Einsteiger-Portfolio mit drei ETFs

By Holzmeier in Fonds und Fondsdepot,
Einsteiger-Portfolio mit drei ETFs Im WPF wird für Basisdepots häufig eine regional orientierte Zusammenstellung diskutiert, was meist auf mindestens vier ETFs (Nordamerika, Europa, Emerging Markets, Pacific) hinausläuft. Alternativ wird für kleine Depots oft eine 70/30-Mischung von MSCI World und EM empfohlen. Man kann die jeweiligen Vorteile der beiden Ansätze (genauere Abbildung bzw. geringerer Rebalancing-Aufwand) aber auch verbinden. Und landet dann bei 3 ETFs ... Dazu bildet man Nordamerika über einen MSCI World oder ACWI ab. Man mischt diesen noch Europa und EM bei und kann dann auf nahezu jede gewünschte regional gewichtete Depot-Zusammensetzung kommen. Im Augenblick (Oktober 2014) erhielte man z.B. mit 51,2 % World + 17,7 % Eur + 31,1 % EM ___ODER___ 57,4 % ACWI + 17,7 % Eur + 24,9 % EM real eine Mischung von je 31,1 % Nordamerika, Europa und EM sowie 6,7 % Pac, was von der Gesamt-Wertentwicklung her praktisch identisch ist mit dem "Forenstandard" 30/30/30/10. Die so ermittelten Anteile sind zeitlich sehr stabil, mit den Marktkapitalisierungen April 2019 ergäben sich nur vernachlässigbare Abweichungen: 47,5 % World + 21,1 % Eur + 31,3 % EM.   [Einschub: Die jeweils aktuellen %-Anteile können analytisch berechnet werden. Fuer den Fall NA = Eur = EM ergibt sich der jeweilige Anteil, also die 31,1 % von oben, nach x = NA / (3*NA + Pac) * 100 Hier setzt man fuer NA und Pac die jeweiligen prozentualen Marktkapitalisierungs-Anteile am MSCI World oder ACWI ein. Monatlich aktualisierte Marktkapitalisierungen findet man leicht durch googlen von "MSCI pdf North America" etc. Der erforderliche Anteil z.B. des MSCI World, also die 51,2 % von oben, erhält man dann durch y = x / NA * 100]   Vereinfachung Wem die Berechnungen nach obiger Formel zu kompliziert sind, könnte unter Beibehaltung aller Vorteile auch eine Verteilung von z.B. 50% World + 20% Eur + 30% EM (oder 55% ACWI + 20% Eur + 25% EM) wählen. Mit Stand Oktober 2014 würde sich aus der ersten Konfiguration folgende regionale Verteilung ergeben: NA 30,4%, Eur 33,1%, Pac 6,5% und EM 30,0% (April 2019:  NA 33,0%, Eur 30,8%, Pac 6,3% und EM 30%)   Vorteile gegenüber dem Vier-Regionen-Modell Nur drei (ACWI oder World, Eur, EM) statt vier ETFs (NA, Eur, EM, Pac) trotz Erhalt aller Freiheitsgrade bei der Gewichtung der relevanten großen Regionen-Indizes. Kanada (mit höherer Marktkapitalisierung als z.B. Deutschland) ist auch vertreten, was sich in Regionen-orientierten Konstruktionen sonst wg. der Kosten in aller Regel nicht lohnt. Mit thesaurierenden oder physisch replizierenden ETFs lässt sich Pac derzeit nur einzeln aus Japan und Pacific ex JP abbilden. Wenn kein wichtiges Land vernachlaessigt werden soll würde man durch die hier vorgeschlagene Vorgehensweise also sogar drei ETFs einsparen: Japan, Pacific ex JP und Kanada. Da nur drei ETFs im Gleichgewicht zu halten sind: Deutlich einfacheres Rebalancing mit selteneren Anpassungen von Sparplänen bzw. einer geringeren Anzahl von Transaktionen. Beim Ansparen über händische Einzelkäufe: Geringere zwischenzeitliche Abweichungen von der Zielallokation, da mit World bzw. ACWI immer gleich in mehrere Märkte investiert wird. Beim Beginn der Sparphase mit geringen Summen: Von vornherein Verteilung annähernd wie bei vier (bzw. fünf oder sechs) Regionen moeglich, ebenso wie bei gestiegenem Ansparkapital oder höheren monatlichen Einzahlungen ein späterer kostenneutraler Umstieg. Vermeidung von verwaltungsintensiven Kleinstpositionen, die zudem bei früher oder später oft erforderlichen Umstrukturierungen relativ hohe Transaktionskosten verursachen. Überschaubar strukturiertes Depot ohne erkennbare Ertragseinbussen. (Edit aus der folgenden Diskussion): Die drei ETFs (World, Eur, EM) sind bei vielen Brokern kostenlos sparplanfähig. Bei einem Broker-Wechsel oder Änderungen der Angebote kostenloser Sparpläne ist somit keine Neuausrichtung des Depots erforderlich.   Vorteile gegenüber dem Zwei-Regionen-Modell Deutlich diversifizierter als z.B. 70 % World + 30 % EM, was de facto eine Regionenwette gegen Europa ist. In dieser Konfiguration investierte man mehr als die Hälfte der Aktienanlage in nur zwei Märkte (US, CN), und trotz ungefähr gleicher Marktkapitalisierung würden EM fast viermal so stark gewichtet wie der eigene EMU-Währungsraum. Wenn man die Regionenanteile beliebig einstellen könnte würde wohl niemand (in Europa) eine solche Verteilung wählen. (bei einer Ein-ETF-Lösung mit einem ACWI- oder All-World-ETF wird mehr als die Hälfte der Aktienanlagen in nur einen Markt (US) investiert)   Nachteile gegenüber dem Vier-Regionen-Modell Wenn NA über einen MSCI World abgebildet wird ist die Gewichtung der kleinsten Region (Pac) bis zu einem gewissen Grad an die relative Wertentwicklung der jeweils größten Region (NA) gekoppelt. Wenn theoretisch also z.B. ausschliesslich die NA-Aktien relativ zum Rest der Welt um 10% sänken, hätte man bei beiden Varianten, NA=Eur=EM oder 50/20/30, nach einem Rebalancing oder durch Einzahlungen automatisch auch relativ ca. 10% mehr Pac im Depot (also absolut 7,4 statt vorher 6,7 %). Dieser Effekt tritt bei einer 70/30-Verteilung ebenfalls und dort sogar noch ausgeprägter auf. (Edit aus der folgenden Diskussion): Unübersichtlicher, in welche Region man jetzt genau mit welchen Anteilen investiert ist und somit etwas Excel-aufwändiger.   Sonstiges Da die Wertentwicklungen von Europa und EMU sehr stark korrelieren ist es weitgehend egal, ob man Eur oder EMU beimischt. Im Falle Eur ist die an Staaten orientierte Asset Allocation sehr nah an der Marktkapitalisierung und am 30/30/30/10-"Forenstandard", mit EMU erfolgt eine höhere Gewichtung des eigenen Währungsraumes. Siehe dazu ggf. auch hier. Da UK im MSCI World bereits relativ stark vertreten ist wäre es auch denkbar, die zusätzlichen Europa-Anteile über einen Europe ex UK-ETF abzubilden. (Edit aus folgender Diskussion): Denkbar wäre auch, im Eur- oder EMU-Teil Small Caps zu wählen, um neben der regionalen Diversifizierung noch eine nach Firmengröße zu berücksichtigen. Bei ACWI oder EM können Small Caps über die jeweiligen "IMI-Indizes" eingebunden werden. (Edit aus folgender Diskussion): Chemstudent hat freundlicherweise die verschiedenen Modelle verglichen. Ergebnis: "Die 3 Indexlösung verhält sich sehr ähnlich zur 4 Indexlösung. Hingegen ist die 2 Indexlösung mit größeren Abweichungen behaftet."   Produkte (Beispiele, Stand: April 2019, weitere Infos im Trackingdifferenzen-Thread) MSCI ACWI IMI: SPDR      (IE00B3YLTY66,  thesaurierend, TD=-0,24 %/a) FTSE All World: Vanguard (IE00B3RBWM25, ausschüttend, TD=-0,03 %/a) MSCI World: Xtrackers     (IE00BK1PV551,   ausschüttend, TD=-0,10 %/a) MSCI World: Xtrackers     (IE00BJ0KDQ92,   thesaurierend, TD=-0,05 %/a)   Kosten Wenn man kostengünstige World- bzw. ACWI-Produkte wählt gibt es bezüglich der laufenden ETF-Kosten kaum Unterschiede zwischen den Varianten mit 2, 3 oder 4 ETFs: -0,10  bzw.  -0,13 %/a  (4 ETF 30/30/30/10 mit USA / Eur / EM / Pac) -0,09 bzw. -0,22 %/a (3 ETF 50/20/30 mit World / EMU / EM) -0,06 bzw. -0,33 %/a (3 ETF 55/20/25 mit ACWI / EMU / EM) -0,05 bzw. -0,04 %/a (3 ETF 50/20/30 mit World / Eur / EM) -0,04  bzw.  -0,05 %/a  (4 ETF 30/30/30/10 mit Nordamerika / Eur / EM / Pac) -0,04 bzw. -0,04 %/a (3 ETF 50/20/30 mit World / Eur ex UK / EM) -0,03 bzw. -0,15 %/a (3 ETF 55/20/25 mit ACWI / Eur / EM) -0,02  bzw.  -0,01 %/a  (2 ETF 70/30 mit World / EM) -0,01 bzw. -0,15 %/a (3 ETF 55/20/25 mit ACWI / Eur ex UK / EM)   Die jeweils erste Zahl gibt die gewichtet gemittelte Trackingdifferenz für, soweit möglich, die jeweils günstigsten ausschüttenden ETFs an, die zweite für thesaurierende, Stand April 2019. Man erkennt, dass die Attraktivität der Varianten mit drei ETFs auch von der (bis vor einigen Jahren nicht gegebenen) Verfügbarkeit günstiger World- bzw. ACWI-ETFs abhängt. Insgesamt sind die Kostendifferenzen zwischen den einzelnen Konfigurationen aber gering.   Regionale Asset Allocation selbst berechnen Mit drei ETFs sind praktisch alle sinnvollen Verteilungen zwischen den drei großen Regionen NA, Eur und EM nachbildbar. Mit der unten liegenden Excel-Tabelle können regionale Asset-Verteilungen vorgegeben und die dafuer anteilig erforderlichen ETFs (World bzw. ACWI, Eur, EM) ermittelt werden. Umgekehrt kann auch eine ETF-Verteilung vorgegeben werden, Ergebnis ist dann die regionale Asset-Verteilung. Möglich sind damit auch "was wäre wenn"-Betrachtungen wie sich eventuelle Änderungen der Marktkapitalisierung auf die Asset-Allocation auswirken würden.   Meines Erachtens sind drei ETFs zumindest bis zu einem Aktien-Depotvolumen im mittleren fünfstelligen Bereich und insbesondere bei jährlichen Sparraten im vierstelligen Bereich völlig ausreichend und sicher sehr häufig die sinnvollste und kostengünstigste Lösung. Bei einer 30/30/30/10-Lösung und Einzahlungen von immerhin 500 €/Monat in Aktien-ETFs würden nur 600 €/Jahr in die kleinste Position fließen, was z.B. mit Einmalkäufen kaum sinnvoll umzusetzen wäre. Und erst nach rund 20 Jahren wäre damit für diese Position ein halbwegs verwaltungsfreundliches Volumen von mehr als 15 k€ erreicht. Falls gewünscht, könnte bei einem über die Jahre gestiegenem Depotvolumen oder insbesondere höheren monatlichen Einzahlungen die Anzahl der ETFs später jederzeit ohne Mehrkosten erhöht werden. In vielen Fällen ergäben sich daraus aber auch dann keine relevanten Vorteile.       (Edit: Einige Argumente aus der folgenden Diskussion hier mit in die Zusammenfassung aufgenommen) (Edit: Excel-Tabelle zum Berechnen der Assel-Allocations zum Download bereitgestellt) (Edit: Thread umbenannt, anfangs: "Einfacheres Rebalancing durch Einsatz globaler ETFs") (Edit: Tracking-Differenzen für die verschiedenen diskutierten Konfigurationen aktualisiert)       Hier folgt jetzt der Diskussionsteil des Threads, dessen wesentliche Ergebnisse bereits in diesen Eingangspost eingeflossen sind.     Asset Allocation Basis MSCI World 141109.xlsx
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