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Das unzerstörbare Depot - wann kommt der „Point of No Return“ beim Vermögensaufbau?

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Thema wie mehrfach angeregt zur Übersichtlichkeit hier in den Musterdepotfaden verschoben.

 

Der Übergang von der Akkumulationsphase zur Dekumulationsphase markiert einen der kritischsten Punkte im Lebenszyklus eines privaten Investors. Während die Ansparphase primär durch die Maximierung der Endrendite und die Ausnutzung des Zinseszinseffekts geprägt ist, rückt in der Phase der finanziellen Freiheit die Nachhaltigkeit der Entnahmen in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses.

 

Gem. FIRE wird traditionell die Erreichung des 25-fachen der jährlichen Ausgaben als Zielmarke definiert, basierend auf der Annahme einer 4-prozentigen Entnahmerate. Diese statische Sichtweise vernachlässigt jedoch die dynamische Interaktion zwischen riskanten Marktportfolios und garantierten Einkommensströmen.


Der Point of no Return "PoNR" definiert den Moment, in dem die mathematische Wahrscheinlichkeit des Scheiterns eines Portfolios sehr gering wird und gegen Null tendiert, da die Kombination aus verbleibender Kapitalsubstanz und zukünftigen Rentenansprüchen selbst unter extremen Stressszenarien ausreicht, um den Lebensunterhalt dauerhaft zu sichern.


Die folgenden Überlegungen zeigen die zugrunde liegenden Mechanismen aus einer finanzwissenschaftlichen Perspektive, optimiert die Asset Allokation für die Brückenphase bis zum Renteneintritt und liefert rationale Handlungsempfehlungen für Privatiers im deutschen Rechts- und Steuersystem.

 

Die einzelnen Teile werde ich nach und nach ergänzen.

1. Jenseits der 4%-Regel 
2. Die Anatomie der Unzerstörbarkeit
3. Asset Allokation am Wendepunkt - Spiel gewonnen, Spiel beendet?
4. Strategische Immunisierung gegen das Sequence of Returns Risk (SORR)
5. Das Paradoxon der Vermögensmaximierung
6. Institutionelle Rahmenbedingungen in Deutschland (2026)
7. Psychologie des Privatiers und der Grenznutzen des Geldes
8. Fazit & Handlungsmöglichkeiten

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vanity

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Dieser hier soll ausschließlich der Präsentation des Themas durch Longterminvestor vorbehalten sein.

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LongtermInvestor
· bearbeitet von LongtermInvestor

1. Jenseits der 4%-Regel

Die Bestimmung einer sicheren Entnahmerate (Safe Withdrawal Rate, SWR) ist das Fundament jeder Entnahmestrategie. Seit der Pionierarbeit von William Bengen hat sich das Verständnis darüber, was ein Portfolio langfristig verkraften kann, signifikant weiterentwickelt. Bengen identifizierte auf Basis historischer US-Daten, dass eine inflationsbereinigte Entnahme von 4 % über einen Zeitraum von 30 Jahren in keinem Szenario zum Aufbrauchen des Kapitals führte. Die nachfolgende Trinity-Studie bestätigte diese Ergebnisse und verdeutlichte, dass Portfolios mit einem Aktienanteil von mindestens 50 % die höchste Robustheit aufweisen.

 

Dennoch ist die Übertragbarkeit dieser historischen SWRs auf die heutige Zeit und auf internationale Märkte Gegenstand intensiver Debatten. Wade Pfau konnte in einer Untersuchung von 17 Industrieländern nachweisen, dass die 4-Prozent-Regel in vielen Einzelmärkten ein deutliches Risiko des Kapitalverzehrs birgt. Nur 4 von 17 Ländern konnten überhaupt eine sichere Entnahmerate von über 4 Prozent über einen 30-Jahres-Zeitraum darstellen (siehe dazu im verlinkten Paper Seite 15). Die USA (dicke rote Linie) und Kanada (blaue Linie ganz oben) sind absolute Spitzenreiter. Die Kurven der meisten anderen Länder verhalten sich deutlich defensiver. Fast alle Länderkurven machen in der Mitte einen Knick nach unten, d.h. die höchste Entnahmerate erzielte man in den Einzelstaaten meistens mit einem ausgewogenen Mix aus 40 % bis 70 % Aktien, während reine Anleihen-Portfolios überall am frühesten versagten. Das optimale Verhältnis von Aktien zu Anleihen hängt jedoch stark vom Zeithorizont ab, Anleihen schützen kurzfristig vor dem Sequence-of-Returns-Risiko, schmälern aber die langfristige Überlebenschance bei sehr langen Laufzeiten.

