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FRV: Anbieter gesucht plus Detailfragen

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casten
· bearbeitet von casten

Hallo zusammen,

 

nach einigem stillen Mitlesen habe ich viel zum Thema Rentenversicherung gelernt, habe jedoch noch einige Fragen offen und bitte hierzu um ein wenig Unterstützung.

 

Im Kern: ich möchte gerne eine fondsgebundene Rentenversicherung als Nettopolice abschließen, bin jedoch bei einigen Punkten zur Vertragsgestaltung unsicher und stocke außerdem bei der Anbieter- bzw. Produktwahl. Wichtig: die FRV soll ein zusätzlicher, strategischer Baustein in meiner Altersvorsorge sein, v.a. mit Blick auf das Langlebigkeitsrisiko. Sie stellt nicht den Hauptteil meiner Vorsorge dar; das wird über ETF-Sparpläne erledigt. BAV ist ebenfalls vorhanden. Ziel der FRV ist somit Verrentung, wobei ich mir die Option für Kapitalauszahlung bzw. Teilauszahlungen trotzdem gerne offenhalten möchte; man weiß ja nie.

 

Kurz zu mir; 37 Jahre alt, angestellt, nicht verheiratet und keine Kinder. Keine Schulden, kein Wohneigentum. Geplanter Renteneintritt ist 67 - ich versuche es früher, habe jedoch in den ersten Berufsjahren einiges verpasst. Grundkenntnisse in Vermögensaufbau und Altersvorsorge sind vorhanden, ETF-Sparpläne laufen ja auch schon (MSCI World, MSCI EM). Sparerpauschbetrag ist ausgeschöpft. Die Forumsempfehlung zur Honorarberatung ist bekannt, ich habe auch einige Angebote vorliegen; dazu später mehr.

 

Nochmal näher zur FRV: es geht mir dabei wie gesagt um einen strategischen Baustein, nicht den Hauptteil der Vorsorge - Zielgröße ist bei Rentenbeginn eine monatliche Rente von ca. 300/350€ zur Ergänzung. Entsprechend wären es im Mittel ca. 150€ Sparrate bei angesetzten 6% Marktentwicklung. Ich schreibe "im Mittel", weil es eigentlich meine Idee ist, den Minimalbetrag als Sparrate anzusetzen und mit Zuzahlungen zu arbeiten (letzte Zuzahlung bis 50). Auch dazu gleich mehr.

 

Nun zu meinen Fragen:

 

-------

 

Wahl des Anbieters

Je mehr ich lese, desto mehr komme ich hier ins Grübeln...aber gut, grenzen wir es mal ein:

 

Ich habe Angebote vorliegen von: Alte Leipziger, LV1871, Axa, MyLife und Volkswohl Bund. Aufgrund der Parameter (niedrige Sparrate; hier 50€ angesetzt; außerdem Rentenbeginn mit 63) haben wir hier natürlich horrende Effektivkostenquoten von ca. 1%. Garantierte Rentenfaktoren liegen bspw. bei 24,80 (AL) sowie 24,38 (LV1871) bei Rentengarantiezeit von 29/30 Jahren.

 

Wenn ich Kostenstruktur und andere Faktoren, die ich als Laie bewerten kann, in Betracht ziehe (bspw. Größe, Flexibilität, Finanzstabilität), dann liegen AL und LV1871 vorne. Axa war mir u.a. ein bisschen zu undurchsichtig, MyLife und Volkswohl Bund teurer als bspw. LV1871.

 

--> Meint ihr, mit der Alten Leipziger (HFR10) und LV1871 (MeinPlan) hat man solide Optionen, mit denen man grundsätzlich nichts falsch macht?

--> Habt ihr einen Favoriten zwischen den beiden, auch mit Blick auf softe Faktoren (bspw. Überschussbeteiligung etc.)? LV1871 ist günstiger beim Guthaben, AL hat aber auch sehr günstige ETF im Angebot (bspw. MSCI World von UBS mit 0,06%).

--> Nicht berücksichtigt habe ich u.a. Europa, Condor und Interrisk (auch nicht bspw. Nürnberger, Continentale, HDI,...). Bei den letzten beiden habe ich nach Lesen diverser Beiträge den Eindruck, dass kein besseres Angebot ggü. AL und LV1871 zu erwarten ist. Bei Europa weiß ich es nicht - könnte Europa oder ein ganz anderer Anbieter noch ein Kandidat sein?

