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Rürup Rente - Tipps und Tricks

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Vor langer, langer Zeit - genauer am 28. Januar 2012 - hatte Licuala mal gefragt, ob ein Stickythread zur Rüruprente / Basisrente existieren würde. Ergebnis: Nicht wirklich, mit Ausnahme von einem Platzhalter von Fleisch. Hat sich bis heute nichts daran geändert.

 

Liegt ua. auch daran, dass ich bspw. selbst never ever eine Rüruprente abschließen würde, demnach auch wenig Lust auf so einen Stickythread habe. Sei es drum, Rürup war zuletzt immer wieder Thema im Forum. Sehr häufig im Zuge von BUZ Konstruktionen, ähnlich häufig im Sinne von Altersvorsorge für Selbstständige. Da Referenzinformationen im WPF nirgendwo gebündelt erhältlich sind, fang ich den Spaß an dieser Stelle halt an.

 

Wichtig: Wenn ihr Wünsche, Anregungen, Kritiken etc. habt, nutzt bitte den offenen Diskussionsthread, danke!

 

Ich bitte darum mir zu vergeben, dass ich Informationen, die man auch über Wikipedia beziehen kann, in diesem thread nicht unnötig wiederhole. Etwas Eigenrecherche setze ich grundsätzlich voraus, zumindest hinsichtlich der trivialsten Basics. Im Thread konzentriere ich mich lieber auf die Dinge, die so weniger bekannt oder teilweise kaum jemandem bewusst sind.

 

1) Förderkonzept Rürup Rente

 

1.1) Rürup Förderung in der Ansparphase berechnen

1.2) Für wen könnte Rürup Sinn machen?

1.2.1) Ältere Personen bspw. 55+

1.2.2) Arbeitnehmer bspw. 40+, die eine Abfindung bekommen

1.2.3) Selbstständige, die über keinerlei Langlebigkeitsabsicherung verfügen und alt genug sind

 

 

2) Konzeptionelle Eigenheiten Rürup Rente

 

Eine Basisrente kann grundsätzlich nicht gekündigt, nur dauerhaft beitragsfrei gestellt werden. Einmal eingezahlt, kommt man nur noch durch Verrentung *** an das Geld heran. Diese Eigenheit bedarf nun keines eigenen Kapitels, sollte aber halt irgendwo stehen, hiermit erledigt.

 

2.1) Eigenheiten des Kohortenprinzips / nachgelagerte Besteuerung

2.2) Eigenheiten beim Arbeitnehmer

2.3) Konzeptionelle Dynamisierung von Rürup

2.4) Vermeintliche Pfändungssicherheit bei Rürup

 

 

3) Abgrenzung Rürup und Riester hinsichtlich Auswirkungen auf die Produkte

 

 

4) Rürup Varianten

 

4.1) Rürup Fondssparpläne

4.2) Klassiche Rürup Rentenversicherungen

4.3) Fondsgebundene Rürup Rentenversicherungen

 

 

*** 5) Kleinstbetragsrente - Zwangsverrentung bei Rürup umgehen

 

 

6) Rürup und Berufsunfähigkeitsversicherung, ein "NoGo" (dieser Link führt von diesem thread zum entsprechenden Post im "Berufsunfähigkeitsversicherung - Tipps und Tricks")

 

 

 

 

Nochmal angemerkt: Anregungen im offenen Diskussionsthread sind erwünscht!

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"Rürup Förderung in der Ansparphase berechnen"

 

Die Förderkonstellation einer Basisrente in der Ansparphase zu berechnen, das halte ich für erheblich einfacher als Selbiges bspw. im Rahmen von Riester oder einer bAV. Die einzigen Schwierigkeiten dürften dabei durch die schrittweise ansteigende steuerliche Absetzbarkeit, die Besonderheiten beim Arbeitnehmer und die konzeptionelle Dynamisierung entstehen.

 

Dafür ist es in meinen Augen ungleich schwerer Rürup hinsichtlich Rentabilität, sprich unter Berücksichtigung der nachgelagerten Besteuerung, in der Auszahlungsphase zu bewerten.

 

Fangen wir mit den Basics in Form der schrittweise ansteigenden steuerlichen Absetzbarkeit an:

 

Beiträge zu einer Basisrente können erst ab 2025 zu 100 % steuerlich geltend gemacht werden. Bis dahin steigt die Absetzbarkeit Jahr für Jahr in 2 % Schritten an. In 2015 sind aktuell 80 % der Beiträge steuerlich absetzbar.

 

Rürup FörderRechner nutzen

 

Im Gegensatz zu Riester rechnen die meisten Rürup Förderrechner einigermaßen genau. Ich empfehle jedoch auch hier den Rechner von Swisslife-Select (vormals AWD und Co.) zu nutzen. Hat nichts mit den Brüdern da selbst zu tun, die Rechner sind halt einfach gut:

 

Link: http://www.swisslife-select.de/de/home/finanzberatung/beratungsschwerpunkte/altersvorsorge/ruerup-rente/rueruprechner.html

 

Rürup Förderbeispiel / Anleitung Rechner

 

Im Rechner kann ich recht viele Parameter einstellen. Um es einfach zu halten, rechnen wir mal mit einem ledigen Selbstständigen, 10.09.1983, gesetzlich freiwillig krankenversichert, keine Rentenversicherungspflicht, 70.000 "Brutto", Kirchensteuer = 0, alte Bundesländer.

 

Nachdem wir diese Angaben eingestellt haben, können wir auf "weiter" klicken und erhalten zunächst mal eine sinnfreie Grafik. Bildchen sind schön anzusehen, wir stellen aber bitte Rechts den Schieberegler von "Finanzierung" auf "Tabelle" um. Im oberen Bereich hat man die Möglichkeit seine Beitragsstrategie einzugeben. Wir möchten beispielhaft 100,- Euro mtl. einzahlen.

 

Das sollte dann so aussehen:

 

ruerup-foerderung.jpg

 

 

Natürlich kann man selbst nach Belieben mit dem Rechner hin und her spielen, mir geht es an dieser Stelle nur um eine kurze Einordnung und Erklärung.

 

---

 

Kurz das Ergebnis erklären und bewerten

 

Aus der Grafik können wir obige Schilderung zur schrittweise ansteigenden steuerlichen Absetzbarkeit auch anhand der Förderung entnehmen. Die Leseweise ist dabei trivial. Spalte 1 gibt das Jahr und Spalte 2 den Bruttoeigenbeitrag an. Spalte 3 unterstellt die voraussichtliche steuerliche Förderung für das Jahr. In Spalte 4 wird die steuerliche Förderung vom Bruttoeigenbeitrag abgezogen, um den Nettoeigenbeitrag zu ermitteln.

