Effizienzmarkthypothese am Beispiel Wirecard

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187 posts in this topic

Posted · Edited by reko

vor 15 Minuten schrieb Yoko:

Bei einer Markt-Effizienz von 90% und 90% Stock-Picking-Fähigkeiten mache ich mit der Hälfte meiner Aktien mehr als 5% Gewinn in diesem Jahr, mit der anderen Hälfte weniger als 5% in diesem Jahr. Mit 50% Gewinner und 50% Verlierern (ggü. dem Markt) ist es also gut möglich, dass mein Endergebnis ähnlich hoch wie das vom Markt ist.

Bei 90% Martkteffizienz haben 90% meiner Anlagen Marktrendite (wenn man Effizienz so definiert). Diese 90% habe ich quasi in einen selbst gebauten Indexfonds investiert.

Habe ich keine Stockpickingfähigkeiten werden 5% meiner Anlagen über Marktrendite und 5% unter Marktrendite einbringen.

Ich muß also nur besser als der Affe mit den Dartpfeilen sein und selbst wenn nicht, habe ich nichts verloren.

Die Asymmetrie von Gewinn und Verlust ist ein anderes Thema.

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3 hours ago, hund555 said:

Wenn es also keine neue Information über die Firma/Produkt gibt ...

 

Keine (neue) information ist auch eine Information. Dies ist in dem Kontext also genau so zu behandeln, wie der Wahrheitsgehalt einer Information.

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vor 25 Minuten schrieb RonHulk:

 

Keine (neue) information ist auch eine Information. Dies ist in dem Kontext also genau so zu behandeln, wie der Wahrheitsgehalt einer Information.

Die zweite Hälfte meines Satzes ist die eigentliche Frage.

Ich halte den Artikel "Das Märchen von der Markteffizienz" für korrekt - eure Antworten haben mich leider nicht überzeugt.

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3 minutes ago, hund555 said:

Die zweite Hälfte meines Satzes ist die eigentliche Frage.

...

 

Liegt wohl daran, dass es keinen beliebigen Kurs gibt ...

 

5 minutes ago, hund555 said:

Ich halte den Artikel "Das Märchen von der Markteffizienz" für korrekt - eure Antworten haben mich leider nicht überzeugt.

 

Ich, und viele Andere, behaupten ja nicht, dass der Markt immer und überall 100% effizient ist. Dies sieht das Modell vor, was wie gesagt nur ein Modell ist, welches auf den gesetzten Annahmen fußt ;) Die erste K.O.-Annahme ist ja schon, das der Mensch rational ist. Abgesehen davon, konnte die efficient market hypothesis bis heute noch nicht wissenschaftlich widerlegt werden!

 

btw: Ich habe vorher nie geantwortet, auch will ich keinen überzeugen.

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vor 13 Minuten schrieb RonHulk:

 

Liegt wohl daran, dass es keinen beliebigen Kurs gibt ...

Naja, wenn ohne neue Informationen der Kurs von 130€ auf 86€ in kurzer Zeit fällt und dann wieder später wieder steigt, ist die Kursentwicklung irrational

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6 minutes ago, hund555 said:

Naja, wenn ohne neue Informationen der Kurs von 130€ auf 86€ in kurzer Zeit fällt und dann wieder später wieder steigt, ist die Kursentwicklung irrational

 

Die Handlungen die zur Preisfindung führen sind ggf. irrational, aber nicht der Kurs als solches. Des Weiteren hast du erst von "beliebigen" Kurs gesprochen, was gemäß seiner Definition nicht sein kann.

 

Und nochmal, es gibt immer, auch "neue", Informationen. Aber dies führt wohl zu weit.

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vor 9 Stunden schrieb Schwachzocker:

Beides einfach nur noch kruder Blödsinn.

Du scheinst mit Ignoranz deine Bildungsdefizite ausgleichen zu wollen. Da kann man dann wirklich nur noch den Gott des effizienten Markes um Rat fragen.

