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FED, EZB, BOJ - Aktuelle Geldpolitik und ihre Wirkung auf die Märkte

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· bearbeitet von Bärenbulle

Nichts ist für Anleger so relevant, wie die Beobachtung der aktuellen Geldpolitik. FED, EZB & co entscheiden, ob man beim Anlegen Rückenwind hat oder eben nicht. Trotzdem gibt es soviel ich weiß kein Thema in dem die Zentralbankinformationen hier regelmäßig analysiert werden. Dabei sind die Protokolle der Federal Open Market Comittee (FOMC) Sitzungen oder der Governing Councils meist eine ergiebige Lektüre für jeden Anleger, die man sich einmal im Monat durchlesen sollte.

 

In diesem Faden sollen die wesentlichen Erkenntnisse aus den Protokollen etwas tiefergehend analysiert und diskutiert werden. Zudem sollen interessante Marktkommentare zu den Zentralbankentscheidungen gepostet werden. Von mir aus können auch gerne volkswirtschaftlich Zusammenhänge diskutiert werden, sofern Sie die aktuelle Lage erhellen. Besonders interessant sind auch die Projektionen am Ende des Protokolls z.B. der berühmt "Dot Plot" an dem man neben der künftigen Zinsenschätzung auch sehr gut die Einigkeit des FOMC ablesen kann. Interessante Links werde ich hier im ersten Post verlinken.

 

Primärquellen - Links:

FED - Die aktuellen Tagungszeiten & Protokolle der FED finden sich hier: FED FOMC Tagungsdaten & Protokolle (relevant sind die "minutes" rechts, am Ende finden sich die interessanten Projektionen)

EZB - Analoge Informationen zu EZB finden sich hier: ECB GovCouncil Protokolle

BOJ - Bank of Japan.

BOE - Bank of England

 

Sekundärquellen - Links:

Blog von Ed Yardeni ein versierter Beobachter der FED und kompetenter makroökonomischer Analyst

FED Watch (Nordea), ECB Watch (Nordea), BOE review (Nordea)

 

Marktschätzungen - Sonstige Links:

Fed-rate-monitor (investing.com)

Countdown to FOMC (cmegroup)

Taylor-Rule

 

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Bärenbulle
· bearbeitet von Bärenbulle

Ein paar Basics werde ich hier in Post Nr. 2 erklären:

 

Der "FED dot plot":

Der sogenannte "dot plot" repräsentiert die laufenden Bemühungen der Fed, ihre Politik transparenter zu gestalten. Er wird vierteljährlich veröffentlicht und zeigt die Projektionen der 12 Mitglieder des Federal Open Market Committee (FOMC), des Leitzinsgremiums innerhalb der Fed. Dieses Komitee besteht aus den sieben Mitgliedern des Gouverneursrats der Fed und dem Präsidenten der Federal Reserve Bank von New York. Die verbleibenden vier Sitze werden abwechselnd von Präsidenten der verbleibenden 11 Fed-Banken besetzt. Diese Präsidenten haben eine Amtszeit von einem Jahr. Aus jeder der folgenden Gruppierungen von Fed-Banken wird eine ausgewählt: Boston, Philadelphia und Richmond Chicago und Cleveland Dallas, St. Louis und Atlanta San Francisco, Kansas City und Minneapolis. Jeder Punkt in der Tabelle repräsentiert die Ansicht eines Mitglieds, wo es die Lages des Leitzins  am Ende der verschiedenen angezeigten Kalenderjahre sowie "längerfristig" einschätzt (der Höchststand des Leitzinses, nachdem die Fed die Straffung oder "Normalisierung" der Politik von ihrem derzeitigen Niveau abgeschlossen hat). Während jeweils nur 12 Mitglieder im FOMC tätig sind, enthält das Punktdiagramm Meinungen (Punkte auf dem Chart) von jedem Fed-Bankpräsidenten für insgesamt 19 Punkte. Ihre Meinungen sind wichtig, da Punktdiagramme langfristige Vorhersagen enthalten und vier der 12 Sitze des FOMC jährlich gewechselt werden. Im Augenblick sieht er vglw. unspektakulär aus. Man ist sich wie man sieht sehr einig:

DotPlot.jpg.9ab45fe034c897a080bf8b296b0afbdb.jpg

 

Das ist aber nicht immer so. Insbesondere wenn die Zinsen angehoben werden herrscht oft Uneinigkeit. Das sieht dann z.B. so aus:

 

Bild1.jpg.5eaf18433f2e1a72157b6f16ef9ebfdc.jpg

 

 

Projektionen:

 

Die folgenden Projektionen von realem Wirtschaftswachstum (GDP = Gross domestic Product), Arbeitslosenquote (unemployment rate) und Inflation (PCE=Personal Consumption Expenditures price index) bzw Kerninflation gibt es ebenfalls immer am Quartalsende im Adendum des Protokolls i.e. März, Juni, September, Dezember. Die FED nutzt das PCE Inflationsziel. Es gibt auch noch den vielbeachteten CPI=Consumer Price Index der ebenfalls als Inflationsmaß gilt. Beide verhalten sich sehr ähnlich. Der CPI weist tendenziell eine etwas höhere Inflation auf. Seit 2000 sind die Preise, gemessen am CPI, um 39 Prozent gestiegen, während die Preise, gemessen am PCE, um 31 Prozent gestiegen sind, was zu unterschiedlichen durchschnittlichen jährlichen Inflationsraten von 2,4 und 1,9 Prozent geführt hat. In diesem Jahrhundert war die CPI-Inflation also etwa einen halben Prozentpunkt höher als die PCE-Inflation.

 

Bild2.jpg.5cc5cfdafd2c3cb3e958ae1d8beb992e.jpg

 

Man sieht auch hier sehr schön die Streuungen der Einschätzungen der verschiedenene Teilnehmer.

