xtimsenx vor 15 Stunden · bearbeitet vor 14 Stunden von xtimsenx Hallo zusammen, ich beschäftige mich seit einiger Zeit intensiver mit dem Thema Financial Independence / Retire Early (FIRE) und würde gerne meine bisherige Planung hier zur Diskussion stellen. Ich habe mir mithilfe von KI ein FIRE-Modell aufgebaut, das ich inzwischen in einem Excel-/Google-Sheets-Dashboard pflege. Mir ist bewusst, dass solche Modelle nur so gut sind wie ihre Annahmen. Deshalb würde mich interessieren, wo ihr Schwachstellen seht und was ihr gegebenenfalls anders machen würdet. 1. Ausgangssituation Mitte 40, verheiratet, keine Kinder Beide berufstätig, ich in einer gut bezahlten Führungsposition Wohnsitz Deutschland, gesetzlich krankenversichert Mietwohnung, keine eigene Immobilie Finanzvermögen derzeit rund 1,37 Mio. € Wertpapierdepot: ca. 1,28 Mio. € Liquidität/Tagesgeld: ca. 93.000 € Monatliche Spar-/Investitionsrate: derzeit 6.000 €, geplant 6.500 € ab 2027 Langfristig keine größeren Erbschaften eingeplant Der Großteil des Depots ist in breit gestreuten Aktien-ETFs investiert. Die genaue Aufteilung kann ich bei Bedarf ergänzen. Von der Liquidität möchte ich dauerhaft mindestens 60.000 € als Reserve halten, unter anderem für unvorhergesehene Ausgaben und einen möglichen Autokauf. 2. Mein FIRE-Ziel Ich möchte nicht unbedingt von heute auf morgen komplett aufhören zu arbeiten. Mir geht es vor allem darum, finanziell unabhängig zu werden und anschließend frei entscheiden zu können, ob und in welchem Umfang ich noch beruflich tätig sein möchte. Für unsere Planung haben wir folgende Eckdaten festgelegt: Gewünschtes Haushaltsbudget: 6.000 € netto monatlich in heutiger Kaufkraft Entspricht 72.000 € pro Jahr Angenommene anfängliche Entnahmerate: 3,5 % Daraus abgeleitetes Zielportfolio: ca. 2,06 Mio. € in heutiger Kaufkraft Planungshorizont bis mindestens zum 90. Lebensjahr Angenommene langfristige reale Rendite: 3,5 % jährlich Inflation: 2 % jährlich Die gesetzliche Rente betrachten wir bislang bewusst als zusätzlichen Sicherheitspuffer und rechnen sie nicht auf das ursprüngliche FIRE-Ziel an. Beide haben wir bereits nennenswerte Rentenanwartschaften aufgebaut. Durch einen vorzeitigen Berufsausstieg würden die späteren Rentenzahlungen natürlich niedriger ausfallen als bei einer Beschäftigung bis zum regulären Rentenbeginn. 3. Geplanter Weg zur finanziellen Unabhängigkeit Unter den bisherigen Annahmen ergibt sich ein mögliches Full-FIRE-Datum ungefähr 2031/2032. Daneben beschäftige ich mich mit verschiedenen Alternativen: Coast FIRE: Nicht mehr weiter sparen, aber durch Arbeit die laufenden Lebenshaltungskosten decken und das Depot wachsen lassen. Barista FIRE: Reduzierte berufliche Tätigkeit mit einem Teil des Einkommens aus dem Depot. Full FIRE: Vollständige Finanzierung unseres Lebensunterhalts aus dem Vermögen. Gerade Barista FIRE finde ich interessant, da ich mir vorstellen könnte, künftig deutlich weniger zu arbeiten, statt von einer Vollzeit-Führungsposition direkt in den Ruhestand zu wechseln. 