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Berufsunfähigkeitsversicherung - Tipps und Tricks

35 Beiträge in diesem Thema

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7) Technische Details sowie Tricks und Kniffe

 

 

 

 

Kuju: Thema Ersparnis bei jährlicher Zahlweise

 

Eine zusätzliche Ersparnis kann sich ergeben, so man statt monatlicher auf beispielsweise jährliche Zahlweise umstellt. Die Gesamtersparnis beträgt unabhängig von der individuellen Konstellation etwa rund 3 % der Versicherungsprämie durch jährliche Zahlweise. Nice to know: Eine Umstellung ist jederzeit möglich. Man kann also auch anfänglich mtl. zahlen und später (wenn es am Geld hapert) umstellen, der Effekt bleibt der Gleiche.

 

Es gibt auch Gesellschaften ohne diesen Zuschlag für unterjährige Zahlweisen, zum Beispiel eine InterRisk.

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Geschrieben · bearbeitet von polydeikes

7.1 Tätigkeitsbeschreibung und Berufsgruppeneinstufung

 

Ein generell von mir mit großer Skepsis beäugter Trend ist der unsägliche Hang zu Listenpreisen.

 

Klar, es ist unglaublich bequem: Chucky24 oder vergleichbare Seiten aufrufen, ein paar Angaben machen und schon bekommt man einen Preis ausgespuckt. Dazu gibt es gratis noch ein paar Sternchen, Eulchen oder Kochlöffelchen, welche die Qualität des Angebots darstellen sollen.

 

An nachfolgenden Beispielen möchte ich aufzeigen, warum diese Fixierung auf Listenpreise unsinnig ist und warum ein versierter Vermittler sich durchaus rechnen kann.

 

Längst nicht immer ist klar, in welche Risikogruppe ein bestimmter Beruf einzustufen ist. Das liegt nicht zuletzt an den monströsen Entwicklungen hinsichtlich von Berufsbezeichnungen.

 

Beispiel 1:

 

Unser Musterkunde Max Müller ist zunächst einmal gemäß Berufsbezeichnung „Sachbearbeiter“. Aus dieser Berufsbezeichnung ist absolut nicht erkennbar, was Max Müller eigentlich tut oder welche Qualifikationen sein Beruf erfordert. Bearbeitet er halbtags irgendwelche Sachen am Ticketschalter der deutschen Bahn? Oder ist er vielleicht gut bezahlter und akademisch ausgebildeter Spezialist?

 

Wähle ich einfach nur den Sachbearbeiter, können bei der Einstufung schnell mal eben 2-3 Berufsgruppen und somit durchaus 30 oder mehr Prozent Beitragsunterschied entstehen.

 

Abhilfe schafft hier nur eine klare Tätigkeitsbeschreibung, mit der man den Versicherer zwingt, eine zur Tätigkeit adäquate Risikoeinstufung vorzunehmen. Und ja, das kann eine Menge Geld sparen.

 

Beispiel 2:

 

Max Muster hat ein Studium der Wirtschaftsinformatik hinter sich und arbeitet auf einer Projektleiterstelle. Der Projektleiter kann hoch anspruchsvolle akademische Tätigkeiten ausüben, er könnte aber genau so gut selbst Kaffee für die Meetings kochen und Kabel in die Wand stecken.

 

Ein blöder Fehler wäre hier, einfach die Einstufung Wirtschaftsinformatiker zu wählen, nur weil diese die beste Berufsgruppe brächte. Das wäre eine astreine Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung, denn Max Muster ist nun mal Projektleiter und nicht Wirtschaftsinformatiker.

 

Sehr wohl kann ich aber auch hier den Weg über eine Tätigkeitsbeschreibung gehen. Diese kann wahlweise vorab, bspw. per Rivo eingereicht werden … oder es wird eben die Einstufung Wirtschaftsinformatiker beim Antrag gewählt UND die Tätigkeitsbeschreibung beigefügt. Somit bin ich auch auf diesem Weg aus der Kiste eine Verletzung vorvertraglicher Anzeigepflichten raus.

 

Wie sieht so eine Tätigkeitsbeschreibung aus und was bringt das?

 

Nun. Bei einer Tätigkeitsbeschreibung macht man im Prinzip nichts Anderes, als den tatsächlichen Tagesablauf, die erforderlichen Qualifikationen, das Einkommen und natürlich weitere risikorelevante Gegebenheiten einfach aufzulisten.

 

Grundsätzlich gilt: Wir unterschätzten den Anspruch unseres Berufs, da wir diesen eben Tag für Tag ausüben. Aus einer Tätigkeitsbeschreibung sollte also verständlich und prägnant hervorgehen, welche Dinge ein Bewerber heute mitbringen müsste, um meine Tätigkeit überhaupt ausüben zu können.

 

Ein Techniker könnte zum Beispiel sehr wohl regelmäßig bspw. erhöhter Lärmbelästigung ausgesetzt sein, oder er sitzt eben den ganzen Tag im Büro. Anders als bei obigen Beispielen ist die Tätigkeit Techniker im Sinne der Berufsgruppeneinstufung jedoch eine Mischkalkulation.

 

Das heißt, die meisten Versicherer werden hinsichtlich der Berufsbezeichnung Techniker nicht unterscheiden, ob nun 40 oder 80 % im Büro gearbeitet wird, es wird ein gemitteltes Risiko berechnet.

 

Für solche Fälle gibt es zwei Ansätze. Der Techniker ist normalerweise nur eine Weiterbildung, man hat in der Regel vorher einen Beruf gelernt. An einem praktischen Beispiel: Ein Kunde war zuvor ausgebildeter Bauzeichner, hat sich aber als Bautechniker weiterqualifiziert.

 

Die Einstufung als Bauzeichner war gegenüber dem Techniker vorteilhaft. Dank der vorhandenen Ausbildung und einer Tätigkeitsbeschreibung war es möglich den Kunden nach Absprache mit der Gesellschaft als Bauzeichner, statt als Techniker zu versichern.

 

Am konkreten Beispiel:

 

Versicherer LV1871, 1200 Euro BU Rente für jungen Kunden bis 65:

 

Ausgeübter Beruf Bautechniker: mtl. 69,55

Erlernter und nach Absprache eingestufter Beruf Bauzeichner: 58,58 mtl.

 

Bei einer Laufzeit von 41 Jahren ergab sich für den Kunden eine Ersparnis von 5412 Euro. Mit jeder weiteren Erhöhung der BU Rente - bspw. über Dynamiken - wächst die Ersparnis weiter. Solche Manöver erfordern selbstverständlich die Absprache mit dem Versicherer und einen Vermittler, der weiss was er tut. Experimente in Eigenregie und ohne Absprache laufen immer auf eine VVA hinaus.

 

Der zweite Ansatz ist die Wahl eines Versicherers mit breitem Spektrum an Berufsgruppeneinstufungen. Diese Einstufungen sind nicht bei allen Gesellschaften gleich. Der eine Versicherer verwendet 4 Berufsgruppen, der nächste verwendet gleich mal eben 10 davon.

 

Bei einer Bayerischen kann für praktisch jede Tätigkeit eine 80 % Bürotätigkeit gewählt werden, wodurch sich eine bessere Einstufung ergeben könnte. Allerdings ist der oben beschriebene erste Ansatz klar vorzuziehen.

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7.2. Karenzzeit

 

 

 

1.Was genau bedeutet Karenzzeit?

 

Eine Karenzzeit ist der Zeitraum,in dem die vereinbarte BU-Rente noch nicht gezahlt wird.Sie ist am Ehesten vergleichbar mit der Lohnfortzahlung durch die Krankenkasse bei einer Arbeitsunfähigkeit ,die erst nach Ablauf von 6 Wochen gezahlt wird.Ein auch für Laien gut greifbarer Begriff wäre „Wartezeit“.

 

Der BU-Versicherer erbringt die vereinbarte Leistung dann erst nach Ablauf des vereinbarten Zeitraumes.Voraussetzung ist jedoch,dass die Berufsunfähigkeit während der Karenzzeit dauerhaft bestanden hat und mit deren Ablauf noch andauert.Rückwirkende Leistungen,wie sie viele Versicherer vorsehen,sind demnach nicht möglich.Eine Karenzzeit wird auch nicht von allen Versicherern angeboten.

 

Eine Karenzzeit beträgt in der Regel 6 Monate,es können aber auch längere Zeiten vereinbart werden.Das macht sich in einer geringeren Prämie bemerkbar.

Dabei sollte der Kunde aber bedenken,dass die leistungsfreie Zeit bspw. durch angesparte Rücklagen abgesichert sein sollte.

 

Es lässt sich feststellen,dass sich die Prämienersparnis in der Regel in Grenzen hält.Vereinbare ich bspw. Eine Karenzzeit von 6 Monaten,so liegt die Ermäßigung zumeist unter 10% der Prämie.Grundsätzlich muss ich also nicht nur in der Lage sondern auch willens sein,den verspäteten Rentenanspruch durch Rücklagen auffangen zu können.

 

2.Unterschiedliche Modelle

 

Die kürzeste zu vereinbarende Karenzzeit bei einer BU beträgt 6 Monate.Es sind aber auch längere Laufzeiten wählbar,zumeist bis hin zu 24 Monaten.

 

3.Karenzzeit ja oder nein?

 

Es ließe sich argumentieren,dass eine Karenzzeit für Arbeitnehmer eher einen Sinn ergeben könnte als für Selbständige oder Freiberufler.Der AN hat einen Lohnfortzahlungsanspruch gegen seinen Arbeitnehmer oder bei langer Arbeitsunfähigkeit auch gegen seine Krankenkasse.Dieser Anspruch entfällt für Freiberufler zumeist.Ohne hier vertiefend auf die Problematik Berufsunfähigkeit ungleich Arbeitsunfähigkeit eingehen zu wollen,kann man festhalten,dass je nach persönlichem Bedarf unterschiedliche Berechnungen zur Sinnhaftigkeit einer Karenzzeit angestellt werden müssen.

 

Vereinfacht formuliert:Arbeitnehmer mit Anspruch auf Lohnersatzleistungen oder ein entsprechendes Krankentagegeld bzw. angemessenen Rücklagen könnten sich eher Gedanken über eine Karenzzeit machen als Personen,die diese Voraussetzungen nicht oder nur eingeschränkt erfüllen (wie bspw. Existenzgründer,Studenten,Berufseinsteiger…).

