Lazaros Dezember 19, 2025 Nicht ganz billig (für ein Buch), aber hoffentlich jeden Euro wert: Raoul Schrott - Atlas der Sternenhimmel und Schöpfungsmythen der Menschheit Zitat https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/raoul-schrott-atlas-der-sternenhimmel-und-schoepfungsmythen-der-menschheit-9783446281226-t-5470 „In einer Zeit vor der Schrift war unser Sternenhimmel ein Kino der Nacht“ – Raoul Schrott. Mit ihrer ungeheuren Einbildungskraft haben die Menschen in den Sternen ihre ältesten Kunstwerke geschaffen und dadurch ihre Kulturen dargestellt. Dieser Atlas versammelt 17 Sternenhimmel von allen Kontinenten: von den Alten Ägyptern bis zu den australischen Aborigines, aus China, Indien und Tahiti, von den Inuit, Buschleuten und den Tuareg. Unser Großer Wagen war für die Maya ein göttlicher Papagei, für die Inka der einbeinige Gott des Gewitters, für die Inuit ein Elch, für die Araber eine Totenbahre. Raoul Schrott fügt diese Sternsagen zu einem einzigartigen Epos der Menschheitsgeschichte Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Quasan 11. Januar · bearbeitet 11. Januar von Quasan Saidi Sulilatu - Finanzen ganz einfach Motivation Ich habe das Buch primär gekauft, um Finanztip zu unterstützen und nicht weil ich mir neue Erkenntnisse erhofft habe. Finanztip hat - neben diesem Forum - einen signifikanten Beitrag zu meiner finanziellen Bildung beigetragen. Ich habe Finanztip aber nur in Form des kostenlosen Podcasts, der Webseite und YouTube konsumiert. Entsprechend wollte ich durch den Kauf des Buches zumindest ein bisschen was zurückgeben. Inhalt Saidi macht quasi einen Rundumschlag durch die privaten Finanzen, wobei die Altersvorsorge mit ETFs der Kernbestandteil ist. Es geht aber auch um Themen wie Versicherungen, Schulden, Kaufen oder mieten und alternative Anlageformen wie Krypto oder Rentenversicherungen Das Buch ist locker geschrieben und lässt sich gut in wenigen Tagen durchlesen. Es spricht primär Menschen an, die sich grundsätzlich im Bereich der privaten Finanzen strukturieren wollen. Ich finde den Aufbau gelungen. Zunächst wird das Finanztip-Prinzip erläutert, das vor allem die 50:30:20-Regel umfasst. 50% des Einkommens geht für Lebenserhaltung, drauf, 30% für Spaß & Freizeit und die restlichen 20% sollten gespart werden. Natürlich ist das sehr pauschal, aber es gibt den Lesern konkrete Anhaltpunkte, was für Einsteiger sehr hilfreich ist. Anhand dieses Prinzips baut sich dann quasi das gesamte Buch auf. Saidi geht darauf ein, dass man erstmal einen Notgroschen haben sollte, bevor man sich mit Vermögensaufbau beschäftigt. Zudem rät er in den meisten Fällen dazu, erst Schulden (z.B. wegen Immobilienfinanzierungen) abzubauen. Alternativen bei niedrigen Kreditzinsen werden auch aufgezeigt. Beim Investieren liegt der Fokus klar auf Aktien-ETFs (risikobehafteter Teil) und Tagesgeld (risikoarmer Teil). Aufgeteilt auf zwei Kapitel sind das etwa 70 der rund 260 Seiten des Buches, also gut ein Viertel. Es folgt eine Abhandlung zu kaufen und mieten, die ich auch gelungen finde. Für mich war sie aber weniger relevant, da ich bereits über ein Eigenheim verfüge. Im Folgeabschnitt geht Saidi dann auf alternative Anlageformen ein: Geldmarkt-ETF, Festgeld, Krypto,... Ich finde gut, dass er all das als optional ansieht und immer wieder darauf eingeht, dass prinzipiell ein weltweit gestreuter Aktien ETF und Tagesgeld ausreichen. Zum Ende hin geht es dann noch darum die vorhandenen Verträge (Strom Gas, Kfz-Versicherung, Handyvertrag,...) regelmäßig zu checken und einmal jährlich Rebalancing zu machen, um das Verhältnis zwischen risikoarmen- und risikobehafteten Vermögensanteil in Balance zu bringen. Das Ziel von Saidi ist dabei immer klar: Er möchte aufzeigen, dass die Organisation der privaten Finanzen gar nicht so kompliziert ist. Er trennt dabei sehr gut nach Must-haves und optionalen Ergänzungen (Krypto, Gold, ...). Fazit Mir hat das Buch gezeigt, wie sehr ich mich auf dem Finanztip-Weg befinde. Das war für mich wenig überraschend, weil ich wie eingangs erwähnt, Finanztip als eine meiner primären Bildungsquellen in dem Umfeld sehe. Für mich war das Buch demnach nicht hilfreich, um neue Erkenntnisse zu erlangen, sondern eher dahingehend, dass ich mich in dem eingeschlagenen Weg bestätigt gesehen habe. Für Menschen, die ihre privaten Finanzen, insbesondere auch in Hinblick auf die Altersvorsorge, organisieren möchten und sich unsicher fühlen, handelt es sich um eine in meinen Augen ideale Einstiegslektüre. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Herr Rossi 13. Januar Treue Roman Autor*in: Díaz, Hernán Hernan Diaz‘ vielschichtiger Roman dekonstruiert den amerikanischen Mythos von Männern, Macht und Reichtum und gipfelt in einer provokanten Geschichte der Emanzipation. Ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis 2023 Am Anfang steht das Geld. Und ein Mann, der es zu vermehren versteht wie kein Zweiter. In der schillernden New Yorker Finanzwelt der 20er-Jahre wächst Benjamin Rasks Vermögen ins Unermessliche. Aber erst seine Ehe mit der geheimnisvollen Helen gibt seinem Leben Sinn. Bald vibriert die ganze Stadt vor Gerüchten um das enigmatische Paar, und mit der Zeit beginnen die vielen Erzählungen die Wahrheit über die Eheleute zu verschleiern. Bis sich eine unerwartete Stimme in dem Gewirr Gehör verschafft. "Treue" ist ein fulminantes Spiel mit dem Leser, eine vierteilige Matroschka, deren Kern den großen amerikanischen Mythos des Kapitals für immer verändert. Was als klassischer Roman über Macht und Männer beginnt, gipfelt in einer provokanten und hochmodernen Geschichte der Emanzipation. Biografie: Hernan Diaz wurde 1973 in Argentinien geboren, wuchs in Schweden auf, studierte in Buenos Aires und London und lebt heute in New York. Sein Debütroman In der Ferne war 2018 für den Pulitzer-Preis und den PEN/Faulkner Award nominiert. Für Treue, seinen zweiten Roman, erhielt Hernan Diaz 2023 den Pulitzer-Preis. Seine Romane wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. Hannes Meyer, geboren 1982, übersetzte u. a. Bücher von Phil Klay und Hernán Díaz. Für seine Übersetzung von Anuk Arudpragasams Die Geschichte einer kurzen Ehe war er für den Internationalen Literaturpreis nominiert. Zwischenfazit Die ersten zwanzig Seiten waren lecker ... . Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli 17. Januar Kit Yates - Wie man vorhersieht, womit keiner rechnet: Richtige Prognosen treffen und unnütze vermeiden Anmerkung: Das Hörbuch von Audible inkludiert auch eine PDF-Datei in welcher die Abbildungen des Buches aufgeführt sind. Ich würde unbedingt darauf achten, wenn das Buch aus einer anderen Quelle bezogen wird, Zugriff auf dieses PDF besteht. Dieses kleine PDF erleichert das Verständnis des Buches bzw. einiger Kapitel doch massiv. Lt. Buch soll das PDF auch auf der Homepage des Publishers zu finden sein. Das habe ich nicht selber überprüft. Vorbemerkung: Buch und Hörbuch liegen sowohl im englischen Original als auch in einer deutschen Übersetzung vor. Das englische Buch und Hörbuch sind beide aus dem Juni 2023 und haben 448 Seiten bzw. eine Laufzeit von knapp 11,75 Stunden. Das deutsche Buch kam Ende Februar 2024 auf den Markt und hat 432 Seiten. Das Hörbuch wurde ein paar Monate später Ende Juni 2024 veröffentlicht und hat eine Laufzeit von 13,75 Stunden. Das deutsche Hörbuch sind in Spotify Premium enthalten. Ich hatte mich allerdings damals aufgrund der Länge des Buches für einen Kauf bei Audible entschieden. Nachträglich muss ich allerdings sagen, dass ich das Buch über 3 Monate gehört habe und dass das mit Spotify auch sehr gut möglich gewesen wäre. Das englische Hörbuch kann auch für über 20 Euro bei Spotify gekauft werden, hier ist ein Kauf via Audible aber deutlich preisgünstiger. Gesprochen wird das deutsche Hörbuch von Carsten Wilhelm. Bei Audible wird Wilhelm als Sprecher von über 175 Büchern verschiedener Genres gelistet. Er macht bei diesem Buch seine Sache gut. Die Teile die eher sachlich sind, werden sehr sachlich gesprochen. Die Teile, die etwas emotionaler werden (wenn auch nur im geringen Umfang), werden auch entsprechend emotionaler gesprochen. Es hat Spaß gemacht ihm zuzuhören. Teilweise war es auch seine Erzählart die dazu beitrugen einfach weiter dran zu bleiben. Kritik: Ich muss gestehen, dass ich das Buch ohne viel Recherche gekauft habe. Ich war davon ausgegangen, dass es ein Buch über Technologie und technologische Entwicklung sei. Dies ist aber definitiv nicht der Fall. Es ist ein Buch über das Fällen von Entscheidungen, was dabei (und warum) alles schief gehen und wie man diese Fallstricke oftmals minimieren kann aber auch wo es