4. Punkte, bei denen ich noch unsicher bin Hier würde mich insbesondere eure Einschätzung interessieren: Entnahmerate: Sind 3,5 % bei einem möglicherweise 40 Jahre oder länger dauernden Entnahmezeitraum ausreichend konservativ? Würdet ihr eher mit einer flexiblen Entnahmestrategie oder festen Entnahmeregeln arbeiten? Sequence-of-Returns-Risiko: Wie würdet ihr euch gegen einen größeren Börseneinbruch unmittelbar vor oder nach dem Ausstieg absichern? Reicht eine größere Liquiditätsreserve oder wäre eine zusätzliche Anleihenkomponente sinnvoll? Steuern und Krankenversicherung: Wie würdet ihr die deutsche Kapitalertragsbesteuerung und die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung modellieren? Meine bisherige Rechnung bildet diese Themen noch nicht vollständig ab. Inflation: Ist die Kombination aus 3,5 % realer Rendite und einem FIRE-Ziel in heutiger Kaufkraft sinnvoll? Wie verhindert ihr in euren Modellen, dass Inflation oder Kaufkraftveränderungen doppelt beziehungsweise gar nicht berücksichtigt werden? Gesetzliche Rente: Ist es sinnvoll, die Rentenansprüche zunächst komplett auszuklammern, oder führt das zu einer unnötig konservativen Planung? Mieten und Pflegekosten: Da wir zur Miete wohnen und keine Kinder haben, möchte ich insbesondere steigende Wohnkosten sowie mögliche Pflege- und Betreuungskosten im Alter berücksichtigen. 5. Was ich mir von der Diskussion erhoffe Mir geht es weniger darum, ob ich theoretisch schon morgen aufhören könnte zu arbeiten. Ich möchte eine langfristig tragfähige Strategie entwickeln, bei der wir unseren Lebensstandard halten können, ohne im höheren Alter finanziell unter Druck zu geraten. Mich interessieren insbesondere die Schwachstellen in meinen Annahmen und mögliche Verbesserungen der Entnahme- und Risikostrategie. Was würdet ihr an meiner Stelle anders rechnen oder strukturieren? Und welche Risiken werden bei FIRE-Planungen eurer Erfahrung nach häufig unterschätzt? Wie würdet ihr den optimalen Zeitpunkt bestimmen, an dem zusätzliche Erwerbsjahre kaum noch einen relevanten Sicherheitsgewinn bringen? Anders formuliert: Wann lohnt es sich finanziell nicht mehr, weiter Vollzeit zu arbeiten? Vielen Dank für eure Einschätzungen! Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
JS_01 vor 13 Stunden Zum Anlegen und zu Entnahmeraten wird im Forum ja genug geschrieben und da werden die üblichen Experten sicher noch antworten. Wollt ihr in Deutschland bleiben? Falls ja, würde ich mir bei 2 Mio. liquidem Vermögen überlegen, eine kleinere Wohnung zu Kaufen und zu Vermieten, bei der ihr euch vorstellen könntet ggfs selbst einzuziehen (Ausstattung und Lage). Das muss nicht unbedingt der riesige Renditetreiber sein, aber wäre eine Art Sicherheitsnetz, damit das Thema Wohnen im Alter abgesichert ist. Die gesetzliche Rente würde ich nicht komplett außen vor lassen. Wenn du sie nicht einrechnen magst, kannst du sie ja gedanklich als Puffer für Pflegekosten nehmen. Von 100% Führungskraft auf 0 stelle ich mir sehr schwierig vor. Noch wichtiger als die Frage ob man noch 5 Jahre oder 6 Jahre arbeitet ist denke ich, den Übergang zu gestalten und den Tag bereits mit mehr Hobbies und Nebentätigkeiten zu füllen. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