 

4.Die Unterschiede in den Bedingungswerken

 

Allen Vereinbarungen zur Karenzzeit ist gemein,dass die Berufsunfähigkeit während der Karenzzeit dauerhaft bestanden haben und mit deren Ablauf noch bestehen muss.Die Unterschiede kommen dann zutage,wenn es um die Frage geht,was nach einem Wegfall der Berufsunfähigkeit und einem späteren,erneuten Eintreten passiert.

 

Nachfolgend also beispielhaft Auszüge aus verscheidenen Bedingungswerken,die die Unterschiede deutlich machen sollen.

Es geht dabei in erster Linie um die Frage,ob bereits zurückgelgte karenzzeiten bei einer erneuten BU angerechnet werden und unter welchen Voraussetzungen das der Fall ist.

 

 

a) Alte Leipziger

Eine Anrechnung erfolgt nur dann,wenn eine erneute BU innerhalb von 24 Monaten festgestellt wird und auch nur,wenn die Ursache dieselbe wie beim erstmaligen Eintritt ist.

 

 

b) Canada Life

Auch hier muss für eine Anrechnung derselbe medizinische Grund für eine erneute Berufsunfähigkeit ursächlich sein.Allerdings beschränkt die CL den zeitraum nicht auf 24 Monate,sondern stellt nur klar,dass die erneute Berufsunfähigkeit vor Ablauf der Versicherungsdauer eingetreten sein muss.

 

c) Europa Premium BU

Beschränkt den Zeitraum auf 48 Monate,verzichtet aber darauf,dass der grund derselbe sein muss wie bei erstmaliger Feststellung der berufsunfähigkeit.Das ist im Vergleich zur Alte leipziger eine deutlich bessere Regelung.

 

Es wird deutlich,dass es auch in diesem Teilbereich keine einheitliche Verfahrensweise der Versicherer gibt.

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7.3 Welches Endalter in der Berufsunfähigkeitsversicherung wählen?

 

 

Eine der häufigeren Fragen: „Soll ich mich nun bis 65, 67 oder wie auch immer versichern?“

 

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Zunächst sei erwähnt, dass längst nicht jeder Beruf hier überhaupt die freie Wahl hat. Grundsätzlich gilt: Je höher das BU Risiko, desto eher wird schon seitens des Versicherers das maximal versicherbare Endalter begrenzt.

 

Und ein höheres BU Risiko haben beispielsweise auch Lehrer, es muss nicht immer gleich der Dachdecker als Beispiel herhalten.

 

Es gilt ebenfalls recht pauschal, so denn möglich, sollte ich gerade als junger Mensch eine möglichst langfristige Absicherung anstreben. Das liegt einfach schon daran, dass es keinerlei Garantie dafür gibt, wie bspw. die Regelaltersgrenze in 30 oder 40 Jahren aussehen mag.

 

Diesen pauschalen Überlegungen stehen jedoch handfeste finanzielle Gründe entgegen. Wählt man bspw. das Endalter 65 statt 67, sind das ca. 15-20 % Beitragsersparnis. Nachfolgend ein paar Zahlen:

 

Alte Leipziger, Geburtsdatum 10.09.1990, Berufsgruppe 1+, 2000 Euro BU Rente

 

Bis 67 - 88,54 € Listenpreis

Bis 65 - 76,14 € Listenpreis

Bis 63 - 65,82 € Listenpreis

Bis 60 - 53,56 € Listenpreis

 

Man sieht, im Endalter schlummert doch so einiges Sparpotential. Sollte ich mich aber für ein abgekürztes Endalter entscheiden, wäre es ggf. von Vorteil, wenn die Option einer späteren Anpassung bestünde.

 

Direkt ist das nie der Fall, indirekt über Nachversicherungsoptionen schon, siehe entsprechendes Kapitel im how to. So kann bspw. bei der Alten Leipziger der Nachversicherungsteil bis 67 abgeschlossen werden, wenn der Ursprungsvertrag wenigstens bis 60 lief.

 

Bei Versicherern, bei denen die Nachversicherung im Tarif läuft, ist das hingegen nicht möglich.

 

Welches Risiko gehe ich mit einem abgekürzten Endalter ein?

 

Im Forum tritt ein bestimmter Denkfehler immer wieder auf: „Na 2-3-4-5 Jahre überbrücke ich auch aus eigener Tasche ...“

 

Diese Denkweise setzt bspw. voraus, dass man Endalter 63 gewählt hätte und dann mit 64 berufsunfähig ist. Für diesen Fall mag die Überlegung funktionieren, zur Not geht man halt ggf. mit Abschlägen in die gesetzliche Rente.

 

Was aber, wenn die BU relativ früh eintritt? Nehmen wir an, ich werde als Arbeitnehmer bereits mit 40 Jahren BU und bleibe es auch. Dann fehlen mir Stand heute schon 27 Jahre Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Muss ich dann auch noch meine für die Altersvorsorge bestimmten Rücklagen aufbrauchen, um bspw. für 5 Jahre das Essen auf dem Tisch bezahlen zu können, hab ich spätestens im Rentenalter ein handfestes finanzielles Problem.

 

Welche Alternativen gibt es?

 

Im Wesentlichen gibt es aus meiner Sicht 2 Alternativen. Die eine wäre eine BUZ Konstruktion, dem Thema ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

 

Die andere Alternative wäre ein abgekürztes Endalter, bei ungekürzter Leistungsdauer. Hieße bspw., die BU muss bis bspw. Endalter 63 eingetreten sein, ist das der Fall, wird bis 67 gezahlt.

 

Zahlen gem. dem oberen Beispiel:

 

Endalter und Leistungsschlussalter je 67: 88,54 € Listenpreis

Endalter 63 und Leistungsschlussalter 67: 86,75 € Listenpreis

 

Wie man sieht, ist die Ersparnis in diesem Fall minimal. Daher ist diese Variante aus meiner Sicht keine echte Alternative.

 

Fazit zum Endalter

 

Ich persönlich bin ein Verfechter davon, dass man eine BU nur bis bspw. 65 abschließt, insofern …

 

- der BU Absicherungsumfang bedarfsgerecht ist

- der BU Absicherungsumfang in absoluter Summe hinreichend ist (von 750 Euro mtl. lebt nur ein Student und auch das nur für ein paar Jahre)

- es sich evtl. um eine sinnvolle BUZ handelt

- man genug verdient um Rücklagen aufzubauen

- der gewählte Tarif wie auch immer geartete Anpassungsmöglichkeiten zulässt

 

Ist keine der Voraussetzungen erfüllt, würde ich es tunlichst unterlassen das Endalter zu kürzen.

 

Generell sollte berücksichtigt werden, dass kein Versicherer eine generelle Verlängerungsoption ohne wenn und aber für den ursprünglich ggf. falsch abgeschlossenen Grundvertrag anbietet. Es ist nicht völlig unmöglich eine solche Änderung umzusetzen, es ist aber reiner „guter Wille“ des Versicherers.

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7.4 Buz oder SBU?

 

Ein sehr häufiges Vorurteil lautet: „Altersvorsorge und Risikovorsorge müssen strikt voneinander getrennt werden.“

 

Zwar ist damit in erster Linie eine produktbezogene Trennung gemeint. Aber den Fokus auf Produkte vor einer konzeptionellen Betrachtung zu legen, das ist ohnehin eine mehr als fragwürdige Herangehensweise.

 

Überlegen wir einmal kurz, warum eine konzeptionelle Trennung von BU und Altersvorsorge gar nicht möglich ist.

 

Entscheide ich mich für eine Berufsunfähigkeitsversicherung, entscheide ich mich für eine Absicherung des durch meine Hände und meinen Kopf erreichten Status. Kurzum, eine Absicherung des zuletzt ausgeübten Berufs, so wie dieser bedingungsseitig bspw. hinsichtlich Vergütung, Ausbildung, Qualifikation oder sozialer Wertschätzung ausgestaltet ist.

 

Oder platt formuliert: Ich entscheide mich mind. für eine Absicherung meines laufenden Einkommens. Quer gedacht: Mit der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente, so ich überhaupt eine bekomme, sichere ich nur die reine Arbeitsfähigkeit ab, jeder soziale Abstieg ist hinzunehmen, eine Einkommensabsicherung findet nicht statt.

 

Aus dem laufenden Nettoeinkommen bestreite ich nun wieder Beiträge zur Altersvorsorge, bspw. ETF Fondssparplänen. Dabei wird jedoch völlig vernachlässigt, dass beim Arbeitnehmer bereits 18,7 % des Bruttoeinkommens bis zur Beitragsbemessungsgrenze an die gesetzliche Rentenversicherung geflossen sind.

 

Selbst wenn ich mich sehr umfangreich gegen eine BU absichere (was in der Praxis äußerst selten der Fall ist), sichere ich bestenfalls die Möglichkeit eigenverantwortliche Sparpläne fortzuführen ab. Und umfangreich heißt bei einer BU etwa 70 % des Bruttos oder 90 % des Nettos, viel mehr ist in gängigen Konstellationen meist gar nicht möglich.

 

Man könnte bspw. schon an der Stelle in Frage stellen, dass Menschen, die heute nicht einmal 10 % des Nettos für Vermögensaufbau / Altersvorsorge zur Seite legen, im Falle einer BU noch großartig sparen würden oder könnten.

 

Das eigentliche Problem besteht aber darin, dass die 18,7 % Arbeitnehmer und Arbeitgeberbeiträge im Falle einer BU schlichtweg überhaupt nicht abgesichert sind. Und das ist ja die Basis, auf der eigenverantwortliche Sparbemühungen überhaupt erst aufsatteln.

 

Das führt zu folgender Schlussfolgerung: Selbst wenn ich eine anfänglich umfassende BU Absicherung wähle, bei einer langfristigen BU verschiebe ich die finanziellen Probleme nur ins Rentenalter, denn eine BU endet in der Regel mit einem bestimmten Endalter. (Ausnahme LV1871)

 

Von daher: Wie soll es möglich sein Altersvorsorge und Risikovorsorge getrennt voneinander zu betrachten?

