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Berufsunfähigkeitsversicherung - Tipps und Tricks

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Es fehlen noch diverse Formatierungen, Grafiken, Downloads, Tippfehlerkorrektur usw. usf. ... Geduld bitte

 

 

Gliederung des Threads Berufsunfähigkeitsversicherung - Tipps und Tricks

 

 

Verbesserungsvorschläge, Kritik, Lob, Anregungen etc. gern in den Diskussionsthread.

 

 

 

1) Einleitung - Basics Berufsunfähigkeitsversicherung

 

2) Vorbereitung für den Abschluss einer BU (polydeikes)

2.1 Gesundheitshistorie aufbereiten mit Beispiel (polydeikes)

2.2 (anonyme) Risikovoranfrage - Was ist das? (polydeikes)

2.3 Antragsfragen richtig lesen und verstehen (Matthew Pryor)

2.4 Konsequenzen einer Anzeigepflichtverletzung (Matthew Pryor / Polydeikes)

 

 

3) BU Leistungsvoraussetzungen - Oder: Wann ist man eigentlich BU? (polydeikes)

3.1) Berufsdefinition und Möglichkeiten einer konkreten oder abstrakten Verweisung (polydeikes)

3.2) Befristetes Anerkenntnis(Matthew Pryor / Polydeikes)

3.3) Arbeitsunfähigkeitsklauseln in der Berufsunfähigkeitsversicherung / AU-Klauseln (Polydeikes)

 

 

4) BU Leistungsbeschränkungen (Einleitungstext) (polydeikes)

4.1 Arztanordnungsklausel (polydeikes)

4.2 Ausscheiden aus dem Berufsleben (Arbeitslosigkeit, Kindererziehung usw.) (polydeikes)

4.3 Umorganisationsklausel (polydeikes)

4.4 Verkehrsdelikte (polydeikes)

4.5 Weitere Leistungsausschlüsse (polydeikes)

 

 

5) Nachprüfung einer Berufsunfähigkeit - Was ist eine Nachprüfung? (polydeikes)

5.1 Änderung von Prüfkriterien in der Nachprüfung (polydeikes)

5.2 Mitteilungspflichten des Versicherungsnehmers (polydeikes)

 

 

6) BU Anpassungsmöglichkeiten an die Lebensentwicklung (polydeikes)

6.1 dynamische Erhöhung von Beiträgen (Matthew Pryor)

6.2 dynamische Erhöhungen nach Eintritt des Leistungsfalls (Matthew Pryor)

6.3 Nachversicherungsoptionen und -garantien (Matthew Pryor)

6.4 Zahlungsschwierigkeiten und Berufsunfähigkeitsversicherung (Polydeikes)

 

 

7) Technische Details sowie Tricks und Kniffe (Einleitungstext) (polydeikes)

7.1 Tätigkeitsbeschreibung und Berufsgruppeneinstufung (polydeikes)

7.2 Karenzzeit (Matthew Pryor)

7.3 Endalter? (polydeikes)

7.4 Buz oder SBU? (polydeikes)

7.5 Schicht 1,2 oder 3? (polydeikes)

7.6 BU für Studenten mit Besserstufung? (polydeikes)

7.7 Berufsunfähigkeitsversicherung für Kinder?

 

8) Versicherungsberater, Versicherungsmakler, Versicherungsvertreter oder Direktversicherer?

 

9) Risikoprüfung bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung

 

 

 

To do Liste ...

 

BU Alternativen?

Honorar, Courtage, Provision?

ggf. Einzelbeispiele?

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1) Basics Berufsunfähigkeitsversicherung

 

Seit 2001 hat der Staat die Verantwortung zur Absicherung des Risikos der Berufsunfähigkeit gänzlich in die Hände der Privatwirtschaft gegeben. Ausnahmen stellen lediglich Jahrgänge bis 1961 dar, diese erhalten bei BU noch automatisch Leistungen aus der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente.

 

Im Klartext heißt das: Staat und Politik haben versagt und die Verantwortung an die Privatwirtschaft abgetreten. Die private Versicherungswirtschaft konnte diesen Anforderungen genau so wenig nachkommen wie Staat und Regierung zuvor. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Luxusversicherung für Privilegierte. Häufig können sich gerade die eine BU nicht leisten, die sie am Nötigsten hätten ... zumindest statistisch gesehen.

 

Weiterhin schränken gesundheitliche Voraussetzungen ggf. den Zugang zu einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ein. Der Versicherer ist frei in der Entscheidung, ob er ein Risiko eingehen mag oder auch nicht. Versicherer sind profitable Unternehmen, genau das was der durchschnittliche WPF Aktionär verlangt. Einige Versicherer sind sogar Aktiengesellschaften. Versicherer sind aber niemals karitative Einrichtungen.

 

Es gibt bereits einen umfangreichen, wenn auch etwas in die Jahre gekommenen Stickythread zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung. Dort werden die einfachsten Grundlagen durchaus umfangreich dargestellt. Es fehlt allerdings an Praxiswissen, um wirklich eine Hilfestellung bei der Auswahl einer bedarfsgerechten Berufsunfähigkeitsversicherung geben zu können.

 

Genau diesem praktischen Teil widmet sich das nachfolgende "how to BU". Es ergänzt also den vorhandenen, benannten Stickythread und beschäftigt sich mit dem Grundproblem der Berufsunfähigkeitsversicherung:

 

 

Das Grundproblem einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ist denkbar simpel.

 

Zwei Dinge sind klar definiert:

 

1) Die Prämienverpflichtung des Versicherungsnehmers (Beitrag beträgt xyz Euro im Monat / Jahr)

2) Die Leistungsverpflichtung des Versicherers (Versicherer zahlt bei Eintreten des versicherten Ereignisses xyz Euro im Monat / Jahr)

 

Das Wesentlichste ist jedoch nicht definiert, es ist der Weg von 1 zu 2. Zwar gibt der Versicherer ein generelles Leistungsversprechen, schränkt dieses aber durch vertragliche Regelungen wiederum ein. Und eben dieser Vertragsinhalt ist aktuell bei keinem Versicherer ohne "wenn und aber" klar und uneingeschränkt formuliert.

 

Der Vertragsinhalt ... alternativ die Versicherungsbedingungen / Bedingungswerk ist aber genau das, was der Kunde kauft.

 

Der Vertragsinhalt / die Bedingungen geben die Leistungswahrscheinlichkeit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung wieder. Bei keinem Anbieter werden 100 % erreicht. Es ist aber sehr wohl erheblich, ob ich eine Leistungswahrscheinlichkeit von bspw. 70 % oder von nur 30 % erreiche.

 

Und genau das ist der Grund, warum nur das Lesen und Vergleichen der BU Bedingungen weiterhilft, kein Werbeflyer, kein Vergleichsportal oder Vergleichsprogramm. Und wer nicht selbst (vor allem zeitlich) in der Lage ist sich einen Überblick über den BU-Markt zu verschaffen und Bedingungen haarklein zu vergleichen, der sollte sich eben entsprechende Hilfe holen und dafür wie auch immer auch angemessen bezahlen.

 

Nun gibt es natürlich diesen unsäglichen Hang zu Pauschallösungen ala 70 / 30 im WPF. Bei BU kann das im Prinzip genau so wenig funktionieren wie jede pauschale Checkliste. Dennoch, für Lesefaule:

 

Aus meiner ganz persönlichen Sicht sind Stand der Bedingungswerke ab November 2015 folgende BU Bedingungswerke einen Blick wert ...

 

Alte Leipziger, Bayerische, Barmenia, Condor, Dialog, HDI, LV871, Volkswohlbund, Continentale

 

Die Aufzählung ist alphabetisch geordnet, meine persönliche Meinung und vor allem keine Empfehlung für irgendeinen individuellen Fall!

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2) Vorbereitung für den Abschluss einer BU

 

Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein komplexer Prozess. Wir empfehlen im Forum grundsätzlich immer wieder eine bestimmte Struktur einzuhalten, um sich nicht zu verrennen. Gerade auch Peter postet gern schön aufbereitete Fahrpläne.

 

Einen solchen Fahrplan möchte ich auch an dieser Stelle kurz skizzieren. Das gesamte Kapitel II beschäftigt sich mit dem Bereich der Vorbereitungen vor Auswahl eines Versicherers und vor dem eigentlichen Antrag.

 

Vorbereitung:

 

- Aufarbeitung der Gesundheitshistorie

- Herausarbeiten, was ist angabepflichtig, was nicht. -> Antragsfragen lesen und verstehen

- ggf. Risikovoranfragen stellen, um eine verbindliche Voreinschätzung zu bekommen

- sofern möglich, Nachverhandeln der Ergebnisse der Risikovoranfragen

 

Inhaltlicher Teil - Wahl eines geeigneten Versicherers:

 

- in welchen Punkten unterscheiden sich die Bedingungen der Versicherer?

- welche Versicherer haben in den jeweiligen Punkten die besseren Formulierungen und wie sieht eine bessere Formulierung aus?

- welche Teile in den Bedingungen möchte ich ideal geregelt haben, wo kann ich mit schlechteren Formulierungen leben?

- welche Auswirkungen kann die Entscheidung für oder gegen eine Formulierung auf meinen Versicherungsschutz haben?

 

Technischer Teil - Technische Bedarfsanalyse

 

- wie hoch sollte eine Berufsunfähigkeitsrente gewählt werden?

- welches Endalter sollte gewählt werden?

- welche Anpassungsoptionen sind wichtig?

- welche Konstruktion soll es sein, bspw. BUZ oder SBU?

 

Abschluss und Kontrolle

 

- Antrag erstellen und den erstellten Antrag mind. selbst prüfen hinsichtlich der gemachten Angaben

- Antrag absenden und die erhaltene Police genau prüfen

 

Auf Wunsch von BarbarossaII sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Wahl des Vermittlers nicht ganz unwichtig für das Gelingen jedweder Bemühungen um einen brauchbaren BU-Schutz ist. Ein paar Ausführungen dazu finden sich hier, diese Erläuterungen wurden dem Thread auf Wunsch eines Users nachträglich hinzu gefügt.

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2.1 Gesundheitshistorie aufbereiten mit Beispiel

 

Gem. §19 VVG ist der Versicherungsnehmer verpflichtet ...

 

(1) Der Versicherungsnehmer hat bis zur Abgabe seiner Vertragserklärung die ihm bekannten Gefahrumstände, die für den Entschluss des Versicherers, den Vertrag mit dem vereinbarten Inhalt zu schließen, erheblich sind und nach denen der Versicherer in Textform gefragt hat, dem Versicherer anzuzeigen. Stellt der Versicherer nach der Vertragserklärung des Versicherungsnehmers, aber vor Vertragsannahme Fragen im Sinn des Satzes 1, ist der Versicherungsnehmer auch insoweit zur Anzeige verpflichtet.

 

Das heißt, Fragen zur Einschätzung der Risikosituation und auch speziell zum Gesundheitszustand sind wahrheitsgemäß zu beantworten. Eine Gewichtung ob relevant oder nicht relevant steht dem Versicherungsnehmer nicht zu, solange der Versicherer ausdrücklich in Textform gefragt hat. Zu den Antragsfragen haben wir allerdings ein eigenes Kapitel erstellt, daher werde ich hier nicht weiter darauf eingehen. In diesem Kapitel findet sich auch eine beispielhafte - aber nicht abschließende - Auflistung von in der Rechtsprechung bereits als angabepflichtig eingestuften Krankheiten und Beschwerden.

 

Hier soll es darum gehen, wie man beim Aufbereiten der Gesundheitshistorie vorgehen kann:

 

1) Zunächst mal Ärzte, die man in den letzten Jahren besucht hat, gedanklich zusammentragen. Das sollten die ersten Anlaufstellen sein, heißt im Zweifelsfall Arztakten beschaffen. Es besteht eine Auskunftspflicht Ärzte gegenüber ihren Patienten, für das Ausdrucken von Patientenakten können bis zu 50 Cent pro Seite an Kosten berechnet werden.

 

2) Für GKV Versicherte empfiehlt es sich mind. für die letzten 5 Jahre die Krankenkassenakten anzufordern. Warum das so ist, dazu gleich mehr.

 

Wichtig: Es kann richtig schwierig werden. Die Krankenkassen wimmeln häufig mit reiner Listung von Arbeitsunfähigkeitszeiten bspw. der letzten 12-18 Monate ab. Das hilft in keinster Weise weiter, es geht um die tatsächlich abgerechneten Diagnosen, insbesondere auch um Verdachtsdiagnosen. Höflich und bestimmt bleiben, die Krankenkasse hat ebenfalls eine Auskunftspflicht. Nicht von einer Telefontante abwimmeln lassen, konsequent bleiben

 

Generelle Anmerkung: Man wird auf diesem Weg mehrfach (von Ärzten und Sachbearbeitern der KK) hören, das so was ja noch nie gemacht wurde, es sowieso keine Versicherung interessiert ... usw. usf.. Ignoriert das, es geht um eure Leistungen im Falle eines Falles!

 

Das Krankenkassenproblem

 

Es gibt ein generelles systematisches Problem in unserem Gesundheitssystem. Damit ein Arzt für die Behandlung eines Kassenpatienten eine Bezahlung mit dessen Krankenkasse abrechnen kann, muss der Arzt eine Diagnose stellen. Diagnosen können als gesicherte Diagnosen gestellt werden, oder bspw. auch als Verdachtsdiagnosen. Manche Krankheiten lassen sich auch nur diagnostizieren, indem zuvor diverse Verdachtsdiagnosen entkräftet wurden (bspw. Alzheimer).

 

Für diese Diagnosen gibt es einen riesigen Katalog, der jeder Diagnose eine Ziffer und Buchstaben zuordnet (ICD10). Gestellte Diagnosen werden bei den gesetzl. Krankenkassen abgerechnet, von diesen bezahlt und dort auch gespeichert.

 

Nun kommt es zuweilen ständig vor, dass die abgerechnete Diagnose nicht so ganz dem entspricht, was der Patient meint tatsächlich gehabt zu haben. Nach ein paar Jahren und bei einem BU-Leistungsfall wird sich das aber kaum noch sauber klären lassen. Der Versicherer wird sich an die Aktenlage und Arztberichte halten, die persönliche Meinung des Versicherungsnehmers spielt dann keine Rolle mehr.

 

Daher immer darauf bestehen im Zweifelsfall die ICD 10 Diagnosen abzufragen / anzufordern!

 

Folgendes kann zum Beispiel passieren:

 

Patient geht mit Schmerzen im Gelenk zum Arzt, Arzt diagnostiziert abrechnungsseitig eine Arthrose (gem. Abrechnungscode) und spricht dem Patienten gegenüber von einer belastungsbedingten Entzündung. Der Patient nennt später im BU Antrag seine Schmerzen in der Schulter (in dem Fall Arthritis).

 

Es kommt zum Leistungsfall (Schmerzbedingt, Kontext Bewegungsapparat) binnen 10 Jahren nach Vertragsabschluss. Der Versicherer fordert Schweigepflichtentbindungen ggü. Ärzten und Sozialversicherern, der Versicherer bekommt vom Arzt und von der KK die Arthrose genannt. Die Arthrose ist im Prinzip eine degenerative Veränderung des Gelenks, bei der mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit früher oder später ein erhebliches Schmerzleiden eintreten kann.

 

Besteht nun also ein direkter Zusammenhang zwischen der unvollständigen Angabe im BU-Antrag und dem Leistungsfall, wird der Versicherer mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Kunden über eine Anzeigepflichtverletzung diskutieren.

 

---

 

Fazit - Daraus resultiert:

 

Ein sorgfältig gestellter Antrag - und da gehört die sorgsame Aufbereitung der Gesundheitshistorie definitiv dazu - erhöht die Leistungswahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung erheblich. Auch wenn theoretisch ein Beantworten der Fragen nach bestem Wissen und Gewissen reichen sollte, in der Praxis reicht es nicht.

 

Aufbereiten der Gesundheitshistorie ist notwendig.

 

Seriöse Vermittler gehen genau dieses Thema lange vor irgendeinem Preisvergleich oder irgendeiner Beratungsleistung an und JEDER Kunde sollte grundsätzlich darauf bestehen, dass es genau so läuft. Es ist dem Versicherer völlig egal, dass der Vermittler vielleicht einmal gesagt hat ... "ach, das müssen sie nicht angeben" ... siehe nachfolgendes Gerichtsurteil:

 

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist wegen arglistiger Täuschung anfechtbar, wenn der VN bei Antragsstellung dem Vermittler zwar eine Bandscheibenoperation als Vorerkrankung angibt, jedoch zu dessen Bemerkung, dies müsse nicht in den Antrag aufgenommen werden, schweigt und den Antrag einreichen lässt. (LG Darmstadt 28.05.2005)

 

Praktische Maßnahmen bei der Aufbereitung der eigenen Gesundheitshistorie

 

 

Nach Erhalt der angeforderten Unterlagen gilt es genau zu prüfen, ob Aktenlage und persönliche Erinnerung übereinstimmen. Wenn nicht, sollte entsprechend bereinigt werden. Die Beurteilung der Unterlagen ist nicht einfach. ICD 10 Schlüssel kann man zum Beispiel hier überprüfen. Ein versierter Makler wird im Idealfall Baustellen frühzeitig erkennen und raten diese zu bereinigen.

 

So ist es bspw. durchaus möglich Ärzte darauf anzusprechen, ob Diagnose x oder y nur eine Verdachtsdiagnose war, die sich nie bestätigt hat. In diesem Fall reicht eine Korrektur, ein Dreizeiler oder ein Arztbericht aus und der Versicherungsnehmer ist auf der sicheren Seite.

 

Die Aufbereitung der Gesundheitshistorie ist ein umfangreiches Unterfangen, eigentlich nichts für "do it yourself". Nachfolgend ein Beispiel für eine einfache, systematisch aufbereitete Behandlungshistorie als PDF. Befunde, Arztberichte und ggf. Entkräftungen von Arztdiagnosen kämen ggf. dazu.

wpf-beispiel-behandlungshistorie.pdf

Rechtsprechung zu angabepflichtigen Krankheiten und Beschwerden.pdf

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2.2 (anonyme) Risikovoranfrage - Was ist das?

 

Was ist eigentlich eine Risikovoranfrage, im Forum gern auch als Rivo abgekürzt? Eine Risikovoranfrage ist im Prinzip eine unverbindliche Anfrage an den Versicher gem.:

 

- "Wie beurteilst du (Versicherer) nachfolgende Angaben?"

- "Würdest du auf Basis dieser Angaben einen Vertrag mit mir schließen?"

- "Wenn ja, zu welchen Konditionen?"

 

Grundsätzlich bewerten die Versicherer Angaben zum Gesundheitszustand, zum Beruf und beispielsweise auch risikobehaftete Hobbies ganz unterschiedlich.

 

Mit einer gut aufbereiteten Risikovoranfrage kann man genau diese Einschätzung des Versicherers abfragen und das mit entscheidenden Vorteilen: Eine Rivo wird beim Versicherer nicht dauerhaft gespeichert. Es erfolgt auch niemals ein Eintrag in der Risikowagnisdatei / HIS und auch die Weitergabe oder weitere Verwendung der Daten ist ausgeschlossen.

 

Stellt man hingegen blind einen Antrag oder fordert den Versicherer auf ein Angebot abzugeben (Invitatiomodell), kann der Versicherer die Daten speichern und insofern er daran teilnimmt, diese auch an die Sonderwagnisdatei / HIS weiterleiten.

 

Das Votum, die Antwort des Versicherers auf eine Risikovoranfrage

 

In einer Rivo sollte der Risikoprüfer so genau und präzise wie möglich informiert werden. Dazu gehören eine saubere Behandlungshistorie und idR auch Arztbefunde oder -berichte.

 

Dabei ist zu beachten: Ein Risikoprüfer hat nur einen Zeitansatz "x" für die Rivo. Kann er mit den Angaben nichts anfangen, schickt er wahlweise Fragebögen raus oder donnert direkt einen Leistungsausschluss oder Risikozuschlag drauf. Kein Risikoprüfer wird sich die Mühe machen zu mutmaßen, was der Kunde gemeint oder haben könnte und gewiss nicht auf der Basis anfangen zu interpretieren.

 

Stelle ich eine saubere Rivo, erhalte ich im Regelfall ein sauberes Votum. Es können beliebig viele Gesellschaften bei einer Rivo angefragt werden, Rivos sind keine Anträge und somit auch bei einem späteren Antrag nie angabepflichtig.

 

Das jeweilige Votum kann dann sehr unterschiedlich ausfallen und auch die Bewertung des Votums kann für Laien sehr schwierig werden. Ich will das kurz an nachfolgendem Beispiel verdeutlichen:

 

Echter Kunde bei mir, degenerative Veränderung im linken Sprunggelenk am Talus, Risikovoranfrage bei 3 Gesellschaften gestellt:

 

Gesellschaft A – Leistungsausschluss für das linke Sprunggelenk (zu weit gefasst)

Gesellschaft B – Leistungsausschluss für beide Füße

Gesellschaft C – Leistungsausschluß RECHTES Sprunggelenk

 

Das bei Gesellschaft C etwas in deren Risikoprüfung nachkorrigiert werden sollte, das ist noch offensichtlich. Aber auch zwischen A und B ist das Ergebnis stark unterschiedlich.

 

Ein versierter Vermittler kann auch das Ergebnis eines solchen Votums ggf. nachverhandeln, den Leistungsausschluß enger fassen lassen oder bspw. Erweiterungen durchsetzen. Dafür bedarf es aber eben Praxiserfahrung und die ganze Geschichte hat ein wenig etwas von einem türkischen Basar. In jedem Fall sollte der Vermittler aber in der Lage sein, die Konsequenzen, die Bedeutung und den Inhalt eines Votums klar und verständlich zu erläutern. Auch diesbezüglich gilt: Wort für Wort lesen!

 

Was ist keine Rivo? ... oder Hände weg von Pseudospielchen

 

Um Zeit zu sparen, wird das ein oder andere Manöver eingesetzt, von dem man als Kunde klar Abstand nehmen sollte.

 

Dazu gehören Anfragen über Beurteilungssoftware. Die Ergebnisse solcher Geschichten sind absolut unbrauchbar. Zum Einen, weil sich so kaum eine individuelle Beurteilung ergeben kann (Software schaut sich keine Röntgenbilder an), zum Anderen ist die Gefahr einer abweichenden Beurteilung durch den Risikoprüfer beim späteren Antrag dennoch gegeben.

 

Auch Probeanträge oder Angebotsanforderungen mit Antrag (Invitatiomodell) sollten vermieden werden, wenn man Wert auf seine Daten legt und bspw. HIS Einträge vermeiden möchte.