PEOPLES vor 13 Stunden · bearbeitet vor 13 Stunden von PEOPLES vor einer Stunde von xtimsenx: Gewünschtes Haushaltsbudget: 6.000 € netto monatlich in heutiger Kaufkraft Entspricht 72.000 € pro Jahr Angenommene anfängliche Entnahmerate: 3,5 % Daraus abgeleitetes Zielportfolio: ca. 2,06 Mio. € in heutiger Kaufkraft Hast du mal konkret gerechnet, was die echten Abgaben sind um bei 6k netto rauszukommen? Also Steuern und KV, und auf welche Beträge das gerechnet wird? Warum rechnest du die Rentenansprueche nicht mit rein? 1. Bei der Ausgangslage halte ich die 2.xx mio in 5-6 Jahren für realistisch. Garantie gibts nie, aber das kann schon klappen. 2. Eine SWR von 3.5% ist IMHO ok, ich würde immer irgendeine dynamische Komponente mit drin haben. Also im Zweifel musst du in der Lage sein, deine Ausgaben zu kuerzen. Inflation von 2% ist optimistisch, da wrde ich bissi mehr Puffer einbauen. Das Hauptproblem ist, dass du bisher weder Steuern noch KV mit drin hast. Und das kann je nach Setup schon empfindlich hoch sein (fuer zwei Personen). 3. Barista-Fire finde ich "komisch". Als Mitvierziger bist du Gehaltstechnisch quasi im Peak, ich finde, dass sollte man nutzen, wenn man FIRE-Pläne hat. Eine so hohe Sparrate zu wuppen ist sportlich. Da müsste man ja diverse Jahre Barista dranhängen nur im ein Jahr Sparen zu kompensieren. Wenn Barista-FIRE eben normale Teilzeit ist, sofern das bei dir Möglich ist, dann vielleicht. 4. Das SORR besteht immer, es wird in der Regel weniger, weil das Depot wächst und man dann mit geringeren Entnahmeraten arbeitet. Wenn man die Entnahmeraten der Depothöhe anpasst, dann zieht das SORR mit. Da gibts wohl mehr Meinungen als Fruehrentner, also von 100% Equity bis zu verschiedene Töpfe und min 7 Jahre in Cash. Thema Steuern und GKV: Kommt auch auf dein Setup an, die Vorabpauschale bei Thesaurieren zählt leider zum relevanten Einkommen und da kommen bei grossen Depots in guten Jahren ganz schnell erhebliche Summen zusammen, die dann als Basis fuer die GKV dienen, ohne das da ein € aus dem Depot gezogen wurde. Sprich man muss dann nicht nur die Vorabpauschale besteuern, sondern leider auch darauf GKV bezahlen. Nur mal grob ueberschlagen: Bei einem Depot von 2.5mio -> Basisertrag 2.24% fuer 2026 -> 56k wovon 70% relevant sind -> 39,2k€ zVE nur fuer die Vorabpauschale. Darauf zahlst du dann Kapitalertragssteuer, also pie mal Daumen 25% oder 10k€. Dann Entnimmst du beispielsweise die 80k, wovon (Annahme) 50% Kursgewinne sind -> 40k zu versteuern, bei Teilfreistellung dann 28k€ und das kommt auf die 39.2k drauf -> 67.2k zVE. Von der Vorabpauschale kannst du leider nur Anteilig die Steuern gegenrechnen. Also das was in den Vorjahren aufgelaufen ist und dieses Jahr. Also wenn du 4% der Anteile verkaufst, dann kann man auch nur 4% der zu zahlenden Steuer auf die Vorabpauschale anrechnen (und leider nicht die vollen 10k). Das wären also irgendwie nur 400€, die lasse ich mal weg. Das sind dann rund 15-17k Steuern, weniger der anteiligen bereits gezahlten Vorabpauschale. Bei 67k zVE liegst du bei rund 1k/monat oder 12-13k im Jahr an GKV -> Pie mal Daumen 30k Gesamtabzuege. Bei ehemals 80k aus dem Depot bleiben dann 50k uebrig. Frag mich bitte nicht, wie das bei einem gemeinsam veranlagten Ehepaar aussieht. Also ob da je anteilig gerechnet wird oder ob das einem zugestanden wird und der andere in die Familienversicherung kommt, etc. pp. Um auf die anvisierten 6k netto zu kommen, muss man schon deutlich mehr aus dem Depot ziehen -> du brauchst ein groesseres Depot bei der SWR. Gerne auch die Rechnung korrigieren, falls ich da komplett falsch liege, ich habe die Beträge der Lesbarkeit grob gerundet. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Sapine vor 13 Stunden · bearbeitet vor 13 Stunden von Sapine Ich will zunächst nur auf ein paar Teilaspekte eingehen. Du hast 6.000 Euro als Wunscheinkommen identifiziert. Wie beweglich bist Du in dem Punkt? Könntest Du Dir vorstellen in schlechten Börsenzeiten Eure Ausgaben auf vielleicht 4.000 Euro zu reduzieren? Falls noch nicht bekannt, schau Dir das Vanguard Dynamic Spending genauer an. Das ist meiner Überzeugung nach eines der besten Tools mit denen man gut arbeiten kann. Flexibilität bei der Entnahme reduziert das SORR sehr effektiv und ermöglicht in der Regel eine insgesamt höhere Entnahme über die Zeit. Ein zweiter Punkt der mir auffällt und einen intensiveren Blick wert ist. Auch wenn aktuell die Rente und möglicherweise weitere Altersvorsorgebausteine noch sehr weit weg sind, solltest Du sie bei Deinen Überlegungen mit einschließen. Mit welchen Einkünften rechnest Du in jedem Deiner Fälle (Full Fire, Barista etc.) Der frühest mögliche Termin für Full Fire hast Du mit 2031/2032 beziffert. Dann bist Du (und Deine Partnerin?) Mitte 40. D.h. es wären gut 20 Jahre bis zum Renteneintritt zu finanzieren und im Anschluss weitere 30+ Jahre für den eigentlichen Ruhestand. Nicht dass es der einzig denkbare Weg ist, aber ich beschreibe mal kurz wie ich vorgegangen bin bei Full Fire mit Mitte 50. Ausgehend von der späteren Rente habe ich mir ausgerechnet, welche "ewige Rente" ich aus dem Depot benötige. Bei mir war das rund 2/3 was dauerhaft für Einkommen sorgen sollte und 1/3 was ich bis zum Renteneintritt aufbrauchen konnte. Das Geld für die dauerhafte Entnahme auch über den Rentenbeginn hinaus solltet ihr sehr langfristig ausrichten. Ein hoher Aktienanteil ist für den Inflationsausgleich bei dieser Anlagedauer unverzichtbar. Für die Überbrückungszeit kann man seiner persönlichen Risikobereitschaft etwas stärker nachgeben. Es ist aber auch eine Frage, wie flexibel ihr bei der Entnahmehöhe seid. Das müsst ihr individuell für Eure Bedürfnisse definieren. Ein größerer Sicherheitspuffer drückt natürlich auf die Rendite und damit die Entnahmehöhe. Sprich ggf. müsst ihr 100-200k mehr ansparen. Die Entnahmehöhe bei sehr langen Entnahmen (bei euch 50+ Jahre) wird in der Litaratur für eine statische Entnahme mittlerweile bei unter 3 % gesehen. Die 4 % von Bengen gelten nicht für so lange Zeiträume und auch nur für die USA. Im Prinzip müsst Ihr das Vermögen fast erhalten, um auf einen so langen Zeitraum Geld entnehmen zu können. Bei einer starren Entnahme mit Inflationsausgleich betrachte ich 3,5 % als entschieden zu hoch. Bedenke, dass mittelfristig vielleicht nur 6 % Rendite brutto drin sind und davon auch noch eine Inflation von 3 % abzudecken ist neben den Steuern. Vielleicht wäre etwas zwischen 2,5 % und 2,8 % realistisch. Ich selbst nutze seit ein paar Jahren das dynamische Vanguard Modell mit einer Zielentnahme von 3 %. Grundsätzlich erlaubt das Modell auch einen Start mit eine höheren Entnahme. Ihr müsst Euch allerdings bewusst sein, dass ihr bei einer höheren anfänglichen Entnahmerate in Kombination mit der sehr langen Laufzeit ein höheres Risiko habt, zwischenzeitlich Eure Ausgaben einschränken zu müssen. Da bin ich mit den 3 % mehr auf der "sicheren" Seite, weil der Aktienmarkt die mittelfristig in den meisten Zeiträumen verdient. EDIT: Zu den Berechnungen von @PEOPLESDas mit der Besteuerung der Vorabpauschalen sehe ich in der Entnahmephase tatsächlich auch als Problem. Bei ausschüttenden Fonds zahlt man zwar auch Steuern (in manchen Jahren sogar etwas mehr als über die Vorabpauschale), dafür hat man den Rest der Ausschüttung aber als Cash Flow zur Verfügung ohne durch weitere Verkäufe noch zusätzliche Gewinne realisieren zu müssen. Aber das kann man im wesentlichen nur in der Ansparphase beeinflussen. Möglicherweise kann es mit Blick auf die Krankenversicherung sinnvoll sein, sich mit Steuerthemen wie dem Stückzinstrick zu beschäftigen. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
s1lv3r vor 13 Stunden · bearbeitet vor 13 Stunden von s1lv3r vor 1 Stunde von xtimsenx: Entnahmerate: Sind 3,5 % bei einem möglicherweise 40 Jahre oder länger dauernden Entnahmezeitraum ausreichend konservativ? Würdet ihr eher mit einer flexiblen Entnahmestrategie oder festen Entnahmeregeln arbeiten? Gerade in Hinblick auf die lange Entsparphase und die Ungewissheit nicht nur der Kapitalmarktentwicklung sondern auch der Steuer-/ und Abgabenlast finde ich 3,5% fixe Netto-Entnahme nach Steuern, Sozialabgaben und Inflation schon sportlich. Das ist aber nicht unbedingt eine schlechte Nachricht, denn mit den von meinen Vorrednern auch schon unisono angestimmten einfachen Hebeln sieht es schon wesentlich besser für euch aus: Variable Entnahmestrategien. Rentenansprüche einfach mal mit berechnen (wenn man die nicht für belastbar hält einfach noch eigene Abschläge einkalkulieren ...). Die Rentenansprüche (insbesondere wenn sie beträchtlich sind) einfach komplett rauszulassen finde ich hingegen sehr seltsam. Das verzerrt die Komplettbetrachtung doch stark. Da hat man dann m.E.n. überhaupt keine Kalkulationsbasis mehr. Die Aussage "Ich entnehme 3,5% fix und habe aber noch einen undefiniert großen Sicherheitspuffer in der Hinterhand" bedeutet für mich schlichtweg, dass man keine SWR von 3,5% auf das Gesamtvermögen für sicher hält, sondern irgendwas undefiniertes darunter ... Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
Physics vor 13 Stunden · bearbeitet vor 13 Stunden von Physics Hast Du schon ein Jahresscheiben-Modell aufgebaut? Wenn nein, empfehle ich es Dir. Wenn ja, kannst Du das Folgende einfach ignorieren. Aufbau: Zeilen = Jahresscheiben, Spalten = Parameter. 1. Bedarf im Ruhestand (Ausgaben) Kategorien bilden, bei denen Du verschiedene Parameter bzgl. Wertentwicklung und tatsächlichem Bedarf setzen kannst: - Grundverbrauch / Lebenshaltung: Unter dieses Level möchtest Du nie fallen. - Sonstige Annehmlichkeiten: Worauf Du im Notfall verzichten oder was Du einschränken kannst. - Reisebudget: Über verschiedene Lebenszyklen unterschiedlich gewichtet. - Krankenversicherung - Miete - Pflege: Kommt später im Lebenszyklus hinzu (teilweise kompensiert durch den Wegfall von Reise- und Annehmlichkeiten-Budget). Für jeden dieser Bedarfe solltest Du unterschiedliche Inflationsannahmen hinterlegen bzw. das Kostenniveau in den jeweiligen Lebensphasen berücksichtigen. Es macht Sinn, einen Lebenskostenindex über die Jahre mitzuführen (z. B. 100, 103, 106,09 usw.), damit Du heutige Pflegekosten in 30 Jahren entsprechend indexiert eintragen kannst. Ergebnis: Du siehst Deine Mindestkosten für ein auskömmliches Leben und weißt, was im Notfall reduziert werden kann. 2. Einnahmen im Ruhestand - Gesetzliche Rentenpunkte: Über die Jahre inklusive der dazukommenden Punkte abbilden. Den aktuellen Wert je Rentenpunkt eintragen und je nach persönlicher Risikoeinschätzung eine Wertentwicklung von z. B. -0,75 % bis -2 % gegenüber der Inflation ansetzen. Beides multiplizieren. Die Rente außen vor zu lassen macht keinen Sinn, wenn Du eine vernünftige Ruhestandsplanung anstrebst. Ihr Wert liegt vor allem in der garantierten und weitgehend inflationsgeschützten Basis. - Betriebsrenten: Ebenfalls strukturiert abbilden. - Depotentwicklung & Entnahme: Mit einer Withdrawal Rate Deiner Wahl simulieren. Da Du ein hohes Budget anstrebst, macht ein dynamisches Entnahmemodell Sinn, da Du im Notfall Flexibilität hast bei 6.000 EUR Ziel-Budget. Du wirst vermutlich nicht teuer reisen, wenn die Welt um Dich herum im Marktcrash steht und gefühlt alles den Bach herunter geht. Die Alternative einer starren SWR führt zu sehr niedrigen Entnahmeraten (z.B. niedriger als 3,5%, wie hier schon geschrieben), wodurch Du dauerhaft unter Deinen Möglichkeiten bleibst und mit hoher Wahrscheinlichkeit der Nachwelt ein großes Vermögen hinterlässt. 3,5 % Realrendite waren mir für sehr lange Zeiträume zu hoch, ich rechne persönlich eher mit 2,5 % (konservativ) oder 3,0% (ausgewogen). 3. Steuern und Sozialversicherung Für die verschiedenen Kategorien einkalkulieren: - Gesetzliche Rente: Vereinfacht z. B. mit 25 % pauschal ansetzen (oder mit etwas mehr Aufwand genauer berechnen). - Kapitalertragsteuer: Nach heutigen Regeln entweder pauschal mit ~14 % auf die Entnahme rechnen (27,81% * 0,7 Teilfreistellung * 0,7 geschätzter Gewinnanteil) oder individuell modellieren. Im Ergebnis siehst Du die tatsächliche Entwicklung über die einzelnen Jahre (am besten noch mit einem Inflationsfaktor (obiger Lebnshaltungskosten-Index) auf heute normalisieren, um einen Fehlbetrag von z. B. 5.000 € in 40 Jahren in heutiger Kaufkraft bewerten zu können). 4. Risiken Das größte Risiko ist nicht die durchschnittliche Realrendite, sondern das Sequence-of-Return-Risk in Deiner Entnahmephase. Ich würde bei der anvisierten Portfoliogröße ca. 5 Jahresbedarfe in Bonds/Tagesgeld halten, um dieses Risiko abzufedern. Ein ganz hilfreicher Rechner für Entnahmemodelle ist übrigens dieser hier: https://planschkuh-bot.github.io/entnahme-simulator/ Eine dynamische Entnahme ist ein sehr guter Kompromiss. Wie weit Du dabei gehen möchtest, kannst nur Du entscheiden. Garantierte Zahlungsströme (wie die GRV) haben einen enorm stabilisierenden Wert, daher würde ich sie nie komplett ignorieren, sondern lediglich konservativ gegenüber der Inflation nach unten ziehen über die Jahre. Zum optimalen Zeitpunkt: Das ist sehr individuell. Für mich ist er dann überschritten, wenn im Ruhestand rechnerisch mehr Geld zur Verfügung steht als aktuell ausgegeben wird. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
LongtermInvestor vor 10 Stunden vor 4 Stunden von xtimsenx: Die gesetzliche Rente betrachten wir bislang bewusst als zusätzlichen Sicherheitspuffer und rechnen sie nicht auf das ursprüngliche FIRE-Ziel an. Beide haben wir bereits nennenswerte Rentenanwartschaften aufgebaut. Die Integration der gesetzlichen Rentenansprüche in eure FIRE-Planung senkt euer benötigtes Zielvermögen und senkt die Entnahmelast ab Bezug deutlich. Das außen vorzulassen macht keinen Sinn. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag
OSO vor 10 Stunden Einiges ist inzwischen schon geschrieben - hatte diesen Text vor zwei Stunden formuliert, aber nicht gleich abgeschickt: Du sprichst das Thema ja selber an: Du willst 6k netto pro Monat/72k p.a. bei 3.5% Entnahme aus 2m. Das geht nur, wenn dein Steuersatz 0% beträgt. Bei 72k zu zweit halte ich das nicht für realistisch. Günstigerprüfung würde zwar vermutlich greifen (also unter Satz der Abgeltungssteuer) aber selbst wenn KV absetzt, solltest du mit realistischen Steuersätzen planen. Da du von inflationsbereinigten 72k sprichst, würde ich schauen, wie viel ihr Stand heute brutto verdienen müsstet, um netto bei 72k rauszukommen. Viel kann man als Privatier nicht absetzen, aber zumindest die KV-Kosten gehen natürlich (dann aber sauber rechnen: Wenn PKV, heutige Beiträge, wenn GRV, schauen, wieviel ihr freiwillig versichert zahlen müsstet). Ich würde vermuten, dass ihr dann bei über 80k brutto liegen müsstet. Wenn ihr ganz genau rechnen wollt, könnt ihr auch noch Abschläge für die Versteuerung von Vorabpauschalen machen. Bei vollem Satz der Kapitalertragssteuer und vollständig thesaurierenden Anlagen kann das durchaus jedes Jahr ein paar Zehntelprozentpunkte kosten. Bei einem niedrigeren Steuersatz ist das aber eher weniger relevant. Da ihr zu zweit plant, solltet ihr meiner Meinung nach mit mehr als 40 Jahren planen. Auch allein kann es natürlich sein, dass man über 90 Jahre alt wird. Aber zu zweit eine deutliche höhere Wahrscheinlichkeit. Da halte ich zumindest bei anhaltend hohen Börsenbewertungen 3.5% Entnahmerate für relativ hoch. Jeder Simulationsrechner wird dir andere Werte ausspucken, aber ich würde mich eher Richtung 3% als 3.5% orientieren. (Wenn die Börsen naürlich in den nächsten Jahren schlecht laufen, kann man ggf. höher gehen.) Rente: Würde ich genauso machen. Und dann mit 67 schauen: Wenn bis dahin alles gut gelaufen ist (also kein böses SORR-Ereignis in den ersten Jahren), die Rente oben drauflegen. Wenn die ersten Jahre am Kapitalmarkt mies waren, die Rente nutzen, um die nötigen Entnahmen zu reduzieren. Und ja: Das sind jetzt zwei konservative Schritte. Niedrigerer Auszahlungssatz (Richtung 3%) und Rente außen vor lassen. Aber bei den langen Zeiträumen würde ich insb. in den ersten Jahren konservativer fahren. Wahrscheinlich kommt dann raus, dass 2m nicht reichen werden. Diesen Beitrag teilen Link zum Beitrag