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forceone

Moin zusammen,

 

ich brauch mal euren Rat. Mein aktuelles Depot besteht zu ca. 50 % aus Einzelaktien und der Rest liegt überwiegend in ACWI/World/EM ETFs.

Mit der Performance bin ich nicht unzufrieden, aber ich denke nicht, dass ich über die nächsten Jahrzehnte weiterhin viel Glück haben werden und will

weg vom Stock-Picking und hin zu einem festen Regelwerk. 

 

Anlagehorizont: 20-30 Jahre aktiv besparen + anschließende ~3 % Entnahme und weiterlaufen lassen

 

Mein Plan ist ein 70% Core / 30% Faktor-Split.

Ich will bewusst nicht nur auf Value setzen, sondern Momentum mit reinnehmen ("Hantel-Strategie"), um abgesichert zu sein, falls Tech/KI doch noch lange weiterläuft.

Ich versuche Substanz (SCV) und Trend (Momentum) zu kombinieren. Historisch korrelieren die oft negativ – die Idee ist also, dass das Depot stabiler läuft, als wenn ich nur auf einen Faktor wette. 

 

So habe ich mir die Aufteilung gedacht:

1. Der Core (ca. 70%) Ein paar "Altlasten" (z.B. Berkshire, Allianz, alte ETFs) würde ich aus Steuergründen liegen lassen und als Core definieren. Den Rest würde ich dann einfach stumpf mit dem Vanguard All-World auffüllen. Das soll der Ruhepol sein.

 

2. Die Satelliten (ca. 30%) Hier soll die Musik spielen. Ich plane, das Kapital 50/50 auf zwei Faktoren zu verteilen:

15% Small Cap Value: Hier würde ich auf die Kombi ZPRV (USA) und ZPRX (Europa) setzen. Der Gedanke: Mit KGV ~12 sind die historisch günstig. Ich würde darauf spekulieren, dass sich die Bewertungslücke zum teuren Gesamtmarkt über die Jahre wieder schließt.

Die Aufteilung wäre 2/3 SCV USA und 1/3 SCV Europa.

 

15% Momentum: Hier habe ich den Xtrackers World Momentum (XDEQ) im Blick. Der Gedanke: Meine Versicherung gegen FOMO. Wenn der Markt weiterrennt, bin ich dabei. Wenn der Trend dreht, schichtet der ETF halt um.

 

Das Rebalancing erfolgt maßgeblich über die monatlichen Einzahlungen, um Steuern zu vermeiden.

 

Macht das Sinn oder verrenne ich mich da?

Ist 30% Faktor-Anteil bei dem Zeithorizont zu aggressiv oder genau richtig?

 

Bin für jede Kritik offen.

 

Danke vorab und hoffe ihr habt einen schönen Silvestertag

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PeterS

Alternativ 100% in den Kommer-ETF? https://gerd-kommer.de/lp/etf/

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Beginner81
· bearbeitet von Beginner81

Habe ich auch so in etwa in dieser Richtung, siehe "Musterdepots"-Thread.

Für Small Cap Value würde ich mittlerweile den Avantis-ETF nehmen, der ist global und nur einer und soweit ich weiß "schärfer" Richtung Faktor-Tilt, aber das Regelwerk ist nicht offenliegend im Unterschied zu den MSCI-SCVs.

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Rotenstein

@forceone 

Das perfekte Depot gibt es nicht. Das Ziel sollte sein, dass das Depot gut genug ist - und dass du dabeibleiben kannst. 

 

Glaubst du denn, deine jetzigen sehr konkreten Annahmen und Überzeugungen werden auch noch in zwei, fünf, zehn oder 20 Jahren so bestehen? Oder werden sie sich ändern, verbunden mit einer erneuten Umschichtung deines Depots? 

 

Was führt dich zu der Überzeugung, dass die beiden Faktoren Small Cap Value und Momentum in Zukunft eine nennenswerte Überrendite erzeugen können? Wenn dem so wäre, würden dann nicht kluge Leute diese Aktien so lange billig kaufen, bis sie den fairen Preis erreichten - womit die Überrendite dahin wäre? 

 

Gerade von der Small Cap-Prämie habe ich seit ihrer "Entdeckung" wenig gesehen. Den Schwenk von Small Cap auf Small Cap Value empfinde ich als ein Versetzen der Torpfosten, um die ursprüngliche Hypothese irgendwie zu retten, nachdem sich die Sache mit den Small Caps als Reinfall erwiesen hatte. 

 

Vielleicht sind deine Überlegungen auch alle korrekt, aber wie überzeugt bist du, wenn du hier im Forum nachfragen musst und zumindest die Möglichkeit andeutest, du könntest dich damit verrennen?