weiterhin Unsicherheiten bei der Entscheidungsfindung gibt und immer geben wird. Yates ist Mathematiker der dafür eintritt Entscheidungen, wenn auch nicht strickt, dann aber sehr mathematisch zu begründen. Auch wenn dies das Hauptaugenmerk des Buches ist, beginnt er das Buch mit dem Besuch bei einer Wahrsagerin, um deren Methoden zu erklären. Das war ein sehr spannender und interessanter Einstieg in das Buch. Im Nachfolgenden wird das Buch dann aber immer mathematischer. Er zeigt auf, dass wir oft Opfer unserer kognitiven Verzerrungen werden, was dazu führt, dass wir Gefahren unterschätzen, um uns dann u.U. hinterher selber Vorwürfe machen (i.S.v., „Das hätte ich vorher wissen müssen). Häufig sehen wir auch Muster wo keine sind, da es nur ein Zufall war, weil wir die Möglichkeit bzw. Häufigkeit des Zufalls oftmals unterschätzen. Während er auf der einen Seite dafür plädiert, mathematischer an die Prognostizierung heranzugehen, macht er aber auch darauf aufmerksam, dass es auch Grenzen von Prognosen und Vorhersagbarkeit gibt, weil es so viele Einflüsse gibt, dass man nicht jedem auf dem Schirm haben und mathematisch gesehen, auch schnell Chaos (im Sinne der Nichtvorhersagbarkeit) entstehen kann. Die Große Stärke des Buches sehe ich in den Tools die Yates dem Leser/Hörer an die Hand gibt. So fand ich super interessant, wie z.B. der Satz von Bayes genutzt werden kann um eine Prognose, die dabei auch relativ falsch sein kann, immer weiter zu verbessern. Fazit: Ich vergebe knappe 70 von 100 Punkten. Nicht weil das Buch nicht gut wäre, sondern weil es schlicht zu lang war. Jetzt, nachdem ich das Hörbuch innerhalb von 3 Monaten gehört habe, habe ich viele Sachen schon wieder vergessen. Ich glaube, dass es dem Hörbuch im Endeffekt besser getan hätte, wenn es nur eine Laufzeit von 8 oder 9 Stunden gehabt und der Autor sich auf weniger, deutlich wichtigere Dinge fokussiert hätte. Alles in allem aber dennoch ein lesens- bzw. hörenswertes Buch ist, wenn man Ereignisse objektiver einschätzen will. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli 22. Januar Rieke Havertz – Goodbye, Amerika?: Die USA und wir – eine Neuvermessung Vorbemerkung: Rieke Havertz ist deutsche Journalistin. Demzufolge liegt das Buch auch nur in deutscher Sprache vor. Das Buch gibt es bei Amazon zu kaufen. Das Hörbuch ist überdies bei Audible und Spotify verfügbar. Bei letztem ist es quasi kostenlos in den Inklusiv-Hörbuch-Stunden von Spotify enthalten. Ich habe es via Spotify gehört. Buch und Hörbuch erschienen beide im November 2025 und haben 304 Seiten bzw. 7,50 Stunden Laufzeit. Rieke Havertz liest ihr Buch selber. Obwohl sie keine professionelle Hörbuchsprecherin ist, macht sie ihre Sache gut. Es kommt ihr zu Gute, dass sie das Buch kennt. An drei oder vier stellen fragte ich mich allerdings, ob sich die Sprecherin geändert hatte. Ihrer Stimme verändert sich im Klang sehr deutlich, wenn sie zwei Stunden am Stück gelesen hat. Wenn sie dann am nächsten Tag weitermacht, hat ihre Stimme einen vollkommen anderen Klang, welcher sich dann wieder im Laufe der neuen Lesung verändert. Das ist jetzt nicht schlimm, fand ich nur bemerkenswert, weil es mir bei all den anderen Hörbüchern nie so extrem aufgefallen war. Kritik: Rieke Havertz ist Journalistin und hat längere Zeit für die „taz“ gearbeitet und scheint aktuell „Amerika-Expertin“ bei der Zeit zu sein. Sie hat in den USA studiert und auch dort als Journalistin gearbeitet. Sie pflegte bzw. pflegt weiterhin sehr enge persönliche Beziehungen in die USA. Das Buch ist leider sehr subjektiv und mit jedem Satz den sie über Trump bzw. die jetzige Situation in den USA sagt wird klar, dass sie mit ihm/damit große persönliche Probleme hat. Eigentlich ist auch der Titel des Buches falsch. Eigentlich müsste dieser heissen: „Goodbye, Amerika?: Die USA und ICH – eine Neuvermessung“. Beim Lesen bzw. Zuhören wird mit jeder Minute klarer, dass sie die großen Wirkzusammenhänge versteht aber diese einfach nicht wahrhaben will. Das wird umso deutlicher, wenn sie neutral und faktenreich z.B. über den strukturellen Rassismus in den USA, der schon in der Verfassung zementiert ist, berichtet. Oder darüber wie beide Parteien Republikaner aber auch Demokraten immer wieder Wahhlkreise zu ihrem Gunsten umgestalten. Aber nur wenn die Republikaner dies tun, ist es verwerflich, weil nur die Republikaner die USA nach ihren Wertvorstellungen umbauen wollen, während die Demokraten dies halt zur Rettung der Demokratie machen. Sie gibt sogar zu, dass Joe Biden auch einiges an Dreck am Stecken hat. Aber die Wurzel allen Übels ist und bleibt Donald Trump und die Republikanische Partei. Sind aber Demokraten involviert, dann wird sehr viel relativiert und rungespielt. Sie verstrickt sich dabei in viele Widersprüche. Ganz deutlich wird das im Kapitel „Barack Obama – die Ausnahme?“. Hier analysiert sie sehr stichhaltig, dass Obama mit hoher Wahrscheinlichkeit, zwischen all den Präsidenten (Republikaner und Demokraten), die positive Ausnahme war. Sie bezeichnet ihn dabei als „Menschenfänger“. Das ist, zumindest für mich, ein Begriff aus der Religion, mit dem der Pastor während meines Konfirmationsunterrichts immer wieder gerne in Verbindung mit Jesus beschrieb. Aber andererseits bewundert sie auch den Geschäftsmann Obama, der noch Jahre später mit seinem routiniert untergespulten Texten mittelgroße Hallen in Deutschland füllen kann. Trotzdem ist es lt. Havertz, Trump der das System in den USA durch seine Art jetzt gerade ins Wanken bringt um wenig später darüber zu referieren, dass schon lange vor Trump Newt Gingrich in den 90ern diese angreifende, diffamierende und ausgrenzende Art, die Trump nun nutzt, salonfähig machte. Aber eingestehen, dass schon viele Präsidenten und deren Gefolgsleute vor Trump das System der USA für ihren persönlichen Vorteil gebrauchten bzw. missbrauchten, gerade wenn es um Demokraten geht, dass will sie (sich) nicht. Im Ganzen wird hier im Buch der Narrativ, der mittlerweile in größten Teilen der deutschen Presse vorherrscht weiter kultiviert: Böse Republikaner, ganz böser Trump, dazu machtgeile Tech-Milliardäre (aber eigentlich lässt sie sich primär über Musk aus). Alle Republikaner, ob nun aktiv oder schweigend, werden zu Mittätern dieser böser Mächte gemacht, die die USA zerstören bzw. zu etwas komplett anderem machen wollen. Die Demokraten sind maximal die, die nicht wissen, wie sie das verhindern sollen. Ich hatte hier Anfang 2024 das Buch „Kampf der Supermächte: Amerika und China auf Konfrontationskurs“ von Elmar Theveßen vorgestellt. Dies war handwerklich deutlich besser, obwohl auch dies Buch nicht an Kritik sparte. Es war halt journalistisch neutral geschrieben, während ich mich bei „Goodbye, Amerika?: Die USA und wir – eine Neuvermessung“ nicht dem Verdacht erwehren kann, dass es Gesinnungs-Journalismus ist. Umso mehr freue ich mich, dass Theveßen mit „Deadline: Wie das System Trump die Demokratie aushöhlt und uns alle gefährdet“ ein neues Buch veröffentlicht hat, in welchem er sich genau mit dem gleichen Themenkomplex Rieke Havertz beschäftigt. Ich denke, dies ist eines meiner nächsten Hörbücher, welches ich hören werde. Es ist übrigens auch quasi kostenlos bei Spotify verfügbar. Fazit: Ich vergebe knappe 40 von 100 Punkten. Ich kann aber auch verstehen, wenn jemand 80 oder gar 100 von 100 Punkten vergeben würde. Meine Kritikpunkte kann man zusammenfassen mit: Es wird erst gar nicht versucht journalistisch neutral zu schreiben. Wer das mag, der kann weitaus mehr Punkte vergeben. Ob ich das Buch, wegen der tieferen Fakten (und da ist es wirklich gut), empfehlen kann? Ich weiss es nicht. Ich empfand die Subjektivität und den Narrativ des Buches als sehr nervig. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli 25. Januar Maxi Gstettenbauer - 11,5 Rules für dein erfolgreichstes Leben: Selbsthilfe von einem Typen, der auch keine Ahnung hat Vorbemerkung: Maxi Gstettenbauer ist deutscher Comedian und Moderator. Daher sind Buch und Hörbuch ausschließlich in deutscher Sprache verfügbar. Beide sind bei Amazon bzw. Audible und das Hörbuch auch im Rahmen eines Spotify-Abos innerhalb der Inklusiv-Stunden für Hörbücher verfügbar. Ich habe das Buch im Rahmen meiner Inklusiv-Stunden bei Spotify gehört. Buch und Hörbuch erschienen im Mai 2025 und haben 256 Seiten bzw. 3 Stunden und 50 Minuten Laufzeit. Maxi Gstettenbauer hat sein Hörbuch selber eingesprochen. Da er Moderator und Comedian ist, hatte er dazu auch die Voraussetzungen. Die Art wie er sein Buch präsentiert ist möglicherweise nicht die typische Art wie andere Hörbücher präsentiert werden. Es ist eher eine Mischung aus Lesung und Bühnenshow. Das hat mir aufgrund seiner Art (die ich persönlich mag) und dem Inhalt des Buches Spaß gemacht. Es ist ein heiter-lustiger, aber zugleich sachlicher Vortrag. (Kurz-)Kritik: Maxi Gstettenbauer outet sich am Anfang des Buches als Leser zahlreicher Selbsthilfe- und Selbstoptimierungsbücher, ohne dass diese ihm wirklich selber geholfen haben. Eigentlich sollte das Buch eine persönliche Abrechnung von ihm mit den typischen Büchern dieser Zunft werden. Geworden ist es, meiner Meinung nach, ein sehr persönliches Buch von und über dem Menschen Maxi Gstettenbauer, in welchem er darüber nachdenkt, wie sehr das/sein Leben von der Sicht/Meinung anderer Leute und somit der Gesellschaft und dem Willen nach Erfolg geprägt ist. Im Prinzip lässt sich das Buch damit zusammenfassen, dass nichts so heiss gegessen wie es serviert wird. Und das inkludiert das (eigene) Leben, die eigene Person, die eigene Stimmung und auch was andere Leute über einen denken. Es kann nicht jeden Tag gut laufen und deswegen muss man sich nicht selber soweit optimieren, damit es jeden Tag gut läuft. Das klappt eh nicht. Und hier beginnt seiner Meinung dann auch ein Teufelskreis, welcher von solchen Büchern, Videos und Selbsthilfe“-Coaches“ noch weiter verstärkt wird: Man bekommt eingeredet, dass man persönlich versagt hat, wenn man es nicht schafft immer gut drauf zu sein und besser zu werden. Gut ist oft gut genug. Und oftmals reicht auch okay, um gut durchs Leben zu kommen. Was mir als interessanteste Erkenntnis aus dem Buch hängen geblieben ist, ist die Frage warum seine (aber auch meine) Eltern keine Zeit in solche Selbsthilfe- und Selbstoptimierungsbücher investiert haben. Seine Antwort klingt plausibel: Die hatten einfach keine Zeit dafür. Unsere Eltern mussten arbeiteten und hatten für solche Inhalte einfach keine Zeit. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr gebe ich ihm Recht. Fazit: Ich gebe dem Hörbuch 80 von 100 Punkten. Hätte ich mir das Buch für 14,99 Euro oder Hörbuch für 9,99 Euro gekauft? Eher nicht. Der Grund warum ich überhaupt erst in das Buch reingehört habe war, dass es quasi-umsonst auf Spotify verfügbar ist. Ohne diese Möglichkeit hätte ich es wohl nie angehört. Schlimm wäre das auch nicht gewesen, denn wirklich weltbewegendes vermittelt das Buch jetzt auch nicht. Es hatte dennoch einige interessante Einsichten und es hat Spaß gemacht Maxi Gstettenbauer zuzuhören, da er selber sichtlich Spaß an der Lesung und dem Buch hatte. So gesehen freut es mich dann doch sehr, dass durch Spotify die Hürde des Reinhörens soweit gesenkt wurde, dass ich das Hörbuch dann schlussendlich doch gehört habe. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli 1. Februar Heute mal was Neues: Zwei Kurz-Verrisse. Sozusagen eine Warnung keine Zeit und kein Geld in die (Hör-)Bücher zu investieren. Wenn jemand die Bücher kennt, dann würde ich mich über eine persönliche Einschätzung freuen. Mich würde beides interessieren: Wenn wir gleicher Meinung sind, aber auch wenn wir komplett unterschiedlicher Meinung sind. Warum? Ganz einfach: Ich habe beide Bücher nach rund 30 Minuten der Hörzeit abgebrochen, weil ich absolut keine Motivation hatte, weiter zuzuhören. Ggfs. kommt danach ja noch der Gamechanger-Moment, der die Bücher richtig gut werden lässt. Joseph Nguyen - Hör auf zu glauben, was du denkst: Der einfache Weg für Ruhe im Kopf Der Verlag, Doemer Knaur, in dem die deutsche Version seines Buches, erschienen ist beschreibt Hguyen so: „Joseph Nguyen ist ein spiritueller Vordenker, dessen Mission es ist, anderen dabei zu helfen, ihre tiefe Bestimmung zu verwirklichen, das unendliche Potenzial ihres eigenen Geistes freizusetzen und ein Leben in Fülle und frei von psychischem Leiden zu führen.“ In der Beschreibung von Amazon wird eher sein Engagement auf TikTok hervorgeheben. Im Vorwort, in dem er uns all seine Liebe zukommen lässt, wundert er sich selber darüber, warum über 700.000 Leute sein Buch gekauft haben. Ich wundere mich auch. Das deutsche Buch hat 137 Seiten und soll 16 Euro kosten. Das Hörbuch dauert gute 3 Stunden und ist bei Audible für 9,95 Euro verfügbar oder im Rahmen der Inklusiv-Minuten bei Spotify zu hören. Gesprochen wird es von Timo Weisschnur mit einer Art Kinderpsychiater-Stimme, wenn dem Kind etwas ganz Schlimmes zugestoßen ist. Sowohl von der Präsentation des Inhaltes („spiritueller Vordenker“ trifft es meiner Meinung nach nicht wirklich, eher schon „Guru“ (i.S.v. Sektenführer in spe) als auch von der Art des Vortrages durch Timo Weisschnur, war es mir nach knapp unter 30 Minuten zu viel und ich habe aufgehört. Fazit: Wer das Buch unbedingt haben will, sollte zuerst auf Spotify Probehören, um zumindest den finanziellen Schaden bei (nahe) Null zu behalten. Rolf Dobelli - Die Not-To-Do-Liste: 52 Wege, die größten Lebensfehler zu vermeiden Dobelli hatte 2011 mit „Die Kunst des klaren Denkens - 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen“ einen Bestseller. Bis 2019 folgten 3 weitere „Die Kunst des…“-Bücher. Zwei wo er wieder 52 Punkte aufführte, wie man etwas anders machen sollte. Seit 2019 hat er dann scheinbar nichts mehr veröffentlicht. Höchstwahrscheinlich, weil alles Relevante gesagt war. Keine Ahnung ob 2024 das Geld knapp wurde, aber scheinbar musste ein schnelles, neues Buch her. Wie man dem Titel „Die Not-To-Do-Liste: 52 Wege, die größten Lebensfehler zu vermeiden“ entnehmen kann, diesmal kein „Die Kunst des…“ aber wieder 52 Punkte an denen sich Dobelli abarbeitet. Der Clou des Buches: Das es die „Not-To-Do“-Liste schreibt er erst alles positiv. Zum Beispiel: „Seien sie unzuverlässig“. Durch Unzuverlässigkeit hält man den den Überraschungseffekt bei seinem Gegenüber hoch ob man überhaupt erscheint etc. amit hält man sich spannend. Das ist natürlich Ironisch gemeint und er schreibt dann, warum man es nicht sein sollte. Und das macht er 52 Mal. Nicht nur, dass es langweilig ist, alles auf Biegen und Brechen positiv verdrehen zu wollen, auch die Themen die er anspricht haben keine Tiefe. Neben „Seien sie unzuverlässig“ werden z.B. auch „Seien sie ein Arschloch“, „Halten sie an Ihren schlechten Gewohnheiten fest“, „Flippen sie aus im Straßenverkehr“ etc. thematisiert. Ich war nach gut 30 Minuten wieder raus, weil es immer Schema-F und noch dazu total langweilig war. Wer meint das Buch wäre was für ihn, einfach auf Spotify probe hören. Überdies kann man sich bei Amazon über die kompletten 52 Themen in der „Leseprobe lesen“ einen Überblick verschaffen. Sollte man hier ein interessantes Thema finden, kann man dieses dann gezielt auf Spotify anhören. Ansonsten: Ein weiteres Buch ohne Mehrwert, was wohl nur geschrieben wurde, um die bestehende Fanbasis ein weiteres mal zu melken. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli 14. Februar Henning Beck - 12 Gesetze der Dummheit: Denkfehler, die vernünftige Entscheidungen in der Politik und bei uns allen verhindern Vorbemerkung: Henning Beck ist deutscher Science Slammer und Autor zu Themen der Biochemie und Neurowissenschaften. Entsprechend sind das Buch und Hörbuch auch nur in deutscher Sprache verfügbar. Das Buch ist aus dem August 2023 und hat 256 Seiten. Das Hörbuch aus dem Oktober desselben Jahres und eine Laufzeit von 6:21 Stunden. Buch und Hörbuch sind, wie üblich, bei Amazon (für Preise zw. 12,99 und 20,00 Euro) bzw. Audible (für reguläre 9,95 Euro im Abo) erhältlich. Wie viele andere Hörbücher auch, gehört es zum Premium-Content von Spotify und ist dort quasi-kostenlos innerhalb der inklusiv-Minuten hörbar. Beck liest sein Buch selber. Grundsätzlich schadet das dem Inhalt nicht und man ihm gut zuhören. Allerdings hat Beck eine Stimme, die manchmal etwas Cartoon-artig wirkt. Will sagen: Wäre er die Stimme einer Zeichentrickfigur, würde das auch gut passen. Aber wie gesagt: Stören tut es nicht wirklich und sollte auf keinen Fall der Grund sein das (Hör-)Buch nicht zu hören bzw. lesen. Kritik: „12 Gesetze der Dummheit: Denkfehler, die vernünftige Entscheidungen in der Politik und bei uns allen verhindern“ für mich einer der schlechtesten Buchtitel seit langem. Ich habe den Titel gesehen und dann auch direkt gesehen, dass Beck das Buch selber einliest. Ein spontan erster Gedanke war: „Wieder jemand mit kruden Ideen und Mitteilungsbedürfnis!