 

Bei Kleinigkeiten können Vermittler auch den kleinen Dienstweg gehen, bspw. per Telefonat mit dem Risikoprüfer oder Gesellschaftsarzt. Das ist für sich genommen legitim, sofern die Absprache bspw. in Form einer Nummer oder auf ähnliche Weise später im Antrag wieder auftaucht.

 

Grundsätzlich gilt aber: In eine Rivo gehören wenigstens Name, Geburtsdatum, Beruf, Raucher/Nichtraucher und ggf. auch weitere Personendaten. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel, anonyme Rivos sollten grundsätzlich mit Argwohn beurteilt werden. Besonders die Gefahr einer rein softwaregestützten Risikobeurteilung ist bei den wenigen Gesellschaften, die anonyme Anfragen überhaupt bearbeiten, besonders hoch.

 

Generelle Anmerkungen zum Thema Risikovoranfrage

 

Ich muss gestehen, dieses Kapitel bereitete mir mit Abstand die größten Bauchschmerzen, da es mit das größte Risikopotential aus meiner Sicht trägt und aus zwei Gründen einer tickenden Bombe gleich kommt.

 

1) Eine Rivo erstellen ist zwar an und für sich trivial. Zwischen Fragebögen, eigener Behandlungshistorie, dem jeweiligen "wie" usw. usf. abzuwägen, das ist schon nicht mehr trivial. Dazu kommt, dass mit Rivos je nach Versicherer ganz unterschiedlich umgegangen wird.

 

Die Masse akzeptiert anonyme Rivos gar nicht, mind. Geburtsdatum, Beruf, Raucher / Nichtraucher wird verlangt. Eine Garantie, dass die Rivo dann tatsächlich von einem Risikoprüfer bearbeitet wird, gibt es trotzdem nicht. Einige Gesellschaften lassen das einfach nur Sachbearbeiter in eine PC-Software eintippen, die Ergebnisse sind für den Eimer.

 

Zudem sichert eine schlechte Rivo in keiner Weise ab. In der Regel ist in der Antwort ein Passus bspw. "vorbehaltlich Antragsstellung" enthalten. Stelle ich meinen Antrag nach einer schlechten Rivo dann bei einem Versicherer, der am HIS Datenverkehr teilnimmt, kann das immernoch in die Hose gehen.

 

2) Viel gefährlicher ist jedoch nachfolgender Punkt: Nehmen wir an, man hat wirklich selbst eine Rivo sinnvoll hinbekommen und der Versicherer antwortet nun mit einem Votum und bietet zum Beispiel einen Leistungsausschluss an. Nun spreche ich pauschal einem Laien ab, dass er den angebotenen Leistungsausschluss korrekt beurteilen / einordnen / bewerten kann ("... och, klingt doch ganz gut ...").

 

Daher an dieser Stelle klare Warnung: Rivos sind definitiv nichts für Do-it-yourself. Und das Kapitel soll auch nicht als Anleitung dafür missverstanden werden. Da es aber generell hilfreich für die Beurteilung der Vermittlerfähigkeiten und des gesamten Beratungsprozesses ist, hatte mich MP letzten Endes davon überzeugt, zu diesem Thema etwas zu schreiben.

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2.3. Antragsfragen richtig lesen und verstehen

 

Zunächst einmal lassen sich die Antragsfragen grob in 2 Blöcke unterteilen. Der erste Block sind „technische Fragen“,die nichts mit dem bestehenden Gesundheitszustand zu tun haben. Das sind bspw. Fragen bezüglich ...

 

- bereits bestehender Versicherungen oder Ansprüchen auf anderweitige Versorgungsleistungen im Fall der Berufs-oder Erwerbsunfähigkeit

- besonderen Gefahren im Beruf oder der Freizeit

- beabsichtigte, längerfristige Auslandsaufenthalte

- konkrete Ausgestaltung des Berufsbildes (Bürotätigkeiten, Außendienst,körperliche Tätigkeiten…)

 

Auch diese Fragen sind stets sorgfältig und wahrheitsgemäß zu beantworten.

 

Den weit größeren und wesentlich schwerer zu durchschauenden Teil der Antragsfragen macht jedoch der Komplex „Gesundheitsfragen“ aus. Und hier können durchaus Fallen für den Versicherten lauern. Die Fragen sind nicht genormt und die Zeiträume, die von den Versicherern abgefragt werden, unterscheiden sich auch weitestgehend. In der Regel gibt es Fragen,die einen zeitlich begrenzten Zeitraum betreffen:

 

- Stationäre Behandlungen (z.B. Krankenhaus- oder Rehaaufenthalte,ambulante Operationen...)

- Fragen zu Behandlungen durch Ärzte oder andere Behandler (Heilpraktiker,Psychotherapeuten...)

 

Darüber hinaus gibt es jedoch auch zeitliche unbefristete Fragen, bspw. ob beim Antragssteller jemals eine Krebserkrankung oder HIV diagnostiziert wurde.

 

Des Weiteren werden i.d.R. Fragen zum Rauchverhalten gestellt, zu Suizidversuchen, der Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente über einen längeren Zeitraum, Arbeitsunfähigkeiten, Alkohol- oder Drogenkonsum ...

 

Die Aufzählung ist nicht abschließend, sollte aber deutlich werden lassen, dass die Gesundheitsfragen nicht mal eben in 30 Minuten abgehandelt werden können. Dazu sind die Fragestellungen zu umfangreich und erfordern eine umfangreiche Mitwirkung durch den Antragsteller. Der Versicherer verlässt sich auf die Richtigkeit der Angaben und wird den Antrag ohne Rückfragen annehmen, wenn im Antrag überall „nein“ angekreuzt wird. Der Versicherer ist nicht verpflichtet,die Richtigkeit der gemachten Angaben zu überprüfen.

 

 

"Untersucht, beraten, behandelt ..." oder "Bestehen oder bestanden ..." Antragsfragen

 

Zur Verdeutlichung der Unterschiede 2 verschiedene Formulierungen aus Antragsformularen:

 

„Sind oder waren sie in den letzten 5 Jahren bei Ärzten,Heilpraktikern,Physio- oder Psychotherapeuten oder sonstigen nicht ärztlichen Therapeuten in Beratung,in Behandlung oder zur Untersuchung oder sind solche Maßnahmen derzeit vorgesehen wegen Krankheiten oder Beschwerden in den folgenden Bereichen…?“

 

Quelle:Antragsformular Canada Life

 

„Sind sie in den letzten 5 Jahren von Ärzten,Psychologen,Krankengymnasten oder Heilpraktikern untersucht,beraten oder behandelt worden (auch Operationen,Strahlen- oder Chemotherapie?“

 

Nun ergänzt der zweite Versicherer aber den Fragenkatalog um eine weitere Formulierung:

 

„Bestehen oder bestanden in den letzten Jahren Krankheiten,Unfallfolgen oder körperliche Schäden… (es folgt die Auflistung der verschieden Körperbereiche)?“

 

Quelle:Antragsformular Alte Leipziger

 

Was ergibt sich daraus konkret? Ich will versuchen,es an einem möglichst plastischen Beispiel deutlich zu machen .Das rührt aus praktischer Erfahrung, es betrifft nämlich mich persönlich. So hatte ich vor 12 Jahren einen Unfall, der eine dauerhafte Beeinträchtigung des Bewegungsapparates zur Folge hatte (in dem Fall einen Meniskusschaden), so ergibt sich daraus nicht zwangsläufig, dass dieser in den letzten 5 Jahren eine Behandlung (Untersuchung/Beratung) bei einem Behandler erforderlich gemacht hat.

 

Bei Versicherer 1 wäre dieser Umstand nun nicht angabepflichtig (da die Operation an sich ebenfalls außerhalb des abgefragten Zeitraumes für erfolgte stationäre/ambulante Operationen liegt), bei Versicherer 2 schon, da dieser zeitlich unbefristet nach bestehenden Unfallfolgen fragt und auch hier der Bewegungsapparat Teil des Fragenkataloges ist.

 

Nun muss man aber auch eines ergänzen (und dazu verlassen wir meine persönlichen Maleschen und bewegen uns auf ein anderes „Krankheitsfeld“):

Das Problem einer möglichen „Dauer-Anamnese“. Das bedeutet bspw.,dass ein vor x Jahren (x meint in diesem Fall vor dem abgefragten Zeitraum) diagnostizierter erhöhter Cholesterinwert als Diagnose immer wieder in den Akten des Arztes auftauchen wird, auch wenn gänzlich andere Behandlungen erfolgt sind und man der Meinung ist,dass diesbezüglich keine Behandlungen/Beratungen erfolgt sind. (Torsten und Peter sprechen in diesem Zusammenhang gerne liebevoll vom „Durchschleifen“).Daraus ergibt sich dann natürlich auch eine entsprechende Anzeigepflicht gegenüber dem Versicherer.

 

Oder formulieren wir es noch etwas drastischer: Ein Arm, der ab ist, ist ab.Er wächst nicht wieder von selbst nach. Fragt der Versicherer nun nach „bestehen oder bestanden...“, so ist das selbstverständlich anzugeben.Unabhängig davon,ob aufgrund dieser Tatsache noch Behandlungen erfolgen oder nicht.

 

Nun muss man, gerade in Bezug auf dieses eher plakative Beispiel in Verbindung mit erfolgten Behandlungen, etwas einschränken. Der Arm wird im Rahmen anderer Untersuchungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch immer wieder Bestandteil eines Gespräches mit dem Arzt sein. Somit erfolgt nicht zwangsläufig eine Untersuchung, aber zumindest eine in den Akten dokumentierte Beratung.

 

Was auch passieren kann:

Ich muss Medikamente einnehmen (was sowieso angabepflichtig wäre) und bestelle diese telefonisch beim Arzt. Dann muss ich nicht nur die Einnahme der Medikamente angeben (das dürfte eher weniger zu vergessen sein),sondern auch die Frage nach „erfolgten Beratungen,Behandlungen...“ mit „ja“ ankreuzen. Ich möchte an dieser Stelle keine unnötige Panikmache betreiben, aber es ist wichtig deutlich zu machen, dass das Lesen und Verstehen der Antragsfragen sehr viel Ruhe und Sorgfalt erfordert.

 

Beispiel Degenerative Veränderungen

 

Ein weiteres Beispiel,wie sich unterschiedliche Fragestellungen auf die Anzeigepflicht auswirken können, sind degenerative Veränderungen.Das kann zum Beispiel eine verschleißbedingte Veränderung des Bandscheibengewebes sein oder auch eine Gelenkarthrose,z.B. im Schultergelenk.

 

Bei der Beantwortung der Frage „anzeigepflichtig oder nicht?“ hilft wieder nur ein Blick auf die konkrete Ausgestaltung der Fragestellung. Es ist in jedem Fall ein Irrglauben dass bestimmte Krankheitsbilder immer nur im Rahmen eines bestimmten Zeitraumes angegeben werden müssen.

 

Die Zeiträume werden durch bestimmte Fragestellungen wie „bestehen oder bestanden in den letzten x Jahren“ wieder ausgehebelt ,da eine Arthrose nicht verheilt. Bestenfalls kann durch therapeutische oder operative Maßnahmen eine Schmerzfreiheit oder eine weiter fortschreitende Degeneration erreicht werden.

 

Hierfür beispielhaft die Antragsfrage eines weiteren Versicherers:

 

„Bestehen oder bestanden in den letzten 5 Jahren bei Ihnen Krankheiten, Störungen oder Beschwerden …

b) der Knochen oder Gelenke, Bänder und Sehnen (z. B. Abnutzung, rheumatische Beschwerden, Meniskusverletzung, Verlust von Gliedmaßen und sonstige Anomalien)?“

 

Quelle:Antragsformular Bayerische

 

Ich komme in diesem Fall nicht umhin,eine vor 15 Jahren diagnostizierte Arthrose anzugeben.Was das für den Antrag selbst bedeutet (Annahme/Beitragszuschlag/Risikoausschluss/Antragsrückstellung),steht auf einem anderen Blatt.Aber ich muss dem Versicherer diesen Umstand mitteilen.

 

In Ausnahmefällen kann es natürlich sein,dass mir dieser Umstand nicht bekannt ist. Das mag unwahrscheinlich klingen, gänzlich auszuschließen ist es nicht. An dieser Stelle sei auf den § 19 des Versicherungsvertragsgesetzes verwiesen:

 

„Der Versicherungsnehmer hat bis zur Abgabe seiner Vertragserklärung die ihm bekannten Gefahrumstände, die für den Entschluss des Versicherers, den Vertrag mit dem vereinbarten Inhalt zu schließen, erheblich sind und nach denen der Versicherer in Textform gefragt hat, dem Versicherer anzuzeigen. Stellt der Versicherer nach der Vertragserklärung des Versicherungsnehmers, aber vor Vertragsannahme Fragen im Sinn des Satzes 1, ist der Versicherungsnehmer auch insoweit zur Anzeige verpflichtet.“

 

Was ich nicht weiß,kann ich natürlich auch nicht angeben. Je nach Krankheitsbild habe ich aber im Leistungsfall ein Glaubwürdigkeitsproblem.

 

Nur weil eine Arthrose niemals von einem Arzt diagnostiziert wurde,heißt das nicht,dass mir als Versicherungsnehmer dieser Umstand nicht trotzdem hätte bekannt sein müssen. Wer jahrelang mit Schmerzen durch die Welt läuft, wird sich im Zweifelsfall bei einer Überprüfung durch den Versicherer unangenehme Fragen stellen lassen müssen.

 

An dieser Stelle ein mahnender Hinweis: Die Einschätzung,ob etwas „erheblich“ ist oder nicht, obliegt allein dem Versicherer.Nicht dem Versicherungsnehmer und schon gar nicht dem Vermittler. Man darf sich auf keinen Fall dazu bewegen lassen,vermeintliche Bagatellerkrankungen auf Rat des Vermittlers als banal abzutun und diese nicht anzugeben. Im Zweifelsfall öffnet man damit einer vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung Tür und Tor.

 

Darauf aufbauend: Gebe ich Erkrankungen bei Antragstellung an, wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit passieren,dass der Versicherer konkret nachfragt und weitere Informationen einholen will.

 

Dann kann es passieren,dass mir bezüglich der gemachten Angaben weitere Fragebögen zugesandt werden, um die gemachten Angaben weiter zu spezifizieren .Diese Fragebögen sind in der Regel sehr umfangreich und ohne fachlichen Beistand ist es nicht ratsam, diese Fragebögen auszufüllen.

 

Das gilt selbstredend auch für den ursprünglichen Antrag. Je sorgfältiger ich bei der Antragstellung bin, umso geringer ist ein potentieller Streit mit dem Versicherer im Leistungsfall. Dazu mehr im Kapitel Konsequenzen einer Anzeigepflichtverletzung.

 

Zum Fazit Antragsfragen richtig lesen und verstehen

 

Nun drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Ist einem Versicherer,der nur zeitlich begrenzte Fragen stellt und auf eine Formulierung sinngemäß „bestehen oder bestanden in den letzten x Jahren...“ verzichtet,zwingend der Vorzug zu geben?

 

Meine persönliche Einschätzung: Klares nein. Ich muss aber in diesem Fall etwas sorgfältiger zu Werke gehen,aber das sollte sich bei einem Vertrag,der meine Arbeitskraft über Jahrzehnte absichern soll,ohnehin von selbst verstehen.

Klar umrissene Abfragezeiträume sind zwar wünschenswert,aber ebenso wichtig ist eine bedarfsgerechte Ermittlung und passgenaue Umsetzung und ein gutes,möglichst lückenloses Bedingungswerk.

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2.4. Konsequenzen einer Anzeigepflichtverletzung

 

Die potentiellen Konsequenzen einer möglichen Anzeigepflichtverletzung bei Antragsstellung sind ein wiederkehrendes Thema im Forum und natürlich auch in der beruflichen Praxis. Die Problematik wird mit dem Begriff „Vorvertraglichkeit“ zusammengefasst.

 

Dieses Thema Vorvertraglichkeit füllt ganze juristische Bände und kann daher an dieser Stelle nie abschließend, noch nicht einmal wirklich detailliert betrachtet werden.

 

Wichtig: Eine saubere Aufbereitung der Gesundheitshistorie und ein generell sorgfältig und wahrheitsgemäß ausgefüllter BU-Antrag haben maßgebliche Auswirkungen auf die Leistungswahrscheinlichkeit einer BU während der ersten 10 Jahre der Vertragslaufzeit.

 

 

Welche Pflichten hat der Versicherungsnehmer bei und während der Antragsstellung?

 

Wie schon an anderer Stelle ausführlich erläutert, die Pflichten des Versicherungsnehmers ergeben sich zunächst aus §19 Versicherungsvertragsgesetz (http://dejure.org/gesetze/VVG/19.html).

 

Demnach ist der der Versicherungsnehmer ...

- vor Vertragsabschluss

- (bei Rückfragen durch den Versicherer auch während des Antragsprozesses)

verpflichtet …

Gefahrumstände an den Versicherer zu melden,

nach denen in Schriftform gefragt wurde.

 

Zu den abgefragten Gefahrumständen gehören eben nicht nur die Gesundheitsfragen, sondern eben auch die Risikofragen (Beruf, Einkommen, Hobbies …).

 

 

Folgen einer Anzeigepflichtverletzung ergeben sich aus der Schwere des Verschuldens

 

Nachweisbar falsche oder unvollständige Angaben im Sinne des §19 VVG stellen eine Anzeigepflichtverletzung dar. Hinsichtlich der potentiellen Folgen kommt es darauf an, welcher Verschuldensgrad dem Versicherten nachgewiesen werden kann.

 

Es wird unterschieden in …

- fahrlässige,

- grob fahrlässige,

- und vorsätzliche Anzeigepflichtverletzung.

 

Darüber hinaus kennt das Versicherungsvertragsgesetz die arglistige Täuschung gem. §22 VVG (http://dejure.org/gesetze/VVG/22.html).

 

 

Die möglichen Konsequenzen einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht sind:

Anpassungsrechte des Versicherers

Kündigung binnen eines Monats

Rücktritt vom Versicherungsvertrag

Anfechtung des Versicherungsvertrags

 

 

Schuldlose und fahrlässige Anzeigepflichtverletzungen

 

Zu den gängigen Mythen (auch im WPF) gehört allerdings auch, dass man ohne Verschulden auch nichts zu befürchten hätte. Dem ist seit dem neuen Versicherungsvertragsgesetz von 2008 nicht mehr so.

 

Im Zuge einer schuldlosen Anzeigepflichtverletzung kann eine in die Zukunft gerichtete Vertragsanpassung erfolgen. Wäre ohne Anzeigepflichtverletzung ein Leistungsausschluss vereinbart worden, kann dieser für die laufende Versicherungsperiode und / oder die Zukunft nachträglich aufgenommen werden.

 

Wird der BU Leistungsantrag in der laufenden Versicherungsperiode (oder später) gestellt und steht die BU Ursache in direktem nachweisbaren Zusammenhang zum Leistungsausschluss, könnte der Versicherer leistungsfrei sein. Ansonsten beschränken sich die Handlungsoptionen des Versicherers auf bspw. eine Nachforderung von Prämien (bspw. Risikozuschlag) für ein Jahr (§12 VVG).

 

Allerdings verzichten gute Bedingungswerke generell auf Anpassungs- und Kündigungsrechte bei schuldloser Anzeigepflichtverletzung.

 

Die nächste „Eskalationsstufe“ stellt die leichte Fahrlässigkeit dar. In diesem Fall kann der Versicherer ebenfalls von seinem in die Zukunft gerichteten Anpassungsrecht Gebrauch machen, er kann aber auch die Prämien im Falle eines Risikozuschlages für einen Zeitraum von bis zu 5 Jahren zurückfordern. Das ist der erste relevante Unterschied zur schuldlosen Verletzung.

 

Der zweite relevante Unterschied zur schuldlosen Anzeigepflichtverletzung besteht darin, dass das Anpassungsrecht im Sinne eines Leistungsausschlusses auch rückwirkend zum Vertragsbeginn besteht, somit die potentielle Leistungsfreiheit des Versicherers nicht zeitlich begrenzt wird.

 

Zudem gilt: Sowohl bei schuldloser als auch bei fahrlässiger Anzeigepflichtverletzung besteht für den Versicherer ein Kündigungsrecht binnen Monatsfrist (sobald der Versicherer Kenntnis erlangt).

 

Die Kündigung ist jedoch ausgeschlossen, wenn der Versicherer den Vertrag auch bei Kenntnis des nicht angezeigten Umstandes (wenn auch zu anderen Bedingungen) geschlossen hätte. Die Beweis- und Darlegungslast für die Tatsache, dass der Versicherer den Vertrag auch zu anderen Konditionen geschlossen hätte, trifft jedoch den Versicherungsnehmer.

 

 

Grob fahrlässige Anzeigepflichtverletzung

 

Grobe Fahrlässigkeit setzt nach BGH Rechtssprechung einen objektiv schweren und subjektiv nicht entschuldbaren Verstoß gegen die Anforderungen der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt voraus. Die Sorgfalt muss in ungewöhnlich hohem Maße verletzt und das was jedem hätte einleuchten müssen außer Acht geblieben sein. (BGH 10.05.2011 zu „Erhitzen von Fett auf dem Küchenherd“)

 

Seit dem neuen Versicherungsvertragsgesetz kann der Versicherer nur dann vom Vertrag zurücktreten, wenn dem Versicherten mindestens grob fahrlässiges Verhalten nachgewiesen werden kann. Ein Rücktritt vom Vertrag erfolgt rückwirkend zum Vertragsbeginn.

 

Ist der Versicherungsfall jedoch vor dem Rücktritt des Versicherers eingetreten, ist der Versicherer in zwei möglichen Szenarien dennoch zur Leistung verpflichtet:

 

1) War die Anzeigepflichtverletzung weder für den Eintritt oder die Feststellung des Versicherungsfalles noch für die Feststellung oder den Umfang der Leistungspflicht des Versicherers ursächlich, muss der Versicherer leisten. *** (§21 Abs. 2 VVG)

2) Wäre der Vertrag auch in Kenntnis der Anzeigepflichtverletzung geschlossen worden (wenn auch in abgewandelter Form), sind das Rücktrittsrecht bei grob fahrlässiger Anzeigepflichtverletzung (und das Kündigungsrecht generell) ausgeschlossen (§19 Abs. 4 VVG).

 

*** Die Einschränkung gem. §21 Abs. 2 VVG wird auch Kausalitätsgegenbeweis genannt und ist durch den Versicherungsnehmer zur erbringen.