 

 

Rentenfaktor & Sparrate vs. Zuzahlungen

Die garantierten Rentenfaktoren, bspw. 24,80 von AL, finde ich ein bisschen niedrig. Ok, da ich u.a. auf das Thema Langlebigkeit ziele, macht es wahrscheinlich Sinn, den Rentenbeginn auf (mindestens) 67 zu setzen statt 63 (Überlegung war, dass ich leichter verlängern als vorziehen kann). Jetzt aber zu den Zahlungen: ist meine Idee doof, nur den Mindestbetrag (i.d.R. 25€) als Sparrate anzusetzen und den Rest per Zuzahlung zu machen? Wenn ich es richtig verstehe, fällt somit 1. mein garantierter Rentenfaktor von Beginn an niedriger aus und 2. gilt für die Zuzahlungen dann ein neuer, ggf. auch niedrigerer Rentenfaktor - richtig?

 

 

Rentengarantiezeit

Ich habe keine pauschale Empfehlung gefunden, ob man immer/nie eine Rentengarantiezeit über x Jahre abschließen sollte. Wenn ich es richtig verstehe, ist das eine Frage der persönlichen Vorliebe - korrekt? Allerdings sollte eine Rentengarantiezeit von 25 Jahren nur einen kleinen Einfluss auf den garantierten Rentenfaktor haben - auch korrekt?

 

 

Dynamik in Rentenphase

...bzw. "wachsende Bonusrente" bei AL und "garantierte Rentensteigerung" bei LV1871. Ehrlich gesagt eine Grundsatzfrage, bei der ich etwas auf dem Schlauch stehe  - brauche ich sowas nicht auf jeden Fall, weil meine Rente sonst der Inflation zum Opfer fallen würde? Oder ist eine Rentenanpassung eh immer vorgesehen und geschieht durch Überschussbeteiligung? Wie wirkt sich diese Option auf Rentenfaktor etc. aus?

 

 

Ablaufmanagement

Ganz salopp - ob bzw. wann ich ein Ablaufmanagement vereinbare, hängt wahrscheinlich in erster Linie vom Rentenbeginn ab, oder (gesetzt, dass verrentet wird)?

 

 

Effektivkostenquote

Nur für mich zur Beruhigung: welche Effektivkostenquote im Angebot steht, ist im Zweifelsfall egal, oder? Es zählt die angegebene Kostenstruktur (sowie u.a. Rentenfaktor), die Kostenquote ändert sich durch Beitragsanpassung sowie durch Zuzahlungen eh - alles korrekt?

 

-------

 

 

So, das war jetzt einiges an Text; hoffentlich nicht zu viel. Ich freue mich auf jeden Fall auf eure Antworten, vielen Dank im Voraus!

 

Beste Grüße

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satgar
· bearbeitet von satgar
vor 8 Minuten von casten:

Meint ihr, mit der Alten Leipziger (HFR10) und LV1871 (MeinPlan) hat man solide Optionen, mit denen man grundsätzlich nichts falsch macht?

Ja

vor 8 Minuten von casten:

Jetzt aber zu den Zahlungen: ist meine Idee doof, nur den Mindestbetrag (i.d.R. 25€) als Sparrate anzusetzen und den Rest per Zuzahlung zu machen?

Zumindest gewährt die AL für Zuzahlungen nicht den Garantiefaktor vom Versicherungsbeginn, sondern jenen zum Zeitpunkt der Einzahlung. Die LV1871 gibt für Zuzahlungen den Garantiefaktor vom Vertragsbeginn.


was sagt denn der Vermittler zu deinen Fragen, dem du ein Honorar bezahlst? Für genau sowas, bezahlst du ihn ja.

 

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chirlu
vor 5 Minuten von casten:

Nicht berücksichtigt habe ich u.a. Europa, Condor und Interrisk (auch nicht bspw. Nürnberger, Continentale, HDI,...). Bei den letzten beiden

 

Sind die „letzten beiden“ Continentale und HDI oder Condor und Interrisk?

 

vor 6 Minuten von casten:

Jetzt aber zu den Zahlungen: ist meine Idee doof, nur den Mindestbetrag (i.d.R. 25€) als Sparrate anzusetzen und den Rest per Zuzahlung zu machen?

 

Warum überhaupt einen laufenden Beitrag?

 

vor 7 Minuten von casten:

Ich habe keine pauschale Empfehlung gefunden, ob man immer/nie eine Rentengarantiezeit über x Jahre abschließen sollte. Wenn ich es richtig verstehe, ist das eine Frage der persönlichen Vorliebe - korrekt?

