ETF-Depot aufbauen

Ramstein
By Ramstein in Fonds und Fondsdepot,
Inhaltsverzeichnis   Beitrag #1: Einführung, "Kochrezept" zum ETF-Depot Aufbau (Aktien) Beitrag #2: "Kochrezept" ETF-Depot (Schwerpunkt Anleihen) Beitrag #3: Weitergehende Informationen (Links zu lesenswerten Dokumenten) Beitrag #4: Regulierungen, Gesetze, Steuern (z.B. InvStRefG vom Sommer 2016) Beitrag #5: Häufige Fehler Beitrag #6: Aktienquote 100 - Lebensalter? Beitrag #7: Ramsteins unmaßgebliche ETF Liste - ETF-Auswahl für Faule Beitrag #8: BIP und Marktkapitalisierung: was ist der "richtige Mix" Beitrag #9: Nervige Fragen, die immer wieder gestellt werden Beitrag #10: Warum wurden meine Fonds zum 31.12.2017 fiktiv verkauft? Beitrag #11: Anekdoten Beitrag #12: Dividendendepot weitere Beiträge: von Deppen, die nicht begreifen, dass es einen Diskussionsfaden gibt   Diskussion zum Einführungsthread "ETF-Depot aufbauen"   Vorbemerkung Inflation nagt am Vermögen! Tagesgeld bringt nichts mehr! Dividende ist der neue Zins! Viele derartige Meldungen sind in den Medien und schrecken normale Menschen auf. Aber was tun? Zum Bankverkäufer (er ist kein neutraler Berater!) gehen und die Bank Geld verdienen lassen ist auch nicht der beste Ansatz. Also selber machen, aber wie?   Ohne Risiko keine Gewinnaussichten! Langfristig hat man bisher am Aktienmarkt immer Gewinn gemacht. Kurzfristig wird es auch Verluste geben. Dennoch: Immer mehr Leute wollen "in Aktien" investieren. Aber wie? Einzelne Aktien kaufen ist riskant (Beispiele: BP, VW), die von den Banken empfohlenen aktiven Fonds haben beim Kauf teure Ausgabeaufschläge (3-5%) und hohe laufende Kosten (1,5-3%) pro Jahr. Aber es gibt einen "Königsweg": ETFs.   "Kochrezept" ETF-Depot (Schwerpunkt Aktienmärkte) Also möglichst konkret: Wie baue ich ein ETF-Depot im Wert von XXX Euro auf? Wie lege ich monatlich YYY Euro in ETFs an?   Um hierzu die wichtigsten Punkte zu erklären, habe ich mit Hilfe von kompetenten Forumsmitgliedern grundlegende Informationen zusammengefasst. Antworten auf immer wiederkehrende Fragen versuche ich laufend zu integrieren.   Kommentare, Anregungen und Co. könnt ihr in diesem Thread loswerden: http://www.wertpapie...depot-aufbauen/   Bevor ihr weiterlest: Falls ihr die Informationen für neue Nutzer noch nicht gelesen habt, holt das jetzt bitte nach. Falls ihr ETF-Grundlagen nachlesen wollt, schaut in das ETF-Handbuch der Börse Frankfurt. Hier kann man Anfängerfragen zu Fonds, ETFs und Fondsdepots stellen.   Vorbemerkung: Asset Allokation AA ist die Aufteilung der Anlagesumme auf verschiedene Anlagen. In den meisten Fällen reichen Aktien und "sichere Anlagen". Über das Verhältnis dieser beiden Anlageklassen kann man das Risiko steuern. Die folgende Tabelle gibt die Erfahrungen der Vergangenheit wieder: Die Tabelle (Quelle Internet, eigene Rechnungen) zeigt, wie im Zeitraum 1970 - 2017 bei verschiedenen Aufteilungen des Geldes zwischen risikofrei (Tagesgeld, Festgeld, Anleihen höchster Güte) und ertragsorientierten Aktien-ETFs das Verlustrisiko und die erwartete Performance ist:       Beispiel: Bei 30% Aktien gab es durchschnittlich 2.15 % Rendite pro Jahr, 23,7% in 10 Jahren, im schlimmsten Fall 21% Verlust und Verluste waren im schlimmsten Fall erst nach 7,6 Jahren wieder aufgeholt.   