 

 

Vorherrschenden Denkrichtungen der Makroökonomen (welches die vorherrschende Spezies im FOMC der FED ist):


(1) Die Keynesianer unter den Makroökonomen lehren, dass leichtes Geld sowohl das Wirtschaftswachstum als auch die Inflation in die Höhe treiben sollte. Das Modell der Produktionslücke geht davon aus, dass die Inflation tendenziell steigt (fällt), wenn der tatsächliche Output über (unter) dem potenziellen Output liegt. Um die Inflation anzukurbeln, lernten die zumeist keynesianisch geschulten Zentralbanker, dass niedrige Zinssätze und reichlich Kredite die Verbraucherausgaben und die Investitionsausgaben der Unternehmen anheizen würden, wodurch die tatsächliche Produktion über das normale Maß hinaus steigen würde. Eine größere Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen würde die Nachfrage nach Arbeitskräften erhöhen und die Löhne in die Höhe treiben, was sich in höheren Preisen niederschlagen würde, so wie es die sogenannte Phillips-Kurve vorhersagt.

 

(2) Die klassischen Monetaristen wie Milton Friedman predigen "Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen". Auch diese Denkweise stößt an Ihre Grenzen. Den die Steigerung der Geldmenge führte seite 2008 keineswegs zu Inflation.

Friedmans begann mit seiner Neuinterpretation der Konsumfunktion in den 1950er Jahren. In den 1960er Jahren wurde er zum Hauptbefürworter der keynesianischen Regierungspolitik und beschrieb seinen Ansatz (zusammen mit der Mainstream-Ökonomie) als "keynesianisches Modell", lehnte aber dessen "ursprüngliche" Schlussfolgerungen ab. Er theoretisierte, dass es eine "natürliche" Arbeitslosenquote gebe und argumentierte, dass Arbeitslosigkeit unterhalb dieser Quote eine Beschleunigung der Inflation verursachen würde.  Er argumentierte, dass die Phillips-Kurve auf lange Sicht bei der "natürlichen Arbeitslosenquote" vertikal verlief, und sagte voraus, was später als Stagflation bekannt wurde. Friedman förderte eine alternative makroökonomische Sichtweise, die als "Monetarismus" bekannt war, und argumentierte, dass eine stetige, geringe Ausweitung der Geldmenge die bevorzugte Politik sei. Seine Ideen bezüglich Geldpolitik, Besteuerung, Privatisierung und Deregulierung beeinflussten die Regierungspolitik, insbesondere während der 1980er Jahre. Volker änderte die FED Steuerungsinstrumente unkonventionell gemäß dieser Denkweise und erzielte damit den vielbeachteten Erfolg die Inflation zu stoppen. Von der Geldmengensteuerungslogik verabschiedete sich die FED aber kurze Zeit später wieder und stellte auf die bewährten Steuerungsmodelle mit Inflationsziel etc. um. Friedmans Geldtheorie beeinflusste jedoch auch die Reaktion der Federal Reserve auf die globale Finanzkrise von 2007-2008.

 

(3) Die MMT (Modern Monetary Theory)  ist die neuste makroökonomische Theorie, die besagt, dass eine Fiat-Währung kontinuierlich von einer Zentralbank ausgegeben werden kann, um Vollbeschäftigung zu erreichen, ohne traditionelle Rücksicht auf Haushaltsdefizite oder Inflationsrisiken. MMT-Theoretiker glauben wie klassische Monetaristen, dass Staatsausgaben nicht notwendigerweise zu einer erhöhten Inflation führen, die durch Steuererhöhungen bekämpft werden kann.

MMT Anhänger in der Amerikanischen Politik fordern QE fürs Volk (Helikopter-Geld). Die Zinsen liegen bei Null. Der Staat verschuldet sich, die FED kauft die Staatsanleihen und stellt so sicher, das die Zinsen nicht steigen. So ist sichergestellt, dass die laufende Zinslast des Staates trotz immer höherer Verschuldung nicht steigt. Der Staat kann dies also unbegrenzt fortsetzen, bis Inflation erzeugt wird. Inflationserzeugung passiert zzt. nicht (trotz "NIRP ZIRP).

Warum aber nahmen die Verbraucher in der Vergangenheit trotz Negativzinsen ihr Geld nicht aus der Bank und gaben es aus, was die Inflation in die Höhe getrieben hätte? Eine Studie der Bank of America zeigte, dass die Sparquoten der Haushalte in Ländern mit negativen Zinssätzen nicht nur nicht zurückgegangen, sondern sogar gestiegen waren. Dafür gab es einen einfachen Grund, wie die BIZ in einer weiteren Studie zeigte: Ultraniedrige Zinssätze können auf perverse Weise eine größere Sparneigung der Verbraucher bewirken, weil das Renteneinkommen aufgrund der niedrigen Renditen unsicherer wird.

 

Welche Denkweise in der FED vorherrscht ist teilweise undurchsichtig und sicher nicht wirklich scharz oder weiß. Vielmehr sind die Grautöne wichtig. Aber ein Zentralbanker wäre keine Zentralbanker, wenn er nicht die Hybris hätte, zu glauben, er könne die Wirtschaft und die Arbeitslosigkeit nachhaltig bekämpfen. Daher dürften die meisten Zentralbaner im Herzen noch eher Keynesianer sein.

Doch grau ist alle Theorie. Das Problem welches die Zentralbanker haben ist folgendes: Solange die Sparer sparen und somit Deflation erzeugen ist alles gut. Die Gefahr ist aber, dass die Sparer / Marktteilnehmer Ihre Meinung schlagartig verändern, wenn Sie nicht mehr annehmen dass die Zentralbanken die Inflation aufhalten kann. In dem Fall werden Sie die Preise von Rohstoffen, Gold und Aktien hochbieten, Anleihen verkaufen. Inflation ist die Folge. Aber möglicherweise werden die Marktteilnehmer trotzdem nicht mehr konsumieren. Es entsteht Stagflation. Das kann sich dann leicht zum Teufelskreis entwickeln.