 

Welche Möglichkeiten gibt es BU und Altersvorsorge unter einen Hut zu bekommen?

 

Eigentlich gibt es zwei grundsätzliche Varianten:

 

- An Versicherungssparverträge eine Beitragsbefreiung und beitragsfreie Dynamik anhängen

- An eine BU einen minimalen Sparbaustein mit Beitragsbefreiung und Dynamik anhängen und die BU somit zur BUZ zu machen

 

Gegen die erste Variante spricht so Einiges. Es dürfte in der Regel wenig sinnvoll sein den Großteil der eigenen Altersvorsorge auf Versicherungsverträge zu bauen. Es ist aber auch gar nicht wirklich notwendig die gesamten Altersvorsorgebemühungen abzusichern. Das wäre nur unnötig teuer.

 

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Dennoch sei die Funktionsweise hier kurz erklärt:

 

Ich schließe bspw. eine Rentenversicherung mit 300 Euro mtl. ab. Kann ich dem Versicherer nun anhand seiner Bedingungen nachweisen, dass ich bedingungsgemäß berufsunfähig bin, übernimmt der Versicherer von diesem Zeitpunkt an die Beiträge zum Sparvertrag für mich. Das ist der Baustein Beitragsbefreiung.

 

Vereinbare ich zusätzlich eine beitragsfreie Dynamik, nimmt der Versicherer für mich vom Zeitpunkt der Berufsunfähigkeit an jede einzelne Dynamik mit und erhöht somit die Sparleistung.

 

Beide BUZ Bausteine kosten zunächst einmal Versicherungsprämien und das nicht zu knapp. Ich habe zudem den Nachteil bei der Dynamik, dass ich ggf. alle Dynamiken bis dato für meinen Sparbaustein mitgenommen haben müsste, oder bspw. zumindest jede Dritte.

 

Zudem müsste ich meist eine minimale BU Rente (bspw. 50 Euro BU Rente) zusätzlich abschließen, um überhaupt die anderen beiden Bausteine bekommen zu können.

 

Im 300 Euro Beispiel lege ich dann für diese Konstellationen rund 8-10 % meiner Sparbeiträge als Versicherungsprämie auf den Tisch. Halte ich persönlich für sinnfrei.

 

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Nun gibt es noch die Zwischenlösung zwischen ersterer und zweiterer Variante. Heißt: Vollwertige BU mit vollwertigem Sparbaustein.

 

Das wird beispielsweise bei Rürup Verträgen mit BUZ praktiziert. Dort muss der Sparbaustein mind. immer den BU Beitrag knapp überschreiten.

 

Die Schichtenproblematik (eigenes Kapitel) mal außen vor, hat diese Variante praktische Nachteile. Um meine BU zu dynamisieren, sprich an die Kaufkraft- und Einkommensentwicklung anzupassen, müsste ich jedes Mal auch den Sparbaustein ebenfalls dynamisieren. Das ist reichlich unflexibel und vor allem teuer.

 

Auch eine Nachversicherung der BU Rente ist entweder nur in Abhängigkeit vom oder bei gleichzeitiger Erhöhung des Sparbaustein(s) möglich.

 

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Und zu guter Letzt gibt es die Variante zwei. Auch bei dieser wird ein Sparbaustein abgeschlossen, aber in Schicht 3 (ungefördert) und so minimal wie möglich.

 

In diesem Kontext setzt sich ein Anbieter hinsichtlich der Möglichkeiten deutlich vom Markt ab, das ist die Alte Leipziger. Hier kann ich den Sparbaustein so konstruieren, dass die daraus zu erwartende garantierte Rente nur 1/20tel der BU Rente betragen muss.

 

Bei einer angestrebten BU Rente von bspw. 1000 Euro muss ich also nur 50 Euro garantierte Rente aus dem Sparbaustein erreichen.

 

Und je jünger ich bin (desto höher auch das Risiko langfristiger BU), desto weniger Beitrag muss ich zahlen, um 50 Euro garantierte Rente zu erreichen. Angemerkt: Wähle ich einen klassischen Sparbaustein, wird der Rechnungszins / Garantiezins berücksichtigt und ich benötige wiederum weniger laufenden Beitrag als bei einer fondsgebundenen Variante.

 

Am konkreten Beispiel:

 

Geburtsdatum 10.09.1995

BU Rente 1000 Euro bis 67

Garantierte Rente 50

Berufsgruppe 1+ (kaufmännischer Angestellter ohne akademische Qualifikation)

 

 

RV15 - Sparbaustein Brutto - 27,02 € / Netto 27,02 €

BZ10 - BUZ - Brutto 57,64 € / Netto 41,49 €

 

= Gesamtbeitrag Brutto 84,66 € / Netto 68,51 €

 

 

Der Beitrag zum Sparbaustein beträgt in diesem Fall gerade einmal 27,02 Euro bei mtl. Zahlweise. Jährliche Zahlweise spart zusätzlich. Diese Konstruktion ist sogar Hartz 4 sicher, bis 43 Euro mtl. übernehmen die Ämter auf Antrag auch den Sparbaustein.

 

Aus dem Sparbaustein entstehen im Falle dessen, dass keine BU eintritt, garantierte Ablaufleistungen von 16.488,76 € . Bleibt zusätzlich die aktuelle Überschussbeteiligung unverändert, würden sogar 32.640,95 € Euro zur Verfügung stehen. Das ist immerhin mind. ein sehr attraktives Festgeld.

 

Richtig interessant wird der Spaß aber, wenn eine langfristige BU eintritt. Verdeutlicht wird dies durch den beigefügten Dynamikverlauf im Anhang. Schauen wir uns die letzte Spalte des PDFs an, „garantierte einmalige Kapitalauszahlung“:

 

Würden über die gesamte Laufzeit die 27,02 Euro mtl. eingezahlt, ergäben sich beschriebene 16.488,76 € Euro Kapitalabfindung.

 

Würde man allerdings noch im Jahr des Abschlusses berufsunfähig, würde der Versicherer in Folge ja jede einzelne Dynamik mitnehmen. Und die Dynamik lässt sich in dieser Konstruktion auf bis zu 10 % vereinbaren, im Gegensatz zur SBU mit nur 5 % Beitragsdynamik.

Durch den Dynamikeffekt ständen dann im Jahr 2061 mal eben 747.112,42 Euro garantierte Ablaufleistung zur Verfügung. Und das ist nur mit 1,25 % Rechnungszins vor Kosten gerechnet, statt mit realer Verzinsung.

 

Zusammenfassung der Vorteile der BUZ Konstruktion über eine MINI BUZ

 

Die Gestaltung der BUZ Konstruktion kann aus verschiedenen Gründen attraktiv sein. Im Falle einer BU übernimmt der Versicherer die Sparbeiträge und nimmt jede einzelne Dynamik mit. Im Falle einer langfristigen BU ergeben sich durch den Zinseszinseffekt erhebliche Sümmchen.

 

Gleichzeitig verschenke ich meine Sparbeiträge ja nicht, ich lege sie halt etwas mehr als Festgeldkonditionen an. In Anbetracht der geringen Aufwendungen kann von Altersvorsorge aber wohl kaum gesprochen werden. Es ist vielmehr ein kleiner Sparbaustein, welcher der Risikovorsorge entsprechend dem zuvor beschriebenen Effekt dient.

 

Darüber hinaus erreiche ich über die BUZ bis zu 10 % Beitragsdynamik, bei der SBU nur 5 %. Das ist zum Einen so ziemlich die einzige Möglichkeit starke Einkommensentwicklungen in einer BU bedarfsgerecht abzusichern (Nachversicherung endet bei 30.000 Euro BU Rente), zum anderen durch ein paar Specials des genannten Anbieters attraktiv:

 

- den Dynamiken kann beliebig oft widersprochen werden, sie fallen nie raus

- die Dynamiken werden nicht auf die Nachversicherung angerechnet

- es ist möglich als Nachversicherung eine SBU ohne Sparbaustein abzuschließen

- es ist möglich ein abweichendes Alter von bis zu 67 für die Nachversicherung zu wählen, so der Ursprungsvertrag mind. bis 60 lief

 

Für Studenten gibt es zusätzlich über die so genannte Jungakademikerregelung die Möglichkeit in der BUZ in Berufsgruppe 1++ gestuft zu werden, was zusätzlich deutlich geringere BU Beiträge als in Berufsgruppe 1+ bspw. bedeuten würde. Diese Regelung gilt dann auch für die Nachversicherung.

 

Eine weitere theoretische Möglichkeit möchte ich nur kurz ansprechen, da ich nichts von dieser halte: Im Zuge der BUZ Tarife kann der Beitrag für mehrere Jahre zunächst als „Startbeitrag“ rabattiert werden. Diese Variante wird gern in den häufig im Forum zu lesenden Rürupangeboten seitens MLP verwendet. Nachteil der Variante: Was ich anfänglich spare, lege ich zu einem späteren Zeitpunkt mit erheblichem Aufschlag wieder oben drauf. Über die gesamte Laufzeit gesehen kommt diese anfängliche Rabattierung verdammt teuer.

Verlauf_der_Dynamik(4).pdf

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7.5 Berufsunfähigkeitsversicherung in Schicht 1, 2 oder 3?

 

 

Gerade Rürup + BUZ Konstruktionen werden im Forum häufig thematisiert, es ist ein leidiges Thema. Vor allem dann, wenn uns selbsternannte Rechenkönige mal wieder die Welt erklären wollen.

 

Peter, Alex und ich haben uns schon sehr oft die Finger in diesem Kontext wund getippt. Daher soll an dieser Stelle noch einmal eine etwas ausführlichere Überlegung zu der Geschichte angestellt werden.

 

Was sind die Schichten 1,2,3?

 

Beim Schichtenmodell werden die Varianten der Altersvorsorge in eben 3 verschiedene Schichten eingeteilt:

 

Schicht 1: Gesetzliche Rentenversicherung und Basisrente

Schicht 2: bAV und Riester

Schicht 3: alles vom Sparplan bis zur Rentenversicherung, ungefördert

 

Beiträge zu Produkten aus Schicht 1 und 2 können steuerlich geltend gemacht werden. Dafür werden Leistungen aus diesen Produkten wiederum umfangreich besteuert.

 

Beiträge zu Produkten aus Schicht 3 können nur sehr eingeschränkt steuerlich geltend gemacht werden. Im Falle von BU Beiträgen bspw. nur dann, wenn der Sonderausgabenabzug nicht bereits durch die Krankenversicherung ausgeschöpft wird. Dafür werden die Leistungen steuerlich bevorzugt behandelt.

 

BU und bAV, nur ganz kurz

 

Im Forum spielt diese Konstruktion eine sehr untergeordnete Rolle. Der springende Vorteil dieser Konstruktion kann sein, dass ggf. BU Schutz mit stark abgekürzten Gesundheitsfragen möglich ist, den es so in keiner anderen Schicht gäbe.

 

Für den Fall, dass man sonst keine BU bekommen könnte, ergäbe sich evtl. im Rahmen von bAV + BU eine Alternative.

 

Ungeachtet dessen sind Leistungen aus einer BU in Schicht 2 voll zu versteuern und bei GKV Status voll zu verbeitragen. Da BU Leistungen immer nur in Höhe eines Teils des Bruttos abgesichert werden können, bietet die Schicht 2 BU kaum Chancen auf eine wirklich bedarfsgerechte BU Absicherung.

 

Ein zusätzliches Ärgernis kann die eingeschränkte Portabilität einer BU in bAV-Umsetzung bei einem Arbeitgeberwechsel darstellen.

 

BU in Schicht 3, ungefördert

 

Diese Lösung ist grundsätzlich die Ideallösung aus meiner Sicht. Für die Besteuerung ist die Grundlage der §55 EstDV: https://dejure.org/gesetze/EStDV/55.html

 

Die Leseart ist relativ einfach. Ich bin bspw. 40 Jahre alt, werde berufsunfähig und habe eine BU Versicherung mit Endalter 65 abgeschlossen.

 

So wähle ich in Spalte 1 der Tabelle die 25 Jahre Restlaufzeit und ordne das Ergebnis aus Spalte 2 zu, dort steht eine 26.

 

Im Klartext heißt das, 26 % der BU Rentenleistung sind zum persönlichen Steuersatz zu versteuern.

 

Bekomme ich als 2.000 Euro BU Rente, muss ich 2000 * 0,26 = 520 Euro versteuern. Mit 12*520 Euro läge ich unter dem steuerlichen Grundfreibetrag, es entsteht also gar keine Steuerlast, wenn ich nicht weitere steuerpflichtige Einkommen habe.

 

Die 2.000 Euro BU Rente wäre aus steuerlicher Sicht mein Nettoeinkommen.

 

Dies gilt inhaltlich auch für spätere Erhöhungen der BU Rente aus Überschüssen oder einer eventuell vereinbarten Leistungsdynamik.

 

BU in Schicht 1, Basisrente

 

Wesentlich komplexer sieht es bei einer Rürup BUZ aus. Die Beiträge können schrittweise ansteigend steuerlich geltend gemacht werden. 2015 zu 80 %, erst in 2025 zu 100 %.

 

BU Rentenleistung sind wiederum schrittweise ansteigend zu versteuern. In 2015 zu 70 % ab 2040 zu 100 %.

 

Werde ich beispielsweise in 2022 berufsunfähig und erhalte ich 2000 Euro BU Rente, muss ich 2000 * 0,82 = 1640 Euro davon zum persönlichen Steuersatz versteuern.

 

Das erste Grundproblem ist also, dass ich mich kaum bedarfsgerecht absichern kann, weil ich ja den potentiellen Zeitpunkt einer Berufsunfähigkeit nicht kenne. Den Zeitpunkt müsste ich aber kennen um entsprechend mehr Rentenleistung zu versichern, damit ich am Ende die gleiche steuerliche Rentenleistung wie in Schicht 3 bekomme.

 

Jeder mag für sich selbst rechnen. Bei der Grundproblematik einer eingeschränkten steuerlichen Absetzbarkeit und ggf. voller Besteuerung der Rentenleistung wird selbst bei Grenzsteuersatz 42 in der Regel nur eine steuerliche 0 Ersparnis zu Stande kommen, versichere ich die gleiche Nettorentenleistung Schicht 1 vs 3.

 

Eine Nullnummer ist für sich genommen ja aber noch kein wirkliches Problem. Zumal wir regelmäßig zu lesen bekommen, die Steuerbelastung für xyz BU Rente sei ja gar nicht so hoch.

 

Dabei sollte man jedoch zwei Dinge bedenken:

 

1) Es ist wenig zielführend von bspw. 1000 Euro anfänglichem Absicherungsumfang aus zu rechnen, irgendwann arbeitet man mal und wünscht ggf. eine sinnvolle BU Absicherungsumfang

 

2) Alle Rentenerhöhungen aus Überschüssen oder einer Leistungsdynamik sind IMMER zu 100 % zu versteuern, unabhängig vom Zeitpunkt

 

Und das ist das existenzielle Problem bei der Geschichte. Versichere ich nur die gleiche Bruttorentenleistung, habe ich zu Beginn der Berufsunfähigkeit zunächst halt eine geringere Nettorentenleistung in Schicht 1.

 

Mit jedem Jahr Berufsunfähigkeit steigt die Differenz zwischen Brutto- und Nettorentenleistung jedoch weiter an, da die Erhöhungen zu 100 % steuerpflichtig sind bei Rürup. Und das ist das eigentliche existenzielle Problem von BUZ+Rürup Konstrukten, verdeutlicht in nachfolgender Grafik.

 

Es spielt dabei für die Überlegung noch nicht einmal eine Rolle, dass der für Rürup erforderliche Sparbaustein meist wenig sinnvoll ist und stets im gleichen Maße zu erhöhen ist, wie der BU Beitrag (Sparbaustein muss über BU Beitrag liegen). Das ist dann noch einmal eine ganz andere Überlegung.

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7.6 Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten mit Bonus?

 

 

Es gibt vor allem 3 „Berufsgruppen“, die von Versicherern mit vermeintlichen Sonderkonditionen gelockt werden: Beamte, Ärzte, Studenten … Es dürfte aussichtslos sein Beamten zu erklären, dass sie vielleicht doch nichts „Besonderes“ sind, kleiner Scherz zur Einleitung.

 

Studenten sind eine ständig wiederkehrende „Erscheinung“ im BU Kontext in diesem Forum. Daher haben wir selektiv diesen Problemfall mit in das how to aufgenommen.

 

Beim Studenten sind zunächst zwei Dinge von besonderer Wichtigkeit:

 

1) Wie sieht die Berufsdefinition beim Studenten aus

2) Ist ein evtl. Bonus mit potentiellen Fallstricken verknüpft

 

Berufsdefinition Student?

 

Für sich genommen ist der Student kein wirklicher Beruf, den man hinsichtlich bspw. Einkommen oder sozialer Wertschätzung hinreichend bemessen kann.

 

Das führt dazu, dass die Regelungen in unterschiedlichen Tarifen gravierend voneinander abweichen können.

 

Die schlechtest mögliche Regelung wäre hierbei, dass der Student im Falle einer BU im Studium oder eines Studienabbruches und anschließender BU auf eine reine Erwerbsunfähigkeitsklausel verwiesen würde.

 

Diese Klausel kann sowohl in den Bedingungen selbst enthalten, als leider auch nur im Versicherungsschein dokumentiert werden. Vor allem letzteres macht es unheimlich schwierig diesen Fallstrick sinnvoll und umfassend beleuchten zu können.

 

Meine Empfehlung lautet daher, dass man sich vom Vermittler ggf. genau dokumentieren lassen sollte, was genau bei einer Berufsunfähigkeit als Student oder in Folge eines Studienabbruchs passiert. Sofern die Bedingungen keine klaren Regelungen treffen, ist das aus meiner Sicht unumgänglich.

 

Bedingungsseitige Ideallösung für Studenten?

 

Man könnte jetzt hingehen und verschiedene Regelungen im Detail anschauen. Das halt ich nicht für zielführend, da wie gesagt auch im Rahmen des Versicherungsscheins wiederum relevante Zusätze dokumentiert sein könnten.

 

Oder anders formuliert: Ich würde mich auf äußerst dünnes Eis begeben, würde ich hier versuchen vergleichend nur anhand von Bedingungen zu argumentieren.

 

Daher wähle ich an dieser Stelle den Weg und stelle die aus meiner Sicht ideale Regelung kurz vor, an der sich jede andere Regelung messen muss:

 

- Der Student sollte klar als Student definiert sein

- Es sollte nicht auf die reine Studierfähigkeit oder eine Erwerbsunfähigkeitsklausel abgestellt werden

- Im Idealfall wird der Student nach Erreichen eines bestimmten Zwischenstandes auf den mit dem erfolgreichen Abschluss eines Studiums regelmäßig zu erwartenden Beruf geprüft

 

 

(1) … Die Tätigkeiten von Hausfrauen/-männern, von Schülern, Studenten und Auszubildenden sehen wir als Beruf im Sinne von Satz1 an. Wir verzichten auf eine abstrakte Verweisung.

 

 

(3) Ist der Versicherte bei Eintritt der Krankheit, der Körperverletzung oder des Kräfteverfalls noch in der Berufsausbildung oder im Studium und hat er mindestens die Hälfte der gesetzlich vorgesehenen oder im Durchschnitt üblichen Ausbildungs- bzw. Studienzeit absolviert, wird im Rahmen der konkreten Verweisung (auf einen tatsächlich ausgeübten anderen Beruf oder eine andere Ausbildung) auf die Lebensstellung hinsichtlich Vergütung und sozialer Wertschätzung abgestellt, die regelmäßig mit dem erfolgreichen Abschluss einer solchen Berufsausbildung oder eines solchen Studiums erreicht wird.

 

Quelle: Alte Leipziger SBU, Stand 2014, § 2 Abs. 1 und 3

 

 

Hier sollte deutlich werden: Studenten und Auszubildende sind klar benannt und klar geregelt. Ist die Hälfte der gesetzlich vorgesehenen oder im Durchschnitt üblichen Studien- oder Ausbildungszeit absolviert, würde auf den mit einem erfolgreichen Abschluss verbundenen Beruf hin geprüft.

 

Individuelle Faktoren eines beispielsweise ausgezeichneten Studiums würde zwar auch hier außen vor bleiben, aber hinsichtlich Einkommen würde zumindest der Durchschnitt herangezogen werden.

 

Ganz plattes Beispiel: Ein BWLer hat im bundesweiten Durchschnitt ca. 42k Einstiegsgehalt. Es ist also völlig unmöglich konkret auf einen Bürogehilfen Beruf mit bspw. 25k Brutto zu verweisen.

 

Ist die zeitliche Voraussetzung nicht erfüllt, würde natürlich auch bei dieser Regelung zunächst nur die reine Studierfähigkeit geprüft. Aber hier wenigstens nur konkret. Heißt: Es müsste tatsächlich ein anderes Studium praktiziert werden. In anderen Bedingungswerken reicht die theoretische Möglichkeit ein anderes Studium ausüben zu können, um nicht BU zu sein.

 

Fallstricke bei Studentengoodies in der BU

 

Bei den diversen zusätzlichen „boni“ für Studenten gilt es ebenfalls aufmerksam zu prüfen. Wichtig ist aber zunächst: Eine Entscheidung sollte nie allein auf Basis eines vermutlichen Bonus getroffen werden, das ist hoffe ich aus den vorhergehenden Ausführungen verständlich geworden.

 

Bei den Studentengoodies gilt es wiederum zu prüfen, welche Voraussetzungen bis dato erfüllt sein müssen und in der Zukunft zu erfüllen sind.

 

Als Beispiel für eine besonders gefährliche Regelung möchte ich an dieser Stelle den Volkswohlbund nennen. In Abhängigkeit vom tatsächlichen Studiengang bietet der VWB eine potentiell bessere Berufsgruppeneinstufung an.

 

Bei der Einstufung des angestrebten Berufs haben wir zu Ihren Gunsten vorausgesetzt, dass Sie Ihr Studium erfolgreich beenden. Wir haben das Recht, die Einstufung zu verändern und Ihren Vertrag auf die Berufsklasse 1 umzustellen, wenn Sie uns 5 Jahre nach Beginn Ihres Berufsunfähigkeitsschutzes auf Anfrage nicht bestätigen, dass Sie das für den angestrebten Beruf angefangene Studium erfolgreich absolviert haben. Im Falle der Umstellung mindert sich ab diesem Zeitpunkt bei gleichem Beitrag Ihre versicherte Berufsunfähigkeitsrente. (Klausel als Vertragsbestandteil bei Besserstufung für Studenten)

 

Erfülle ich die Voraussetzungen nicht, wird die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente ohne alternative Möglichkeit herabgesetzt. Purzelt man bspw. von 1++ des VWB auf 1 herunter, bricht etwa ein Drittel der ursprünglich vereinbarten BU Rente weg.

 

Es besteht keine Möglichkeit durch Mehrbeitrag den Versicherungsschutz zu erhalten und auch die Nachversicherungsoptionen werden in Folge zum Problem.

 

Entscheide ich mich also für eine Sonderregelung, sollte ich immer genau prüfen, was im Falle eines Falles passieren könnte. Und im Zweifelsfall sollte ich mir das wenigstens schwarz auf weiß zeigen oder eben klar dokumentieren lassen.

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Geschrieben · bearbeitet von polydeikes

7.7) Berufsunfähigkeitsversicherung für Kinder?

 

Die Absicherung von Kindern ist ein wiederkehrendes Thema im WPF. Meist geht es jedoch vor allem um die finanzielle Seite, bspw. Kinderdepots. Es gibt allerdings auch einen Thread, wo wir unter dem Aspekt "Unfallversicherung für Kinder" bereits ausführliche Überlegungen angestellt haben.

 

Auf Anregung von Kuju hin nehme ich dieses Thema an dieser Stelle noch einmal genauer in Augenschein.

 

Risiken für die Absicherung von Kindern bestimmen

 

Vor allem junge Eltern sind leichte Beute für den Vertrieb. Emotional sind sie leicht empfänglich für Versicherungsprodukte. Ich kann von daher nur raten, ein streng rationales Prüfschema zu entwickeln und zu prüfen, welche Risiken tatsächlich bestehen. Nachfolgende Listung entspricht meiner persönlichen Meinung:

 

1) Risiko des Versorgerausfalls

2) Risiko einer (langen) schweren Krankheit

3) Risiko eines Unfalls und bleibender Folgeschäden

4) Risiko einer Pflegebedürftigkeit

5) Risiko von Sachschäden

 

Das mMn objektiv größte Risiko besteht im Rahmen eines Versorgerausfalls. Spätestens in der Konstellation nur "ein maßgeblicher Alleinverdiener" bedarf es eines belastbaren Schutzes, welcher in der Regel nur durch eine Risikolebensversicherung darstellbar ist.

 

Das mMn geringste Risiko entsteht im Sinne von Schäden, die ein Kind anrichten kann. Dennoch ist es ein absolutes Muss im Rahmen einer Privathaftpflicht Kinder sinnvoll mit abzusichern. Dazu zählt auch die Absicherung deliktunfähiger Kinder. Bestand vorher bspw. nur ein spärlicher PHV Singletarif, ist das der richtige Zeitpunkt um ein paar Euro pro Jahr drauf zu legen und einen guten Familientarif abzuschließen.

 

Die Risiken für das Kind (selbst) finden wir in der Mitte. Und es ist ein systemisches Problem, dass sich diese Risiken mit Ausnahme der Unfallversicherung für junge Kinder nur sehr bedingt absichern lassen. Eine sehr gute Unfallversicherung mit erweitertem Unfallbegriff und bedarfsgerechter Absicherungshöhe, kann das Ausschnittsrisiko eines Unfall inkl. bleibender Invalidität hervorragend decken. Es bleibt dennoch eine Ausschnittsdeckung, Krankheiten sind nicht erfasst und zusätzlicher finanzieller Aufwand bei Eintritt einer Pflegebedürftigkeit sind ebenfalls nicht erfasst. Zudem sind die finanziellen Folgen einer bleibenden Invalidität hinsichtlich der beruflichen Aussichten und Chancen des Kindes im Rahmen einer Unfallversicherung kaum deckbar.

 

 

Grundproblem Risiken und Versicherungsprodukte für Kinder

 

Schwere Krankheiten lassen sich teilweise durch MultiRisk Policen decken. Zahlreiche Versicherer haben entsprechende Angebote, die Janitos Multirente ist bspw. einen Blick wert. Etwas oberhalb ist der Leistungsumfang einer Kinderinvaliditätsversicherung angesiedelt, die liegt aber preislich auch erheblich höher angesiedelt. Die KIV bietet eine Ausschnittsdeckung für das Pflegefallrisiko, dieses lässt sich aber auch im Rahmen einer Pflegetagegeldversicherung für Kinder decken.

 

Egal was man macht, man bekommt mit den zuvor angesprochenen Produkten immer nur eine Ausschnittsdeckung (die mehr oder weniger groß sein kann). Und zwar idR nach Art einer Schadensversicherung, das meint: Dem Eintritt des Schadensereignisses X wird in Abhängigkeit von der Höhe des Schadens ein Wert dieses Schadens zugerechnet. Trivial bspw. Invaliditätsgrad "x" löst gem. Gliedertaxe und Progressionsstaffel die Leistung "y" aus. Oder gem. "wenn / dann": Wenn die Invalidität über 50 %, dann Leistungen aus einer Multi oder Unfallrente.

 

Es mag evtl. schwer zu verstehen sein, da ja bei einer BU auch etwas mit "50 %" drin steht. Aber eine BU leistet als Summenversicherung (keine Quotelung, keine Abhängigkeit von wie sehr bist du BU) bei Vorliegen des Umstandes Berufsunfähigkeit. Leistungsauslöser sind "Krankheiten" / "Körperverletzung" / "Kräfteverfall". Die Leistung erfolgt bis zum Ende der Versicherungsdauer, insofern die Voraussetzungen vorliegen. Bei bestimmten Tarifen abhängig von der bedingungsseitigen Ausgestaltung sogar lebenslang.

 

Beispiel:

 

Eine bleibende Beeinträchtigung (Invaliditätsgrad unter 50 %) führt dazu, dass kein akademischer Weg eingeschlagen und auch kein entsprechender Beruf ergriffen werden kann. Wir nehmen bewusst nicht das Beispiel "kein Beruf ergriffen werden kann".

 

Unfallrente? Zahlt nicht unter 50 % IV. MultiRisk Renten auch nicht, es sei denn der Auslöser war bspw. eine der definierten Grundfähigkeiten oder schweren Krankheiten.

 

Unfallversicherung? Zahlt gem. Gliedertaxe, Progressionsstaffel und vereinbarter Versicherungssumme für die bleibende Invalidität. Aber nicht für das verlorene Humankapital selbst.

 

 

 

 

Möglichkeiten einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Kinder

 

Für ein junges Kind KANN KEINE Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden. Frühestens im Schüleralter bestehen mehr oder weniger sinnvolle Möglichkeiten, man spricht daher von der Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler.

 

In den Jahren davor besteht maximal die Möglichkeit eine Anwartschaft auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu erwerben. Solche Dinge können in MultiRisk Policen enthalten sein (bspw. Axa Existenzschutzversicherung), oder in recht teuren Kinderkombiprodukten (bspw. Albärt der Alte Leipziger).

 

Erschwerend kommt hinzu: Echter Berufsunfähigkeitsschutz für junge Schüler ist schweineteuer. Das hat einen einfachen Grund. Es ist nur eine Mischkalkulation möglich, da der mögliche spätere Beruf des Kindes unbekannt ist und keine Kriterien wie bspw. ein erzieltes Einkommen bestehen. Tendentiell gilt zudem: Niedrigerer Schulweg -> richtig schweineteuer.

 

Das führt im Umkehrschluss dazu, dass die vermeintlich günstigen "irgendetwas mit BU" Produkte für Schüler dermaßen mit Fußnoten, Meldepflichten und Einschränkungen vollgestopft sind, dass man den Brechreiz kriegen könnte ...

 

Beispiele:

 

Folgende Änderung der Versicherungsbedingungen für die Bausteine zur Berufsunfähigkeitsvorsorge wird vereinbart: Die Begriffe "Berufsunfähigkeitsvorsorge", "Berufsunfähigkeitsrente", ‚Berufsunfähigkeit" und "berufsunfähig" werden ersetzt durch "Erwerbsunfähigkeitsvorsorge", "Erwerbsunfähigkeitsrente", "Erwerbsunfähigkeit" und "erwerbsunfähig".“

Quelle: Allianz

 

Hier sehen wir, dass der Marktführer Allianz keine Berufsunfähigkeitsversicherung anbietet, sondern nur eine reine Erwerbsunfähigkeitsversicherung (analog zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente), obwohl "BU drauf steht".

 

Das geht aber noch wesentlich garstiger. Wie schaut es bspw. bei Meldepflichten hinsichtlich eines später ergriffenen Berufs aus? Worst Case: Die Tochter ergreift einen Beruf mit hoher Risikogruppe, bspw. Krankenschwester, der Versicherungsschutz erlischt oder bleibt dauerhaft auf dem Status Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

 

Weniger tragisch, aber in Summe hoch problematisch:

 

Die Berufsgruppe wird auf Basis der zum Umtauschzeitpunkt ausgeübten Tätigkeit bzw. Studienrichtung mit den bei Vertragsabschluss gültigen Tarifbestimmungen neu bestimmt. Durch den Umtausch ergibt sich ein höherer Beitrag. Er wird nach anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik neu berechnet.

Quelle: Continentale

 

Die Conti bietet kaum echten Mehrwert bei frühzeitigem Abschluss. Man bekommt zwar ein paar Jahre für wenige Euro einen Erwerbsunfähigkeitsschutz, aber Kosten des Vertrags und Berufsgruppeneinstufung (inkl. mögliches Endalter) werden erst mit Berufseintritt festgelegt. Übrigens auch nur dann, wenn die Meldefrist von 12 Monaten nicht verschwitzt wird, sonst heißt es Pech gehabt. Einziger Vorteil: Zumindest die Gesundheitsprüfung bleibt außen vor.

 

Um es nicht unnötig auszudehnen: Echter Berufsunfähigkeitsschutz für Schüler hat absoluten Seltenheitswert und bieten nicht einmal eine handvoll Gesellschaften. Zudem: Echter BU Schutz für Schüler ist sauteuer.

 

Finanzielle Überlegungen bei BU Schutz für Schüler

 

Klemmt es am Geld, ist der Abschluss einer technisch einjährigen / risikoadäquat kalkulierten Police die bessere Option, als ein katastrophaler Versicherungsschutz im Sinne der obigen Ausführungen. Eine solche Möglichkeit bietet die SBU Solution der Dialog. Allerdings mit einer Einschränkung, frühestes Eintrittsalter für die Schüler BU ist 15. Eine Alte Leipziger ermöglicht bspw. den Eintritt in die Schüler BU ab 10 Jahren.

 

Bei einer technisch einjährigen BU entspricht der Beitrag immer nur dem aktuellen Risiko im jeweiligen Jahr. Heißt: Anfänglich sehr niedrige Beiträge, später unbezahlbare Beiträge. Regulär kalkulierte BUs bieten hingegen über die Laufzeit gleichbleibende Beiträge. Man zahlt zu Beginn also mehr ein, als man tatsächliches Risiko hätte, um die Beiträge im Alter gleich lassen zu können.

 

Das Gute an der Dialog, zwei Dinge sind bedingungsseitig vorgesehen:

 

1) Die technisch einjährige Solution kann später auf Wunsch in die regulär kalkulierte BU getauscht werden (ohne Nachteile mit Ausnahme des Prämienaufschlags durch das höhere Eintrittsalter)

2) Ist die Berufsgruppe mit Berufseintritt besser, besteht ein bedingungsseitiges Anrecht auf Besserstufung

 

Konkretete Beispiele

 

Schüler/in - Sekundarstufe II / gymnasiale Oberstufe Dialog technisch einjährig

 

Im Alter von 15 - 13,57 Euro

Im Alter von 25 - 20,05 Euro

Im Alter von 60 bspw. - 169,75 Euro

 

Ganz anders sieht es aus, wenn wir keine Gymnasiasten haben.

 

Schüler/in - nicht Sekundarstufe II / gymnasiale Oberstufe, nicht Sonderschule

 

Im Alter von 15 - 38,52 €

Im Alter von 25 - 53,35

Im Alter von 60 bspw. - 360,26

 

Grundsätzlich sind daraus zunächst zwei Dinge abzuleiten. Für einen Schüler mit 15/16 Jahren, der ein Gymnasium besucht, wäre die Dialog technisch einjährig eine bezahlbare und zugleich vollwertige Alternative. Selbst für das anschließende Studium (Beispiel 25) sind die Beiträge akzeptabel.

 

Passt die BU (Zeitpunkt zweite Studienhälfte bspw.) dann immernoch zu den persönlichen Bedürfnissen, wandelt man eben in die reguläre SBU um. Passt es nicht (und man kann), wechselt man halt in eine andere BU.

 

Die Beiträge für den Real- oder Hauptschüler sind jedoch selbst technisch einjährig ein heftiger Batzen.

 

Schauen wir uns daher mal bspw. die Alternative Alte Leipziger an. Die AL unterscheidet in "Schüler ab 10 Jahren" und in "Schüler, Jahrgangsstufe 11 (also Gym)". Die Beiträge sind gleichbleibend kalkuliert, wieder mit 1000 bis 67 Beispiel:

 

Eintritt mit 10 - 55,10 €

Eintritt mit 15 - 58,83 €

Eintritt mit 17 in JG11 Gym - 56,39 €

Student nicht (Sport oder Kunst oder Lehramt mit 20 Jahren - 42,85 €

 

Man sieht sehr schön, trotz der besseren Berufsgruppe werden die absoluten Beiträge auch für den Abiturienten nicht billiger als für den 10jährigen Schüler. Für den Studenten wird es hingegen ein gutes Stück günstiger.

 

Insofern: Was nutzt die Musterlösung in den Bedingungen, wenn die bspw. 55,1 Euro mtl. nicht bezahlbar sind? Vorbehaltlich der gesundheitlichen Gegebenheiten wäre ein Wechsel von der Dialog zu bspw. der AL im Studium ja immernoch möglich.

 

Nur mal einen Blick über den Tellerrand: Der 17jährige Schüler in der gymnasialen Oberstufe zahlt bei einer LV1871 bspw. 43,51 €. Der 15jährige Hauptschüler hingegen mal eben 78,18 € mtl.

 

Fazit: Bedarfsgerechter BU Schutz für Kinder? Ein Scherz ...

 

Insgesamt ein sehr schwieriges Thema, dass genau überlegt und vor allem bezahlt sein will.

 

Erschwerend kommt hinzu, dass eine dauerhaft bedarfsgerechte BU Absicherung für Kinder eigentlich ein reiner Wunschgedanke ist. Bei einem 10jährigen Kind ist der weitere Lebensweg nicht absehbar. Selbst bei einem Abiturienten kann noch so viel passieren ...

 

Da nun maßgeschneiderten BU Schutz konstruieren zu wollen, sorry, das halte ich für eine Farce.

 

Wer es sich finanziell leisten kann, sollte bei Kindern ab 10 Jahren die Möglichkeiten zumindest einmal ausführlich prüfen. Pauschal vertretbar und eine mögliche Alternative stellt die technisch einjährige Schüler BU der Dialog dar, aber eben erst ab 15 Jahren.

 

Für Kinder auf dem Gym sogar preislich eine sehr attraktive Geschichte, für Kinder auf Real- oder Hauptschulen können sich je nach beruflichem Werdegang perspektivisch deutliche Preisvorteile ergeben, so es in Richtung körperliche Tätigkeit gehen wird.

avb_solution.pdf

Steckbrief SBU-solution.pdf

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Versicherungsberater, Versicherungsmakler, Versicherungsvertreter oder Direktversicherer?

 

Auf Wunsch von Kuju nun auch zu diesem Thema ein paar Zeilen.

 

Untergliedert soll die Geschichte wie folgt sein:

 

- Vor- und Nachteile der Vertriebswege im BU Kontext

- Unterschied Versicherungsberater und Versicherungsmakler

- Honoraberatung und Honorarvermittlung

- Kostenseitige Besonderheiten und Handlungsoptionen (vor allem persönliche Meinung)

- Rechnet sich Honorar?

 

Vor- und Nachteile der Vertriebswege im BU Kontext

 

Um kurz und prägnant das "wer ist was" zusammenzufassen:

 

Der Versicherungsberater übt ein mit besonderen Auflagen und Zugangsvoraussetzungen verbundenes Gewerbe aus (es gibt nur etwas über 100 davon in Deutschland). Er darf keine Provisionen oder Courtagen im Zuge einer Vermittlung vereinnahmen, nur gegen Honorar beraten und ggf. vermitteln. Der eigentlich Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der Rechtsberatung. Eine Vermittlung durch einen Versicherungsberater ist möglich, ein Kostenvorteil entsteht aber nur dann, wenn der präferierte Versicherer einen entsprechenden (Netto-)Tarif überhaupt im Angebot hat. Ansonsten gilt, Prämie gleich der Vermittlung durch Makler oder Versicherungsvertreter und Honorar noch oben drauf.

 

Der Versicherungsmakler ist im Schwerpunkt Vermittler und kann dies gegen Courtage oder gegen Honorar tun. Er kann ebenfalls gegen Honorar beraten, dann aber da außerhalb seiner Kerntätigkeit mit Umsatzsteuer. Es gibt im Gegensatz zum Versicherungsberater keine Gebührenordnung für die Beratung gegen ein Honorar, der Makler ist gestaltungsfrei, so er das will. Der normale Courtagetarif entspricht prämientechnisch genau dem Tarif, der auch bei Vermittlung über die Ausschließlichkeitsorganisation eines Versicherers vermittelt würde.

 

Der Makler - so er sein eigener Chef und nicht Angehöriger eines Vertriebs mit Maklerzulassung (=unechter Makler) ist - ist hinsichtlich der Courtagegestaltung bei sehr vielen Gesellschaften flexibel.

 

Den Versicherungsvertreter gibt es so nicht, man spricht von gebundenen Vermittlern. Diese können wiederum Angehörige von Vertrieben (DVAG), Angehörige der Ausschließlichkeit eines Versicherers oder auch Mehrfachagenten (für mehrere Gesellschaften sein). Der Versicherungsvertreter, den es so nicht gibt, kann das vermitteln, was seine Gesellschaft und ggf. die Anweisungen seiner Chefs hergeben.