 

Beim Rücktritt vom Vertrag besteht keine zeitliche Begrenzung hinsichtlich der Wirkung. Bei einem gerechtfertigten Rücktritt nach Eintritt des Leistungsfalles müssen zu Unrecht erhaltene Leistungen zurückgezahlt und ausstehende Prämien nachgezahlt werden.

 

 

Vorsätzliche Anzeigepflichtverletzung

 

Kennt der Versicherungsnehmer den verschwiegenen Umstand und zeigt ihn dennoch nicht an, spricht das für Vorsatz. Die Beweislast, dass kein Vorsatz vorlag, trifft den Versicherungsnehmer.

 

Beispiel:

 

Beim Verschweigen von Rückenbeschwerden und Atemwegsinfektionen innerhalb eines Fünfjahreszeitraums mit jeweils nur einem Arztbesuch kann es dem Versicherungsnehmer abgenommen werden, dass er diese Erkrankungen für nicht besonders bedeutsam hielt, was gegen Vorsatz spricht. (OLG Frankfurt a.M. 16.2.2012)

 

Die Versicherer dürfen Vorsatz pauschal als „Einstiegs-Verschuldensgrad“ verwenden und werden das in der Praxis somit auch fast immer tun, das hat zwei einfache Gründe:

 

Bei Vorsatz ist das Kündigungsrecht nicht mehr hinsichtlich der Frage, ob der Versicherungsvertrag auch bei Kenntnis der VVA geschlossen worden wäre (wenn auch abgewandelt), nicht mehr eingeschränkt. Es besteht also kein Anpassungszwang mehr, wie bei allen niedrigeren Verschuldensgraden.

 

Auch das Rücktrittsrecht ist weniger eingeschränkt als bei grober Fahrlässigkeit, denn auch hier muss zuvor genannte Frage nicht mehr geprüft werden.

 

Unberührt bleibt bei Vorsatz jedoch das Recht auf einen Kausalitätsgegenbeweis.

 

Arglistige Täuschung

 

Und genau das ist der wesentliche Unterschied von Vorsatz zu arglistiger Täuschung. Bei arglistiger Täuschung entfällt die Möglichkeit eines Kausalitätsgegenbeweises im Zuge einer Anfechtung des Versicherungsvertrags.

 

Sollte der Versicherer eine Chance auf arglistige Täuschung sehen (und begründen können), wird er also diesen Verschuldensgrad vorwerfen. Die Regel ist dennoch der Vorwurf Vorsatz, da an die Beweisführung für eine Arglistanfechtung hohe Anforderungen geknüpft werden.

 

Der Versicherer muss nachweisen, dass der Antragsteller bewusst auf die Entscheidung des Versicherers Einfluss nehmen wollte, ob dieser den Antrag annimmt oder nicht und / oder dem Versicherten klar sein musste, dass der Antrag abgelehnt oder nur zu nachteiligen Konditionen angenommen werden würde.

 

Beispiele:

 

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist wegen arglistiger Täuschung anfechtbar, wenn der VN bei Antragsstellung dem Vermittler zwar eine Bandscheibenoperation als Vorerkrankung angibt, jedoch zu dessen Bemerkung, dies müsse nicht in den Antrag aufgenommen werden, schweigt und den Antrag einreichen lässt. (LG Darmstadt 28.05.2005)

 

„Eine Anfechtung wegen arglistiger Täuschung bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung ist begründet, wenn der Versicherungsnehmer bei Beantwortung der Frage nach ärztlichen Behandlungen in den letzten 5 Jahren wiederholte Behandlungen wegen Rückenbeschwerden und Beschwerden im Lendenbereich und Arbeitsunfähigkeit über 5 Monate ver-

schwiegen hat.“ -Quelle:OLG Düsseldorf mit Urteil vom 14.07.2007,AZ: 4 U 81/06-

 

Der Vorwurf einer arglistigen Täuschung ist jedoch nicht ganz risikolos für den Versicherer. Wird die Anfechtung des Vertrags unwirksam, kann diese als Kündigung umgedeutet werden.

 

 

Fristen für Konsequenzen aus einer vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung

 

Da im WPF auch des Öfteren auch die Frage bezüglich Fristen aufkommt,sei an dieser Stelle darauf hingewiesen: das VVG ist hier eindeutig.

 

Das Recht des Versicherers zum Rücktritt, Kündigung oder auch zur Vertragsanpassung besteht nur innerhalb der ersten 5 Jahre nach Vertragsabschluss. Davon ausgenommen ist der Vorsatz bzw. die arglistige Täuschung, hier beträgt die Frist 10 Jahre.

 

 

Generelle Anmerkungen

 

Für Verträge,die vor dem Inkrafttreten des neuen VVG geschlossen wurden,gilt das sog. „Spaltungsmodell“. Neues und altes Recht wird hierbei dahingehend aufgetrennt, dass für die Frage,ob eine Anzeigepflichtverletzung vorliegt, das alte Recht zur Anwendung kommt, die Rechtsfolgen werden aber nach dem für den Verbraucher vorteilhafteren neuen Recht abgehandelt.

 

Allen Rechtsfolgen ist gemein, dass die Versicherer sie nur dann nutzen können,wenn sie über die Rechtsfolgen vor Antragstellung belehrt haben.Fehlt diese Belehrung oder ist sie unzureichend formuliert,kann der Versicherer aus der Vorvertraglichkeit keinerlei Konsequenzen ziehen!

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Geschrieben · bearbeitet von polydeikes

3) BU Leistungsvoraussetzungen - Oder: Wann ist man eigentlich BU?

 

Man ist dann BU, wenn man seinem BU Versicherer anhand von dessen Bedingungen nachgewiesen hat, dass eine bedingungsgemäße Berufsunfähigkeitsversicherung vorliegt. Da sich BU Bedingungen von Versicherer zu Versicher wie Tag und Nacht unterscheiden, kann es durchaus vorkommen, dass eine gefühlte BU eben keine bedingungsgemäße BU ist - zum Beispiel weil man am falschen Ende gespart hat.

 

Die Leistungsvoraussetzungen werden in nahezu jedem BU Bedingungswerk am Anfang genannt (§§ 2 oder 3 der Bedingungen in der Regel). Es werden folgende Kriterien unterschieden:

 

1) Versicherte Ereignisse

2) Dauer der Beeinträchtigung

3) Prognosezeitraum

4) Leistungszeitpunkt

 

Versicherte Ereignisse

 

Die Musterdefinition gem. §172 VVG Abs. 2 lautet:

 

(2) Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.

 

Die Versicherten Ereignisse laut Musterdefinition sind also Krankheit, Körperverletzung und mehr als altersentsprechender Kräfteverfall.

 

Krankheit (bspw. Krebs oder psychische Erkrankung) und Körperverletzung (Unfall und Verletzung der Wirbelsäule) sind noch recht eindeutig. Kräfteverfall ist es hingegen nicht. Kräfteverfall meint das Nachlassen körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit, eine echte gesetzliche Definition gibt es nicht, es ist ein unbestimmter Begriff.

 

Vor dem Versicherungsvertragsgesetz 2008 galt ohnehin nur "Kräftverfall" ohne das "mehr als altersentsprechend". Da die Abgrenzung zwischen einem alters- und mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall praktisch schwierig werden dürfte, würde ich im Zweifelsfall eine BU Definition ohne die Einschränkung "mehr als altersentsprechender Kräfteverfall" wählen.

 

Im Leistungsfall muss ohnehin der Kräfteverfall zwischen Zeitpunkt x und Zeitpunkt y nachgewiesen werden, auf den zusätzlichen Interpretationsspielraum "Ist das mit 30 Jahren ggü. Stand mit 55 Jahren altersentsprechend?!" würde ich persönlich verzichten. Es bleibt dennoch ein eher theoretisches Kriterium untergeordneter (praktischer) Relevanz.

 

 

"Dauer" der Beeinträchtigung und "Prognosezeitraum"

 

Auch diese wird exemplarisch in den Musterdefnitionen gem. §172 VVG Abs. 2 genannt:

 

(2) Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.

 

Die Musterdefinition sieht also vor, dass der zuletzt ausgeübte Beruf AUF DAUER nicht mehr ausgeübt werden kann. Diese Regelung ist äußerst problematisch (welcher Arzt bescheinigt schon gern "auf Dauer") und sollte durch die Regelung eines Versicherers ersetzt werden, der lediglich einen Prognosezeitraum von 6 Monaten verlangt. ( ... "voraussichtlich für 6 Monate ...")

 

Laien verwechseln gern das Kriterium Dauer mit dem Kriterium Prognosezeitraum bzw. setzen beides gleich.

 

Preiswert und nah versichert die DEVK in der SBU, Stand 2014:

 

Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich mindestens 18 Monate ihren Beruf nicht mehr ausüben kann

 

Wie wir inzwischen wissen, alles über 6 Monate Prognosezeitraum ist murks. Hier stehen im §3 Abs. 1 der DEVK SBU Bedingungen (2014) "voraussichtlich mindestens 18 Monate". Das "voraussichtlich" meint den Prognosezeitraum.

 

Nun behaupte ich steif und fest, die "Dauer" sind NICHT die 18 Monate Prognosezeitraum, sondern nur 6 Monate und nur der PROGNOSEZEITRAUM sind 18 Monate. Vielleicht hat ja der ein oder andere einen DEVK-Vertreter zur Hand und möchte ihn quälen, dieses Beispiel eignet sich.

 

So finden wir im §3 unter Absatz 3 folgendes:

 

(3) Ist die versicherte Person sechs Monate ununterbrochen infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind,

vollständig oder teilweise außer Stande gewesen, ihren Beruf (siehe Absatz 1) auszuüben, ohne dass sie

 

– eine andere Tätigkeit konkret ausgeübt hat, die ihrer bisherigen Lebensstellung (siehe Absatz 1) entspricht oder

 

– als Selbstständiger ihren Betrieb nach zumutbarer Umorganisation (siehe Absatz 1) fortführen könnte,

 

gilt die Fortdauer dieses Zustands von Beginn an als vollständige oder teilweise Berufsunfähigkeit.

 

Also: Wenn ich bereits 6 Monate meinen Beruf nicht mehr ausüben konnte (= Dauer der Beeinträchtigung) und dieser Zustand (Zeitraum x) weiter andauern wird, bin ich gem. der BU Definition auch BU. Die Dauer sind also 6 Monate, der Prognosezeitraum sind 18 Monate.

 

Dauer und Prognosezeitraum sind nicht das Gleiche!

 

Leistungszeitpunkt

 

Wünschenswert ist eine klare Regelung, dass der BU Versicherer ab Eintritt der Berufsunfähigkeit (sinngemäß, der gesundheitlichen Beeinträchtigung) zu zahlen bereit ist, im Zweifelsfall auch rückwirkend. Letzteres erklärt sich schon dadurch, dass die Feststellung einer Berufsunfähigkeit (bürokratischer Teil und Entwicklung der gesundheitlichen Beeinträchtigung) einen durchaus umfangreichen Zeitraum in Anspruch nehmen kann. Salopp gesagt: Es kann im Extremfall auch mal 1-2 Jahre dauern, bis eine BU festgestellt werden kann.

 

Auch die Fristen für die Meldung der BU sollten angemessen, oder im Idealfall gar keine Fristen vorhanden sein.

 

Anhand des DEVK Beispiels, §2 Abs. 3 der Bedingungen:

 

(3) Der Anspruch auf Beitragsbefreiung und Rente entsteht mit Ablauf des Monats, in dem die Berufsunfähigkeit eingetreten ist. Wird uns der Eintritt der Berufsunfähigkeit später als drei Jahre schriftlich mitgeteilt,entsteht der Anspruch auf die Versicherungsleistungen erst mit Beginn des Monats ,der drei Jahre vor dem Eingang der Mitteilung liegt.

 

Diese Formulierung ist alles andere als klar und deutlich. Bedingungsgemäß tritt die BU ein, wenn sie schon 6 Monate bestanden hat, siehe oben. Somit gibt es Leistungen eigentlich gem. Bedingungen erst nach 6 Monaten oder eben wenn eine Prognose über mind. 18 Monate gestellt werden kann. Ebenso ungünstig ist die Regelung mit den 3 Jahren, binnen der die BU gemeldet werden muss.

 

Das Zitat ist noch nicht einmal annähernd die schlechtmöglichste Regelung am Markt, macht aber deutlich, wie wage BU Bedingungen teilweise formuliert sind.

 

Wichtig ist daher eine möglichst klare Benennung des Leistungszeitpunktes. Dieses Kriterium wird idR als "stets rückwirkend" benannt. Eine deutliche Formulierung in den Bedingungen kann bspw. so aussehen:

 

Tritt die Berufsunfähigkeit gemäß §2 Absatz 4 ein, erbringen wir unsere Leistungen vorbehaltlich des Absatzes 3 rückwirkend ab Beginn des dort vorausgesetzten sechsmonatigen Zeitraums. Quelle: Alte Leipziger AVB aus 2015

 

Man kann also vereinfacht sagen, der zuletzt zitierte Passus verspricht ab dem Zeitpunkt an zu leisten, als das Leiden / die Krankheit / die Körperverletzung eingetreten ist ... sprich ab Beginn des genannten Zeitraums.

 

Optional kann man hingehen und bewusst diesen Leistungszeitpunkt verschieben und zwar in Form so genannter Karenzzeiten. Dann leistet der Versicherer, wenn so vereinbart, bspw. erst nach 6 Monaten. Das bringt aber dann auch schnell mal 10 % oder mehr Prämienersparnis und die Frage ist ja, will man das bewusst oder hat man es schlichtweg unbewusst durch unklare Bedingungen eingekauft?

 

Zusammenfassung:

 

Eine sinnvolle BU Definition stellt auf Krankheit, Körperverletzung, Kräftverfall ab und leistet bei voraussichtlich 6 Monaten und stets rückwirkend. Es gibt mehr als genug Versicherer, die hier im Vergleich zur bspw. DEVK sinnvolle, respektive klarere Regelungen anbieten.

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Geschrieben · bearbeitet von polydeikes

3.1 Berufsdefinition und Möglichkeiten einer konkreten oder abstrakten Verweisung

 

Bis dato haben wir gelernt, jedes Bedingungswerk hat eine eigene Definition der Berufsunfähigkeit und die reine Musterdefinition gemäß Versicherungsvertragsgesetz ist nicht erstrebenswert. Nun stellt sich aber die Frage, was ist eigentlich der Beruf, den man ggf. unfähig ist auszuüben? So blöd das klingt, längst nicht jeder Versicherer versteht da das Gleiche darunter, bedingungsseitig.

 

Aus meiner Sicht wird ein Beruf durch verschiedene Faktoren definiert:

 

- Das Einkommen, der einzige mit einer Zahl bezifferbare Faktor

 

- Die tatsächliche Tätigkeit, die im Rahmen des Berufs ausgeübt wird. Wir neigen dazu den Anspruch unseres Berufs deutlich zu unterschätzen, denn wir machen es ja täglich. Einfach mal überlegen, was müsste ein neuer Bewerber den ganzen Tag tun und demnach welchen Voraussetzungen mitbringen um meinen Beruf auszuüben?

 

- Die erforderlichen Ausbildungen, Qualifikationen und Erfahrungen, um den eigenen Beruf ausüben zu können und diesen Job überhaupt bekommen zu können.

 

- Die mit dem Beruf verbundene soziale Wertschätzung. Ein Müllmann verdient durchaus gutes Geld, schnell mal durchaus ähnlich viel wie ein Assistenzarzt. Meiner persönlichen Meinung nach ist die soziale Stellung des Arztes aber deutlich über der des Müllmanns anzusetzen. Ob man das gut und gerechtfertigt findet, ganz andere Geschichte, es ist eben so ... meine Meinung.

 

All diese Dinge finden sich mehr oder weniger konkret ganz oder teilweise auch in den Bedingungen von Berufsunfähigkeitsversicherungen wieder. Es gilt: Je konkreter und je Umfangreicher der Berufsbegriff definiert ist, um so eher kann nachgewiesen werden, dass dieser Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.

 

Das Einkommen

 

Aus meiner Sicht zunächst das A und O ist eine klare Regelung zum Einkommen bzw. zur zumutbaren Einkommensreduzierung. Diese kann bspw. so aussehen ...

 

"... nicht spürbar ..."

"... nicht auf Dauer ins Gewicht fallen ..."

"... gemäß höchstrichterlicher Rechtssprechung ..."

 

Oder eben klipp und klar: Eine Einkommensreduzierung von bspw. 20 % oder im Einzelfall auch weniger ist in JEDEM FALL unzumutbar. Warum das so wichtig ist, werden wir im Abschnitt zu den Verweisungsmöglichkeiten noch einmal genauer betrachten

 

Ausbildung, Qualifikation und soziale Wertschätzung

 

Stark vereinfacht, je mehr davon drin steht um so besser. Noch viel wichtiger, die anfängliche Definition sollte sich durch das GESAMTE Bedingungswerk ziehen. Das heißt, sie sollte auch bei Ausscheiden aus dem Berufsleben gelten und auch dann, wenn die Fortdauer einer Berufsunfähigkeit vom Versicherer nachgeprüft wird. Wir werden nachfolgend bei den Verweisungsmöglichkeiten genauer sehen, welche praktische Relevanz das hat und welche Ausprägungen es gibt.

 

Regelungen zur konkreten und zur abstrakten Verweisung in der Berufsunfähigkeitsversicherung

 

Bisher haben wir gelernt, bedingungsgemäß ist man BU, wenn man seinen zuletzt ausgeübten Beruf (voraussichtlich = Prognose) für die Dauer xyz nicht mehr ausüben kann. Versicherer und Versicherungsnehmer müssen sich in Folge die gleiche Frage stellen: Was ist denn eigentlich, wenn ein andere Beruf tatsächlich ausgeübt wird ODER theoretisch ausgeübt werden könnte?

 

Und genau diese Problemstellung schimpft sich Verweisungsmöglichkeiten in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Es gibt zwei Arten von Verweisungsmöglichkeiten:

 

1) Die abstrakte Verweisung

2) Die konkrete Verweisung

 

1) Abstrakte Verweisung

 

Die abstrakte Verweisung ist das wohl bekannteste BU-Kriterium. Auch wenn die meisten nicht wirklich verstehen, was eigentlich eine abstrakte Verweisung ist.

 

Also, was ist eine abstrakte Verweisung? Hier der aktuell (2015) gültige Tarif der Hannoversche Leben, Comfort-BUZ:

 

1) Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder eines mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich mindestens 3 Jahre außerstande ist, seinen zuletzt vor Eintritt des Versicherungsfalles ausgeübten Beruf – so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war – oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die aufgrund seiner Ausbildung und Fähigkeiten ausgeübt werden kann und seiner bisherigen Lebensstellung vor Eintritt des Versicherungsfalls entspricht.

 

Quelle: Hannoversche Leben COMFORT-BUZ/BU15A ... aktuelles Bedingungswerk 2015 (!!!)

 

Relevant ist der fett markierte Teil. oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die aufgrund seiner Ausbildung und Fähigkeiten ausgeübt werden kann ...

 

Heißt im Klartext: Man ist nicht BU, wenn man irgendeine andere Tätigkeit theoretisch ausüben KÖNNTE, die der bisherigen Lebensstellung vor Eintritt des Versicherungsfalls entspricht.

 

Ob dieser Job tatsächlich ausgeübt wird, ob der Arbeitsmarkt diesen Job überhaupt hergibt ... das alles spielt keine Rolle. Eine abstrakte Verweisung ist daher eine Regelung, die man definitiv nicht in seiner Berufsunfähigkeitsversicherung haben möchte.

 

Dem aufmerksamen Leser wird der Begriff LEBENSSTELLUNG nicht entgangen sein. Was ist eigentlich Lebensstellung? Hier gibt es mind. zwei richtige Antworten:

 

1) Lebensstellung = Einkommen

2) Lebensstellung = Einkommen und mit dem Beruf verbundene Qualifikation

 

Warum gibt es zwei unterschiedliche und dennoch richtige Antworten? Ganz einfach, weil es unterschiedliche obergerichtliche Rechtssprechung dazu gibt. Das für den Verbraucher bisher günstigste Urteil ist das vom OLG Karlsruhe, Az.: 12 U 93/12 . Wer im Urteil lesen möchte, der relevanteste Teil ist die Begründung in #26.

 

Im Zweifel bleibt aber davon auszugehen, dass lediglich eine finanzielle Verhältnismäßigkeit vom Verweisungsberuf zum versicherten Beruf bestehen muss, damit eine abstrakte Verweisung stattfinden kann. Mehr Rechtssicherheit gibt die aktuelle Rechtssprechung nicht her, nur ein BGH Urteil würde Klarheit schaffen, auch wenn oben zitiertes OLG Urteil eine vebraucherfreundliche Ausnahme darstellt.

 

Damit ergibt sich nur folgendes Prüfschema für die abstrakte Verweisung:

 

KANN der Beruf aufgrund Ausbildung ODER Erfahrung ausgeübt werden - Ja

Entspricht der Verweisungsberuf der Lebensstellung des ursprünglichen Berufs - Ja

= ABSTRAKTE VERWEISUNG MÖGLICH!

 

Nur noch sehr wenige Anbieter haben eine solche abstrakte Verweisung in den Bedingungen zur Erstprüfung (meinte den Leistungsantrag) enthalten. Das tatsächliche Problem ergibt sich, wenn sich Prüfkriterien ggü. dieser Erstprüfung ändern. Das kann beispielsweise bei einem Ausscheiden aus dem Berufsleben erfolgen, oder bspw. bei einer Nachprüfung, sprich wenn die BU zunächst schon anerkannt wurde.

 

Dazu gehe ich aber genauer in den jeweiligen Abschnitten drauf ein.

 

 

2) Die konkrete Verweisung

 

Das Gegenteil einer abstrakten Verweisung ist die konkrete Verweisung. Bei der konkreten Verweisung wird geprüft, ob tatsächlich eine andere Tätigkeit ausgeübt wird.

 

Hier mal ein konkretes und sehr verständliches Beispiel von der HUK Coburg:

 

Eine Verweisung auf eine vergleichbare Tätigkeit, zu der sie auf Grund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten in der Lage ist und die ihrer bisherigen Lebensstellung hinsichtlich Einkommen und sozialer Wertschätzung entspricht

(Verweisungsberuf), kommt nicht in Betracht, wenn diese Tätigkeit nicht konkret ausgeübt wird, d.h. wir verzichten auf eine abstrakte Verweisung.

 

Quelle: HUK Coburg BB-BUZ Premium 10.1- § 2 Abs. 1

 

Der Versichererer schreibt klipp und klar in die Bedingungen, dass er auf eine abstrakte Verweisung in der Erstprüfung verzichtet. Er behält sich lediglich vor auf einen Beruf zu verweisen, der hinsichtlich Einkommen und sozialer Wertschätzung dem ursprünglichen Beruf entspricht UND tatsächlich ausgeübt wird - DAS ist eine konkrete Verweisung.

 

Wer findig ist und den vorherigen Abschnitt noch Erinnerung hat, wird sich an der Stelle die Frage stellen, was mit "wenn das Einkommen (usw. usf.) dem ursprünglichen Beruf entspricht" genau gemeint ist.

 

Das ist dann genau der Punkt, warum ich fixe Grenzen bei der zumutbaren Einkommensreduzierung UND eine umfangreiche Ausgestaltung der Berufsdefinition für so wichtig halte.

 

Die Huk Coburg erklärt nun:

 

Für den Verweisungsberuf im Sinne von Abs. 1 und 3 gilt:

Die für die versicherte Person zumutbare Einkommensreduzierung ist je nach Lage des Einzelfalls auf die im Rahmen der höchstrichterlichen Rechtsprechung festgelegte Größe im Vergleich zum jährlichen Bruttoeinkommen im zuletzt ausgeübten Beruf, vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung, begrenzt.

 

Quelle: HUK Coburg BB-BUZ Premium 10.1- § 2 Abs. 4

 

Also wer legt fest, welche Einkommensreduzierung in Folge einer Verweisung auf eine andere Tätigkeit zumutbar ist? Antwort: Die höchstrichterliche Rechtssprechung

 

Blöd, die gibt es nämlich gar nicht in pauschaler Form. Klar, es gibt einzelne BGH Urteile, bspw. 25 % sind bei 36.000 Euro Bruttoeinkommen zulässig. Aber was heißt das für mich, wenn ich 60.000 Brutto habe? Sind dann 50 % Einkommensreduzierung zulässig, sinngemäß zum vorgenannten BGH Urteil?

 

Hier hilft nur Eines: In den Bedingungen muss klipp und klar stehen, welche Einkommensreduzierung im Rahmen einer Verweisung maximal zumutbar ist. Und das muss an jeder relevanten Stelle stehen, sprich sowohl für die ERSTPRÜFUNG als auch für die NACHPRÜFUNG, auf letztere gehen wir später ein.

 

Eine klare Regelung dazu finden wir bspw. bei der Condor:

 

Die zumutbare Minderung des Einkommens und der Wertschätzung richtet sich dabei nach den individuellen Gegebenheiten und der höchstrichterlichen Rechtsprechung. Eine Einkommenseinbuße bezogen auf das jährliche

Bruttoeinkommen von 20 % oder mehr gilt jedoch in jedem Fall als unzumutbar.

 

Quelle: Condor Comfort-BUZ 2015, §2 Abs. 5

 

Mag alles kompliziert und umfangreich klingen, ist im Grunde aber ganz einfach ...

 

FAZIT

 

Eine möglichst klare und umfangreiche Definition des Berufs und der Verweisungsmöglichkeiten ist in jedem Fall wünschenswert. Individuell gilt es zu berücksichtigen, ob die jeweiligen Definitionen zum Beispiel auch bei einem Selbstständigen greifen, das ist noch lange nicht automatisch der Fall.

 

Zudem nicht minder wichtig: Die hochwertigen Definitionen sollten immer gelten, auch in der Nachprüfung. Es gibt mehrere Versicherer, die bspw. eine zumutbare Einkommensreduzierung in der Erstprüfung anbieten, in der Nachprüfung (also BU wurde schon anerkannt) fliegen diese Prüfkriterien aber plötzlich raus, respektive die Regelungen werden unklar oder durch unbestimmte Rechtsbegriffe ersetzt.

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Geschrieben · bearbeitet von polydeikes

3.2. Befristetes Anerkenntnis, zwei Meinungen

 

Die Möglichkeit des Versicherers ein befristetes Anerkenntnis auszusprechen, kann man sehr wohl unterschiedlich interpretieren und bewerten. Wir haben uns an dieser Stelle daher dafür entschieden, mit zwei Sichtweisen zu arbeiten.

 

Wobei wir an dieser Stelle jeweils eine vorgegebene Position für die Argumentation einnehmen, die keinesfalls jeweils zu 100 % unserer persönlichen Einschätzung des Einzelfalls entsprechen muss. Sozusagen eine Art Diskussion innerhalb eines Postings mit zugewiesenen Standpunkten.

 

MP wird dabei die Argumentation führen, dass befristete Anerkenntnisse eher unproblematisch sind. Ich (polydeikes) werde die Ansicht vertreten, dass ein Verzicht auf ein befristetes Anerkenntnis die NonPlusUltra-Regelung sei. Wie gesagt, das spiegelt nicht unsere Meinung wieder, sondern soll die Problematik mit einem interessanten Ansatz verdeutlichen:

 

Vorgegebene einseitige Argumentation Polydeikes

 

Das Versicherungsvertragsgesetz sieht vor, dass Versicherer einmalig eine Berufsunfähigkeit befristet anerkennen können. Das kann beispielsweise für 12,18 oder auch 24 Monate geschehen.

 

Wird ein befristetes Anerkenntnis durch die Bedingungen nicht konkretisiert, beschränkt oder ausgeschlossen, ergibt sich eine Beweislastumkehr zum Nachteil des Versicherungsnehmers.

 

Man muss sich das so vorstellen:

 

In Folge einer psychischen Erkrankung wird ein BU Leistungsantrag gestellt. Gerade bei psychischen Erkrankungen sind der weitere Verlauf und ggf. die Heilungschancen äußerst schwierig zu beurteilen.

 

Der Versicherer wählt nun beispielsweise den Weg, dass er die Berufsunfähigkeit für 12 Monate befristet anerkennen wird. Da er seitens der Bedingungen seine Möglichkeiten nicht weiter begrenzt, wird nach diesen 12 Monaten erneut geprüft, ob der Antragssteller noch immer berufsunfähig ist.

 

Bei einem befristeten Anerkenntnis ohne Einschränkungen muss der Antragssteller aber dem Versicherer nach Ablauf der Befristung erneut beweisen, dass er noch immer berufsunfähig ist. Das kommt gedanklich einem neuen Leistungsantrag gleich. (negative Beweislastumkehr)

 

Verzichtet der Versicherer auf die Befristung, erkennt die BU also unbegrenzt an: Dann kann der Versicherer nur im Rahmen der Nachprüfung dem Versicherten nachweisen, dass dieser nicht mehr berufsunfähig ist.

 

Daher ist ein Verzicht auf befristete Anerkenntnisse, insbesondere gepaart mit einem Verzicht auf Mitteilungspflichten bzgl. Veränderungen des Gesundheitszustands / einer ggf. anderen ausgeübten Tätigkeit klar vorzuziehen.

 

 

Vorgegebene einseitige Argumentation Matthew Pryor

 

Der Vorteil eines befristeten Anerkenntnissen kommt aus meiner Sicht dann zum Tragen,wenn ein Leistungsantrag noch nicht abschließemd dahingehend beschieden werden kann,ob eine bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit vorliegt oder nicht.Das kann bspw. auch dann der Fall sein,wenn der Versicherte an einer Umschulung teilnimmt.Der finanzielle Vorteil für den Versicherten liegt auf der Hand:Der Versicherer kann für den Zeitraum des Anerkenntnisses Leistungen gewähren,während bei einem Verzicht die Prüfung bis zum Ende abgewartet weden muss,was im Einzelfall sehr lange dauern kann.In diesem Fall muss der Versicherte einen unter Umständen langwierigen Zeitraum bis zum unbefristeten Anerkenntnis abwarten und diese Spanne anderweitig finanziell überbrücken.

Zum Anderen schützt auch der Verzicht auf ein Anerkenntnis nicht davor,dass der Versicherer eine Individualvereinbarung anstrebt,die den Verzicht auf das Anerkenntnis durch die Hintertür wieder aushebelt.

 

Die Dauer des Anerkenntnisses sollte klar geregelt sein,damit dem Versicherer nicht über einen langen Zeitraum die Möglichkeit gegeben wird,eine Erstprüfung vorzunehmen.

Wünschenswert ist darüber hinaus,wenn der Versicherer die Gründe für ein Anberkenntnis klipp und klar geregelt hat und der Zeitraum möglichst kurz ist (idealerweise 12 Monate),um dem Versicherer wenig Spielraum für eine Beweislastumkehr nach Ablauf des Anerkenntnisses zu geben.

 

Eines muss klar sein:Auch ein unbefristetes Anerkenntnis bedeutet keinen unbegrenzten Leistungsanspruch.Jeder Versicherer behält sich das Recht der Nachprüfung vor,bei der geprüft wird,ob weiterhin eine berufsunfähigkeit vorliegt oder nicht.Allerdings dann mit dem Vorteil für den VN,dass der Versicherer nachweisen muss,dass keine BU mehr besteht.

Mein Statement darf also keineswegs dahingehend verstanden werden,dass ein befristetes Anerkenntnis immer zum Vorteil des Versicherten ist.

Es ist immer auf den Einzelfall abzustellen,und eine möglichst genaue Konkretisierung,aus welchen Gründen und für welchen Zeitraum ein Anerkenntnis längstens ausgesprochen werden kann,sollte in den Bedingungen verankert sein.

 

 

Generell zum befristeten Anerkenntnis

 

Oberer Teil ist genau das, was ggf. passieren könnte, wenn man zwei verschiedene Vermittler zum Thema befristetes Anerkenntnis befragt und diese dann sehr pauschal argumentieren würden.

 

Tatsächlich ist das Thema durchaus komplex und eher eine Einzelfallüberlegung.

 

Grundsätzlich kann gem. http://dejure.org/gesetze/VVG/173.html eine einmalige Befristung ausgesprochen werden. Schränkt der Versicherer in den Bedingungen nicht weiter ein, tritt tatsächlich besagte Beweislastumkehr ein.

 

Das muss aber keinesfalls der Fall sein, es gibt zwischen schwarz und weiss noch durchaus genügend grau.

 

Am Beispiel:

 

Im Einzelfall kann ein Anerkenntnis einmal zeitlich - auf maximal zwölf Monate - begrenzt werden. Das Anerkenntnis ist bis zum Ablauf der Frist für uns bindend. Verweisung und Nachprüfung sind für die Zeit der Befristung ausgeschlossen. Das zeitlich befristete Anerkenntnis werden wir entsprechend begründen. Nach Ablauf der Befristung werden wir

prüfen, ob ein weiterer Leistungsanspruch gegeben ist. Es muss kein erneuter Leistungsanspruch geltend gemacht werden.

 

Quelle: LV1871 – Golden BU 2015

 

Die LV1871 sieht ein befristetes Anerkenntnis vor, verzichtet aber auf die Beweislastumkehr.

 

Somit kämen beispielsweise die Vorteile einer eventuellen schnelleren Anerkennung der Leistung zum tragen, ohne das der größte Nachteil (Beweislastumkehr) zum Zuge kommt.

 

Man könnte hier also beispielsweise sehr wohl argumentieren, dass diese Regelungen die beiden beispielhaften Argumentationsansätze schlägt.

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3.3 Arbeitsunfähigkeitsklauseln in der Berufsunfähigkeitsversicherung

 

 

Die so genannten AU Klauseln sind das Trendthema 2015. Nicht weil das innovativ oder erst in diesem Jahr eingeführt worden wäre - die Condor bietet derartige Regelungen schon seit Jahren – sondern weil so einige Versicherer das Werbeargument für sich entdeckt und entsprechende Regelungen hinzu gefügt haben.

 

Die Werbung suggeriert bei diesem Baustein, dass es BU-Leistungen nun auch einfach bei Krankschreibung / gelbem Schein gäbe. Die Realität sieht ein wenig anders aus.

 

Grds. gelten für AU Klauseln die gleichen Prognosezeiträume wie für die BU, meint also in der Regel 6 Monate. Man darf sich durchaus fragen, inwiefern man 6 Monate ununterbrochen krankgeschrieben werden kann, ohne BU zu sein.

 

Die wahren Fallstricke lauern aber in den Details. Zunächst ist zu prüfen, für wen die AU Klauseln überhaupt gelten.

 

Für wen gelten die AU Klausel überhaupt?

 

Praktisch alle Versicherer stellen zunächst auf den §5 des Entgeltfortzahlungsgesetzes ab. Dieser erfasst aber nur Arbeitnehmer und Auszubildende. Studenten, Selbstständige, Freiberufler, privat Krankenversicherte, Hausfrauen und -männer würden hingegen außen vor bleiben.

 

Wenn ich also – warum auch immer – Interesse an einer AU Klausel haben sollte, wäre es empfehlenswert, wenn diese Klausel auch für alle Szenarien Gültigkeit hätte. Und dann wird es schon dünn. Lediglich Condor, Continentale und LV1871 bieten AU Klauseln an, die für alle Versicherten gelten.

 

Leistungsdauer und Leistungsumfang von AU-Leistungen

 

Weiterhin wäre es wünschenswert, dass die AU Klausel unbegrenzt wären der gesamten Laufzeit gilt. Das ist wiederum nur bei der Condor der Fall. Alle anderen Versicherer stellen auf Zeiträume ab, bspw. 18 oder 24 Monate. Diese Zeiträume gelten insgesamt für die gesamte Laufzeit, auch bei mehrmaligem AU-Anspruch dürften es dann bspw. in Summe nur 18 Monate sein.

 

Darüber hinaus sollte die AU Leistung voll und ganz der vereinbarten BU Leistung entsprechen, schließlich ist die BU eine Summenversicherung. An der Stelle fliegt aber bspw. eine Continentale wieder raus, diese quotelt die AU Leistungen.

 

Auch das Werbeargument „Krankschreibung“ sollte man hinterfragen. Lediglich bei zwei Versicherern ist keine Facharztbescheinigung notwendig: Condor und Generali

 

Wie man sieht, es läuft auf den ersten Blick schon darauf hinaus, dass die Condor, der Dino unter den AU Regelungen, noch immer die Referenz am Markt ist.

 

Die Frage ist natürlich, brauche ich überhaupt AU Leistungen in einer BU?

 

Ich persönlich denke nein. Das Risiko einer Arbeitsunfähigkeit lässt sich über eine Krankentagegeldversicherung effizienter abdecken. Diese zahlt beim Arbeitnehmer bspw. ab dem 43. Tag AU tatsächlich bei „Krankschreibung“.

 

Notwendig kann eine Krankentagegeldversicherung vor allem dann werden, wenn das eigene Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung liegt, und / oder finanzielle Verpflichtungen bestehen (bspw. Immobiliendarlehen.)

 

Am kurzen Beispiel:

 

Single mit 60.000 Euro Brutto hat ca. 2.220 Euro Krankengeldanspruch (für 72 Wochen + 6 Wochen Lohnfortzahlung vom AG) aus der GKV, das ist eine Lücke von rund 600 Euro mtl. ggü. dem regulären Netto.

 

600 Euro können gern mal „fehlen“ (siehe Immobilie), sollten dann aber auch entsprechend unproblematisch ab Wegfall der Arbeitgeberlohnfortzahlung (43. Tag) zur Verfügung stehen.

 

Ob eine AU Klausel da nun zwangsweise bedarfsgerecht ist, ich persönlich zweifle.

 

Zudem kommen weitere Fallstricke dazu. Bspw. erlischt bei fast allen Angeboten jedwede Nachversicherungsmöglichkeit, sobald AU Leistungen in Anspruch genommen wurden. Die Spitze bei dem Thema bildet die Allianz.

 

Die Allianz streicht die Nachversicherung, sobald man in den letzten 12 Monaten für 14 Tage arbeitsunfähig war (für diesen 12 Monatszeitraum, später wieder möglich), völlig unabhängig davon ob überhaupt AU Leistungen beantragt wurden.

 

Daher trifft es sich gut, dass bei vielen Versicherern AU Leistungen ein extra Baustein sind, welche gegen Mehrbeitrag eingeschlossen oder eben auch einfach weggelassen werden können.

 

Ich persönlich tendiere dazu, dass man Stand 2015 keine AU Regelung benötigt und die am Markt verfügbaren AU Regelungen mit Ausnahme der Condor keine wirkliche Vereinfachung hinsichtlich des Leistungsanspruches sind.

 

Um überhaupt wenigstens theoretisch eine Vereinfachung des Leistungsanspruches darstellen zu können, müssten AU Leistungen unabhängig vom Leistungsantrag auf Berufsunfähigkeit gewährt werden. Der aufmerksame Leser dürfte es sich inzwischen denken können … auch das ist bei der Masse der AU Regelungen eben nicht der Fall.

 

Wie immer gilt: Alles meine persönliche Meinung, man kann anderer Ansicht sein.

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4) BU Leistungsbeschränkungen

 

Wie schon eingangs erwähnt, bei einer BU sind immer nur 2 Dinge absolut klar geregelt:

 

1) Welche Prämie zahlt der Versicherungsnehmer

2) Welche Leistung zahlt der Versicherer, wenn er seine Leistungspflicht anerkennt

 

Der eigentliche Vertragsinhalt ist bei keinem Versicherer ohne wenn und aber klipp und klar geregelt, allgemein verständlich, geschweige denn eine verbindliche Leistungszusage. Ich kann einzig und allein durch die sorgfältige Auswahl der Vertragsbedingungen einen Versicherer wählen, bei dem die Leistungswahrscheinlichkeit höher ist als bspw. beim Marktdurchschnitt. Und das ist schwer genug.

 

Schweifen wir mal kurz ab und schauen wir mal durch die Augen des Versicherers.

 

In den Augen JEDES BU Versicherers ist ausdrücklich damit zu rechnen, dass der Kunde den Versicherer bei jeder Gelegenheit betrügen und sich eine Leistung erschleichen wird. Der Versicherer hat genau zwei Möglichkeiten die Schadensquote (Aufwendung für Leistungsfälle im Vergleich zu Beitragseinnahmen) im Griff zu behalten.

 

1) Variante Preisgestaltung

2) Variante Leistungsgestaltung

 

Genau dieser Ausgangszustand und genau diese Grundannahme der Versicherer ist genau das, was die so genannten Ratingagenturen als Basis für ein Rating voraussetzungen. Es führt einfach dazu, dass Ratings nicht die Sicht des Versicherungsnehmers treffen, denn der Kunde wünscht klare Bedingungen und ein klares Leistungsversprechen im Gegenzug für die klar definierte Prämie, die er zu zahlen hat.

 

Ratingagenturen ist das scheiß egal, sie werden nicht vom Kunden, sondern von den Versicherern bezahlt. Und zwar jedes Mal, wenn der Versicherer eines dieser tollen Testsiegel abdruckt und damit wirbt. Es ist ein gigantischer Markt und der Kunde der Ratingagenturen ist der Versicher, NICHT der Verbraucher. Diese Ausführungen gelten explizit auch für Stiftung Warentest (ca. 27.000 Euro pro Testsiegelnutzung)!

 

---

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Versicherer kann die Schadensquote nur im Griff behalten, wenn er sein Leistungsversprechen einschränkt. Und das tut jeder BU Versicherer in den jeweiligen Bedingungen in vielfältiger Art und Weise. Wir werden uns daher an dieser Stelle einige dieser Leistungsbeschränkungen konkret anschauen.

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4.1 Arztanordnungsklausel

 

 

Die größte Gefahr bei diesem Thema besteht darin, dass man an einen Vermittler gerät, der übliche Vergleichssoftware benutzt, statt Bedingungen zu lesen. So steht zum Beispiel bei so ziemlich allen Versicherern im Rahmen der üblichen Vergleichssoftware sinngemäß drin : ... "dieser Versicherer verzichtet auf die Arztanordnungsklausel" .... Das ist völliger Unsinn, es wird lediglich auf einen Bestandteil der Arztanordnungsklausel verzichtet, die Verpflichtung Operationen über sich ergehen zu lassen, bzw. ärztlichen Anordnungen uneingeschränkt Folge leisten zu müssen.

 

Beim Punkt Arztanordnungsklausel gilt genau wie in allen anderen Punkten: Nur das Lesen der Bedingungen hilft, Ratings oder Bewertungen von Vergleichssoftware gehören in die Tonne.

 

Straffe Behauptung, hier der Beweis in Form der Swisslife SBU Bedingungen, welche eine der garstigsten Regelungen am ganzen Markt hat (aber zeitgleich fast bei allen Ratespielern eine der höchsten Bewertungen):

 

3.1.3 Wir machen die Leistung grundsätzlich nicht davon abhängig, dass die Versicherte Person unzumutbaren ärztlichen Anordnungen oder Empfehlungen zur Verbesserung des Gesundheitszustands folgt. Sie entscheidet darüber in freier persönlicher Verantwortung.

 

3.1.4 Die Versicherte Person ist allerdings aufgrund der allgemeinen Schadenminderungspflicht gemäß § 242 BGB verpflichtet, zumutbaren ärztlichen Anweisungen zur Besserung ihrer gesundheitlichen Verhältnisse Folge zu leisten. Zumutbar sind grundsätzlich Maßnahmen, die gefahrlos und nicht mit besonderen Schmerzen verbunden sind und die außerdem Aussicht auf zumindest Besserung (bis zur Grenze der Leistungsregelung gemäß 2.2) bieten.

 

Hierbei handelt es sich um Maßnahmen wie z. B. das Einhalten von Diäten, die Anwendung von Heilmitteln und die Verwendung von orthopädischen oder anderen Hilfsmitteln (z. B. Verwendung von Seh- und Hörhilfen, Tragen von Stützstrümpfen oder Prothesen)

 

3.1.5 Lässt die Versicherte Person operative Behandlungen, die der untersuchende oder behandelnde Arzt anordnet um die Heilung zu fördern oder die Berufsunfähigkeit zu mindern, nicht durchführen, steht dies einer Anerkennung der Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht entgegen.

 

Quelle: Swisslife BUV - §3

 

Erkenntnis 1 - Der Kunde muss keine Operationen über sich ergehen lassen um wieder "berufsfähig" zu werden

 

Ist zwar nicht die schlechteste Regelung am Markt, mittlerweile aber schlichtweg Standard. Es gibt tatsächlich auch AKTUELL AM MARKT Versicherer mit schlechterer Regelung, welche Operationen nicht pauschal ausschließen. Ist insofern bedenklich als das im Rahmen eines BGH Urteils von 1995 zwischen zumutbaren und unzumutbaren Operationen unterschieden wird. Typischer Fall, jeder Spielraum für den Versicherer kann nicht im Interesse des Kunden sein.