 

Warum sind die Zinsen eigentlich für jeden Anleger so wichtig?

 

Ganz einfach: Die Zinsen beeinflussen die Kurse aller Assetklassen unmittelbar. Wird der Zins gesenkt, steigen die Kurse aller Assetklassen und umgekehrt. Denn die Assetklassen werden immer alle relativ zueinander bewertet. Dabei orienitiert sich die innere Renditeforderung jeder Assetklasse unmittelbar an dem Leitzins plus Risikopremium. Leicht erkennt man das bei zinssensitiven Anleihen. Hat eine Anleihe z.B. eine Duration von 10 Jahren, dann entsteht durch eine 1%-ige Zinssenkung eine 10%-ige Kurssteigerung. Ähnliches gilt auch bei Aktien. Als Anleger sollte man das "Denken in Renditen" daher unbedingt verinnerlichen. Das gilt vor allem auch für Aktienanleger, die das oft verlernt haben. Dazu zitiere ich mich mal selber:

 

Am 20.8.2019 um 19:19 von Bärenbulle:

Na ja ganz so extrem ist man nicht zur Ahnungslosigkeit verdammt. Da wir hier eh schon so schön abschweifen und philosophieren bringt mich das auch auf den Hauptunterschied zwischen Aktien- und Bondanleger, nämlich das klare "Denken in Renditen".

 

Wie denkt der Bondanleger?

Die Zinsstrukturkurve des Bondanlegers ist klar und transparent und vor allem gilt das WYSIWYG-Prinzip ("What you see is what you get"). Sprich wenn ich eine Anleihe bin zum Ende halte, weiß ich heut schon ganz genau welche Rendite auf welche Laufzeit ich erzielen werde. Das ist einzigartig und ich muss (wenn ich nicht will) kein bisschen spekulieren.

Man kann natürlich auf steigende Bondkurse spekulieren, wenn einem langweilig ist, aber Ineffizienzen im Bondmarkt (zumindest in den höheren Investment Grade Klassen) sind sicher deutlich seltener als solche im Aktienmarkt. Zudem sind Risikoprämien sehr niedrig bzw. vglw. kontant und somit ist es schwer Bewertungsunterschiede sinnvoll auszubeuten. Es gibt daher auch wenig Anreize für Fehlentscheidungen. (High Yield mal außen vor)

 

Wie denkt der Aktienanleger?

Zwar ist der Anleihenanleger wohl genauso "overconfident" wie der Aktienanleger, aber aufgrund der Renditeklarheit und des WYSIWYG-Prinzips fällt es dem Bondanleger leichter einer systematischen Kapitalvernichtung zu entgehen (dazu muss er einfach nur nicht übermässig viel "traden"). Bei Aktien ist das anders. Die Versuchung zu "traden" ist aufgrund der unendlich vielen Unternehmensstories ungleich höher. Glaubt man Studien, dann schaffen nur die wenigsten Kleinanleger einen realen Kapitalerhalt. Sie steigen genau zum falschen Zeitpunkt (z.B. jetzt) in den Markt ein und zum falschen z.B. 2009 aus. Das ist schon dramatisch. Sie investieren vor allem in Modeaktien, die naturgemäß schlechtere Renditen haben. Hinzu kommen exorbitante Fondsgebühren, Steuern und Tradingkosten. Letzteres kann man immerhin auch durch Buy & Hold in den Griff bekommen.

"Das "Denken in Renditen" ist bei den Aktienanlegern  entsprechend selten anzutreffen (was zweifelsohne  ein grauenvoller Fehler ist). Leider wissen wohl die meisten Aktienkleinanleger nicht mal wie man eine Aktienrendite überschlagsweise berechnet.

Dabei lassen sich Aktienrenditen durchaus zuverlässig über die Multiples (CAPE, KBV, KCV, KUV, KGV, DR etc.) auch ex-ante und "forward looking" prognostizieren. Studien zu jedem einzelnen dieser "Multiple"-Typen und deren "forward"-looking-Fähigkeiten gibt es zuhauf. Wobei - wie oben erwähnt - die Gewinnprognosen der Unternehmen dabei sehr schlecht oder nur im Kontext größerer Durchschnittsbildungen geeignet sind. Besser sind paradoxerweise erzielte Gewinne der letzten 10 Jahre beim CAPE oder unstrittige Werte wie das KBV.

Auch das ermöglicht ex ante ein ungefähres WYSIWYG-Prinzip, obschon mit größeren Abweichungen und Unsicherheiten als bei Bonds. Aus dem CAPE kann man die Rendite sogar durch einfaches teilen ermitteln. Somit ist auch hier eine Anlage ohne allzuviele "Trades" mit einer ungefähren Ahnung der Attraktivität des Einstiegszeitpunktes möglich. Und das ist genau der Weg zu einer guten Rendite oberhalb des Kapitalerhalts. Das verbunden mit Disziplin auch mal zu einer niedrigen Rendite wie in 2000 oder 2007 "nein" zu sagen (anders als es uns die "buy & hold" Regel weiß machen will).

 

Und andere Assetklassen?

Im Prinzip ist auch das Denken in Renditen für andere Assetklassen wie Gold, Rohstoffe, Cash/Währungen hochrelevant. Auch wenn die Bewertung hier schwerer ist.

Gold hat eine reale Renditeerwartung von 0 und nominal Renditeerwartung in Höhe der Inflation (allerdings über lange Zeiträume).

Cash wohl in etwa ebenfalls (die Rendite lag aufgrund der Zinsen in der Vergangenheit leicht oberhalb der Inflation).

Rohstofffutures haben eine kompliziert zu ermittelnde Renditeerwartung die sich zusammensetzt aus der Cash-Rendite des Underlyings, Diversifikationrendite und der Basis (als der Steilheit bzgl. Backwardation/Contango).