ETFs: das Anlagevehikel der Wahl Mit börsengehandelten ETFs (das ist die Abkürzung für Exchange-Traded Funds = börsengehandelte Fonds) kann man kostengünstig in die weltweiten Märkte investieren. Dadurch sind die Anlagen breiter diversifiziert (gestreut) und damit weniger zufallsabhängig, als wenn man Einzelwerte kauft. Gleichzeitig sind ETFs eine recht kostengünstige Methode der Anlage. Anders als bei aktiven Fonds, die gerne von den Banken verkauft werden, zahlt man keine Ausgabeaufschläge und deutlich niedrigere laufende Kosten. Man entscheidet sich für eine Aufteilung, z. B. Märkte A, B, C mit 50%, 30%, 20% der Anlagesumme. Für jeden der Märkte sucht man dann einen oder mehrere passende ETFs aus.   Rebalancing Alle 6 oder 12 Monate wird geschaut, wie sich das Depot entwickelt hat. Wenn die Gewichtungen deutlich (5% oder 10%) vom Plan abweichen, so sollte man ein Rebalancing durchführen. Dies gibt einen wichtigen Hinweis auf die Anzahl der Märkte, in die man investiert. Wenn z.B. der 20%-Anteil um 10% abweicht, so sind das nur 2% der Anlagesumme. Beispiel: 10.000 Euro Anlagesumme, 200 Euro Abweichung. Wenn man jetzt für 200 Euro kauft oder verkauft, so sind die Gebühren relativ hoch. Man sollte also im obigen Beispiel gut überlegen, ob man wirklich 3 verschiedene ETFs nimmt, oder ob nicht 2 auch ausreichen. Wenn das Depot wächst, kann man später immer noch neue ETFs dazu nehmen.   Das Rebalancing kann man bei Sparplänen durch (temporäre) Anpassung der monatlichen Anlagen vornehmen. Oder durch Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld. Oder eben einmal im Jahr was umschichten.   Für ein ausgewogenes Depot sollte man das Rebalancing zwischen den Asset-Klasse (Aktien, Renten) und auch innerhalb der Assetklassen zwischen den einzelnen Märkten durchführen.   Märkte Grundsätzlich unterscheidet man die Hauptassetklassen Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Immobilien. Wie man sein Vermögen auf die einzelnen Assetklassen verteilt, muss jeder nach seiner persönlichen Situation beurteilen. Anregungen findet man bei @Schinzilord: Humankapital und Assetallocation in Abhängigkeit vom Alter, Einkommen, Sparrate, Beruf und der Risikoneigung Deduktiver Ansatz zur Portfolioallokation Vom Allgemeinen zum Speziellen In diesem Beitrag geht es primär um Aktien; daher im folgenden nur kurze Bemerkungen zu den anderen Klassen.   Festzinsanlagen, Anleihen, etc. In der momentanen Niedrigzinsphase erscheint es vielen angebracht, statt in sichere Anleihen in Tagesgeld und zeitlich gestaffeltes Festgeld und Sparbriefe zu investieren. Ein allgemeinen Forenbeitrag, der in diesem Bereich diesen Post etwas detaillierter ergänzen kann, sucht noch einen Author. Bisher sammele ich nur etwas Material im nächsten Beitrag.   Rohstoffe Der Nutzen von Rohstoffanlagen ist umstritten und eine Anlage sollte gründlich überlegt sein. Sie sollten erst getätigt werden, sofern die Grundlagen verstanden wurden. Näheres dazu findet man in Rohstoffe - Grundlagen ; Woher kommt die Rendite bei Rohstoffen ; Sind Commodity-ETFs Nepp? ; Lohnen Rohstoff-Future-ETFs?   Immobilien Ich rede nicht von der selbstgenutzten Immobilie, bei der i.d.R. andere Kriterien als bei einer Wertpapierinvestition gelten. Daher will ich hier nur Offene Immobilienfonds und REITS erwähnen, ohne in irgend einer Weise ins Detail zu gehen. Im Forum findet man zahlreiche Informationen dazu.   Aktien-ETFs: Regionale Gewichtung Viele ETFs richten sich bei Anlagen nach der einzelnen Länder bzw. Regionen, indem sie einen Index nachbilden. Hierbei unterscheidet man üblicherweise nach Europa, Nordamerika, Pazifik, Emerging Markets und Frontier Markets.   Referenzindizes werden (freie Marktwirtschaft) von verschiedenen Anbietern berechnet und angeboten. International gebräuchlich sind MSCI, STOXX, FTSE und S&P (Vergleiche und Unterschiede). In vielen Ländern gibt es noch Indizes, die zum Teil auch nur an einzelnen Börsen definiert sind (DOW, NASDAQ, FAZ-Index, SMI, Topix,...)   