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Aionios Paideia

Wer hat Minimalismus bereut?

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Aionios Paideia

Hallo zusammen, 

 

ich bin gerade mit einem Rucksack in Tulum, Mexico, und habe heute einen Großteil meines restlichen Besitzes (Elektronik, Kleidung, Apps etc.) fast ersatzlos rausgeschmissen. 

Sehr vieles ist auf das konzentriert, was ich für die größten Hebel halte: 

Ein Welt-ETF bei einem Broker, ein ketogenes OMAD aus hochwertigen Nahrungsmitteln, 60 Minuten Training im GYM, 5 x 100 Schritte Spriten am Strand an Morgen, Zahnbürste-Zahnseide-Zahnpaste und Rasierer und ein paar funktionale Kleidungsstücke, ein iPhone 17 Pro und MacBook Pro, ein Floatie für den Ozean. 

Ich bin also kein Minimalist, der den Preis drücken will, sondern eher ein Hebel-Konzentrierer, der die wenigen Hebel nutzen will und sonst nichts. 

 

Ist jemand von euch einen ähnlichen Weg gegangen und habt ihr daran etwas bereut oder würdet ihr heute etwas anders machen (always invert)?

 

Bin gespannt!

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Holgerli

Ich habe mich Ende der 2010er immer mehr mit Minimalismus beschäftigt. Dass ich viel zu viel unnötiges Zeug hatte, was ich kaum mehr benutzt habe, habe ich selber an hunderten (ist keine Übertreibung!) DVDs und CDs gemerkt.

 

Mit Corona habe ich dann gemerkt, dass das ungeschriebene Gesetz, dass man 5 Tage die Woche ins Büro pendelt und man mit Pausen und Fahrzeiten 10 bis 11 Stunden pro Werktag für die Arbeit aufwendet überhaupt nicht nötig ist.  In der Zeit bin ich auch auf den Dokumentarfilm „My Stuff des Finnen Petri Luukkainen gestoßen. Er hat seine komplette Wohnung ausgeräumt und in ein Self Storage-Lagerhaus gebracht und pro Tag durfte er nur ein Teil da rausholen. (Die deutsche Filmkomödie „100 Dinge“ nimmt daran starke Anleihen (keine Angst: der schlechte Tech-CEO-Erzählstrang ist eine Erfindung der deutschen Komödie)).

 

Ich habe darauf hin meinen Besitzstand deutlich reduziert. Vermutlich sind 50 bis 60% meines Besitzstandes zu Kleinanzeigen, ins Sozialkaufhaus oder den Müll gewandert. Ein Großteil davon waren Kleidung, CDs, DVDs und Bücher, welche nur noch in den Ecken verstaubt sind. Dennoch besitze ich immer noch 800 Gegenstände.

 

In den letzten 6, 7 oder 8 Jahren war mein Ansatz von Minimalismus eine lange Reise für mich: Vom Anfang unnötiges Zeug erstmal wirklich loslassen zu können, über dann nicht anzufangen wieder neues, unnötiges Zeug einfach neu zu kaufen, über eine „Hardcore-Phase“ wo ich nichts neues gekauft habe (außer wenn was wirklich kaputt war), hin zu dem Verständnis, dass bewusster Konsum nichts Schlechtes ist.

 

Deine Art des Minimalismus scheint ja stark den von Cédric Waldburger angelehnt zu sein. Der hat sich ja auf unter 100 Dinge, die in eine Reisetasche und in einen Rucksack reinpassen reduziert. Dass was Waldburger macht ist für mich aber kein Minimalismus! Dass was Waldburger macht kann meiner Meinung nach nur deswegen funktionieren, weil er sich in teuren Hotels mit entsprechendem Service einmietet. Es hat für mich nichts mit Minimalismus zu tun den Wäscherei-Service eines 5-Sterne-Hotels zu nutzen, der innerhalb von 3 Stunden die Wäsche wäscht, nur um mit 3 T-Shirts, 3 Unterhosen und 3 paar Socken umherreisen zu können und das dann Minimalismus zu nennen, gleichzeitig aber auch mehrere tausend Euro pro Monat für Hotels auszugeben.

 

Deine Aussage, dass Du kein Minimalist bist, sondern ein „Hebel-Konzentierer“, finde ich schonmal gut, weil Du damit zeigst, dass Du nicht einer Minimalismus-Illusion hingibst. Vermutlich bist Du jetzt (auch mit OMAD) in einer Extrem-Version von „nichts kaufen“, durch die viele Minimalisten gehen.

Was ich Dir raten kann ist den Minimalismus nicht nur des Minimalismus Willen her zu leben, sondern weil Dir das Weniger auch was bringt. Wenn Du merkst, dass Du einzig wegen „ich Darf nicht kaufen/konsumieren“ nicht mehr an Aktivitäten teilnimmst die Dir Spass machen, dann ändere Dein Lebensstil.

