Moneysac 11. Januar Hallo zusammen, in meiner Wahrnehmung ist seit einiger Zeit die Sache mit den Covered calls ETFs der heißeste Shit. In der Theorie: Ein ETF mit Anteilen aus einem namhaften Index, und regelmäßige Einnahmen durch den gleichzeitigen Verkauf von Calls auf eben diesen Index, wenn ich das richtig verstanden habe. Vorteil soll sein, dass einigermaßen regelmäßige Einkünfte erzielt werden (p.a. 7-9%), auch in Seitwärtsphasen. Nachteil: Aufwärtspotential ist begrenzt, bei Indexabwärtsbewegung geht auch der ETF nach unten. Nachdem die Sache scheinbar noch nicht soo lange auf breiter Front läuft, kann ich auch keinen Langfristchart ansehen. Was meint Ihr: Ist das eine sinnvolle Beimischung für einen normalen Anleger oder nur für den Emittenten? Grüße, K.H. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
stagflation 11. Januar · bearbeitet 11. Januar von stagflation Stell Dir einen mit Wasser gefüllten Luftballon vor, der vor Dir auf dem Tisch liegt. Die Form gefällt Dir nicht? Dann drücke ihn mit der linken Hand in der Mitte zusammen. Der Luftballon wird länger und Du erhältst zwei Blasen links und rechts. Die Form gefällt Dir immer noch nicht? Dann drücke zusätzlich mit der rechten Hand auf die rechte Seite. Der Luftballon ändert seine Form erneut und die Blase auf der linken Seite wird größer. Was immer gleich bleibt, ist das Volumen. Das kann man nicht ändern, egal wo und wie stark man drückt. Wenn man irgendwo drückt, führt es zu Blasen und Ausbuchtungen an einer anderen Stelle. Genauso ist es bei Fonds. Man kann einen "ETF mit Anteilen aus einem namhaften Index" nehmen. Das Risiko- und Chance-Verteilung gefällt einem nicht? Mit Derivaten kann man an verschiedenen Stellen "drücken" oder "ziehen". Dadurch erhält der Fonds an diesen Stellen eine andere und möglicherweise bessere Eigenschaft. Aber dafür wird er an einer anderen Stelle schlechter. Man kann einen Fonds mit Derivaten nicht grundsätzlich besser machen (wenn man von einer besseren Diversifikation absieht). Man kann nur Risiken und Chancen an eine andere Stelle verschieben. Manchmal reicht das - aber man sollte sich vorher die Stellen anschauen, an denen er schlechter wird. Und genau prüfen, ob man damit leben möchte und kann. Ein typisches Beispiel ist, dass man von Seitwärtsbewegungen profitieren will. Das bekommt man hin - aber man bezahlt dadurch, ... dass man von Aufwärtsbewegungen weniger stark profitiert, und/oder Abwärtsbewegungen verstärkt werden die Kosten steigen Für den einen oder anderen Anleger mag das sinnvoll sein. Aber manchmal kommt später das böse Erwachen, wenn sich nicht die positiven Änderungen bezahlt machen, sondern wenn die negativen Folgen sichtbar werden. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
OSO 11. Januar In Prinzip ist das das gleiche wie die vor 15-20 Jahren sehr beliebten Discountzeetifikate (damals mit zusätzlichem Emittentenrisiko und vermutlich höheren Kosten). Wenn du an einen langen Seitwärtsmarkt glaubst, macht das evtl Sinn. Ist dann halt aber aktive Spekulation. Im Crash geht es fast genauso nach unten wie bei einer Direktanlage in Aktien. Und nach oben begrenzt du das Upside. Da langfristig ein großer Teil der Aktienrendite aus kurzen und starken Wertanstiegen kommt, wird die Rendite auf lange Sicht unter der Direktanlage liegen. Ich meine mich zu erinnern, dass es früher auch mal Vergleich der Strategien gab. Langfristig hatten die Discountzertifikate eine nur geringfügig niedrigere Volatilität aber eine schlechtere Rendite. War kein guter Tradeoff. Kann sein, dass das im ETF-Mantel bei niedrigeren Kosten etwas besser aussieht Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Moneysac 11. Januar Vielen Dank, @Shylock: super, den Thread hätte ich so schnell nicht gefunden. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Norica 11. Januar · bearbeitet 11. Januar von Norica vor 8 Stunden von Moneysac: Was meint Ihr: Ist das eine sinnvolle Beimischung für einen normalen Anleger oder nur für den Emittenten? Wenn Du nicht selbst mit Calls herumhantieren willst, kann das eine Lösung sein. Es könnte aber auch einfach eine "geile Mogelpackung" sein. vor 1 Stunde von stagflation: Ein typisches Beispiel ist, dass man von Seitwärtsbewegungen profitieren will. Das bekommt man hin - aber man bezahlt dadurch, ... dass man von Aufwärtsbewegungen weniger stark profitiert, und/oder Abwärtsbewegungen verstärkt werden die Kosten steigen Für den einen oder anderen Anleger mag das sinnvoll sein. Aber manchmal kommt später das böse Erwachen, wenn sich nicht die positiven Änderungen bezahlt machen, sondern wenn die negativen Folgen sichtbar werden. Vielleicht bezahlt man was und vielleicht will man bezahlen. 1. In Aufwärtsbewegungen würde ich keine Calls schreiben. Ja die Richtung kann sich jederzeit ändern... 2. Kannst Du mir erklären, wie ein covered call eine Abwärtsbewegung verstärken kann? 3. Ja, aber nicht vergessen, dass die Kosten für das Schreiben von Optionen viel geringer sind, als die daraus resultierenden Gewinne Erträge. Wer was anderes macht, kann nicht rechnen. SG Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Datentechnik 11. Januar Die Dinger sind halt gerade in den USA sehr beliebt da Optionsprämien einen steuerlichen Vorteil genießen. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
stagflation 11. Januar vor einer Stunde von Norica: 2. Kannst Du mir erklären, wie ein covered call eine Abwärtsbewegung verstärken kann? Na ja, ich hatte etwas allgemeiner von "Derivaten" gesprochen, nicht nur von "covered calls".... Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
MarkyMark787 12. Januar Die Chartverläufe entsprehender ETF, z.B. US37954Y4834, sagen eigentlich alles aus. Bei Abwärtsbewegungen ist man voll dabei und bei Erholung durch die Calls begrenzt. Gerade bei schnellen Erholungen, siehe 2020 oder 2025, holt man die vorherigen Verluste nicht wieder rein. Dadurch sinken langfristig meist auch die Ausschüttungen oder steigen zumindest nicht mit der Inflation. Mein Fazit: die hohen Ausschüttungen sehen für Einkommensinvestoren im ersten Moment schön aus, das Konstrukt kostet aber vor allem langfristig einiges an Rendite und die Ausschüttungen steigen nicht. Für mich kein gutes Produkt. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Norica 12. Januar vor 11 Stunden von stagflation: Na ja, ich hatte etwas allgemeiner von "Derivaten" gesprochen, nicht nur von "covered calls".... Interessant. Kannst Du mir erklären, wie Derivate (etwas allgemeiner, aber es ging hier um Optionen) eine Abwärtsbewegung verstärken können? SG Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Weltportfolio22 Dienstag um 14:49 Hier ein Blogeintrag von Hartmut Walz zu dem Thema: https://hartmutwalz.de/covered-call-etfs/ Lesenswert sind auch teilweise die Kommentare unter dem Beitrag. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
oktavian Samstag um 23:15 Am 12.1.2026 um 10:30 von Norica: Kannst Du mir erklären, wie Derivate (etwas allgemeiner, aber es ging hier um Optionen) eine Abwärtsbewegung verstärken können? Z.B Übernahmefantasie mit 100% Kursgewinn und assignment. Du kaufst gleiche Anzahl Aktien wieder ein zum höheren Kurs mit Fantasie. Dann deal break mit anschließender Insolvenz, weil XYZ bullshit ohne Gewinne gerade niemand mehr kaufen will. Psychologisch kann es auch bergab gehen und Derivate können überfordern also das Verstärken. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
blueprint vor 19 Stunden Am 12.1.2026 um 10:30 von Norica: Interessant. Kannst Du mir erklären, wie Derivate (etwas allgemeiner, aber es ging hier um Optionen) eine Abwärtsbewegung verstärken können? SG Nimm einfach einen Knockout auf eine volatile Aktie, der noch 20 Cent kostet und erlebe, wie Hebelwirkung dein Geld vernichtet. So können Derivate Bewegungen verstärken. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Norica vor 12 Stunden · bearbeitet vor 12 Stunden von Norica vor 13 Stunden von oktavian: Z.B Übernahmefantasie mit 100% Kursgewinn und assignment. Du kaufst gleiche Anzahl Aktien wieder ein zum höheren Kurs mit Fantasie. Dann deal break mit anschließender Insolvenz, weil XYZ bullshit ohne Gewinne gerade niemand mehr kaufen will. Psychologisch kann es auch bergab gehen und Derivate können überfordern also das Verstärken. vor 6 Stunden von blueprint: Nimm einfach einen Knockout auf eine volatile Aktie, der noch 20 Cent kostet und erlebe, wie Hebelwirkung dein Geld vernichtet. So können Derivate Bewegungen verstärken. Achso, ihr meint die (Abwärts-)Bewegung im eigenen Depot. Ja klar, die kann sich durch Derivate natürlich "verstärken". War mein Fehler, ich dachte die ganze Zeit an die Marktbewegung. Wobei eigentlich nicht, denn man weiß ja, auf was man sich einlässt. Es ist keine von außen kommende Verstärkung der Bewegung, sondern ein im Anlageinstrument enthaltenes Merkmal. Sollte ich investieren, wenn ich vom Verlauf überrascht werden kann? Persönlich denke ich nein. SG Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
blueprint vor 11 Stunden vor einer Stunde von Norica: War mein Fehler, ich dachte die ganze Zeit an die Marktbewegung. Auch die Marktbewegungen können Derivate verstärken, da Marktakteure durch die Hebelwirkung viel mehr Kapital bewegen können, als sie eigentlich besitzen. Zuletzt war das bei Silber ein größeres Thema. Aber auch Aktien können durch reichlich eingesetzte Derivate in eine bestimmte Richtung beeinflusst und ggf. die Bewegung verstärkt werden. Am Ende ist der Emi ja nicht die Gegenpartei und wettet gegen den Anleger, sondern sichert die Position im Markt ab. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
oktavian vor 7 Stunden vor 4 Stunden von blueprint: Aber auch Aktien können durch reichlich eingesetzte Derivate Zu Gamestop gibt es da sicher was zu lesen. Die market maker der Optionen müssen nämlich ihre Risiken hedgen. Bei der Finanzkrise war das Problem leverage, was aber auch durch Derivate (Kreditderivate) erreicht wurde. Im Regelfall sind Derivate aber harmlos, denn wenn paar Investoren pleite gehen spielt es keine Rolle und dank mark-to-market ist counterparty risk nicht so heftig bei den Standard-Derivaten. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag