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s.metters

Anfängerfrage: Geldmarkt und 4% Regel

Empfohlene Beiträge

s.metters

Als relativ neue Mitleserin hier im Forum habe ich mich jetzt registriert, weil mir die Experten hier im Forum vielleicht helfen können.

Vor drei Jahren habe ich nach einer traurigen Geschichte Geld geerbt. Das liegt seither auf einfachen Sparkonten. Als mir die Bank vor einigen Wochen erzählte, dass ich froh sein kann, dass ich keine Negativzinsen zahlen muss, ist bei mir die Sicherung durchgebrannt und suche jetzt Alternativen.

Eigentlich würde ich mich gerne schon früher in den Ruhestand verabschieden und ergänzend vom angelegten Geld leben.
Ein Freund hat mir dazu geraten nicht alles in Aktien zu investieren und einen Teil in kurzlaufende Anleihen zu halten. Da fallen Aussagen wie 2 bis 3 Jahre an Jahresbedarf in den Geldmarkt zu investieren und die 4% Regel einzuhalten. Zur Bank möchte ich eigentlich nicht gehen und bevor ich einen anderen Berater kontaktiere, muss ich mich selbst schlauch machen.

Wer kann mir einen kurzen Überblick geben, was Geldmarkt überhaupt heisst und was kurzlaufende 4% Regel bedeutet? Sorry für die vielleicht ungeschickte Formulierung.
Sarah

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stagflation

"Die" 4%-Regel kenne ich nicht.

 

Vielleicht meinst Du folgendes? Es gibt Anleger, die sagen: wenn man einen Geldbetrag X hat und diesen in einen breit diversifizierten Aktien-ETF investiert, kann man jedes Jahr 4% von X entnehmen, um davon zu leben.

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radler2

Die 4%-Regel wurde in den 1990ern in den USA von der FIRE-Bewegung aufgestellt (FIRE = Financial Indepandent Retire Early). Die Regel besagt, daß man aus einem breit diversifizierten Aktienportfolio jährlich 4% mit Inflationsausgleich entnehmen kann, ohne daß man über einen Zeitraum von 30 Jahren pleite geht. Dem liegt die Annahme zugrunde, daß der Aktienmarkt im Mittel real (also um die Inflation bereinigt)  pro Jahr 5% bis 6% wächst. Man darf aber nicht die vollen 5% bis 6% entnehmen, da es ja auch Einbrüche gibt und man in einer Downphase zu viel entnehmen würde und dann pleite ging (Rendite-Reihefolge-Risiko).

Die Sache hat aber ein paar Haken.

1. Die 4% gelten vielen als zu hoch. Es gibt Szenarien, in denen man Pleite geht. Simulationen ergeben meist, daß die Erfolgswahrscheinlichkeit über 90% ist. Manche behaupten, die Simulationen seien zu optimistisch. Aber auch mit "nur" 10%  Wahrscheinlichkeit unter der Brücke zu enden ist IMHO nicht sehr beruhigend.

 

2. Ohne großen Aktienanteil geht es nicht. Anleihen liefern zu wenig Rendite. Bei Geldmark-Fonds darf man bestenfalls einen Inflationsausgleich erwarten. Und dann wäre man in gut 20 Jahren pleite.

 

3. Pessimisten glauben, daß der Aktienmarkt künftig weniger Rendite bringen wird, als das historisch Mittel von 5% bis 6%. Grund soll sein, daß wir eine Dekade mit überdurchschnittlich hohen Renditen hinter uns haben.

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oktavian
vor 4 Stunden von s.metters:

Als mir die Bank vor einigen Wochen erzählte, dass ich froh sein kann, dass ich keine Negativzinsen zahlen muss, ist bei mir die Sicherung durchgebrannt und suche jetzt Alternativen.

Das kann ich nachvollziehen. Es gibt genug Alternativen mit Tagesgeld und Geldmarktfonds. Die Umlaufrendite ist nun über 2%. Die Bank ist total daneben. Die Bänker sind noch viel schlimmer als ich es kenne.  Z.B. chart hier und Zeitraum erhöhen. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boersenkurse/17382572/

(Um 2020 müsste man froh sein, aber doch jetzt nicht mehr).

 

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Malvolio
· bearbeitet von Malvolio

Mit Geldmarkt bezeichnet man grob gesagt kurzfristige verzinsliche Geldanlagen (unter einem Jahr Restlaufzeit). Das sind typischerweise relativ sichere Geldanlagen, die aber normalweise schlechter verzinst werden als langfristige Geldanlagen und Aktien. Man kauft hier also quasi Sicherheit und Verfügbarkeit von Geld und verzichtet auf eine höhere zu erwartende Rendite. Entsprechende Ablageinstrumente sind hier z.B. Tagesgeldkonten oder kurzfristige verzinsliche Wertpapiere bzw. entsprechende Geldmarktfonds, die in solche Instrumente investieren. 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Geldmarkt

 

Die 4% Regel ist eine sog. "Faustregel". Im langjährigen Schnitt scheint mir diese Größenordnung auch durchaus plausibel. Das Problem ist, dass sich die tatsächliche Entwicklung kurz- bis mittelfristig nicht immer an die langfristige Statistik hält. Aktien können kurzfristig sehr stark schwanken, in beide Richtungen, auch wenn der langjährige Trend normalerweise positiv ist. Bei einem langfristigen Anlagehorizont ist das auch grundsätzlich kein Problem, weil Kurseinbrüche normalerweise mit der Zeit wieder aufgeholt werden. Wenn man sich mal einen sehr langfristigen Chart anschaut, dann sieht man selbst große Krisen oft nur noch als kleine "Zacken" nach unten in einem langfristigen Aufwärtstrend. Wenn man aber kurz- oder mittelfristig auf das angelegte Geld angewiesen ist, dann fühlt sich ein Kurseinbruch von -30% oder noch mehr aber ganz anders an und kann sogar existenzbedrohend sein. Eine negative Phase kann durchaus mehrere Jahre dauern .... das muss man überstehen können, wenn man in Aktien anlegt.

 

Langfristig ist ein breit gestreutes Aktienportfolio (z.B. mit ETFs) wahrscheinlich eine sehr gute Wahl. Wenn man aber in absehbarer Zeit das Geld ganz oder teilweise verbrauchen will, dann sollte man genau überlegen, wie viel Risiko ich in meinem Portfolio eingehen möchte. Eine Strategie wäre es, einen Teil riskant und einen Teil sicherer anzulegen. Zum Beispiel Geld, was ich in den nächsten 12 Monaten benötige, als Tagesgeld, quasi als sicheres Liquiditätspolster. Das was ich z.B. in den nächsten 5-6 Jahre verbrauchen will, kann man z.B. rollierend bzw. gestaffelt in Zinsanlagen ohne großes Kursrisiko anlegen, so dass jedes Jahr etwas frei wird. Den Rest kann man dann breit gestreut in Aktien-ETFs anlegen, weil man dann immer einige Jahre mögliche Kurseinbrüche überbrücken kann. So ein "System" muss man natürlich immer auf die persönliche Situation und die eigenen Präferenzen anpassen. 

 

Wenn das Portfolio groß genug ist, dann kann man ggf. auch von den Dividenden bzw. Ausschüttungen leben und den Bestand unangetastet lassen. Hier kann es aber natürlich auch Schwankungen geben. Das kommt ganz auf die persönliche Situation an. Wenn man das Vermögen "verbrauchen" will bzw. muss, dann sollte man sein Risiko im Blick behalten und entsprechend steuern. 

 

 

 

 

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RoterZoro
· bearbeitet von RoterZoro

Mit durchgebrannter Sicherung trifft man in der Regel schlechte Entscheidungen. Als erstmal durchatmen und Sicherung wechseln.

 

Danach - falls nicht schon geschehen - hier etwas einlesen: https://www.wertpapier-forum.de/topic/37453-informationen-f%C3%BCr-neue-nutzer/

 

Und danach einen neuen, gut strukturierten Thread eröffnen und Fragen stellen, die dann noch offen sind.

 

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PEOPLES
vor 14 Stunden von s.metters:

Ein Freund hat mir dazu geraten nicht alles in Aktien zu investieren und einen Teil in kurzlaufende Anleihen zu halten. Da fallen Aussagen wie 2 bis 3 Jahre an Jahresbedarf in den Geldmarkt zu investieren und die 4% Regel einzuhalten. 

Immerhin schonmal ne besserer Tipp als die meisten Bänker auftischen würden. Und die Knete auf den Girokonto versauern lassen, ist auch eher nichts. 

 

Er meinte vermutlich, du solltest das "Vermögen" diversifizieren, in Aktien (meist in Form von ETFs) und Anleihen und einen gewissen Finanzbedarf (in Zeit ausgedrückt) niedrig verzinst aber schwankungsfrei "sicher" anlegen. 

Guter Plan im Prinzip

 

vor 15 Stunden von s.metters:

Eigentlich würde ich mich gerne schon früher in den Ruhestand verabschieden und ergänzend vom angelegten Geld leben.

Das ist ne ganz andere Geschichte und der Verweis auf die 4%-Regel ist schonmal richtig (wobei die 4% relativ sind), muss aber im Detail betrachtet werden. Da spielen sehr viele Variablen mit rein und das müsste man besser aufdrösseln. Der Kapitalbedarf ist da in der Regel auch höher als man zunächst denkt. 
Wenn das ein konkreter Plan ist/werden soll, dann solltest du dazu einen Post machen, bzw. hier weitermachen, aber dann braucht man deutlich mehr Infos, bzw. deine Vermögenssituation und Kapitalbedarf.

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monstermania

Zum Thema 4%-Regel empfehle ich die Beitragsserie von Georg Wieninger:
https://www.finanzen-erklaert.de/vorsicht-vor-der-4-regel/
Auf dem Blog erfährt man dann u.A., dass die '4%-Regel' genaugenommen zu einer 2,7%-Regel mutiert, man aber mit geschickter Kombination aus marktbreiten Aktien-ETF und Geldmarktprodukten der '4%-Regel' doch recht nahe kommen kann.
Aber das ist Alles nix, was man mal so eben nebenbei macht. 

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s.metters

Zunächst mal ein großer DANK an alle die sich hier beteiligt haben.
Einige Aussagen haben nun wirklich etwas Licht ins Dunkle gebracht. Vor allem geht es bei dieser 4% Regel um die Höhe der jährlichen Entnahme  und nicht um kurzlaufenden Geldmarkt.

Auch die Lektüre von Kocher und Beck ist interessant. Da wird offensichtlich das Geld aufgeteilt nach unterschiedlichen Laufzeiten - wobei ich nicht alles verstehe, gebe ich zu.
Ja, ich habt schon recht, so nebenbei geht das nicht. Ich muss mich tiefer in die Materie einlesen. Für mich klingt jedes zweite Wort wie ein Fremdwort. Nachdem ich mir eine neue Sicherung reingeschraubt habe ( @RoterZoro )... an wen wendet man sich um sein Geld anzulegen/zu investieren? Bitte sagt jetzt nicht an die Hausbank ;)
Sarah

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Malvolio

Literaturtipp:

 

Gerd Kommer, Souverän investieren für Einsteiger: Wie Sie mit ETFs ein Vermögen bilden

 

https://amzn.eu/d/0fWyCshA

 

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OceanCloud
· bearbeitet von OceanCloud

Gerade das o.g. Buch erklärt ja, dass man sich an niemanden wenden muss. Man kann alles selbst machen. 

Man kann genug Anregungen in der Rubrik "Fonds und Fondsdepot" finden.

Man sollte halt eine Bank mit guten Konditionen haben (zum Beispiel keine Depotgebühr).

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satgar
· bearbeitet von satgar

Mein Vorschlag wäre immer, einfach ein Depot bei Scalable Capital zu machen. Das hat mehrere Vorteile:

 

-  nach dem Modell „Risikoarm / risikoreich“ kann man dort alles zusammen anlegen (Stichwort : Finanztest Pantoffel Portfolio)

- für das Verrechnungskonto dort, quasi wie ein Tagesgeldkonto, gibt Scalable immer den Einlagenzins der EZB an den Kunden weiter. Das sind derzeit 2% je Jahr

- damit ist der risikoarme Anteil des Vermögens abgehakt. Zumindest bis maximal 100.000€ (Höhe der gesetzlichen Einlagensicherung). Hat man mehr, braucht man Geldmarktfonds

- für den risikoreichen Anteil seines Vermögens, reicht ein einziger Aktien-ETF wie der weltweit streuende Vanguard FTSE All World oder der SPDR ACW IMI

- wie man zwischen beiden Töpfen aufteilt, also risikoreich und risikoarm, dass muss jeder für sich selber wissen. Finanztest legt für defensive Anleger 75% Zinsanlagen und 25% Aktien fest. Es gibt aber auch genug Leute, die 50/50….75/25 oder auch 100/0 anlegen. 
 

Klar ist: der größte Gegner deiner Geldanlage ist die Inflation. Bei 2% Wunsch-Inflation der EZB halbiert sich die Kaufkraft deines Geldes alle 36 Jahre. Du musst/solltest es also schaffen, mit deinem Gesamtvermögen NACH Abzug von Kosten, NACH Abzug von Steuern, die Inflation zu schlagen. Wie du schon vielleicht merkst: mit 2% Bruttozinsen, geht das schon nicht. Man MUSS sich damit quasi mit der Börse und Aktien beschäftigen. Es führt kein Weg daran vorbei. 

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market anomaly
vor 14 Stunden von s.metters:

Zunächst mal ein großer DANK an alle die sich hier beteiligt haben.
Einige Aussagen haben nun wirklich etwas Licht ins Dunkle gebracht. Vor allem geht es bei dieser 4% Regel um die Höhe der jährlichen Entnahme  und nicht um kurzlaufenden Geldmarkt.

Auch die Lektüre von Kocher und Beck ist interessant. Da wird offensichtlich das Geld aufgeteilt nach unterschiedlichen Laufzeiten - wobei ich nicht alles verstehe, gebe ich zu.
Ja, ich habt schon recht, so nebenbei geht das nicht. Ich muss mich tiefer in die Materie einlesen. Für mich klingt jedes zweite Wort wie ein Fremdwort. Nachdem ich mir eine neue Sicherung reingeschraubt habe ( @RoterZoro )... an wen wendet man sich um sein Geld anzulegen/zu investieren? Bitte sagt jetzt nicht an die Hausbank ;)
Sarah


Bevor noch viel geschrieben wird.

- nichts überstürzen! Du hast Zeit. Lies dich ein und lass das Geld auf dem Tagesgeldkontonderweil

- gehe nicht zur Hausbank!! Diese möchte nur und ausschließlich an deinem Geld verdienen

- du hattest den Mann von der Bank im ersten Post „Berater“ genannt, das ist der Denkfehler Nr.1, das ist ein „Verkäufer“! Er ist tatsächlich nicht kompetent genug zu beraten (ihm fehlt wirklich das wissen), er hat einzig gelernt die Produkte seiner Bank zu verkaufen. Außerdem besteht ein Interessenskonflikt, du möchtest dein Geld vermehren und er möchte das Gegenteil, dir möglichst viel wegnehmen ohne dass du Verdacht schöpfst

- es ist drastisch ausgedrückt, aber leider war, daher noch einmal, gehe nicht zur Hausbank!

 

Was du nun tun kannst:

- das „Pantoffel Portfolio“ wurde genannt, hier ist es einfach erklärt Link: Pantoffel

- Dann gibt es das hier erwähnte Buch von Kommer, was ich für viele Anfänger zu Komplex halte, der obige Artikel reicht und das Pantoffel Portfolio entspricht bereits der „Kommer“ Maxime des seriösen Inbestierens für Privatpersonen

 

es ist kein Hexenwerk, viel Erfolg

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