https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1699526

 

Schlussfolgerungen für global diversifizierte Anleger:

1. Anleger, die in einem global diversifizierten Portfolio (ACWI oder World) investiert sind, müssen daher zwangsläufig niedrigere Entnahmeraten im Vergleich zu typischen US-Studien annehmen. Für Ein Weltportfolio kann man sich an einer SWR von rd. 3% für 30 Jahre orientieren mit einer Pleite-Wahrscheinlichkeit von rd. 5%. Bei 4% Entnahme wären es bereits 25% Pleite-Wahrscheinlichkeit (jeweils gemessen an einem 50/50-Portfolio). https://blog.iese.edu/jestrada/files/2022/02/SGWS.pdf

 

2. Ein kritischer Hebel ist die Verlängerung der Ruhestandsphase auf 40 oder 50 Jahre bei frühen Privatiers. Während die 4% im US-Markt über 30 Jahre historisch fast immer funktionierte, zeigt die aktualisierte Datenbasis, dass die Erfolgsquote bei 50 Jahren ohne dynamische Anpassungen deutlich unter 90 % sinken kann. Diese mathematische Gesetzmäßigkeit wirkt sich auf ein globales Portfolio entsprechend noch defensiver aus. Für ein Weltportfolio sinkt die SWR bei einem Horizont von 40–50 Jahren in den Bereich von 2,5 % bis 2,75%. https://thepoorswiss.com/de/aktualisierte-trinity-studie/

 

Es geht hierbei nicht um eine rein akademische Diskussion über die exakte Nachkommastelle einer Pleitewahrscheinlichkeit, sondern um eine Orientierung für die eigene Planung. Die finalen Details hängen von persönlichen Präferenzen wie der individuellen Risikoakzeptanz, der Flexibilität bei Ausgabenkürzungen in Krisenjahren (dynamische Entnahme), der gewählten Aktienquote (die unter 50 % statistisch deutlich schlechter abschneidet) sowie der realen Steuer- und Kostenbelastung, welche die SWR in der Praxis weiter drückt.

 

Die traditionelle 4%-Regel greift in zentralen Dimensionen zu kurz:

1. Das Sequenz-of-Returns-Risk (SoRR) ist der primäre Portfolio-Zerstörer in der Entnahmephase. In der Akkumulationsphase ist die Reihenfolge der Renditen bei einer Einmalanlage irrelevant (bei einem Sparplan spielt Sie eine Rolle, vor allem gegen Ende der Akkumulationsphase). In der Entnahmephase hingegen ist die Reihenfolge der Renditen insbesondere in den fünf Jahren vor sowie den fünf Jahren nach dem Entnahmestart entscheidend. Findet der Entnahmestart am Peak eines Bullenmarktes statt, gefolgt von einem heftigen Crash, zwingen statische Entnahmen den Privatier dazu, Anteile zu Tiefstpreisen zu liquidieren. Das Portfolio blutet irreversibel aus und verliert Substanz, bevor der Zinseszinseffekt in der späteren Erholungsphase greifen kann. https://mitsloan.mit.edu/action-learning/mitigating-sequence-returns-risk-sorr

 

2. Die Notwendigkeit dynamischer Entnahmestrategien

Die Empirie zeigt, dass kein rationaler Investor dauerhaft denselben inflationsbereinigten Betrag entnimmt, während sein Depot um 40 % einbricht. Überlegen sind daher dynamische Modelle (z. B. nach Guyton-Klinger) oder ein gezielter Cash-Buffer zur Entkopplung der kritischen Startphase von den Aktienmärkten. Bei den Leitplankenmodellen geht es im Grunde um folgende Elemente:

-Die Kappungsgrenze: Steigt das Depot stark, wird die Entnahme nur moderat erhöht.