Wenn Dich Deine Art des Minimalismus persönlich und bei der Lebensfreude weiterbringt und dann zusätzlich (!!!!) auch noch finanziell, dann mach es. Wenn Du merkst, dass Dich diese Art des Lebens persönlich nicht weiterbringt, sondern eher unglücklich macht, dann lass es bleiben.

 

Ich für meinen Teil habe (hoffentlich) darin meine persönliche Mitte gefunden, indem ich nur noch 3 Tage pro Woche arbeite und bewusst konsumiere. Und bewusst konsumieren heisst für mich nicht auf alles zu verzichten, sondern auf das unnötige.

Dass hat mir die Möglichkeit eröffnet, dass ich jetzt, 13 Jahre vor Beginn der Regelrente, komplett aus dem Berufsleben ausscheiden könnte ohne unter einer Brücke oder bei Hartz4 zu landen.

 

Dir viel Glück und hoffentlich viel Spass auf Deiner Reise. Ich hoffe, ich konnte Dir ein paar Ideen geben.

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Solara
· bearbeitet von Solara
vor einer Stunde von Holgerli:

Dennoch besitze ich immer noch 800 Gegenstände.

Spannende Aussage. Hast du gezählt oder schätzt du das? Und hast du dann wirklich auch 1 Tasse, 1 Löffel, 1 Glas, 1 Butterdose gezählt? 

Das würde ich nie hinbekommen, allein auf meinen Schreibtisch befinden sich über 25 Dinge ohne Stifteköcher. :unsure:

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Holgerli
· bearbeitet von Holgerli
vor 51 Minuten von Solara:

Spannende Aussage. Hast du gezählt oder schätzt du das? Und hast du dann wirklich auch 1 Tasse, 1 Löffel, 1 Glas, 1 Butterdose gezählt? 

Ich habe wirklich gezählt. Ich habe eine Excel-Datei wo ich für jeden Raum jeden Gegenstand gezählt habe.

 

Einschränkungen:

- Verbrauchsgegenstände wie Lebensmittel oder Zahnpasta habe ich nicht gezählt

- 500 Blatt Druckerpapier sind 1 Packung und nicht 500 Blatt

- Dinge die nur im Set aber nicht einzeln funktionieren, habe ich als 1 Set gezählt (z.B. meine Computerboxen aus zwei Boxen und einem Subwoofer sind 1 Set und nicht 3 Boxen plus 2 Boxenkabel.

- Auch Verbindungskabel wie Netzwerkkabel (oder eben besagte Boxenkabel) habe ich nicht gezählt, 3-fach-Stecker hingegen schon. 

 

vor 51 Minuten von Solara:

Das würde ich nie hinbekommen, allein auf meinen Schreibtisch befinden sich über 25 Dinge ohne Stifteköcher. :unsure:

Hat, glaube ich, 6 Wochen gedauert. War Corona. Ich hatte Zeit. Hatte den Vorteil, dass ich mir wirklich alles angeschaut habe.

Es gibt ja beim Minimalismus diesen Tipp (will es nicht Regel nennen), alles wegzutun, was man über ein Jahr nicht benutzt hat. Hintergrund ist, dass man nicht aus Versehen saisonale Sachen, die man aber dann braucht wegschmeißt.

Und da ist einiges zusammengekommen, was dann auch noch ausgeflogen ist. 

 

Und ja: Auf besagte 25+ Stücke auf oder an meinem Schreibtisch komme ich auch locker. Das ist IMO auch nicht schlimm, weil das Zeug da steht, weil ich es regelmäßig nutze. 

Diskutabel ist meiner Meinung nach das Zeug was irgendwo da steht, weil es da schon immer stand aber nicht genutzt wird.

Nennen würde ich da spontan den ehemaligen "Tupper-Schrank" der so voll im Tupper war, dass wenn man ihn aufgemacht hat erst mal 5 Tupperdosen herausfielen und man im hinteren Teil des Schranken nichts mehr gefunden hat, weil er zu voll war. Weg mit dem unnötigen Zeug.  

 

Und wie gesagt: Das ist meine Meinung und mein Weg. Es gibt Millionen Meinungen und gangbarer Wege zum Thema Minimalismus. Finde das, womit Du glücklich wirst und bleibst. Das ist IMO das Wichtigste, 

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Nostradamus
vor 6 Minuten von Holgerli:

Es gibt ja beim Minimalismus diesen Tipp (will es nicht Regel nennen), alles wegzutun, was man über ein Jahr nicht benutzt hat. Hintergrund ist, dass man nicht aus Versehen saisonale Sachen, die man aber dann braucht wegschmeißt.

Die Regel wäre mir zu hart. Das Raclette-Set wird einmal im Jahr benutzt, oder es wird auch mal ein Jahr lang gar nicht benutzt. Der Schlitten wurde evtl. nicht benutzt, weil es im Winter nicht geschneit hat. Das (bei mir nicht vorhandene) Campingzelt wurde nicht genutzt, weil mal kein entsprechender Urlaub gemacht wurde...