 

Daraus ergibt sich in Spalte 5 dann die Relation von "Steuerförderung" zu "Nettoeigenbeitrag", sprich die "reale Förderung" in der Ansparphase.

 

Und auf den ersten Blick dürfte schon auffallen: Trotz mal eben 70.000 Einkommen vor Steuern, beträgt die reale Förderung in 2015 gerade einmal 55 %. Und den Spaß müssen wir später noch versteuern und im Beispiel hier mit Renteneintritt nach 2040 - zu mal eben 100 %, bei evtl. sogar 42 % oder mehr Grenzsteuersatz und ggf. steuerlicher Progression.

 

Deutlich anders sieht es eben ab 2025 aus. Da beträgt die reale Förderung schon mal eben 80 % statt 55 %.

 

Und das ist eines der ersten und häufigsten Missverständnisse im WPF!

 

Es sind eben nicht mal eben nur 80 statt 100 % steuerlich absetzbar. Die steuerliche Absetzbarkeit wirkt sich ja auf den Nettoaufwand und somit auf die Relation Nettoaufwand / Förderung = reale Förderung aus. Somit sind es eben im 2015er Fall 25 % Unterschied und nicht wie oft "gedacht" nur 20 %. Fataler ist zudem noch die in Summe sehr niedrige Förderung von 55 % gemessen am Nettoaufwand (schon schön gerechnet mit den 70.000 !!!), ob das wirklich die konzeptionellen Nachteile einer Basisrente aufwiegt? Ich persönlich denke nein.

 

Unterstellt man die gleiche Konstellation bei Riester, läge die reale Förderung in 2015 bei 78 %. Dafür sind Rentenleistungen bei Riester unabhängig vom Jahr des Renteneintritts immer voll zu versteuern.

 

Hoffe, das konnte einen ersten Einblick in die Förderkonstellation von Rürup in der Ansparphase verschaffen.

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Für wen könnte Rürup Sinn machen?

 

Während Riester doch schon in epischer Breite, erschöpfend im Forum ausdiskutiert wurde und somit kaum neue Erkenntnisse zu erwarten sind, war eine genauere / ganzheitliche Betrachtung von Rürup mMn bisher noch nicht erfolgt. Daher versuche ich an dieser Stelle zunächst einmal Zielgruppen zu entwerfen, für die Rürup möglicherweise in Betracht kommen könnte. Natürlich ist sowas immer sehr subjektiv.

 

Wichtig: In meiner Überlegung lasse ich insbesondere die Problematik 2015 vs. 2025 außen vor. Die habe ich im Abschnitt zur Förderung beschrieben. Ich beurteile also Stand 2015!

 

Für wen könnte Rürup Sinn ergeben?

 

- ältere Personen bspw. 55+

- Arbeitnehmer bspw. 40+, die eine Abfindung bekommen

- Selbstständige, die über keinerlei Langlebigkeitsabsicherung verfügen und alt genug sind, sich über Ruhestandsplanung Gedanken zu machen

 

Für wen ergibt Rürup Sinn absolut keinen Sinn?

 

- Jüngere Arbeitnehmer, die gut verdienen und einfach irgendwie mal Steuern sparen wollen

- Junge Selbstständige, denen "du musst was tun" ins Ohr gesetzt wurde

 

Wichtige konzeptionelle Eigenheit von Rürup im Sinne dieses Posts

 

Ich werde zwar später noch einmal ausführlich auf diverse Eigenheiten von Rürup eingehen, eine sei jedoch vorab benannt.

 

Im Gegensatz zu bspw. Riester muss bei Rürup keine Beitragsgarantie dargestellt werden. Das führt dazu, dass ich theoretisch bis ins Hohe Alter eine Rürup Rente abschließen kann. Ich muss das auch nicht in Form laufender Beiträge tun, oftmals ist der Abschluss einer Einmalbeitragsvariante erheblich günstiger und auch wesentlich flexibler.

 

Das ist der einzige konzeptionelle Vorteil, den Rürup aus meiner Sicht hinsichtlich der Flexibilität in der Ansparphase bietet. Und auch den müssen wir gleich wieder einschränken:

 

Bei einer Rürup Konstruktion muss ich beachten, dass jeder Anbieter eine garantierte Mindestrente voraussetzt, damit der Vertrag überhaupt abgeschlossen werden kann. Und diesbezüglich unterscheiden sich die Anbieter deutlich. Während bei Anbieter A - nur bspw. 30 Euro garantierte Rente aus dem Vertrag entstehen müssen, sind es im Durchschnitt 50 Euro benötigte garantierte Rente und es kann auch im Einzelfall noch mehr garantierte Rente benötigt werden.

 

Diese Feststellung ist inhaltliche Grundlage für jedes Rürup Gestaltungsmanöver, über das wir uns nachfolgend Gedanken machen werden.

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Für wen könnte Rürup Sinn machen? - Ältere Personen bspw. 55+

 

Grundsätzlich kann es diverse Konstellationen geben, in welchen eine zusätzliche Leibrente / Langlebigkeitsabsicherung gewünscht wird. Meine persönliche Meinung: Es gibt eigentlich immer attraktivere Optionen als Rürup, um dieses Problem zu lösen. Es bedarf noch nicht einmal überhaupt einer Versicherung. Man kann ebenso zahlreiche Auszahlpläne weitgehend idiotensicher konzipieren, beispielsweise auch aus einem Fondsdepot heraus.

 

Sei es drum. Wir haben jetzt eine ältere Person 55+ und der überlegt an einer Rürup Rente. Das führt zu ein paar Eigenheiten dieser Konstellation:

 

Bei Renteneintritt in 2025 (55+10 von 2015 aus) ist ja nur ein Teil der gesetzlichen Rente und nur ein Teil einer potentiellen Leistung aus einer Basisrente zu versteuern. (Kohortenprinzip) Bei Rürup gilt genau wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung: Der zu versteuernde Teil wird bei RENTENBEGINN festgelegt und dauerhaft festgeschrieben.

 

Im Jahr 2025 sind 85 % der gesetzlichen Rente / Rentenleistung aus Rürup zu versteuern. Habe ich also 2025 Rentenbeginn, bleibt es dauerhaft bei den 85 %, auch noch im Jahr 2040 oder später. Kleine Einschränkungen: Rentenerhöhungen eines Rürup Vertrags sind immer zu 100 % steuerpflichtig, also eine Frage der technischen Gestaltung und eines Besuchs beim Steuerberater.