-Die Reduktionsregel: Fällt das Depot unter vordefinierte Schwellenwerte, wird die Entnahme temporär z.B. um 10 oder 20 % gekürzt, um das Portfolio zu schützen. https://www.financialplanningassociation.org/sites/default/files/2021-11/2006 - Guyton and Klinger - Decision Rules and SWR (1).PDF

 

3. Die Trinity-Studie simuliert US-Assets, typischerweise hält ein Privatier in Deutschland aber kein solches US-Portfolio. Außerdem wird vor Steuern und Kosten gerechnet. Ein deutscher Privatier verliert über die Abgeltungsteuer Realrendite. Außerdem ist die Krankenversicherung ein nicht zu vernachlässigender Faktor. 

 

4. Die Vernachlässigung von GRV, Pension und privater Altersvorsorge ist ein zentraler Fehler. Im deutschen Kontext agiert das Aktiendepot selten als alleinige Cashflow-Quelle. Es steht im Zusammenhang mit zeitlich versetzten, garantierten Einkommensströmen.

Die Gesetzliche Rentenversicherung (GRV) soll hier als Beispiel gelten. Wer mit 55 Jahren den Hammer fallen lässt, hat bis zu diesem Zeitpunkt Rentenansprüche erworben. Diese Ansprüche sind ein wertvolles Asset, sie sind inflationsgeschützt und helfen maßgeblich bei der Absenkung der Depot-Entnahmen. Diese Ansprüche stellen einen bondähnlichen, inflationsgeschützten Cashflow dar. Das Depot muss demnach den Lebensunterhalt nicht für 40+ Jahre zu 100 % decken. Es muss lediglich eine Brückenphase von z. B. 7 Jahren voll finanzieren. Danach schrumpft die notwendige Entnahme aus dem Depot auf die verbleibende Deckungslücke ab (Gesamtausgaben minus Nettorente). 

 

Abbildungen zu Kapitel 1:

- Wer blind die US-Daten auf den weltweiten Aktienmarkt überträgt, hebt seine Pleitewahrscheinlichkeit von akzeptablen 5% auf ein unkalkulierbares Risiko von 25% an. Jeder vierte Privatier läuft somit Gefahr, nach 30 Jahren mit leeren Händen dazustehen.

- Warum eine reine Durchschnittsrendite in der Entnahmephase eine gefährliche Illusion ist, zeigt die rechte Abbildung auf, beide Pfade basieren auf exakt denselben Renditen, lediglich zeitlich geänderte Reihenfolge.

 

 

 

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Quelle: Eigene Darstellungen.

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LongtermInvestor
· bearbeitet von LongtermInvestor

2. Die Anatomie der Unzerstörbarkeit

Da die meisten in irgendeiner Form über Altervorsorgeansprüche verfügen, ist die alleinige Betrachtung des Depots im deutschen Kontext ineffizient und für die meisten an der Realität vorbei geplant.

 

1. Das Depot als Motor

Die größte Illusion im klassischen FIRE-Denken ist die Annahme, ein Depot müsse linear abgeschmolzen werden. Ein unzerstörbares Portfolio nutzt die Mechanik der Pfad-Asymmetrie. Unterhalb einer kritischen Entnahmerate passiert in der Mehrheit der Pfade etwas Paradoxes. Das Depot schrumpft nicht, sondern es wächst weiter. Das Risiko ist somit asymmetrisch verteilt. In vielen Fällen stirbt man mit einem Vielfachen seines Startkapitals. Die Aufgabe in der Konstruktion ist es, die die statistischen Ausreißer nach unten abzusichern.

 

2. Der Risikoarme Baustein

Um die Zerstörungskraft des Sequence of Returns Risk (SoRR) in den kritischen Jahren nach dem Hammerfall zu brechen, kann eine temporäre Puffer-Struktur etabliert werden. Ob man sich hierbei für einen starren Cash-Puffer oder ein dynamisches Bond Tent (Rising Equity Glide Path) entscheidet, ist eine Frage der persönlichen Präferenz. Die Funktion ist identisch:

-Wir entziehen dem Aktienportfolio in der sensibelsten Phase die Aufgabe, Cashflows zu generieren.