 

Erkenntnis 2 - Der Kunde unterliegt der allgemeinen Schadensminderungspflicht gem. §242 BGB

 

Gesundheit. §242 BGB ist eine "alles und nichts" - Regelung, ein so genannter Totschläger. Das Anwendungsgebiet sind SACHVERSICHERUNGEN (Schadensversicherungen). Eine BU ist aber keine Schadensversicherung, sondern eine Summenversicherung und es wurde inzwischen mehrfach gerichtlich klar gestellt, dass §242 BGB bei BU nicht automatisch zur Anwendung kommen kann.

 

Völlig offen ist jedoch, was passiert, wenn der Versicherer den §242 BGB von vornherein zum Teil seiner Bedingungen macht? Es gibt kein BGH Urteil, welches diese Vorgehensweise ausschließen würde. Somit ein absolutes NoGo hinsichtlich der Arztanordnungsklausel, gehört einfach nicht in eine BU rein.

 

Erkenntnis 3 - Zumutbar sind Maßnahmen wie zum Beispiel

 

Die denkbar dämlichste Regelung sind eben solche offenen Aufzählungen. Je klarer geregelt ist, was der Versicherer erwartet, um so besser. Ausweitungen auf "Maßnahmen" oder gar "Empfehlungen" sind ein NoGo in der Arztanordnungsklausel.

 

Einfaches Beispiel: Kunde ist übergewichtig, Arzt hat schon vor Eintritt (Feststellung) des BU Falls eine Diät angeraten (empfohlen), Kunde ist dem nicht nachgekommen, Kunde wird BU und das Übergewicht hat einen Mitwirkungsgrad -> Versicherer verweigert die Leistung nach Akteneinsicht. Das ist kein konstruiertes Beispiel sondern so schon tatsächlich mehrfach durch Versicherer versucht worden. Ob der Versicherer damit dann am Ende auch durchkommt, ganz andere Geschichte ...

 

Nur klar ist: Was der Versicherer von vornherein nicht machen kann, kann im Leistungsfall auch nie zum Problem werden.

 

Erkenntnis 4 - zumindest Aussicht auf Besserung bis zur Leistungsgrenze

 

An der Formulierung wird deutlich, was der Versicherer eigentlich will. Ihm ist jedes Mittel Recht, um den BU Grad unter 50 % drücken zu können und somit eine Leistungspflicht verhindern zu können. Eine tatsächliche vollständige Wiederherstellung der Gesundheit des Kunden ist dem Versicherer schlichtweg scheiß egal, Hauptsache der Kunde ist nicht zu 50 % BU.

 

---

 

Selbstverständlich gibt es Versicherer, die hier deutlich bessere Regelungen und klarere Formulierungen haben. In Bezug auf den letzten Abschnitt bspw. "Sichere Aussicht auf Wiederherstellung der Gesundheit ...". Hinsichtlich der Arztanordnungsklausel möchte man eine solche Regelung wie die der Swisslife nicht haben.

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4.2 Ausscheiden aus dem Berufsleben (Arbeitslosigkeit, Kindererziehung usw.)

 

 

Eine BU ist nicht nur einfach eine Absicherung der eigenen Arbeitskraft. Viel mehr ist eine BU eine Absicherung des Status Quo, des tatsächlich ausgeübten Berufs. Sprich mit dem Beruf verbundenem Einkommen, Qualifikation, soziale Wertschätzung usw. usf. ...

 

Das unterscheidet eine BU gegenüber allen "BU-Alternativen", zum Beispiel Erwerbsunfähigkeitsversicherungen. Letztere bieten 0,0 verifizierbare Leistungen in Bezug auf eine Berufsunfähigkeit. Allerdings gibt es eben himmelsweite Unterschiede hinsichtlich dessen, was der Versicherer so unter Beruf versteht. Wir hatten das bereits im Abschnitt zur Berufsdefinition und den Verweisungsmöglichkeiten angesprochen.

 

Blöderweise ist der Punkt Berufsdefinition noch lange nicht das Ende der Fahnenstange hinsichtlich potentieller, bedingungsseitiger Leistungsbeschränkungen. Was passiert denn bspw. bei einer kurzfristigen oder langfristigen Arbeitslosigkeit, wenn genau in diesem Zeitraum eine Berufsunfähigkeit eintritt?

 

Schauen wir uns mal die Bedingungen des Toptarifs der hier im Forum so beliebten CosmosDirekt an:

 

Scheidet die versicherte Person aus dem Berufsleben aus und werden später Leistungen wegen Berufsunfähigkeit beantragt, so kommt es bei der Anwendung des Absatzes 1 darauf an, dass die versicherte Person zu mindestens 50 Prozent außer Stande ist, eine Tätigkeit auszuüben, die auf Grund ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten ausgeübt werden kann und ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. Die zu berücksichtigenden Kenntnisse und Fähigkeiten sind auf die Ausbildung und Erfahrung begrenzt.

 

Quelle: CosmosDirekt BUZ Comfort-Schutz seit 03.2014 - §2 Abs. 2

 

Mal kurz zusammengefasst heißt das: Ich bin 1 Tag arbeitslos, habe genau an diesem Tag einen schweren Unfall, beantrage Leistungen aus meiner krassen Cosmos BU und bekomme eine abstrakte Verweisung gratis. Glückwunsch.

 

Denn "später" ist zeitlich unbestimmt und "eine Tätigkeit ..., die ausgeübt werden kann ..." ist die abstrakte Verweisung.

 

Zugegeben: Cosmos Direkt schreibt davor noch einschränkend "... und ist eine Wiederaufnahme vorgesehen (z.B. Elternzeit, Wehrdienst, Zivildienst) ...", diese Formulierung ist in meinen Augen aber völlig wertlos und im Zweifelsfall mit dem Versicherer vor Gericht explizit zu klären, viel Spaß.

 

---

 

Das absolute Minimum (und gleichzeitig Marktdurchschnitt) wäre aus meiner Sicht ein Erhalt der ursprünglichen Prüfkriterien für mind. 3 Jahre. Klare Empfehlung: Der Versicherer sollte mind. für 5 Jahre zzgl. Einschränkungen keine Änderungen der Prüfkriterien im Falle eines Ausscheidens aus dem Berufsleben vornehmen.

 

Es ist aber ebenso möglich Bedingungen zu bekommen, bei denen auch beim Ausscheiden aus dem Berufsleben die ursprünglichen Prüfkriterien auf unbegrenzte Dauer erhalten bleiben.

 

Nachfolgend die Formulierung der Bayerischen, welche auf 5 Jahre + Einschränkungen abzielt:

 

Scheidet die versicherte Person aus dem Berufsleben aus, besteht weiterhin Versicherungsschutz aus der Berufsunfähigkeitsversicherung. Für die Beurteilung der Berufsunfähigkeit gilt:

 

a) für die Dauer von bis zu 5 Jahren nach dem Ausscheiden bleibt die vorher konkret ausgeübte berufliche Tätigkeit der versicherten Person und die damit verbundene Lebensstellung maßgeblich;

 

b) nach Ablauf von 5 Jahren seit dem Ausscheiden wird eine Berufstätigkeit herangezogen, welche die versicherte Person anhand ihrer dann verwertbaren Kenntnisse und Fähigkeiten ausüben könnte und die ihrer Lebensstellung

in den letzten zwei Jahren vor Eintritt der Berufsunfähigkeit entspräche.

 

Eine Unterbrechung der Berufsausübung wegen Mutterschutz, Elternzeit im Sinne des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes oder Arbeitslosigkeit gilt nicht als Ausscheiden aus dem Berufsleben. Für die Beurteilung der Berufsunfähigkeit bleibt in diesen Fällen weiterhin die vorher konkret ausgeübte berufliche Tätigkeit der versicherten Person und die damit verbundene Lebensstellung gemäß § 2 Absatz 1 maßgeblich.

 

Quelle: Die Bayerische - BU PROTECT Prestige und Komfort, Stand seit 03. 2014 - §2 Abs. 4

 

Aus meiner Sicht wird hier bei den Bedingungen der Bayerischen sehr deutlich, was bei der zuvor beschriebenen Variante der Cosmosdirekt einfach fehlt. Die Prüfkriterien bleiben mind. 5 Jahre erhalten, bei Arbeitslosigkeit auch darüber hinaus. Warnung: Es gibt Anbieter, welche Einschränkungen wie Arbeitslosigkeit in Klammern direkt hinter die Zeiträume packen, was dann keine Erweiterung / Verbesserung ist.

 

Die Bayerische gehört regelmäßig zu den Billigheimern im BU Bereich, kann aber in einigen Punkten mit klaren und guten Regelungen in den Bedingungen überzeugen, was andere vermeintlich "billige" BU Versicherer schlichtweg nicht können.

 

---

 

Fazit:

 

Aber ganz ehrlich. Auch die Bayerische bietet hinsichtlich dem Ausscheiden aus dem Berufsleben nicht die Idealregelung, nicht einmal ansatzweise. Ideal und uneingeschränkt empfehlenswert ist eine Regelung nur dann, wenn die Prüfkriterien bei einem Ausscheiden aus dem Berufsleben IMMER und ZEITLICH UNBEFRISTET unverändert bleiben. Die Top-Tarife bieten solche Regelungen an und Möglichkeiten einer abstrakten Verweisung sucht man dann vergeblich.

 

Aber natürlich muss man als Kunde immer selbst entscheiden, welches Maß an Leistungswahrscheinlichkeit man einkaufen möchte und wofür man zu zahlen bereit ist.

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4.3 Umorganisationsklausel

 

Umorganisationsklauseln finden sich in nahezug jedem Bedingungswerk und werden regelmäßig von Angestellten schlichtweg ignoriert. Getreu dem Motto: "Geht ja nur um Selbstständige ... bla bla bla ..." Völliger falscher Ansatz, definitiv relevantes Thema. Vorab aber erst einmal die Erklärung, was eigentlich hinter diesem Thema Umorganisation steckt:

 

Nehmen wir an, die versicherte Person ist nach Aktenlage zunächst mal zu 50 % unfähig den zuletzt ausgeübten Beruf, SO WIE ER VOR DER GESUNDHEITLICHEN BEEINTRÄCHTIGUNG AUSGESTALTET WAR auszuüben. Dann sind wir ja quasi schon mal so gut wie bedingungsgemäß berufsunfähig, steht so oder so ähnlich ja in quasi allen BU Bedingungen drin.

 

Pustekuchen, der relevante Teil ist: " ... , so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war ..."

 

Betrachten wir uns einmal die Bedingungen eines typischen Preisdumpers, der WWK im Toptarif. Neben der Hanse Merkur einer der Versicherer, der hier sehr häufig genannt wird, bei den "ich hab da nen Angebot bekommen"-Threads. Warum wird da die WWK so häufig genannt? Sie ist optisch billisch und geiz ist ja angeblich geil ...

 

Berufsunfähigkeit liegt nicht vor, wenn die versicherte Person selbstständig oder Angestellter mit Weisungs- und Direktionsbefugnis ist (hierzu zählen mitarbeitende Unternehmer, Betriebsund Geschäftsinhaber (GGF) und freiberuflich Tätige, die hinsichtlich ihrer Berufsausübung keiner Fremdbestimmung unterliegen) und ihren zuletzt ausgeübten Beruf nach zumutbarer Umorganisation oder Umgestaltung des bisherigen Tätigkeitsbereichs ausüben kann.

 

Eine Umorganisation oder Umgestaltung des bisherigen Tätigkeitsbereichs ist zumutbar, wenn

 

- sie wirtschaftlich sinnvoll ist,

- sie von der versicherten Person realisiert werden kann,

- die versicherte Person ihre Stellung im Betrieb und ihre bisherige Lebensstellung auch nach einer Umorganisation oder Umgestaltung beibehält

 

 

Quelle: WWK SBU Komfort in 2015 - §2 Abs. 1

 

Fassen wir mal zusammen:

 

Ich bin leitender Angestellter mit Direktionsbefugnissen, kann meinen alten Job zu 50 % nicht mehr ausüben, könnte aber meine Tätigkeit umorganisieren und schwupps, ich bin nicht mehr BU. Sinngemäß, Hauptsache ich bin noch Chef, auch wenn ich real nur noch einen Besen in der Hand halten kann ... reicht um nicht BU zu werden. Glückwunsch!

 

Ist nicht die schlechteste Formulierung am Markt, aber nah dran. Die schlechteste Formulierung verlangt zusätzlich die Zuweisung betrieblich anfallender Arbeitsabläufe an Mitarbeiter, das ist dann die Worstcase Variante, falls da jemand drauf stehen sollte.

 

Für diese ganzen tollen Einschränkungen hinter den "-" kann man sich nichts kaufen. Wirtschaftlich sinnvoll ist gänzlich "bla bla-Regelung". Diese und ähnliche Regelungen sind ein absolutes NoGo für Fachkräfte, Selbstständige und quasi Selbstständige (Freiberufler etc.). Denn Freiberufler (und Kammerberufe) sind gem. BGB und EStG erst einmal keine Selbstständigen, wären also von der Umorganisationsklausel nicht erfasst, wenn nicht auf Freiberufler oder bspw. "Selbstständigen gleich zu setzende Personen" ausdrücklich ausgeweitet wird.

 

---

 

 

Was ist nun das Minimum hinsichtlich der Umorganisationsproblematik?

 

Das ist relativ einfach. Jede Ausweitung darf nicht stattfinden, sprich die Umorganisationsklausel darf nur für Selbstständige gelten. Kammerberufe wie zum Beispiel Steuerberater oder Rechtsanwalt sind noch lange nicht per Definition selbstständig, das sind erst einmal nur Freiberufler.

 

Die WWK weitet da also nicht grundlos den Begriff des Selbstständigen weiter aus und nein, das ist nicht positiv.

 

Natürlich ist die Abgrenzung schwierig, so ist beispielsweise ein Steuerberater als Geschäftsführer einer GmbH ggf. wieder ein Selbstständiger, obwohl seine Tätigkeit eigentlich nur freiberuflich ist. Was soll ich sagen, im Falle eines Falles hilft bei solchen Details nur professionelle Beratung, kann man schlecht alles in diesem "How-to" hier berücksichtigen.

 

Nur das Minimum ist eben, dass der Personenkreis, für den die Umorganisationsklausel gilt, nicht zusätzlich über den Selbstständigen hinaus ausgeweitet wird.

 

---

 

Was ist empfehlenswert?

 

Empfehlenswert ist neben einer Nichtausweitung des Personenkreises eine klarer Regelung hinsichtlich der Einschränkungen der wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit. Wir hatten schon bei Angestellten über feste Grenzen bei der zumutbaren Einkommensreduzierung gesprochen.

 

Ähnliche Regelungen gibt es in guten BU-Tarifen auch hinsichtlich der Umorganisationsproblematik. Dann ist eben bspw. die Reduzierung des durchschnittlichen Gewinns vor Steuern bspw. der letzten 3 Jahre um mehr als 20 % unzumutbar, sollte diese Reduzierung des Gewinns mit einer Umorganisation verbunden sein.

 

Nice to have wäre eine klare Bezifferung des direkten finanziellen Aufwands für eine Umorganisation, Stand 2015 bietet meines Wissens jedoch nur die HDI eine konkrete Regelung dazu an.

 

---

 

Und was ist die Top-Variante?

 

Die beste am Markt erhältliche Regelung hinsichtlich einer Umorganisationsklausel ist ein (eingeschränkter) Verzicht. Diesen gibt es in zwei Varianten.

 

1) Auf Basis der Betriebsgröße

2) Auf Basis Qualifikation und Tätigkeit der versicherten Person

 

Gerade für Kammerberufe, sprich Freiberufler und für kleine Unternehmen kann Variante 1 interessant sein. Dort steht dann in den Bedingungen drin, dass bei Betrieben mit bspw. maximal 5 oder 6 Mitarbeitern NICHT auf eine mögliche Umorganisation geprüft wird. Wirklich notwendig ist die Regelung für den Freiberufler nicht, so er gar nicht erst von der Umorganisationsklausel erfasst ist.

 

Meine persönliche Meinung, eher ein nice to have und nicht wirklich eine zwingende Verbesserung gegenüber der Regelung zur zumutbaren Einkommensreduzierung. Bzw. die Begrenzung auf bspw. 5 oder 6 Mitarbeiter ist nur dann sinnvoll, wenn der sich versichernde Selbstständige mit seiner Arbeitskraft selbst nur einen Teil der tatsächlichen Erträge seines Unternehmens erzielt.

 

Bei einem Rechtsanwalt oder einem Bäcker hängt der Unternehmenserlös an der Fachkraft selbst, da bringt diese Regelung mit den 5-6 Mitarbeitern (und dann keine Prüfung auf Umorganisation) aus meiner Sicht keinen echten Vorteil, aber das ist meine persönliche Meinung.

 

Variante 2:

 

Hier wird ein konkretes Beispiel nötig, wir bedienen uns in den 2015er Bedingungen der Alte Leipziger. Der zitierte Passus ist erst seit 2015 erhältlich, Tarife die bis 31.12.2014 abgeschlossen wurden, weisen diesen Passus nicht auf:

 

 

Berufsunfähigkeit liegt ferner nicht vor, wenn der Versicherte in zumutbarer Weise als Selbständiger nach betrieblich sinnvoller Umorganisation ohne erheblichen Kapitaleinsatz innerhalb seines Betriebs noch eine Tätigkeit ausüben könnte, die seiner Stellung als Betriebsinhaber angemessen ist (Umorganisation). Auf die abstrakte Prüfung einer Umorganisationsmöglichkeit verzichten wir bei Selbständigen , die

 

- eine akademische Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben

 

und

 

- im Rahmen ihrer Berufsausübung mindestens zu 90 % der täglichen Arbeitszeit kaufmännische oder organisatorische Tätigkeiten ausüben.

 

Bei der konkreten Verweisung und bei der Umorganisation ist es nicht zumutbar, dass die Tätigkeit zu Lasten der Gesundheit geht oder dass das jährliche Bruttoeinkommen (bei Selbständigen der Gewinn vor Steuern) 20% oder mehr unter dem

Bruttoeinkommen im zuletzt ausgeübten Beruf vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung liegt. Sollte der Bundesgerichtshof einen geringeren Prozentsatz als nicht zumutbare Einkommensminderung festlegen, ist dieser auch für uns maßgeblich. Im begründeten Einzelfall kann aber auch bereits heute eine unter 20 % liegende Einkommensminderung unzumutbar in diesem Sinn sein.

 

Quelle: Alte Leipziger BV10 - §2 Abs. 1 - Bedingungen seit 01.01.2015

 

Diese Regelung ist hinsichtlich der Umorganisation aus meiner Sicht die derzeit beste am Markt verfügbare Regelung. Das meint explizit nicht, dass es sich um eine NONPLUSULTRA Regelung handeln würde, nur um Missverständnissen vorzubeugen.

 

In dieser Regelung wird generell auf eine Prüfung hinsichtlich einer möglichen Umorganisation verzichtet, wenn der Selbstständige eine akademische Ausbildung abgeschlossen hat UND zu 90 % Bürotätigkeiten ausübt.. Das heißt explizit: Für den durchschnittlichen Bäcker bringt diese Regelung absolut KEINEN Vorteil.

 

Es ist zu berücksichtigen, dass bspw. Dienstreisen nicht als Bürotätigkeit gelten. 90 % Bürotätigkeit lässt sich nur in einem kleinen Ausschnitt des Arbeitsmarktes realisieren, diese AL Regelung ist also eine sehr selektive Regelung für eine kleine Zielgruppe. Vorbildlich geregelt auch die anderen bereits erwähnten Punkte, hinsichtlich der zumutbaren Einkommensreduzierung von max. 20 % ...

 

Man muss aber einschränken. Eine Umorganisation ist immer irgendwie Teil des Begriffs Berufsunfähigkeit, deutlicher erkläre ich das im Abschnitt zum Leistungsantrag. Die Regelung der AL ist zwar eine nette Sache, aber nicht mit einem tatsächlichen Blankocheck im Sinne eines gänzlichen Verzichts zu verwechseln.

 

 

---

 

Ein Passus in den AL Bedingungen ist meiner persönlichen Meinung nach weit wichtiger, als man beim Überfliegen meinen könnte:

 

Bei der konkreten Verweisung und bei der Umorganisation ist es nicht zumutbar, dass die Tätigkeit zu Lasten der Gesundheit geht ...

 

Dieser Passus steigert aus meiner Sicht die Leistungswahrscheinlichkeit der BU grundsätzlich erheblich, gilt er doch sowohl für konkrete Verweisung als auch für die Umorganisation. Sinngemäß steht da drin:

 

"Lieber Kunde, du bist zwar im Rahmen der Verweisungsmöglichkeiten zum aktuellen Zeitpunkt nicht BU, ein weiteres Ausüben aber bspw. einer anderen Tätigkeit oder eine Umorganisation wären jedoch nur ein Spiel auf Zeit, bis du endgültig BU wärest."

 

Ob die AL das wirklich so wollte, ich bezweifle es, sonst hätten sie es klarer reingeschrieben. Aus meiner Sicht ist das aber der einklagbare Rechtsanspruch aus der genannten Passage der Bedingungen.

 

Da ich die längste Zeit meines Lebens selbstständig war und als Versicherungsmakler immernoch selbstständig bin, ist es für mich äußerst relevant, dass ein Runterwirtschaften des Betriebs und der Gesundheit keine Voraussetzung ist, um eine BU Leistung zu bekommen. Andere mögen das anders sehen, die Beurteilung obliegt einem jedem selbst.

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4.4 Ausschluss für Verkehrsdelikte in der Berufsunfähigkeitsversicherung

 

Jeder Versicherer schränkt sein Leistungsversprechen in den Bedingungen durch sogenannte Ausschlüsse ein. Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist das Grundprinzip selbst für einen absoluten Laien durchaus gut nachvollziehbar ( ... was nicht als Ausschluss im Kapitel Ausschluss steht, ist nicht ausgeschlossen ...).

 

Etwas schwieriger ist die Bewertung der Leistungsausschlüsse, da BU doch eher ein abstraktes und theoretisches Thema ist. Zumindest im Gegensatz zum greifbareren „... mein Haus ist abgebrannt ... was nun ...“.

 

An dieser Stelle möchte ich einen bestimmten Leistungsausschluss erläutern, die „Klausel Verbrechen und Vergehen.“

 

Diese findet sich zum Beispiel in folgender „Musterausprägung“ in den Bedingungen wieder:

 

c) durch vorsätzliche Ausführung oder den strafbaren Versuch eines Verbrechens

oder Vergehens durch den Versicherten. Bei lediglich fahrlässiger Ausführung der

Tat erfolgt kein Leistungsausschluss;

 

Quelle: Hannoversche Leben Comfort BUZ 2015 §3 Abs. 2 Buchstabe c

 

 

Wird der Versicherungsnehmer in Folge eines vorsätzlichen Verbrechens oder Vergehens berufsunfähig, leistet die Hannoversche Leben nicht. Bei einem strafbaren Versuchen leistet die Hannoversche Leben nicht, wir haben hier eine „ODER“ Regelung (beides führt zu "leistet nicht"). Ist also der Versuch strafbar, entfällt die Prüfung der schwere des Verschuldens.