Für die Gewichtung der Regionen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Üblich sind Gewichtung nach Marktkapitalisierung (der Aktienmärkte); Methode der MSCI-Indizes. Dabei ist USA sehr stark gewichtet, da dort viel mehr Firmen börsennotiert sind als z.B. in Deutschland mit seinem starken Mittelstand Gewichtung nach BIP (Bruttoinlandsprodukt); dabei wird nicht berücksichtigt, wenn in kleinen Ländern große Firmen mit weltweitem Geschäft angesiedelt sind Mischformen nach eigener Einschätzung und Vorliebe Dabei sollte man auch immer berücksichtigen, dass für den Erfolg eines Unternehmens in aller Regel die Märkte, auf denen es präsent ist, wichtiger sind als das Land, in dem die Gesellschaft ihren Sitz hat. Eine Übersicht zu Marktkapitalisierung und BIP in der Welt gibt es hier. Diskussion über Gewichtungsarten eines "Weltdepots" findet man hier: Weltdepot – Was ist der beste Mix? MK vs. BIP vs. EW vs. Korrelation vs. Forward-Looking.   Vermutlich bringen fixe Verteilungswerten ähnlich vorteilhafte Effekte wie eine Verteilung auf das letzte BIP- oder MCap-Promille genau, zumal es etwas schwer ist zu argumentieren, dass die Gewichtung von z.B. Glencore, Nestle und Novartis von Schweizer BIP abhängen sollte. Und auch die großen Unternehmen an der London Stock Exchange - von BP über Imperial Tobacco bis Vodafone - machen ihr Geschäft nicht überwiegend in England.   Zugrunde liegende Indizes Für die einzelnen Aktienmärkte gibt es verschiedene Indizes, in die man über ETFs investieren kann. Beispielhaft seien hier genannt: Welt: MSCI (All Country) World, FTSE All World Europa: STOXX Europe 600, MSCI Europa (eventuell MSCI EMU; nicht meine Wahl) Nordamerika: MSCI North America, MSCI USA, S&P 500 Asien: MSCI Pacific Emerging Markets: MSCI Emerging Markets, FTSE Emerging Frontier Markets: MSCI Frontier Markets Small Caps: MSCI World Small Caps, MSCI Emerging Markets SmallCap, MSCI Europe Small Cap, MSCI USA SC, S&P SmallCap 600, FTSE Russel 2000, FTSE Global Small Cap Hier gibt es eine Darstellung der FTSE Systematic. Der Indexanbieter MSCI sagt zu den Indexkonstruktionen:       Wesentlicher Merkpunkt: MSCI und FTSE Indizes beruhen auf der Marktkapitalisierung! Details zu den Gewichtungen findet man weiter unten in diesem Beitrag.   Die Indices gibt es fast immer in mehreren Varianten: Price, Gross und Net. Bei Price werden schlicht die Preise(Kurse) der Wertpapiere zu Grunde gelegt, bei Gross werden die Bruttodividenden in die auszahlenden Aktien wiederangelegt. ETFs verwenden als Benchmark in der Regel die Net-Variante, die zumindest bei MSCI die Dividenden nach Abzug der Quellensteuer zu Grunde legt.   Anmerkung: Als dieser Faden erstellt wurde, gab es noch keine günstigen "All World" ETFs am deutschen Markt. Daher die ganze Aufteileritis. Heutzutage fängt man am besten mit einem einzigen ETF an und oftmals kann man da auch bei bleiben, zumindest bis das Depot 6-stellig wird und man eigene Ideen umsetzen will.   Es gibt keine klare Vorhersage, ob die Gewichtung nacht Marktkapitalisierung, oder nach BIP besser ist. Ein pragmatischer Ansatz könnte so aussehen:   1 ETF (einfach bei geringen Summen oder wenn man sich um nichts kümmern will): All-World-Index, evtl. auch mit Small Caps drin, in der Regel gewichtet nach Marktkapitalisierung und damit scheinbar USA-lastig, aber siehe dazu Graphik unten (Beispiele: MSCI All Country World (Investable Market) Index (ACWI, evtl auch IMI); FTSE All-World Index) 2 ETFs (einfache Mischung aus Industrie- und aufstrebenden Länder): (entwickelte) Welt: 70% Emerging Markets: 30% 3 ETFs (BIP-gewichtet): (entwickelte) Welt: 44% Europa (EMU) 12% Emerging Markets: 44% 4 ETFs: Europa: 30% Nordamerika: 30% Pazifik: 10% Emerging Markets: 30% 6 ETFs: Europa: 26% Nordamerika: 26% Pazifik: 8% Emerging Markets: 26% Frontier Markets: 4% Small Caps: 10% Es sei noch einmal betont, dass die o.g. Aufteilung keine "in Stein gemeisselte" optimale Verteilung ist, die "besten" Erfolg garantiert. Und wenn man beim ACWI nicht auf den Unternehmenssitz fixiert ist, sondern schaut, wo die Firmen ihren Umsatz machen, sieht es schon wieder anders aus:     Und der EM-Anteil wächst.     Um ein Kern-ETF-Portfolio kann man in einer Core-Satellite-Strategie nach persönlichen Vorlieben und Einschätzungen dann noch weiter ETFs beimischen. Hier bieten sich Strategie-ETFs an wie Large Caps, Small Caps, Value-Aktien, Dividendenwerte, Wachstumswerte oder Branchenfonds und Länderfonds um nur einige zu nennen. Manche Anleger möchten auch bewusst den Heimatmarkt (Deutschland oder Eurozone) bevorzugen. Hauptsache man weiss, was man will und tut. Weitgehender Konsens herrscht, dass in der Vergangenheit(!) Small Caps meist eine höhere Rendite bei höheren Schwankungen gebracht hat. Ob das auch in Zukunft so sein wird, weiss natürlich niemand. Dennoch sollte man bei größeren Depots erwägen, SCs dazu zu nehmen. Die anderen Strategie-ETFs (sehr beliebt: Dividenden-ETFs) sind zumindest meiner Meinung nach nicht wirklich renditefördernd. Wer ernsthaft an so was denkt, sollte sich vorher unbedingt mal die sehr guten Index-Statistiken von otto03 anschauen. Oder lesen, was der Finanzwesir dazu schreibt: Alpha - der heilige Gral der Überrendite. Leider vom Aussterben bedroht.   Persönliche Anmerkung: In letzter Zeit habe ich immer mehr Sympathie für Equal Weight ETFs. Bei denen beeinflussen die Elephanten im Index die Wertentwicklung nicht so stark. Und wer sagt, dass diese sich besonders gut entwickeln?   ETF-Konstruktion und Kosten ETFs können entweder alle Aktien aus dem jeweiligen Index (replizierend), oder eine Auswahl der Werte (optimiert), oder auch SWAP-basiert den Index nachbilden. Letztere kaufen ganz andere Wertpapiere als in dem nachzubildenden ETF-Portfolio und schließen dann mit einer Gegenpartei einen SWAP-Vertrag, der die Performance der gehaltenen Werte gegen die Performance der ETF-Werte „tauscht“. Jede Konstruktion hat ihre Vor- und Nachteile; letztendlich muss jeder selbst entscheiden, was er kauft. Viele ETFs betreiben Wertpapierleihe, d.h. sie verleihen ihre Aktien gegen Gebühr (und i.d.R. Sicherheiten) an andere Marktteilnehmer; aus den Einnahmen können Teile der Verwaltungskosten gedeckt werden. Auch dies lehnen manche Investoren ab.   Für die Kosten muss gesetzlich vorgeschrieben eine TER (Total Expense Ratio, Gesamtkostenquote) angegeben werden. Leider sind in der TER aber nicht alle Kosten enthalten. ETFs können zusätzlich z.B. Transaktionskosten, Kosten für Währungsabsicherung (Hedging), und SWAP-Kosten erheben, oder auch Erträge erwirtschaften. Ob sie es tun, muss man immer(!) direkt bei der Fondsgesellschaft(!) z.B. im jeweiligen Jahresbericht des ETFs nachlesen. Die TER ist aber nur ein zweitklassiger Indikator. Wichtig für den Anleger ist die Tracking-Difference (TD): die Abweichung der ETF-Wertentwicklung von der Index-Wertentwicklung. Da sind alle Kosten berücksichtigt und viele Gesellschaften geben den Erwartungswert für die Tracking-Difference / Abbildungsdifferenz zum Index an; genau bestimmen lässt er sich aber immer erst im Nachhinein. Manche ETFs (meistens auf vom Anbieter kreierte Indizes) können weitere Kosten haben. Die in manchen Dokumenten genannten Ausgabeaufschläge und Rücknahmegebühren gelten nicht für den privaten Endkunden; sie fallen nur im Creation/Redemption-Prozess an.   Fondswährung Ob die Fondsgesellschaft den ETF in Euro oder US$ führt, ist für die Performance egal. Dies wurde schon oft im Forum gesagt und hier von chemstudent sehr schön erläutert.   Steuern Ab 1. Januar 2018 wurde die Versteuerung von Fonds vereinheitlicht. Es gibt keine steuerhässlichen Fonds mehr. Wichtig ist jetzt, ob im Fonds oder (bei Swap-ETFs im Trägerportfolio) über 50% Aktien sind, damit man die Teilfreistellung von 30% der Gewinne bekommt.   Wenn man den Sparer-Pauschbetrag noch nicht ausgeschöpft hat (geringe Kapitaleinkünfte, Depot für Kinder), ist es sinnvoll, ETFs zu bevorzugen, die steuerpflichtige Erträge erzeugen, um den jährlichen Pauschbetrag nicht verfallen zu lassen. Auch wenn keine Erträge ausgeschüttet werden, fällt in der Regel eine Vorabpauschale an, die auf den Freibetrag angerechnet wird.   Probleme und/oder Kosten für die Rückforderung ausländischer Quellensteuer fallen (anders als bei manchen Aktien) bei ETFs nicht an. Dies wird - sofern möglich - intern in der Fondsverwaltung gemacht und verbucht.   Wenn man jede Region mit einem separaten ETF bespart, kann man zur Steueroptimierung eventuell wahlweise Gewinne oder Verluste generieren zur Steueroptimierung. Das geht bei einem ACWI natürlich so nicht.   Finanztip: So funktioniert die Steuer auf Aktienfonds und ETFs ab 2018   Verkauf von Altbeständen; Freibetrag  Bis Ende 2017 war der Wertzuwachs von Altbeständen (Kauf vor 1.1.2009) steuerfrei. Das hat sich geändert. Jetzt ist ein Wertzuwachs, der ab dem 1.1.2018 auf Altbestände anfällt, nur noch bis 100.000 Euro steuerfrei. Dieser Freibetrag wird vom Finanzamt verwaltet. Das heisst, die Bank zieht erst Steuer ab, die man dann über die Steuererklärung vom Finanzamt zurück bekommt.   Information bis Ende 2017: Die Abgeltungssteuer sollte es einfach machen; bei Fonds ist das leider nicht gelungen. Einfach ist es für Fonds (auch ETFs sind Fonds) mit Domizil in Deutschland. Achtung: Das „Domizil“ kann man nicht aus der DE-ISIN schließen, man muss beim Anbieter nachschauen (Beispiel: ishares). Schwierig wird es bei Fonds mit ausländischem Domizil, da hier die Angaben in der Steuerbescheinigung der Bank oftmals nicht ausreichend sind. Für ausländische Thesaurierer muss bei bundesanzeiger.de geprüft werden, ob steuerpflichtige Erträge anfallen. Viele ETFs vermeiden solche Erträge und sind daher steuerlich unproblematisch, aber niemand kann garantieren, dass das auch für die Zukunft so bleibt. Also: jährlich prüfen. Diese Problematik wird im Forum in folgende Fäden diskutiert: Steuerstatus und Trackingdifferenzen von Aktien-ETFs auf Standardindizes (Pflichtlektüre!) Der elektronische Bundesanzeiger und die Veröffentlichung von Besteuerungsgrundlagen Steuer bei ausländischen thesaurierenden Fonds konkret in der Steuererklärung Kurze Anleitung: steuereinfache Fonds/ETF selbst finden Eine sehr umfangreiche Anleitung gibt es bei Allianz Global Investors als PDF. Lesenswert!   Steuerlich intransparent ausländische Fonds (z.B. US-Fonds von Vanguard), die keine Steuerdaten beim Bundesanzeiger hinterlegen, verursachten bis Ende 2017 einen erheblichen Aufwand bei der Steuererklärung. In wie weit sich das nach der letzten Gesetzesänderung ab 2018 ändert, ist noch nicht völlig klar. ich persönlich bin da vorsichtig.   Fondsauswahl, Fondsanbieter, Vergleichsplattformen ETFs sind beliebt. Es gibt viele ETF-Anbieter und viele Plattformen in Internet, die über ETFs informieren. Beliebte Vergleichsplattformen sind u.a. justetf, extra-funds und fondsweb. Aber Achtung: dort sind nicht immer alle Daten korrekt. Man sollte zur Sicherheit immer(!) bei KAG/Anbieter/Emittent nachschauen, insbesondere was Kosten und Domizil angeht.   Hier im WpF gibt Holzmeiers Faden Trackingdifferenzen von Aktien-ETFs auf Standardindizes eine gute Übersicht, auch über die Konstruktion der ETFs.   Immer wieder gern gefragt wird auch: "Was passiert, wenn der ETF-Anbieter insolvent wird?" Die Antwort lautet: Nicht viel. Die ETFs sind Sondervermögen und gehören nicht zur Insolvenzmasse. Oder hier am Beispiel der DB-ETFs.   Kauf und Verkauf ETFs kann man oftmals nicht bei der Fondsgesellschaft kaufen oder an diese zurückgeben. Der Handel findet dann an den Börsen und mit Direkthandelspartnern statt. Kaufen und Verkaufen kann man ETFs über eine Bank oder einen Broker. Oftmals bekommt man sie im Bankgespräch aber nicht angeboten, da die Bank an ETFs kaum etwas verdient und lieber ihre teuren aktiven Fonds verkaufen möchte. Da hilft nur hart bleiben; der Kunde ist König. Oder man entscheidet sich gleich für einen kostengünstigen Online-Broker. ETF-Preise werden von einem Marketmaker gestellt, der diese i.d.R. auch bis zu einem bestimmten Geld/Briefvolumen (z.B. 50.000 Euro) hält. Oftmals kann man auch über einen Direkthandelspartner gebührengünstiger als über eine Börse kaufen. Die manchmal genannten ATCs (additional trading costs) fallen allenfalls bei Sparplänen an, aber nicht an Börsen oder bei Direkthandelspartnern.   Beobachtung des Portfolios Die laufende Entwicklung des Depots kann man mit Portfolio Performance überwachen und nach vielfältigen Kriterien auswerten.   Einstieg Immer wieder stellt sich auch die Frage, wie man einen größeren Betrag anlegt. Einfach kaufen, oder schrittweise in den Markt einsteigen? Statistisch gesehen verringert man über den schrittweisen Einstieg das Risiko, Verluste zu erleiden, man senkt aber die zu erwartende Rendite (siehe Vanguard Studie dazu). Man steigert aber nicht die durchschnittliche zu erwartende Rendite. Dennoch ist die gängige Empfehlung, größere Summen in zwei bis 5 halbjährlichen Teilbeträgen zu investieren, insbesondere wenn die Aktien schon relativ hoch stehen wie momentan (Sommer 2016).   Sparplan Es gibt bei vielen Brokern kostengünstige oder kostenlose Sparpläne, aber leider immer nur auf ausgewählte ETFs. Da muss man mal suchen, was zu einem passt, zum Beispiel hier. Beim Sparplan kann man relativ einfach ein Rebalancing durch temporäres Anpassen der Raten vornehmen.   Risiko Natürlich hat auch eine ETF-Anlage ein Risiko. Dies ist durch die breitere Diversifikation zwar geringer als bei einzelnen Aktien, aber vorhanden. Da ETF-Depots in der Regel längerfristig angelegt werden, sind kurzzeitige Kursrückgänge schlecht für die Nerven, aber kein allgemeiner Hinderungsgrund. Das DAI Deutsche Aktieninstitut veröffentlich für DAX und EURO STOXX 50 Renditedreiecke, die für die Vergangenheit zeigen, wie die längerfristige Performance aussieht. Nachtrag: boerse.de bietet für zahlreiche Indizes Renditedreiecke (Beispiel).    Für konkrete ETFs veröffentlicht comstage auf seiner Transparenzseite aktuelle Value-at-Risk-Werte. (VAR-Definition siehe Wikipedia). So kann man beispielsweise (Zahlen vom März 2016) sehen, dass (beruhend auf den Zahlen der Vergangenheit) für einen DAX/MSCI World-ETF mit 99,9% Wahrscheinlichkeit der Verlust innerhalb eines Jahres unter 79%/48% bleibt und mit 95% Wahrscheinlichkeit unter 38%/26%. Je breiter diversifiziert, desto geringer das Risiko.   ETF-Dachfonds, wikifolios auf ETFs, etc. Hiervon rate ich ab, da in den meisten Fällen davon nur der Organisator profitiert. Recht Informatives über Multi-Asset-ETFs findet man bei Morningstar: ETF-Dachfonds: Ein großes Missverständnis? Der nicht so feine Unterschied zwischen ETF-Portfolios und ETF-Dachfonds   Der konkrete Anfang: So geht's los! Hier sei auf diesen wirklich lesenswerten Beitrag des Finanzwesirs verwiesen.   Literatur In Deutschland ist „der Kommer“ das Standardwerk zur ETF-Anlage. Er ist durchaus lesenswert, aber natürlich ist der (ETF-)Markt dynamisch und man sollte Kommers ETF-Empfehlungen nicht sklavisch umsetzen.   Weitere Informationen Hier im Forum gibt es schon mehrere Informationsfäden und auch ETF-Musterdepots, die man sich anschauen sollte, z.B. Verschiedene Indexkombinationen Aktien / Renten / Rohstoffe Die Mischung macht's dabei unbedingt Beitrag #4 lesen! ETF Langfristdepot für kleine, mittlere und große Vermögen (die konkrete ETF-Auswahl ist nicht mehr aktuell) Verschiedene ETF-Depotvarianten zusammengefasst dargestellt Einsteiger-Portfolio mit drei ETFs Top-10 Threads über Fonds und Fondsdepot   Hier kann man sich zur Zinsanlage einlesen: Renten-ETF vs. Tagesgeld/Festgeld/Sparbriefe Ist es zur Zeit sinnvoll Anleihen zu kaufen?   Wie entstehen eigentlich ETF-Anteile? http://www.boerse-am...s-etfs-316.html   Sehr gute Erläuterungen zur Sicherheit von ETFs: http://www.wertpapie...post__p__894972   Wertpapierleihe und Swaps bei ETFs erklärt: http://www.wertpapie...post__p__900955   TER: Wie wird sie bezahlt? http://www.wertpapie...ie-ter-bezahlt/   ETF-Schließungen http://www.10x10.ch/etf-schliessungen-und-die-folgen-fuer-anleger/   Morningstar ist immer einen intensiven Blick wert (Ich habe mich kostenlos als Mitglied registriert): Das große Einmaleins der Index-Anlage Drei Schritte zum richtigen ETF Was entscheidet über die Qualität eines ETF? Wie bilden ETFs den Index nach? ETF oder Index-Fonds? ETF! Warum ETFs doch nicht auf Wasser gehen können (GR/TR/NR-Performance) Morningstar Academy Morningstar Manager Research November 2014: A Guided Tour of the European ETF Marketplace ETF ABC: Tracking Error versus Tracking Difference (Wir erläutern zwei wichtige Kennzahlen, die Anlegern die Beurteilung der Qualität von ETFs vereinfacht. Was sie speist, was sie aussagen – und was nicht.) Aktiv oder passiv? Richtige Antworten auf eine falsche Frage (neu) Lohnt es sich, in aktiv verwaltete Fonds zu investieren? Wir haben diese Untersuchung nunmehr für den europäischen Markt vorgenommen. Die Ergebnisse im Einzelnen. USA-ETFs im Tracking Test (Haben ETFs der Morningstar Kategorie USA Standardwerte einen guten Job gemacht? Wir gehen der Frage in unserer Serie zu Tracking Error und Tracking Difference nach. Und lösen nebenbei ein kleines Performance-Rätsel. ) Anlegerfehler? Risikoprämien? Anomalien? Überlegungen zum Alpha und Beta von heute (Der große Konflikt innerhalb der Finanzwissenschaft zwischen „Behaviorismus“ und „Quants“ scheint sich aufzulösen. Es gibt alternative Prämien am Markt zu ernten. Aber das macht die Aufgabe für Investoren nicht leichter. Schließlich ist nicht alles immer so wie es scheint.) ETF-Portfolios für die Langfristanlage (ETFs eignen sich hervorragend für langfristige Sparvorgänge. Doch die Zusammenführung von ETFs in den Portfolio-Kontext ist mühsam. Geeignete standardisierte Produkte sind Mangelware. Wie stellen vier Portfolio-Ideen für langfristiges Sparen mit ETFs vor.) ETF-Portfolios zwischen Performance-Perspektiven und Anlegererwartungen (Im ersten Teil unseres Artikels zu diversifizierten ETF-Portfolios haben wir vier Konstruktions-Ideen präsentiert. Nun wollen wir uns das bisherige Rendite-Risiko-Profil anschauen und Szenarien für die mögliche künftige Entwicklung entwerfen. Das latente Spannungsfeld zwischen Rendite-Erwartungen und -Perspektiven ist zu beachten.) The Why and How of Rebalancing Rebalancing can deliver some powerful benefits--risk reduction, cash-flow production, and/or possible returns enhancement, depending on the type of rebalancing you engage in. Nor does rebalancing need to be a complicated, spreadsheet-assisted affair. Auf dem Weg zu einer umfassenden Kostenkennziffer für Fonds Die wichtigsten Fondsgebühren kurz erklärt Wie teuer sind die großen Fonds am Markt?     Bogle: Smart Beta ETFs Do Not Work (Strategic beta funds do not work, says Vanguard founder Jack Bogle - mostly because investors fail to time the market and end up chasing gains) FACTOR INVESTING IS MORE ART, AND LESS SCIENCE (englisch, lang, aber lesenswert) Sind ETFs die besseren Dividenden-Investments? Mensch oder Maschine, Fondsmanager oder Index-Algorithmus? Diese Frage stellt sich auch bei Dividenden-Investments. Fünf Anlageregeln, die Sie besser ignorieren sollten    MSCI UCITS TR & Co. – Warum haben ETFs so komische Namen? Synthetisch replizierende ETFs – Wie risikoreich ist ein Swap-ETF? Rebalancing - geht es nicht auch ohne? What Is the Optimal Rebalancing Strategy? Vanguard: Best practices for portfolio rebalancing Vanguard: cost averaging just means taking risk later   Calculating the case of commodities in asset allocation     Gerd Kommer: In fünf Schritten zum ETF Weltportfolio (Interview August 2016)   Die Börse Frankfurt bietet zahlreiche Publikationen, auch zu ETFs.   Finanzwesir: Die Ein-Fonds-Lösung Der Portfoliomanager: Der große Guide zum Weltportfolio justETF: Der Einfluss von Währungsrisiken auf ETFs     Hochschulveröffentlichungen: Funktionsweise und Replikationstil europäischer Exchange Traded Funds auf Aktienindices Unterschiede und Gemeinsamkeiten börsennotierter, passiver Investmentprodukte (PDF) Exchange Traded Funds (ETFs)   Videos       Schlussbemerkung Bei allen Rechnungen in Stein gemeisselte Regeln mit 3 Stellen nach dem Komma zu beachten, halte ich für wenig zielführend. Jeder sollte es so machen, wie er es für richtig hält. Nur Kleingeister fragen immer nach möglichst präzisen Regeln, weil sie die eigene Entscheidung scheuen, wie der Teufel das Weihwasser.     Falls ihr Fragen, Verbesserungsvorschläge und Ergänzungen habt: gerne hier. Ich werde diesen Beitrag dann gegebenenfalls aktualisieren. Zum Abschluss etwas schamlose Eigenwerbung: Mein ETF Weltdepot und Anleihen für Dummies   PS: ETF ist ein englisches Akronym und bedeutet Exchange-Traded Fund. PPS: Der Plural von ETF ist ETFs, nicht ETF's und erst recht nicht ETf's!! PPPS: Ein Fond ist Suppe, man investiert in den Fonds (auch im Singular mit "s"). P4S: Bei ETFs gibt es grundsätzlich keine Ausgabeaufschläge wie bei aktiven Fonds. P5S: bei Sparplänen werden aber häufig ATCs (Additional Trading Costs) berechnet.     Letzte Änderungen: Graphik Economic Exposure, ETF-Schliessung-Link, Steueränderung, FTSE, Kommer Video, MSCI Graphik, Asset Allokation
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