-Während der Markt im Krisenfall (z. B. im 5 %-Stressperzentil) kollabiert, leben wir vom Sicherheitsbaustein. Das Depot erhält eine Atempause von 5 bis 10 Jahren, um den Kurssturz vollkommen unberührt auszusitzen und zu regenerieren. Ein Verkauf von Anteilen zu Tiefstkursen wird damit je nach Ausgestaltung weitgehend ausgeschlossen.

 

3. Die Rolle der GRV, Pension oder privaten AV

Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) soll hier als Beispiel für vergleichbare Systeme gelten, diese werden oft als als Renditegrab gesehen. In der Entnahmephase transformiert sich dieser Anspruch jedoch zu einem wertvollen Asset. Die GRV ist in der Gesamtstruktur eines Entnahmedepots kein nettes Taschengeld, sondern Langlebigkeits- und Inflationsschutz. Die Wirkung der GRV entfaltet sich ab dem Bezugszeitpunkt sehr deutlich über einen je nach Anspruchshöhe spürbaren Rückgang der Entnahmelast des Depots.

 

4. SWR mit und ohne AV

Wie groß der Unterschied sein kann soll folgendes Beispiel aufzeigen. Annahmen Monte-Carlo-Simulation: 40 Jahre Horizont, 500k € Startkapital, 5,5% reale Rendite, 15% Volatilität, 90% Erfolgswahrscheinlichkeit zeigt den Effekt sehr deutlich.

 

Szenario ohne Rentenanspruch:

Ohne zusätzliche Cashflows limitiert das SoRR die SWR auf ca. 2,6 %. Dies resultiert in einem inflationsbereinigten Jahresbudget von 13.000 €. Das System muss die vollen 40 Jahre ohne externes Sicherheitsnetz überstehen.

 

Szenario mit Rentenanspruch:

Es fließt eine garantierte, inflationsindexierte Rente von real 1.000 € pro Monat (12.000 € p.a.) in die Kalkulation ein. Die initiale Entnahmerate auf das Startkapital steigt sprunghaft. Dies erlaubt ab dem ersten Jahr eine deutlich höhere Entnahme.

 

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Auch bei ferneren Rentenbezug ab Jahr 12 zeigt sich ein deutlicher Effekt.

 

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Quelle: eigene Berechnungen.

 

5. Kombination Depot und Rentenzahlungen

Die nachfolgende Monte-Carlo-Simulation entlarvt einen verbreiteten Irrglauben. Die Annahme, man könne ein rein aktienbasiertes Depot Flexibilität (Guardrails: bei 20% Abweichung SWR erfolgt Anpassung der Entnahme von 10%, dies gilt nach oben und nach unten) absolut krisenfest machen. In simulierten 5 %-Stressperzentils zeigt sich die Guardrail-Logik ohne externe Cashflows als wenig hilfreich. Sobald wir einen lebensnotwendigen, absoluten Mindestkonsum (Depot-Floor von 16.000 € p.a.) ergänzen, wird die dynamische Strategie fast wirkungslos. Ohne eine einfließende Rente saugt dieser harte Floor das geschrumpfte Depot im Crash gnadenlos leer. Das System agiert im Worst Case plötzlich genauso starr wie ein statischer Ansatz, startet jedoch mit einer deutlich höheren Anfangslast (4,8 % statt 3,6 %). Das Pleiterisiko steigt an.

 

Erst die Kombination aus Aktien (dem volatilen Depot-Motor) und dem resilienten Rentensockel (auch andere resiliente Assets denkbar) erzeugt die wahre, unzerstörbare Vermögensstruktur. Sobald ab Jahr 10 die gesetzliche oder private Rente einsetzt (grüne vertikale Linie), wird dem Depot abrupt die Entnahmelast entzogen. Dieser externe Cashflow fängt den Lebensstandard auf und verhindert den finalen Kapitalverzehr. 

 

Achtet auf den Verlauf der gepunkteten Referenzlinien (ohne Rente) im Vergleich zu den durchgezogenen Linien (mit Rente). Das Schicksal entscheidet sich nicht an der Börse, sondern an Verzahnung mit sicheren Rentenzahlungen (oder vergleichbaren Assets). 

 

Guardrails: bei 20% Abweichung SWR erfolgt Anpassung der Entnahme von 10%, dies gilt nach oben und nach unten.