 

Der anschließende Wiedereinschluss von „fahrlässig“ gilt streng genommen nur für die Ausführung einer Tat, nicht für den Versuch.

 

 

d) durch vorsätzliche Ausführung oder den Versuch einer Straftat durch die versicherte Person.

 

Quelle: LVM BU Rente Plus 2015

 

 

Etwas konkreter wirkt nun die Regelung der LVM, welche die vorsätzliche Ausführung ODER den Versuch einer Straftat als Ausschluss formuliert, zumindest das Vergehen taucht hier nicht auf. Ordnungswidrigkeiten sind vom Versicherungsschutz nicht ausgeschlossen, unabhängig vom Verschuldensgrad.

 

Die springende Frage ist, was interessieren mich zum Beispiel Straftäter oder vorsätzliche Vergehen?

 

Nun. Eine Geschwindigkeitsüberschreitung ist in der Regel eine Ordnungswidrigkeit (Verkehrsdelikt bis max. 1500 Geldstrafe = Ordnungswidrigkeit). Eine Ordnungswidrigkeit ist ein Verstoß. Und ob diese Ordnungswidrigkeit fahrlässig, grob fahrlässig oder vorsätzlich erfolgte, das stellt ein Richter fest.

 

Überschreite ich beispielsweise die Geschwindigkeit, baue einen Unfall, werde berufsunfähig und schädige auch noch eine andere Person, dann landet die Geschichte höchstwahrscheinlich vor Gericht und spätestens mit dem Spruch „aber ich musste schnell nach Hause, weil ...“ wäre ich im Vorsatz. Das Ende vom Lied: Ggf. Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung.

 

Nun gibt es diverse Varianten am Markt, bei denen bspw. Ordnungswidrigkeiten irgendwie wieder eingeschlossen scheinen oder bestimmte Formulierungen den Eindruck erwecken, die Problematik Straßenverkehr sei außen vor.

 

Dafür nachfolgend die völlig nutzlose aber sehr wohl irreführende Regelung der Nürnberger:

 

b) durch vorsätzliche Ausführung oder den strafbaren Versuch eines

Verbrechens oder Vergehens durch die versicherte Person. Fahrlässige

Verstöße (z. B. im Straßenverkehr) sind davon nicht betroffen;

 

Quelle: Nürnberger SBU Premium 2015

 

 

Hier wird suggeriert, dass die Thematik Straßenverkehr abgedeckt sei. Aber dem ist in doppelter Hinsicht nicht so. Vorsätzliche Ordnungswidrigkeiten sind noch immer ausgeschlossen, nur fahrlässige Verstöße (=Ordnungswidrigkeiten) wären erfasst. Das bringt keinerlei Vorteil gegenüber den oben zitierten Regelungen.

 

Und allen bisherigen Zitaten ist ein weiterer Punkt gemein: Verkehrsstraftaten sind sind ausgeschlossen …

 

Bei Verkehrsstraftaten wird jeder zunächst an Alkohol und Betäubungsmittel denken, weit gefehlt. Der Teil findet sich im Absatz 1 Satz 1 des §315c StGB wieder. http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__315c.html

 

Besagter § 315c StGB hat aber auch noch einen recht langen Absatz 1 Satz 2. Dort finden wir zum Beispiel:

 

Wer im Straßenverkehr grob verkehrswidrig und rücksichtslos …

 

a) die Vorfahrt nicht beachtet,

b) falsch überholt oder sonst bei Überholvorgängen falsch fährt,

c) an Fußgängerüberwegen falsch fährt,

d) an unübersichtlichen Stellen, an Straßenkreuzungen, Straßeneinmündungen oder Bahnübergängen zu schnell fährt,

e) an unübersichtlichen Stellen nicht die rechte Seite der Fahrbahn einhält,

f) auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen wendet, rückwärts oder entgegen der Fahrtrichtung fährt oder dies versucht oder

g) haltende oder liegengebliebene Fahrzeuge nicht auf ausreichende Entfernung kenntlich macht, obwohl das zur Sicherung des Verkehrs erforderlich ist,

 

… Quelle: §315c StGB

 

Man sieht, es ist gar nicht so schwer eine Verkehrsstraftat zu begehen. Absolute Leistungssicherheit bieten daher nur Regelungen, die Verkehrsdelikte (Ordnungswidrigkeiten und Verkehrsstraftaten) generell wieder einschließen.

 

Beispiel:

 

b) durch vorsätzliche Ausführung oder den strafbaren Versuch eines Verbrechens oder Vergehens durch die versicherte Person. Verkehrsdelikte und fahrlässige Verstöße sind nicht ausgeschlossen.

 

Quelle: LV1871 Golden BU 2015 §3 Abs.2 Buchstabe b

 

Sehr wohl akzeptabel wäre aber wohl auch eine etwas abgeschwächte Regelung, bspw. diese hier vom Volkswohlbund:

 

a) Durch vorsätzliche Ausführung oder den Versuch einer Straftat durch die versicherte Person (Vergehen im Straßenverkehr sind von diesem Ausschluss nicht betroffen, soweit die versicherte Person nicht aufgrund einer Blutalkoholkonzentration von mehr als 1,1 Promille oder infolge des Genusses von Rauschmitteln fahruntüchtig war);

 

Quelle: Volkswohlbund SBU 2015 §7 Abs.2 Buchstabe a

 

Der Unterschied zwischen der „Ideallösung“ einer LV1871 oder einer Alte Leipziger zum Volkswohlbund besteht einfach darin, dass der Volkswohlbund Rauschmittel und eine Blutalkoholkonzentration von mehr als 1,1 Promille ausschließt.

 

Es gibt durchaus Verfechter der Ansicht, dass eine Blankocheckregelung wie die der LV1871 die Versicherungsgemeinschaft unnötig belasten würde. Ich persönlich teile diese Meinung nicht, für mich wäre ein klares und uneingeschränktes Leistungsversprechen die bestmögliche Wahl. Das muss jedoch jeder für sich entscheiden.

 

Dennoch sei zusammenfassend gesagt: Die Regelungen hinsichtlich Ausschlüssen von Ordnungswidrigkeiten und Verkehrsstraftaten (= zusammen Verkehrsdelikte) gehören definitiv auf den Prüfstand.

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4.5 Weitere Leistungsausschlüsse

 

Generell sieht jedes Bedingungswerk Leistungsausschlüsse vor. Die Ausprägung kann jedoch sehr unterschiedlich sein. Konkret habe ich das im Abschnitt zu den Verkehrsdelikten bereits einmal erläutert.

 

Hinsichtlich der weiteren Leistungsausschlüsse (Verkehrsdelikte außen vor) möchte ich den Bogen nicht überspannen, das Thema hat allgemein eher nachrangige Bedeutung.

 

So finden sich bspw. fast überall …

 

- Ausschlüsse für Selbstverstümmelung etc.

- Ausschlüsse für vorsätzlich herbeigeführte Berufsunfähigkeit

- Ausschlüsse im Zuge von Krieg / inneren Unruhen

- Ausschlüsse für Terrorismus, ABC Waffen etc.

- Ausschlüsse für Strahlen in Folge von Kernkraft

 

Eine HUK (und HUK24) verzichtet zum Beispiel auf die Kernkraftproblematik, eine Alte Leipziger hingegen auf die Terrorgefahren. Das ist in meinen Augen alles eine Frage der persönlichen Präferenzen.

 

Man sollte den Paragrafen zu den Leistungsausschlüssen eben gründlich lesen, verstehen und dann individuell entscheiden.

 

Dennoch lauern ein paar generelle Fallstricke, von denen ich zwei kurz ansprechen möchte:

 

1) Strahlen / Kernenergie

 

Grundsätzlich ist bei der Masse der Versicherer eine BU in Folge bspw. einer (Atom-)Kraftwerksexplosion ausgeschlossen, Ausnahme bspw. HUK. Das ist für sich aber schon ein eher nachrangiges Kriterium, zumal in den Formulierungen meist recht deutlich ergänzt wird.

 

Bspw. muss das Leben zahlreicher Menschen gefährdet sein, die Katastrophenschutzbehörde xyz eingreifen … und so weiter, und so fort …

 

Ein absolutes NoGo entsteht aber dann, wenn der Strahlenbegriff ausgeweitet wird. Bspw. auf Strahlen, denen man bei Ausübung des Berufs ausgesetzt ist. Das könnte für Mediziner zum Beispiel ein absolutes NoGo sein.

 

Hier hilft nur genau lesen, was der Versicherer ausschließt und was nicht.

 

2) Krieg, innere Unruhen etc.

 

Grundsätzlich gilt: Wer sich aktiv an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt (auch Bürgerkrieg) wird in der Regel bei einer in Folge dessen eintretenden Berufsunfähigkeit keine Leistungen von seiner BU erhalten. Ich denke, das ist so auch durchaus akzeptabel.

 

Relevant wird aber die folgende Frage: Was passiert denn, wenn ich beruflich oder zum Urlaub in einem fremden Land bin und dort ein Krieg / Bürgerkrieg ausbricht? Das Szenario dürfte im Zuge der Revolutionen in manch islamischen (Urlaubs-)ländern gar nicht mal so weit weg sein.

 

Und für diesen Punkt gibt es sehr wohl sehr stark unterschiedliche Regelungen am Markt.

 

Fazit zu Leistungsausschlüssen in der BU

 

Das Thema ist sehr individuell zu beurteilen. Ein Soldat wird andere Erfordernisse an seine BU / DU stellen, als bspw. der durchschnittliche Schreibtischtäter, mit einmal im Jahr Urlaub auf den Kanaren.

 

Es ist aber schlichtweg unmöglich alle Eventualitäten in diesem how to BU zu berücksichtigen.

 

Daher gilt: Leistungsausschlüsse detailliert lesen, überlegen … was könnte daraus zu meinem Nachteil entstehen … und individuelle Beurteilung treffen. Im Zweifelsfall oder bei offenen Fragen immer schön vom Vermittler eben diese offenen Fragen dokumentieren lassen.

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5) Nachprüfung einer Berufsunfähigkeit - Was ist eine Nachprüfung?

 

Habe ich die Hürden des BU Leistungsantrags, der Arztanordnungsklausel und der Verweisungsmöglichkeiten des Versicherers genommen, sprich ich bin bedingungsgemäß BU, erhalte ich zunächst einmal meine BU Rente.

 

Die Frage ist nur, wie lange?

 

Der Gesamtverband der deutschen Versicherer hat vor nicht all zu langer Zeit Zahlen für die durchschnittliche BU-Leistungsdauer veröffentlicht, gerade einmal 1,5 Jahre im Durchschnitt.

 

Grundproblem dabei: Das heißt nicht, dass nach 1,5 Jahren statistisch alles wieder gut ist und man wieder wie gewohnt mit dem alten Einkommen arbeiten kann. Es heißt nur, dass im Durchschnitt lediglich 1,5 Jahre BU Renten gezahlt werden.

 

Das hat 3 Gründe:

 

1) Das Streben der Versicherungsnehmer wieder in das Arbeitsleben zurück zu kehren

2) Befristete Anerkenntnisse

3) Nachprüfung einer Berufsunfähigkeit

 

Dem Thema befristete Anerkenntnisse haben wir ein eigenes Kapitel gewidmet. Das Grundproblem besteht darin, dass bei einem üblichen befristeten Anerkenntnis eine Beweislastumkehr eintritt. Sprich der Versicherungsnehmer nach Ablauf der Befristung dem Versicherer erneut anhand dessen Bedingungen nachweisen muss, dass er nicht mehr BU ist.

 

Hier soll es nun um die Nachprüfung gehen. Das Recht die BU nach Anerkennung einer BU-Leistung nachzuprüfen hat jeder Versicherer.

 

Allerdings sind die Möglichkeiten auch in diesem Punkt von Tarif zu Tarif sehr unterschiedlich. Für eine langfristige Leistungssicherheit sind insbesondere zwei Punkte interessant:

 

- Es darf keine Änderung der Prüfkriterien gegenüber der Erstprüfung stattfinden

- Die Regelung zu den Mitteilungspflichten im Leistungsfall sollte bestmöglich (für den Versicherungsnehmer) ausfallen

 

Auf genau diese beiden Punkte werde ich in den nachfolgenden zwei Kapiteln eingehen.

 

Zunächst noch einmal kurz zusammengefasst: Was ist eine Nachprüfung?

 

Der Versicherer behält sich das Recht einer Nachprüfung des bedingungsgemäßen Anspruchs auf BU-Leistungen jederzeit vor. Üblicherweise erfolgt das in bestimmten Intervallen, bspw. jährlich, mit der Übersendung von Fragebögen.

 

Abweichende Handhabungen sind aber durchaus ebenfalls üblich und zulässig.

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5.1 Änderung von Prüfkriterien in der Nachprüfung

 

Im Grunde ist es eigentlich gänzlich inakzeptabel, dass der Versicherer die Kriterien in der Nachprüfung abändert. Heißt, dass er andere Kriterien zu Grunde legt, als in der Erstprüfung ( „Was ist Berufsunfähigkeit im Sinne dieser Bedingungen, meist §§2 oder 3 der Bedingungen).

 

Was theoretisch einfach klingt, ist praktisch schwierig zu beurteilen. Zunächst mal heißt ja "keine Änderung in der Nachprüfung" nicht, dass die Kriterien der Erstprüfung akzeptabel sind. Steht also bspw. eine abstrakte Verweisung bereits in der Erstprüfung mit drin, ist sie in der Nachprüfung natürlich auch enthalten.

 

Es hilft also nur, wenn man genau schaut, welche Kriterien in der Nachprüfung zu Grunde gelegt werden. Verdeutlichen will ich das zunächst an einem noch leidlich einfachen Beispiel:

 

(1) Nach Anerkennung oder Feststellung unserer Leistungspflicht sind wir berechtigt, das Fortbestehen der Berufsunfähigkeit oder der Pflegebedürftigkeit nachzuprüfen; insbesondere können wir erneut prüfen, ob die versicherte Person unter Berücksichtigung von neu erworbenen

beruflichen Fähigkeiten hinsichtlich einer Tätigkeit, die sie konkret ausübt, noch berufsunfähig

ist.

 

Quelle: Targo Einkommensschutz, §12 Abs. 1

 

Die Targo baut zwar keine abstrakte Verweisung in der Nachprüfung ein, liest man aber genau, kommt man zu folgendem Schluss. Eine konkret ausgeübte Tätigkeit - und das meint irgendeine Tätigkeit – welche bspw. in Folge einer Umschulung ausgeübt werden könnte und tatsächlich ausgeübt wird, löst den Anspruch auf BU Leistungen in Luft auf.

 

Es finden sich keine Regelungen hinsichtlich zumutbarer Einkommensreduzierung, keine Regelungen hinsichtlich Lebensstellung (= Einkommen) allgemein und unkonkret und auch keine Regelungen hinsichtlich bspw. sozialer Wertschätzung oder Qualifikationen im Vergleich zum ursprünglich ausgeübten Beruf.

 

Das hieße stark überspitzt, trägt der ehemalige leitende Angestellte nun Zeitungen aus, ist er nicht mehr BU. Dieses stark überspitzte Beispiel hätte nach einigen Monaten oder Jahren vor Gericht vermutlich so keinen Bestand, soll aber verdeutlichen, welcher Interpretationsspielraum hier für den Versicherer theoretisch besteht.

 

Man muss aber auch dazu sagen, dass die Targo schon in der Erstprüfung keine brauchbaren Bedingungen bietet, diese Nachprüfung nur das negative Sahnehäubchen darstellt.

 

In der Praxis ist die Beurteilung der Nachprüfungsklausel erheblich schwieriger als im obigen Beispiel. Das will ich einmal am Volkswohlbund verdeutlichen.

 

Der Volkswohlbund bietet für viele Berufsgruppen einen angemessenen Preis bei gleichzeitig überwiegend guter bis sehr guter Regelungen in den Bedingungen. Auch die Prozesse von der Risikovoranfrage bis hin zur Antragsbearbeitung laufen zumindest meiner Erfahrung nach sehr gut bei diesem Versicherer. Man könnte also hingehen und sagen, der Volkswohlbund bietet in Summe überdurchschnittliche Leistungen an.

 

Und nun kommt die Betrachtung der Nachprüfung:

 

(1) Nach Anerkennung oder Feststellung unserer Leistungspflicht sind wir berechtigt, das Fortbestehen und den Grad der Berufsunfähigkeit sowie der Pflegebedürftigkeit nachzuprüfen; dies gilt nicht für zeitlich begrenzte Anerkenntnisse. Dabei gilt als versicherter Beruf neben einer Tätigkeit gemäß § 3 auch eine inzwischen aufgenommene Tätigkeit, die aufgrund neu erworbener beruflicher Fähigkeiten ausgeübt wird, sofern sie weiterhin der Lebensstellung vor

Eintritt der Berufsunfähigkeit entspricht.

 

Quelle: Volkswohlbund SBU, § 12

 

Nun muss man zunächst einen Blick in den §3 der VWB Bedingungen werfen. Am Beispiel der Regelung für den Arbeitnehmer:

 

Berufsunfähigkeit liegt allerdings nicht vor, wenn die versicherte Person eine andere Tätigkeit konkret ausübt, die entsprechend ihren Kenntnissen, Fähigkeiten und ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgeübt werden kann und die wirtschaftlich und in ihrer gesellschaftlichen Wertschätzung der Lebensstellung entspricht, die vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung bestanden hat (konkrete Verweisung). Die dabei für die versicherte Person zumutbare Einkommensreduzierung wird von uns je nach Lage des Einzelfalles auf die im Rahmen der höchstrichterlichen Rechtsprechung festgelegte Größe im Vergleich zum jährlichen Bruttoeinkommen im zuletzt vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgeübten Beruf begrenzt. Sie beträgt jedoch maximal 20 %.

 

Quelle: Volkswohlbund SBU §3 Abs. 4

 

Diese Regelung für den Arbeitnehmer ist gut. Klipp und klar, 20 % Einkommensreduzierung gegenüber dem bisherigen Einkommen sind bei einer konkreten Verweisung unzumutbar. Die Lebensstellung (meint zunächst nur Einkommen) wird weiter konkretisiert und auf die gesellschaftliche Wertschätzung erweitert.

 

Das sind zwei wichtige Punkte, gut gelöst. Aber …

 

Siehe oben: In der Nachprüfung kann auch auf eine konkrete Tätigkeit verwiesen werden, die nicht im §3 näher bestimmt ist:

 

Dabei gilt als versicherter Beruf neben einer Tätigkeit gemäß § 3 auch eine inzwischen aufgenommene Tätigkeit, die aufgrund neu erworbener beruflicher Fähigkeiten ausgeübt wird, sofern sie weiterhin der Lebensstellung vor

Eintritt der Berufsunfähigkeit entspricht.

 

Quelle: Volkswohlbund SBU, § 12

 

Und damit haben sich zwei Dinge erledigt. Die zumutbare Einkommensreduzierung fällt weg, die gesellschaftliche Anerkennung fällt weg. Sprich, das was in der Erstprüfung vorbildlich gelöst ist, löst sich in der Nachprüfung in Luft auf.

 

Wie gesagt: Bei BU Bedingungen gilt es immer sehr genau zu lesen und im Zweifelsfall zu interpretieren, wie der Versicherer das geschriebene evtl. gegen mich verwenden könnte.

 

Von daher wird man generell bei solchen komplexeren Geschichten kaum immer einheitliche Meinungen haben. Oder anders formuliert: Von meiner Meinung abweichende Meinungen sind natürlich auch hier wieder möglich.

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5.2 Mitteilungspflichten des Versicherungsnehmers

 

 

Genau wie bei der Änderung von Prüfkriterien in der Nachprüfung, muss auch bei den Mitteilungspflichten sehr, sehr genau gelesen werden.

 

Im Wesentlichen geht es darum, was ich als Versicherungsnehmer meinem Versicherer von mir aus mitteilen muss, nachdem eine BU Leistung anerkannt wurde.

 

Wir unterscheiden zunächst drei Arten von Regelungen zur Mitteilungspflicht:

 

- „und“ Regelungen

- „oder“ Regelungen

- Verzicht

 

Bei der „und“ Regelung müssen Änderungen hinsichtlich des Gesundheitszustandes oder des BU Grades „UND“ Änderungen hinsichtlich einer anderen, nun ausgeübten Tätigkeit mitgeteilt werden. Im Klartext meint das, beides muss sich geändert haben, erst dann bin ich in der Mitteilungspflicht.

 

„Oder“ meint hingegen nur, dass sich einer von beiden Punkten geändert hat und ich allein schon daher in der Mitteilungspflicht bin. Versäume ich schuldhaft diese Mitteilungspflichten, ist der Versicherer zunächst leistungsfrei und ich sitze finanziell ggf. auf dem Trockenen.

 

Leider ist die Praxis nicht annähernd so einfach wie die Theorie aus den vorhergehenden Zeilen. Nehmen wir mal ein richtig garstiges Beispiel, das vor einiger Zeit Thema im WPF war.

 

3.3 Eine Minderung der Berufsunfähigkeit oder der Pflegebedürftigkeit, sowie die Wiederaufnahme bzw. Änderung der beruflichen Tätigkeit ist uns unverzüglich mitzuteilen.

 

Quelle: Continentale SBU, 04 bis 12/2014er Bedingungen

 

Garstig ist dieses Beispiel daher, weil allein das Komma vor dem „sowie“ die Aussage dieser Regelung beeinflusst. Vor das sowie gehört einfach kein Komma, soll zweifelsfrei ein „und“ gemeint sein. Oder im Umkehrschluss, hier steht kein zweifelsfreies „und“, eher ein „oder“.

 

In den 2015er Bedingungen der Continentale ist genau dieses Komma verschwunden. Somit haben wir eine „und“-Regelung.

 

Diese „und“-Regelung sagt, bei einer Minderung der Berufsunfähigkeit „und“ gleichzeitiger Änderung der beruflichen Tätigkeit bin ich als Versicherungsnehmer dem Versicherer gegenüber mitteilungspflichtig.

 

Es geht eben um diese zwei fett markierten Bausteine. Und auch diese unterscheiden sich von Bedingungswerk zu Bedingungswerk deutlich.