 

Wenn die Rentengarantiezeit zum Tragen kommt, bist du tot. Es kommt also ausschließlich darauf an, was du deinen Angehörigen hinterlassen willst.

 

vor 10 Minuten von casten:

Dynamik in Rentenphase

...bzw. "wachsende Bonusrente" bei AL und "garantierte Rentensteigerung" bei LV1871. Ehrlich gesagt eine Grundsatzfrage, bei der ich etwas auf dem Schlauch stehe  - brauche ich sowas nicht auf jeden Fall, weil meine Rente sonst der Inflation zum Opfer fallen würde? Oder ist eine Rentenanpassung eh immer vorgesehen und geschieht durch Überschussbeteiligung? Wie wirkt sich diese Option auf Rentenfaktor etc. aus?

 

Eine garantierte Steigerung (um x% pro Jahr) führt zu einer deutlich niedrigeren Rente zu Beginn. Wie sehr sie dir gegen die Inflation hilft, hängt davon ab, wie sich die Inflation verhält – ist sie hoch, wird sie von den x% Steigerung vielleicht auch nicht ausgeglichen.

 

Die Überschussbeteiligung gibt es immer. Du kannst sie unterschiedlich über die Zeit des Rentenbezugs verteilen. Sie ist auch relativ unabhängig von der Inflation und muss nicht ausreichen, um die auszugleichen.

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Bolanger

Gibt es eigentlich auch private Rentenversicherungen, die einen Inflationsausgleich gewähren anstatt einer fixen Steigerung, die mal über und mal unter der Inflationsrate liegen kann?

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fgk
· bearbeitet von fgk

Die Rentensteigerungen hängen vom Zinsniveau ab. Wenn die Inflation steigt, steigt auch das Zinsniveau und damit Überschüsse und auch die Rente. Umgekehrt gibt es den Garantiezins, der nach unten absichert.

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chirlu
vor 22 Minuten von Bolanger:

Gibt es eigentlich auch private Rentenversicherungen, die einen Inflationsausgleich gewähren anstatt einer fixen Steigerung, die mal über und mal unter der Inflationsrate liegen kann?

 

Im Ausland teils ja. In Deutschland habe ich so etwas noch nie gesehen.

 

So etwas ist auch nur mit inflationsgekoppelten Staatsanleihen möglich. Derzeit für den Euro also nur mit französischen u.a. Anleihen, denn das deutsche Anleihenprogramm wurde ja eingestampft (danke, Christian Lindner). :unsure:

 

vor 13 Minuten von fgk:

Die Rentensteigerungen hängen vom Zinsniveau ab. Wenn die Inflation steigt, steigt auch das Zinsniveau und damit Überschüsse und auch die Rente.

 

Aber mit sehr viel Verzögerung.

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Fondsanleger1966

Hallo, herzlich willkommen im Forum!

 

vor 3 Stunden von casten:

ich möchte gerne eine fondsgebundene Rentenversicherung als Nettopolice abschließen, bin jedoch bei einigen Punkten zur Vertragsgestaltung unsicher und stocke außerdem bei der Anbieter- bzw. Produktwahl.

 

Stand: 2.1.2025

Am 2.1.2025 um 05:23 von Fondsanleger1966:

- Bei einem Wunsch nach Verrentung wäre mein Favorit nach heutigem Analysestand die LV 1871, sofern man mit den dortigen Einschränkungen der ETF- und Fondsauswahl [...] leben kann. Gamma-Kosten 0,22% p.a. (mind. 30 € p.a.) mit Aussicht auf Erstattung von 40% dieser Kosten über die Schlussüberschüsse (seit mindestens 3 Jahren so im Geschäftsbericht/Verteilungsplan vorgesehen). Das wären dann nur noch 0,132% p.a. Gammakosten, wenn die Schlussüberschüsse final zugeteilt werden. Die Beta-Kosten betragen 1,5% für die 3.000 € minimaler Einmalbeitrag und 0,5% für Zuzahlungen. Sinnvolles Vertragsminimum wären knapp 14.000 € wg der 30 € Mindestkosten p.a. . Die Verrentungskosten belaufen sich bei Neuabschluss nur noch auf 1,5% von jeder Rentenzahlung. Die zusätzlichen 0,5% einmal zu Rentenbeginn sind mittlerweile entfallen, ebenso die Kosten für Auszahlungen und Cash-to-Go (Auszahlplan aus der Police).

 

- Die größte und beste Fondsauswahl unter den attraktivsten Nettopolicen hat wohl die Alte Leipziger (AL). Dafür liegen bei ihr aber die Gamma-Kosten mit 0,3% p.a. recht hoch und es gibt aktuell keine Kosten-Überschussbeteiligung (s. S. 114-116 im Geschäftsbericht 2023). Beta-Kosten fallen nicht an.

 

Mich würde bei einer Verrentungsabsicht die geringe Ertragskraft des Versicherers stören. 2024 kamen AL-Renten nur auf einen Gesamtzins von maximal 2,33% - das ist sogar (minimal) weniger als bei der Condor! Die LV 1871 hat dagegen 3,25% bei Renten ohne Garantiezeit gezahlt (3,08% bei 10 Jahren Garantiezeit).

 

Für (Teil-) Entnahmen nach 62/12 und die einkommenssteuerfreie Vermögensübertragung durch Todesfall kann die AL allerdings in Frage kommen, wenn man auf die deutlich bessere ETF-/Fondsauswahl Wert legt, die mehr Möglichkeiten bietet, oft direkt Clean Shares anbietet (statt Kickbacks wie bei der LV 1871) und günstigere ETFs und Indexfonds umfasst, was einen Teil der Gamma-Mehrkosten ausgleichen könnte.

 

- Grundsätzlich würde ich eine solche Nettopolice immer mit einer möglichst langen Laufzeit abschließen, unter Berücksichtigung der unternehmensindividuellen und steuerlichen Einschränkungen, und nicht nur bis 67 Jahre (volle Flexibilität beim Vorziehen und Verschieben des Rentenbeginns vorausgesetzt). So lassen sich die Vorteile einer solchen Lösung am längsten nutzen, z.B. über Teilentnahmen bzw. ETF-Auszahlpläne im Ruhestand bis zur Rest-Verrentung im hohen Alter (oder der einkommensteuerfreien Vermögensübertragung im Todesfall).

 

Inzwischen hat auch die LV 1871 bei etlichen Fonds Cleanshares. Und den iShares MSCI World ex US (TER 0,15%) in die Fondsauswahl aufgenommen (Kombination z.B. mit Vanguard S&P 500, TER 0,07%). Auf ungefähr demselben Niveau läge auch ein Welt-Portfolio mit Regionen-ETFs und dem automatischen Rebalancing innerhalb der Fopo (TER = rund 0,1% p.a.). Laufende Gesamtkosten inkl. TER wären dann nur noch 0,24% p.a., wenn die Kostenüberschüsse auch final zugeteilt werden. Bei der AL kommt man im günstigsten Fall für ein weltweites Portfolio auf ca. 0,37% p.a., hat aber keine Einmalkosten.

 

Ähnliches Bild in der Bafin-Statistik 2024:

- Durchschnittsverzinsung AL im Sicherungsvermögen: 2,0%

- Durchschnittsverzinsung LV 1871 im Sicherungsvermögen: 2,5%

- Branchenschnitt: 2,4%

 

Deshalb würde ich in der geschilderten Situation ganz klar die LV 1871 (über einen günstigen Honorarberater!) abschließen - und zwar OHNE Rentengarantie (Single! Höhere Überschussbeteiligung im Rentenbezug!) und vermutlich in der Variante mit Einmalzahlung von 3.000 Euro (Kosteneffizienz!) und raschem Aufstocken über Zuzahlung(en) auf die ca. 14.000 Euro (Mindestkosten!) sowie später weiterem Aufstocken über Zuzahlungen bis 50 Jahre (62/12!). Die 25 Euro/Monat bringen für 62/12 nur 3.600 Euro zusätzliche Einzahlungen ab 50. Das halte ich für ineffizient angesichts der höheren Kosten für *alle* lfd. Einzahlungen.

 

Das klassische Gegenargument ist, dass die Zukunft sowohl unsicher als auch ungewiss ist und die LV 1871 künftig eventuell schlechter wirtschaften könnte und dann möglicherweise abstürzen würde wie die AL in der Vergangenheit.

 

Das ist aber ein grundsätzliches Lebensrisiko, das man immer hat. Sollte sich das bei der LV 1871 irgendwann abzeichnen, schließt man einen neuen Vertrag bei einem dann besseren Anbieter ab, in den die künftigen Zuzahlungen fließen. Kostet über einen günstigen Honorarberater nicht die Welt.

 

Ich würde allerdings mit dem Vertragsabschluss in diesem Jahr noch etwas warten, bis sich die Konditionen für die neue geförderte Altersvorsorge abzeichnen. Vielleicht kommt da etwas Konkurrenzfähiges auf den Markt.

 

Viel Erfolg!

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