 

Der Direktversicherer kann das anbieten, was er auf der Homepage stehen hat.

 

Grundsätzlich ist zu unterscheiden in rechtlich auf Kundenseite angesiedelt oder rechtlich dem Versicherer angehörig.

 

Versicherungsberater sind auf Seite ihrer Mandanten und Makler auf Seite ihrer Kunden angesiedelt und nur diesen verpflichtet. Beim Versicherungsberater zahlt auch immer der Kunde selbst, beim Makler kann das Inkasso auch über die Courtage von den Gesellschaften abgewickelt werden.

 

Beide haften persönlich für Ihre Beratung und müssen als Voraussetzung für ihr Gewerbe eine Vermögensschadenshaftpflichtversicherung vorweisen. Es gilt, Beweislast liegt nicht beim Kunden, Versicherungsberater oder Versicherungsmakler müssen nachweisen, dass sie den Fehler nicht gemacht haben.

 

Versicherungsvertreter gehören auf die Seite ihres "Arbeitgebers", es gilt das Auge und Ohr Prinzip. Informationen, die dem gebundenen Vermittler zugegangen sind, gelten als der Gesellschaft zugegangen. Somit ist rechtlich kein wirklicher Unterschied ggü. einem Direktversicherer gegeben. Inhaltlich kann ein Unterschied insofern gegeben sein, dass selbstverständlich auch gebundene Vermittler im Rahmen ihrer Möglichkeiten absolut qualifizierte Vermittler sein könnten.

 

 

Unterschied Versicherungsberater und Versicherungsmakler

 

In Anbetracht der sehr individuellen Berufsunfähigkeitsversicherung, bietet sich der Besuch beim spezialisierten Versicherungsberater oder spezialisierten Versicherungsmakler mit komplettem Marktüberblick und -angebot am ehesten an. Entgegen der landläufigen Meinung kann ein Versicherungsmakler bspw. sehr wohl ebenfalls einen Direktversicherer empfehlen und genau wie der Versicherungsberater ein Honorar dafür nehmen. Müsste man nur Stand 2015 hinsichtlich der Tarife der Direktversicherer im BU Bereich geistig umnachtet sein.

 

Die Spezialisierung ist wiederum das Problem beim Versicherungsberater. Der wird sich im Regelfall auf komplexere rechtliche Zusammenhänge spezialisieren, bspw. die Betreuung im Leistungsfall. Selbst versierte BU Makler haben im Jahr vielleicht mit 2-3-4 oder von mir aus auch ein paar mehr Leistungsfällen zu tun (Frage der Bestandsgröße). Ein darauf spezialisierter Versicherungsberater beschäftigt sich dann hingegen ausschließlich den ganzen Tag damit und dürfte dem Makler in den Details weit voraus sein.

 

Wer einen Blick in eine umfangreiche Diskussion zum Thema werfen möchte, wird hier fündig: https://www.wertpapier-forum.de/topic/44729-lohnt-sich-honorarberatung-bei-einer-bu-versicherung/

 

Es gibt aber natürlich auch Versicherungsberater, die direkt oder indirekt selbst vermittelnd tätig sind.

 

Honoraberatung und Honorarvermittlung

 

Ein gängiger Vorwurf (ggü. allem was nicht Versicherungsberater ist) besteht darin, dass ja bspw. Makler oder Vertreter nur courtage- oder provisionsgesteuert wären. Das ist insofern schwachsinnig, weil auch der Makler Beratung und Vermittlung anbieten kann.

 

Der Makler bewegt sich aber nur im Rahmen der Vermittlung in seiner (umsatzsteuerfreien) Kerntätigkeit. Der erste Unterschied zum Versicherungsberater ist also eben schon die Umsatzsteuer. Zudem möchte der Versicherungsberater immer sein Honorar haben, auch wenn am Ende ein Tarif vermittelt wird, den es nicht Netto gibt (und das ist die absolute Mehrheit).

 

Der Versicherungsmakler ist hingegen frei dem Kunden anzubieten auf reine Courtage zu wechseln, sofern für den Kunden sinnvoll. Alternativ kann er auch beides einstreichen, hindert ihn auch kein Gesetz daran.

 

Das Honorar für den Versicherungsberater entsteht unabhängig von einer erfolgreichen Vermittlung (und das kann bei einer BU schon einmal passieren, das nicht erfolgreich ...). Courtage hingegen immer nur nach erfolgreicher Vermittlung und das mit Stornohaftungszeit. Honorare teilen nicht das Schicksal der Courtage, fließen also nicht anteilig zurück. Kündige ich hingegen (warum auch immer) einen Courtagetarif, wurden mir die Kosten zunächst nur anteilig belastet, da diese über mehrere Jahre verteilt werden.

 

Gem. Wunsch von Kuju überlasse ich die Schlussfolgerungen dem Leser.

 

Generell möchte ich aber noch auf ein weiteres Problem hinweisen. Auch der Versicherungsberater ist Verkäufer. Er verkauft nur nicht die Produkte, sondern seine Beratungsleistung. Und selbst bei den wenigen Versicherungsberatern gibt es deutliche qualitative Unterschiede. Es kann sehr wohl passieren, dass dem Kunden lediglich 08/15 Blocktermine angeboten werden, um Stunden abzurechnen. Von individueller Beratung ist das ganz weit weg.

 

Es ist aber nachvollziehbar. Kein vernünftig denkender Mensch investiert gern 1-2 h Vorbereitungsarbeit um dann 1 h abrechnen zu können.

 

Kostenseitige Besonderheiten und Handlungsoptionen (vor allem persönliche Meinung)

 

Würde man hingegen rein stundenbasiert ähnlich einem Münzfernsprecher abrechnen, kann Honorarberatung bei BU schnell verdammt teuer werden. Man hat regelmäßig Kunden, bei denen allein die Aufbereitung der Gesundheitshistorie Stunden um Stunden und mehrere Termine erfordern kann, die Geschichte selbst inkl. Rivos Monate dauern kann.

 

Selbst ein gut verdienender Kunde dürfte bei 150 Euro zzgl. Umsatzsteuer und 20 Arbeitsstunden schnell aus den Latschen kippen. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich selbst inzwischen keine Honorarvermittlung im BU Bereich mehr mache.

 

Man kann dem Kunden einfach nicht an der Nase ansehen, welcher Aufwand entsteht. Und das erste was der Kunde in einer Honorarkonstellation wissen will, ist die Honorarhöhe respektive der Preis. Und den kann man bei BU nur dann ohne massive wirtschaftliche Risiken vorab definieren, wenn man entweder vorab schon massiv aufschlägt oder eben nur vordefinierte Leistungsblöcke verkauft (und davon auch nicht abweicht).

 

Courtage ist hingegen eine Mischkalkulation. Der eine profitiert, der andere zahlt drauf. Dazu kommt auch bei Courtage ein gewisses Verhandlungsgeschick. Es gibt sehr wohl bei diversen Gesellschaften Stellschrauben für den Makler. Je nach Konstellation kann er bei Minderaufwand also auch "preislich nachlassen". Ich kann allerdings nur davon abraten, dieses zum ersten Thema nach dem "Hallo" zu machen. Ist zwar meine persönliche Meinung, aber ich kann noch nicht einmal beim Verkauf eines gebrauchten Autos die netten Leute mit Migrationshintergrund verstehen, die als erstes Fragen: "Was letzter Preis ...??!?"

 

Dennoch anbei eine Grafik aus dem Tarifrechner einer Gesellschaft:

 

schieberegler-bayerische.jpg

 

Wie man sieht, gibt es diverse Stellschrauben, die den Listenpreis einer BU zusätzlich beeinflußen können.

 

Dazu kommen die diversen technischen Gestaltungsmöglichkeiten. Neben bspw. der Tätigkeitsbeschreibung / Berufsgruppeneinstufung kann auch eine andere technische Gestaltung (bspw. BUZ Konstruktion) zu anderen Preisen führen.

 

Hier ein aktuelles Beispiel aus der beruflichen Praxis, zunächst die regulären Listenpreise für das Beispiel (nicht näher benannt):

 

billigster möglicher Anbieter (bedingungsseitige Katas...) - 25 Euro mtl.

Bayerische Komfort - 29,91 mtl.

LV1871 Golden BU - 33,60 mtl.

Dialog SBU - 34,39 mtl.

Alte Leipziger BV10 - 37,24 mtl.

 

Gewählt wurde jedoch eine BUZ Konstruktion mit C-Tarif beim optisch teuersten Anbieter inkl. Sondereinstufung der Berufsgruppe (Jungakademikerreglung), so lag die Prämie letztlich für das Beispiel bei 30,52 für die BUZ.

 

Schieberegler würden sich auch bei der LV1871 ergeben, aber nur im Sinne eines Nettotarifs für die Überschussverwendung in Fonds (wenig empfehlenswert). Bei der Bayerischen würden sich ebenfalls Schieberegler ergeben, nur fehlt die Verhandlungsgrundlage. Bei der angesprochenen BUZ kommen noch 26,91 Euro Sparbaustein dazu, die dem Vermittler ebenfalls vergütet werden.

 

Für den Kunden ist das Geld ja nicht verloren und gem. BUZ oder SBU kann es viele Gründe für eine BUZ geben. Da für den Makler die Bewertungssumme auf 26,91 + 30,52 statt 37,24 steigt, kann er natürlich an der Kostenschraube drehen. Der Arbeitsaufwand war ja der Gleiche.

 

Wichtig: Diese Stellschrauben innerhalb der Courtage hat der Versicherungsberater nicht, so es am Ende kein Versicherer mit Honorartarif wird. Der Versicherungsvertreter könnte sie hingegen ebenfalls haben, so seine Gesellschaft das anbietet und sein Chef das mitmacht.

 

Rechnet sich Honorar?

 

Kuju wollte ebenfalls wissen, ob sich bzw. wann sich Honorar rechnet. Damit sich Honorar im hohen Maße rechnet, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Es muss sich um eine Hohe BU Prämie handeln (ergibt sich bspw. zwangsläufig bei hoher BU Rente), es muss ein einfacher Beratungsprozeß sein und der Vermittler muss es auch mitmachen.

 

Grundsätzlich halte ich es für umöglich selbst einen leichtgängigen (nix Gesundheitsproblem bspw.), qualitativen BU Beratungsprozeß inkl. Vermittlung in unter 6-8 Stunden darstellen zu können. Hieße im Idealfall, ca. 6x150 oder 8x150 Kosten zzgl. ggf. Umsatzsteuer, mind. knapp 1100 Euro. Viel günstiger wird man nicht qualitativ hochwertig fahren können, unmöglich.

 

Möchte ich (10.09.1983) nun bspw. bei der AL in 1+ eine BU Rente von 2500 Euro bis 67 versichern, kostet mich das 132,34 € im normalen Courtagetarif. Im Honrartarif sind es 118,62 €. Um also nur bspw. 1100 Euro zu refinanzieren, dauert es schon mal eben 7 Jahre. Und das ist ein arg optimistisches Beispiel mit einer vergleichsweise hohen BU Prämie.

 

Einschränkung insofern: Die Honorarabrechnung kann ggf. steuerlich geltend gemacht werden, aber auch nur als Vermittlungshonorar, nicht als reines Beratungshonorar.

 

Die wichtigste Erkenntnis aus den Beispielen sollte mMn sein: Ja, es gibt diverse Schieberegler, das sollte man auch durchaus als Kunde wissen und berücksichtigen. Eine Entscheidung allein danach greift jedoch zu kurz, die Beratungsqualität sollte Vorrang haben.

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Risikoprüfung bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung

 

Liebe Leser dieses Threads. Ich freue mich sehr, dass das Unterforum Versicherungen zur Risikovorsorge rege genutzt wird und an Beliebtheit gewinnt. Das dürfte - so arrogant bin ich jetzt mal - neben dem Engagement vieler hilfsbereiter Nutzer - vor allem auch an den Antworten von Matthew Pryor, Peter Wolnitza und mir liegen.

 

Mit den zuletzt häufigeren Threads im Sinne von - "ich krieg keine BU! / krieg ich eine BU?" verlangt ihr jedoch Unmögliches von uns. Es ist völlig unmöglich Schlussfolgerungen hinsichtlich der Versicherbarkeit aus ein, zwei Wörtern oder kurzen Sätzen zu ziehen.

 

Es ist sehr wohl verständlich, dass man einem Post im Forum nicht alle Details anvertrauen möchte (bzw. das ggf. auch gar nicht kann, so man nicht weiss, was denn relevant ist). Es ist nur eben auch nicht möglich auf Basis solcher Angaben belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen. Die höchste Wahrscheinlichkeit besteht darin, dass wir zwar auf den Post selbst korrekt antworten, aber bereits bei minimaler Abweichung der realen Faktenlage eine ganz andere Antwort hätte kommen müssen.

 

Aus diesem Hintergrund heraus habe ich mich entschieden, zumindest mal ein paar allgemeine Zeilen zur Risikoprüfung zu schreiben.

 

Gleicher Umstand (?) unterschiedliche Beurteilung

 

Zunächst mal ein Beispiel für eine leidlich triviale Sache: leichte Allergien auf bspw. Gräser / Pollen / Heunschnupfen

 

Sowas interessiert den Versicherer reichlich wenig. Wenn man nicht gerade Landschaftsgärtner ist oder Versicherungsschutz bei der Condor haben will, bleibt das ohne Folgen wenn ...

 

- die Beschwerden sporadisch auftreten und

- keiner regelmäßigen Behandlung bedürfen und

- lediglich nicht-verschreibungspflichtige Medikamente ala Ceterizin eingenommen werden.

 

Mit kleinen Risikozuschlägen muss gerechnet werden, wenn ...

 

- regelmäßige Beschwerden auftreten und

- regelmäßig / wiederholt ein Arzt aufgesucht wurde und

- verschreibungspflichtige Medikamente wie z.Bsp. Inhalationsmedikamente (Dosieraerosole) genommen wurden.

 

Eine solche Unterscheidung kann man im Forum vielleicht grad noch treffen, ABER ... der Sachverhalt kippt, wenn ...

 

- Asthma besteht oder Verdachtsdiagnosen dazu in der Aktenlage bestehen oder,

- zusätzliche Risikofaktoren dazu kommen (Beruf, Raucherstatus) oder,

- auch Kontaktallergien (zu denen auch eine aktuell grad nicht hervorgetretene Neurodermitis zählen kann) oder Verdachtsdiagnosen darauf bestehen.

 

Schon stellt sich der Sachverhalt ganz anders dar und von medizinisch glatte Annahme haben wir uns in Richtung horrende Risikozuschläge oder Leistungsausschluss oder Ablehnung bewegt. Es sollte klar sein, dass man sowas im Forum nicht anhand von ein, zwei Sätzen klären kann ... wir kennen eure Gesundheitshistorien nicht!

 

Die Mär vom mir geht es aber richtig gut ...

 

Eine individuelle Risikobeurteilung ist zwar in manchen, aber längst nicht in allen Fällen möglich. Ein typisches Beispiel sind hier Erkrankungen in Richtung Blutdruck und Ähnliche. Natürlich kann man mit einem medizinisch gut eingestellten Blutdruck ggf. auch Bäume ausreißen, aber das interessiert den Versicherer nicht.

 

Bei längeren Blutdruckerkrankungen hat das Herz auch entsprechend lange Zeit gegen den Blutdruck ankämpfen müssen. Der Versicherer kann nicht prüfen (und das auch nicht zur Bedingung machen), ob der Kunde seine Medikamente auch zukünftig verantwortungsvoll weiternimmt, Kontrolltermine erfüllt, usw. usf.. Jedwede Medikamentation birgt immer auch das Risiko von Nebenwirkungen und begleitenden Beschwerden, welche ggf. auch erst nach einiger Zeit auftreten können.

 

Blutdruckprobleme sind eine Geschichte, die quasi fast immer zu Risikozuschlägen führen wird, so die Story überhaupt versicherbar ist.

 

Die Versicherbarkeit hängt wiederum von ...

 

- Alter

- BMI

- Medikamentenart

- Begleiterkrankungen und Beschwerden

- Summe der Messwerte über einen längeren Zeitraum und Verlauf des gesamten Krankheitsbilds (inkl. aller Beschwerden)

 

... ab.

 

Es ist völlig unmögich da in einem Forum auf Basis von ein, zwei Zeilen irgendeine brauchbare Einschätzung zu treffen, ohne Details zu kennen.

 

Zudem gehören diese Erkrankungen zu denen, bei welchen einmal vereinbarte Risikozuschläge praktisch niemals entfallen werden. Gem. §41 VVG können Risikozuschläge entfallen, wenn die den Zuschlägen zu Grunde liegenden Umstände entfallen, jeder hat ein Recht seinen Versicherer entsprechend prüfen zu lassen.

 

Nur bei bestimmten Erkrankungen liegt die Wahrscheinlichkeit dafür im Sinne der obigen Ausführungen eben nahe 0.

 

Was für Hänschen gilt, gilt noch lange nicht für Hans

 

Es ist nachvollziehbar, dass man sich mal eine Meinung holen will oder schauen möchte, wie das bei anderen so gelaufen ist. Tut mir leid, das funktioniert häufig nicht.

 

Die Beurteilung gesundheitlicher Beeinträchtigungen geht meist zeitgleich mit zahlreichen weiteren Kriterien und Faktoren einher. Es kann allein schon einen Unterschied machen, ob es sich um Männchen oder Weibchen handelt. Von Alter, Art der Erkrankungen und zahlreichen anderen Umständen wie bspw. Rauchverhalten etc. mal ganz zu schweigen ... :-

 

Am einfachsten ist es wohl zu verstehen, wenn man sich mal das nachfolgende Schaubild aus dem Leitfaden zur Risikoprüfung der AL anschaut:

 

schaubild-risikopruefung.jpg

 

Das Risiko bei Beginn einer Krebserkrankung ist wesentlich höher, da der Verlauf ungewiss ist. Fast unabhängig von der Art der Krebserkrankung ist eine Versicherung zu Beginn der Erkrankung so gut wie gar nicht zu bekommen. In Folge des ggf. erfolgreichen Therapieverlaufs, passablen Einschätzungen zur Ausbreitung, oder nach einer abgeschlossenen Therapie ist Versicherungsschutz sehr wohl möglich und hängt vom konkreten Einzelfall ab.

 

Es ist sogar möglich bei zurückliegender Krebserkrankung ggf. medizinisch glatt (also ohne Risikozuschlag oder Leistungsausschluss) angenommen zu werden. Das wird aber niemals passieren, wenn man in einen Computer "Krebs" eintippt, das Ergebnis ist im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert.

 

Bei Diabetes sieht das sinngemäß genau andersrum aus. Mit steigendem Alter steigt auch das Risiko an. Während Typ 1 als quasi nicht heilbar gilt, muss das bei Typ 2 nicht zwangsweise der Fall sein -> immer in Abhängigkeit der individuellen Situation. Theoretisch ist bspw. Typ 2 in vergleichsweise jungen Jahren ein tendentiell eher überschaubares Risiko.

 

Es gibt aber ein Grundproblem: Statistisch erwiesen werden Menschen immer eher Medikamente nehmen, als ihren Lebensstil ändern. Das wissen auch die Versicherer und diese gehen eben nicht davon aus, dass Kunde x bspw. immer konsequent an Gewichtsreduktion arbeitet, eine bestimmte Anzahl an Minuten Sport in der Woche macht ... usw. usf. ... . Nein, der Versicherer "muss" sogar zunächst vom Gegenteil ausgehen.

 

Natürlich ergibt sich im Zuge solcher Krankheitsbilder Verhandlungsspielraum, wenn man denn entsprechende Verhandlungsgrundlagen (bspw. nachweisbare sportliche Aktivitäten über längeren Zeitraum) ins Feld führen kann.

 

Aber eben auch nur dann, wenn es tatsächlich individuell geprüft wird. Und das ist eben nicht der Fall, wenn ein Vermittler oder der Sachbearbeiter eines Versicherers mal eben was in VersDiagnose eintippt.

 

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Kurzum: So verständlich ein "ich hätte da mal gern eine Meinung zu" auch ist, so gleichermaßen sinnlos ist das häufig, sry.

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