 

Warum ist das "Denken in Renditen" so ungemein wichtig?

 

Das Denken in Renditen würde in erster Linie viele Anleger vor den falschen Einstiegszeitpunkten bewahren.

Ist es z.B. sinnvoll (wie zur Zeit) für 3% Aktienrendite all-in US Aktien zu gehen? Oder war es nicht besser 2009 bei einer Aktienrendite von etwa 10% in den weltweiten Aktienmarkt einzusteigen? Umsatz, Wachstum, Kursentwicklungen, Produktivitätskennzahlen, Ebit-Erwartung, Cashflow, Eigenkapitalquoten und Myriaden von sonstigen Kennzahlen verstellen allzu leicht den Blick auf das Wesentliche vor allem wenn diese lediglich von "overconfidenten" und interessengeleiteten Managern oder Analysten prognostiziert sind.

 

Ein weiterer Hauptgrund ist sicher die Klarheit von Renditen auch in der Relation der Assetklassen zueinander. Will man wie Anfang 2000 bei einer Aktienrendite von gut 2% in US Aktien bei hohem Aktienrisiko investieren (abzüglich Fondsgebühren) oder sich zum selben Zeitpunkt lieber für 6,6% die US-Anleihenrendite auf 10 Jahre sichern?

Wenn man die Renditen der verschiedenen Assetklassen nicht kennt, dann ist man automatisch im Blindflug unterwegs und kann seine Portfoliozusammensetzung und die damit verbunden Chancen und Risiken überhaupt nicht beurteilen.

 

Der dritte und sicher ebenso wichtig ist das Grundverständnis für die Abhängigkeit aller Asset-Renditen von der Höhe der Zinsen bzw. der Zinsstruktur. Denn die Renditen aller Assetklassen sind extrem eng miteinander verbunden. Zinken die Zinsen, dann steigen die Bondkurse. Genauso steigt der Aktienkurs (sofern das geforderte BRP gleich bleibt). Genauso steigt der Gold- und der Rohstoffkurs und ebenso der Zins auf mein Cash-Guthaben. Normal ist also, dass die Renditen aller Assetklassen gemeinsam sinken oder gemeinsam steigen. Die Bewertungsbasis alles Assetklassen basiert auf ein und demselben Zins (plus jeweiligem Risikopremium). Dabei unterschieden sich nur die Fristigkeiten des Zinseffektes. Cash (wird vom Zins am kurzen Ende der Zinsstruktur beeinflusst), Anleihen (je nach Restlaufzeit vom kurzen bis langes Ende über das gesamte Spektrum der Zinsstruktur), Aktien (langes Ende), Gold (? wohl abhängig von der Präferenz des Anlegers und der Struktur der Inflationserwartung über die Kurve), Rohstoffe (Underlying kurzes Ende, Rest Inflationsstruktur?)

Wirklich total ungewöhnlich ist das Ereignis welches wir vor kurzem bestaunen durften: Die FED senkt die Zinsen und die Aktienmärkte brechen ein. Das ist eine deutliche Änderung in den durch die Marktteilnehmer geforderten Risikopremiums. Bonds waren attraktiver als Aktien (so dass das BRP steigt). Die Bondrendite sinkt, die Aktienrendite steigt. Normal wäre wenn beide gemeinsam sinken oder steigen. Die Divergenz sollte man als Alarmzeichen ernst nehmen.

 

Hat man damit das Optimimum rausgeholt?

Ich meine nein. Durch die Beachtung der Bewertungsniveaus in Form von Renditen ist schonmal viel gewonnen und man bewahrt sich relativ zuverlässig vor krassen Fehlern. Es gibt aber das Problem des Anlagenotstands und Zeiten in denen alle Renditen schlecht sind. Daher ist trotzdem echtes "Timing" und der Zinszyklus wichtig. Zwar helfen die Bewertungsniveaus auch dabei Risiken zu erkennen (Stichwort "margin of safety"), aber man kann ja schlecht 5 Jahre aus dem Markt gehen nur weil die Bewertungsniveaus nicht optimal sind. Daher lauert das Risiko darüber hinaus auch im Zinszyklus und dem damit verbundenen Herdentrieb. Und bezüglich des "Timings" sind Bewertungsniveaus und Renditedenken nun mal gar keine Hilfe.

 

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Bit

TOP! vielen DANK :thumbsup:

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Marfir

@Bärenbulle

Welche konkreten Erkenntnisse soll man deiner Meinung nach aus der Kaffeesatzleserei von 12 überbezahlten Leuten gewinnen? Das die Zinsen dieses Jahr nicht steigen werden aber dafür die Arbeitslosenzahlen sagt mir meine Glaskugel auch.

Die Grafiken sind ja ganz nett anzuschauen, aber am Ende machen die auch nur Politik auf kurze Sicht.

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Bärenbulle
· bearbeitet von Bärenbulle
vor einer Stunde von Marfir:

@Bärenbulle

Welche konkreten Erkenntnisse soll man deiner Meinung nach aus der Kaffeesatzleserei von 12 überbezahlten Leuten gewinnen? Das die Zinsen dieses Jahr nicht steigen werden aber dafür die Arbeitslosenzahlen sagt mir meine Glaskugel auch.

Wieso Kaffeesatzleserei? ... und was soll der Vergleich mit Deiner Glaskugel in dem Kontext? Dir ist hoffentlich schon klar, dass die stimmberechtigten Mitglieder die Leitzinsen und QE Massnahmen einfach festlegen, oder? Das ist also keine Prognose, sondern ein Meinungsbild, welches dann per Mehrheitsbeschluss umgesetzt wird.

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Marfir
vor 11 Minuten von Bärenbulle:

Wieso Kaffeesatzleserei? ... und was soll der Vergleich mit Deiner Glaskugel in dem Kontext? Dir ist hoffentlich schon klar, dass die stimmberechtigten Mitglieder die Leitzinsen und QE Massnahmen einfach festlegen, oder? Das ist also keine Prognose, sondern ein Meinungsbild, welches dann per Mehrheitsbeschluss umgesetzt wird.

Ja das ist mir klar. Nur so vollkommen frei sind sie dabei nicht, da es davon abhängt was ihre Erwartungshaltung bzgl. Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenquote, Staatsverschuldung und Maßnahmen in anderen großen Währungsräumen ist. Wie hoch z. B. das Wirtschaftswachstum nach 2020 sein wird kann man nur raten. Das meine ich mit Kaffeesatzleserei.

Gut ich formuliere anders: Was soll man deiner Meinung nach mit diesem Meinungsbild anfangen?

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Bärenbulle
· bearbeitet von Bärenbulle
vor 27 Minuten von Marfir:

Was soll man deiner Meinung nach mit diesem Meinungsbild anfangen?

Das bisschen Transferleistung bekommst Du bestimmt selber hin, oder doch nicht?:'(

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Der Heini

@Bärenbulle: Interessantes Thema, schreib doch für die vielen Neuen immer dazu, was die Grafiken bedeuten, ja ich kann Englisch, aber ob alle wissen was GDP, Unemployment, PCE genau heißt sollte man nicht als selbstvertändlich ansehen.

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Leeloo Dallas
· bearbeitet von Leeloo Dallas

Mir kommt es derzeit so vor, als wäre das große Thema, das hinter der derzeitigen Geldpolitik in den USA (und Weltweit) steht, die Bedenken vor einer Hyperinflation. Hierzu vielleicht ganz interessant: 1981 hat die FED eine Paper rausgebracht, was die Lösungsstrategien Analysiert hat, welche für die Auflösung der 4 bekanntesten Hyperinflationen verantwortlich waren. Link

 

Ingo Sauer hat die Daten nochmal weiter verfeinert und in seiner Phd Arbeit, die ganzen Bilanzen von Zentralbanken nochmal auf den Kopf gestellt. Die Arbeit kann man derzeit als noch nicht veröffentlichtes Paper von ihm bekommen (Einfach per Mail anfragen). Das wird aber auch irgendwann durch den Peer Review Prozess duch sein, dann kann man es auch so lesen.

 

In einem Interview (Link) hat er jetzt aber innerhalb einer Stunde, so den groben Überblick zu seiner tiefergehenderen Analyse gegeben und warum die Geldmasse an sich kein direkt sinnvoller Indikator für eine Gefahr der Hyperinflation ist. 

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Bärenbulle
· bearbeitet von Bärenbulle
vor einer Stunde von Der Heini:

@Bärenbulle: Interessantes Thema, schreib doch für die vielen Neuen immer dazu, was die Grafiken bedeuten, ja ich kann Englisch, aber ob alle wissen was GDP, Unemployment, PCE genau heißt sollte man nicht als selbstvertändlich ansehen.

Habe ich oben ergänzt.

 

Vielleicht noch eine Ergänzung zu PCE und PCE Core. Auch letzterer wird noch im Adendum gezeigt: Der CPI und der PCE gibt es jeweils in zwei Geschmacksrichtungen, einem sogenannten "Headline"-Variante und einem "Core"-Variante, bei dem die volatileren Nahrungsmittel- und Energiekomponenten herausgerechnet werden. Kurzfristig mag die "Core"-Variante einen genaueren Hinweis darauf geben, wohin sich die Inflation entwickelt, aber die Menschen kaufen Lebensmittel, füllen ihre Gastanks auf und heizen ihre Häuser, so dass die "Headline-Inflation" die tatsächlichen Ausgaben der Menschen genauer wiedergibt. Wie die Headline-Messwerte zeigt auch der Core-CPI tendenziell eine höhere Inflation als der Core-PCE. Seit dem Jahr 2000 hat der CPI-Core-Wert im Durchschnitt jährlich um 3,9 Prozent zugenommen, und der PCE-Core-Wert betrug im Durchschnitt 3,4 Prozent, was der gleichen Differenz von einem halben Prozentpunkt entspricht wie der Unterschied zwischen den Headline-Zahlen. In jüngster Zeit sind die Unterschiede geringer, wobei die Core-/Kerninflation seit 2000 bei 2,0 Prozent für den CPI und 1,7 Prozent für den PCE und seit 2008 bei 1,7 Prozent und 1,5 Prozent liegt.

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Bärenbulle
vor 26 Minuten von Leeloo Dallas:

Mir kommt es derzeit so vor, als wäre das große Thema, das hinter der derzeitigen Geldpolitik in den USA (und Weltweit) steht, die Bedenken vor einer Hyperinflation.

Die ganze Geldmengenexplosion führt ja offenkundig nicht zu Inflation, sondern weltweit herrscht Deflation. Das wirklich Seltsame ist, dass es selbst mit den extremen QE Maßnahmen seit 2008 nicht stabil gelungen ist das 2% Inflationsziel zu erreichen. Die EZB kämpft verzweifelt, aber kann selbst durch Negativzinsen die 2% nicht erreichen. Die BOJ verfehlt Ihr Inflationsziel selbst mit Yield Curve Control und Aktienkäufen immer noch nach unten. Wir leben in äußerst deflationären Zeiten. Shadowstat-Prezentpünktchen hin oder her. Extreme INflation ist das alles nicht und das entlarvt wie wenig die Makroökonomen in Wirklichkeit wissen.