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vor 9 Stunden schrieb etherial:

Ich lese daraus: Wenn du nur die Bewertung betrachtest würdest du kaufen. Da du mehr Informationen hast nicht. Short gehen würdest du auch nicht, somit ist der Preis für dich entweder effizient (du hast genug Informationen und willst bewusst nicht) oder zu unsicher (du hast du wenige Informationen, eventuell weniger als der Markt) um dich zu entscheiden. Beides deutet auf Informationseffizienz hin.

 

Gut vielleicht ist Informationseffizienz bezogen auf meine Person erfüllt. Aber wenn kein Handel von informierten Leuten statt findet kann ein falscher Preis trotzdem nicht korrigiert werden.

Die Effizienzmarkthypothese beachtet vielerlei praktische Dinge nicht. Beispielsweise dass ein Investment zum Investor passen muss.

Es ist müßig und fruchtlos über effiziente Märkte zu diskutieren wenn Leute nie versucht haben fundamental zu investieren. Das ist wie mit Eunuchen über Sex zu diskutieren. :rolleyes:

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vor 11 Stunden schrieb reko:

Vielleicht weil die 2. Aussage nicht haltbar ist? Nur was bringt mir die Theorie wenn sie zu falschen Bewertungen führt?

Die EMH ist keine Theorie, sondern eine Hypothese. Und sie heißt auch nicht deswegen Hypothese weil sie "vielleicht stimmt", sondern deswegen weil viele mathematische Theorien nur funktionieren, wenn man sie zugrunde legt. Ob sie auf die Realität anwendbar ist, ist ein ganz anderes Thema.

 

Mir geht es bei meinen Aussagen nicht darum, ob die EMH in der Realität nun gilt oder nicht (das hängt unter anderem davon ab, wie tief man ins Detail geht). Vielmehr stand hier zur Debatte, ob Wirecard ein Beispiel für ineffiziente Märkte ist. Und hier muss ich Schwachzocker zustimmen. Starke Schwankungen sind selbst bei intakter EMH möglich und sogar erklärbar (nämlich durch schwankende Informationen, welche wir durchaus hier vorfinden).

 

vor 11 Stunden schrieb reko:

Wenn ich jetzt nicht investiere, dann kann das daran liegen, dass entweder

1. das Investment nicht zu mir paßt

Was wohl nur darauf basieren kann, dass irgendwelche Informationen zu diesem Thema dir nicht zusagen. Ohne gute Gründe (Informationen) wirst du dir ein so lukratives Geschäft ja wohl kaum entgehen lässt.

vor 11 Stunden schrieb reko:

2. ich von einer weiteren Zunahme der Irrationalität ausgehe

3. die Aktie jetzt immer noch zu teuerer ist - dann war sie aber vorher erst recht nicht rational bewertet.

Ich sehe da keinen Unterschied. In beiden Fällen gehst du davon aus, dass es zukünftig Situationen gibt, bei denen du günstiger oder mit weniger Risiko Einkaufen kannst. Da bist du nicht der Einzige. Alles Informationen die du für deine persönliche Preisbildung einbeziehst. Und dass wenn die Mehrheit so denkt dann wird sich der Preis erst da stabilisieren, wo genügend Leuten der erwartbare Gewinn hoch genug ist um das erwartbare Risiko (weiterer "Irrationalität") zu tragen.

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Am 10.2.2019 um 17:23 schrieb Schwachzocker:
Am 10.2.2019 um 17:06 schrieb Peter Grimes:

... Genau irrationaler Annahmen wegen sind starke Kurssprünge und auch die berühmten "Über-/Unterbewertungen" möglich...

Hm, ich meine, dass genau das eben grundsätzlich nicht der Fall ist.

