Reply to Was lest ihr zur Zeit ?

John Silver
By John Silver,
Erstklassiges Buch über Bank-Hybridkapital in der Finanzkrise   Renditeperlen aus dem Scherbenhaufen: Bankhybridkapital in der Finanzkrise: Wie Investoren von Sondersituationen profitieren konnten von Nicolas Schmidlin, Marc Profitlich, Malte Daniels, Matthias Rubisch, Philipp Steinhauer, Alfred T. Renffo     Die Autoren des Buches "Renditeperlenaus dem Scherbenhaufen" haben mit sehr viel Sachkunde ein erstklassiges Buch über Bank-Hybridkapital in der Finanzkrise geschrieben. Das Buch ist zudem so brandaktuell, dass man bei einigen besprochenen Anleihen sogar noch zugreifen kann (wenn man sich des Risikos bewußt ist). Es ist also kein Buch nach dem Motto "Wer in den 1960ern 10.000 Euro in den Dax investiert hätte wäre heute Millionär". Das hilft einem heute auch nicht unbedint weiter.   Das Buch selber glieder sich in drei Teile und führt über Lower Tier 2 Anleihen zu den Bank-Genussrechten und schließt mit Tier 1 Anleihen. Jeder Teil beginnt mit einer kurzen Einführung über die jeweiligen Anleihenränge. Diese Einführung ist vielleicht nicht erschöpfend, aber bei weitem ausreichend genug, um den interessierten und vielleicht nicht voll informierten Anleihen-Anleger in das jeweilige Thema einzuführen. Hier liegt vielleicht einer der ganz wenigen Mankos des Buches. Es ist nicht für den absoluten Anleihen-Neuling geschrieben. Man braucht zwar kein tiefergehendes Fachwissen, aber die Grundbegriffe und die Grundlagen von Anleihen, diese sollten aber schon vorhanden sein. Das kann man aber einem so speziellen Nischensachbuch auch nicht vorwerfen (Wenn ich mich nicht täusche wird der Begriff "Tier" ansch nicht einmal definiert, alle anderen Fachbegriffe und Abkürzungen sind dagegen fast immer kurz erläutert).   Das Buch zeigt in den jeweiligen Anleihenrängen exemplarisch einige Anleihen auf, mit denen in der Finanzkrise viel Geld zu gewinnen und zum Teil auch zu verlieren war. Dabei wird der Leser nicht nur mit einer WKN / ISIN abgespeist. Er wird auch nie mit Infobrocken ködert um dann doch mit einem Halbwissen allein stehen gelassen zu werden unter dem Hinweis "Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse" oder "Hier war eine Kursrakete klar zu erkennen". Im Gegenteil wird in jedem Kapitel relativ klar aufgezeigt, wo die einzelnen Gründe lagen, weshalb diese speziellen Anleihen sich so und so entwickelt hat bzw. vermutlich wird.   Sehr schön ist im ersten Teil auch der Bericht zur Anglo-Irish gelungen. Jeder Interessierte kennt eigentlich die grobe Rahmengeschichte, aber so konzentriert habe ich sie noch nirgendwo gelesen. Und diejenigen Investoren, die selber in den Anglo-Anleihen investiert waren, werden sich an die einzelnen Phasen zurück erinnern. Leider hatte diese Geschichte kein gutes Ende. Dafür zeigt sie, dass es eben nicht so einfach ist, wie manche hinterher immer meinen.   Der zweite Teil behandelt wie oben schon geschrieben die Bank-Genüsse. Viele werden die WPF/BB-Forenlieblinge der letzten Jahre wiedererkennen. wie z.B. 804290, 804293 und 804294. Malte Daniels hat als echter Kenner im zweiten Teil des Buches ein sehr schönes Kapitel über die "bösen" Genüsse geschrieben (Persönlich denke ich, dass er hier wohl der Experte Nr. 1 in Deutschland sein dürfte). In diesem Kapitel findet sich die einzige Sache, wo ich etwas zum Buch ergänzen könnte, wobei es sich aber ausdrücklich nicht um einen Fehler handelt (Malte Daniels hätte vielleicht noch etwas zum Genussschein 804212 schreiben können und der daraus resultierenden zweiten Chance. Das ändert aber überhaupt nichts an der Güte des Kapitels!)   Der dritte Teil bespricht dann die einschlägigen Tier 1 Bank-Anleihen, die ebenfalls weitesgehend hier im Forum besprochen wurden und daher auch z.T. bekannt sein dürften (z.B. WKN A0KAAA).   Das Buch schließt mit einem Ausblick auf die Entwicklung der Banknachränge in den nächsten Jahren.   Das Buch ist absolut sachlich geschrieben, liest sich aber sehr flüssig. Hier hatte ich schnell das Gefühl, dass hier echte Investoren für Interessierte und andere Investoren schreiben. Bei keinem Kapitel hatte ich auch nur im Ansatz das Gefühl mich durchzuquälen, im Gegenteil habe ich mich während der Lektüre die ganze Zeit glänzend unterhalten gefühlt. Ich kann zudem für mich selber nur sagen, dass ich einige Wissenslücken ausfüllen konnte und bei bestimmten Anleihen jetzt sogar noch ein "runderes" Gesamtbild bekommen habe.   Das Buch hat meines Meinung nach in dieser Form im Anleihenbereich, der sowieso buchtechnisch nicht gerade überfüllt ist, eine absolute Ausnahmestellung. So etwas gab es meiner Meinung bisher nicht. Von daher ist der Preis mit € 12,95 für knapp 220 Seiten wirklich nicht zu teuer, sondern eher billig, muss man doch oft für solche Bücher/Auswertungen in so einem speziellen Bereich ein vielfaches bezahlen. Mit diesem Buch mit einem Preis im unteren Bereich einer Anleihenorder macht man alles - aber hier nichts falsch - wenn man das Buch kauft. Hier sollte sich das Wissen schnellstens amortisieren, und wenn man am Ende nur gelernt hat in Zukunft die Anleihen-Prospekte intensiver zu studieren.   Eine der größten Erkenntnis nach dem Lesen sollte außerdem sein, soweit man nicht ohnehin Anhänger dieser Theorie ist: Der Anleihenmarkt ist nicht effektiv. Damit ergeben sich in jeder Marktsituation immer wieder Situationen, in denen auch der Privatanleger seine Chanche unter einem vernünftigen Risikoprofil ergreifen kann. Passives investieren ist in Ordnung, aber der aktive (Privat-/Klein-) Anleger hat auch im Konzert der Großanleger seine Möglichkeiten. Und gerade hier bietet der Anleihebereich eine Vielzahl an Gelegenheiten.   Bewertung: 14 von 15 Punkten meiner eigenen Skala oder echte Fünf Amazon-Sterne! Bitte kaufen!   John Silver   PS: Ich kenne die Autoren z.T. persönlich oder per PN (was beides hier im Forum nicht weiter verwundern dürfte). Mein Buch habe ich aber selber voll bezahlt! Des Weiteren bilde ich mir ein, ein gewisses Wissen in diesen Nachrängen zu haben. So habe ich sehr viele der in den einzelnen Kapiteln genannten Anleihen gehabt bzw. besitze sie z.T. noch (Anleihen der Kapitel 4, 7, 8, 9, 10 und 15) und/oder habe mich ausführlich mit vielen der weiter im Buch genannten Anleihen beschäftigt (Kann man auch weitestgehend hier alles nachlesen). Allerdings reicht man Wissen bei weitem nicht an das der o.g. Autoren heran!   PS 2: Persönlich hasse ich bei Büchern kaum etwas mehr, als wenn Fußnoten in den Anhang eines Buches verbannt werden. Was soll sowas? Entweder hat in einer Fußnote etwas zu sagen oder man läßt das bitte ganz weg. Aber dieses abgeschiebe in den Anhang und dadurch das Geblätter von vorne nach hinten und zurück und das springen zwischen den Seiten stört jeden Lesefluss. Warum stehen Fußnoten nicht generell immer unten auf der Buchseite? Wer sie nicht lesen will kann sie ja ignorieren. Und für das Buch macht es von der Seitenzahl auch keinen Unterschied ob sie unter den Text oder im Anhang stehen. Ich möchte den Autoren ausdrücklich dafür danken, dass die Fußnoten unten im Text stehen!