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Stairway
· bearbeitet von Stairway

Hallo allerseits,

 

im Rahmen meiner Präsentationsprüfung "Agrarboom - Hunger aufgrund des Energiehungers ?" beschäftige ich mich gerade mit einige etwas tiefgreifenderen Fragen, da ich das übliche gerede über Biosprit und den Agrarboom sehr eintönig finde.

 

Der Gedankengang sieht also wiefolgt aus:

 

Ein Land der dritten Welt baut Mais oder eine andere Pflanze an aus der Biosprit/Ethanol gewonnen werden kann. Da nun die Lebensmittel (zur Biospritherstellung) an den Westen verkauft werden, anstatt wie früher im Land verkauft und gegessen werden müsset doch das Einkommen steigen (da mehr Geld durch zufließt) und die Warenmenge abnehmen (da die Nahrungsmittel ja nichtmehr hergestellt werden sonder zu Biosprit verarbeitet werden).

 

D.h. Geld nimmt zu und Waren nehmen ab --> Inflation nimmt zu

 

Soweit halte ich meine Theorie für gesichert. Gibt es hier schon Kritikpunkte ?

 

Nun müssen sich die Menschen Waren oder genauer gesagt Nahrungsmittel aus dem Ausland besorgen. Durch die Inflation wird aber die Währung geschwächt und durch den Import von Nahrungsmittel entsteht ein Handelsdefizit welches die Währung weiter abwerten lässt.

 

Summa sumarum bedeutet dies, dass dieses Land mit dem durch Biosprit verdienten Geld immer weniger leisten kann, da Inflation und schwache Währung das Geld entwerten.

 

Da nun die wenigsten Wirtschaftstheorien auch in der Praxis so funktionieren, würde ich nun gerne eure Kritikpunkte wissen.

 

P.S. Gute Links zu Biosprit/Agrarboom wären auch erwünscht ;)

 

Viele Grüße, Stairway

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Bonny
· bearbeitet von Bonny

Und wenn die Lieferverträge in Dollar oder Euro lauten ?

Als Beispielland würde ich mal ein Auge auf die Philippinen werfen. Dort wird schon einige Zeit Palmöl erzeugt und verdrängt den Reisanbau, der schon lange nicht mehr für alle reicht und zu teuren Importen führt.

 

 

Bonny

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Stairway
Und wenn die Lieferverträge in Dollar oder Euro lauten ?

 

Wie genau meinst du das, für die Exportierung des Biosprits/der Pflanzen ?

 

 

Als Beispielland würde ich mal ein Auge auf die Philippinen werfen. Dort wird schon einige Zeit Palmöl erzeugt und verdrängt den Reisanbau, der schon lange nicht mehr für alle reicht und zu teuren Importen führt.

 

Was wiederum die Inflation bzw. Abwertung der philippinischen Währung anheizen müsste, oder ?

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Drella
· bearbeitet von Profi

zum thema gibt es mehrere sehr gute artikel in der aktuellen ausgaben von eigentümlich frei. können evtl auch z.t. auf der homepage runter geladen werden.

 

hier ich hab einen der artikel gefunden:

http://www.ef-magazin.de/2008/06/07/explos...rungsmittel-aus

 

D.h. Geld nimmt zu und Waren nehmen ab --> Inflation nimmt zu

 

Soweit halte ich meine Theorie für gesichert. Gibt es hier schon Kritikpunkte ?

 

Nun müssen sich die Menschen Waren oder genauer gesagt Nahrungsmittel aus dem Ausland besorgen. Durch die Inflation wird aber die Währung geschwächt und durch den Import von Nahrungsmittel entsteht ein Handelsdefizit welches die Währung weiter abwerten lässt.

 

deinen ausführungen zur inflation kann ich in keinster weise folgen. inflation = ausdehnung der geldmenge. alles andere ist preissteigerung.

des weiteren kann ich deinen aufgestellten zusammenhängen bzgl der wechselkurse nicht folgen.

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Wave XXL
· bearbeitet von Wave XXL
deinen ausführungen zur inflation kann ich in keinster weise folgen. inflation = ausdehnung der geldmenge. alles andere ist preissteigerung.

 

 

Inflation heißt doch Geldentwertung, oder?

 

Ob du jetzt einfach nur zuviel Geld, oder wie in Stairways Beispiel zu wenig Waren hast, kommt ja aufs gleiche raus....

 

Ich würde sagen, wenn der Wert einer bestimmten Summe Geld im Verhältnis zu den dafür kaufbaren Waren abnimmt, dann hat man eine Geldentwertung, Inflation

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Drella
Inflation heißt doch Geldentwertung, oder?

ursprünglich bedeutete inflation geldmengenvermehrung. was die presse mit dem wort gemacht hat ist was anderes.

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Wave XXL
ursprünglich bedeutete inflation geldmengenvermehrung. was die presse mit dem wort gemacht hat ist was anderes.

 

also wenn die preise sinken würden, weil ein warenüberschuss da wäre, aber die geldmenge trotzdem steigen würde, dann wäre es trotzdem eine inflation?

 

eine geldmenge muss man ja eg immer im verhältnis zur warenmenge betrachten....

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Stairway
· bearbeitet von Stairway
deinen ausführungen zur inflation kann ich in keinster weise folgen. inflation = ausdehnung der geldmenge. alles andere ist preissteigerung.

 

Es ist egal ob sich nun die Geldmenge ausdehnt oder die Warenmenge zurückgeht. Das kommt auf das gleiche heraus.

Zitat: "Es verändert sich also das Austauschverhältnis von Geld zu allen anderen Gütern zu Lasten des Geldes."

 

des weiteren kann ich deinen aufgestellten zusammenhängen bzgl der wechselkurse nicht folgen.

 

Ein Land das einen Handelsdefizit hat wird tendenziell mit einer Abwertung seiner Währung zu kämpfen haben. (Da fließen natürlich noch viel mehr mit rein, aber da es sich um ein Modell handelt muss ich das vereinfachen.)

 

Ist das soweit verständlich ?

 

eine geldmenge muss man ja eg immer im verhältnis zur warenmenge betrachten....

 

Genau.

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Drella
· bearbeitet von Profi

ok. kapiert. :D

der punkt ist nur, wenn die geldmenge gleich bleibt und ein produkt teurer wird, dann MUSS ein anderes produkt billiger werden und die inflation bleibt 0.

 

kauf dir die aktuelle ausgabe von ef da stehen mehrere sehr interessante artikel dazu drin.

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Bonny

Die Inflation in Phils liegt bei ca. 8% relativ gleichbleibend die letzten Jahre.

Der vermeintliche Warenmangel hatte bisher also keinen Einfluss.

In welcher Größenordnung müssten denn einer Volkswirtschaft Waren "entzogen" werden um einen messbaren Einfluß auf die Inflation zu nehmen ?

Wie verhält es sich dann in Ölexportländern ?

 

Bonny

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Wave XXL
ok. kapiert. :D

der punkt ist nur, wenn die geldmenge gleich bleibt und ein produkt teurer wird, dann MUSS ein anderes produkt billiger werden und die inflation bleibt 0.

 

haja klar, wenn man eben das gesamte Spektrum sieht schon. Aber man könnte theoretisch auch sagen, im Ölsektor gibts ne Inflation und bei Internetflatrates ne Deflation. Worauf du jetzt mit dem Satz hinauswillst, is mir nich so ganz klar..... :huh:

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Drella
· bearbeitet von Profi
haja klar, wenn man eben das gesamte Spektrum sieht schon. Aber man könnte theoretisch auch sagen, im Ölsektor gibts ne Inflation und bei Internetflatrates ne Deflation. Worauf du jetzt mit dem Satz hinauswillst, is mir nich so ganz klar..... :huh:

 

ich verstehe bloß diesen satz nicht:

D.h. Geld nimmt zu und Waren nehmen ab --> Inflation nimmt zu

 

aber ist egal. diskutiert ruhig weiter... :-

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Torman

Hier erstmal die Idealform:

 

Die Produktion im Inland wird auf Biosprit umgestellt, weil sich damit am Markt mehr erlösen lässt als mit der aktuellen Produktion. Das sollte also positiv für das Land sein. Die Exporterlöse nehmen zu, die Währung sollte tendenziell aufwerten. Die nicht mehr produzierten Nahrungsmittel müssen importiert werden. Das dürfte weniger kosten als die zusätzlichen Erträge einbringen, wenn man davon ausgeht, dass ein Land allein den Weltmarktpreis nicht beeinflussen kann, dieser als konstant bleibt.

 

Nun zu zwei möglichen Argumentatitonswegen für ein negatives Ergebnis:

 

1. Setzen viele Länder auf die gleiche Strategie, so würde sich ein klassischer Schweinezyklus ergeben. Die Preis für Nahrungsmittel stiegen kräftig, während Biosprit eher billiger würde. Exporterlöse sind geringer als zusätzliche Importausgaben. Die Währung wertet ab. Deshalb und wegen der höheren Nahrungsmittelpreise steigt die Inflation.

 

2. Eine weitere Möglichkeit sind unterschiedliche Preise auf dem Weltmarkt und im Inland. Nehmen wir an, Nahrungsmittel sind im Inland zunächst billiger als auf dem Weltmarkt z.B. wegen Exportbeschränkungen. Biosprit kann dagegen frei exportiert werden. Als Basis für die Produktionsumstellung dienen dann zu niedrige Preise für die Nahrungsmittel. Wenn der inländische Produktionsausfall durch Importe ersetzt werden muss, muss das Preisniveau im Inland aber auf Weltmarktniveau steigen. Die Außenhandelsbilanz verschlechtert sich, die Währung wertet ab. Schuld an dem Preisanstieg ist dann die künstlich Reduzierung des Inlandspreises zuvor. Entscheidend sind hier die Produzentenpreise, die Regierung kann ruhig die Verbraucherpreise subventionieren, wenn sie dies für eine gute Sozialpolitik hält. Meist fehlt ihr dafür aber das Geld und sie versucht es irgendwie auf die Produzenten abzuwälzen.

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Gaspar
· bearbeitet von Gaspar
Summa sumarum bedeutet dies, dass dieses Land mit dem durch Biosprit verdienten Geld immer weniger leisten kann, da Inflation und schwache Währung das Geld entwerten.

Inflation hat ja nicht nur mit Lebensmitteln zu tun. Die höheren Agrarpreise stehen relativ niedrigeren Preisen für Industriegüter gegenüber. Die Leute im Land, das Biosprit erzeugt, können sich nun ein Auto, einen Rasenmäher oder irgendwelche Industrieanlagen leisten.

Die hohen Agrarpreise sind natürlich gut für die Länder, die nun etwas verkaufen können, was vorher keiner wollte(Verbesserung der terms of trade). Die Inflation kommt von einer laxen Geldpolitik, z.B. auf Basis der meist vorhandenen Dollaranbindung.

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samba
· bearbeitet von samba
Nun müssen sich die Menschen Waren oder genauer gesagt Nahrungsmittel aus dem Ausland besorgen. Durch die Inflation wird aber die Währung geschwächt und durch den Import von Nahrungsmittel entsteht ein Handelsdefizit welches die Währung weiter abwerten lässt.

 

Hier ist der Denkfehler. Denn durch den Verkauf vom Biosprit wird das Handeldefizit abgebaut. Dieser Effekt ist natürlich stärker als der Einkauf der Lebensmittel. In der Summe!

 

Problem: die armen Leute haben Inflation und müssen teurere Lebensmittel kaufen. Die Reichen (Biospritverkäufer) profitieren davon. Nun hängst von der Umverteilungspolitik und Korruption des Landes ab...

 

Gruß, Samba

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