“. Ich habe das Hörbuch begonnen, quasi um mir schnell die Selbstbestätigung zu holen, dass es nichts taugt und dann was anderes zu hören. Ich hatte von Henning Beck vorher noch nichts gehört. Entsprechend überrascht war ich, als ich (später) sah, dass er einen Wikipedia-Eintrag hat. Beck ist studierter und promovierter Biochemiker und hat wohl auch noch einen Abschluss in Projektmanagement. In der Kombination hat er bis 2013 auch Unternehmen in den USA beraten. Seither (zumindest habe ich nichts anderes gefunden), ist er als wissenschaftlicher Buchautor, Vortragsredner und Science Slammer (so etwas wie ein Poetry-Slammer, nur mit Wissenschaftsthemen) unterwegs. Vermutlich deswegen konnte Beck mich auch schnell einfangen und deutlich machen, dass er wissenschaftlich fundiert arbeitet und eben keine kruden Theorien verbreitet. Er erklärt 12 systematische, weil evolutionär angelegte, Denkfallen, welche nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun haben und in die wir alle täglich reintappen. Besonders bei mir hängen geblieben ist, dass wir emotionale, gut erzählte Geschichten deutlich besser aufnehmen als trockene Fakten. Dabei ist es dann auch egal, wenn die Geschichten faktisch falsch sind. Denn gut erzählte aber faktisch falsche Geschichten kommen besser als dröge aber korrekte Wissenschaft beim Publikum an. Auch ein Grund, warum „soziale“ Medien die auf Emotionen statt auf Fakten setzen, heute so eine Durchdringung haben. Das wiederum fördert eine selektive Wahrnehmung. Wenn wir uns einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlen, dann tendieren wir dazu Fakten so zu gebrauchen, dass wir in unserer Gruppe nicht anecken, auch wenn wir spüren oder gar wissen, dass es anders sein könnte bzw. ist. Schlussendlich führt es dann dazu, dass sich Gesellschaften in Gruppen spalten und immer weniger zugänglich für deren Argumente werden. Im Endeffekt erklärt Beck mit den 12 Gesetzten der Dummheit auch mehr oder weniger direkt viele unserer aktuellen gesellschaftlichen Probleme. Sowohl in Deutschland, als auch Europa und der Welt. Denn die Gesetzte sind universell und nicht deutsch. Fazit: Ich vergebe 95 von 100 Punkten. Es wird viel Interessantes gesagt und auch schnell und schlüssig auf den Punkt gebracht. Ich würde das Buch von der Machart her mit dem Buch „Die Psychologie des Geldes“ von Morgan Housel vergleichen. So wie Housel es schafft Effekte der „Behavioral Finance“ einfach und spannend dabei aber nicht flach und trivial zu erklären, schafft Beck es alltägliche Denkmuster bzw. -fehler, die genauso tief in uns angelegt sind, wie die von Housel aufgegriffenen Themen, wissenschaftlich aber verständlich und vor allem interessant zu erklären. Das Buch hat es definitiv in meine Top-10, wenn nicht sogar Top-5 der „ewigen“ Bestenliste von Büchern geschafft. Eine ganz klare Lese- bzw. Hör-Empfehlung. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Lazaros 14. Februar · bearbeitet 14. Februar von Lazaros vor 3 Stunden von Holgerli: Henning Beck - 12 Gesetze der Dummheit: Denkfehler, die vernünftige Entscheidungen in der Politik und bei uns allen verhindern Fazit: Ich vergebe 95 von 100 Punkten. Es wird viel Interessantes gesagt und auch schnell und schlüssig auf den Punkt gebracht. Ich würde das Buch von der Machart her mit dem Buch „Die Psychologie des Geldes“ von Morgan Housel vergleichen. So wie Housel es schafft Effekte der „Behavioral Finance“ einfach und spannend dabei aber nicht flach und trivial zu erklären, schafft Beck es alltägliche Denkmuster bzw. -fehler, die genauso tief in uns angelegt sind, wie die von Housel aufgegriffenen Themen, wissenschaftlich aber verständlich und vor allem interessant zu erklären. Das Buch hat es definitiv in meine Top-10, wenn nicht sogar Top-5 der „ewigen“ Bestenliste von Büchern geschafft. Eine ganz klare Lese- bzw. Hör-Empfehlung. Danke für die Vorstellung. Da ich auch schon einige solcher "Psychologie Ratgeber" gelesen habe (mache waren mehr, manche waren weniger gut), sage ich mal, was für mich das Problem mit solchen Büchern ist. Es gibt den bekannten Spruch: „Wissen ist, zu wissen, dass eine Tomate eine Frucht ist; Weisheit ist, sie nicht in einen Obstsalat zu tun“. Bei mir ist es so, dass ich mir durch solche Ratgeber sehr viel nützliches Wissen aneigne. Dennoch hilft es mir nur wenig, einmal eingefahrene Verhaltensmuster zu ändern. Also trotz des Mehrs an Wissen, verhelfen mir solche Ratgeber leider nicht zu einem Mehr an Weisheit. Vielleicht bin ich da aber ein Einzelfall, wahrscheinlich liegt die Unflexibilität einmal eigefahrene Routinen zu ändern auch am Alter. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Turmalin 15. Februar vor 12 Stunden von Lazaros: Danke für die Vorstellung. Da ich auch schon einige solcher "Psychologie Ratgeber" gelesen habe (mache waren mehr, manche waren weniger gut), sage ich mal, was für mich das Problem mit solchen Büchern ist. Es gibt den bekannten Spruch: „Wissen ist, zu wissen, dass eine Tomate eine Frucht ist; Weisheit ist, sie nicht in einen Obstsalat zu tun“. Bei mir ist es so, dass ich mir durch solche Ratgeber sehr viel nützliches Wissen aneigne. Dennoch hilft es mir nur wenig, einmal eingefahrene Verhaltensmuster zu ändern. Also trotz des Mehrs an Wissen, verhelfen mir solche Ratgeber leider nicht zu einem Mehr an Weisheit. Vielleicht bin ich da aber ein Einzelfall, wahrscheinlich liegt die Unflexibilität einmal eigefahrene Routinen zu ändern auch am Alter. Ich lese so etwas auch ganz gerne, und sei es nur zur Unterhaltung. Bei Daniel Kahnemann, Schnelles Denken, langsames Denken, heißt es in der Einführung zum Buch: „Die Verfügbarkeit eines diagnostischen Etiketts für diesen systematischen Fehler … erleichtert es, ihn vorwegzunehmen, zu erkennen und zu verstehen.“ Und darin liegt wahrscheinlich der Effekt dieser Art von Büchern, sie richten die Lupe auf bestimmte Vorgänge, die sonst evtl. unbemerkt bleiben oder nur eine Art von undefiniertem Unbehagen hervorrufen. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli 15. Februar · bearbeitet 15. Februar von Holgerli vor 14 Stunden von Lazaros: Bei mir ist es so, dass ich mir durch solche Ratgeber sehr viel nützliches Wissen aneigne. Dennoch hilft es mir nur wenig, einmal eingefahrene Verhaltensmuster zu ändern. Also trotz des Mehrs an Wissen, verhelfen mir solche Ratgeber leider nicht zu einem Mehr an Weisheit. Natürlich wird man kein Buch zu 100% umsetzen können. Und auch 10% halte ich mitunter für viel. Vermutlich habe ich persönlich aus den meisten Büchern die ich gelesen/gehört habe, nur ein oder maximal zwei Aussagen mitgenommen. Wenn überhaupt. Aber über die Anzahl der Bücher sind da eine Menge Erkenntnisse und auch Änderungen in meinem Verhalten hinzugekommen. Das würde ich nicht mehr missen wollen. Ich glaube, dass ich Dir zu jedem Sachbuch was ich hier vorgestellt habe und das gut war, eine Erkenntnis nennen kann, die ich für mich mitgenommen habe. Und sei es nur, dass es nicht funktioniert hat. Einige davon kann man auch nicht aktiv umsetzen, aber allein dass man das Wissen im Kopf hat, macht schon einen Unterschied. Und das sage ich in dem Wissen, dass ich selber nicht mehr ein Jungsspund bin. vor 1 Stunde von Turmalin: Ich lese so etwas auch ganz gerne, und sei es nur zur Unterhaltung. Ja, das ist auch ein wichtiger Punkt. Primär macht es ja auch Spass die (Hör-)Bücher zu hören/lesen. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
stagflation 20. Februar · bearbeitet 20. Februar von stagflation Heute eine Empfehlung für alle, die ihre Buchhaltung selbst machen - oder verstehen wollen, was ihr Steuerberater bucht: Iris Thomsen, Nikolaus Zöllner: Schwierige Geschäftsvorfälle richtig buchen. Haufe Verlag, 346 Seiten, 49,99 € Quelle: Haufe Verlag Grundkenntnisse von Buchhaltung und Jahresabschlüssen sollten vorhanden sein. Gewöhnliche Vorgänge wie ein- und ausgehende Rechnungen und Zahlungen sollten sicher gebucht werden können. Für alles, was darüber hinaus geht ("schwierige Geschäftsvorfälle") ist das Buch sehr hilfreich, weil diese Geschäftsvorfälle kurz beschrieben werden und auf Besonderheiten hingewiesen wird. Die notwendigen Buchungen werden für SKR03 und SKR04 gezeigt. Meistens gibt es zusätzlich ein konkretes Beispiel. Wer schon immer mal wissen wollte, wie man Anzahlungen, Abschreibungen, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Schuldzinsen, Bewirtungskosten oder den Privatanteil von Telefon- oder Geschäftswagennutzung korrekt bucht, bekommt es detailliert und verständlich erklärt. Auch auf die Erstellung von Eröffnungs-, Abschluss- und Überleitungsbilanzen wird eingegangen. Die neue 17. Auflage ist top-aktuell und gerade erschienen. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli 23. Februar Holger Stark - Das erwachsene Land: Deutschland ohne Amerika – eine historische Chance Vorbemerkung: Buch und Hörbuch wurden beide am 2. Januar 2026 veröffentlicht. Das Buch hat 336 Seiten, das Hörbuch eine Laufzeit von knapp 9,5 Stunden. Buch und Hörbuch sind bei Amazon für 26 Euro (bisher nur als Hardcover) bzw. Audible im Abo für 9,95 Euro verfügbar. Auch dieses Hörbuch ist bei Spotify, wo ich es gerade höre, im Premium-Abo quasi kostenlos innerhalb der Inklusiv-Minuten hörbar. Gelesen wird das Buch von Mark Bremer. Er wird bei Audible als Sprecher von über 375 Büchern (überwiegend aus dem Bereich Belletristik) geführt. Entsprechend macht er seine Sache sehr routiniert und gut. Da das Hörbuch ein Sachbuch ist, ist er auch nicht mehrere unterschiedliche Rollen zu sprechen. Seine Sprechart ist für ein Sachbuch sehr angemessen. Das passt. Kritik: Holger Stark ist deutscher Journalist und studierter Politologe. Er hat bei der Berliner Zeitung und zwischen 2001 und 2017 beim Spiegel gearbeitet. Hier enttarnte er u.a. V-Leute des Verfassungsschutzes bei der NPD, was das Bundesverfassungsgericht damals bewog einen NDP-Verbotsantrag abzulehnen. 2013 ging er für den Spiegel in die USA wo er u.a. über die Spitzeleien der NSA berichtete und wie diese Einrichtungen der EU in Washington und New York verwanzt und das Handy von Angela Merkel abgehört hat. Seit 2017 ist er Mitglied der Chefredaktion bzw. stellvertretender Chefredakteur der Zeit. Es schreibt hier, zumindest meiner Meinung nach, ein Mann mit tiefgreifendem Wissen über Deutschland, Europa und die USA sowie die vielfältigen Verknüpfungen der Weltpolitik. Das Buch ist Starks Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass spätestens mit der zweiten Regierung Trump das enge Verhältnis zwischen den USA und Deutschland bzw. Europa so (und auch zukünftig) nicht mehr weiterbestehen wird. Die 80-jährige Nachkriegsordnung mit den USA als „Weltpolizei“, die ihre europäischen Alliierten beschützt, wird auch, selbst wenn die Demokraten zeitnah wieder an die Macht kommen, mit dieser Regierung Trump, beendet sein. Anders als andere Bücher, die meistens nur einen Rückblick und einen Einblick den aktuellen Status quo (unter der jetzigen zweiten Regierung Trump) geben und dabei ihren Fokus primär auf die USA haben und wie Trump und Co diese verändern, gibt Stark zusätzlich einen sehr fundierten Blick in die Zukunft und wie sich Deutschland (und Europa) von den USA emanzipieren können und müssen. Wie der Titelzusatz „eine historische Chance“ zeigt, ist Stark dabei kein Schwarzmaler, sondern zeigt die Chancen auf, die Deutschland (und Europa) dadurch haben können, wenn wir denn diese Chance nutzen. Stark teilt sein Buch in 2 bzw. 3 Teile. Der „I. Teil“ läuft unter der Überschrift „Amerika“. Der „II. Teil“ unter den Überschriften „Deutschland.“ und „Schluss“ (welcher sehr kurz ist) mit einem Epilog. Der „I. Teil“ mit dem Titel „Amerika“ hat wirklich eine fast 100%ige Fokussierung auf die USA und gibt einen schnellen, aber sehr detaillierten Überblick, warum die USA und Trump heute dastehen wo sie stehen. Die These lautet: Am Ende der zweiten Amtszeit von Bill Clinton bzw. Ende 1999 waren die USA reicher und mächtiger als jemals zuvor und niemand konnte sich vorstellen, dass sich das in den nächsten 50 Jahren ändern kann. George W. Bush war eigentlich eher sozialdemokratisch wie sein Wahlkampf-Slogan „No Child will left behind“ deutlich macht. Und dann kam 9/11. Am Ende des „War on Terror“ hatten die USA allein für die kriegerischen Auseinandersetzungen 8 Billionen USD ausgegeben. Und anstatt das Geld in Kinder, Schulen und bessere Sozialsysteme zu investieren, wurden stattdessen große Teile der ländlichen bzw. unstudierten, maximal mit Highschool-Abschluss ausgestatteten, Bevölkerung abgehängt, die von ihren Jobs nun nicht mehr leben können. Diese sehen aktuell keine Chance mehr im jetzigen System am „American Dream“ teilzunehmen und ergreifen jeden Strohalm um das wieder zu ändern. Dass der Multi-Milliardär Trump „einer von ihnen“ und auch ihr Retter sein soll, ist nur eine der Absurditäten der jetzigen USA. Daneben geht Stark auch sehr detailliert auf die zwei weiteren Gallionsfiguren der Regierung Trump ein: J.D. Vance und Marco Rubio. Beide sind dabei sehr interessant. Und jeder auf seine eigene Art und Weise. Beide haben sich auf erstaunliche Weise hin zu Trump gewendet, während sie 2015/2016 noch große Kritiker waren (Vance hat Trump z.B. einen „Idioten“ genannt, Rubio hat sich, als Einwandererkind, ganz klar gegen schon damals durchgeführte Deportationen von illegalen Einwanderern gewandt und die illegale Einwanderung verteidigt). Was die Beweggründe von Rubio sind, darüber sagt Stark nicht viel, auch weil er es nicht weiß. Bei J.D. Vance ist er sich allerdings sicher, wenn dieser denn der nächste Präsident der USA wird, der jetzt eingeschlagene politische Wege in den USA sich verstärken wird, da Vance im Gegensatz zu Trump ein geschlossenes Weltbild hat, die USA umzubauen, während Trump einfach nur an seinem Profit interessiert ist. Der Titel „Deutschland“, im „II. Teil“, ist so gesehen nicht ganz richtig. Stark versucht zwar einen Fokus auf Deutschland zu legen, schafft das aber – verständlicher Weise – nicht, weil Deutschland halt sehr in Europa und die EU integriert ist und Europa als Ganzes zurzeit nur ein Spielball der USA ist. Dazu kommen Blicke in den Rest der Welt und dann auch wieder ein gewisser Fokus auf die USA (ohne größeren Bezug zu Deutschland und Europa, sodass ich mich frage ob es nicht besser in Teil I gehört hätte). Ein besserer Titel wäre daher gewesen: "II. Teil – Deutschland, die EU und Europa (und der Rest der Welt) und die USA“. Auch wenn der Teil II nicht mehr so fokussiert ist, war er doch sehr spannend, wenn auch teilweise schwerer erträglich (sowohl in Bezug auf das Verhalten deutscher und europäischer Politiker, als auch das Verhalten von Trump). Es gibt einen Abriss der Geschichte des Verhältnisses von Deutschland zu den USA in den letzten 80 Jahren bzw. seit der Wiedervereinigung, aber (wieder) mit Schwerpunkt auf die letzten 25 Jahre. Stark geht sehr detailliert auf das Verhältnis von Trump mit den Kanzlern Merkel (konnte so lala mit Trump), Scholz (wurde Trump gehasst) und Merz (wird aktuell von Trump gemocht), der EU (Trump verabscheut diese, weil er den Entscheidungsfindungsprozess mit viel Diskussionen und unterschiedlichen Meinungen, statt Executive Descisions, hasst) und EU-Präsidentin von der Leyen (Trump mag sie mittlerweile) ein. Die Erzählungen dazu sind teilweise (fast) verstörend, wenn man hört, dass Trump mehrmals einfach mitten in Gesprächen aufgelegt hat, wenn ihm der Gesprächsverlauf nicht passte. Aber: Die ganz, ganz große Stärke des Buches und dieses Teils ist,und darin unterscheidet sich dieses Buch von vielen anderen (und hier wiederhole ich mich gerne), dass es nicht nur den Status Quo, sondern auch mögliche Lösungen aufzeigt. Es ist eben halt nicht so, dass Deutschland und Europa komplett abhängig von den USA und die USA komplett unabhängig von Deutschland und Europa sind. Deutschland und Europa haben sehr wohl die Möglichkeit Ihre Verteidigung ohne die USA aufzustellen. Und die USA haben ohne den „unsinkbaren Flugzeugträger“ Deutschland nicht nur ein lokales, sondern ein weltweites, logistisches Problem. Sowohl die Airbase Ramstein als (eine der) größten Basen außerhalb der USA, auch das Militärkrankenhaus in Landstuhl, als größte Einrichtung außerhalb der USA, haben größte strategische Bedeutung für die USA. Des Weiteren werden die Möglichkeiten Deutschlands bei der nuklearen Abschreckung diskutiert und aufgezeigt, dass nicht nur Deutschland in Abhängigkeit der USA sind. Im Endeffekt werden drei verschiedene Szenarien für Deutschland und Europa aufgezeigt: a. Ein „Weiter so“ bisher und Unterordnung unter die Politik der USA, mit der Gefahr das demokratische, europäische Grundverständnis zu verlieren b. Sofortige Abkopplung von den USA mit all ihren negativen Konsequenzen für die kurzfristige Verteidigungsfähigkeit von Europa c. Sich zehn weitere Jahre an die USA halten und in der Zeit intensiv an der Unabhängigkeit bauen. Für Stark ist klar: Kein Szenario wird schön oder einfach, aber er sagt, dass das alte Verhältnis nie wieder zurückkommen wird. Egal dabei ist, ob es die USA schaffen eine Demokratie zu bleiben oder aber auch, wenn die Demokraten es schaffen sollten, das Rad wieder etwas zurückzudrehen. Deutschland darf dabei nur nicht Gefahr laufen, wieder einzuschlafen, wenn sich die Situation (aus Sicht von Deutschland und Europa) wieder bessern sollte, denn so wie früher wird es nie wieder werden. Ein paar Worte zu Epilog. Dieser hat mir sehr gut gefallen, weil Stark dort die deutschen Politiker bezüglich ihrer Position bzw. den drei aufgezeigten Szenarien) einordnet und auch einen kurzen Einblick bzw. Ausblick in die aktuelle deutsche Politik gibt. Fazit: Man merkt, so glaube ich, an der Länge der Rezension, wie sehr mich dieses Buch beschäftigt hat. Ich vergebe 100+ von 100 Punkten. Und ja, ich meine wirklich „100+“ Punkte. Für mich ist es die bisher beste Analyse der aktuellen Situation. Stark schafft es dabei (bis auf wenige „Ausrutscher“) journalistisch neutral zu bleiben. Natürlich wird anhand seiner bisherigen Tätigkeit, eine gewisse politische Grundhaltung und Meinung von ihm deutlich. Er diskutiert aber durchgehend das Für und Wider von gemachten Vorschlägen und Aussagen (und damit meine ich sowohl seine als auch die von anderen Protagonisten und Interviewpartnern) und ordnet Meinungen sachlich ein, auch wenn er sie augenscheinlich nicht teilt. Für mich ein absolutes Must-Read, wenn es um Deutschland, Europa und deren Verhältnis zu den USA geht. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Gast260303 26. Februar "Kommt mein Haustier in den Himmel", bisher bin ich wenig überzeugt, viel Gefühlsduselei, wenig biblische Argumentation. https://www.adventistbookcenter.de/kommt-mein-haustier-in-den-himmel.html Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli 12. März · bearbeitet 12. März von Holgerli Gerade durch Zufall gesehen: Scheinbar hat Audible eine neue Abo-Art eingeführt. Für 6,99 Euro kann man jetzt monatlich ein Buch für die Dauer des Abos mieten. Soll heissen: Für 9,99 Euro im Monat kauft man das Buch und behält es auch, wenn man das Abo gekündigt hat. Bei dem 6,99 Euro scheint es hingegen so zu sein, dass wenn man das Abo kündigt, auf gemietete Buch nicht mehr zugegriffen werden kann. Hier scheint scheinbar Spotify als Konkurrenz rein zu grätschen... Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli 14. März Lea Sahay – Das Ende des chinesischen Traums – Leben in Xi Jinpings neuem China Vorbemerkung: Lea Sahay ist deutsche Journalistin und China-Korrespondentin der SZ. Entsprechend liegt ihr Buch nur in deutscher Sprache vor. Buch und Hörbuch sind aus dem September 2024. Das Buch hat 288 Seiten und das Hörbuch hat eine Laufzeit von ziemlich genau 9 Stunden. Buch und Hörbuch sind wie üblich bei Amazon und Audible verfügbar. Überdies ist es in den Inklusiv-Stunden für Hörbücher bei Spotify enthalten. Dort habe ich das Hörbuch gehört. Gelesen wird das Buch von Sandra Voss. Sie wird bei Audible als Sprecherin von fast 200 Hörbüchern gelistet. Dementsprechend professionell aber auch routiniert ist das Buch eingesprochen. Das routinierte Einsprechen ist dabei nicht negativ gemeint aber auch nicht als positive Hervorhebung. Es ist halt ein Sachbuch und sie hat den Inhalt des Buches halt entsprechend eingesprochen. Es hat halt gepasst. Kritik: Das Buch hat, zumindest auf den ersten Blick, größere strukturelle Übereinstimmungen mit dem Buch „Goodbye, Amerika“ von Rieke Havertz. Dennoch macht Lea Sahay vieles, wenn nicht sogar alles, besser als Rieke Havertz. Aber dazu später mehr. Lea Sahay kam als Schülerin, Anfang der 2000er Jahre, das erste Mal nach China und bekam ähnlich wie Rieke Havertz in Amerika, ein Hochglanzbild von China präsentiert, welches sie damals wenig hinterfragte. Auch sie kam als Journalistin wieder in das Land ihrer Träume und berichtet nun aus diesem. Wie Rieke Havertz in Amerika, legt auch Lea Sahay ihre Finger in die vielen offenen Wunden, die es in China gibt und die China verstecken will. Anders als Rieke Havertz schafft es Lea Sahay allerdings ein durch und durch journalistisches Buch zu schreiben, welches zwar tiefe persönliche Einblicke in das private und berufliche Leben Lea Sahay gibt, dabei aber eigentlich immer journalistisch neutral bleibt. Und das ist die große Stärke dieses Buches. Es beginnt, wie schon geschrieben, Anfang der 2000er Jahre mit dem Besuch der Schülerin Lea Sahay in China. In dieser Zeit lebt sie als Gastschülerin in einer chinesischen Familie, welche ihr stolz das damals aufstrebende China zeigen, und welches so einen bleibenden Eindruck hinterließ, dass sie auch heute noch als China-Korrespondentin für die SZ (und vorher für das Handelsblatt) direkt aus China berichtet. Nachdem sie Ihre Zeit als Schülerin beschrieben hat, befasst sie sich mit der Machtübernahme von Xi Jinping 2012 und den offen sichtbaren Veränderungen der chinesischen Politik gegenüber der Welt von einem politisch zurückhaltenden Land, welches sich als „Werkbank der Welt“ positioniert und etabliert hatte. Nun hin zu einem Land, welches nun ganz offen zeigt, dass es die wirtschaftliche und auch militärische Supermacht Nummer 1 werden und die USA, vom Tron schmeißen will und dafür die USA auch gezielt als Sündenbock in der heimischen Propaganda darstellt (Fun Fact (?): Während im Westen die These, dass das Covid-Virus aus chinesischen Laboren kommt vertreten wird, wird in China das US-Militär als Sündenbock für das Covid-Virus präsentiert). Dabei beschreibt Lea Sahay sehr eindringlich, wie sich das Verhältnis zum Ausland bzw. zu Ausländern in China geändert hat und welche Zäsur dabei die Covid-Pandemie spielte. Denn obwohl selbst vor Covid der Ausländeranteil in China deutlich unter 1 Mio. Menschen und gerade bei 0,06% der Gesamtbevölkerung lag, sank dieser nach Covid schnell auf 0,03%. Dies einerseits, weil Ausländer nach den chinesischen Covid-Wirren das Land fluchtartig verlassen haben, sobald sie es wieder durften und andererseits, weil die chinesische Regierung Ausländer zunehmend als negativen Faktor sieht. Sie berichtet davon, dass es für ausländische Korrespondenten zunehmend schwieriger wird mit den Menschen zu sprechen, weil von der chinesischen Regierung Angst vor Konsequenzen geschürt wird, wenn man mit Ausländern spricht. Richtig spannend wird es ab dem Punkt, wenn Lea Sahay hinter die Hochglanzfassade von China schaut, welche China als (gehofft kommende) Supermacht, dem Ausland gerne präsentiert. Denn gerade das Sozialsystem passt absolut nicht zu dem makellosen Bild, welches China gerne von sich selber zeichnet. Hier bekommt das Buch dann auch eine persönliche Komponente, da der Sohn der Sahays mehrere Wochen lebensgefährlich erkrankt dem chinesischen Gesundheitssystem ausgeliefert war und Lea Sahay somit aus erster Hand berichten konnte, welche unmenschlichen Bedingungen die chinesische Führung ihrer Bevölkerung zumutet. Covid und die Pandemie selber, bekommt in dem Buch einen recht großen Raum, da Lea Sahay meint, dass das Verhalten der chinesischen Behörden und der Regierung der chinesischen Bevölkerung gezeigt hat, welchen geringen Stellenwert ein einzelner Chinese auch auch die Bevölkerung als Ganzes bei der Regierung hat. Am Ende des Buches befasst sie sich noch mit den Zukunftsaussichten von China aus Sicht der Regierung aber auch aus Sicht der Bevölkerung. Und aus Sahays Sichtweise könnte diese kaum unterschiedlicher sein. Zwar sieht die chinesische Regierung auch das Problem, dass China schneller alt als reich werden könnte, aber gerade die junge Bevölkerung scheint zu großen bzw. zumindest zu größeren Teilen jede Zuversicht in die Zukunft verloren zu haben, da selbst ein Studium heute nicht mehr vor (Massen-)Arbeitslosigkeit schützt. Als anekdotischen, aber sehr eindrücklichen Beweis, nennt sie das Beispiel eines jungen Mannes, welcher den Aufforderungen der Polizei nicht nachkommt und der von einem Polizisten zugerufen bekommt, Folge zu leisten, weil sonst nicht nur er, sondern auch die nächsten zwei Generationen für sein Verhalten bestraft werden würden. Sein zynischer Kommentar darauf sei darauf nur gewesen „Welche nachfolgenden Generationen? Wir sind die letzte Generation!“ und er habe die Tür zugeschmissen. Denn gerade die die junge Bevölkerung verweigert sich der traditionellen Familienplanung: Es wird immer weniger geheiratet und es werden noch weniger Kinder bekommen. Die Geburtenrate liegt nur noch knapp über 1 (2,3 wäre für eine stabile Bevölkerungszahl erforderlich) und China könnte Ende der 2030er Jahre noch vergreister sein als das heute schon überalterte Japan. Der Titel des Buchs ist: „Das Ende des Chinesischen Traums“. Aber weder mit Ausrufezeichen noch mit Fragezeichen. Denn eine endgültige Antwort bleibt Lea Sahay schuldig. Das ist auch nicht weiter schlimm. Ein abschließendes Resümee muss jeder Leser für sich selber ziehen. Starke Zweifel bleiben (zumindest bei mir), dass China die kommende Supermacht wird wie China es möchte Fazit: Ich vergebe 90 von 100 Punkten. Die kleine Abwertung deswegen, weil ich mich an einigen Stellen fragte, warum sie bestimmte Punkte in China (besonders während Corona) negativ hervorhebt, die in Deutschland fast 1 zu 1 auch so gehandhabt wurden. Im Ganzen ist das Buch aber ein faszinierender und sehr oft entlarvender „Insider“-Blick in das Innere von China, weit weg vom Hochglanzbild, welches China im Ausland von sich verkaufen will. Nach diesem Buch habe ich sehr deutliche Zweifel, dass es wirklich zu der chinesischen Weltdominanz kommt, wie man hier in Deutschland so oft hervorsagt und wir uns auf unsere deutschen bzw. europäischen Stärken besinnen und nicht in Panik verfallen sollten, wenn China mal wieder zur Übernahme der Weltherrschaft trommelt. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Lazaros 26. März · bearbeitet 26. März von Lazaros Ein kleine Novelle - trifft aktuell genau die Stimmungslage (auch lesenswert für die zahlreichen FIRE-Anhänger): Die Lebensentscheidung - 18. Februar 2026 von Robert Menasse (Autor) Zitat KLAPPENTEXT Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89. Geburtstag in Wien besucht, verschweigt er ihr jedoch seinen vorgezogenen Ruhestand. Und auch das Gespräch mit Nathalie, mit der er seit vier Jahren in Brüssel eine Beziehung führt, über die gemeinsame Zukunft misslingt. Dann treten wiederkehrende Schmerzen auf, die sich nicht länger ignorieren lassen. Der Befund: Krebs, unrealistisch, dass er noch ein Jahr lebt. Und mit einem Mal geht es allein darum, seine Mutter darüber zu täuschen, ihr den Schmerz zu ersparen, ihren Sohn sterben zu sehen: "Überleben konnte für ihn nur heißen, seine Mutter zu überleben. Vor ihr, bis zu ihrem Tod, seine Krankheit zu verheimlichen. Es ging jetzt um einen Überlebenswettkampf. Das war jetzt die Lebensentscheidung." Kann man über sein Leben entscheiden? Nicht über das Ende, sondern mit Willenskraft über das Weiterleben, länger, als erwartbar wäre? Folgend gibt es zwei kurze Beschreibungen (viel besser als ich es kann, daher schreibe ich nichts weiter dazu): Zitat https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/die-lebensentscheidung-ein-sohn-kaempft-darum-seine-mutter-zu-ueberleben,menasse-102.html Wenn Liebe bedeutet, die Wahrheit zu verschweigen So genau Franz die Spuren des scheinbaren Verfalls seiner Mutter registriert, so wenig kümmert er sich um sich selbst: Seit Wochen peinigen ihn Bauch- und Rückenschmerzen, aber erst als sie unerträglich werden, schleppt er sich zum Arzt: Bauchspeicheldrüsenkrebs, keine Heilung möglich. Da trifft er die eigentliche Lebensentscheidung: Seine Mutter. Was konnte es für sie, was konnte es für eine Mutter Schlimmeres, Entsetzlicheres geben, als den eigenen Sohn zu überleben? Er musste alles tun, um seine Mutter zu überleben. Wie lange auch immer, er musste durchhalten. Vor ihr, bis zu ihrem Tod, seine Krankheit verheimlichen. Wenn er ihr schon keine Enkel schenken konnte, dann musste er ihr jetzt die Katastrophe ersparen, ihn sterben zu sehen, am Ende ihres Lebens den größtmöglichen Lebensschmerz zu erfahren. Zitat https://www.lesering.de/id/4948403/Robert-Menasse-Die-Lebensentscheidung---Europa-im-Angesicht-des-Endes/ Was bleibt Am Ende bleibt keine große These. Nur ein Mann, der seine Mutter nicht allein lassen will. Und eine Institution, die ohne ihn weiterläuft. Europa braucht keine Helden. Aber vielleicht braucht es Menschen, die trotz allem bleiben wollen. Und die eigentliche Lebensentscheidung ist vielleicht nicht der Rückzug, sondern das Aushalten. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli 28. März Am 26.3.2026 um 20:20 von Lazaros: Ein kleine Novelle - trifft aktuell genau die Stimmungslage (auch lesenswert für die zahlreichen FIRE-Anhänger): Die Lebensentscheidung - 18. Februar 2026 von Robert Menasse (Autor) Kurze Nachfrage: Ist das Buch reine Fiktion oder basiert es auf einer wahren Person/Lebensentscheidung? Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Lazaros 28. März vor einer Stunde von Holgerli: Kurze Nachfrage: Ist das Buch reine Fiktion oder basiert es auf einer wahren Person/Lebensentscheidung? Fiktion, Anlass war aber der Tod dreier Personen im "Bekanntenkreis" Menasses, wie er in diesem guten Interview erzählt. https://www.suhrkamp.de/video/robert-menasse-ueber-die-lebensentscheidung-b-4998 Das Büchlein "Die Lebensentscheidung" wurde inspiriert durch Franz Werfels ebenfalls fiktiver Novelle Der Tod des Kleinbürgers ( https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tod_des_Kleinbürgers ), wo es darum geht den 65. Geburtstag zu überleben um die Lebensversicherung ausbezahlt zu bekommen. Diese Buch nimmt wieder Anlehnungen bei Edgar Allen Poe ( https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Tatsachen_im_Fall_Waldemar ) So fußt das eine auf dem anderen. Fiktiv oder real ist meiner Meinung nach egal, entscheidend ist, was der Kopf des Lesers daraus macht. Reale egozentrierte (dennoch lesenswerte) Herangehensweisen zum Thema Umgang mit dem bevorstehenden Tod, findet man in diesen zwei Büchern https://www.amazon.de/Das-Ende-ist-mein-Anfang/dp/3421042926 https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/mars/7787 Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli 28. März Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5) Vorbemerkung: Buch und Hörbuch erschienen beide am 12. März dieses Jahres und sind also erst wenige Tage alt. Das Buch hat 288 Seiten und das Hörbuch eine Laufzeit von knapp unter 6,5 Stunden. Ich habe das Buch mit den monatlich inkludierten 12 Stunden für Hörbücher auf Spotify Premium gehört. Das Hörbuch war bei Spotify direkt am Veröffentlichungstag verfügbar. Es ist aber auch für 9,95 Euro (Kauf)/6,99 Euro (nur hörbar mit aktivem Abo) bei Audible oder als Taschenbuch für 14,99 Euro verfügbar. Gesprochen wird das Hörbuch, wie immer bei den Känguru-Werken, von Marc-Uwe Kling selber. Wie bei den anderen Büchern auch ist, es wieder eine Live-Lesung vor Publikum. Entsprechend hört man dieses auch klatschen und teilweise laut lachen. Kling liest wirklich absolut fehlerfrei. Verhaspeler gibt es nur wenige. (Mit)lachen tut er nicht. Stattdessen hat er seine Art zu lesen über die Zeit perfektioniert: Mittlerweile kann er in einem Satz mehr zwischen der Stimme des Kängurus und seiner eigenen absolut problemlos hin- und herspringen. Diese Lesung vor Live-Publikum machen wirklich Spaß und trägt einen guten Teil des Buches. In anderen Kritiken wird öfters darauf aufmerksam gemacht, dass Kling die Stimmen vom Känguru und anderen Charakteren deutlich anders spricht als in den Büchern zuvor. Dies ist mir nicht bzw. nicht negativ aufgefallen. Kritik: Schwierig das Buch und den Inhalt zu bewerten. Für mich ist ganz deutlich geworden, dass Marc-Uwe Kling zu Anfang des Buches nicht wusste wie es weitergehen soll mit der Geschichte. Im ersten Viertel des Buches, merkte man ihm echt an, dass die alten Gags einfach recycled und mehr schlecht als Recht auf Friedrich Merz umgebogen wurden. Das war der Teil des Buches, bei welchem ich mich ernsthaft gefragt habe ob ich dafür wirklich (Hör-)Zeit aufwenden soll. Da ich das Hörbuch aber primär in der Küche bei der Essensvorbereitung gehört habe, habe ich einfach weiterlaufen lassen. Nach dem ersten Drittel ist mir dann erstmalig bewusst aufgefallen, dass die Geschichten und Gagas besser wurden, weil Kling zunehmend in die aktuelle Situation in Deutschland (primär im Jahre 2025) reingefunden hat. Spätestens nach 50% des (Hör-)Buches hat dann quasi jeder Joke gesessen und die neuen, eigenständigen Ideen (die Wette mit dem Känguru, der CDU-Mann, das lustig machen über die FDP, der Podcast mit Herta) haben selbst das 1. Buch alt aussehen lassen. Absoluter Höhepunkt (aber auch leider das Ende des Buches) war die Rede des Kängurus. Man merkt deutlich, welches Marc-Uwe Klings Hassthemen sind: KI, Tech-Milliardäre, die CDU/CSU und die FDP. Rein subjektiv würde ich sagen kam die AfD diesmal recht gut weg, weil Kling diese Partei mehr oder weniger ignoriert hat. Das war in den vorherigen Büchern noch deutlich anders. Außerdem frage ich mich nach fünf Bestseller-Büchern (das Buch ist direkt Nummer 1 in den Amazon Charts), in wieweit Marc-Uwe Kling nicht mittlerweile auch schon zu Establishment gehört. Fazit: Ich gebe dem Hörbuch im Ganzen 100+ von 100 Punkten. Es kommt damit nicht ganz anders erste Buch heran, ist aber deutlich besser als die anderen drei Bücher. Der Grund für diese Wertung ist einfach.: Der ersten Hälfte des Buches gebe ich aufsteigend knappe 60 bis gute 90 von 100 Punkten. Gerade durch das erste Viertel muss man sich, mitunter durc quälen. Den zweiten 50% des Buches würde ich 110+ von 100 Punkten geben. Somit wäre dieser Teil des Buches besser als das erste Buch insgesamt. Macht dann also besagte 100+ von 100 Punkten. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Holgerli Freitag um 16:55 Ulrike Herrmann – Geld als Waffe: Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet Vorbemerkung: Buch und Hörbuch sind sehr neu: Beide kamen erst am 12. März 2026 auf den Markt. Das Buch hat einen Umfang von 336 Seiten, das Hörbuch eine Laufzeit von knapp 8 Stunden. Ulrike Herrmann ist deutsche Journalistin. Demzufolge liegen Buch und Hörbuch nur in deutscher Sprache vor. Buch und Hörbuch sind wohl bei Amazon und Audible verfügbar. Das Hörbuch zusätzlich als Teil der Hörbuch-Inklusivminuten bei Spotify Premium. Ich habe das Hörbuch bei Spotify Premium gehört. Dies ist ein weiteres Buch, welches von Sandra Voss eingelesen und von mir gehört wurde (nach „Das Ende des chinesischen Traums“ von Lea Sahay). Auch hier gilt meine Ersteinschätzung weiterhin: Voss wird bei Audible als Sprecherin von fast 200 Hörbüchern gelistet. Dementsprechend professionell aber auch routiniert ist das Buch eingesprochen. Das routinierte Einsprechen ist dabei nicht negativ gemeint aber auch nicht als positive Hervorhebung. Es ist halt ein Sachbuch und sie hat den Inhalt des Buches entsprechend eingesprochen. Es hat gepasst. Überdies hat Sandra Voss eine angenehme Stimme, die das Zuhören angenehm macht. Negativ bei diesem Buch fällt das Gendern auf. Primär deswegen, weil es den Hörfluss stört aber auch deswegen, weil es nicht „gleichmäßig“ gegendert wird. Man hat sich dagegen entschieden von (z.B.) „Leser und Leserinnen“ zu sprechen, sondern verwendet „LeserInnen“. Das Problem dabei: Die Pausen zwischen „Leser“ und „Innen“ ist unterschiedlich lang. Oft ist es „Leser-Innen“. Vielfach aber auch „Leser--Innen" oder gar „Leser---Innen“. Dann aber auch manchmal „LeserInnen“. Und gerade diese „--“ oder „---„-Pausen stören den Hörfluss gewaltig. Das Gute: Es kommt nicht allzu häufig vor. Kritik: Als ich begonnen habe das Buch zu lesen, war mir nicht klar wie der Zusatz „Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet“ zu verstehen ist. Daher eine kurze Einordnung vorab: Das Titel ist nicht so zu verstehen, dass die Wirtschaft die Politik auffordert Kriege aus rein ökonomischen Gründen zu beginnen und zu führen. Vielmehr ist es so zu verstehen, dass die Staatspolitik selber die eigene Wirtschaft in eine Sackgasse manövriert hat und deswegen ein Krieg der einzige Weg ist, die Wirtschaft (kurzfristig) zu stabilisieren und von innenpolitischen Problemen abzulenken und so die eigene Macht zu sichern. Damit ist eigentlich schon klar um welche Länder bzw. Politiker es geht: Um Russland und Putin sowie China und Xi und welchen Einfluss deren Politik auf unser (deutsches und europäisches) Leben haben könnte. Das Buch ist daher in drei Hauptteile aufgeteilt: Teil I: Ein wirtschaftspolitscher Abriss der russischen Geschichte von der Zeit der Mongolen über die Sowjetära bis zum heutigen Status Quo mit dem Aufstieg von Putin zum Diktator und der aktuellen Situation der russischen Wirtschaft und Kriegsanstrengungen. Interessant fand ich hier, dass sich das zurückhaltende Verhalten des russischen Volkes, lt. Ulrike Herrmann, wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht und man daher nicht auf einen Aufstand bzw. eine Revolution von unten zu warten braucht. Viel schlimmer aber ist, dass die russische Wirtschaft mittlerweile so auf eine reine Kriegswirtschaft umgebaut wurde, dass bei einem Ende des Krieges eine wirtschaftliche Stagnation bzw. ein Zusammenbruch der Wirtschaft, wie Anfang/Mitte der 1990er Jahre, fast unvermeidbar ist und deswegen mit dauerhaften Kriegen von Seiten Russlands gerechnet werden muss, egal ob mit oder ohne Putin, wenn es nicht zu einem Regime-Wechsel kommt. Putin hat Russland hier in eine Sackgasse bzw. voll gegen die Wand gefahren. Teil II: Wie im ersten Teil wird hier ein wirtschaftspolitscher Abriss, nun der chinesischen Geschichte, beginnend vor über 1.000 Jahren, bis hin zur aktuellen wirtschaftlichen Situation unter Xi Jingping und dessen jüngsten Fehlern gezeichnet. Es wird das Bild eines Reiches gezeichnet, welches durchgehend über Jahrhunderte hinweg für gut 25 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung verantwortlich zeichnete. Das „Jahrhundert der Demütigung“ wird in China der Zeitraum von 1839 bis 1949 bezeichnet, in welchem es westliche Mächte schafften China mit Waffengewalt zu unterjochen und Chinas Wirtschaft kollabierte. Demzufolge wird die Zeit ab 1949, mit der Machtergreifung Maos, von der chinesischen Regierung als konsequenter Weg gesehen wird, China wieder seinen angestammten Platz in der Weltpolitik und -Wirtschaft zurückzuführen. Interessant fand ich, dass Ulrike Herrmann eine weitere Autorin ist, die ein sehr detaillierten Blick auf Xis gescheiterte Coronapolitik wirft, da (auch) sie der Meinung ist, dass Xi mit dieser Politik, die irgendwas zwischen falsch, arrogant und überheblich war, viel von seiner Machtbasis zerstört hat. Demzufolge landet man unweigerlich bei einem möglichen Taiwan-Krieg um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Hier fand ich interessant, dass Ulrike Herrmann sehr detailliert auf die Topologie von Taiwan eingegangen ist und dass eine Taiwan-Invasion kein Selbstläufer für China werden wird, weil Taiwan bei der Verteidigung auf die Topologie der Insel zählen kann. Die Gefahr bleibt, dass der Taiwan-Konflikt, ähnlich dem Krieg in der Ukraine, ein Dauerkonflikt wird, und sich China ins wirtschaftliche Abseits bewegt. Aufgrund der Dominanz Taiwans bei der Mikrochip-Produktion sind dabei weltwirtschaftliche Implikationen alles andere aus ausgeschlossen. Teil III: Ein Abriss der aktuellen Situation des Westens, zusammen mit einem historischen Abriss von (gescheiterten) Wirtschaftskriegen, seit der Mitte des letzten Jahrhunderts. Überrascht, im positiven Sinne, war ich hier, dass sich das erste Kapitel um den Einsatz von Atombomben oder gar schmutziger Bomben drehte und dem Fazit, dass jedem Land welches über Atombomben verfügt klar ist, dass selbst ein regional begrenzter Einsatz, gravierende globale und zivilisatorische Folgen haben würde. Demzufolge ist Hermanns Rückschluss, dass Drohungen von Atombombeneinsätzen wohl Drohungen bleiben werden und der einzige Sinn von Atombomben die Abschreckung ist. Ulrike Herrmann geht auch auf den Suez-Konflikt von 1956 ein und zeigt, dass Wirtschaftskriege krachend scheitern können, gerade wenn sich Verbündete in den Rücken fallen. Der Sprung in die Gegenwart ist eine Analyse von Russlands gescheitertem Gaskrieg gegen Europa und der der Sackgasse in der Russland auch beim Öl steckt. Es wird im Anschluss daran der Bogen nach China gespannt, welche z.B. mit seltenen Erden den Westen in die Knie zwingen wollen. Abgeschlossen wird der Teil III dadurch, dass es einen intensiven Blick auf die NATO, die Rüstungsindustrie und die aktuelle verteidigungspolitische Situation Deutschlands geworfen wird. Das Ende ist eindeutig: Die Situation ist nicht schön aber bei weitem nicht aussichtslos. Die zur Stabilisierung der Lage in Europa nötige Aufrüstung kann und sollte als Chance zur Friedenssicherung und nicht als Weg zu Kriegstreiberei gesehen werden. Das Buch scheint einen wunden Punkt zu treffen: Auf Amazon, wo man auch Bücher ohne verifizierten Kauf bewerten kann, gibt es mehrere sehr negative, teils beleidigende Rezensionen, die direkt am bzw. kurz nach dem Veröffentlichungstermin erstellt wurden und die Bewertung des Buches massiv nach unten ziehen. Auf Audible hingegen, wo man das Hörbuch gekauft haben muss, bevor mal eine Rezension schreiben kann, erreicht das Hörbuch 4,9 von 5,0 Punkten. Fast müsste man solche Fake-Rezensionen als Gütezeichen sehen, denn wenn das Buch nichts zu sagen hätte, würde es auch nicht interessieren. Fazit: Ich vergebe 95 von 100 Punkten. Ich fand die Analysen von Russland und China super interessant habe allerdings meine Zweifel, dass man Entscheidungen, die teilweise 300 oder 400 Jahre vorher getroffen wurde, wirklich noch negative Auswirkungen auf die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage eines Landes haben können. Ich stelle mir vor, jemand würde sagen: „Dieser Aspekt der deutschen Wirtschaft in 2026 lässt sich auf folgende Handlung von Kurfürst Fridulin von Müller im Jahre 1738 zurückführen“. Hier gäbe es mit Sicherheit deutlichen Widerspruch. Im Ganzen lässt mich das Buch etwas ratlos zurück. Denn der einzig mögliche Weg für Europa scheint vorgezeichnet: Aufrüstung, ob man will oder nicht. Angst macht mir, dass sowohl Putin als auch Xi ihre jeweiligen Länder scheinbar in Sackgassen gefahren haben, aus welchen die Länder ohne große Schmerzen nicht mehr herauskommen. Und Schmerzen bedeuten Machtverlust und ihre Macht wollen weder Putin noch Xi verlieren. Wir leben in spannenden Zeiten. Auch wenn spannend nicht unbedingt gut bedeuten muss. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag