Reply to Liquiditätsreserve

By MaKla,
Hallo zusammen, ich hätte eine fixe Frage, bei der mir schon schwant, dass ich hier Haue bekommen werde (ggf. ist sie sogar falsch einsortiert). In dem Fall tut es mir schon jetzt leid, aber irgendwo muss man ja anfangen:   Es heißt oft: "Erste Schritte beim Einstieg in die Finanzplanung mit ETF: Anlagenstrategie festlegen, Risiko-Toleranz ausloten, Notgroschen festsetzen." Und gerade um diesen Notgroschen geht es mir jetzt. Was spräche dagegen, den Notgroschen über einen - im Vergleich zum Gesamt-Depot-Wert sehr niedrigen - Wertpapierkredit zu realisieren? Ich weiß, das klingt vermutlich irgendwie dämlich und ich hab wahrscheinlich grad ein riesen Loch in der Denke, aber hier meine Argumentation:
  1) Der Notgroschen sollte ja so auf etwa 3-6 Netto-Monatsgehälter ausgelegt sein (nur ne ganz grobe Richtlinie, ich weiß. Um die Dimension soll's auch gar nicht gehen) 2) Aufm Tagesgeldkonto "erwirtschaftet" mir der Notgroschen aktuell ungefähr nichts, abzüglich Inflation, also ein Verlust. 3) Den Notgroschen mit höher Laufzeit festsetzen, um zumindest die Inflation auszugleichen, wäre entgegen des Sinns des Notgroschens, da er dann NICHT mehr jederzeit verfügbar wäre. (Und Anleihen-ETFs werden ja momentan auch nicht direkt gelobt) 4) Wenn meine Strategie besagt "Ich verkrafte einen Crash von 60-70% mental ein paar Jahre" , könnte ich mir ja eigentlich ohne große Sorgen auch einen Wertpapierkreditrahmen in Höhe von sagen wir 10-20% des Depotvolumens einrichten lassen. (Wenn mein ETF-Portfolio aus MSCI World, EM und EuroStoxx insgesamt mehr als 90% dauerhaft abschmiert, haben wir vermutlich ohnehin andere Sorgen, zumal ich den Kreditrahmen ja nur im privaten Notfall nutzen würde und nicht durchgängig) 5) Der Wertpapierkredit muss mit ca. 3,99% Jahreszins zurückgezahlt werden. Wenn mein Notgroschen auf 3 Monatsgehälter ausgelegt wäre (und 50% vom netto am ende des monats übrig bleiben), müsste ich meinen gleichermaßen dimensionierten Wertpapierkredit ja in ca. 6 Monaten zurückgezahlt haben. WENN ich den Kredit also einmal in einem Jahr nutze, so kostet mich das etwa 2% der Kredithöhe (grob, ich weiß) 6) DAFÜR kann aber das Geld, dass ich für den Notfall einplane vollständig am ETF-Portfolio mitwirken bis ich es brauche, bringt also im Schnitt 5-6% jährliche Rendite (ich weiß, es kann auch lange zeit schlechter kommen, aber mit irgendwelchen Annahmen muss ich ja rechnen). Das sollte, insofern ich nicht ständig meinen Notgroschen benötige, die 2% Kosten im Nutzungsfall ja eigentlich locker ausgleichen oder sogar deutlich übersteigen.   Übertrieben formuliert:   Wenn ich den Wertpapierkredit komplett nutzen muss (Notfall) und ich kann ihn erst nach einem Jahr auf einen Schlag zurückzahlen, mache 4% Verlust. Da ich mit den beliehenen ETFs aber (mit etwas Glück) im Schnitt mehr als 4% Gewinn mache (verglichen mit dem Tagesgeldkonto), wäre das nur "genauso schlecht wie die Lösung mit Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto". Da 4% Gewinn im Langzeitmittel tendenziell eher pessimistisch sind und ich ja auch einplanen würde, den Kredit in deutlich kürzerer Zeit zurückzuzahlen, müssten die Resultate eher pro-Wertpapierkredit ausfallen, oder?   Das alles gilt natürlich nur solange, wie die Tagesgeldkonditionen so sind wie sie sind und wie mir bewusst ist, dass auch bei 10% Kreditrahmen auf mein Depot ein Risiko besteht, alles zwangsverkaufen zu müssen bei einem 90%-Crash, was zugegebener Maßen kein guter Zeitpunkt ist um Gewinne/Verluste zu realisieren.   Also, was übersehe ich?  (Danke euch!)