sondern eine lebenslange Leibrente. In der Praxis wird Riester - wenn es verrentet wird - somit lukrativer, je älter man wird.

 

Es kann, so man sich (insbesondere hier im Forum) mit Riester beschäftigt, meiner persönlichen Meinung nach idR nur einen zielführenden Ansatz geben:

 

riester-verstehen-lernen.jpg

 

Was ist Riester nicht?

 

Die Riester Rente ist in erster Linie eine steuerlich geförderte Forum der Altersvorsorge, für die es nebenbei auch Zulagen gibt. Riester ist eben nicht das, was Werbung / Verbraucherschutz und Co. suggerieren, Riester ist NICHT das Ding mit den Zulagen.

 

Riester ist keine Gelanlage und kein Sparplan. Man kann zu Beginn der Ablaufphase nur ein 30 %tiges Kapitalwahlrecht (ohne Verlust der Förderung) in Anspruch nehmen. Ausnahmen von dieser Regel sind lediglich Kleinstbetragsrenten und die förderschädliche Kündigung.

 

Die Riester Rente ist kein Produkt, bei dem es irgendetwas geschenkt gibt. Sie ist nicht pauschal geeignet oder ungeeinet. Die Frage ob sich eine Riester Rente lohnt, ist immer individuell anhand der derzeitigen Fördersituation und anschließend unter Betrachtung des jeweiligen Riester Produkts zu beantworten.

 

Die Riester Rente selbst ist keine vollständige Altersvorsorge. Das Konzept wurde ursprünglich dazu erdacht, um den Rückgang des gesetzlichen Rentenniveaus um 3 % abzufangen. Heute sind die maximal förderbaren Beiträge rund 5 mal so hoch wie bei Einführung in 2002, aber immer noch nicht ausreichend um Riester als "stand alone" Altersvorsorge sehen zu können.

 

Da Riester in Bezug auf die Auszahlung nur sehr bedingt flexibel ist, empfiehlt es sich nicht bei der privaten Altersvorsorge einzig und allein auf Riester zu setzen. Riester sollte stets nur als ein Baustein der eigenen Altersvorsorgeplanung betrachtet werden.

 

Welche Riester Varianten gibt es?

 

Das Riester Konzept kann in unterschiedlichen Varianten genutzt werden. Jede Variante hat Vor- und Nachteile, die jeweiligen Produkte innerhalb einer dieser Varianten haben ebenfalls jeweils individuelle Vor- und Nachteile.

 

Riester Banksparplan

Riester Bausparvertrag

Riester Darlehen

Riester Fondssparplan

Riester Rentenversicherung, fondsgebunden

Riester Rentenversicherung, klassisch

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Wie funktioniert die Riester Förderung?

 

Beiträge werden in der Ansparphase / Aufschubphase grundsätzlich durch Zulagen und / oder Steuervorteile staatlich gefördert. Im Gegenzug ist die Auszahlung aus einer Riester Rente im Rentenalter steuerpflichtig. Um den eigenen Förderanspruch zu berechnen, benötigt man in erster Linie das sozialversicherungspflichtige / rentenversicherungspflichtige Einkommen aus dem Vorjahr (idR Bruttoeinkommen bei Angestellten).

 

Welche Fördermöglichkeiten durch Zulagen gibt es?

 

  1. Grundzulage - 154 Euro
  2. Ehegattenzulage - 154 Euro
  3. Kinderzulage - 185 Euro für Kinder geb. vor 2008
  4. Kinderzulage - 300 Euro für Kinder geb. ab 2008
     
  5. 200 Euro Berufseinsteigerbonus einmalig für Riester Sparer u25 Jahren (es zählt das Kalenderjahr, in welchem der 25. Geburtstag liegt)
     
  6. Steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge im Rahmen eines eigenen Sonderausgabenabzugs bis max. 2.100 Euro p.a.

 

Wie berechnet sich der erforderliche Eigenbeitrag?

 

Der für den vollen Zulagenanspruch notwendige Eigenbeitrag beträgt 4 % des rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens, abzüglich des Zulagenanspruchs.

 

Am Beispiel:

 

Jahr 2015

rentenversicherungspflichtiges Einkommen in 2014: 30.000 Euro

Zulagenanspruch: 154 Euro

 

Rechnung für den Jahresbeitrag:

30.000 Euro / 100 * 4 - 154 Euro = 1.046 Euro

 

In diesem Fall müssten p.a. also 1.046 Euro Eigenbeitrag aufgewendet werden, um die volle Zulage zu erhalten. Zahle ich weniger ein, wird der Zulagenanspruch entsprechend prozentual gekürzt.

 

Vorhergehende Rechnung kann jedoch bei geringem Einkommen auch negativ ausfallen. Es muss aber wenigstens der Sockelbeitrag von 60 Euro p.a. oder 5 Euro p.m. aufgebracht werden. Seit 2012 ist das auch für mittelbar Förderberechtigte Voraussetzung.

 

Am Beispiel:

 

Jahr 2015

rentenversicherungspflichtiges Einkommen in 2014: 8.000 Euro

Zulagenanspruch: 154 + 200 Euro Berufseinsteigerbonus

 

Rechnung für den Jahresbeitrag:

8.000 Euro / 100 * 4 - 154 Euro Grundzulage - 200 Euro Berufseinsteigerbonus = -34 Euro

 

Der Sockelbeitrag von mind. 60 Euro p.a. kommt zur Anwendung.

 

 

 

Muss man immer diesen Eigenbeitrag vollständig einzahlen?

 

Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Jeder kann frei wählen, innerhalb der geförderten Spanne von "60 Euro p.a." bis zum förderbaren Höchstbetrag gem. §10a EStG einzuzahlen(derzeit max 2.100 Euro - Zulagenanspruch p.a.).

 

In der Mehrheit der denkbaren Förderkonstellationen übersteigt die zu erwartende Steuerersparnis den Zulagenanspruch ohnehin. Damit ergibt sich insbesondere bei Singles ohne Kinder eine Konstellation, wo die reale Förderung der tatsächlich eingezahlten Beiträge unabhängig von der Höhe der Einzahlungen prozentual gleich bleibt.

 

Riester sollte grundsätzlich nur als ein Baustein angesehen werden. Es macht wenig Sinn ausschließlich eine Riester Rente als Altersvorsorge zu besparen. Es ist sinnvoller den individuellen Beitrag einzuzahlen, den man langfristig guten Gewissens entbehren kann. Selbst wenn man dann denkt, dass einem Förderungen entgehen. Noch empfehlenswerter ist es, Riester jeweils als Momentaufnahme zu begreifen und nur das einzuzahlen, was in der jeweiligen Förderkonstellation individuell sinnvoll ist.

 

 

Wie funktioniert die steuerliche Förderung der Riester Rente?

 

Vereinfacht gesagt, können Beiträge und Zulagen als Sonderausgabenabzug derzeit bis max. 2.100 Euro p.a. steuerlich geltend gemacht werden. Das Finanzamt schlägt die Zulagen aber wieder auf, bzw. zieht diese von der Steuererstattung ab.

 

Die exaktere Formulierung wäre: Zulagen erhöhen wiederum die Einkommenssteuerschuld.

 

Dadurch ergibt sich, dass Kinder keinesfalls zu einer höheren Rendite bei der Riester Rente führen müssen, da sich höhere Zulagen bei hohem Einkommen negativ auf die Steuerersparnis auswirken können.

 

Zu einer steuerlichen Förderung kommt es, wenn die zu erwartende Steuererstattung den Zulagenanspruch übersteigt. Hat man seinen Riester Aufwendungen in der Steuererklärung angegeben, prüft das Finanzamt dieses automatisch. (Günstigerprüfung)

 

---

 

Damit ergibt sich zunächst folgendes grobes Förderschema ...

 

foerderschema-riester-rente.jpg

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Förderquoten und Renditen durch Förderung richtig berechnen

 

Die Deutungshoheit des Begriffs Förderquote liegt beim Bundesministerium für Finanzen ( BMF ), von denen stammt der Mist ja auch. Allerdings sagt diese Förderquote zunächst überhaupt nichts über die Rentabität der Riester Förderung aus.

 

Definition Förderquote BMF

Förderquote = Förderung in % der BRUTTO Sparleistung

 

Ein Beispiel:

 

Single, 45.000 Brutto, 154 Euro Grundzulage für 1.646 Euro Bruttoeigenbeitrag und 492 Euro Steuerersparnis

 

1646 Bruttobeitrag + 154 Zulage = 1800 Bruttoaufwendung Sparbeitrag

 

(492 Steuerersparnis + 154 Zulage) * 100 / 1800 = 35,9 % BMF Förderquote

 

 

Besser zunächst die reale Riester Förderung berechnen

 

Diese BMF Förderquote sagt jedoch nichts darüber aus, welchen realen Förderanspruch ich für meine tatsächliche Nettoaufwendung bekomme. Ungeachtet dessen werden wir die BMF Förderquote bei der Betrachtung der nachgelagerten Besteuerung wieder brauchen.

 

Im obigen Beispiel zahle ich zwar zunächst 1.646 Euro Brutto ein (und erhalte dafür 154 Euro Zulage), bekomme aber im Folgejahr eine Steuererstattung von ca. 492 Euro. Tatsächlich zahle ich also netto nur 1.646 - 492 Euro = 1.154 Euro ein. Nun sollte dieser Nettoaufwand in Relation zur Summe der Förderung 154 Zulage + 492 Steuerersparnis = 646 Euro Förderung gesamt gesetzt werden.

 

Beispiel:

 

154 + 492 = 646 Förderung

 

1646 - 492 = 1.154 Nettoeigenbeitrag

 

646 * 100 / 1154 = 56 % reale Förderung auf den Nettoeigenbeitrag

 

Erster Überschlag zur Rentablität nach Ermittlung der realen Förderung

 

Haben wir unsere reale Förderung ermittelt, können wir in einem ersten Überschlag überlegen, welche Überrendite Riester als Konzept pro Jahr bringt. Stark vereinfacht können wir die bspw. 56 % durch die Anzahl der Jahre an Laufzeit bis Rentenbeginn teilen. Unterstellen wir bspw. 30 Jahre Laufzeit, teilen wir die 56 % zunächst mal durch 30 Jahre. Das entspricht einer gedanklichen Überrendite durch Riester von 1,87 % pro Jahr.

 

Mathematisch korrekt ist das natürlich nicht. Dafür müssten wir die 30. Wurzel aus den 56 % ziehen, sprich 1,56 und davon die 30. Wurzel -> 1,49 % p.a. Überrendite aus Riester.