Die Frage ist, was mit dem Begriff Über-/Unterbewertung gemeint ist. Rein sprachlich sind die Begriffe fragwürdig, weil sie implizieren, es gäbe eine richtige Bewertung. Die gibt es natürlich nicht (wir kennen die Zukunft nicht, bzw. im speziellen Fall von Wirecard: wir kennen die Wahrheit nicht). Im Nachhinein kann man sagen "der Markt hatte Recht!" (oder Unrecht), aber auch das ist eigentlich fragwürdig. Wir haben keine Monte-Carlo-Simulation der Realität, in der wir nachgucken können, in wie vielen Paralleluniversen Wirecard geschummelt hat, die NordLB gerettet wurde oder Tesla Insolvenz im Q4/2018 angemeldet hat. Um beurteilen zu können, ob der Markt das Unternehmen "richtig" bewertet hatte, müsste man das aber wissen, dann könnte man basierend auf der statischen Verteilung der tatäschlichen Ergebnisse einen fairen Erwartungswert berechnen, der in der Vergangenheit anzulegen gewesen wäre.

 

Letztlich ist mit dem Begriff Über-/Unterbewertung wohl einfach nur gemeint, dass man die verfügbaren Informationen anders bewertet als der Markt.

 

Insofern kann man deine nachfolgende Frage:

Am 10.2.2019 um 17:37 schrieb Schwachzocker:

Wie unter diesen Annahmen Über- oder Unterbewertungen entstehen können, verstehe ich aber nicht. Über- und Unterbewertungen gegenüber was?

... dann beantworten mit: Über- und Unterbewertung gegenüber der eigenen Einschätzung.

 

So zumindest verstehe ich diese Aussage immer, und in besser geschriebenen Texten formulieren die Investoren es auch so.

Also z.B. nicht: "Xyz hat ein KGV von nur 5, das Unternehmen ist unterbewertet!"

sondern z.B.: "Wir glauben, dass Xyz aufgrund von ... niedrig bewertet wird, halten diese Sorge aber für übertrieben, weil ..."

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vor 11 Stunden schrieb Yoko:

Je effizienter der Markt, desto schwieriger ist es systematisch eine Outperformance zu erzielen.

So interpretiere ich die Markteffizienzhypothese auch, meinetwegen kann man es "schwache Effizienzhypothese" nennen oder so: am Markt sind keine risikolosen Gewinne möglich, aber das bedeutet nicht zwingend, dass der Markt bei allen riskanten Investments jederzeit ein angemessenes Chance-Risiko-Verhältnis bietet.

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Posted · Edited by Schildkröte

Zitat

„Wir glauben, dass Märkte – ob es nun um Zinsen, Währungen oder Staatsschulden geht – langfristig effizient sind“, sagte er kürzlich in einem Interview mit einer Analystin von Morningstar.

Kurzfristig seien Märkte allerdings „hochgradig verzerrt“. Es gebe immer wieder Panik an den Märkten, die menschlichen Schwächen wie Angst und Gier unterworfen seien, was zu Exzessen führe. Auf Sicht von drei bis fünf Jahren würden Preise an den Märkten allerdings von den zugrundeliegenden makroökonomischen Trends bestimmt.

Quelle: FAZ-Artikel über Michael Hasenstab

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Am 10.2.2019 um 16:01 schrieb Schildkröte:

Ist es effizient, dass die Aktie von Wirecard auf (bisher) unbegründete Vorwürfe derart heftig reagiert?

Unbegründet? Wenn so etwas aufkommt, geht es wie immer um Wahrscheinlichkeiten. Mit welcher Wahrscheinlichkeit ist etwas dran?

Nehmen wir mal ein vereinfachtes Modell zur Bewertung einer Aktie. Wir nehmen an, dass das EPS entweder zu 10% wächst, oder es zu einem Totalausfall kommt. Beispiel:

2020: Totalausfallwahrscheinlichkeit 5%

2021: 10%

2022: 15%

2023: 17%

2024: 24%

2025: 25%

2026: 25,5%

 

Wir nehmen an, der faire Wert der Aktie läge bei 100€.

 

Nun kommt eine neue Information. Dadurch verdoppelt sich die Ausfallwahrscheinlichkeit in jedem Jahr. Was wäre dann der faire Wert der Aktie? Ich würde sagen, deutlich(!) geringer. Dann kommt eine neue Information, die die Ausfallwahrscheinlichkeit wieder verringert. Oder die Analysen, die zu dem Ergebnis führen, dauern eine Weile.

-> So muss es zu größeren Kursschwankungen kommen. Zumindest in einem effizienten Markt. Für die Einzelperson meiner Ansicht nach nicht zu erkennen. Wenn zB. eine positive und eine negative Nachricht kommt, weiß man ja oft nicht mal, ob das nun eine positive oder negative Auswirkung auf den Kurs hat.

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@Chips

Du machst Dir Gedanken über den Einfluß der Information auf den "fairen Wert" einer Aktie. Das ist eine edle und gerechte Haltung. Lob und Anerkennung.

Die derzeit beobachtbaren Kursschwankungen haben aber ja doch wohl auch Gründe, die in einer ganz anderen Ebene zu sehen sind.

Ich vermute mal, daß ein erheblicher Teil der Anleger gar nicht in der Lage ist, den "fairen Wert" dieser Aktie zu berechnen oder auch nur abzuschätzen.

Da der Kurs aber über längere Zeiträume erheblich gestiegen ist, kaufen viele Anleger diese Aktie völlig losgelöst vom "fairen Wert" einfach in der Erwartung, der Kurs würde sicherlich auch weiter steigen. Trendfolger und Anhänger der Momentumstrategie.

Ein Teil dieser Anleger weiß vermutlich sehr genau, daß sie keine Ahnung haben, wo der "faire Wert" liegt. Da ist dann die irritierende Nachrichtenlage ein Grund zu verkaufen, denn es könnte ja sein, daß andere auch verkaufen, weil sie von den Nachrichten irritiert sind. Und natürlich möchte man nicht der letzte sein, der auf diese Nachrichten mit einem Verkauf reagiert. Da spielt der "faire Wert" keine Rolle. Wie war das? Das sind die zittrigen Hände. Und der Kurs wird sich beruhigen, wenn ein großer Teil der Aktien von den zittrigen in die ruhigen Hände gewandert sind.

 

Schlußgedanke:

Ich weiß dagegen genau, wo der wirklich faire Wert der Aktie liegt. Nämlich bei dem Kurs, zu dem Käufer und Verkäufer beide glauben, daß es nun gut sei, das Geschäft abzuschließen.

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vor 56 Minuten schrieb Nachdenklich:

@Chips

Du machst Dir Gedanken über den Einfluß der Information auf den "fairen Wert" einer Aktie. Das ist eine edle und gerechte Haltung. Lob und Anerkennung.

Die derzeit beobachtbaren Kursschwankungen haben aber ja doch wohl auch Gründe, die in einer ganz anderen Ebene zu sehen sind.

Ich vermute mal, daß ein erheblicher Teil der Anleger gar nicht in der Lage ist, den "fairen Wert" dieser Aktie zu berechnen oder auch nur abzuschätzen.

Da der Kurs aber über längere Zeiträume erheblich gestiegen ist, kaufen viele Anleger diese Aktie völlig losgelöst vom "fairen Wert" einfach in der Erwartung, der Kurs würde sicherlich auch weiter steigen. Trendfolger und Anhänger der Momentumstrategie.

Na sichi. Und du meinst, gewillte Wallstreemanager können das nicht ausnutzen? Ich würde mal vermuten, dass der Anstieg der Wirecardaktie einen Grund hatte. Nämlich dass die Erfolgsaussichten immer weiter stiegen. Ich würde sogar soweit gehen, dass auch der Anstieg zur DotCom-Blase durchaus rational war. Völlig neue Technologie(IT + Internet) mit schier grenzenlosen Möglichkeiten. Klar, im Nachhinein weiß man es immer besser, aber damals?

 

vor 56 Minuten schrieb Nachdenklich:

Ein Teil dieser Anleger weiß vermutlich sehr genau, daß sie keine Ahnung haben, wo der "faire Wert" liegt.

Es geht auch nicht darum, dass Anleger da irgendwas ausrechnen. So nach Graham: 8 + x* erwartetes Wachstum ist das faire KGV und liegt das KGV drunter, dann unterbewertet, ansonsten überbewertet. Das wäre ja schön einfach. Da spielen diverse Faktoren mitrein. Was der faire Wert ist, kann man objektiv sowieso gar nicht sagen. Es hängt ja auch von der Risiko- und Zeitpräferenz der einzelnen Anleger ab. Ja, und Psychologie mag eine Unter- oder Übermenge davon sein.

Es geht einfach darum: Wenn eine Information kommt, die viel Einfluss auf die Erfolgswahrscheinlichkeiten einer Aktie hat, dann ist es rational, dass der Kurs sich viel bewegt. So eine Info kann ein Gerücht sein und kurze Zeit später eine Verstärkung des Gerüchts oder auch eine Entkräftigung? Das bewegt den Kurs.

Nun kann dabei das Zockerhormon ausgeschüttet werden und man kauft, wenn der Kurs kurzfristig auf Basis eines Gerüchts fällt. Und dann klappt es und man verkauft und man rühmt sich, wie man die Ineffizienz des Marktes ausgnutzt hätte.

 

 

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Wie gesagt, die FT sollte man nicht unterschätzen. Aber die bisherigen Vorwürfe waren stets unbegründet. Dass eine Aktie auf eine Meldung eines bis dato unbekannten Research-Institutes (das seitdem nicht mehr in Erscheinung getreten ist) derart heftig reagiert, ist nicht gerade "effizient". Bezüglich der jüngsten Geschehnisse hat Capital eine alternative, ziemlich plausible Begründung (welche schon eher effizient ist und die o. g. These von Dr. Hasenstab stützt):

 

Zitat

Meines Erachtens war eine Reihe kritischer Artikel lediglich der Auslöser dafür, dass sich ein zuvor aufgeblasener Kurs mal wieder normalisiert hat. Normalisiert in Kursbereiche, die für das Wachstum des Unternehmens angemessen sind.

...

Seit 2013 hat sich die Aktie zwar mehr als vervierfacht. Betrachtet man jedoch zwei einfache fundamentale Kennziffern im Verlauf seit 2013 – das tatsächliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und das von Analysten für das Folgejahr erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), so zeigt sich, dass sich die Bewertung ein halbes Jahrzehnt lang innerhalb einer gewissen Bandbreite bewegte: Beim erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis waren dies ein KGV von 20 auf der Unterseite und von 30 auf der Oberseite. Beim tatsächlichen KGV war die Bandbreite etwas größer, sie lag die meiste Zeit zwischen rund 25 und etwa 45.

 

Vor einem Jahr hingegen hob der Kurs dramatisch ab – und mit ihm die Bewertung. Nun muss man aufpassen mit Kausalitäten, aber der Verdacht ist naheliegend, dass hier die Erwartung der Aufnahme in den Dax die Fantasie vieler Spekulanten und Investoren angefacht hat. Und es dürfte auch zu Vorzieheffekte passiver Investoren gekommen sein, deren Handelspartner sich in Stellung brachten für die zu erwartende Nachfrage. Die Folge: Zum Zeitpunkt der Dax-Aufnahme lag das tatsächliche Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 80 (sic!) – statt wie zuvor jahrelang im Band zwischen 25 und 45 – und das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 50 (statt wie jahrelang zuvor zwischen 20 und 30). Und das, obwohl die Umsatz- und Gewinndynamik bei den gleichen Werten wie zuvor lag, nämlich bei rund 35 bis 40 Prozent pro Jahr.

...

Vergessen wir nun alles, was über Wirecard geschrieben wurde und betrachten die aktuelle Bewertung bei 103 Euro, mithin also einem tatsächlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 35 und einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 25. Das ist recht genau die Mitte der jahrelang üblichen Spannen.

 

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vor 21 Stunden schrieb Marfir:

...Die Effizienzmarkthypothese beachtet vielerlei praktische Dinge nicht. Beispielsweise dass ein Investment zum Investor passen muss.

Quatsch, wenn man die zukünftigen Lottozahlen kennt, dann spielt man und fragt nicht, ob die Lottoannahmestelle zu einem passt. Tut man es dennoch nicht, spielen eben andere, die die Zahlen auch kennen und nicht völlig bedeppert sind.

 

vor 9 Stunden schrieb Schildkröte:
Zitat

Kurzfristig seien Märkte allerdings „hochgradig verzerrt“. Es gebe immer wieder Panik an den Märkten, die menschlichen Schwächen wie Angst und Gier unterworfen seien, was zu Exzessen führe.

Das ist doch schön. Dann haben wir doch unseren Manager, der dauerhaft und hinreichend zuverlässig eine Überrendite erzielen kann, gefunden.

 

vor 8 Minuten schrieb Schildkröte:

...Dass eine Aktie auf eine Meldung eines bis dato unbekannten Research-Institutes (das seitdem nicht mehr in Erscheinung getreten ist) derart heftig reagiert, ist nicht gerade "effizient".

Du hast nicht die geringste Ahnung, warum eine Aktie zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Kursbewegung macht. Warum behauptest Du es dann?

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Posted · Edited by Schildkröte

Dr. Hasenstab ist ein Market-Maker, der wie Warren Buffett Kurse maßgeblich beeinflussen kann. Bei einem etablierten Wert dürfte eine Analyse eines fragwürdigen Institutes kaum eine (derart heftige) Kursreaktion verursachen. Hier noch ein Artikel vom Handelsblatt, welcher die Schwächen von Fama's Hypothese aufzeigt:

 

Dekabank-Chefvolkswirt Kater sieht das Problem der Markteffizienz-Hypothes sehr schön in dem Standardwitz der Rational-Choice-Theoretiker verdeutlicht: Laufen zwei Wissenschaftler über den Campus der Universität Chicago. Sagt der eine: „Du da liegt ein zehn Dollar Schein“. Sagt der andere: „Kann nicht sein. Wenn der da läge, hätte ihn schon jemand aufgehoben."

 

 

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vor 7 Stunden schrieb Chips:

-> So muss es zu größeren Kursschwankungen kommen. Zumindest in einem effizienten Markt. Für die Einzelperson meiner Ansicht nach nicht zu erkennen. Wenn zB. eine positive und eine negative Nachricht kommt, weiß man ja oft nicht mal, ob das nun eine positive oder negative Auswirkung auf den Kurs hat.

Natürlich nicht. Die Kursbewegung hängt nicht von der Nachricht selbst ab, sondern davon, wie die anderen Marktteilnehmer diese interpretieren.

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vor 12 Stunden schrieb Yerg:

Natürlich nicht. Die Kursbewegung hängt nicht von der Nachricht selbst ab, sondern davon, wie die anderen Marktteilnehmer diese interpretieren.

Jep. Und es ist logisch, dass die Marktteilnehmer, die es besser interpretieren können, mehr Einfluss haben. Denn Marktteilnehmer, die öfter richtig als falsch liegen, haben mehr Kapital zur Verfügung. Marktteilnehmer, die es nicht so gut machen, weniger, bzw. scheiden aus. Ein sich verstärkendes System. Wenn jemand etwas gut kann, wird er bestärkt, aonsten bestraft.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Spielsüchtiger deswegen das Kasino schlagen kann ;)

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Posted · Edited by Marfir

Am 12/02/2019 um 06:15 schrieb Schildkröte:

„Wir glauben, dass Märkte – ob es nun um Zinsen, Währungen oder Staatsschulden geht – langfristig effizient sind“, sagte er kürzlich in einem Interview mit einer Analystin von Morningstar.

Kurzfristig seien Märkte allerdings „hochgradig verzerrt“. Es gebe immer wieder Panik an den Märkten, die menschlichen Schwächen wie Angst und Gier unterworfen seien, was zu Exzessen führe. Auf Sicht von drei bis fünf Jahren würden Preise an den Märkten allerdings von den zugrundeliegenden makroökonomischen Trends bestimmt.

 

Langfristig ja. Da gehe ich mit. Wer die kurz- bis mittelfristigen Verzerrungen nutzt um sich langfristig zu positionieren, der kann auch den Markt schlagen.

Das alle Marktteilnehmer die gleiche Rendite bekommen ist Wunsch-denken von ahnungslosen Anlegern, die glauben Investieren ist ein Lottospiel.

 

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Zitat

Dekabank-Chefvolkswirt Kater sieht das Problem der Markteffizienz-Hypothes sehr schön in dem Standardwitz der Rational-Choice-Theoretiker verdeutlicht: Laufen zwei Wissenschaftler über den Campus der Universität Chicago. Sagt der eine: „Du da liegt ein zehn Dollar Schein“. Sagt der andere: „Kann nicht sein. Wenn der da läge, hätte ihn schon jemand aufgehoben."

Witzig ... :wacko:

 

An der Börse tummeln sich 100.000 Anleger gleichzeitig auf der Suche nach Scheinen die auf dem Boden liegen und am Campus der Universität Chicago kein einziger. Und wenn dort 100.000 Geldscheinsucher wären, die alle nach 10 Dollar auf dem Boden suchen - würdet ihr dem Wissenschaftler glauben dass 10 Dollar auf dem Boden liegen? Die Wahrscheinlichkeit dass die Aussage falsch ist, ist dann doch sehr hoch.

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Posted · Edited by Marfir

Am 14/02/2019 um 09:44 schrieb etherial:

Witzig ... :wacko:

 

An der Börse tummeln sich 100.000 Anleger gleichzeitig auf der Suche nach Scheinen die auf dem Boden liegen und am Campus der Universität Chicago kein einziger. Und wenn dort 100.000 Geldscheinsucher wären, die alle nach 10 Dollar auf dem Boden suchen - würdet ihr dem Wissenschaftler glauben dass 10 Dollar auf dem Boden liegen? Die Wahrscheinlichkeit dass die Aussage falsch ist, ist dann doch sehr hoch.

Darum mache ich meine eigenen Analysen. Ich muss nicht an Aussagen von jemand anderem glauben. Ich kann selbst hinsehen. Aber "du da liegt ein 10 $ Schein" ist ein guter Start für eine Analyse. ;)

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Am ‎14‎.‎02‎.‎2019 um 09:10 schrieb Marfir:

Das alle Marktteilnehmer die gleiche Rendite bekommen ist Wunsch-denken von ahnungslosen Anlegern, die glauben Investieren ist ein Lottospiel.

Wer glaubt denn, dass alle die gleiche Rendite bekommen?

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Posted · Edited by Schildkröte

vor 15 Stunden schrieb Marfir:

Darum mache ich meine eigenen Analysen. Ich muss nicht an Aussagen von jemand anderem glauben. Ich kann selbst hinsehen. Aber "du da liegt ein 10 $ Schein" ist ein guter Start für eine Analyse. ;)

 

Vielleicht ist an dem Geldschein auch eine Schnur, an der jemand zieht, wenn man sich bückt. Solche Fallen können auch an der Börse locken. 

 

Solange Aktien zu durchschnittlich bestimmten Kennzahlen notieren und das Wachstum weiter intakt ist bzw. das Geschäftsmodell nicht ernsthaft bedroht ist, kann man Unter- und Überbewertungen relativ leicht erkennen und entsprechend handeln. Alleine schon die unterjahrigen (Markt-)Schwankungen kann man sich dabei zu Nutze machen. 

 

Schwieriger sind Sindersituationen. Etwa eine Airline nach einem Flugzeugabsturz oder eine Versicherung nach einem Großschadenereignis. Oder aber generell Zykliker während eines (Börsen-)Abschwunges. Dann muss man abschätzen, ob daraus resultierende Kursruckgange nur vorübergehender Natur sind oder das Unternehmen die Krise nicht überleben wird. 

 

Ob das alles nun effizient ist, weil ein Wissenschaftler eine entsprechende Hypothese aufgestellt hat, wen interessiert's. 

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