 

Nun unterstelle ich mal ein paar Eigenschaften ...

 

- Person 55+ hat noch sehr hohen Grenzsteuersatz bis zur Rente

- Person 55+ hat nach Rentenbeginn deutlich niedrigeren Grenzsteuersatz

- Person 55+ hat ggf. kaum Rentenansprüche trotz hohem Grenzsteuersatz bis zur Rente (Selbstständiger)

 

 

Liegen bspw. diese Eigenschaften vor, kann man über eine Steuerverschiebung mit einem Rürup Vertrag nachdenken. Um es mal praktisch durch zu prügeln, bediene ich mich des Vertriebspartnerportals der Europa. (ja, ich weiss. Poly ist böse, weil der immer nur was mit Versicherungen macht ... bla bla bla ...)

 

https://vep.europa.de/ - Dort einfach oben rechts auf Tarifrechner -> Rente -> Basisrente gehen.

 

Wir unterstellen: Geburtsdatum 10.09.1960 / Rentenbeginn 65 / ledig

 

An den Schiebereglern spielen wir wie folgt: Monatliche Rente / Zahlweise Einmalbeitrag und nehmen die ganzen zusätzlichen Bausteine raus

 

... das sieht dann so aus ...

 

beispielrechnung-basisrente.jpg

 

Wer die vorherigen Teile gelesen hat, wird an dieser Stelle bemerken: Der Anbieter mit den nur 30 Euro garantiertem Rentenbedarf ist die Europa. Wer die Teile davor nicht gelesen hat, PGH, ich erklär es hier nicht noch ein weiteres Mal.

 

Haben wir nun die Einstellungen gem. dem Screenshot vorgenommen, können wir auf "Berechnung starten" klicken.

 

Dann zeigt sich folgendes Bild:

 

beispielrechnung2-basisrente.jpg

 

---

 

Kurz erklärt den Spaß

 

Wir haben gerade ermittelt, welcher Eigenbeitrag notwendig wäre, um die Voraussetzung "30 Euro mtl. garantierte Rentenleistung" zu erfüllen. Das haben wir am Beispiel der Europa gemacht, mit einer klassischen Rürup Rentenversicherung. Die gab es bis 2014 auch mal als Nettotarif, seit diesem Jahr nicht mehr.

 

Die Kosten sind dennoch recht überschaubar, kurz angerissen für das Beispiel: 61,18 Euro Abschlusskosten, 15,3 Euro einmalige Verwaltungskosten -> zusammen 76,48 = 1 % einmalige Kosten ... dazu jährlich 3,96 Euro laufende Kosten + 1 Euro je 100 Euro Rentenleistung ... kann man ertragen

 

Wichtiger die Feststellung: Für einen Einmalbeitrag von 7.648,07 Euro erhalten wir eine garantierte Rentenleistung von 30 Euro. Vorbehaltich gleichbleibender Überschüsse ergäben sich potentiell 44,82 Euro Rentenleistung. Gemessen am an der reinen Einzahlung (ohne die 10 Jahre Verzinsung) entspricht das einem "gedanklichen, garantierten Rentenfaktor" von 39,22 Euro je 10.000 Euro Bruttoeigenbeitrag.

 

Auf Basis der 44,82 kämen wir für unsere Bruttoleistung auf einen gedanklichen, möglichen Rentenfaktor von 58,6. Wie gesagt, alles ohne Betrachtung der 10 Jahre Verzinsung von 55-65. Halt nur, was kriege ich für meine Einzahlung ...

 

---

 

Wenn wir uns nun an das Kapitel zur Berechnung der Förderung für 2015 erinnern, werden wir feststellen, tatsächlich haben wir ja einen deutlich niedrigeren Nettoeigenbeitrag. Wenn wir mal milchmädchenhaft von bspw. 50 % realer Förderung ausgehen, entspricht der Nettoeigenbeitrag 2/3 und die Förderung 1/3 des Bruttoeigenbeitrags.

 

Heißt:

 

7648,07 / 3 * 2 = Nettoeigenbeitrag = 5098,71

7648,07 / 3 * 1 = Steuerförderung = 2549,36

 

 

Natürlich ist das nun folgende erst recht milchmädchenhaft, aber es geht mir um den Grundgedanken dahinter und eine möglichst einfache Aufbereitung:

 

Für 5098,71 Euro Nettoaufwand bekomme ich bis zu 44,82 Euro Bruttorente. Entspricht einem gedanklichen Rentenfaktor von 88 (!).

 

Und das führt eben in Summe dazu, dass eine Basisrente im beschriebenen Kontext für ältere Personen 55+ zumindest konzeptionell Sinn machen könnte. Welche Annahmen zum Nettorentenwert (also Steuersatz / Grenzsteuersatz im Alter) getroffen werden, das überlasse ich an dieser Stelle einmal in Ruhe den Lesern.

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Für wen könnte Rürup Sinn machen? - Arbeitnehmer bspw. 40+, die eine Abfindung bekommen

 

Wichtig: Die Anleitung zum "wie man beispielhaft ein Angebot rechnet" habe ich im vorhergehenden Kapitel geliefert ( https://www.wertpapier-forum.de/topic/46977-rurup-rente-tipps-und-tricks/?do=findComment&comment=970853 ). Ich werde das hier nicht noch ein weiteres Mal wiederholen.

 

Es soll nachfolgend nur kurz um die Eigenheiten im Zuge der definierten Zielgruppe gehen. Schlussfolgerungen und technische Maßnahmen bitte sinngemäß dem vorhergehenden Kapitel entnehmen ...

 

---

 

Wir unterstellen einen Arbeitnehmer, der auf dem "Höhepunkt" seiner Karriereentwicklung eine Abfindung bekommt. Manche nennen das auch Weiterentwicklung, andere Midlifecrisis, wie auch immer ... wie unterstellen es jetzt einfach.

 

Diese Abfindung beträgt in unserem Beispiel gut zu handhabende 30.000 Euro.

 

Seit 2006 hat es sich mit Freibeträgen, Abfindungen sind wie Arbeitslohne zu versteuern. Allerdings kann die Fünftelregelung Anwendung finden. Dabei wird zunächst die Steuerlast auf das Jahreseinkommen berechnet. Dann wird die Abfindung gedanklich auf 5 Jahre verteilt (30.000 / 5 = 6.000). Ein Fünftel der Abfindung (also 6.000) wird dann auf das Einkommen des Kalenderjahres aufgeschlagen und darauf wiederum die Steuer ermittelt.