 

Worst Case Fälle sind:

 

„Verbesserung des Gesundheitszustandes“ … „oder“ … „Änderung der beruflichen Tätigkeit“

 

Sehr gut wären:

 

„Wegfall der Berufsunfähigkeit“ … „und“ … „Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit“

 

Es sollte deutlich werden, dass ein medizinischer Laie eine „Verbesserung des Gesundheitszustandes“ oder „Minderung der Berufsunfähigkeit“ kaum beurteilen kann. Das ist ein potentieller Fallstrick. Und jede Änderung der beruflichen Tätigkeit will man eher auch nicht mitteilen müssen.

 

Die Ideallösung wäre daher ein gänzlicher Verzicht auf diese Mitteilungspflichten. Es handelt sich dabei aber nur um eine theoretische und keine existenzielle Ideallösung.

 

Der Unterschied zwischen einem Verzicht und einer gut formulierten Mitteilungspflicht besteht in der Praxis eher nur darin, dass der Versicherer mit dem Verzicht halt wenigstens bis zur nächsten Nachprüfung weiter leistet. Und eben erst in Folge der Nachprüfung die Leistung einstellt.

 

Denn ist die bedingungsgemäße „Berufsunfähigkeit weggefallen“, endet natürlich auch die Leistungspflicht des Versicherers, sobald er davon erfährt.

 

Wie gesagt, man sollte diesen Punkt sehr genau, Wort für Wort und Satzzeichen für Satzzeichen lesen. Wie man es dann interpretiert, auch da sind durchaus wieder unterschiedliche Meinungen zulässig.

 

Ich behaupte dennoch steif und fest: Je mehr man interpretieren könnte, desto eher sollte man eine Regelung mit weniger Interpretationsspielraum nehmen. Das gilt für jede Art von Versicherunsbedingungen.

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6) BU Anpassungsmöglichkeiten an die Lebensentwicklung

 

Habe ich mich zunächst um eine sorgsame Aufbereitung und Klärung der Risiko- und Gesundheitssituation bemüht, anschließend anhand des Fahrplans die für mich wichtigen Leistungselemente bestimmt und eine Vorauswahl an Versicherern getroffen, kann ich mich nun um die technischen Begebenheit kümmern, um anschließend eine Entscheidung für einen bestimmten Versicherer treffen zu können.

 

Wobei die technischen Details wiederum grob in die Anpassungsmöglichkeiten und die technischen Feinheiten zu unterscheiden sind.

 

Grundsätzlich gilt: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte im Idealfall eine Entscheidung für das ganze Arbeitsleben sein. Entsprechend hoch sollten die Chancen sein, dass die BU mit der Entwicklung der eigenen Karriere mithalten kann.

 

Natürlich ist das ein ganz besonders individuelles Thema, welches wir schlecht in allen Facetten beleuchten können. Daher haben wir nachfolgend einige unserer Meinung nach generell relevante Punkte hinsichtlich der Anpassungsmöglichkeiten einer Berufsunfähigkeitsversicherung herausgesucht.

 

6.1 dynamische Erhöhung von Beiträgen (Matthew Pryor)

6.2 dynamische Erhöhungen nach Eintritt des Leistungsfalls (Matthew Pryor)

6.3 Nachversicherungsoptionen und -garantien (Matthew Pryor)

6.4 Zahlungsschwierigkeiten und Berufsunfähigkeitsversicherung (Polydeikes)

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6.1 dynamische Erhöhung von Beiträgen

 

 

Wie funktioniert die Dynamik?

 

Salopp formuliert ist die Dynamik die Schwester der Nachversicherung.Dynamische Erhöhungen ermöglichen es dem Versicherungsnehmer,die vereinbarte BU-Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen.Hierzu unterbreitet der Versicherer jährlich ein Erhöhungsangebot,dass der VN annehmen oder ablehnen kann.Die dynamischen Erhöhungen sollen dazu dienen,die BU-Rente an die Kaufkraftentwicklung anzupassen.

 

Während im Zuge einer Nachversicherung die Rente in der Regel auf einen Schlag um mehrere hundert Euro erhöht werden kann,erfolgt dieser Prozess bei der Dynamik eher schleichend.

 

Was unter Umständen zu Missverständnissen und einer ablehnenden Haltung gegenüber der Dynamik führt,ist die Frage der steigenden Beiträge.Es stellt niemals eine Pflicht dar,eine Dynamik auch anzunehmen.Es ist das Recht des Versicherten.Die Rentenhöhe und damit auch der Beitrag kann also vom Versicherten sehr wohl gesteuert werden.Daher ist es wünschenswert,wenn der VN den Erhöhungsangeboten auch möglichst flexibel widersprechen kann.Dazu später mehr.

Im Gegensatz zur Nachversicherung ist die Dynamik zumeist nicht an eine Grenze gekoppelt,oder diese liegt weit höher als bei den gängigen Nachversicherungsoptionen.Es kann alerdings sein,dass der Versicherer bei Erreichen einer bestimmten Grenze eine Angemessenheitsprüfung vornimmt.

 

Gerdae für Gutverdiener ist die Dynamik also die einzige Möglichkeit,den Versicherungsschutz über die Jahre angemessen an die Einkommensentwicklung zu koppeln,vernünftige Regelungen vorausgesetzt.

 

In welchem Maß erfolgen dynamische Erhöhungen?

 

Die meisten Versicherer bieten eine flexible Option an.Ich kann mich bei Vertragsabschluss entscheiden,ob ich bspw. 3 oder 5% vereinbaren möchte.Einige wenige Anbieter bieten nur einen festgelegten Prozentsatz an,z.B. Canada Life mit 3%.Eine Anmerkung dazu:Im Zweifelsfall sollte immer eine höchst mögliche Dynamik gewählt werden.Zum Einen muss nicht jede Dynamik angenommen werden,zum Anderen ist eine Verringerung des vereinbarten %-Satzes möglich,eine Erhöhung jedoch nur mit Zustimmung des Versicherers.

 

Es gibt mehrere verschiedene Formen der Dynamik,marktüblich sind jedoch 2:Zum Einen die Summendynamik,zum Anderen die Beitragsdynamik.Bei der Beitragsdynamik erhöht sich der zu zahlende Beitrag und die BU-Rente wird entsprechend angepasst.Bei der Summendynamik ist es anders herum,die BU-Rente steigt immer um den vereinbarten %-Satz,dafür wird ein Mehrbeitrag fällig.

 

Hierbei ist zu beachten,dass Beiträge und Leistung nicht in selbem Maße steigen.Das liegt daran,dass zum jeweiligen Stichtag das dann erreichte Alter des VN als Maßstab zugrundegelegt wird.Und mit steigendem Alter steigen auch die Beiträge.

Habe ich bspw. eine Beitragsdynamik von 5% vereinbart,so wird es im Laufe der Jahre passieren,dass die BU-Rente um einen immer geringer werdenden Satz steigt.Daher ist im Laufe der Jahre auch zu prüfen,ob die Erhöhungen der Rentenleistung noch in einem gesunden Verhältnis zum Mehrbeitrag stehen.Zur Veranschaulichung ist ein exemplarischer Dynamikverlauf beigefügt (Beitragsdynamik i.H.v. 5%).

 

Auch ist zu unterscheiden,ob die Erhöhung auf den jeweiligen Vorjahresbeitrag erfolgt oder aber auf den Ursprungsbeitrag.Die verschiedenen Modelle führen natürlich auch zu unterschiedlichen Entwicklungen der Rentenhöhe.Während bei Erhöhungen aus dem Vorjahresbeitrag der Anstige progressiv ist,erfolgt er bei Erhöhungen aus dem Ursprungsbeitrag entsprechend linear,da sich der Ursprungsbeitrag nicht verändert.

 

Was gilt es nun konkret zu beachten?

 

Ein wichtiger Punkt ist die Frage,wie oft ich als Kunde das Recht habe,dynamischen Erhöhungen zu widersprechen.Der Gesetzgeber sieht hier keine Mindestanforderungen vor.Mehr oder weniger Standard ist die regelung,dass ich jedes 3. Angebot annehmen muss.Aber es gibt sowohl positive als auch negative Ausreißer.Die beste Regelung bietet derzeit die Alte Leipziger.Den Erhöhungsangeboten kann beliebig oft widersprochen werden.Auch die HDI zeigt sich hier großzügig,die Dynamik kann viermal hintereinander abgelehnt werden.

 

Unrühmlich hingegen sind die Regelungen der Allianz oder der Hannoversche:Hier kann der Erhöhung nur einmal widersprochen werden,danach ist entweder „die Zustimmung des Versicherers“ (Allianz) oder aber eine erneute Gesundheitsprüfung (Hannoversche) erforderlich.Gerade,wenn bereits von Beginn an eine hohe BU-Rente vereinbart ist und Nachversicherungen nicht mehr in Betracht kommen,ist das ein sehr enges Korsett,das dem Versicherten aufgezwungen wird.Eine zweimal in Folge mögliche Ablehnung sollte daher Mindeststandard sein.

 

Ein weiteres zu beachtendes Kriterium ist die Laufzeit der Dynamik.Es ist natürlich zu begrüßen,wenn die Dynamik möglichst lange in Anspruch genommen werden kann.Das wäre bspw. Dann der Fall,wenn ein Endalter von 67 Jahren vereinbart ist und dynamische Erhöhungen auch bis zu diesem Zeitpunkt möglich sind.Allerdings begrenzen die Anbieter diese Möglichkeit in unterschiedlichem Maße.Die Regelungen sind äußerst uneinheitlich und daher in ihrer Verschiedenheit kaum in Kürze darzustellen.Eine gute Regelung bezogen auf den Beispielfall bietet die Canada Life:Hier erfolgt die letzte Erhöhung 4 Jahre vor dem Vertragsende,also letztmalig mit 63.

 

Andere Versicherer ziehen mit 60 einen „Schlussstrich“.Diese oder ähnliche Regelungen halte ich für auskömmlich,da ich bis zu diesem zeitpunkt in der Regel eine auskömmliche Absicherungshöhe erreicht habe und darüberhinaus nicht vergessen werden darf,dass die Erhöhungen nach dem erreichten Alter errechnet werden.Mit steigendem Alter wird die Schere zwischen zu zahlendem beitrag und Erhöhung schlicht unlukrativ für den Versicherten.

Es gibt jedoch auch Regelungen,die nicht so positiv sind.Exemplarich dafür 2 Beispiele,die Regelungen der HUK sowie der Generali.

 

 

a) HUK-Coburg

Aus meiner Sicht eine für den Laien schwer zu durchschauende Regelung.Bei der BUZ der HUK gilt sinngemäß,dass Erhöhungen nur bis zur Hälfte der Versicherungsdauer in Jahren möglich ist.Konkrte bedeutet das bspw.:Beginn mit 31 Jahren,Endalter 67.Versicherungsdauer sind 36 Jahre,die nun halbiert werden müssen.Daraus ergeben sich 18 Jahre.Mit 49 Jahren erlicht also auch hier das Recht auf dynamische Erhöhungen automatisch.

 

b) Generali

Schießt aus meiner Sicht den Vogel in negativer Hinsicht ab.Grundsätzlich ist eine Dynamik zwar bis 3 Jahre vor Ablauf der Versicherungsdauer möglich.Aber,und zwar ein Großes:Die dynamik ist nicht mehr möglich,wenn die vereinbarte Monatsrente den Betrag von 2500€ überschreitet.Im schlimmsten Fall kann ich also von beginn an keine dynamischen Erhöhungen mehr durchführen.Diese Deckelung kennt man von den Nachversicherungsoptionen,bei der Dynamik hat sie aus meiner Sicht nichts zu suchen.

Gerade für jüngere Versicherungsnhemer hat das gravierende Auswirkungen.Nehmen wir an,ein 20-jähriger verienbart bei der Generali eine Rente von 1500€ und eine Dynamik von 5%.Nach 10 Jahren kann dieser VN keine Erhöhungen mehr durchführen.Er ist dann gerade einaml 30 jahre alt und kann die nächsten Jahrzehnte dabei zusehen,wie seine Rente von der Inflation mehr und mehr unterhöhlt wird.

Ist z.B. aufgrund gesundheitlicher Probleme kein Zweitvertrag oder ein Wechsel mehr möglich,hat der VN aufgrund dieser unsinnigen Regelung ein Problem.Kurze Anmerkung:Die Generali zählt zu den Testsiegern der Stiftung Warentest.Soviel zur Ausgegorenheit der Tester.

 

Abgesehen von der Begrenzung der Laufzeit sehen viele Anbieter ab einer bestimmten Rentenhöhe eine Angemessenheitsprüfung vor.Exemplarich die Regelung der Alte Leipziger:Ab einer Jahresrente von 40.000€ muss den dynamischen Erhöhungen widersprochen werden,wenn die BU-Rente dadurch größer wäre als 70% des Bruttojahreseinkommens.Allerdings ist es oftmals so,dass verschiedene Verträge (Renten aus der 3.Schicht,Basis- und Direktversicherungen,Erwerbsunfähigkeitsversicherungen…) unterschiedlich gewichtet werden.Das ist in Kürze unmöglich darzustellen.Es empfiehlt sich daher wie so oft,die Regelungen im Detail analysieren zu lassen.

 

 

 

Darüber hinaus kann es für den Versicherten auch ein wichtiges Kriterium sein,ob dynamische Erhöhungen auf Nachversicherungsoptionen angerechnet werden.Erfolgt eine Anrechnung,ist eine Nachversicherung oftmals naturgemäß in noch engerem Rahmen möglich (wenn überhaupt) als ohnehin schon.Es ist daher wünschenswert,wenn dynamische Erhöhungen keine Auswirkungen auf eine evtl. Nachversicherung haben.So regelt es bspw. die Alte Leipziger in ihren Bedingungen,wenn auch nicht gerade prominent als Fußnote versteckt:

 

„Bei der Festsetzung der Obergrenze (für die Nachversicherung;Anm. M.P.) bleiben bereits erfolgte Erhöhungen im Rahmen der Dynamik stets unberücksichtigt“.

 

Das schafft Klarheit und einen Mehrwert für den Kunden,gerade dann,wenn berits ursprünglich eine vergleichsweise hohe Rente versichert ist. Zu guter Letzt möchte ich die Aufmerksamkeit noch auf einen Sonderfall lenken,der in der Regel wenig Beachtung findet.Dabei geht es um die Frage,was nach einem Leistungsfall mit der Dynamik passiert.Nun ist es in der Praxis oftmals so,dass eine Berufsunfähigkeit auch einmal endet,weil sich der Gesundheitszustand ändert oder ein Beruf aus anderen Gründen konkret ausgeübt werden kann.

 

In diesem Fall ist es wünschenswert,wenn das Anrecht auf Dynamik auch inwieder auflebt.Klingt schlüssig und im Sinne des Kunden,ist aber leider nicht bei allen Anbietern der Fall.Das soll am Beispiel von der Nürnberger und der WWK aufgezeigt werden.Bei der Nürnberger ist eine Reaktivierung der Dynamik nur dann möglich,wenn die Berufsunfähigkeit für längstens 24 Monate bestanden hat.Das ist schon ungünstig,noch schlechter ist die Regelung der WWK.Hier erlischt die Dynamik automatisch mit Eintritt des Versicherungsfalles.Ein Wiedereinschluss ist dann nur noch mit erneuter Gesundheitsprüfung möglich.

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6.2 Dynamische Erhöhungen nach Eintritt des Leistungsfalles

 

 

Während wir uns im vorhergehenden Kapitel mit der dynamischen Anpassung der BU Rentenleistung vor Eintritt des Leistungsfalles (auch „Anwartschaftsdynamik genannt) beschäftigt haben, soll es in diesem Kapitel um die Kaufkraftanpassung der BU Rentenleistung nach Eintritt des Leistungsfalles gehen.

 

1) Zielsetzung einer Leistungsdynamik

 

Auch mit Eintritt des Leistungsfalles erwirtschaftet der Versicherer aus dem Versicherungsgeschäft in der Regel noch Überschüsse. Während diese Überschüsse vor Eintritt des Leistungsfalls meist zur Reduzierung der Beiträge (→Verrechnung der Überschüsse) verwendet werden, dienen sie nach Eintritt des Leistungsfalls der Erhöhung der BU-Rentenleistung.

 

Die Überschussquellen sind dabei vor allem Risiko- und Kostenüberschüsse, im Gegensatz zu kapitalbildenden Versicherungen, wo die Anlageüberschüsse den Großteil ausmachen. Daher liegt die Überschussbeteiligung für eine BU Versicherung deutlich unter der einer Kapitalversicherung, Stand 2015 schütten gute Versicherer noch rund 2 % aus, die Masse der Gesellschaften aber bereits heute deutlich weniger.

 

Nun wissen wir aber auch ,dass diese Überschussbeteiligung nicht in Stein gemeißelt ist.Sie kann variieren,sie kann mal höher,mal niedriger ausfallen oder im Extremfall auch ganz wegbrechen.Einen Garantieanspruch auf Überschüsse hat man auch bei einer BU nicht. Das bedeutet,dass ich die Entwicklung meiner Rentenhöhe nicht im Voraus exakt planen kann,sondern von der Entwicklung der Überschussbeteiligung meines Versicherers abhängig bin.

 

Bei vielen Versicherern (aber längst nicht allen) kann man daher gegen zusätzlichen Mehrbeitrag eine garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall vereinbaren (Leistungsdynamik). Diese garantierte Rentensteigerung bekäme man – so dieser Baustein vereinbart wurde – on top, sprich zusätzlich zur Überschussbeteiligung.

 

Da es die Leistungsdynamik nicht kostenlos gibt, nicht jeder Versicherer eine Leistungsdynamik anbietet und sich auch die praktische Umsetzung einer Leistungsdynamik von Gesellschaft zu Gesellschaft unterscheidet, sollte man genau überlegen und im Zweifelsfall auch konkret nachrechnen, ob es sich lohnt diesen zusätzlichen Baustein einzukaufen.

 

An dieser Stelle möchte ich gar nicht groß mit theoretischen, rechnerischen Überlegungen zusätzlich verwirren. Die nachfolgende Grafik soll nur die vorhergehenden Zeilen bildlich verdeutlichen:

 

Rot = BU Rente + Leistungsdynamik gegen Mehrbeitrag

Blau = anfänglich höhere BU Rente statt Leistungsdynamik gegen Mehrbeitrag

 

 

leistungsdynamik-grafik.jpg

 

Die Grundaussage dahinter: Je länger eine BU dauert, desto wahrscheinlicher rechnet sich eine gegen zusätzlichen Mehrbeitrag vereinbarte Leistungsdynamik.

 

Dabei lassen wir aber außen vor, dass es auch Alternativen zur Leistungsdynamik gibt. Das betrachtet Torsten im Kapitel SBU vs. BUZ etwas ausführlicher.

 

 

2) Welche Möglichkeiten gibt der Markt her

 

Längst nicht alle Versicherer bieten die Option einer Leistungsdynamik an. Die maximale Höhe, respektive auch die Flexibilität des Bausteins fällt von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich aus. Bspw.:

 

Alte Leipziger – 1 bis 3 %

Dialog – bis zu 5 %

Canada Life – nur 3 % Leistungsdynamik möglich

 

Nun sollte man sich auch die Frage stellen,welchen Mehrwert ich für das Mehr an Beitrag auch bekomme. Ein kurzes Beispiel zur Verdeutlichung des Mehrbeitrages. Der Kunde sei 25 Jahre alt,Bürokaufmann und möchte seine Rente bis 67 abschließen.Wählt er nun eine garantierte Rentensteigerung von 2%,würde bspw. die Dialog einen Aufschlag von ca. 15% berechnen.

 

Nun lässt sich bei einer BU leider nicht voraussehen,ob und wann der Leistungsfall eintritt bzw. wie lange die Berufsunfähigkeit andauert. Grob vereinfacht lässt sich sagen:Tritt der Leistungsfall nicht ein oder ist nur von kurzer Dauer,rechnet sich die garantierte Leistungsdynamik eher nicht und vice versa.

 

Eine andere Herangehensweise könnte nun sein (siehe Grafik),diesen Mehrbeitrag dahingehend zu verwenden,von Beginn eine höhere Rente zu vereinbaren. Die Frage „macht das denn Sinn?“ lässt sich daher nicht abschließend klären und ist eine Frage des persönlichen Bedarfes.

 

 

3) Fallstricke bei der Leistungsdynamik

 

An dieser Stelle sei auf die Besonderheit eines Anbieters hingewiesen: Die Canada Life ist aktuell der einzige mir am Markt bekannte Versicherer, der generell keine Überschussbeteiligung vorsieht.

 

Das rührt daher, weil der Zahlbeitrag vor Eintritt des Leistungsfalls gleich dem Tarifbeitrag (also ohne Überschüsse) kalkuliert ist. Das hat auf den ersten Blick den Vorteil,dass der Zahlbeitrag nicht ansteigen kann,wenn die Überschüsse geringer ausfallen als vom Versicherer bei der Beitragskalkulation berücksichtigt.

 

Daraus ergibt sich aber aus meiner Sicht der entscheidende Nachteil,dass die versicherte Rente auch im Leistungsfall niemals steigen kann,da ja keine Überschussbeteiligung gewährt wird.Im Falle der Canada Life sollte also in jedem Fall eine garantierte Erhöhung der Rente vereinbart werden. Allerdings bietet die Canada Life hier auch nur die Option einer 3% Leistungsdynamik, keine Alternativen.

 

Der bislang aufmerksam Mitlesende wird es bereits erahnen: Auch bei der garantierten Leistungsdynamik unterscheiden sich die Versicherer in ihren Bedingungen. Einige Unterschiede sollen nun exemplarisch herausgearbeitet werden.

 

Die Dynamik wird zumeist als Summendynamik vereinbart,setzt also im Leistungsfall auf der anfänglich versicherten Rente auf. Nun wissen wir aber, dass auch ein nicht garantierter Anspruch auf die Überschussbeteiligung besteht. Und hier ergeben sich z.T gravierende Unterschiede,die der Laie aus meiner Sicht beim Lesen der Bedingungswerke kaum überblicken kann.

Betrachten wir dazu die Bedingungswerke der Dialog und Alte Leipziger.