 

 

 

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Quelle: eigene Berechnungen.

 

6. Fazit

Resilienz von Portfolios entsteht durch die Kombination aus Aktienmarkt und garantierten (Renten)zahlungen. Diese Strategie bricht durch die Nutzung von Pfad-Asymmetrien das SoRR und sichert den Lebensstandard auch in Krisen ab. Zusammenfassend zeigt sich, dass erst die Verzahnung von volatilen Depots mit stabilen, externen Cashflow-Quellen wie der GRV eine wahre, unzerstörbare Vermögensstruktur schafft. Während reine Aktienportfolios in Stressphasen an starren Mindestkonsumgrenzen scheitern bzw. stark angegriffen werden können, entziehen Rentenansprüche dem Portfolio einen Teil der Last.

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Fetz
· bearbeitet von Fetz

Bitte immer Quellenangabe (zB hier für die Grafiken)

Eigene Berechnung?

 

 

Edit: Danke 

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Krause76

Ich empfehle als Ergänzung auch die ganzen Betrachtungen von Georg auf seinem Blog finanzen-erklaert. Er hat sehr viele Berechnungen zur Entnahme durchgeführt. 

.

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LongtermInvestor
· bearbeitet von LongtermInvestor

3. Asset Allokation am Wendepunkt – Spiel gewonnen, Spiel beendet?

Der Übergang von Vermögensaufbau in die Entnahme ist kein fließender Prozess, sondern ein Wendepunkt. Im klassischen Wealth Management wird dieser Moment oft rein psychologisch oder rein zeitlich definiert. Ein professionelles Portfoliomanagement im Kontext von FIRE und resilienten Entnahmestrukturen erfordert jedoch eine Trennlinie. Sobald diese Grenze überschritten ist, ändert sich die Zielfunktion des Portfolios. Die Maximierung der Rendite wird abgelöst durch die Minimierung des Pleiterisiko. Wer das Spiel gewonnen hat, muss aufhören zu spielen.

 

Um einen Wendepunkt zu bestimmen, an dem ein Portfolio als „unzerstörbar“ gilt und das Renditespiel beendet werden kann, kann man die Summe aus dem liquiden Depotvolumen und dem Barwert aller zukünftigen, resilienten Renten- und Vorsorgeansprüche (GRV, Pensionen, private Rentenversicherungen) heranziehen. Das Spiel ist mathematisch gewonnen, in dem das liquide Vermögen zusammen mit dem diskontierten Barwert der Rentenansprüche ausreicht, um den lebensnotwendigen Mindestkonsum über den gesamten verbleibenden Lebenshorizont abzusichern. Als Sicherheitsmarge für das liquide Depot legen wir eine konservative SWR von 2,6 % an. Daraus ergibt sich dann: Depotvolumen + Barwert aller Renten >= absoluter Mindestkonsum p.a. / 0,026

 

Um die Dynamik des Wendepunkts zu verdeutlichen, betrachten wir das konkrete Szenario aus dem vorherigen Kapitel.

Absoluter Mindestkonsum (Floor): 16.000 € p.a.

Zukünftiger Rentenanspruch (ab Jahr 10): 12.000 € p.a. (real)

Aktuelles Depotvolumen: 500.000 €

 

Schritt 1: Ermittlung des Zielwerts:

Um einen Floor von 16.000 € p.a. bei einer krisenfesten SWR von 2,6 % isoliert abzusichern, bräuchte man rein über ein Depot ein Vermögen von: 16.000€/0,026=615.385€

 

Schritt 2: Berücksichtigung des Renten-Barwerts:

Der Rentenanspruch von 12.000 € p.a. setzt erst in 10 Jahren ein. Bei einem angenommenen realen Diskontsatz von 0 % (vollständiger Inflationsausgleich) und einer Restlebenserwartung ab Renteneintritt von 30 Jahren beträgt der Barwert dieser Rente 12.000€ x 30 =360.000€Diesen Barwert zinsen wir über die 10 Jahre Wartezeit ab (bei 0%) bleibt der Wert stabil bei 360.000 €.

 

Schritt 3: Der Abgleich am Wendepunkt

Wir prüfen die Bedingungen. Depotvolumen 500.000€ +Renten-Barwert 360.000€ =860.000€

860.000€ > 615.385€ Bedingung erfüllt. Obwohl das reine Depotvolumen (500.000 €) unter dem isoliert notwendigen Depotwert (615.385 €) liegt, ist das Spiel durch die Verzahnung mit der GRV bereits übererfüllt. Das Portfolio befindet sich tief in der Sicherheitszone der Unzerstörbarkeit. 

(Anmerkung: Barwertannahmen stark vereinfacht, damit das Konzept klar wird).

 

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Wenn wir einen positiven realen Diskontsatz (Zinsfuß über der Inflationsrate) ändert sich der Barwert der Rente maßgeblich. Da Geld in der Zukunft bei positiven Realzinsen heute weniger wert ist (Abzinsung), sinkt der Barwert während der Wartezeit. Gleichzeitig würde eine längere Lebenserwartung den Wert erhöhen.

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Quelle: eigene Darstellungen.


Überlegungen zur Asset Allokation:

Reduktion des Risikos (Bond Tent). Um das verbleibende Depotvolumen vor SoRR direkt nach dem Ausscheiden aus dem Beruf zu schützen, wird die Aktienquote am Wendepunkt kontrolliert zurückgefahren. Es wird eine risikofreie Cash- und Anleihenstruktur aufgebaut, die die Entnahmelast der ersten 5 bis 10 Jahre (bis zum Einsetzen der Rentenzahlungen) trägt. Dabei sollte beim Übergang in der Entnahmephase besonders der Verzicht auf unbezahlte Risiken fokusiert werden. In der Akkumulationsphase sind Übergewichtungen (Faktor-Wetten, Branchen-Wetten, Einzelaktien) probate Mittel um sich an einer Outperformance zu versuchen (ob das funktioniert ist dann oft Glück). Am Wendepunkt sollten diese Risiken aber vollständig eliminiert werden. Das Portfolio wird maximal diversifiziert (breite Welt-Indizes) und um illiquide oder hochvolatile Assetklassen (Kryptowährungen) bereinigt.

 

Der ökonomische und psychologische Grenznutzen sinkt mit jedem weiteren Euro über den Zielwert hinaus ab. Eine zusätzliche Rendite von 2 % verändert den Lebensstandard nicht mehr substanziell - ein Marktcrash von 50 % ohne Absicherung gefährdet jedoch das gesamte Lebenskonstrukt. Die Asset Allokation am Wendepunkt zieht daraus die logische Konsequenz, dass vor allem unsystematische Risiken konsequent reduziert werden, während Robustheit, Liquidität und Floor-Absicherung in den Vordergrund rücken.

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LongtermInvestor
· bearbeitet von LongtermInvestor

4. Strategische Immunisierung gegen das Sequence of Returns Risk (SORR)

Wie in Kapitel 1 dargelegt, ist das SoRR der primäre Zerstörer eines Entnahmeportfolios. Fällt der Beginn der Entnahmephase mit einem massiven Bärenmarkt zusammen, führt der erzwungene Verkauf von Anteilen zu Tiefstkursen zu einem irreversiblen Substanzverlust. Das Portfolio wird im ungünstigsten Zeitpunkt abgeschmolzen, bevor eine Erholungsphase überhaupt greifen kann. Globale Diversifikation allein bietet hier keinen Schutz, da in systemischen Krisen (wie 2008 oder 2020) die Korrelationen

risikobehafteter Assetklassen gegen 1 konvergieren. Die strategische Immunisierung erfordert daher eine strukturelle Entkopplung. 

https://www.financialplanningassociation.org/sites/default/files/2021-04/MAR04 Determining Withdrawal Rates Using Historical Data.pdf

 

4.1 Liquiditätspuffer

Die erste Verteidigungslinie bildet die Etablierung einer vom Aktienmarkt entkoppelten Liquiditätsreserve. Ziel ist es, eine marktphasenabhängige Entnahmesteuerung zu ermöglichen und den erzwungenen Verkauf von Aktien im Bärenmarkt zu verhindern.


Dimensionierung: Je nach Risikobereitschaft vorhalten von 3 bis 10 Jahren der anvisierten Nettoliquidität (Bruttoentnahme abzüglich garantierter Rentenbausteine). Platzierung in kurzlaufenden Euro-Staatsanleihen (AAA/AA-Rating) oder Geldmarkt-ETFs (z. B. auf den €STR abbildend), um das Emittenten- und Kursrisiko gegen null zu reduzieren. 
 

Ein Zeithorizont von 5 bis 7 oder gar 10 Jahren sprengt den klassischen Begriff des Liquiditätspuffers. In diesen Laufzeitbändern verlässt man das reine Liquiditätsmanagement. Wer Liquidität über solche Zeiträume auf dem Geldmarkt oder dem Tagesgeldkonto parkt, betreibt keine Absicherung mehr, sondern realisiert sehr wahrscheinlich durch verpasste Marktperformance und Inflation einen garantierten realen Verlust. Man sollte das Kapital hier also nach Fristigkeiten abschichten. Die Wirksamkeit eines Liquiditätspuffers ist nicht linear steigend. Ab einer gewissen Größe reduziert zusätzlicher Cashbestand das SoRR nur noch marginal, während die langfristigen Opportunitätskosten durch geringere Realrenditen ansteigen. Ein zu großer Puffer kann somit selbst zum Risiko werden.

 

4.2 Das temporäre Anleihenzelt (Bond Tent / Rising Equity Glidepath)

Um den kritischen Übergangspunkt von etwa fünf Jahren vor bis fünf Jahren nach dem Renteneintritt zu entschärfen, wird die Asset Allocation dynamischen gesteuert. Zum Start der Entnahmephase erreicht der Renten-/Cash-Anteil seinen Höchststand (z. B. 30–40 % Anleihen / Cash, 60–70 % Aktien), um die maximale Sensitivität des Portfolios gegenüber einem frühen Crash abzufedern. Das Bond Tent dient nicht der Renditeoptimierung, sondern der Reduktion der Volatilität während des fragilsten Zeitfensters des Entnahmezyklus.

 

Entgegen der klassischen, statischen Logik wird der Aktienanteil nach Eintritt in den Ruhestand sukzessive wieder hochgefahren (z. B. um 1–2 % pro Jahr zurück auf eine Zielallokation von beispielsweise 80–90 %). Dies ist natürlich sehr individuell mit Blick auf den einzelnen Investor und nicht pauschal zu beantworten. Beim Untersuchen der optimalen Entwicklung der Aktienquote (Glide Path) in der Ruhestandsphase zeigt sich in Studien, dass steigende Quoten – beginnend konservativ, endend aggressiver, das Ausfallrisiko und effektiv reduzieren können. Nicht ganz intuitiv weise zeigt sich hierin, dass ein von 30 % auf 60 % ansteigender Aktienanteil zum Rentenbeginn bessere Ergebnisse liefert als ein konstantes 60/40.

 

Durch den Verzehr der sicheren Assets in den ersten Jahren steigt die Aktienquote im Zeitverlauf automatisch an. Sollte der Markt in dieser kritischen Anfangsphase korrigieren, kauft das Portfolio durch den sukzessiven Abbau des „Zeltes“ quasi antizyklisch Aktien auf niedrigem Niveau nach. Der geplante Abbau des Anleihenzeltes erfolgt regelbasiert, jedoch nicht bis zur vollständigen Auflösung. Ein Bodensatz bleibt von der dynamischen Umschichtung ausgeschlossen.

https://www.financialplanningassociation.org/article/journal/JAN14-reducing-retirement-risk-rising-equity-glide-path

 

4.3. Flexibilität der Entnahme

Die Robustheit eines Entnahmeportfolios wird nicht allein durch die Asset Allocation bestimmt, sondern ebenso durch die Flexibilität der Entnahme. Bereits moderate temporäre Reduktionen der Entnahmequote in ausgeprägten Bärenmärkten können die Lebensdauer des Portfolios erhöhen und die notwendige Größe defensiver Reserven reduzieren. Garantierte Zahlungsströme wie GRV, Betriebsrenten oder inflationsindexierte Pensionen wirken ökonomisch wie ein impliziter Anleihebestand innerhalb des Gesamtvermögens und erlauben daher strukturell höhere Aktienquoten.

https://www.financialplanningassociation.org/sites/default/files/2021-11/2006 - Guyton and Klinger - Decision Rules and SWR (1).PDF

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