 

Das Special an der Geschichte: Die Differenz beider Beträge wird mit fünf multipliziert und ergibt die Abfindungs-Steuersumme, die man mit der regulären Einkommensteuer addiert.

 

Ich will mich nun nicht über steuerliche Besonderheiten "auskotzen", dafür bin ich nicht sonderlich qualifiziert. Ich verweise daher -> Ein Beispiel findet sich hier: http://www.vlh.de/arbeiten-pendeln/beruf/so-funktioniert-die-fuenftelregelung.html

 

---

 

Wichtig: Das Fazit aus der Geschichte

 

Nutze ich nun bspw. den beschriebenen Weg aus dem vorhergehenden Kapitel, kann ich die Steuerlast bei solchen "kleineren" Abfindungen auf 0 drücken. Oder anders formuliert, ich zahle quasi meinen Einmalbeitrag für Rürup überwiegend aus Steuerersparnis im Kontext der Abfindung.

 

Hierbei muss gedanklich als Erweiterung des vorhergehenden Kapitels bedacht werden, dass in die garantierten 30 Euro Rentenleistung (Voraussetzung!) ja auch die Rechnungszinsen über die Jahre einfließen. Heißt im Klartext: Jemand mit bspw. 40 Jahren braucht weniger Einmalbeitrag als jemand mit 55 Jahren um auf die benötigten 30 Euro garantierte Rentenleistung zu kommen.

 

Kurzum: Rürup könnte in dem Kontext interessant sein, da es sich quasi vollständig aus Steuerersparnis finanzieren kann.

 

Und nur um nicht wieder falsch verstanden zu werden: Das ist bei weitem nicht die einzige Möglichkeit, jede andere Form von steuermildernden Effekten greift genauso. Das kann Riester, bAV oder ala Kolle auch eine Solaranlage auf dem Dach sein. Einzelheiten in dem Kontext gehören aber zum Steuerberater.

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Für wen könnte Rürup Sinn machen? - Selbstständige, die über keinerlei Langlebigkeitsabsicherung verfügen und alt genug sind

 

Das hier wird das kürzeste, zumindest trivialste der drei Beispiele. Liegt einfach daran, dass die diversen Basics schon in der vorhergehenden Beispielen erläutert wurden und ich viel zu faul bin um das nochmal zu machen.

 

Zu den Voraussetzungen

 

Grundsätzlich halte ich nicht viel davon eine Altersvorsoge gänzlich ohne Komponente zur Langlebigkeitsabsicherung zu konzipieren. Liegt einfach daran, dass die Masse der Menschen weder die Disziplin noch im Alter die Fähigkeiten haben dürften, um sich eigenverantwortlich um ihr Geld kümmern zu können. Ausnahmen bestätigen die Regel, gruß an Kolle. Ob man jetzt nun grad Rürup für diesen Zweck benutzt, ähm ... macht wie ihr denkt.

 

Blöderweise unterschätzen die meisten ihre Lebenserwartung. Ich will das an dieser Stelle gar nicht groß ausbreiten und verlinke stattdessen lieber auf einen Beitrag vom GDV mit hübschem Bildchen: http://www.gdv.de/2015/07/die-drei-groessten-irrtuemer-zur-lebenserwartung/

 

Grundproblem also in meinem Branchenjargon: Wer lebenslange Kosten hat, sollte auch ein angemessenes lebenslanges Einkommen haben ...

 

Rürup kann dieses Problem für einen Selbstständigen ggf. steuerlich attraktiv lösen, das könnten aber Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung ggf. auch. Und lässt man mal den unsäglichen Drang Steuern sparen zu wollen außen vor, dann gibt es noch genügend weitere Alternativen.

 

Die Voraussetzungen bzgl. "alt genug" sollten eigentlich selbsterklärend aus den Vorpostings sein. Wir haben zum einen die 2015 vs 2025 Problematik und zum anderen die Problematik mit der ansteigenden nachgelagerten Besteuerung.

 

Faustregel

 

Je höher die Steuerbelastung in der Ansparphase und je niedriger die zu erwartende Steuerbelastung (ggf. Erträge aus Vermögen nicht vernachlässigen!) in der Auszahlungsphase, um so eher kann sich Schicht 1 rechnen. Wobei Schicht 1 explizit sowohl Rürup als auch gesetzliche Rentenversicherung meint.

 

Maßgeblich für die Variante Rürup bleibt die technisch sinnvolle Ausgestaltung der Produkte und ein weiteres wichtiges Merkmal: Eine Langlebigkeitsabsicherung sollte ohne wenn und aber auch in der Auszahlungsphase (ohne Abschwächung oder Einschränkung) verzinst werden. Das ist längst nicht bei allen Rürup Produkten der Fall.

 

Zur technisch sinnvollen Ausgestaltung habe ich in den vorhergehenden Kapiteln schon ein paar Worte verloren, in den Kapiteln zu den einzelnen Produkten werde ich mich noch einmal genauer damit und mit der Zinsproblematik beschäftigen.

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Eigenheiten des Kohortenprinzips / nachgelagerte Besteuerung

 

Ich bitte darum mir zu vergeben, dass ich Informationen, die man auch über Wikipedia beziehen kann, in diesem thread nicht unnötig wiederhole. Etwas Eigenrecherche setze ich grundsätzlich voraus, zumindest hinsichtlich der trivialsten Basics. Im Thread konzentriere ich mich lieber auf die Dinge, die so weniger bekannt oder teilweise kaum jemandem bewusst sind.

 

Die Eigenheiten des Kohortenprinzips sind ein solcher Punkt. Unter dem Kohortenprinzip versteht man die schrittweise nachgelagerte Besteuerung von Renten aus der ersten Schicht. Gilt also für Basisrenten gleichermaßen wie für Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Die entsprechende Tabelle kann man Wikipedia entnehmen, 2015 sind 70 % steuerpflichtig, schrittweise ansteigend auf 100 % bis 2040.

 

Fakt 1, der nicht ganz so bekannt ist: Es kommt allein auf den Renteneintritt an. Hätte ich meinen Renteneintritt bspw. in 2015, dann müsste ich dauerhaft nur 70 % meiner Rürup Rentenleistung zum persönlichen Steuersatz versteuern. Das steigt nicht an, sondern bleibt eingefroren. Somit ist Rürup konzeptionell um so attraktiver, je weiter ich vor 2040 in Rente gehe.

