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Debeka im Zinsdilemma

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satgar
· bearbeitet von satgar
vor 46 Minuten von tiigeri:

Kann die Debeka nicht umschichten, weil sie an ihr langjährig festangelegtes Geld nicht rankommt? Oder was sind die Gründe?
Und wie seht ihr die Chancen für die nächsten 10-20 Jahre für laufende Rürup/Riester- und andere Versicherungen bei der Debeka Leben?

Oft kann man das nicht, oder will es nicht. Wegen stiller Lasten oder stiller Reserven, die man auflösen müsste. Versicherer tun das in aller Regel nicht und halten Anleihen bis zur Fälligkeit.

 

Sie setzen nur neu eingehendes Geld zum Neuerwerb ein. Und das macht dieses Geschäft so träge und behäbig. Du kannst ja die Zinsen mal in den Vergleich setzen, als die Marktzinsen gefallen sind und bis sie dann am Boden waren (was erlöste eine Debeka Leben da noch?). Der schlimmste Zeitpunkt war meiner Meinung nach im Sommer 2021 erreicht, als manche Banken verwahrentgelte von bis zu -0,5% aufs Girokonto verlangten.  Im September 2019 war der Tiefstand des EZB Zinses von -0,5% gegeben. Er fiel seit Oktober 2008 von damals 3,25% auf besagte -0,5% nach 11 Jahren.
 

Diese Trägheit war beim abschmelzen der Marktzinsen ein Vorteil. Jetzt verkehrt sich das ins Gegenteil. Bis sich das erhöhte Zinsniveau bei den Versicherern zeigt, dauert es lange. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Anlagen der Versicherer ca. 10 Jahre durchschnittliche Duration aufweisen. Bis sich also das heutige Marktzinsniveau beim Versicherer auswirkt, dauert und dauert es. Positiv wird das gestützt und unterstützt werden durch die schrittweise Auflösung der Zinszusatzreserve, die die Versicherer aufgebaut haben.

 

Die canadalife erläutert das hier auch nochmal https://www.canadalifeaktuell.de/steigende-zinsen-mehr-performance-chancen-und-weniger-risiken-bei-klassischen-produkten-17690

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stagflation
· bearbeitet von stagflation
vor 31 Minuten von tiigeri:

Kann die Debeka nicht umschichten, weil sie an ihr langjährig festangelegtes Geld nicht rankommt? 

 

Versicherer investieren häufig in langfristige Anlegen. Natürlich könnten die umschichten. Aber das würde nichts bringen. 

 

Was Du Dich fragst, ist vermutlich folgendes: nehmen wir an, die Debeka hätte vor 5 Jahren in eine 20-jährige Anleihe mit 1% Verzinsung investiert und diese läge jetzt im Bestand. Könnte sie die nicht umschichten eine eine neue Anleihe, für die es zurzeit 3% gibt?

 

Ja, das könnte sie machen! Aber unglücklicherweise ist mit der Erhöhung des Zinsniveaus der Kurs der alten Anleihe gefallen - und zwar genau so, dass der Zinsanstieg kompensiert wird. Die Debeka könnte die alte Anleihe mit einem Verlust von ca. 30% verkaufen und dann in die neue Anleihe investieren. Sie hätte dann einen Verlust und ab sofort eine höhere Verzinsung - aber das würde ein ähnliches Ergebnis bringen, als wenn sie die alten Anleihen behalten würde.  

 

Das hat nichts mit Versicherungen oder der Debeka zu tun, sondern es ist eine generelle Eigenschaft der Anleihe-Märkte. 

 

Also, es wird lange dauern, bis die alten, schlecht verzinsten Anleihen fällig geworden sind und durch neue, besser verzinste Anleihen ersetzt sind. In Zeiten fallender Zinsen profitieren Anleger von langfristigen Anleihen, weil sie noch einige Zeit die alten, höheren Zinsen bekommen. In Zeiten steigender Zinsen müssen die Anleger leiden, weil sie noch lange die Zeit die alten, schlechteren Zinsen bekommen. Auf lange Sicht betrachtet gleicht sich beides aus.

 

Was man also sehen wird, ist, dass die Verzinsung der Debeka in den nächsten Jahren langsam steigen wird. Über einen längeren Zeitraum. Und nicht schlagartig. 

 

Ein anders Thema ist die Geschäftspolitik der Debeka. Hier wurden in den letzten 20 Jahren wohl ein paar suboptimale Entscheidungen getroffen, so dass sie im Vergleich zur Konkurrenz nicht optimal dasteht.

 

PS: danke fürs Raussuchen der Zinssätze. Das wollte ich auch schon mal machen - jetzt kann ich mir die Arbeit sparen. :thumbsup: 

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B2BFighter
vor 4 Minuten von stagflation:

 

Versicherer investieren häufig in langfristige Anlegen. Natürlich könnten die umschichten. Aber das würde nichts bringen. 

 

Was Du Dich fragst, ist vermutlich folgendes: nehmen wir an, die Debeka hätte vor 5 Jahren in eine 20-jährige Anleihe mit 1% Verzinsung investiert und diese läge jetzt im Bestand. Könnte sie die nicht umschichten eine eine neue Anleihe, für die es zurzeit 3% gibt?

 

Ja, das könnte sie machen! Aber unglücklicherweise ist mit der Erhöhung des Zinsniveaus der Kurs der alten Anleihe gefallen - und zwar genau so, dass der Zinsanstieg kompensiert wird. Die Debeka könnte die alte Anleihe mit einem Verlust von ca. 30% verkaufen und dann in die neue Anleihe investieren. Sie hätte dann einen Verlust und ab sofort eine höhere Verzinsung - aber das würde ein ähnliches Ergebnis bringen, als wenn sie die alten Anleihen behalten würde.  

 

Es ist eben nicht so einfach, wie vom Vorredner bereits erwähnt.  Stichwort: Stille Lasten

Da die Kurse der alten vor 5 Jahren 1%Verzinsung Anleihen gefallen sind, sitzen die Versicherer auf "stillen Lasten". Ein aktueller Verkauf würde diese Verluste realisieren und sofort das Eigenkapital schwächen, weshalb die Debeka gezwungen ist, die Papiere bis zur Endfälligkeit zu halten ("Buy and Hold").

 

Die regulatorische Schranke: Solvency II

Versicherer unterliegen strengen gesetzlichen Vorschriften, die sicherstellen sollen, dass sie jederzeit solvent, also zahlungsfähig, bleiben. 

Die BaFin schreibt vor, wie viel Eigenkapital (Solvenzkapital) ein Versicherer mindestens vorhalten muss, um unerwartete Verluste – wie zum Beispiel einen plötzlichen Kurssturz des gesamten Anleiheportfolios – abfangen zu können. Wenn die Debeka nun massenhaft alte Anleihen mit 30 % Verlust verkaufen würde, realisiert sie die stillen Lasten. Diese Verluste mindern direkt das Solvenzkapital.

Die Konsequenz: Sinkt das Solvenzkapital, greift die BaFin ein. Es würde ein Verbot der Annahme von Neugeschäft drohen. Die Debeka hat also gar nicht die Freiheit, beliebig Verluste zu realisieren, nur um die Verzinsung zu optimieren, sie muss vorrangig solvent bleiben.

 

Fazit: Die Debeka hat keine echte Wahl. Die Einhaltung der Solvenz ist wichtiger als die Optimierung der Rendite. Die Debeka muss die alten Anleihen bis zur Fälligkeit halten, um das System stabil zu halten. Die höhere Verzinsung wird also kommen, aber nur in dem langsamen Tempo, in dem die alten Papiere natürlich auslaufen und durch neue ersetzt werden können. In der Krankenversicherung kann die Debeka, dir Unterschreitung des gesetzten Rechnungszinses kompensieren, indem sie die Beiträge erhöht. Das hat und tut sie aktuell jedes Jahr sehr stark.  In der Leben ist es noch übler, hier belasten sie die hohen Altlasten (Garantieverträge mit 4% oder 3,25, 2,75%) enorm, weil diese über Jahre unzähligen Kunden zugetragen wurden. Kompensieren tut das die Debeka über Neukunden, welche aktuell sehr schlecht verzinste Verträge angeboten bekommen.

 

Bsp.: für aktuelle Riester-Neukunden  https://www.debeka.de/privatkunden/vorsorgensparen/zukunftalter/riester-rente.html

Garantierte Zinsen

Bis zum Rentenbeginn wird Ihr Gesamtbeitrag in unserem Sicherungsvermögen angelegt. Obwohl in der Regel auf sichere Anlagen keine Zinsen gewährt werden, garantieren wir Ihnen eine jährliche Verzinsung der Eigenbeiträge* und Zulagen* von 0,9 %. Am Ende der Ansparphase steht auf jeden Fall die Summe der eingezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung. Daraus erhalten Sie die garantierte Rente.