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Anleitung zur Nutzung eines Riester Förderrechners

 

Riester Rechner gibt es im Internet wie Sand am Meer. Und ähnlich wie jener Sand, sind 99,9 % dieser Förderrechner gänzlich wertlos. Meint: Die Rechner rechnen wahlweise falsch, unvollständig oder die Ausgabe und Handhabung lässt stark zu wünschen übrig.

 

Ich empfehle daher ausdrücklich die Nutzung des Riester Förderrechners von Swisslife Select und werde mich in der nachfolgenden Anleitung auch nur auf diesen beziehen. Unter Swisslife Select ist der Strukturvertrieb der Swisslife zusammengefasst, vormals AWD / Horbach / Proventus / Tecis usw. usf. ... ich habe mit den Brüdern weder irgendwas zu tun noch ist das irgendeine Empfehlung für diesen Verein.

 

ABER: Deren Riester Förderrechner ist so ziemlich der beste, den man kostenlos im Netz finden kann.

 

Unser Fallbeispiel

 

Wir gehen davon aus, dass ein junger Single Mitte 20 derzeit gute 45.000 Euro Brutto verdient. Dafür müssen wir in den Förderrechner zunächst nur das Brutto eingeben und wählen, ob wir Kirchensteuer zahlen oder nicht. Zudem wird das Bundesland abgefragt, in welchem der Arbeit nachgegangen wird. Das hat aber praktisch nur für Sachsen Relevanz, die haben einen Feiertag mehr und zahlen dafür höhere Rentenversicherungsbeiträge.

 

Geburtsdatum etc. sind zunächst völlig egal (außer Berufseinsteigerbonus bei U25).

 

So sieht das dann aus, mit roten Punkten die wichtigsten Eingaben markiert:

 

foerderrechner1.jpg

 

Unser Ergebnis

 

Nachdem wir unsere Eingaben gemacht haben, klicken wir oben einfach auf Ergebnis. Wichtig: Rechts bei "Anzeige" direkt auf "Tabelle" umstellen.

 

Der Spaß sieht dann so aus:

 

foerderrechner2.jpg

 

Wir haben in der ersten Spalte das Jahr, in der zweiten Spalte den Bruttoeigenbeitrag, in der dritten Spalte die zu erwartende Steuerförderung, in der vierten Spalte die Summe aus Zulage + Steuerersparnis, in der fünften Spalte den tatsächlichen Nettoaufwand (Bruttoeigenbeitrag - Steuerersparnis) und zum Schluss die Reale Förderung auf den tatsächlichen Nettoeigenbeitrag.

 

Im vorhergehenden Post ist erklärt ... warum, wieso, was ...

 

WICHTIG: Ändern können wir im oberen Auswahlmenü die Berechnungsstrategie. Vorbelegt ist max. Beiträge = Steueroptimierung, wir können aber Zulagenoptimierung oder individuelle Beiträge umstellen.

 

Wenn wir das tun, werden wir feststellen, dass sich hinsichtlich der realen Förderung unabhängig von der Höhe unserer Einzahlungen im Fallbeispiel prozentual nichts ändert (Rundungstoleranz außen vor). Das ist eben jene Aussage, dass es meist völlig unerheblich ist, was tatsächlich eingezahlt wird.

 

Der typische Ansatz bei "Riester Vermittlern" ... "du muss krasse 4 % vom Brutto einzahlen" ist in keinster Art und Weise haltbar, völliger Nonsens.

 

Mit den Konstellationen arbeiten

 

Ich kann nun diverse Entwicklungen in Form von Modellannahmen überprüfen, indem ich die ursprüngliche Eingabemaske anpasse. Wir machen das mal mit ein paar Beispielen:

 

Brutto 45.000 p.a.

 

45000.jpg

 

---

 

Wir unterstellen eine Gehaltssteigerung auf 60.000 p.a.

 

60000.jpg

 

Wir sehen, die Rentabilität steigt deutlich an.

 

---

 

Wir haben einen Alleinerziehenden mit Kind geb. nach 2008 und 45.000 Brutto p.a.

 

45000kind.jpg

 

Wir sehen, die Rentabilität fällt deutlich, Kinder sind halt häufig schlichtweg förderschädlich bei Riester.

 

---

 

Wir heiraten einen Partner ohne Einkommen (die nicht riestert) und haben selbst 45.000 p.a.

 

45000frau.jpg

 

Wir sehen, der "falsche" Ehepartner ist förderschädlich.

 

---

 

Fazit und Warnhinweise

 

Der kurze Tripp durch mögliche Zukunftsszenarien soll nur darstellen: Förderkonstellationen sind bei Riester immer nur eine Momentaufnahme. Förderkonstellationen können sich positiv und negativ ändern.

 

Einfach einen Riestervertrag mit verpflichtend xyz Euro pro Monat abzuschließen, ist so ziemlich die grenzdebilste Möglichkeit, die man wählen kann.

 

Wenn ich Riester abschließen möchte, dann sollte ich eben diese Situationsabhängigkeit und die Funktionsweise der Riesterförderung zumindest grundlegend verstanden haben!

 

---

 

Ein paar Hinweise:

 

Zunächst mal sei erwähnt, dass Konstellationen mit stark unterschiedlichen Einkommen bei verheirateten Paaren mit Kindern vergleichsweise schwierig zu berechnen sind. Hier würde ich immer eher empfehlen, entsprechende Angaben in einen Thread zu packen und einen der freundlichen Forenteilnehmer erklären zu lassen, wie das funktioniert. Alle Eventuaitäten kann dieser Sticky schlichtweg nicht berücksichtigen.

 

---

 

Dann stört sich sicher der ein oder andere an den diversen Auswahlmöglichkeiten (Berücksichtigung der Reform xyz ?!), das kann getrost ausgeblendet werden und ist für die Erfassung der Förderkonstellation unerheblich.

 

Dann stört sich sicherlich der ein oder andere an einem sinkenden Verlauf der Steuerersparnis. Liegt dann einfach daran, dass gem. deinem Einkommen der maximale Grenzsteuersatz noch nicht erreicht ist und der Rechner von steigenden steuerlichen Grundfreibeträgen ausgeht. Ignorier das einfach ...

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Lohnt sich Riester für mich?

 

Stets die richtige Frage: Lohnt sich Riester für mich.

Stets die falsche Frage: Lohnt sich Riester?

 

Riester als Konzept ist immer individuell und als Momentaufnahme der jeweiligen Förderkonstellation zu begreifen. Wie man eine Förderkonstellation berechnen kann und wie die Riester Förderung grundsätzlich funktioniert, das habe ich in den vorhergehenden Postings erläutert.

 

Grundsätzlich gilt folgende Faustregel ... ist ein niedriger Steuersatz im Rentenalter zu erwarten als während des Erwerbslebens UND übersteigen zu erwartende Zulagen und Steuervorteile die zu erwartende nachgelagerte Besteuerung UND liegt das Einkommen / Vermögen im Alter oberhalb der engen Grenzen für die Grundsicherung ... DANN lohnt sich Riester tendentiell.

 

Hinsichtlich der Ausgangsfrage sind also zumindest folgende Faktoren einzuschätzen ...

 

- Förderkonstellation aktuell

- Förderkonstellation zukünftig

- zu erwartende nachgelagerte Besteuerung

 

Zur nachgelagerten Besteuerung der Riester Rente

 

Rentenleistungen aus einer Riester Rente sind grundsätzlich zu 100 % steuerpflichtig. Sozialabgaben fallen im Regelfall nicht an, dass passiert nur jenen, die bspw. kurz vor Rentenbeginn aus der PKV in die GKV wechseln und dann in der freiwilligen Krankenversicherung der Rentner landen.

 

Die Besteuerung gesetzlicher Rentenansprüche (und diesen gleichgestellten Ansprüchen aus Versorgungswerken oder bspw. Rürup) richtet sich hingegen nach dem Jahr des Rentenbeginns. Die Besteuerung steigt schrittweise an, erst ab 2040 sind die gesetzlichen Renten vollständig zu versteuern.

 

Beispiele:

 

Renteneintritt 2015 - 70 % der gesetzlichen Rente zu versteuern

Renteneintritt 2025 - 85 % der gesetzlichen Rente zu versteuern

Renteneintritt 2040 - 100 % der gesetzlichen Rente zu versteuern

 

Rentenerhöhungen sind hingegen immer unabhängig vom ursprünglichen Rentenbeginn zu 100 % steuerplfichtig.

 

Daraus ergibt sich, dass Riester die Steuerlast insgesamt erhöht. Wichtig ist dabei der so genannte Grenzsteuersatz. Als der Steuersatz, der für den dazu gekommenen Einkommensteil Anwendung findet. Nicht zu verwechseln mit dem Gesamtsteuersatz, der sich schrittweise entwickelt. Hier ist zu beachten, dass der erste Euro über dem Steuerfreibetrag bereits mit 14 % eingangsbesteuert wird. Der Grenzsteuersatz wird immer deutlich höher sein als der Gesamtsteuersatz.

 

Nachgelagerte Besteuerung und Förderkonstellation in Einklang miteinander bringen

 

Das ist der Punkt, an welchem wir wieder mit der BMF Förderquote rechnen können, die wir zunächst bei der Beurteilung der Förderkonstellation während der Ansparphase außen vor gelassen haben. Vielleicht nicht ganz einfach zu verstehen, aber wir machen das praktisch an Beispielen.

 

Gehen wir davon aus, dass wir eine BMF Förderquote von 35,9 % BMF Förderquote hatten, das entspricht unserem Beispiel bei der Berechnung von Förderrenditen.

 

Bekomme ich nun 1.000 Geldeinheiten Riesterrentenleistung und beträgt mein Grenzsteuersatz 36 %, muss ich 360 Euro steuern abführen. Das entspicht wieder FAST unserem Beispiel mit 1646 Bruttoeigenbeitrag und 492 Steuerersparnis + 154 Zulage (Förderung in Relation zum Gesamtaufwand betrug 35,9 % = BMF Förderquote).

 

Die BMF Förderquote taugt also bedingt für einen ersten Überschlag hinsichtlich der nachgelagerten Besteuerung.

 

Typische Denkfehler zur "lohnt sich Überlegung" im WPF

 

Einzahlungen in eine Riester Rente sind immer Investitionsentscheidungen zum jeweiligen Zeitpunkt der Einzahlung. Es verbietet sich strengstens irgendeinen Mix zu rechnen, um irgendwie etwas attraktiv zu rechnen, was völliger Hirnriss ist.

 

Das betrifft insbesondere Konstellationen, in denen noch eine erhebliche Gehaltsentwicklung zu erwarten ist.

 

Gerade dann ist davon auszugehen, dass der Grenzsteuersatz im Alter tendentiell höher liegen wird, als die Förderung in der aktuellen Situation. Somit sollte man von Riester Abstand nehmen.