 

Fakt 2, der kaum bekannt ist: Dieses Privileg gilt nicht für Rentenerhöhungen. Rentenerhöhungen sind unabhängig vom Zeitpunkt immer VOLL steuerpflichtig. Und diesen Fakt schauen wir uns mal genauer an ...

 

---

 

Nehmen wir an, ich gehe im Jahr 2015 in Rente und erhalte eine Rentenleistung von 1.000 Euro aus einer Rürup Rente. Es sind 70 % meiner Rentenleistung zu versteuern. Praktisch bildet das Finanzamt mir aber einen konkreten Rentenfreibetrag von 30 % - oder absolut 300 Euro. Zwar steigt die Steuerlast auf die 1.000 Euro nicht mehr an, real und praktisch steigt aber auch mein Rentenfreibetrag von 300 Euro nicht mehr an.

 

Das wird Beispielsweise dann zum existenziellen Problem, wenn ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung in Kombination mit Rürup abschließe. Aber darauf gehe ich in einem eigenen Kapitel ausführlicher ein.

 

Für normale Basisrentenverträge kann es ebenso bescheiden sein. Steigt beispielsweise die Rentenleistung schrittweise an, muss ich je nach technischer Basis dieser Geschichte den Anstieg völlig unabhängig vom Renteneintritt zu 100 % versteuern.

 

Praktische Konsequenzen

 

Während es bei ungeförderten Rentenversicherungen, Riester Renten, ja selbst bei bAV Renten völlig egal ist - bei Rürup kann es ganz entscheidend sein, welche technische Verrentungsvariante gewählt wird. Wobei, relativiert: Hat man Renteneintritt nach 2040, ist das ohnehin egal, sind ja dann eh 100 % zu versteuern.

 

Nur in der ganzen(meiner) persönlichen Logik dieses Threads sollte ja vor 2025 eh kein Rürupvertrag in Betracht gezogen werden, so man Renteneintritt nach 2040 hat. Siehe: Für wen könnte Rürup Sinn machen?

 

Und für die mit Renteneintritt vor 2040 gilt es diesen Umstand immer im Hinterkopf zu behalten. Alternativ könnte das mal jemand auch den Jungs von Finanztest erklären, die grundsätzlich zu volldynamischer Verrentung bei Rürup raten. Etwas Bissigkeit an dieser Stelle sei mir vergeben, ist halt meine Art.

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Eigenheiten beim Arbeitnehmer

 

Vermutlich ist es bekannt, daher auch gar kein langes Blabla. Die steuerlichen Freibeträge bei Rürup gelten nur für Jene, die nicht an der gesetzlichen Rentenversicherung teilnehmen. Bei Arbeitnehmern und auch bei Beamten, sieht das anders aus. Hier werden die abzugsfähigen Beträge um die Arbeitnehmer UND Arbeitgeberbeiträge gekürzt, bei Beamten um den jeweils gültigen GRV Beitragssatz (2015 = 18,7 %).

 

Praxisbeispiel

 

Für einen ledigen Selbstständigen sind es zunächst mal 80 Prozent aus 22.172 Euro Höchstbetrag in 2015. Sprich 17737,6 Euro von 22.172 Euro können als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Beim Arbeitnehmer gehen nun noch die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zur GRV runter.

 

Haben wir einen Arbeitnehmer mit 55.000 Brutto, können 2015 nur noch 11.887 Euro eingezahlt werden. Davon sind wiederum nur 80 % absetzbar, sprich 9509,6 Euro.

 

Rechenweg: 22.172 - (55.000 / 100 * 18,7) * 0,8 = x

 

Obwohl ich im Kapitel zur Förderung in der Ansparphase behauptet habe, dass Rürup Förderung relativ simpel zu berechnen ist, beim Arbeitnehmer wird es halt ein wenig komplizierter.

 

Ungeachtet dessen bin ich persönlich der Meinung, dass Arbeitnehmer im Regelfall keine Basisrente abschließen sollten. Ausnahmen wie geschildert unter "für wen könnte Rürup Sinn machen". Und für die sollte ggf. halt das hier Beschriebene bekannt sein.

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Konzeptionelle Dynamisierung von Rürup

 

Auch das ist nicht gerade ein komplexes Thema, ich möchte es dennoch kurz erläutern. Seit 2015 gilt der jeweilige jährliche Höchstbetrag bei Basisrenten als "dynamisiert". Die Referenz bildet dabei die Beitragsbemessungsgrenze der knappschaftlichen Rentenversicherung (macht 89.400 in 2015 statt 71.500 in der GRV) und der Beitragssatz zu dieser (von in 2015 24,8 %).

 

Kurz nachgerechnet, Rundung immer auf volle Euro:

89.400 x 0,248 = 22.172 Euro

 

Oder anders formuliert:

Die Höchstgrenze steigt von 20.000 Euro in 2014 auf 22.172 Euro in 2015. Vorbehaltlich bspw. der Problematik beim Arbeitnehmer, vorbehaltlich der schrittweisen steuerlichen Absetzbarkeit.

 

---

 

Hat zwar bestenfalls rudimentär mit dem Thema zu tun, aber eine echte Dynamisierung ist das nicht. Wer auf die völlig bescheurte Idee kommen sollte massiv auf Rürup zu bauen:

 

Die Bezugsgrößen (BBG Knappschaft und Beitragssatz Knappschaft) sind variabel, können somit auch sinken. Hält man sich zudem das Theater vor Augen, welches die Bundesregierung seit 2013 um diese "Erhöhung" veranstaltet hat, müsste man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass es sich hier nicht um eine wirklich planbare Größe handelt.

 

Aber gut ... wie üblich ... nur meine Meinung.

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Vermeintliche Pfändungssicherheit bei Rürup

 

Ist Rürup pfändungssicher? Nö, ist es nicht. Auch wenn gern das Gegenteil behauptet wird und dies so mit eines der Hauptverkaufsargumente ist. Bevor ich ins Detail gehe, an dieser Stelle noch eine persönliche Meinung.

 

Für wie belämmert muss die Politik den Selbstständigen halten, damit dieser ohne jedweden Vorteil (ggü. Schicht 1 oder Alternativen), unter Inkaufnahme der ganzen Einschränkungen (Vererbbarkeit, Kapitalisierbarkeit etc. pp.), gegen zusätzliche Kosten so ein Ding abschließt und seine Altersvorsorge darauf baut?