Die Makroökonomen der FED und der EZB können die ausbleibende Inflation jedenfalls allesamt nicht wirklich erklären. Es gibt anekdotische Erklärungsversuche mehr nicht. Deflationär wirkende technologische Innovation ist eine sicherlich korrekte davon. Denn das das Shopping al la Amazon deflationär wirkt, dürfte klar sein. Auch die Globalisierung wirkt sicher stark deflationär. Trotzdem kann das nicht alles sein, denn die Geldmengenausweitungen sind dramatisch. Eine weitere Vermutung ist, dass die Kreditverbilligung nicht mehr so recht wirkt, weil sich alle schon stark an Ihr mentales oder sonstiges Limit verschuldet haben. Mehr geht einfach nicht. Auch die Altersvorsorge-Sicht der Teilnehmer mag sich in ZIRP Zeiten grundlegend verändert haben. Weil die Renditen alle gegen null tendieren muss man für die Altersvorsorge mehr sparen, so dass die Geldmengen absorbiert werden und nicht in den Konsum gehen. Aber nichts Genaues weiß man nicht und grau alle Theorie.
Wie gesagt: Im Umkehrschluss kann hinter der nächsten Ecke eine Überraschung lauern mit der kein Makroökonom rechnet. Bis dahin heißt es jedoch tanzen solange die Musik spielt und schön brav auf den Powell-Put vertrauen.

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ricci

Einfach gesagt: Alle großen, wesentlichen Industrienationen "drucken" Geld und das schon über Jahre.

Jetzt war es bisher so, dass die Verschuldung im wesentlichen immer wieder gestiegen ist und kaum Schulden beglichen wurden. Jetzt wird richtig viel Geld gedruckt und kein Mensch kann sagen, wie diese Menge Geld je zurückgezahlt werden soll.

Aber offensichtlich ist es so, wenn alle das Gleiche machen (müssen), nämlich Geld drucken und dann die Notenbanken das Geld mit QE-Aktionen wieder einsammeln, ist es egal. Zurückzahlen interessiert niemanden.

 

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Bärenbulle
· bearbeitet von Bärenbulle
vor 1 Stunde von Leeloo Dallas:

Mir kommt es derzeit so vor, als wäre das große Thema, das hinter der derzeitigen Geldpolitik in den USA (und Weltweit) steht, die Bedenken vor einer Hyperinflation. Hierzu vielleicht ganz interessant: 1981 hat die FED eine Paper rausgebracht, was die Lösungsstrategien Analysiert hat, welche für die Auflösung der 4 bekanntesten Hyperinflationen verantwortlich waren. 

Vielleicht noch eine Anmerkung dazu warum die FED / Leitzinsbetrachtung so wichtig ist. Mir geht es hier nicht um Hyperinflation oder andere sinnbefreite Katastrophenszenarien oder FED-Bashings. Das ist was für verpeilte Verschwörungstheoretiker. Mir geht es vor allem darum die Zinsentwicklung zu beobachten.

 

vor 3 Stunden von Marfir:

Gut ich formuliere anders: Was soll man deiner Meinung nach mit diesem Meinungsbild anfangen?

Um auch die diese Frage in dem Kontext nochmal konstuktiv aufzugreifen:

 

Der Zins ist immens wichtig, weil er die Kurse aller Assetklassen sofort, signifikant und unmittelbar beeinflußt. Ich habe oben am Ende von Post 2 nochmal eine längere Abhandlung dazu geschrieben. Gerade junge unerfahrene Aktieninvestoren kennen diesen Zusammenhang augenscheinlich oft gar nicht bzw. die direkte Wirkweise ist Ihnen nicht klar. Logischerweise wird die FED inkl. der FOMC Teilnehmer daher von allen Marktteilnehmern so stark beachtet. Es gibt sogar nicht wenige, die die Worte der Protokolle zählen und daraus Anlagentscheidungen ableiten.

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Schwachzocker
vor 1 Stunde von ricci:

...Jetzt wird richtig viel Geld gedruckt und kein Mensch kann sagen, wie diese Menge Geld je zurückgezahlt werden soll.

Das ist deshalb so, weil niemand beabsichtigt, es zurückzuzahlen. Man will die Schulden durch Inflation entwerten.

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Bärenbulle

Hier ist jemand der Meinung das es in Kürze auch zu Aktienkäufe kommt, sofern sich die die Märkte in die falsche Richtung bewegen sollten: Scott Minerd's opinion -- The Fed will likely buy stocks

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PechPechPech
· bearbeitet von PechPechPech
vor 9 Stunden von Leeloo Dallas:

Mir kommt es derzeit so vor, als wäre das große Thema, das hinter der derzeitigen Geldpolitik in den USA (und Weltweit) steht, die Bedenken vor einer Hyperinflation.

Ja Hyperinflation ist Quatsch mit Soße, aber das ist nicht der einzige Punkt den Kritiker zu Bedenken geben. Die niedrigen Zinsen lähmen die Wirtschaft. Es findet keine Reallokation von Kapital statt und die Sparquote erhöht sich, wie von @Bärenbulle angedeutet.

 

Was die Aktien angeht hätte ich der Fed-Kanone im März definitiv mehr Beachtung schenken sollen. Aber jetzt wo alle künftigen Erträge über alle Assetklassen hinweg zu einem absurd niedrigen Zinssatz diskontiert sind, sehe ich nicht ein das Risiko in Form von Aktien einzugehen, dass diese Erträge durch höhere Steuern, Handelskriege, mangelnden Konsum durch Corona und Deflation usw., absinken. Also bleiben wieder einmal nur unproduktive Vermögenswerte oder eben teure Bonds.

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HalloAktie
vor 11 Stunden von Leeloo Dallas:

In einem Interview (Link) hat er [Ingo Sauer] jetzt aber innerhalb einer Stunde, so den groben Überblick zu seiner tiefergehenderen Analyse gegeben und warum die Geldmasse an sich kein direkt sinnvoller Indikator für eine Gefahr der Hyperinflation ist. 

Danke für den Link. Finde ich ganz spannend. Allerdings stellt sich mir die Frage, wie schwierig es ist für Ökonometrie-Fremde, dieses Maß zu berechnen, bis zu dem die Notenbank Wechselkurse solvenzgestützt halten kann (spricht er ja bei Minute 55 oder so von).