 

Dialog formuliert wie folgt:

„Bei Einschluss dieser Option erhöht sich während der Dauer der Berufsunfähigkeit im Sinne des § 2 die garantierte versicherte Berufsunfähigkeitsversicherung (ohne Berücksichtigung der jeweils festgelegten

Überschussanteilsätze) um den jeweils vereinbarten Prozentsatz.“

 

Bei der Alte Leipziger wiederum heißt es:

„Während der Leistungszeit wird der jährliche Überschussanteil für eine Erhöhung der Berufsunfähigkeitsrente verwendet.Dadurch ergibt sich eine steigende Leistung (Rentenzuwachs). Bei Wahl der garantierten Rentensteigerung im Leistungsfall (siehe §1 Absatz 1 Buchstabe c) gilt diese auch für den Rentenzuwachs.Die Rentensteigerungen sind ebenfalls überschussberechtigt.“

 

Die AL errechnet die garantierte Rentensteigerung also aus versicherter Rente+Überschüssen,bei der Dialog bleiben die Überschüsse hingegen außen vor.Konkretes Beispiel:Der Kunde hat eine versicherte monatliche Rente von 2.000€ und erhält bei beiden Versicherern zusätzlich 40€ an Überschüssen.

Bei der AL sähe die Rechnung nun so aus:2000€+40€+2% aus 2040€=2080,8€.

Bei der Dialog:2000€+40€+2% aus 2000€=2080€.

Natürlich sind die Unterschiede zunächst marginal,aber über einen längeren Leistungszeitraum können die Unterschiede gravierend ausfallen.

 

Ein weiterer Punkt,der besonderer Beachtung bedarf:Wie regelt der Versicherer den Fall,dass ein BU-Leistungsfall eintritt,aber bspw. aufgrund gesundheitlicher Verbesserungen seine Leistungen wieder einstellt und es im Anschluss zu einem erneuten Leistungsfall kommt?Erlischt die garantierte Leistungsdynamik bereits mit Eintreten des 1. Leistungsfalles oder habe ich als Versicherter ein vertraglich garantiertes Anrecht darauf,dass die Dynamik auch danach weiter fortgeführt wird?Ich werde auf diesen Punkt und entsprechende Fundstellen im Kapitel „dynamische Erhöhung von Beiträgen“ noch näher eingehen.Es sei aber angemerkt,dass die Versicherer hier nicht einheitlich verfahren.

 

Eine aus meiner Sicht vorbildliche Regelung sollte in etwa so ausformuliert sein:

„Der Anspruch auf die erreichte Berufsunfähigkeitsrente (inklusive der aus der vorherigen Leistungs-

pflicht erfolgten Rentensteigerung) bleibt bei einem erneuten Eintritt der Berufsunfähigkeit in voller Höhe erhalten.In diesem Fall errechnen sich die weiteren Erhöhungen nach der zu diesem Zeitpunkt

erreichten Berufsunfähigkeitsrente.“

 

Deutlich anders hingegen liest sich dieses Beispiel:

„Endet die Berufsunfähigkeit vor Ablauf der Versicherungsdauer,können Sie die während des

Leistungsbezugs erfolgten Erhöhungen beitragspflichtig für den Fall einer erneuten

Berufsunfähigkeit mitversichern.Machen Sie von diesem Recht keinen Gebrauch,zahlen wir bei

einer erneuten Berufsunfähigkeit die Berufsunfähigkeitsrente ohne bisherige Erhöhungen.Es sei

denn,die Berufsunfähigkeit tritt aufgrund derselben Ursachen ein.“

 

In diesem Fall wäre für das Aufrechterhalten der erworbenen Ansprüche ein zusätzlicher Beitrag fällig,ansonsten verfallen Ansprüche aus der 1.Dynamik bei einem 2.Leistungsfall und die Berechnungsbasis wäre wieder die ursprünglich vereinbarte Rentenhöhe.Ausnahme:Der 2. Versicherungsfall hat dieselbe Ursache wie der Erste.Das ist eine deutlich schlechtere Regelung.

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Geschrieben · bearbeitet von polydeikes

6.3 Nachversicherungsoptionen und -garantien

 

 

Bei der Nachversicherung handelt es sich um eine Option seitens des Versicherungsnehmers,die bei Vertragsabschluss vereinbarte BU-Rente der Höhe nach anzupassen.

 

Die Nachversicherung bietet also eine gute Möglichkeit,einen bestehenden BU-Schutz an die berufliche Entwicklung bzw. die Lebensplanung anzupassen.Gehaltssprünge,eine Heirat oder die Geburt eines Kindes können eine Anpassung der Rentenhöhe erforderlich machen.Um so wichtiger ist es dann,wenn man in der Gestaltung der Nachversicherung möglichst flexibel ist.Denn oftmals ist es gerade für junge Menschen schwierig,die gewünschte BU-Rente in Einklang mit dem Portemonnaie zu bringen.

 

Dazu gehört dann neben den sog. „anlassbezogenen“ Optionen auch eine ereignisunabhängige Nachversicherung,denn nicht immer tritt eines der Ereignisse ein,die eine bedingungsgemäße NV ermöglichen.Ich möchte das an einem Beispiel kurz erläutern.

Eine (ereignisabhängige) Erhöhung kann bspw. dann erfolgen,wenn sich das Gehalt signifikant verbessert.In der Regel sind das 10% Gehaltssteigerung.Was jedoch,wenn die Gehaltssteigerung „nur“ 5% beträgt?Richtig,die ereignisabhängige NV verpufft,und der Versicherte wird sich freuen,wenn er die Möglichkeit besitzt,die Rentenhöhe auch ereignisunabhängig steigern zu können.

 

Hierbei gilt es einige Spielregeln zu beachten,doch der Reihe nach.Zunächst einmal widmen wir uns den verschiedenen Möglichkeiten einer Nachversicherung.Betrachten wir zunächst die

 

ereignisabhängige Nachversicherung

 

Diese Option ist in aller Regel Vertragsbestandteil,muss also im Unterschied zu einer dynamischen Erhöhung bei Antrsgasstellung nicht gesondert verienbart werden.Betrachten wir zunächst einmal die Fristen,innerhalb derer eine Nachversicherung beantragt werden muss.In der Regel ist die Nachversicherung binnen 6 Monaten beim Versicherer zu beantragen,mit entsprechenden Nachweisen.Eine davon deutlich abweichend und schlechtere Regelung gibt es bspw. bei der LVM,hier beträgt die Frist nur 2 Monate.Nach Ablauf dieser Frist ist eine erneute Prüfung erforderlich.Und auch hinsichtlich der Prüfung unterscheiden sich die Versicherer.

 

Da die Nachversicherung eine Erhöhung der BU-Rente ohne erneute Prüfung bedeutet,möchte ich auch kurz auf diese Prüfung eingehen.Die beste Formulierung lautet „ohne erneute Risikoprüfung“.Davon abweichend verzichten viele Versicherer nur auf eine erneute „Gesundheitsprüfung“.Die Formulierung „Risikoprüfung“ beinhaltet aber nicht nur den Gesundheitszustand,sondern auch neu hinzugekommene Risiken,die sich bspw. durch neue Hobbys (→Risikosportarten) ergeben.Der Begriff der Risikoprüfung ist demnach deutlich weiter gefasst als der der Gesundheitsprüfung.

 

Nun gibt es natürlich auch Einschränkungen,nach denen eine Nachversicherung nicht möglich ist.Diese kann sich ergeben:

 

- aus dem Alter des Versicherten (→nur bis 50 oder 45)

- der minimalen oder maximalen Erhöhung (→1800€/6000€ Jahresrente,je nach Versicherer unterschiedlich)

- dito,aber maximal x % der ursprünglich vereinbarten Rentenhöhe

- Kappung der maximalen Jahresrente inkl. Erhöhung (24000/36000/40000 €…)

- „angemessene Relation“ zum Einkommen (→bspw. 60% vom Bruttoeinkommen)

- es müssen alle fälligen Beiträge bezahlt worden sein

- der Vertrag darf nicht beitragsfrei gestellt sein

- es darf keine bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit eingetreten sein

- zusätzlich darf auch kein Leistungsantrag gestellt worden sein

- die Erhöhung darf nur einmal pro Ereignis vorgenommen werden

 

Das ist ein bunt zusammengewürfeltes Potpourri aus diversen Versicherungsbedingungen.Es ist für mich schlicht nicht machbar,auf die einzelnen Versicherer im Detail einzugehen.Allgemein lässt sich aber festhalten:Je weniger Einschränkungen,desto vorteilhafter.

 

Einen kurzen Hinweis möchte ich an dieser Stelle geben,wie man es nicht macht.Grundsätzlich werden bestehende Ausschlüsse oder Risikozuschläge auch Bstandteil der Nachversicherung.Die Möglichkeit einer Nachversicherung besteht aber dennoch.Eine schlechte Lösung hat die Interrisk.Wurde hier bei Antragsstellung ein Ausschluss/Zuschlag vereinbart,entfällt das Recht auf eine Nachversicherung ohne erneute Prüfung.Das weicht prägnant negativ von den anderen Anbietern ab.

 

 

Nun zu den Ereignissen,die eine Nachversicherungsmöglichkeit auslösen können.Auch hier gilt vereinfacht:Je mehr Optionen ich habe,desto besser.Zumindest folgende Ereignisse sollten aufgeführt sein:

 

- Heirat der versicherten Person (wobei eine Lebenspartnerschaft gleichgestellt werden sollte)

- Geburt oder Adoption eines Kindes

- erstmalige Berufsaufnahme

- Wechsel in die berufliche Selbständigkeit

- Einkommenssteigerung (zumeist um mindestens 10%)

- Erwerb oder Finanzierung einer Immobilie

- Reduzierung oder Wegfall einer betrieblichen Altersversorgung

 

Je nach persönlicher Situation können auch andere Ereignisse wichtig sein.Eine abschließende Aufzählung unter Berücksichtigung diverser Modelfälle nach dem Motto „was wäre,wenn...“ ist in dieser Form schlicht nicht darstellbar.

 

 

ereignisunabhängige Nachversicherung

 

Darüber hinaus bieten einige Versicherer an,den Versicherungsschutz auch ohne konkretes Ereignis zu erhöhen.Der eine nennt es Ausbaugarantie,der andere anlassunabhängige Nachversicherung.Zwei Formulierungen,eine Bedeutung.

Diese Option ist zu begrüßen,es gilt:was man hat,hat man.Auch wenn man konstatieren muss,dass die meisten Ereignisse,die eine Anpassung erforderlich machen,bei den meisten Versicherern bereits durch die ereignisabhängige NV abgedeckt sind.Aber nicht jeder heiratet,wird Mutter/Vater oder baut/kauft ein Haus.Dann kann es gut sein,wenn eine Anpassung ohne Ereignis möglich ist.Einen nicht zu unterschätzenden Vorteil bietet es,wenn kein Anlass erforderlich ist:Ich kann keine Meldefristen verpassen.

Natürlich gibt es auch Einschränkungen,die zu beachten sind.

 

Diese Einschränkungen sind zumeist etwas strikter formuliert,gerade was das Höchstalter für die Inanspruchnahme betrifft.Um diesen Punkt herauszuarbeiten,sei exemplarisch die Alte Leipziger genannt:Das Endalter für eine ereignisabhängige NV beträgt 50 Jahre,während es bei der Ausbaugarantie auf 35 Jahre begrenzt ist.Auch hier gilt,dass bezüglich maximaler Erhöhung,maximaler Jahresrente und Relation zum bestehenden Einkommen die jweiligen Formulierungen in den Bedingungswerken zu beachten sind.

 

Nachfolgend möchte ich auf ein paar Besonderheiten eingehen.

 

Canada Life

Hier wird die Option angeboten,den Versicherungsschutz ohne Begrenzung auf ein erreichtes Alter anzupassen.Hört sich zunächst gut an,wird aber durch eine dann fällige Risikoprüfung wieder deutlich eingeschränkt.

 

LV 1871

Bietet ebenfalls eine Erhöhung ohne Ereignis an,und dass sogar bis zu einem Endalter von 50 Jahren.Das ist zunächst einmal löblich.Allerdings darf in den letzten 3 Jahren auch keine ereignisabhängige NV erfolgt sein und,was aus meiner Sicht schwerer wiegt,es besteht eine wartezeit von ebenfalls 3 Jahren.Tritt innerhalb dieser wartezeit eine Berufsunfähigkeit ein,erfolgt keine Leistung aus der Nachversicherung.Aus der ursprünglichen Hauptversicherung wird selbstverständlich bedingungsgemäß geleistet.

 

Allianz

Zunächst einmal schränkt die Allianz die Option auf die ersten 3 Versicherungsjahre.Das ist gerade für jüngere Versicherte im Gegensatz zu bspw. einer Alten Leipziger deutlich eingeschränkt (wenn man „jüngere Versicherte“ bspw. 20 Jahre alt sein lässt,dürfte der Unterschied schnell deutlich werden).Die Tücke lauert aber an anderer Stelle.Die Option entfällt nämlich auch dann,wenn der VN im Jahr vor Beantragung der Erhöhung länger als 14 Tage „durchgehend außerstande war,seine Berufstätigkeit auszuüben (zitiert aus dem aktuellen Bedingungswerk) der Allianz.Eine Einschränkung,auf die bei anderen Versicherern verzichtet wird.

Speziell auf diese Regelung wird Torsten im Kapitel „AU-Leistungen“ noch vertiefender eingehen.

 

Bayerische

Während die meisten Versicherer die Ausübung der ereignisunabhängigen NV auf die ersten 5 Versicherungsjahre einschränken und gleichzeitig das Höchstalter zur Ausübung auf 35 Jahre kappen,erlaubt die Bayerische die Inanaspruchnahme bis zum 45. Lebensjahr. Leider mit der Einschränkung,dass analog zur LV 1871 eine 3-jährige Wartezeit als vereinbart gilt. Zudem kann nur einmalig nachversichert werden. Weiterhin entfällt dieser Passus für bestimmte Berufsgruppen generell.

 

Man kann also grob vereinfacht sagen,dass diese Option für ältere Versicherungsnehmer (ab 35 aufwärts) zumeist verpufft und sie sich auf die ereignisabhängigen Optionen beschrämken müssen.Daher gilt umso mehr,dass bei Vertragsbeginn eine möglichst auskömmliche Rentenhöhe vereinbart werden sollte oder dynamische Erhöhungen für eine Anpassung des Versicherungsschutzes sorgen.Auf das Thema „dynamische Erhöhungen“ wird in einem gesonderten Kapitel eingegangen.

 

Eine Besonderheit am Markt stellt die Regelung der Alte Leipziger dar.Sinngemäß gilt für die Nachversicherung die dem Ursprungsvertrag zugrunde liegende Gestaltung in Bezug auf die Vertragslaufzeit.Habe ich nun bspw. In dem Ursprungsvertrag nur eine Laufzeit bis zum Endalter von 60 Jahren vereinbart,gilt diese Laufzeit auch für den aus der Nachversicherung entstehenden Vertragsteil.

Die AL jedoch bietet die Möglichkeit,die Nachversicherung(en) bis zu einem Endalter von 67 Jahren abzuschließen,wenn dem Ursprungsvertrag mindestens ein Endalter von 60 Jahren zugrundeliegt.Das bietet im Zweifelsfall interessante Gestaltungsmöglichkeiten und ist als eine deutliche Besserstellung gegenüber den herkömmlichen Regelungen zu werten.

 

Schlussendlich möchte ich mich der Frage widmen:Wie funktioniert die technische Umsetzung einer Nachversicherung?Hierzu gibt es 2 Möglichkeiten:

 

a) die Erhöhung erfolgt zu den gleichen Voraussetzungen wie der ursprüngliche Vertrag.Das bedeutet,dass für die Nachversicherung sowohl die gleichen Versicherungsbedingungen als auch die gleichen Rechnungsgrundlagen zugrundegelegt werden.So verfahren bspw. die Continentale oder Canada Life.Rechnungsgrundlagen meint z.B. den gültigen Rechnungszins oder aber die Annahmen des Versicherers zur Entwicklung der versicherten Risiken oder Kosten.

 

b) die Erhöhung erfolgt zu den zum Zeitpunkt der Erhöhung gültigen Rechnungsgrundlagen und Tarifbestimmungen.

 

Nun ist es schwierig zu beurteilen,welche Regelung nun die bessere ist.Hier möchte ich mal meine persönliche Meinung zum Ausdruck bringen:Was ich habe,das habe ich.Bin ich von einem Anbieter überzeugt,habe ich bei der Variante a) die Gewissheit,dass mein gutes Bedingungswerk auch bei einer Nachversicherung Gültigkeit hat.Und auch die einmal gekauften Rechnungsgrundlagen können sich in Bezug auf den Rechnungszins ,der für die Prämienermittlung eine Rolle spielt,als zukünftig vorteilhaft erweisen.

Auf der anderen Seite ließ sich über die Jahre erkennen,dass sich der Leistungskatalog der Anbieter sukzessive verbessert hat.Es kann natürlich auch sein,dass ein Anbieter zum Zeitpunkt der NV ein deutlich verbessertes Bedingungswerk im Angebot hat.Dann profitiere ich als VN von diesen Verbesserungen,was mir wiederum bei der Variante a) verwehrt bliebe.

 

Abschließend lässt sich diese Frage aus meiner Sicht nicht klären,und meine persönliche Einschätzung muss keinesfalls „die richtige“ sein.

 

Eines jedoch bleibt beiden Varianten gemein:Sollten im Ursprungsvertrag Risikoausschlüsse oder Beitragszuschläge vereinbart worden sein,so gelten diese auch für den durch die Nachversicherung neu entstandenen Vertrag.Ein Ausschluss oder Zuschlag lässt sich durch eine Nachversicherung nicht aushebeln.

 

Ebenso erfolgt die Nachversicherung in der Risikogruppe,dem der bei Abschluss des Ursprungsvertrages versicherte Beruf zu grundeliegt.

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6.4 Zahlungsschwierigkeiten und Berufsunfähigkeitsversicherung

 

Ich muss gestehen, dass uns dieser Punkt beinahe trotz 4-Augenprinzips durchgerutscht wäre und nur durch einen Hinweis von tyr dann doch noch eingefügt wurde.

 

Dieser Punkt hat keinen direkten Einfluss auf die bedingungsgemäße Leistungswahrscheinlichkeit, kann aber sehr wohl maßgeblich hinsichtlich der Anpassbarkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung an die Lebensentwicklung sein.

 

Im Falle von Zahlungsschwierigkeiten, beispielsweise in Folge einer Arbeitslosigkeit, droht eine deutliche Reduzierung des ursprünglich vereinbarten Versicherungsschutz. Im Falle einer (dauerhaften) Beitragsfreistellung wird aus den bisherigen BU-Beiträgen eine beitragsfreie Rente gebildet, die nur einen Bruchteil der ursprünglich vereinbarten Leistungen betragen würde.

 

Es bestehen je nach Konstellation auf Basis diverser sozialer Leistungen zwar auch verschiedene Ansprüche auf Fortzahlung durch die Ämter, diesen Teil anhand der SGBs an dieser Stelle durchzuprügeln würde jedoch den inhaltlichen Rahmen maßgeblich sprengen.

 

Daher die kurz gefasste Eingangsthese: Im Falle von Zahlungsschwierigkeiten droht der weitgehende Verlust des Versicherungsschutzes.

 

Die Anbieter sind individuell frei entsprechende Regelungen zu treffen, inwiefern und wie lang der Versicherungsschutz auch ohne reguläre Beitragszahlung aufrecht erhalten werden kann, beispielsweise durch eine Stundung der Beiträge. Individuell frei weist schon darauf hin, die Regelungen unterscheiden sich erheblich.

 

Beispiele …

 

(5) Sie haben die Möglichkeit, eine Stundung oder Teilstundung der Beiträge gegen Zahlung von Stundungszinsen für maximal 24 Monate zu verlangen. Hierfür ist eine schriftliche Vereinbarung mit uns erforderlich. Voraussetzung für eine Stundung oder Teilstundung ist, dass die Beiträge für die ersten zwölf Versicherungsmonate vollständig gezahlt wurden.

 

Die Stundung ist zinslos, wenn Sie uns anhand eines Bescheids oder Leistungsnachweises eines gesetzlichen Sozialversicherungsträgers oder Versorgungswerks nachweisen, dass Sie

 

- arbeitslos sind,

- sich in der gesetzlichen Elternzeit befinden,

- erwerbsgemindert oder pflegebedürftig sind.

 

Wenn die genannten Anlässe enden, müssen Sie uns dies anzeigen. Eine

weitere Stundung ist wieder zinspflichtig.

 

Quelle: Alte Leipziger BV10, Stand 2015, §8 Abs. 5

 

Hier sehen wir beispielsweise die Regelung der Alte Leipziger, welche vergleichsweise weit greift. Bestand der Vertrag mind. 12 Monate und wurden die Beiträge in diesem Zeitraum gezahlt, kann eine Stundung für bis zu 24 Monate beantragt werden. Die gestundeten Beiträge sind später selbstverständlich nachzuzahlen.

 

Eine Stundung ist ggf. durch besondere Voraussetzungen auch zinsfrei möglich, in der Praxis aber irrelevant, da die meisten Anbieter Stundungsmöglichkeiten nur für maximal 6 Monate vorsehen.

 

Die „Idealregelung“ bietet die AL an dieser Stelle nicht. Zumal die „Idealregelung“ in dem Sinne nur vorbehaltlich der individuellen Erwartungen an die Stundungsmöglichkeiten bestimmt werden könnte.

 

Die wohl flexibelste BU Versicherung in diesem Kontext bietet wohl die Dialog an. Anders als bei bspw. obiger Regelung ist gem. des Lebensphasenmodells eine Rückzahlung nicht zwangsläufig notwendig.

 

Im Falle einer Arbeitslosigkeit übernimmt die Dialog einmalig die Beiträge für bis zu 6 Monate. Das ist so schon eine komfortable Regelung.

 

Im Falle der Geburt eines Kindes „schenkt“ die Dialog dem Kunden ebenfalls bis zu 6 Monate auf Antrag die Beiträge. Special: Die Geschichte ist nicht auf „einmalig“ begrenzt.

 

Zusätzlich besteht die Möglichkeit nach diesen Zeiträumen für bis zu 36 Monate auf die Mindestrente (600 Euro BU Rente) abzusenken und danach ohne erneute Gesundheitsprüfung wieder auf die ursprünglich vereinbarte BU Rente aufzustocken.

 

Zwecks Übersichtlichkeit sei der Beleg für diese Ausführungen anbei mit dem Werbeblatt der Dialog belegt, man möge es mir nachsehen.

 

Fazit zu BU und Zahlungsschwierigkeiten

 

Je nach individueller Präferenz für diesen Punkt - beispielsweise als Existenzgründer – sollte man sich durchaus genau anschauen, welche Möglichkeiten der gewünschte Tarif im Falle eines Falles anbietet.

 

Kann man es selbst nicht, gilt auch hier im Zweifelsfall: Schwarz auf Weiß zeigen und ggf. dokumentieren lassen.

Innovative_Leistungsmerkmale_D.pdf

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