 

Wie gesagt: es gilt immer eine Betrachtung des Sonderfalls, als kleiner Baustein kann Rürup hier und da schon ein wenig Sinn machen. Aber das war es dann auch ...

 

---

back to topic ...

 

Auch wenn es gern so beworben wird, Rürup ist nicht pfändungssicher. Bevor wir jetzt aber die §§ 97 EStG und 851 ZPO sowie das BMF 31.03.2010 anschauen, beschränke ich mich an der Stelle lieber auf die praktischen Konsequenzen. Wem das mal wieder zu undifferenziert ist, hier ist der Kummerkasten.

 

Wir unterscheiden in Ansparphase und Auszahlungsphase ...

 

Bzgl. der Auszahlungsphase ist die Geschichte äußerst simpel. Es gelten nur die ganz normalen Pfändungsfreigrenzen, alles darüber hinaus ist pfändbar. Ob das "darüber hinaus" nun Rentenleistungen aus einer Rürup Rente sind (oder was auch immer) ist völlig Wurst.

 

Bzgl. der Ansparphase wird es komplizierter. Nehmen wir mal die runden 20.000 Euro Höchstbetrag aus 2014. Wir nehmen an, irgendwer kam jetzt auf die völlig be*********e fragwürdige Idee und hat tatsächlich 20.000 Euro in 2014 in einen Rürup Vertrag eingezahlt. Steuerlich gefördert wurden davon ja nur 78 %, sprich 15.600 Euro. Die restlichen 4.400 Euro sind pfändbar [punkt] Besonders garstig: Auch die auf diesen Teil entfallenden Zinsen / Erträge sind nicht pfändungssicher.

 

So viel zum Thema: "Das hat mir mein xyz nicht gesagt ..."

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3) Abgrenzung Rürup und Riester hinsichtlich Auswirkungen auf die Produkte

 

Bevor man sich mit einem Rürup Produkt auseinandersetzt, sollte man sich mit den konzeptionellen Eigenheiten in Bezug auf die Produkte auseinandersetzen. Da meiner Meinung nach der Wissenstand rund um Riester in diesem Forum mittlerweile überdurchschnittlich hoch ist, halte ich es für sinnvoll, diese Dinge von Riester ausgehend zu erklären.

 

Es gibt zwei ganz erhebliche Unterschiede zwischen Rürup und Riester in Bezug auf die Produktgestaltung. Ich vereinfache:

 

1) Bei einer Basisrente muss keine Beitragsgarantie gegeben werden

2) Der Aufwand beim Anbieter ist sehr viel geringer, weder Anbieterwechsel noch Auseinandersätzung mit ZFA Datensätzen, noch Entnahmen für Wohnriester etc. drohen

 

Das führt wiederum zu weiteren zwei Schlussfolgerungen:

 

1SF) Rürup + Fonds ist im Gegensatz zu Riester sehr gut theoretisch und auch praktisch hinsichtlich der Produktauswahl darstellbar

2SF) Rürup Policen können wesentlich kostenoptimierter betrieben werden, als das bei bis ins letzte Detail optimierten Riester Policen möglich wäre

 

Es gibt eine ganz erhebliche Einschränkung in der Rürup Produktwelt ...

 

3) Es gibt keine gänzlich oder weitgehend kostenfreie Variante, sprich es gibt keinen Rürup Banksparplan

 

Es gibt einen ganz erheblichen Vorteil ggü. Riester zumindest aus WPFler Sicht

 

4) Im Gegensatz zu Riester ist das Änderungs- und Optimierungspotential allein auf steuerliche Regelungen begrenzt, sowie das Potential hinsichtlich diverser Ärgernisse (ZFA Rückforderung, falsche Kindererziehungszeiten, Ärger mit Wohnriester) sehr viel niedriger. Das führt zu der Schlussfolgerung, dass man Rürup mMn eher ohne Beratung praktizieren kann, als man das bei Riester sollte.

 

Und es gibt eine Notwendigkeit, die bei Rürup noch stärker ausgeprägt ist als bei Riester ... das schauen wir uns genauer an:

 

Rürup kann nur verrentet werden. Es gibt kein Kapitalwahlrecht, keine Entnahme für Wohnriester. Verrente oder stirb, es bestehen nur die zwei Möglichkeiten (naja, und die Kleinstbetragsrente).

 

Sollte man also als junger Mensch eine Basisrente abschließen wollen, müsste man noch genauer auf die Verrentungsgrundlagen schauen, als das bei Riester der Fall ist. Da der ganze Thread hier aber unter der Prämisse steht, dass Rürup für junge Menschen vor mind. 2025 sinnbefreit ist, werde ich diesen Aspekt weitgehend unberücksichtigt lassen.

 

Ich konzentriere mich lieber auf den zweiten Teil der Geschichte, der unter der genannten Prämisse nicht an Wichtigkeit einbüßt. Dabei geht es darum, inwiefern die Anbieter tatsächlich und uneingeschränkt die Erträge während der Verrentung an den Kunden weitergeben. (nicht zuletzt unter Berücksichtigung der steuerlichen Problematik)

 

Mal platt formuliert: Die Angebote werden sich hinsichtlich garantierter Renten zumindest im Kontext der von mir beschriebenen ggf. "Eignungen" nicht wirklich erheblich unterscheiden. Und schaut man auf "mögliche Renten" / "Renten durch Überschüsse" bei Anbietern wie chucky24 und co., wird man zur gleichen Schlussfolgerung kommen.

 

Das aber nur unter der Prämisse, dass die Anbieter ihre bedingungsgemäßen Gestaltungsrechte eben nicht nutzen. Und davon auszugehen, nun, das halte ich für mutig.

 

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So. Nun haben wir die Basics, die wir bei der Produktauswahl einer Rürup Rente im Hinterkopf haben sollten.

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Posted · Edited by polydeikes

Rürup Fondssparpläne

 

Im Grunde gibt es nur zwei Rürup Fondssparpläne.

 

DWS Basisrente Premium - dws.de/Produkte/Vorsorge/BasisrentePremium/Uebersicht

Deka Basisrente Premium - deka.de/privatkunden/altersvorsorge/deka-basisrente

 

Im Grunde funktionieren die Teile genau wie ihre Riesterpendants. Sprich recht teure Dachfondskonstruktion und Beitragsgarantieproblematik. Das macht die Dinger aus meiner Sicht ziemlich uninteressant, da eine Beitragsgarantie bei Rürup gar nicht erforderlich ist und die hohen laufenden Kosten sehr viel problematischer sind, als einmalige Kosten.