Ansonsten kann ich daraus nur ableiten, dass Aktienkäufe durch Notenbanken wahrscheinlicher werden und wahrscheinlich der Goldkurs/Silberkurs noch deutlich zu niedrig steht. Meinst du, es ergeben sich aus den Erkenntnissen konkrete Handlungsanweisungen, die ich übersehen habe?

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wuwei

Stelter meint:

Zitat

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt im Annual Economic Report vor einer epochalen Trendwende: Nachdem sie seit vierzig Jahren rückläufig war, droht eine Phase (deutlich) höherer Inflation. Denn die Notenbanken, die sich dem entgegenstellen sollten, werden es nicht tun.

https://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/bank-fuer-internationalen-zahlungsausgleich-die-inflation-kommt-zurueck-a-1308103.html

 

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odenter
· bearbeitet von odenter
vor 14 Stunden von PechPechPech:

Ja Hyperinflation ist Quatsch mit Soße, aber das ist nicht der einzige Punkt den Kritiker zu Bedenken geben. Die niedrigen Zinsen lähmen die Wirtschaft. Es findet keine Reallokation von Kapital statt und die Sparquote erhöht sich, wie von @Bärenbulle angedeutet.

Nur wenn man an die Quantitätstheorie glaubt bzw. von dieser ausgeht. In der Arbeit von dem Ingo Sauer wird ausgeführt weshalb das vermutlich die falsche Größe ist auf die man schaut. ;) Das bedeutet nicht automatisch Hyperinflation steht und fällt aber wohl mit den von den Notenbanken gehaltenen Assets und da wird es dann erst interessant und kann sehr wohl sehr schnell zu starker Inflation führen. Wann dieser Zeitpunkt gekommen ist? Keine Ahnung aber ich bin sicher ich werde es noch erleben, genauso wie wir in den nächsten 10 Jahren mit Sicherheit wieder hohe Zinsen sehen werden.

 

Sagt alles meine Glaskugel und Bauchgefühl.

 

 

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PechPechPech
vor einer Stunde von odenter:

Nur wenn man an die Quantitätstheorie glaubt bzw. von dieser ausgeht.

Was hat das mit der Quantitätstheorie zu tun?

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Karolus
Am 5.7.2020 um 15:44 von Bärenbulle:

Die ganze Geldmengenexplosion führt ja offenkundig nicht zu Inflation, sondern weltweit herrscht Deflation. (...)

Du suchst die Inflation noch immer an der falschen Stelle. Der Brötchenpreis steigt nicht, das hast Du richtig erkannt.

 

Wenn Du mal auf den Goldpreis, die Aktienkurse oder die Immobilienpreise gucken würdest, dann würdest Du sehen, wohin das ganze frisch gedruckte Geld fließt. Aber die Immobilienpreise steigen ja Deiner Meinung nach nicht. Keine Ahnung, woher Du diese Weisheit beziehst.

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odenter
vor 1 Stunde von PechPechPech:

Was hat das mit der Quantitätstheorie zu tun?

Ich habe wegen Deiner Aussage: "Hyperinflation ist Quatsch mit Soße" auf die Frage ob die Notenbanken sich sorgen um eine Hyperinflation machen. Angenommen das Du der klassischen Erklärung von Inflation glaubst und Hyperinflation ausschließt weil andere Faktoren, die klassischer Weise für eine anziehende Inflation oder sogar eine Hyperinflation sprechen, aktuell nicht zutreffen.

Bin aber auch seit gestern auf Entzug (Zigarette) mein Hirn macht seit gestern ganz schräge Dinge. :)

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Schildkröte
· bearbeitet von Schildkröte
Am 6.7.2020 um 01:08 von PechPechPech:

Ja Hyperinflation ist Quatsch mit Soße, aber das ist nicht der einzige Punkt den Kritiker zu Bedenken geben. Die niedrigen Zinsen lähmen die Wirtschaft. Es findet keine Reallokation von Kapital statt und die Sparquote erhöht sich, wie von @Bärenbulle angedeutet.

 

Was die Aktien angeht hätte ich der Fed-Kanone im März definitiv mehr Beachtung schenken sollen. Aber jetzt wo alle künftigen Erträge über alle Assetklassen hinweg zu einem absurd niedrigen Zinssatz diskontiert sind, sehe ich nicht ein das Risiko in Form von Aktien einzugehen, dass diese Erträge durch höhere Steuern, Handelskriege, mangelnden Konsum durch Corona und Deflation usw., absinken. Also bleiben wieder einmal nur unproduktive Vermögenswerte oder eben teure Bonds.

Meinst Du "Risiko in Form von Aktien" mit Blick auf die aktuell hohe Bewertung des Aktienmarktes? Wie Du selbst schreibst sind Anleihen (infolge der anhaltend niedrigen Zinsen) momentan ebenfalls überteuert (bzw. unrentabel).

 

Andre Kostolany beschrieb den Ablauf eines kompletten Börsenzyklusses für Aktien unter Berücksichtigung der Zinspolitik der Notenbanken. Solange die Zinsen derartig niedrig bleiben, muss man diesen Aspekt wohl ausblenden (in der Vergangenheit kippte der Markt 9 bis 18 Monate nach einer markanten Zinserhöhung). Genauso überholt finde ich Anleihen als sicheren Hafen im Niedrigzinszeitalter, wenn sie keinen Ertrag abwerfen und bei (hoher) Inflation ein realer Vermögensverlust droht. Aber genau wie Kommer wird oft halt auch Markowitz gebetsmühlenartig zitiert. Zu krassen Überbewertungen sollte man Aktien natürlich besser nicht kaufen. Aber sie sind im Gegensatz zu Anleihen Sachwerte und bei (hoher) Inflation besser als Anleihen.