 

Mir persönlich würde die Überzeugung hier komplett fehlen, und ich würde dann irgendwann mal, so nach drei oder fünf Jahren Unterrendite, das Handtuch werfen - deswegen gibt es bei mir nur noch einen weltweiten Aktien-ETF und fertig. Geh also in dich und frage dich, ob du deine neue Strategie auch 10 oder zwanzig Jahre durchhalten wirst, oder ob sie am Ende nur eine von vielen sein wird, die sich in deinem Depot die Klinke in die Hand geben werden. 

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forceone

@Rotenstein ich habe mich da an den Studien orientiert und gerade die Value Small Caps sollen historisch betrachtet die Mehrrendite bringen. 

 

Ob das in 10, 20 Jahren auch noch der Stand der Wissenschaft sein wird? Ich weiß es nicht, ich kann nur mit den Daten arbeiten die mir aktuell vorliegen.

 

Dadurch, dass das Thema bekannter ist und mehr Leute bereits Geld in Small Cap investieren, würde ich davon ausgehen, dass die Mehrrendite reduziert wird. 

 

Wichtig müsste sein, dass man auch in harten Zeiten der Unserperformance dabei bleibt und nicht hin und her schwenkt.

 

Meine Erwartungshaltung ist nicht, dass ich mit dem Portfolio auf 12 % o.a. gelangen, aber 1-2% Mehrrendite ggü. dem All-World wäre wünschenswert.

 

Mir fehlt nicht unbedingt die Überzeugung, ich will meine Ideen hier teilen und freue mich über Kritik und Anregungen.

 

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Fetz
· bearbeitet von Fetz

Gut, dann eine Anregung:

 

Der Post-publication-effect.

 

Startpunkt zB hier:

- Hou, Xue, Zhang: "Replicating Anomalies", NBER Working Paper No. 23394, 2017
    - Hou, Xue, Zhang: "Replicating Anomalies", Review of Financial Studies, 2020

 

Ansonsten:

vor 3 Stunden von Rotenstein:

... gibt es bei mir nur noch einen weltweiten Aktien-ETF und fertig

Sic

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Schwachzocker
vor 49 Minuten von forceone:

Mir fehlt nicht unbedingt die Überzeugung,...

Natürlich nicht! Top!:thumbsup:

Mache es!

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Megatron
vor 2 Stunden von forceone:

@Rotenstein ich habe mich da an den Studien orientiert und gerade die Value Small Caps sollen historisch betrachtet die Mehrrendite bringen. 

 

 

Wenn Du Zeit und Lust hast, lies mal Stocks for the Long Run

Da werden auf paar hundert Seiten alle Faktorprämien die man sich vorstellen kann statistisch aufgearbeitet. Momentum, Value, Size, Growth, Political Risk, Marktineffizienzen usw.

 

Value Small Cap kommt auch drin vor :-) Und es wird auch betrachtet wie die Prämie vor 50 Jahren war und wie sie heute ist.

Aktuell dürfte wohl auch EM Value richtig heißer shice sein. Frage ist halt wie lange noch.

 

 

 

 

 

 

 

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Sapine

Du hast Dir viele Gedanken gemacht. den US SC Value habe ich selbst auch im Depot und der lief seitdem tatsächlich ne Ecke besser als der MSCI US SC. Insofern kann schon sein, dass es funktioniert. 

1) meist sind die Themen im Fokus, die gut gelaufen sind. Das ist keine Garantie, ja nicht mal ein Hinweis auf die Zukunft. Der Trend kann eine Weile laufen, muss er aber nicht. 

2) Wenn der nächste Trend kommt, fallen ehemalige Themen gerne hinten runter. Wenn Du also einen langen Anlagehorizont im Blick hast, kann das nach hinten los gehen, alleine schon, weil Deine Fonds womöglich nicht weiter angeboten werden.

3) Dein Momentum Fonds wird mir als Quality angezeigt? 

4) Schau Dir mal das Musterdepot von Glory_Days an (Offensiv/Defensiv Depot). Teilweise etwas abgehoben aber dennoch gute Gedanken drin. 

5) Was ich gut daran finde ist, dass Du Deinen Spieltrieb begrenzt.

Auf @Schwachzocker bitte nicht hören - der hat auf dem Gebiet NULL Expertise. 

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Synthomesc
vor 2 Stunden von Sapine:

Auf @Schwachzocker bitte nicht hören - der hat auf dem Gebiet NULL Expertise. 

Dementi!
Auf diesem Gebiet ist er eine Koryphäe!
Und das meine ich vollkommen ernst. Wer fragen muss der scheint nicht sicher zu sein....

 

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Theobuy
· bearbeitet von Theobuy
vor 12 Stunden von forceone:

Meine Erwartungshaltung ist nicht, dass ich mit dem Portfolio auf 12 % o.a. gelangen, aber 1-2% Mehrrendite ggü. dem All-World wäre wünschenswert.

Ist mit "o.a." "p. a." gemeint? 

 

Mehrrendite ist immer schwierig zu erzielen. Viele sind angetreten, die meisten sind gescheitert. Und die, die es geschafft haben, bei denen ist ziemlich lange unklar, ob es Glück oder Können war. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle richtig rechnen wollen: z. B. 30 % Cash halten, weil auf günstige Einstiegszeitpunkte gewartet wird, wird gerne nicht berücksichtigt, man hat mehrere Depots parallel (Core und Satellite/Einzelaktien) und betrachtet sie getrennt etc. Hier im WPF gibt es viele Beispiele dazu, wenn man etwas zwischen den Zeilen liest. 

 

Für mich habe ich daraus den Schluss gezogen, dass ich die Rendite des Marktes möglichst kostengünstig einsammeln will. Je nach Anleger-Typ ist das gar nicht so einfach – Depots werden häufig umgebaut, weil man dem letzten Trend hinterher läuft und an FOMO leidet, diversen Verzerrungen (Biases) erlegen ist. Leider führt dies häufig dazu, dass man im Ergebnis schlechter als der Markt ist, mit dem man sich vergleicht. Und um die ganz große Keule rauszuholen – Geld sollte kein Selbstzweck sein, sondern es ermöglicht, bestimmte Ziele zu erreichen. Diese würde ich daher als erstes definieren und mit einem Preisschild versehen. Dann ist Zeit, darüber nachzudenken, mit welcher Investitionsquote (10 % des Einkommens?) und welchem für mich passendem Risiko (100 % Aktien oder reichen auch 50 %?) ich in welche Produkte investieren muss, um eine gute Wahrscheinlichkeit zu haben, diese Ziele zu erreichen. Bei Produkten kann man dann überlegen, ob ein Welt-ETF ausreicht, ob man EM, SC braucht, ob man an Faktoren glaubt oder nicht. Höchstwahrscheinlich ist hier aber weniger zu holen, als gedacht. Investitionsquote, Zeit und kostengünstige Produkte könnten die – leider langweiligen – Hebel sein, die viel größere Wirkung haben. 

 

Dein Portfolio wird funktionieren und wahrscheinlich positive Ergebnisse liefern. Ist es das beste? Nein, weil es das beste nicht gibt. Als letzter kleiner Hinweis – 12 % p. a. waren in den letzten Jahren mit einem deutlich langweiligeren Portfolio möglich. Ob das weiter so sein wird - keiner weiß es.

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Rotenstein
vor 16 Stunden von forceone:

@Rotenstein ich habe mich da an den Studien orientiert und gerade die Value Small Caps sollen historisch betrachtet die Mehrrendite bringen. 

 

Das ist schon richtig, aber die Frage ist, ob du von diesem Effekt in der Praxis profitieren kannst. Deine beiden Small Cap Value ETFs hatte ich übrigens auch einmal, genauso wie einen Momentum-ETF. 

 

Würdest du es aushalten, wenn die beiden Small Cap Value-ETFs ihre bisherige Unterrendite seit Bestehen auch die nächsten neun Jahre fortsetzen? Oder ist die bisherige Unterrendite ein Zeichen für dich, dass eine Unterbewertung besteht, die der Markt wird ausgleichen müssen?

 

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https://www.fondsweb.com/de/vergleichen/tabelle/isins/IE00BSPLC413,IE00BSPLC298,IE00B3YCGJ38,DE0002635307

 

Die Volatilität der beiden Small Cap Value-ETFs ist höher und die Sharpe Ratio niedriger. Du könntest natürlich schauen, ob es dennoch einen positiven Effekt auf Depotebene gegeben hätte, weil die einzelnen Komponenten nicht miteinander korrelieren. Ich befürchte jedoch, dass die Korrelation sehr hoch ist, nur dass die Small Cap Value-EFFs in der Krise noch stärker abstürzen als die Large Caps/ der Markt insgesamt. 

 

Die Zukunft ist ungewiss. Man könnte sich Small Caps als Diversifikation durchaus vorstellen, in der Hoffnung, dass sie weniger betroffen wären von einer möglichen Korrektur der gegenwärtig sehr hohen multiples bei den Large Caps. Allerdings steht in den Sternen, ob es so kommen wird, und wenn ja, wie. Der Aktienmarkt verändert sich ständig, und die Anleger nutzen jede kleinste Möglichkeit zur Arbitrage, so dass es unwahrscheinlich ist, eine Strategie zu finden, mit der man mit einiger Sicherheit eine Überrendite wird einstreichen können. Erkenntnisse von vor mehreren Jahrzehnten, etwa zu den Small Caps, müssen heute nicht mehr unbedingt relevant sein, da sich auch hier der Markt angepasst haben dürfte.

 

Bei mir ist es so, dass ich im Aktienbereich immer die simpelste Lösung nehme, wenn nicht klare Argumente für die komplexere sprechen.  Aber jeder so, wie er will, oder wie er muss. Wer noch nie versucht hat, eine Überrendite zu generieren, werfe den ersten Stein...

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