 

Kleine Anmerkung zum Fallstrick Beitragsgarantie: Im Gegensatz zu Riester gewährt bspw. die DWS nicht 100 % der eingezahlten Beiträge, sondern nur die eingezahlten Beiträge - 5 % Abschlusskosten, völlig unabhängig davon, ob man über einen Fondsvermittler günstiger abgeschlossen hat. Das Blöde an der Geschichte: Die Abschlusskosten fallen mal wieder zu Beginn an. Stelle ich also meinen Rürup Vertrag beitragsfrei, krieg ich die vorab für alle fiktiven Einzahlungen der gesamten Laufzeit erhobenen Abschlusskosten auch nicht wieder.

 

Das ist für sich genommen jetzt kein Drama, aber einfach etwas, das mich persönlich stört.

 

Dramatischer sind zum Beispiel die laufenden Kosten gegenüber einer bspw. auf einer individuellen ETF Konfiguration beruhenden Rürup Fondspolice.

 

Und für mich ein absolutes "NoGo" sind die Regeln in den Bedingungen, hier am DWS Beispiel:

 

 

11. Ausgestaltung der Auszahlungsphase

 

11.1 Wir zahlen Ihr Altersvorsorgevermögen in Einklang mit § 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchstabe b) EStG aus, und zwar in Form einer monatlichen lebenslangen gleich bleibenden oder steigenden Leibrente.

Wenn in der Auszahlungsphase Zinsen oder andere Erträge anfallen, können diese gesondert als variable Teilraten ausgezahlt werden. Dies gilt allerdings nur, wenn wir diese Zinsen und Erträge nicht zur Erfüllung unserer Verpflichtungen aus diesem Vertrag benötigen.

 

Wir sind berechtigt, Kleinbetragsrenten in Anlehnung an § 93 Abs. 3 EStG abzufinden.

 

11.2 Mit Beginn der Auszahlungsphase veräußern wir das gebildete Altersvorsorgevermögen und verwenden den Erlös als Einmalzahlung für den Abschluss einer sofort beginnenden Rentenversicherung. Vor Rentenbeginn wird die Leibrente auf Grundlage einer anerkannten Sterbetafel berechnet und dabei der während der Laufzeit der Rente geltende Zinsfaktor festgelegt.

 

 

Fassen wir mal grad zusammen:

 

Falls es Erträge in der Verrentungsphase geben sollte, so könnte die DWS die dann auch weitergeben, sofern die DWS diese nicht lieber selbst behält. (kennt man ja von der Riester Rente Premium) Dazu gibt es nur die Option nach Rentenbeginn komplett in eine sofort beginnende Rentenversicherung überführt zu werden, für die neue Abschlusskosten und neue laufende Kosten anfallen. Da es auf die Zurich hinausläuft, herzlichen Glückwunsch, wenigstens nicht die Generali.

 

Aber immerhin wird ja irgendeine anerkannte Sterbetafel verwendet.

 

Mag man interpretieren wie man will. Für Riester Fondssparpläne mag es ja noch eine Zielgruppe geben, aber für Rürup Fondssparpläne?

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Posted · Edited by polydeikes

Klassiche Rürup Rentenversicherungen

 

Das Schöne an klassischen Rürup Rentenversicherungen: Es gibt wesentlich mehr (attraktive) Anbieter als bei Riester und somit geht da auch kostentechnisch deutlich mehr. Während ich bei Riester eigentlich nur über Nettotarife an aus Kostensicht und hinsichtlich Verrentungsbedingungen akzeptable klassische Policen gelange, geht das bei Rürup auch einfacher.

 

Zudem: Rürup ist eigentlich nur auf die paar Eigenheiten und die steuerlichen Gegebenheiten fixiert, ich brauch nicht unbedingt einen Berater. Im Gegensatz zu Riester schlummern auch weniger Fallstricke, bspw. Zulagenrückforderungen, veränderte Förderkonstellationen, Wohnriesteproblematiken etc. pp. ... kurzum ... man kann das eher guten Gewissens selbst machen, wenn man will.

 

Das führt wiederum dazu, dass ich theoretisch auch einen Direktversicherer wählen kann. Je älter ich bin, umso weniger sollten mich auch variable Verrentungsgrundlagen kümmern. Nur die Mindestanforderungen hinsichtlich der Überschussbeteiligung während des Rentenbezugs und die technische Gestaltung ohne steuerlich gefährliche Erhöhungen sollte ich beachten. (wobei das wieder bei den meisten Direktversicherern ein Problem ist) Wenn ich diese Dinge beachte und verstehe, kann eigentlich nicht sonderlich viel schief gehen.

 

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Allerdings muss ich zugeben, dass ich für die Beispiele mit den älteren Sparern die Gestaltung über Einmalbeiträge bei der Europa für ziemlich unschlagbar halte. Grundlegend hatte ich das hier erklärt: https://www.wertpapier-forum.de/topic/46977-rurup-rente-tipps-und-tricks/?do=findComment&comment=970853

 

Und noch einmal andersrum erklärt: Hole ich mir doch einen Berater an die Seite, bekommt der halt 80 % der Abschlussvergütung, die ich so oder so an die Europa zahlen würde. Ob der Vermittler da nun begeistert ist in Anbetracht der Vergütungshöhe bei der optimierten Variante ... andere Frage, aber es wird auch mit Vermittler nicht teurer.

 

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Für jüngere Sparer sollten wiederum einige weitere Faktoren Berücksichtigung finden. Dann läuft es schon eher wieder auf einen Nettotarif mit besseren Versicherungsbedingungen hinaus. Nur steht eben der ganze Thread unter der Prämisse, dass Rürup für junge Sparer vor 2025 sehr wenig bis gar keinen Sinn macht.

 

Im Falle eines jüngeren Sparers müsste man sehr genau skizzieren, wie und in welcher Höhe Beiträge gezahlt werden sollen und welche Gestaltungssicherheit und -freiheit vom Vertrag erwartet wird. Erst dann könnte man leidlich sinnvoll nach einem geeigneten Tarif suchen.

 

Einschränkung: Meiner persönlichen Meinung nach sollten bei Laufzeiten von mehr als 20 Jahren ohnehin eher Rürup Fondspolicen gewählt werden.

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Posted · Edited by polydeikes

Fondsgebundene Rürup Rentenversicherungen

 

 

Die Kombination Rürup + Fonds gibt wesentlich mehr Möglichkeiten her, als das bei Riester + Fonds der Fall ist. Liegt einfach daran, dass nicht zwangsläufig eine Beitragsgarantie vereinbart werden muss. Man kann am Markt zwischen "keine" über abgestuft über "bestimmte Prozente" bis zu "vollständige Beitragsgarantie" wählen. Zudem gibt es natürlich auch Produkte mit "lock in" Mechanismen, sprich einen bestimmten Wert zu einem fest definierten Zeitpunkt festschreiben lassen, indem umgeschichtet wird.

 

Für die versierteren Anleger gibt der Markt aber auch selbstgebaute Sicherungskonstruktionen her.

 

Im Rürupmarkt tummeln sich wiederum mehr interessante Anbieter, als im Riester Markt ,beispielsweise auch wieder eine InterRisk mit den Nettotarifen *** SFRVB und der HFRVB. Erstere gibt eine hinreichende Auswahl für eine ETF basierte Basisrente her, zweitere bietet die wohl beste Fondsauswahl am Markt und zahlt zudem die Kickbacks aktiver Fonds bedingungsgemäß vollständig aus.

 

Die SFRVB(E) bietet bspw. auch ein vorgefertigtes ETF Portfolio an, "Iris ETF".

 

Womit wir bei einem möglichen Kriterienkatalog für die Produktauswahl wären

 

- es sollte auch eine Variante ohne Beitragsgarantie möglich sein

- die laufenden Kosten sollten erträglich sein, entsprechend auch die Fondsauswahl

- die Verrentung sollte möglichst klar definiert sein

 

Gestaltungsmöglichkeiten auch bei Rürup Fondspolicen

 

Während man bei Riester ja generell keine Einmalbeitragsverträge abschließen kann (nur selbst gesteuert), ist das bei Rürup sehr wohl möglich. Und es kann häufig wesentlich günstiger sein über Einmalbeiträge zu gehen als über laufende Beitragszahlungen. Es gibt allerdings bei Fondspolicen die Einschränkung, dass meist Stückkosten bzw. Depotkosten (einfach formuliert fixer Kostenbestandteil) enthalten sind.

 

Mal am Beispiel einer SFRBE "Iris ETF" mit 8.000 Euro Einmalbeitrag:

 

einmalige Inkassokosten = 0,5 % = 40 Euro

laufende Fixkosten = 24 Euro p.a.

laufende Pauschale = 0,3 % p.a.

spätere Zuzahlungen a 1 % Inkassokosten

 

Die Fixkosten können auch höher ausfallen, bspw. kassiert eine Alte Leipziger mal eben 36 Euro p.a. an Depotkosten und 0,5 % reguläre Pauschale. Es gibt aber auch Anbieter, bei denen keiner dieser beiden Kostenpunkte Berücksichtigung findet, dafür aber die einmaligen Kosten höher ausfallen.

 

Laufende Beitragszahlung ist jedoch regelmäßig teurer. Am Beispiel des gleichen Produkts mit 100 Euro mtl. Beitrag:

 

laufende Fixkosten = 48 Euro p.a.

laufende Pauschale = 0,3 % p.a.

spätere Zuzahlungen a 1 % Inkassokosten

 

Und dabei gilt noch zu beachten, dass die IR ausnahmsweise keine Aufschläge für mtl. Beitragszahlung nimmt, das erhöht bei vielen anderen Anbietern die Kosten ggü. jährlicher Beitragszahlung auch noch einmal.

 

Kurzum, egal für welches Produkt man sich ggf. interessiert: Einmalbeitragsvariante mit laufender Beitragszahlung vergleichen und ggf. die günstigere Variante wählen. Da bei Rürup stehts auch weitere Zuzahlungen in einem Einmalbeitragstarif möglich sind, muss man noch nicht einmal in dieser Hinsicht auf eine laufende Beitragszahlung ausweichen.

 

 

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*** Nettotarife können bspw. über Versicherungsmakler abgeschlossen werden. Nettotarife sind eben Netto, heißt ohne im Tarif einkalkulierte Vermittlervergütungen. Man zahlt statt Abschlussvergütungen direkt ein zuvor vereinbartes Honorar für die Beratungs- / Vermittlungsleistung an den Vermittler.

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Posted · Edited by polydeikes

Kleinstbetragsrente auch bei Rürup zulässig

 

Grundsätzlich kann auch bei Rürup eine Kleinstbetragsrente abgefunden werden. Besonderheit gegenüber Riester, es darf bei Rürup NIE zu jährlichen Rentenleistungen zusammengefasst werden.

 

Eine Kleinstbetragsrente ergibt sich dann, wenn die zu zahlende Rentenleistung unter 1 % der in §18 SGB IV genannten Bezugsgröße liegt.

 

Die Bezugsgröße West liegt in 2015 bei 2.835 €, 1 % davon ergibt wiederum 28,35 Euro.

 

Anders formuliert: Liegt die Rentenleistung des Vertrags unter 28,35 Euro (2015), kann aktuell bei Rentenbeginn auf einen Schlag mit einer Kleinstbetragsrente abgefunden werden. Das entspricht je nach Produkt so etwa 6.000 Euro Vertragswert im Kontext von Rürup. Somit lässt sich ähnlich wie bei Riester auch bei Rürup die Zwangsverrentung theoretisch umgehen.

 

Allerdings dürfte das im Rürup Kontext eher theoretischer Natur sein, meist sind die Vertragswerte einfach höher als bei Riester. Zudem gibt es keine Rürup Banksparpläne, mit denen man solche Manöver ideal praktizieren könnte. Und bspw. die relativ günstige Gestaltung über Einmalbeiträge scheidet auch aus, da dort je nach Anbieter mind. 30 - 50 Euro garantierte Rente aus dem Einmalbeitrag entstehen müssen.

 

Man könnte also bestenfalls eine Rürup Rente mit laufender Beitragszahlung nehmen. Diese laufende Beitragszahlung früh genug stoppen ( 6.000 Euro Vertragswert mal besser nicht überschreiten) und dann würde es auch mit der Kleinstbetragsrente klappen. Grundproblem auch bei Rürup: Mehrere Verträge bei EINEM Anbieter könnten in dieser Hinsicht "zusammengefasst" werden.

 

Formal der Hinweis: Kleinstbetragsrenten gehen voll in die Progression, das sollte steuerlich also schon vorab genau unter die Lupe genommen werden.

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