 

Vermissen tue ich in der obigen Aufstellung übrigens Immobilien, welche derzeit aufgrund des Anlagenotstandes im Zuge der anhaltenden Niedrigzinsen ebenfalls völlig überteuert sind. Ist allerdings wieder ein Thema für sich und heterogen sowie dynamisch (Wohn- und Gewerbeimmobilien, Lage, Zuwanderung, demographischer Wandel, Landflucht, Trend zur Heimarbeit etc.). Im Gegensatz zum Papiergeld handelt es sich jedoch auch hierbei um Sachwerte. Welche zudem noch anders als Edelmetalle Erträge abwerfen, sofern es sich um Vermietungs- bzw. Verpachtungsobjekte handelt.

 

Ist die Frage, ob diese Vorzüge von Aktien und Immobilien gegenüber Anleihen während der Niedrigzinsphase einen gewissen Aufschlag im Vergleich zur historischen Durchschnittsbewertung rechtfertigen?

 

Was die bisher nicht kommen wollende Inflation betrifft. Es gibt noch die Theorie von der Ketchup-Inflation. Man schüttelt die Flasche Ketchup und es kommt einfach kein Ketchup raus. Bis dann plötzlich mehr Ketchup rauskommt als einem lieb ist. Einem aus dem Ruder laufen könnten die (Zentral-)Banken dann unter anderem durch eine Erhöhung der Mindestreserve entgegenwirken.

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mike4001

Wenn Aktien, Anleihen und Immobilien wegfallen, bleibt fürs Investieren halt nicht mehr viel übrig ;-)

 

Aber was du schreibst stimmt sicherlich.

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WakeboarderHD
Am 5.7.2020 um 15:44 von Bärenbulle:

Die ganze Geldmengenexplosion führt ja offenkundig nicht zu Inflation, sondern weltweit herrscht Deflation. Das wirklich Seltsame ist, dass es selbst mit den extremen QE Maßnahmen seit 2008 nicht stabil gelungen ist das 2% Inflationsziel zu erreichen. Die EZB kämpft verzweifelt, aber kann selbst durch Negativzinsen die 2% nicht erreichen. Die BOJ verfehlt Ihr Inflationsziel selbst mit Yield Curve Control und Aktienkäufen immer noch nach unten. Wir leben in äußerst deflationären Zeiten. Shadowstat-Prezentpünktchen hin oder her. Extreme INflation ist das alles nicht und das entlarvt wie wenig die Makroökonomen in Wirklichkeit wissen.

Die Makroökonomen der FED und der EZB können die ausbleibende Inflation jedenfalls allesamt nicht wirklich erklären. Es gibt anekdotische Erklärungsversuche mehr nicht. Deflationär wirkende technologische Innovation ist eine sicherlich korrekte davon. Denn das das Shopping al la Amazon deflationär wirkt, dürfte klar sein. Auch die Globalisierung wirkt sicher stark deflationär. Trotzdem kann das nicht alles sein, denn die Geldmengenausweitungen sind dramatisch. Eine weitere Vermutung ist, dass die Kreditverbilligung nicht mehr so recht wirkt, weil sich alle schon stark an Ihr mentales oder sonstiges Limit verschuldet haben. Mehr geht einfach nicht. Auch die Altersvorsorge-Sicht der Teilnehmer mag sich in ZIRP Zeiten grundlegend verändert haben. Weil die Renditen alle gegen null tendieren muss man für die Altersvorsorge mehr sparen, so dass die Geldmengen absorbiert werden und nicht in den Konsum gehen. Aber nichts Genaues weiß man nicht und grau alle Theorie.
Wie gesagt: Im Umkehrschluss kann hinter der nächsten Ecke eine Überraschung lauern mit der kein Makroökonom rechnet. Bis dahin heißt es jedoch tanzen solange die Musik spielt und schön brav auf den Powell-Put vertrauen.

Erstmal danke für den hochwertigen Thread!

Anscheinend wirken die Maßnahmen der großen Zentralbanken seit 2008 deflationär (im Sinne von Deflation in den Konsumentenpreisen). Sprich die versuchen einen Brand mit Benzin zu löschen und merken es nicht einmal. Es ist auch kein Wille erkennbar diese Denkweise zu ändern, alle machen weiter wie bisher.

Erklärungsansätze die ich bisher so gefunden habe:

1. Die wirtschaftsfreundliche Politik und die lockere Geldpolitik stärken die Angebotsseite bis hin zu einem Überangebot und Zombie-Unternehmen. Wenn es aber zu hohe Produktionskapazitäten gibt haben die Anbieter keine Pricing-Power mehr (Beispiel: Hersteller von Massenmarkt-Autos, Shale-Oil-Boom in den USA).

 

2. Die Nachfrageseite wird in jeder Krise ebenfalls massiv künstlich gestärkt (Beispiel: Abwrackprämie und lockere Kreditvergabe an Konsumenten).

 

3. Das frisch gedruckte Geld landet bei Unternehmen (die investieren und üben damit Druck auf die Konsumentenpreise nach unten aus) und bei Investoren (die kaufen Wertpapiere).


4. Die Messung der Konsumentenpreise könnte irgendwie fehlerhaft sein und nicht die reale Inflation abbilden (Beispiel: Vermögenspreise werden ignoriert, "wants" (Porsche) werden teurer, "musts" (Milch) bleiben stabil im Preis, die Preise für medizinische Pflege und bestimmte Behandlungen gehen durch die Decke während Solarstrom immer billiger wird.)

5. Demografische Trends (Alterung der Gesellschaft) verschieben die Nachfrage aus den Bereichen, die der CPI mißt, raus.

6. Klar, Globalisierung und technische Entwicklung wirken deflationär.


Ist aber alles graue Theorie: letztlich reiten die Zentralbanken hier einen Tiger von dem sie nicht mehr runterkommen können und es auch gar nicht wollen.

Also auf die Musik hören und auf den FED-Put setzen.



Ändern dürfte sich da erst was wenn das generelle Vertrauen in die Währungen schwindet (Beispiel: USA würden (noch) massiver MMT fahren und die Chinesen würden keine USD mehr akzeptieren).

 

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