*nach Abzug der Kosten

 

Überschüsse 

An den darüber hinaus erzielten Zinsen und Erträgen werden Sie ab dem dritten Jahr monatlich beteiligt. Dafür erhalten Sie Anteile an dem Debeka-internen Fonds Debeka Global Shares. Die Wertentwicklung der Überschussbeteiligung ist damit nicht mehr unmittelbar vom Niedrigzinsniveau abhängig. Aus dem Wert des Fondsguthabens erhalten Sie am Ende der Ansparphase eine zusätzliche Rente.

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stagflation
· bearbeitet von stagflation

@B2BFighterDas mag durchaus sein. Aber selbst wenn es diese Regeln nicht geben würde, würde ein Umschichten nichts bringen. Insofern ist die Aussage "es liegt an den stillen Lasten" zu kurz gegriffen.

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Cornwallis
· bearbeitet von Cornwallis

Hallo,

 

ich bin natürlich kein Experte im Versicherungsaufsichtsrecht, aber ich befürchte, dass es nicht ganz so einfach ist.

vor einer Stunde von B2BFighter:

Die BaFin schreibt vor, wie viel Eigenkapital (Solvenzkapital) ein Versicherer mindestens vorhalten muss, um unerwartete Verluste – wie zum Beispiel einen plötzlichen Kurssturz des gesamten Anleiheportfolios – abfangen zu können. Wenn die Debeka nun massenhaft alte Anleihen mit 30 % Verlust verkaufen würde, realisiert sie die stillen Lasten. Diese Verluste mindern direkt das Solvenzkapital.

Die Konsequenz: Sinkt das Solvenzkapital, greift die BaFin ein. Es würde ein Verbot der Annahme von Neugeschäft drohen. Die Debeka hat also gar nicht die Freiheit, beliebig Verluste zu realisieren, nur um die Verzinsung zu optimieren, sie muss vorrangig solvent bleiben.

 

In der Bilanz muss man ja nun irgendwelche Zahlen auf den Cent genau ausweisen.

Zum Glück haben so Jahresabschlüsse aber 300 Seiten und mehr. So lang ist eine Bilanz nun auch nicht.

 

Im Jahresabschluss 2024 (Seitenzahl bitte selbst recherchieren) gibt es eine kleine Überraschung (rote Kennzeichen durch mich)!

 

image.png.4de8061e0f6e8a78312a6b37361fd970.png

 

Dann hoffen wir mal, dass bei der BaFin keiner diese Tabelle kennt, liest und der armen Debeka nun kein Neugeschäftsverbot droht!

 

Allerdings ist bei einer Bilanzsumme von knapp 59 Mrd. Euro eine Vermeidung von Abschreibung in Höhe von knapp 7,5 Mrd. Euro schon eine Hausnummer..

Leider sind die Angaben zu den Passiva bzw. konkret zum Eigenkapital für mich etwas undurchsichtig..

 

Gruß

 

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chirlu
vor 31 Minuten von Cornwallis:

Im Jahresabschluss 2024 (Seitenzahl bitte selbst recherchieren) gibt es eine kleine Überraschung

 

Aber das sind doch genau die stillen Lasten, von denen in den beiden Beiträgen zuvor die Rede war. Würde die Debeka ihre Anleihen verkaufen, bekäme sie nur den Zeitwert (und müsste auch den in die Bilanz schreiben, würde also einen entsprechenden Verlust realisieren). Sie bleibt aber beim Nennwert, weil sie weiß, dass der Kurs der Anleihen sich bis zum Fälligkeitstermin wieder daran annähern wird.

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Shylock
23 minutes ago, Cornwallis said:

Dann hoffen wir mal, dass bei der BaFin keiner diese Tabelle kennt, liest und der armen Debeka nun kein Neugeschäftsverbot droht!

 

Das ist Blödsinn, bei der BaFin ist das bekannt. Die Vorschriften erlauben es der Debeka und allen anderen Versicherungsunternehmen die Anleihen zu Anschaffungskosten zu bilanzieren, solange es feste Absicht ist, diese bis zum Laufzeitende zu halten. Das vermeidet Abschreibungen, vermindert aber die zukünftige Rendite (der Sachverhalt ist ja schon beschrieben worden). Das ist aus Solvenzsicht auch nicht zu beanstanden, solange die Finanzsituation sich nicht derart verschlechtert, dass ein vorzeitiger Verkauf der Anleihen notwendig werden könnte.

 

Da Versicherungen nur selten und in geringen Umfang vorzeitig gekündigt werden und somit die Cashflow-Planung relativ simpel ist, führt das auch in der Realtität kaum zu Problemen hat aber den Nachlauf der Renditen den @satgarbeschrieben hat zur Folge.

 

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tiigeri

Vielen Dank für eure Antworten...jetzt verstehe ich das etwas besser...
 

Zitat

Was man also sehen wird, ist, dass die Verzinsung der Debeka in den nächsten Jahren langsam steigen wird. Über einen längeren Zeitraum. Und nicht schlagartig.

Na dann hoffen wir mal, dass es langsam aufwärts geht. Und dass die Debeka bei der Verzinsung in Zukunft wieder besser mit der Konkurrenz mithalten kann!!!

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B2BFighter
vor 56 Minuten von Cornwallis:

Hallo,

 

ich bin natürlich kein Experte im Versicherungsaufsichtsrecht, aber ich befürchte, dass es nicht ganz so einfach ist.

 

In der Bilanz muss man ja nun irgendwelche Zahlen auf den Cent genau ausweisen.

Zum Glück haben so Jahresabschlüsse aber 300 Seiten und mehr. So lang ist eine Bilanz nun auch nicht.

 

Im Jahresabschluss 2024 (Seitenzahl bitte selbst recherchieren) gibt es eine kleine Überraschung (rote Kennzeichen durch mich)!

 

image.png.4de8061e0f6e8a78312a6b37361fd970.png

 

Dann hoffen wir mal, dass bei der BaFin keiner diese Tabelle kennt, liest und der armen Debeka nun kein Neugeschäftsverbot droht!

 

Allerdings ist bei einer Bilanzsumme von knapp 59 Mrd. Euro eine Vermeidung von Abschreibung in Höhe von knapp 7,5 Mrd. Euro schon eine Hausnummer..

Leider sind die Angaben zu den Passiva bzw. konkret zum Eigenkapital für mich etwas undurchsichtig..

 

Gruß

 

Danke für die Grafik. Ich wusste gar nicht, dass diese stillen Lasten so deutlich ausgewiesen werden im Geschäftsbericht. Sicherlich eine gesetzliche Verpflichtung.

 

7,7 Milliarden ist schon eine Hausnummer.


Für Versicherte heißt das, die nächsten 10–15 Jahre wird es eine schwache reale Verzinsung geben. Denn realistisch ist das nur 5–7 % des Bestands pro Jahr auslaufen bzw. neu angelegt werden.

 

Für die PKV sind Beitragsanpassungen also wahrscheinlicher, weil die Alterungsrückstellungen real an Kaufkraft verlieren werden ggü der medizinischen Inflation. Diese liegt in Deutschland: bei 4–5 % p. a. getrieben durch neue Therapien, teure Medizintechnik und die Demografie.
 

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stagflation
· bearbeitet von stagflation
vor 18 Minuten von B2BFighter:

 Diese liegt in Deutschland: bei 4–5 % p. a. getrieben durch neue Therapien, teure Medizintechnik und die Demografie.

 

Uff. Ich hoffe nicht, dass das der dauerhafte Wert für die Zukunft ist. Denn dann müssten die PKV-Beiträge jährlich um 6% steigen - und das wäre für mich unbezahlbar.

 

Ich rechne meistens mit: Inflation: 2%, medizinische Inflation: 3%, Steigerung der PKV-Beiträge: 4-5%. In den letzten 4 Jahren war es mehr. Ich hoffe aber, dass wir wieder zu den obigen Werten zurückkehren werden.

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B2BFighter
vor 4 Minuten von stagflation:

 

Uff. Ich hoffe nicht, dass das der dauerhafte Wert für die Zukunft ist. Denn dann müssten die PKV-Beiträge jährlich um 6% steigen - und das wäre für mich unbezahlbar.

 

Ich rechne meistens mit: Inflation: 2%, medizinische Inflation: 3%, Steigerung der PKV-Beiträge: 4-5%.  In den letzten Jahren war es höher. Ich hoffe aber, dass wir wieder zu den obigen Werten zurückkehren werden.

Deine Größenordnung kommt hin. Eine brauchbare Faustregel aus der Versicherungsmathematik besagt, dass:

 

1 % dauerhafte reale Unterdeckung

⇒ ca. 0,7–1,0 % zusätzlicher Beitragsdruck p. a. ausmachen.

 

Bedeutet: 
Medizinische Inflation
3–5 % p.a.
Rückstellungs-Unterdeckung
1,5–3 % p.a.
Gesamt-Beitragsdynamik
~5–7 % p. a.

 

5–7 % durchschnittliche Beitragssteigerung p. a. über lange Zeiträume sind realistisch.

Bzw. eher sporadische Sprünge von 15–25 %, da nur bei auslösenden Faktoren angepasst werden darf. 

 

Aber ich will nicht zu sehr vom Debeka Thema abweichen. Bin gespannt, was die Debeka die nä. Tage für 2026 für eine Überschussbeteiligung bekannt gibt.

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stagflation
· bearbeitet von stagflation

Die Frage ist, wie viele Leichen bei der Debeka noch im Keller liegen in den Bilanzen stehen?

 

In den vergangenen 10 Jahren musste die Debeka ja einzelne Töchter massiv unterstützen. Ist das jetzt vorbei? Oder waren die bekannten Kapitalzuführungen (wie z.B. die 150 Mio. Euro an die Debeka Bausparkasse in 2018) nur der sichtbare Teil des Eisbergs? Und in den Bilanzen schlummern weitere Lasten, die über viele Jahre abgebaut werden sollen und die die Versicherten weiterhin Rendite kosten werden?

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Cornwallis

Hallo,

vor einer Stunde von Shylock:

Das ist Blödsinn, bei der BaFin ist das bekannt. Die Vorschriften erlauben es der Debeka und allen anderen Versicherungsunternehmen die Anleihen zu Anschaffungskosten zu bilanzieren, solange es feste Absicht ist, diese bis zum Laufzeitende zu halten. Das vermeidet Abschreibungen, vermindert aber die zukünftige Rendite (der Sachverhalt ist ja schon beschrieben worden). Das ist aus Solvenzsicht auch nicht zu beanstanden, solange die Finanzsituation sich nicht derart verschlechtert, dass ein vorzeitiger Verkauf der Anleihen notwendig werden könnte

vor einer Stunde von chirlu:

Aber das sind doch genau die stillen Lasten, von denen in den beiden Beiträgen zuvor die Rede war.

ja, genau. Das Prinzip und die barwertige Wirkung von Zinsveränderungen auf festverzinsliche Positionen sind mir sehr klar.

Aber in dem Beitrag, den ich zitierte war von aufsichtlichen Kennzahlen zur Solvenz die Rede.

 

Und ich wollte lediglich die These in Frage stellen, dass ausschließlich derartige Bilanzkennzahlen in einer isolierten Betrachtung dazu führen, dass Solvenzkriterien erfüllt sind und kein Aufseher "Stop!" ruft.

 

Sondern ich vertrete die These, dass wenn selbst in den der Öffentlichkeit zugänglichen Einzeljahresabschlüssen die stillen Lasten so dezidiert ausgewiesen sind, eben jene auch für die Beurteilung der Solvenz aus Sicht des Regulators bekannt sind und berücksichtigt werden; offenbar haben die Aufseher dennoch bisher nicht "Stop!" gerufen. Als sollte die Debeka auch jetzt bereits schon die stillen Lasten realisieren können und nicht erst über die bilanzielle Gewinn- und Verlustrechnung (in Form von entgangenen Erträgen bzw. höheren Refinanzierungskosten) ohne mit einem Neugeschäftsverbot belegt zu werden. Oder es hat in Bonn doch noch keiner gemerkt..

 

Weiterhin dürften diese Fragen auf Konzernsicht zu beurteilen sein und nur teilweise auf Einzelunternehmensebene zu erfüllen sein.

 

Mehr wollte ich ja gar nicht sagen. Ich bin schon wieder ruhig..

 

Gruß

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satgar
· bearbeitet von satgar
vor 2 Stunden von B2BFighter:

Für Versicherte heißt das, die nächsten 10–15 Jahre wird es eine schwache reale Verzinsung geben.

Die Frage ist eben auch, wie sich die zinszusatzreserve neben der eigentlichen Überschussbeteiligung entwickeln wird. Das lässt sich derzeit noch nicht absehen. 
 

Das die Debeka Leben aber zum spitzenfeld wird aufschließen können, ist erstmal nicht zu erwarten. Höchster Wert dieses Jahr bei der Athora Leben Run-Off Gesellschaft: 3,5% laufende Verzinsung, 4,5% gesamtverzinsung 

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Kratos
vor 5 Stunden von B2BFighter:

Die regulatorische Schranke: Solvency II

[...]

Wenn die Debeka nun massenhaft alte Anleihen mit 30 % Verlust verkaufen würde, realisiert sie die stillen Lasten. Diese Verluste mindern direkt das Solvenzkapital.

Letzter Satz ist natürlich Quatsch.

 

Solvency II ist ja eben schon eine Marktwertbilanz.

 

Unter dem SII-Regime wird der Marktwertverlust der Aktiva bei weitem aufgefangen vom Marktwertverlust der versicherungstechnischen Verpflichtungen, v.a. bei einem Versicherer wie der Debeka mit viel langlaufenden konventionellen Policen.

 

 

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Cornwallis

Hallo,

 

eine Ergänzung noch zum Jahresabschluss und der Regulatorik:

Die Debeka veröffentlicht sowohl für die Gruppe, als auch für einige Einzelunternehmen, wie die Lebensversicherung weitere Berichte.

"Der vorliegende Bericht über die Solvabilität und Finanzlage (SFCR – Solvency and Financial Condition Report) [..] deckt die geforderten Inhalte von Solvency II ab."

 

Also die Interpretation eines Jahresabschlusses bzw. Teile dessen traue ich mir noch zu. Bei diesen Berichten zur Solvabilität und Finanzlage hört es aber komplett auf.. Jedenfalls hat das mit Bilanzansätzen (nach HGB) alles nicht mehr ganz viel zu tun.

 

Gruß

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hilflos
vor 14 Stunden von Cornwallis:

 

Allerdings ist bei einer Bilanzsumme von knapp 59 Mrd. Euro eine Vermeidung von Abschreibung in Höhe von knapp 7,5 Mrd. Euro schon eine Hausnummer.

Wie groß darf denn die Aktienquote bei Versicherungen sein sein?

 

 

 

welche Aktien sind denn von 9,1 auf 6,7 Mrd gefallen. in den letzten Jahre ist doch alles gestiegen 

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Cornwallis
· bearbeitet von Cornwallis

Hallo,

 

das weiß ich nicht, woher auch?

Was ich hingegen sicher weiß, ist, dass definitiv nicht alles gestiegen ist.

Ich denke, Du findest schon ein paar Aktien, die gefallen sind.

Ansonsten hilft lesen, hab's doch extra noch markiert: "ausschließlich zinsinduziert". Wie genau welche Positionen bewertet wurden, das weiß ich natürlich wieder nicht. Woher auch.. Kenn weder die Positionen noch die Bewertungsmodelle. Woher auch?

Bin ja kein Bafin oder Debeka Mitarbeiter oder Kunde..

Und selbst wenn, gäbe es sicher Verschwiegenheitspflichten.

 

Gruß

 

Nachtrag: Ferner wüsste ich nicht, dass es Aktien gibt, die ich "bis zur Endfälligkeit" halten kann und somit entsprechende handelsrechtliche Abschreibungen verhindern kann. Ich gehe also nicht davon aus, dass hier handelsrechtlich zinsinduzierte Abschreibungen auf Aktien aufgrund des gemilderten Niederstwertprinzips im Anlagevermögen unterblieben sind.

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satgar

Wieso geht’s hier denn auf einmal um Aktien? Das Problem ist doch auf der Anleihen Seiten entstanden.

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hilflos
vor 2 Stunden von satgar:

Wieso geht’s hier denn auf einmal um Aktien? Das Problem ist doch auf der Anleihen Seiten entstanden.

Debeka hat auch Aktien die gefallen sind.  Zeile 2 der Buchwerte 

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satgar
· bearbeitet von satgar
vor 4 Minuten von hilflos:

Debeka hat auch Aktien die gefallen sind.  Zeile 2 der Buchwerte 

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Ist mir schon klar, das die auch Aktien haben. Das haben die Versicherer immer ein bisschen im deckungsstock. Es ging aber um die stark gesunkenen Überschüsse der Debeka Leben. Und das können die Aktien nicht erklären, dafür sind es zu wenige. Das Problem ist grundlegend eines auf der Anleihen seite. Was ja auch nichts neues ist, dass..

 

- die Lebensversicherer weit überwiegend in sehr sichere Anleihen investieren (müssen)

- in der Niedrigzinsphase und generell, möglichst lange Anleihelaufzeiten in die Bücher holen und holten

- das aufgrund des schnellen und hohen Zinsanstieges am Markt und der EZB zu Problemen geführt hat.

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