 

Beispiel dafür:

 

24.000 Brutto eines BA Studenten, erwartetes Einstiegsgehalt 48.000 Brutto bei Berufseinstieg

 

806 Euro Eigenbeitrag für 154 Euro Zulage und 106 Euro Steuerförderung

 

-> BMF Förderquote -> (154 + 106) * 100 / 960 = 28,7 %

 

-> Die Wahrscheinlichkeit, dass der Grenzsteuersatz im Alter höher liegen wird, ist relativ hoch. Daher verbietet es sich zum aktuellen Zeitpunkt zu Riestern. Die Situation kann neu beurteilt werden mit Berufseinstieg.

 

Fazit, Faustregel und Förderschemata

 

Grundsätzlich taugt zwar auch die BMF Förderquote nur für einen ersten gedanklichen Überschlag, ist aber zugleich auch der einzige Sinn, den ich in dieser Kennzahl sehe.

 

Als Faustregel gilt: Liegt meine BMF Förderquote möglichst nahe (oder über) den derzeit maximal möglichen 42 % Grenzsteuersatz, wird sich Riester rein konzeptionell sehr wahrscheinlich lohnen.

 

Man kann auch anders formulieren: Entspricht der Eingangssteuersatz einer Steuerstundung dem Ausgangssteuersatz bei nachgelagerter Besteuerung und ist der Zins während der Stundung nach Kosten größer als 0, dann lohnt sich die Steuerstundung.

 

In den Nachfolgenden Posts stelle ich noch zwei grafische Schemata zur Erfassung der "lohnt sich"-Frage für Singles und Familien vor. Ein solches Schema kann aber nicht alle Eventualitäten erfassen und dient zunächst nur der Orientierung und Einordnung. Zudem skizziere ich nachfolgend die theoretischen Idealtypen für eine Riester Rente.

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Geschrieben · bearbeitet von polydeikes

Idealtypen für die Riester Rente kurz skizziert

 

Es gibt eine Reihe von theoretischen Modelfällen, für die Riester innerhalb dieser Konstellation mit hoher Wahrscheinlichkeit konzeptseitig attraktiv sein dürfte.

 

Wichtig: Das trifft keine Aussage über die Eignung von Riester Produkten!

 

Diese Modellfälle hier zunächst mal grafisch dargestellt, anschließend erläutert:

 

idealtypen.jpg

 

 

1) Singles mit gutem Einkommen ab 45k Brutto und drüber, max. 1 Kind oder keine Kinder

2) Familien mit zwei guten Einkommen aber max. 1-2 Kinder

3) Unmittelbar förderberechtigte Frauen mit mehreren Kindern bei moderatem eigenen Einkommen

4) Familien mit mehreren Kindern, einem moderaten Einkommen und mittelbarer Förderkonstellation

 

---

 

1 und 2 profitieren insbesondere von der steuerlichen Förderung. Die tatsächlichen Nettoaufwände sind niedrig, die Förderquote und reale Förderung hoch. Die Steuererstattung kann in Eigenregie selbstverantwortlich außerhalb von Riester angelegt werden

 

3 wird schon schwieriger. Spätestens ab Familien mit 3 Kindern (nach 2008 geb.) wird Riester für den Mann quasi unabhängig vom Einkommen völlig unattraktiv. Für die Frau kann die Kiste aber unabhängig vom Einkommen allein auf Basis des Zulagenanspruchs attraktiv sein. Nur die Relation Zulagenanspruch / Einkommen ist entscheidend für die Attraktivität der Konstellation.

 

4 wird insofern knifflig, als das der Mann riestern muss, damit die Frau förderberechtigt ist. Vorteil: Der Eigenbeitrag des Mannes wird aus 4 % vom Brutto - Zulagenanspruch Mann - Zulagenanspruch Frau berechnet. Bei moderaten Einkommen lohnt es sich also den nicht unmittelbar förderberechtigten Partner Huckepack zu nehmen, da dieser für 60 Euro Eigenbeitrag auf Basis des Eigenbeitrags des unmittelbar Förderberechtigten Partners zusätzlich 154 Euro Grundzulage bekommt.

 

Für 4 gibt es aber nur 2160 Euro insgesamt als Sonderausgabenabzug. Eine steuerliche Attraktivität wird bei mittelbar Förderberechtigten sehr, sehr selten gegeben sein.

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Geschrieben · bearbeitet von polydeikes

Entscheidungsbaum zur Förderkonstellation eines Singles ohne Kinder

 

single-foerderkonstellation.jpg

 

Beim Single ohne Kinder geht es quasi immer um die steuerliche Förderung der Riester Rente. Einzige Ausnahme: Berufseinsteiger im ersten Jahr Riester mit Berufseinsteigerbonus, aber das ist ein einmaliger Effekt.

 

Der Status Single und kein Kind ist schon keine dauerhafte Gegebenheit. Damit aber Riester konzeptionell Sinn macht, sollte die Förderkonstellation schon passen. (siehe Lohnt sich Riester für mich)

 

Ich habe im Schema mit der willkürlichen Grenze von 35k gearbeitet. Die kann man durchaus auch höher ansetzen, deutlich niedriger macht recht wenig Sinn. Ungeachtet dessen ist das keine faktische, irgendwo dokumentiert oder eindeutig begründbare Größe, sondern eine festgelegte Modellannahme.

 

Ansonsten sollte das Förderschema für den Single dermaßen simpel sein, dass die Anleitung zum Förderrechnerund die Grafik hier zur Beurteilung der konzeptionellen Eignung hinreichen sollte.

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Geschrieben · bearbeitet von polydeikes

Entscheidungsbäume zur Förderkonstellation Familie mit Kindern

 

Es sei zunächst gesagt, dass Riester mit Kinderzulagen sehr viel komplexer wird, als das bei einem Single der Fall ist. Alle Eventualitäten in ein Schema zu packen wird weitgehend unmöglich sein. Daraus leiten sich 2 Dinge ab ...

 

1) Familien mit Kindern und zwei unmittelbar Förderberechtigten sollten unbedingt das Posting zum Spezialfall - Familien mit mehreren Kindern lesen, das hier noch reinzupacken würde das Posting sprengen

2) Wir müssen mit mehreren Entscheidungsbäumen arbeiten

 

Wir verwenden zunächst zwei Entscheidungsbäume:

 

a - unmittelbare Förderberechtigung für beide Partner

b - mittelbare Förderberechtigung

 

Im Anschluss erkläre ich diese Entscheidungsbäume auszugsweise. Allerdings ersetzen diese Entscheidungsbäume das Lesen des Postings zum Spezialfall - Familien mit mehreren Kindern nicht.

 

Entscheidungsbaum 2x unmittelbare Förderberechtigung

 

Unterstellt wird VERHEIRATET UND gemeinsame steuerliche Veranlagung. Sollte das nicht der Fall sein, seid ihr in diesem Thread zunächst nicht erfasst. Solltet ihr nur schlichtweg keinen Trauschein haben, könnt ihr mit den Prüfschemen für Singles arbeiten, Zulagen(ansprüche) können aber nur über Änderungen des Kindergeldbezugs (oder Kinderfreibeträge) gem. § 85 EStG Abs. 2 umverteilt werden.

 

famubkinder.jpg

 

 

Entscheidungsbaum mittelbare Förderberechtigung

 

Eine mittelbare Förderberechtigung ist ab 2 nach 2008 geborenen Kindern eigentlich immer interessant. Bei 2 Kindern ist aber abhängig vom insgesamt zu versteuernden Einkommen (beider Partner) zu prüfen, welche Beitragsstrategie Anwendung finden soll. Ab 3 Kindern, geb. nach 2008 ist es im Prinzip völlig egal, welche Einkommen bei mittelbarer Förderberechtigung zu Grunde gelegt werden müssen.

 

familiembkinder.jpg

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Geschrieben · bearbeitet von polydeikes

Familien mit Kindern - Die Grundlagen

 

Aus den vorhergehenden Kapiteln sollte eigentlich eine der wichtigsten Riesterweisheiten hervorgegangen sein. Falls diese übersprungen wurden, hier zur Sicherheit die Wiederholung:

 

Riester und das meint die individuelle Förderkonstellation, ist hinsichtlich der Rentabilität der Riesterförderung immer nur eine Momentaufnahme. Förderkonstellationen ändern sich, insbesondere in Abhängigkeit von Einkommen, Familienstand und ggf. Kindern.

 

Daraus ergibt sich eine einfache Schlussfolgerung, an welcher in der Praxis häufig auch intelligente Menschen regelmäßig scheitern:

 

Jede einzelne Einzahlung in einen Riestervertrag ist eine aktive Investitionsentscheidung. Anders als beim Kauf einer Aktie wird jedoch nicht bspw. die Perspektive und wirtschaftliche Gesamtsituation betrachtet, sondern eben die AKTUELLE FÖRDERKONSTELLATION.

 

Wer der Meinung ist, ich schließe da halt irgendwas mit Zulagen ab, fixer monatlicher Beitrag, fire and forget - der wird zwangsläufig mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Riester weniger Erfolg haben, als ein Affe mit Dartpfeil bei der Aktienauswahl.

 

Nachdem wir mit den ersten Sätzen nun begründet haben, warum die folgenden Kapitel notwendig sind, müssen wir für diese zunächst ein paar Grundlagen legen und Begriffe klären.

 

Die Förderberechtigung an sich ...

 

... ergibt sich, sobald wenigstens an einem Tag im Kalenderjahr rentenversicherungspflichtiges Einkommen erzielt wurde.

 

Die Geburt eines Kindes führt idR zur unmittelbaren Förderberechtigung ...

 

... da Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung anerkannt werden.

 

Eine Mutter ohne rentenversicherungspflichtiges Einkommen wird somit im Zuge der Geburt eines Kindes unmittelbar zulagenberechtigt, für die Dauer ...

 

... der Anerkennung von Kindererziehungszeiten, maximal 36 Monate. Grad diese Dauer führt zur ersten begrifflichen Ungenauigkeit, die auch mir ganz gern passiert, wenn ich von "die ersten 3 Jahre" schreibe. Das ist schlichtweg falsch. Die entsprechende gesetzliche Norm ist der §56 SGB VI Abs. 5.

 

 

§56 SGB VI Abs. 5

 

(5) Die Kindererziehungszeit beginnt nach Ablauf des Monats der Geburt und endet nach 36 Kalendermonaten. Wird während dieses Zeitraums vom erziehenden Elternteil ein weiteres Kind erzogen, für das ihm eine Kindererziehungszeit anzurechnen ist, wird die Kindererziehungszeit für dieses und jedes weitere Kind um die Anzahl an Kalendermonaten der gleichzeitigen Erziehung verlängert.

 

Beispiel:

Kind geb. 01.06.2015

Beginn der Kindererziehungszeit zum 01.07.2015

 

-> Ende der Kindererziehungszeit nach 36 Monaten zum 30.06.2018

 

Es besteht also Förderberechtigung innerhalb von 4 Kalenderjahren, sofern tatsächlich die maximale Kindererziehungszeit genutzt wird. Man beachte allerdings: Die Berechnung von Zulagen bezieht sich immer auf das Vorjahresbrutto. Hat die Frau bspw. 2014 noch gut verdient, bekommt sie die Kinderzulagen 2015 nicht für den Sockelbeitrag. Gleichzeitig bezieht sich die steuerliche Förderung der Riester Rente aber immer auf das zu versteuernde Einkommen des aktuellen Kalenderjahres.

 

Hierbei ist zu beachten, dass evtl. Elterngeldzahlungen zwar kein rentenversicherungspflichtiges Einkommen sind, sehr wohl aber in die steuerliche Progression fallen.

 

 

Kinderzulagen sind kein Geschenk, sondern konkurrieren mit der steuerlichen Förderung ...

... da die Zulagen die Einkommensteuerschuld wieder erhöhen (auf das zu versteuernde Einkommen aufgeschlagen werden), nur ohne Soli.

 

Kinderzulagen sind an den Bezug von Kindergeld oder das Nutzen von Kinderfreibeträgen gekoppelt ...

... letzteres findet bei höheren Einkommen Anwendung und reduziert ggf. zu versteuerndes Einkommen, somit den Grenzsteuersatz und senkt so ggf. zusätzlich die Rentabilität der Förderkonstellation.

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HINWEIS: Das erste Rechenbeispiel ist mit gleichem Bruttoeigenbeitrag erstellt. Es ist kein Drama, wenn das isoliert betrachtet zunächst verwirrt. Kann aber nur daran liegen, dass man "wie funktioniert die Riester-Förderung" nicht gelesen und nicht selbst im verlinkten Rechner gerechnet hat.

 

 

Kinderzulagen und deren Auswirkungen bei gutem Einkommen

 

Eines der absurdesten Vourteile bei Riester ist die Annahme, Riester würde sich nur mit Kind(ern) lohnen. Völliger Käse, genau wie die Annahme, die maximale Riester Förderung sei gleich die Zulage. Wie schon in der Einleitung beschrieben, Zulagen konkurrieren immer mit der tatsächlichen steuerlichen Förderung.

 

Im Zuge von Kinderzulagen reduziert sich die steuerliche Förderung, Zulagen erhöhen die Einkommensteuerschuld wieder. Das führt zu einer ganzen Reihe systemischer Probleme hinsichtlich der Riester Förderkonstellation, die auch im WPF immer wieder ein Thema sind.

 

Wir schauen uns hier zunächst einmal die Auswirkungen bei einem Single an, da dies leichter zu verstehen ist. Unser Single hat 45k Brutto.

 

Für die maximale Förderung notwendiger Bruttoeigenbeitrag: 1.646

Zulage: 154

Steuerförderung: 486

Gesamtförderung: 640

Nettoaufwand: 1.160

 

Reale Förderung des Nettoaufwandes: 55 %

 

Hat er nun ein nach 2008 geborenes Kind, kommen zusätzliche 300 Euro Kinderzulage dazu.

 

Für die maximale Förderung notwendiger Bruttoeigenbeitrag: 1.646

Zulage: 454

Steuerförderung 222

Gesamtförderung: 676

Nettoaufwand: 1.424

Reale Förderung des Nettoaufwandes: 47 %

 

Wir sehen, die reale Förderung ist deutlich gesunken. Das dürfte eigentlich keinerlei Überraschung sein, hat man die Erläuterungen zur Berechnung der Riesterförderkonstellation gelesen. Wenn nicht, nachholen, ich erklär es hier nicht erneut. Kurzum, das eine Kind ist förderschädlich.

 

Noch extremer wirkt sich das bei sehr guten Einkommen aus, wenn statt Kindergeld dann Kinderfreibeträge bei maximalem Grenzsteuersatz wirken.

 

Hätte aber unser 45k Beispiel nun 2 nach 2008 geborene Kinder, kommen zusätzliche 600 Euro Kinderzulage dazu. Nun bedarf es eines gedanklichen Umschaltens. Wir erreichen bei diesem Einkommen und 2 Kindern geb. nach 2008 bereits einen höheren Zulagenanspruch (zstl. 600) versus der Steuererstattung des Singles ohne Kind (486).

 

Das führt dazu, dass wir die Berechnungsstrategie auf Zulagen hin optimieren müssen.

 

Bruttoeigenbeitrag = Nettoeigenbeitrag: 1.046

Zulagen: 754

Steuerersparnis: 0

Reale Förderung des Nettoaufwandes: 72 %

 

Wir haben also eine Situation erreicht, wo durch 2 Kinderzulagen eine höhere reale Förderung bei Zulagenoptimierung entsteht, als bei maximalem Eigenbeitrag.

 

VORSICHT

 

Das gilt für die 45k Brutto. Bei bspw. 65k Brutto haben wir im Zuge (wg. des höheren Grenzsteuersatzes) der attraktiveren steuerlichen Förderung beim Single ohne Kind bereits 78 % reale Förderung auf den Nettoaufwand.

 

Hätte der Single mit 65k Brutto nun 2 Kinder, würde sich die Förderung auf 62 % reduzieren. Erst mit 3 Kindern erreicht er den Status von 101 % bei Zulagenoptimierung.

 

Kurzum: Kinderzulagen rechnen sich bei weitem nicht automatisch, es hängt immer vom Einkommen ab und ist individuell zu rechnen. Grad auch bei der alten 185 Euro Kinderzulage bei Kindern geb. vor 2008 ist doppelte Aufmerksamkeit geboten.

 

VORSICHT

 

Unsere obigen Erkenntnisse lassen sich nur dann auf eine Familie übertragen, wenn nur einer von beiden riestert. Ansonsten laufen wir in die gängigste Riesterfalle, um die es in diesem Abschnitt eigentlich gehen soll. Und dieser Fallstrick ist extrem weit verbreitet. In der Praxis hat das einen ganz einfachen Grund. Vermittler jedweder Art rechnen in der Praxis die Fördersituation (wenn überhaupt) fast immer nur einzelvertraglich aus. Kann jeder mit 2 Riesterverträgen in einer Familie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anhand seiner Unterlagen nachvollziehen.

 

Wir müssen hier aber die GESAMTE FÖRDERKONSTELLATION betrachten.

 

Dafür gehen wir zunächst vom einfachen Beispiel zweier vergleichbarer Einkommen aus. Dem Spezialfall mit unterschiedlichen Einkommen widme ich mich sepparat im nächsten Kapitel. Frau und Mann haben also nun beide 45 k Brutto. Solange keine Kinder da sind, kann man es wie beim Single rechnen, die steuerliche Förderung (55 % auf den Nettoeigenbeitrag, unabhängig von dessen Höhe) zieht. Mit Kindern ändert sich das. Betonung liegt auf KindERN, wie bereits festgestellt, nur ein Kind ist förderschädlich in der Konstellation.

 

Beispiel 2 Kinder geb. ab 2008 mit Zulagenoptimierung:

 

beispiel-a.jpg

 

Optisch sieht das ja noch erträglich aus mit 45 realer Förderung auf den Nettoaufwand und eine Steuerförderung ist auch dabei. Das ist aber ein böser Trugschluss. Einer von beiden ist nämlich entbehrlich, bzw. senkt die Förderkonstellation ab. Das sehen wir, wenn wir nur einen von beiden riester lassen deutlicher.

 

beispiel-b.jpg

 

Real bekommt derjenige ohne die Kinderzulagen für seine 1646 Eigenbeitrag nämlich nur 154 Zulage + 217 Euro Steuerförderung. Macht hinsichtlich Rentabilitätsüberlegung schlichtweg (154 + 217) * 100 / (1646-217) = 25,96 reale Förderung.

 

Dazu drei Dinge:

 

1) 25,96 % sind keine attraktive Riester Förderung. Legt man gedanklich auf die genormte BMF Förderquote um (zwecks Überschlag hinsichtlich späterer Versteuerung), kommt folgendes raus: 1646 + 154 = 1800 Gesamtbetrag ... (154 + 217) *100 / 1800 = 20,6 % BMF Förderquote

 

Der Eingangsgrenzsteuersatz, welche auf die erste verdiente Geldeinheit über Grundfreibetrag entsteht, liegt bereits bei 14 %. Liegt der Grenzsteuersatz über 20,6 % -> Verlustgeschäft hinsichtlich Riesterförderung.

 

Sehr wahrscheinlich ist die Einzahlung aus Überschlag hinsichtlich späterer Versteuerung der Riesterrentenzahlung somit in dieser Konstellation bereits ein Verlustgeschäft.

 

2) Dieser Sachverhalt spitzt sich mit mehr als 2 Kindern im Fallbeispiel weiter zu.

3) Bei deutlich unterschiedlichen Einkommen kann sich die Situation weiter dramatisch verschlimmern. Darum soll es im nächsten Kapitel gehen.

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Fallstrick Kinderzulage für Familien mit unterschiedlichen Einkommen

 

Dieser Post ist die inhaltliche Fortsetzung und Ergänzung des vorhergehenden Posts. Wir hatten zunächst Eltern mit 2 Kindern und jeweils 45k Brutto. Die Realität sieht meist anders aus. Es gibt undenkbar viele Konstellationen, nicht alle kann und werde ich hier beschreiben.

 

Mir geht es in erster Linie um zwei Spezialfälle, die ggf. nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.

 

Spezialfall 1

 

Nehmen wir an, die Mutter ist in Kinderziehung und hat auch im Vorjahr kein Einkommen. Die Regelung bzgl. Anerkennung von Kinderziehungszeiten hatte ich in den Grundlagen schon erläutert.

 

Gleichzeitig unterstellen wir dem Vater besagte 45k Bruttoeinkommen. Das sähe dann so aus, wenn beide auf Zulagen optimiert einzahlen:

 

beispiel-c.jpg

 

Kurz erläutert: Brutto der Frau ist 0 ... 0 / 100 * 4 - Zulage ergibt ein negatives Ergebnis, es greift der Sockelbeitrag von 60 Euro p.a. ...

 

Optisch sieht das ja wieder schick aus, 53 % reale Förderung. Real kommt das aber allein von der Frau mit den Kindern, der Vater ist hier in der Überlegung völlig entbehrlich (wer sich diskriminiert fühlt, es geht auch andersrum).

 

Riestert der Vater nämlich nicht, sieht das hier so aus:

 

beispiel-d.jpg

 

Real riestert der Vater also mit 1646 Eigenbeitrag für 154 Zulage. Macht 154 * 100 / 1646 = 9,36 % reale Riesterförderung

 

Eigentlich dürfte es nicht nötig sein drauf hinzuweisen, die Praxis zeigt aber leider das Gegenteil: Es wäre völlig hirnrissig hier als Vater zu riestern. Besteht bereits ein Riestervertrag für den Vater aus früheren Zeiten, sollte er für die Dauer dieser Konstellation die Beitragszahlung aussetzen. Kann er das bedingungsgemäß nicht (ohne Nachteile), hat er das falsche Riesterprodukt gewählt.

 

Kurzum: Bei Kindern immer genau nachrechnen, jede Einzahlung in Riester ist abhängig von der aktuellen Förderkonstellation immer eine aktive Investitionsentscheidung!

 

---

 

Und jetzt zum letzten spannenden Fall ...

 

Spezialfall 2

 

Wie schon beim Single erläutert, die Konstellation ist auch beim Kind einkommensabhängig. Wir hatten beim Single ausgerechnet, dass bei 65k Brutto die Steuererstattung bspw. auch die 2 Kinderzulagen übersteigt. Das gilt abgewandelt auch für die Familie, so wir bspw. 65k pro Nase haben (130k).

 

Wie sich die 130k nun zusammensetzen ist völlig egal (wer verdient was, wayne). Wir gehen aber der Einfachheit halber davon aus, dass der Mann 130k hätte und die Frau 0 (um obige Beschreibung fortzusetzen). Dann sieht das so aus:

 

beispiel-e.jpg

 

Es lohnt sich für beide voll zu riestern, also maximal mögliche Beiträge. Die Kinder sind zwar förderschädlich (ohne wären es 78 % reale Förderung), aber eben auch kein Problem ... die Förderung passt durch die Steuerersparnis für beide.

 

Für zusätzliche 1946 + (1346 -60) Eigenbeitrag gibt es 863 Steuerförderung und 154 Zulage. Rechnerisch dargestellt:

 

3232 - 863 Steuerförderung = 2369 Euro Eigenbeitrag

 

Für die 2369 gibt es wiederum 863 Steuerförderung + 154 Zulage als Gesamtförderung ( 1017)

 

1017 * 100 / 2369 = 42,93 %

 

Nun sind 42,93 % nicht unbedingt viel reale Riesterförderung, aber es ist akzeptabel. Ob man es will, jeweils Präferenzentscheidung. Der Aufbau eines summentechnisch relevanten Altersvorsorgebausteins für die Frau kann ein guter Grund sein (bei dauerhaftem 0 Einkommen = Hausfrau). Es ist auf jeden Fall nicht die typische zuvor beschriebene Fallstrick-Konstellation.

 

 

Problem:

 

Auch die Konstellation kippt wieder um, so es nun mehr als 2 Kinder werden. Auch dann muss der Nutzen für jeden zusätzlichen investierten Euro wieder erneut berechnet werden.

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Mittelbare Förderberechtigung

 

Sind nicht beide Partner unmittelbar förderberechtigt (bspw. Frau auch nach Ablauf der GRV Kindererziehungszeit Hausfrau ...), ändert sich das Berechnungsschema deutlich. Ich will das gar nicht groß ausdehnen und nehmen zwei wichtige Feststellungen vornweg:

 

1) Mittelbare Förderberechtigung lohnt sich nur, wenn das Einkommen des unmittelbar Förderberechtigten nicht all zu hoch, dafür aber der Zulagenanspruch (durch Kinder) hoch ist.

2) Ist diese Konstellation nicht gegeben, empfiehlt es sich einfach durch mind. 1 rentenversicherungspflichtige Arbeit im Jahr unmittelbare Förderberechtigung herzustellen. Auch eine Hausfrau kann mal für einen Tag von 365 einen rentenversicherungspflichtigen 450 Euro Job machen ...

 

Kurz erklärt, wie sich mittelbare Förderberechtigung berechnet:

 

Anders als bei unmittelbarer Förderberechtigung besteht nur ein Sonderausgabenabzug von 2100 Euro zzgl. der von dem unmittelbar Förderberechtigten zu leistenden 60 Euro Eigenbeitrag. Also 2160 Euro verfügbarer Sonderausgabenabzug gesamt.

 

Anders als bei den vorher beschriebenen Konstellationen, wird der gesamte Zulagenanspruch beim unmittelbar Förderberechtigten abgezogen, um den für vollen Zulagenenanspruch erforderlichen Eigenbeitrag zu berechnen.

 

Beispiel:

 

40k Brutto Mann

0 Brutto Frau

2 Kinder geb. nach 2008

 

40.000 / 100 * 4 = 1600

 

1600 - 154 (Grundzulage Mann) - 154 (Grundzulage Frau) - 600 Euro Kinderzulagen = 692

+ 60 Euro Eigenbeitrag Frau

 

Für 692 Euro + 60 Euro = 752 Euro bekommen wir im Beispiel 904 Zulagen. Steuerersparnis ergibt sich logischerweise keine. Somit erhalten wir im Beispiel eine Förderung von 120,2 % unserer Eigenbeiträge.

 

Hier gilt es nur zu bedenken, dass Brutto / 100 * 4 gem. aktueller Fassung §10a EStG auf 2100 begrenzt ist. Selbst bei viel höherem Bruttoeinkommen des Mannes haben wir also in unserem Beispiel nur ...

 

2100 - 904 Euro Zulagen = 1196 erforderlicher Eigenbeitrag + 60 Euro Sockelbeitrag der Frau

 

1256 Eigenbeitrag

904 Zulagenanspruch

 

904 * 100 / 1256 = 71,97 % reale Riester Förderung

 

Die 2100 greifen im Umkehrschluss bei einer Berechnungsbasis von 52500 Brutto. Bei diesem Brutto liegt die reale Förderung für einen Single ohne Kinder noch bei 63 %. Die rund 72 % werden ab einem Einkommen von 59.500 Euro für den Single ohne Kinder erreicht, das Maximum sind 78 % reale Förderung.

 

Insofern kann natürlich die Frage auftauchen, ob für einen Gutverdiener im Zuge unmittelbarer Förderberechtigung ohne Frau die Story nicht ggf. lukrativer wäre, wenn er bspw. die Kinderzulagen nicht beantragt. Das ist nur dann möglich, wenn derjenige der alleine riestert weder Kindergeld noch Kinderfreibeträge noch Kindererziehungszeiten in der GRV angerechnet bekommt. Ansonsten geht die Kiste bei Nachprüfung durch die ZFA sehr wahrscheinlich hoch, die ZFA kann das 5 Jahre lang tun und sie erhält automatisch diese Daten.

 

Dazu auch dieser Thread: https://www.wertpapier-forum.de/topic/46459-riester-kinderzulage/?do=findComment&comment=956540

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Das Schichtenmodell der privaten Altersvorsorge

 

Dieser Teil und die nachfolgenden 2 Kapitel bestehen aus absoluten Basics. Eigentlich grenzt es an Dreistigkeit hier etwas Neues zu erfahren, aber bereits eine Frage zu Riester im Wertpapierforum gestellt zu haben. In diesem Einleitungspost steht nichts drin, was nicht elementarste Grundvoraussetzung ist, bevor ich überhaupt auf die Idee komme, anderen ihre Zeit zu klauen.

 

Blöderweise zeigt die Praxis, dass es trotzdem immer wieder vorkommt. Ich neige dazu solche Postings zu ignorieren. Man kann erwarten, dass sich der Hilfesuchende zumindest im grundlegendsten Rahmen vorab informiert.

 

Aber was soll es ... ich stelle es an dieser Stelle trotzdem mal ein. Auch wenn es nichts ist, was man nicht an jeder Ecke lesen könnte und gelesen haben sollte.

 

Alterseinkünftegesetz von 2005 und das Drei Schichtenmodell

 

Im Zuge des Alterseinkünftegesetzes von 2005 hat der Staat die private Altersvorsorge neu definiert. In erster Linie hinsichtlich einer Unterscheidung in ungeförderte und geförderte private Altersvorsorge. In zweiter Linie hinsichtlich der jeweiligen Begebenheiten der unterschiedlichen Formen geförderter privater Altersvorsorge.

 

Die Einteilung ist der nachfolgenden Grafik zu entnehmen:

 

drei-schichten-modell-altersvorsorge.jpg

 

Schicht 1 umfasst gesetzliche Rentenversicherung und Rürup. Schrittweise ansteigende Absetzbarkeit der Einzahlung, schrittweise ansteigende Versteuerung der Leistung, volle Versteuerung von Erhöhungsleistungen (Rentenerhöhung). Das ganze nennt sich Kohortenprinzip und ist bequem bei Wikipedia nachlesbar. Schicht 1 ist generell nicht kapitalisierbar, kann nur verrentet werden.

 

Schicht 2 umfasst betriebliche Altersvorsorge (bAV) und Riester. Volle Absetzbarkeit der Beiträge im Rahmen der jeweiligen konzeptionellen Grenzen, volle Versteuerung unabhängig vom Rentenbeginn. Kapitalisierbar ist Riester zu in jedem Fall 30 %, ggf. auch in höherem Umfang (siehe Kleinbetragsrente und Wohnriester). Bei bAV hängt es von Durchführungsweg und Produkt ab, grundsätzlich ist bAV aber durchaus voll kapitalisierbar.

 

Schicht 3 umfasst alles ungeförderte Sparen, wobei es dem Gesetzgeber um die steuerliche Privilegierung von ungeförderten Rentenversicherungen ging. Tagesgeld ist aber ebenso Schicht 3, auch wenn die Eignung für Altersvorsorge in Frage gestellt werden darf.

 

Konkurrenzbeziehungen

 

Natürlich besteht zwischen den Schichten automatisch eine Konkurrenzbeziehung. Trivialisiert: "Ich hab hier 100 Euro zum Sparen, wo pack ich die am sinnvollsten rein?"

 

Darum soll es nur bedingt gehen. Gerade Rürup verbietet sich idP für jüngere Menschen (Renteneintritt nach 2040) vor 2025, wenn keine Sonderkonstellation gegeben ist. Und nein, ihr "blaue Pulli-Träger" und "für mich nicht vielleicht doch"-Individualisten, gerade für euch Hirnies ungeeignet. (eine Anspielung auf die "lohnt sich BU + Rürup für mich nicht vielleicht doch"-Idioten)

 

Eine reale Konkurrenz ggü. Riester besteht nicht. Wer an vorhergehender Behauptung zweifelt, kann meinen Rürup Sticky lesen. Wer dann noch immer zweifelt ... talk to the hand.

 

Es besteht allerdings auch eine Konkurrenzbeziehung innerhalb der Schichten, so bspw. zwischen bAV und Rürup. Nicht nur hinsichtlich Rentabilität, welche bei bAV rein Einkommensabhängig ist, während bei der Riester Rente die Förderkonstellation zusätzlich vom Familienstand + Kinder abhängt.

 

Die Konkurrenzbeziehung innerhalb Schicht 2 resultiert auch daraus, dass unterschiedliche Regelungen hinsichtlich Flexibilität ... bspw. Übertragbarkeit, Kapitalisierbarkeit, Anbieterauswahl etc. gegeben sein können.

 

Eine Konkurrenzbeziehung meint aber nicht automatisch, dass sich Riester + bAV gleichzeitig automatisch verbieten würden. Ich merke aber meine persönliche Meinung an:

 

Schicht 2 sollte immer nur ein Baustein sein. Maximale Nutzung von bAV und Riester gleichzeitig halte ich persönlich für die meisten Menschen hinsichtlich ihrer gesamten Assetallokation für ungeeignet, so das dauerhaft angedacht ist und nicht bspw. zur Optimierung kurz vor Rentenbeginn genutzt wird.

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Riester Rente oder betriebliche Altersvorsorge?

 

Grundlegendes und Einschränkung

 

Das Thema bAV ist erheblich komplizierter als das Thema Riester, Riester ist dagegen "Kinderkram". Riester ist einfach nur "viel", aber absolut nichts an Riester ist wirklich schwer zu verstehen. Punkt und Strichrechnung kann quasi jedes Riester Thema auflösen.

 

Das funktioniert bei bAV aus 5 Gründen so nicht:

 

- die gesetzlichen Regelungen sind komplexer und weniger "offen" als das EStG, welches 99 % der Riesterfragen beantworten kann

- es gibt 5 + 1 Durchführungswege die erheblich (auch konzeptionell) unterschiedlicher sind als die Riester Varianten und 5 davon spielen im für Laien relativ intransparenten Versicherungsbereich

- mit dem Arbeitgeber kommt eine weiterer Akteuer dazu, den es zu berücksichtigen gilt

- bAV ist in erster Linie eine Aufgabe eines fähigen Steuerberaters, der Vermittler ist eigentlich nur Zulieferer und mit der Rolle geben sich die wenigsten Vermittler zufrieden, verkaufen lieber Schwachsinn

- bAV unterliegt keinen einheitlichen Zertifizierungsmechanismen so wie Riester, die Produktwelt ist daher viel komplexer

 

Daher findet man im WPF zu betrieblicher Altersvorsorge auch nahezu 0,0 brauchbare Informationen im Wertpapierforum. In den Threadverläufen scheitern selbst sonst erfahrene / versierte / clevere User regelmäßg im bAV Kontext. Ich habe es mittlerweile aufgegeben noch konkret zu diesem Thema zu posten, da der nächste Nullchecker spätestens 24h später den Thread mit irgendeiner sinnfreien Finanztestweisheit vollmüllt.

 

Konkurrierende Förderkonstellation

 

BAV und Riester gehören konzeptionell beide in Schicht 2 (Schichtenmodell der privaten Altersvorsorge). Wobei so ziemlich die einzige Gemeinsamkeit darin besteht, dass die Beiträge gem. der (unterschiedlichen) Höchstgrenzen immer zu 100 % absetzbar und Leistungen immer zu 100 % zu versteuern sind.

 

Will ich die Rentabilität des Konzepts Riester prüfen, muss zeitgleich praktisch immer wenigstens im Quickcheck auch ein Blick auf die bAV geworfen werden. Dieser Quickcheck kann unterschiedlich ausgehen:

 

- nur eines von beiden passt

- beides passt

- keins passt

 

An der Stelle mal ein Kommentar: Nur weil bspw. keins von beiden passt, muss man noch lange nicht "was soll ich dann machen" rufen. Dann kümmert man sich halt selbst um seine Altersvorsorge.

 

Faustregeln für den Quickcheck

 

Kinder haben mit Ausnahme von Kinderfreibeträgen (für Gutverdiener) statt Kindergeld nahezu keine Auswirkungen auf bAV. Kinder führen hingegen eigentlich immer zu einer relativ eindeutigen Aussage (so oder so) hinsichtlich der momentanen Rentabilität bei Riester, Zwischenfälle sind aber auch möglich.

 

Somit bleibt die Referenz das Einkommen für die Betrachtung der bAV.

 

Und da gibt es bei der bAV praktischerweise eine gesetzliche, statt einer willkürlichen Grenze. Diese gesetzliche Grenze ist die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung. Die BBG KV West liegt / lag 2015 bei 49.500 Euro Brutto und wird jährlich neu festgelegt.

 

Bis zur BBG KV ergibt sich bzgl. des Einkommens folgende Faustregel, lässt man Kinder außen vor:

 

Liegt das Einkommen nahe an der BBG KV oder darüber, wird Riester lukrativ. Liegt das Einkommen erheblich unter der BBG KV, wird bAV immer attraktiver sein - rein auf die konzeptseitige Förderkonstellation bezogen.

 

Diese Faustregel ist aber in vielerlei Hinsicht unvollständig. Sie berücksichtigt diverse Softfaktoren, die Lebensentwicklung und die Produktseite nicht. Man kann mpMn anhand des Einkommens und der zu erwartenden Einkommensentwicklung aber sehr wohl eine Aussage darüber treffen, ob der Modellfall eher bAV Typus oder eher Riester Typus ist.

 

Grund für diese Faustregel ist die Tatsache, dass ab Einkommen deutlich über BBG KV keine Krankenversicherungsbeiträge mehr eingespart werden. Leistungen aus einer bAV sind aber vorbehaltlich diverser Gestaltungsmöglichkeiten für gesetzlich Krankenversicherte IMMER MIT DEM VOLLEN BEITRAGSSATZ (inkl. AG Satz) von fast 16 % nachgelagert zu verbeitragen!

 

Die Faustregel wird also auch dann löchrig, wenn der KV Status der eines privat Krankenversicherten ist.

 

Wichtiger Hinweis: Stellt man die brutto-Förderkonstellation einer betrieblichen Altersvorsorge grafisch dar, wirkt diese schon bei niedrigen Einkommen attraktiv und erreicht den Höhepunkt ein gutes Stück oberhalb der BBG KV. Betrachtet man die netto - Förderkonstellation inkl. nachgelagerter Verbeitragung, stellt die BBG + Umwandlungsbetrag den Höhepunkt da.

 

Zu den Softfaktoren als Entscheidungsgrundlage zählen beispielsweise ...

 

Die eingeschränkte Auswahl bei bAV ist meist arbeitgeberseitig bedingt. Der Arbeitgeber muss nur EINE bAV anbieten. In der Praxis ist das häufig nur die Direktversicherung (Durchführungsweg !!! , das hat nichts mit Direkversicherung im Sinne des Vertriebs zu tun) des Versicherers, mit dem der Arbeitgeber einen Vertrag geschlossen hat.

 

Das ist dann in der Praxis häufig ähnlich sinnvoll, wie eine Riester Rente beim Kumpel aus dem gemeinsamen Sportverein mit stur 4 % vom Brutto mtl. Beitrag abzuschließen. Kurzum: Häufig gar nicht sinnvoll.

 

Riester habe ich hingegen freie Marktwahl, was ganz andere und individuell geeignetere Produktauswahl ermöglicht. Die Fraktion "Altersvorsorge in 30 Minuten machen" kann man aber ohnehin nicht retten, für die zählt auch der beschriebene Unterschied nicht.

 

Somit muss also ggf. bAV-seitig ein weiterer Anreiz gesetzt werden. Der kann durch Arbeitgeberzuschüsse entstehen. Formal würde es die AG-Zuschüsse in einer fairen Welt immer geben, denn mit Entgeltumwandlung des AN in der bAV spart der Arbeitgeber Sozialabgaben. Nur: Was ist schon fair ... nicht einmal Bambi lief fair.

 

Zudem gibt es den Spezialfall für hohe Einkommen und spezielle Durchführungswege. Bspw. ist der Durchführungsweg Direktzusage hinsichtlich der Planbarkeit für den Vorsorgenden durch keinerlei anderes Altersvorsorgeprodukt zu toppen. Für Unternehmen sind Direktzusagen hingegen in mehr als 60 % der Fälle bereits heute tickende Zeitbomben. Daher steht dieser Durchführungsweg nur wenigen Arbeitnehmern offen, idR gekoppelt an erheblich überdurchschnittliche Einkommen.

 

BAV in den Durchführungswegen Direktzusage und Unterstützungskasse kann bei sinnvoller steuerlicher Gestaltung auch bei sehr hohen Einkommen sehr attraktiv sein.

 

Und wie sollte es anders sein: Selbst dieses Paradigma steht auf der Kippe, liegt an den steuerlichen Privilegien dieser bAV für Privilegierte. Derzeit (Ende 2015) entscheidet der Bundesfinanzhof darüber, ob auch für die anderen Durchführungswege die gleiche Form der Besteuerung zu gewähren ist (Fünftelregelung).

 

---

 

Kurzum: Unter grober Berücksichtigung der Faustregel ...

 

Liegt das Einkommen nahe an der BBG KV oder darüber, wird Riester lukrativ. Liegt das Einkommen erheblich unter der BBG KV, wird bAV immer attraktiver sein - rein auf die konzeptseitige Förderkonstellation bezogen.

 

... und in Abhängigkeit von den möglichen bAV Optionen und Softfaktoren ergibt sich, ob man eher Riester oder eher eine bAV wählen sollte.

 

Das ist sehr individuell und gerade hinsichtlich der Softfaktoren (auch Portabilität bei AG Wechsel usw. usf.) sehr stark von persönlichen Präferenzen abhängig.

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Riester oder Rürup Rente?

 

Ich mach es kurz: Lest meinen Rürup Sticky.

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Was ist eigentlich Wohnriester und was ist es nicht?

 

Wohnriester bezeichnet umgangssprachlich die rückwirkend zu 2008 eingeführten gesetzlichen Regelungen hinsichtlich Verwendung von gefördertem Riesterguthaben im Zuge von Erwerb und Finanzierung selbstgenutzten Wohneigentums. Das meint das Eigenheimrentengesetz und insbesondere den §92a EStG.

 

Im Prinzip ist der §92a EStG theoretisch = Wohnriester, praktisch dann doch wieder nicht. Merkt man bspw. hinsichtlich der Frage nach der gesetzlichen Grundlage, warum Wohnriester seit 01.01.2014 auch für Altimmobilien (erworben vor 2008) nutzbar ist, das steht nicht wörtlich im §92a EStG, sondern in einem BMF Schreiben.

 

Wohnriester ist also eine gesetzliche Regelung, die FÜR ALLE RIESTERPRODUKTE GILT.

 

Es gibt kein Wohnriesterprodukt. Man kann "kein Wohnriester abschließen". Nein, auch dann nicht, wenn der LBS Vertreter (beliebigen Bauspartrottel hier einsetzen) das so verkaufen möchte. Nein, wirklich nicht.

 

Was es gibt, sind die für die verschiedenen Riester Varianten individuell unterschiedlichen Eignungen und Möglichkeiten hinsichtlich Wohnriesternutzung. Diese werden zusätzlich auf Produktebene durch die Bedingungen des Produkts konkretisiert.

 

Was kann das Ding nun?

 

Im Zuge von Wohnriester kann (gem. 92a EStG) aus einem bestehenden Riestervertrag gefördertes Riesterguthaben ganz oder teilweise entnommen werden, um eine selbstgenutzte Wohnimmobilie zu erwerben oder zu entschulden. Auch Tilgungsleistungen können mit Riesterförderung erfolgen. Zumindest aus aktuellen Markt- und Zinsbegebenheiten ist der Punkt aber lediglich nice to know, keine praktische Relevanz aktuell ... vor Jahren sah das mal anders aus.

 

Was ist der Fallstrick?

 

Wohnriester hat unzählige Fallstricke. Ich behaupte mal, Wohnriester ist die Riesterreform, die man am gründlichsten vor den Baum gesetzt hat. Und es gab seit 2002 unzählige mehr oder weniger katastrophale Veränderungen am Riesterkonzept.

 

Das liegt zum Einen am so genannten Wohnförderkonto, welches die Problematik nachgelagerte Besteuerung arg verkompliziert und zum Anderen an diversen Softfacts wie Vererbbarkeit, Lebensveränderung (bspw. Umzug), Auslandsimmobilien usw. usf. ...

 

Die gute Nachricht: Genau für Riester allgemein gilt auch für Wohnriester, desto desaströser das Gesamtkonzept, desto attraktiver die gesetzlichen Lücken bei überlegter Gestaltung. Wir widmen uns in den nachfolgenden Kapiteln zumindest mal 2 Gestaltungsmöglichkeiten im Zuge von Wohnriester ausführlicher. Nebenbei dröseln wir auch noch die Sache mit dem Wohnförderkonto auf, führt ja auch ständig zu Verständnisproblemen im WPF.

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6.1) Wie funktioniert das Wohnförderkonto?

 

Das Wohnförderkonto ist eigentlich nicht schwer zu verstehen, leider scheitern dennoch viele immer wieder daran. Schuldlos, liegt idP einfach daran, dass eine genaue Erklärung des Wohnförderkontos nicht unbedingt den Vermittlerumsatz steigert. Und hinsichtlich statistischer Absatzzahlen reden wir bei Wohnriester idR von Bausparverträgen. Bausparverträge kann nun wiederum jeder verkloppen, der das gern möchte. Bedarf keiner Qualifikation oder Zulassung. Entsprechend sieht es mit dem durchschnittlichen Vermittlerniveau aus.

 

Der zweite Umstand ist dann noch, dass typische Versicherungsvermittler relativ wenig Interesse daran haben, provisions und selbst courtagebasierte Riester Verträge zu Gunsten einer Wohnriesterentnahme platt zu machen. Das führt ggf. zu Mehraufwand bei gleichzeitigen Einkommenseinbußen. Ich will ja an der Stelle niemandem was unterstellen, aber die Voraussetzungen systemischer Natur sind allgemein in Hinsicht auf Wohnriester nicht darauf angelegt, dem Interessierten die genaue Funktionsweise des Wohnförderkontos zu vermitteln.

 

Das nur als Hintergrund. Wer Probleme mit dem Verständnis des Wohnförderkontos hat, dürfte im Regelfall schuldlos sein, auch die im Netz auffindbaren Informationen sind nicht unbedingt unzweifelhaft.

 

Zweck des Wohnförderkontos

 

Es hat sich bewährt das Wohnförderkonto basierend auf dessen Zweck zu erklären. Und der ist simpel: Entnehme ich Guthaben aus einem Riestervertrag im Rahmen des §92a EStG ganz oder teilweise, verschaffe ich mir zunächst einen Vorteil. Ich mache es aber auch dem Staat schwer eine nachgelagerte Besteuerung durchzuführen.

 

Fair wäre nun natürlich, wenn man einfach die Höhe der Entnahme (oder geförderten Tilgungsbeiträge analog) als fiktive Ablaufleistung bewerten würde und der Riestersparer diesen Betrag dann später zu versteuern hätte.

 

Aber hey, das geht so nicht. Riester selbst ist ja nicht für den Sparer konzipiert, sondern vom Staat zur Entlastung des Staates, genauer der gesetzlichen Rentenversicherung. Insofern kann es natürlich nicht sein, dass sich der Sparer mit einer Entnahme oder geförderten Tilgung im Zuge von Wohnriester einen Vorteil verschafft, ohne auf diesen Vorteil Steuern zu zahlen.

 

Gier und Inkompetenz sind eine ungünstige Mischung, ein Produkt daraus ist bspw. das Wohnförderkonto.

 

So sagt der Staat nun einfach Folgendes:

 

Du lieber Sparer hast 10.000 Geldeinheiten aus deinem Riestervertrag im Zuge von Wohnriester entnommen (Tilgungsleistungen, gefördert, analog). Vom Zeitpunkt deiner Entnahme (jeweiligen Tilgung = Kalenderjahr) an unterstellen wir dir, dass du daraus einen Vorteil gezogen hast. Diesen Vorteil berechnen wir, indem wir 2 % Zins unterstellen.

 

Wir buchen also deine Entnahme auf ein fiktives Wohnförderkonto, welches von der ZFA geführt wird und verzinsen den Betrag über die gesamte Laufzeit bis zum Rentenbeginn mit 2 % p.a..

 

Beispiel zum Wohnförderkonto

 

Entnahme von 10.000 GE, 2 % Zins, Restlaufzeit bis Rentenbeginn 30 Jahre

 

-> Fiktiver Stand des Wohnförderkontos zu Rentenbeginn: 18.113,62 Euro

 

Aus diesem fiktiven Wohnförderkonto wird nun umgelegt, welche Rentenleistung bei vollständigem Kapitalverzehr jährlich bis zum 85. Lebensjahr entstehen würde. Habe ich also Renteneintritt mit 67, sind das bis 85 ziemlich genau 18 Jahre.

 

Wir teilen also den Betrag von rd. 18.000 Geldeinheiten / 18, was rund 1.000 Geldeinheiten macht. Davon versteuern wir wiederum nun in Höhe unseres Grenzsteuersatzes. Haben wir bspw. 20 % Grenzsteuersatz, müssen wir zwischen 67 und 85 jedes Jahr 200 Euro Steuern zahlen, obwohl wir ja gar keine reale weitere Auszahlung mehr bekommen.

 

Das eigentlich Absurde an der Sache ist, dass es gar kein Riesterprodukt mit vollständigem Kapitalverzehr gibt, bzw. jemals geben könnte. Aber gut, der Gedankengang ist was für die Versierteren, belassen wir es bei der Anmerkung.

 

Alternativ zur ratierlichen Zahlung kann ich meine Steuerschuld zum Rentenbeginn (und die Restschuld danach jederzeit bis 85) auch auf einen Schlag tilgen. Das honoriert der Staat dann mit 30 % Rabatt.

 

Macht dann unsere rd. 18.000 Geldeinheiten * 0,7 * Grenzsteuersatz von 0,2 = 2.520 Steuern auf einen Schlag

 

Ob sich das nun lohnt, andere Frage ... werden wir an der Stelle nicht thematisieren.

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6.2) Lohnt sich Wohnriester für mich?

 

Üblicherweise wird die Frage leider anders gestellt und zwar so: Lohnt sich Wohnriester?

 

Hier lautet die Antwort zum aktuellen Zeitpunkt in der Regel eher nein. Was jetzt vermutlich den ein oder anderen überraschen wird, aber leicht zu erklären ist. Gehen wir mal von einem stark vereinfachten Milchmädchenbeispiel aus, welches die Wohnriesterförderung massiv beschönigt:

 

Haus Gesamtkosten 300.000 Euro

Mietersparnis 1.500 Euro mtl. ( 18.000 p.a -> 6 % -> das ist schon extrem hoch angesetzt)

 

Riesterentnahme von 9.000 Euro aus bestehendem Vertrag ( 3 % der Kaufsumme)

Anteil an der Mietersparnis 45 Euro mtl. (halt 3 %)

 

Das Grundproblem ist nun, die 45 Euro dürften weitgehend gleich bleiben. Lässt man bestimmte Städte und Lagen außen vor, lag die Mietpreisentwicklung idR weit, weit unter 1 % p.a..

 

Auf dem Wohnförderkonto wirkt aber der Zinseszinseffekt und das ggf. sehr lange Zeit und völlig unabhängig von evtl. Wertsteigerungen, Mietpreissteigerung, Instandhaltungskosten usw. usf. ...

 

Beispiel:

 

30 Jahre x 12 Monate * 45 Euro -> 16.200 Euro (das waren mal 6 % am Anfang von der fiktiven Investitionssumme)

Und nun der fiktive Zinsanteil auf 9.000 Euro Einmalanlage bei 30 Jahren Laufzeit und 2 % auf das Wohnförderkonto: 12.845 Euro

 

Die Steuerlast entsteht wiederum auf die Gesamtsumme von 9000 + 12845 = 21845

 

Bei 30 % Grenzsteuersatz - 6553

Bei 40 % Grenzsteuersatz - 8738

 

Sieht optisch gut aus, aber nur mal eine grobe Auflistung dessen, was wir völlig außen vor gelassen haben:

 

- Instandhaltungkosten der Immobilie

- ggf. doch keine Wertsteigerung

- Kosten des Vertrags bis zur Entnahme

- Zinskosten auf Riesterdarlehen / Riesterbauspardarlehen

- eine realistische Annahme aus Kaltmiete zu Anschaffungskosten (viel zu optimistisch angesetzt)

- die Möglichkeit zu mieten statt zu kaufen

- usw. usf. ...

 

Und natürlich einen der wichtigsten Punkte: Wir haben schlichtweg gar nicht gerechnet, was rausgekommen wäre, wenn die 9.000 Euro einfach verzinst weiter auf dem Vertrag gelegen hätten.

 

Den grundsätzlichen Denkansatz habe ich hiermit geliefert. Jeder kann das mit seinen Modellannahmen gern aufrdröseln und aufbohren, ich werde es nicht machen, will an dieser Stelle ja nicht den Riesterbausparvertragverkäufern die Religion zerstören.

 

---

 

Lohnt sich Wohnriester für mich?

 

Wie schon eingangs gesagt, die generelle Frage "lohnt sich Wohnriester" wird in der Regel zu einem "nein" führen. Das meint insbesondere auch die marktübliche stupide Verwendung im Zuge von Riester Bausparverträgen.

 

Stellt man die Frage auf "Lohnt sich Wohnriester für mich?" um, kann das schon ganz anders aussehen. Abseits der üblichen Riesterbausparermentalität gibt es 3 Verwendungsmöglichkeiten für Wohnriester, die sehr wohl mehr oder weniger stark attraktiv sein können, immer vorbehaltlich individueller Eignung. Und auf diese 3 Möglichkeiten Wohnriester einzusetzen, werde ich in den nachfolgenden Postings im Detail eingehen:

 

Sinnvolle Einsatzmöglichkeiten von Wohnriester

 

1) Wenn Wohnriester per Bausparer mal ausnahmsweise nicht sinnfrei ist

2) Kettenentnahmen mit Riester Banksparplänen

3) Wohnriester nutzen um der Verrentung zu entgehen

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Geschrieben

1) Wenn Wohnriester per Bausparer mal ausnahmsweise nicht sinnfrei ist

 

Das Grundproblem von Riesterbausparverträgen ist nicht einmal produktseitig zu suchen. IdR liegt es darin begründet, an wen und warum die Dinger verkauft werden ...

 

1) Die Suggestion, mit Wohnriester könne man sich die Immobilie doch leisten

2) Erstmal zur Sicherheit nen Bausparer, aber eine Immobilie wird dann doch nie gekauft

 

Nummer 2 in Bausparland dürfte keiner weiteren Erklärung bedürfen. Zu 1 sei aber gesagt, Wohnriester ist nur dann attraktiv, wenn ich mir die Immobilie ohnehin leisten könnte, Wohnriester macht eine Immobilie nie erst bezahlbar ... das ist im Prinzip nichts anderes als ein Spiel mit Emotionen der "Kunden", welches idP leider sehr häufig ist.

 

Produktseitig und systemisch gibt es weitere Gründe gegen Riesterbausparverträge, bspw. ...

 

- teils überdurchschnittliche realen Zinskosten (Ansparphase entgangene Verzinsung und Darlehensphase effektive Verzinsung)

- teils starren Rückzahlungsmodalitäten

- Konstrukten die (um relevante Summen zu erreichen) aus ungefördertem und geförderten Bausteinen bestehen

- teils lächerliche Höhen von möglichen Riesterbeiträgen über bspw. 8-10 Jahre in Relation zu Immobilienkosten

 

Gem. praktischer Erfahrungen stört mich vor allem auch die häufige Inkompetenz von Bausparverkäufern. Es gibt sicherlich auch Ausnahmen, dennoch ist die Vermittlung von Bausparverträgen nicht erlaubnispflichtig. Wer Bock drauf hat, kann das jederzeit und ohne jede Qualifikation ab morgen selbst tun.

 

Gem. praktischer Erfahrung setzt sich diese Inkompetenz teils bis in obere Ebenen der Anbieter fort, man versuche mal einen sauberen ZFA Datensatz für einen Übertrag auf einen anderen Anbieter von bspw. der BHW zu bekommen. Dagegen war Sisyphos und sein Steinchen ein Hobby.

 

---

 

In welcher Konstellation kann sich ein Riesterbausparer nun doch lohnen?

 

Grundsätzlich sind Bauspardarlehen, so sie die Höhe von ca. 30.000 Euro (je nach Anbieter) nicht übersteigen, nicht im Grundbuch zu besichern. Kurzum, das Bauspardarlehen ist aus Sicht der eigentlich finanzierenden Bank Eigenkapital. Das wäre es auch dann, wenn das Bauspardarlehen nachrangig hinter dem Bankdarlehen im Grundbuch stände.

 

Je nach individueller Situation ergibt sich so die Möglichkeit das Eigenkapital ggü. der Bank zu erhöhen, die Beurteilungsgröße "Beleihungswert" zu senken und so die Gesamtkonditionen der Finanzierung deutlich zu verbessern. Das kann je nach individueller Konstellation durchaus ein paar tausend Euro Zinsersparnis ausmachen, gerade bei sehr langfristig angelegten Finanzierungen.

 

Das Grundproblem ist nur: Zum Zeitpunkt des Abschlusses, hinsichtlich des bevorstehenden, jahrelangen Sparvorgangs, kann man das in keinster Weise vorab wissen oder planen.

 

Ungeachtet dessen: Hat man ein gutes bis sehr gutes Einkommen, es fehlt aber bspw. altersbedingt am Eigenkapital und gleichzeitig steht so gut wie fest, dass binnen 5-8 Jahren eine Immobilie erworben werden solll ...

 

... dann ...

 

... KANN ...

 

... sich ein verhältnismäßiger Riesterbausparvertrag pro Kopf bei bspw. einem kinderlosen Päärchen mit jeweils guten Einkommen (DINKIES = Double Income, no Kids) ggf. auszahlen.

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Geschrieben

2) Kettenentnahmen mit Riester Banksparplänen

 

Wer die vorhergehenden Kapitel gelesen hat, dürfte schon festgestellt haben, dass ich dann doch eher ein Freund der Entnahmemöglichkeiten per Wohnriester bin. Natürlich können sich die produktseitigen Gegebenheiten und insbesondere das Zinszenario hinsichtlich einer Überlegung zur geförderten Finanzierung (Riester Darlehen / Riesterbauspardarlehen) in der Zukunft im günstigen Sinne ändern. Stand heute halte ich Finanzierungsüberlegungen mit Riester für größtenteils unsinnig.

 

---

 

Die Regelungen zur Kapitalentnahme aus Riesterverträgen für wohnwirtschaftliche Zwecke finden sich im §92a EStG. Für uns soll an dieser Stelle nur die Regelung während der Ansparphase interessant sein und die findet sich im nachfolgenden Ausschnitt.

 

(1) 1Der Zulageberechtigte kann das in einem Altersvorsorgevertrag gebildete und nach § 10a oder nach diesem Abschnitt geförderte Kapital in vollem Umfang oder, wenn das verbleibende geförderte Restkapital mindestens 3 000 Euro beträgt, teilweise wie folgt verwenden (Altersvorsorge-Eigenheimbetrag):

 

1. bis zum Beginn der Auszahlungsphase unmittelbar für die Anschaffung oder Herstellung einer Wohnung oder zur Tilgung eines zu diesem Zweck aufgenommenen Darlehens, wenn das dafür entnommene Kapital mindestens 3 000 Euro beträgt, oder

 

...

 

Kurzum: 3.000 Euro müssen im Vertragswert sein, dann kann entnommen werden. Soll nur teilweise entnommen werden, müssen mind. 3.000 im Vertrag verbleiben (wobei nicht jeder Anbieter Letzteres ermöglicht).

 

Lege ich nun eine übliche Immobilienfinanzierung an, sieht diese idR eine Sondertilgungsmöglichkeit vor. Diese Sondertilgungen lassen sich auch per Riester gefördert darstellen. Der zunächst mögliche optische Vorteil liegt auf der Hand, man verlässt ggf. früher die reine Zinstilgungsphase zu Gunsten der Darlehenstilgungsphase.

 

Bzw. deutlicher formuliert, ergeben sich ja bei einem guten Einkommen (hier Single zur Einfachheit) von 60.000 Euro p.a. bspw. folgende zwei Möglichkeiten:

 

- Sparleistung mit Riesterförderung: 2100 Euro p.a., bestehend aus 154 Zulage, 717 Steuerersparnis, 1.219 Nettoeigenbeitrag

- alternativ 1219 Euro ungeförder

 

Die Differenz in diesem Beispiel beträgt also 2100 gefördert vs. 1219 ungefördert = 881. Bei DINKIEs (Double Income, no Kids) sind es entsprechend bspw. schon 881 * 2 = 1.742 Euro p.a.. Das mag nicht die Welt sein, kann aber die Tilgungsleistung beschleunigen.

 

 

Was brauche ich zur Umsetzung?

 

Die Grenze zur Entnahme (3.000) erreiche ich nach frühestens zwei Jahren (bis die Zulage gebucht ist). Theoretisch kann ich einen beliebigen Riestervertrag abschließen, diesen 2 Jahre besparen und danach iS einer vollständigen Entnahme gem. 92a EStG auch wieder "plattmachen".

 

Logischerweise sollten aber folgende zwei Punkte zutreffen:

 

- keine oder nur sehr geringe Bearbeitungskosten für die Entnahme selbst

- keine Abschlusskosten

 

Dafür gibt es genau ein geeignets Produkt, den Riester Banksparplan. Natürlich sind auch die Konditionen bei Riester Banksparplänen von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich, die Zielsetzung bzw. benötigten Eigenschaften sind allerdings klar (keine Kosten). Die Verzinsung des Produkts spielt hingegen keine wirkliche Rolle.

 

Wie setze ich um?

 

Natürlich lohnt es sich vor allem für Gutverdiener(päärchen), aber auch bei hohem Zulagenanspruch könnte man es zumindest mitnehmen. Sinvoller als ein Riesterbausparvertrag ist es alle Male. Zeitlich gesehen ist man flexibel, dazu Beispiele für eine Umsetzung:

 

Frau Gutverdiener

 

1. Jahr - 2100

2. Jahr - 4200 Entnahme

3. Jahr - 2100 in neuen Riesterbanksparplan

4. Jahr - 4200 Entnahme

...

 

 

Mann Gutverdiener

 

1. Jahr - 2100

2. Jahr - 4200

3. Jahr - 6300 Entnahme

4. Jahr - 2100 in neuen Riesterbanksparplan

...

 

Natürlich kann man das Spiel beliebig abweichend an die geltenden Regelungen zur Sondertilgung der eigentlichen Finanzierung umsetzen.

 

Abweichend könnte sich ja auch die Konstellation ergeben, dass bspw. Riester nur für die Frau attraktiv ist und diese vor allem von bspw. 3 Kinderzulagen (900), Grundzulage (154) und 60 Euro Eigenbeitrag den Riestervertrag speist. Macht zusammen auch 1154 Euro und nach spätestens 3 Jahren ist eine Entnahme möglich (3.000er Grenze überschritten).

 

---

 

Ungeachtet dessen sei darauf hingewiesen, dass eine Entnahme über die ZFA zu beantragen ist und das auch einige Zeit zzgl. Fristen in Anspruch nimmt.

 

Dafür, dass es ein denkbar einfaches Gestaltungsmanöver ist, kann die Kettenentnahme von Riesterguthaben aus Riesterbanksparplänen aber eine willkommene Tilgungshilfe sein. Zudem ist man durch die zeitlich frei steuerbare und doch arg befristete Sparphase jederzeit in der Lage Sparvorgänge an geänderte Förderkonstellationen anzupassen, ohne (Kosten-)Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

 

Wie allerdings mit dem Wohnförderkonto umzugehen ist, sollte gem. der vorhergehenden Überlegungen auf den Prüfstand gestellt werden.

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