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Aionios Paideia
vor 7 Minuten von Nostradamus:

Die Regel wäre mir zu hart. Das Raclette-Set wird einmal im Jahr benutzt, oder es wird auch mal ein Jahr lang gar nicht benutzt. Der Schlitten wurde evtl. nicht benutzt, weil es im Winter nicht geschneit hat. Das (bei mir nicht vorhandene) Campingzelt wurde nicht genutzt, weil mal kein entsprechender Urlaub gemacht wurde...

Genau deshalb bin ich so froh, dass ich an keinen festen Wohnort und dessen Klima gebunden bin und ich im Zweifelsfalls für ein herausragendes Event einmal Geld ausgebe - also viel Geld für eine intensive Erfahrung - statt mich an neues Eigentum zu binden, das meine Mobilität und damit neue Erfahrungen einschränkt. G

Grüße von der Playa in Mexico, wo ich strahlende Sonne, 30 Grat und leicht bekleidete Latinas genieße.

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Holgerli
vor 10 Minuten von Nostradamus:

Die Regel wäre mir zu hart. Das Raclette-Set wird einmal im Jahr benutzt, oder es wird auch mal ein Jahr lang gar nicht benutzt. Der Schlitten wurde evtl. nicht benutzt, weil es im Winter nicht geschneit hat. Das (bei mir nicht vorhandene) Campingzelt wurde nicht genutzt, weil mal kein entsprechender Urlaub gemacht wurde...

Deswegen habe ich es ja Tipp und nicht Regel genannt: Ich bin mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass Minimalismus für jeden was anderes ist: Das kann auf der einen Seite sein, dass man es als totale Spinnerei abtut und es kann die komplett gegenteilige Seite sein, wo man halt wirklich nur mit 63 Teilen im Rücksack durch die Welt tourt.

Ich persönlich stimme Dir beim Raclette-Set und Schlitten komplett zu, beim Camping-Zelt hingegen wird es IMO interessant: Da würde ich fragen ob es wirklich nur noch in der Ecke steht, weil man mit dem Camping-Zelt frühere Erinnerungen verbindet und man glaubt, dass diese Erinnerungen so fest mit dem Zelt verwoben sind, dass wenn man das Zelt wegtut, auch diese Erinnerungen weg sind.

 

vor 7 Minuten von Aionios Paideia:

Genau deshalb bin ich so froh, dass ich an keinen festen Wohnort und dessen Klima gebunden bin und ich im Zweifelsfalls für ein herausragendes Event einmal Geld ausgebe - also viel Geld für eine intensive Erfahrung - statt mich an neues Eigentum zu binden, das meine Mobilität und damit neue Erfahrungen einschränkt.

Achtung! Keine Wertung nur meine Meinung (die nur auf mich zutrifft) Ich bin mir halt nicht so sicher ob das noch Minimalismus ist. Klar auf der einen Seite macht man sich nicht von Gegenständen abhängig aber dafür halt von Geld. Minimalismus ist für mich eine Lebensart wo ich mich soweit von Gegenständen löse, dass ich gut leben kann und auch gleichzeitig meine Ausgaben soweit runterschrauben kann, um weniger/kaum/nicht zu arbeiten.

 

vor 12 Minuten von Aionios Paideia:

Grüße von der Playa in Mexico, wo ich strahlende Sonne, 30 Grat und leicht bekleidete Latinas genieße.

Die Frage die ich Dir stellen würden: Bist Du überhaupt Minimalist oder nicht eher ein Digitaler Nomade? Beide Formen haben IMO deutliche Überschneidungspunkte aber nur beim Minimalismus könnte ich persönlich mir vorstellen das ein Leben lang zu machen. Digitale Normanden hingegen sind eher junge/jüngere Leute, die das für ein paar Jahre machen. Sozusagen Extrem-Work&Travel. Da Du nicht geschrieben hast wie alt Du bist: Kannst Du Dir vorstellen, dieses gerade von Dir gelebte Leben auch noch mit 50, 60 oder gar 70 oder 80 zu leben?

 

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Holgerli

Nachdem ich das hier gelesen habe:

Bin ich aus dieser Diskussion raus, da es für nichts mehr mit Minimalismus zu tun hat.

Ich wünsche Dir viel Spass & Glück bei dem was Du machst und hoffe, dass die Landung nicht allzu hart wird. 

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oktavian
vor 15 Stunden von Aionios Paideia:

Ist jemand von euch einen ähnlichen Weg gegangen und habt ihr daran etwas bereut oder würdet ihr heute etwas anders machen (always invert)?

es fehlt einfach die Redundanz und Absicherung im Katastrophenfall. Ich habe zum Beispiel immer Vorräte da. Backupgeräte habe ich auch z.B. altes Smartphone mit lineageos. Warum so extrem? Pech wenn dann Amazon/Lieferando Kurzfristlieferung aus irgendwelchen Gründen nicht mehr geht (z.B. Schneekatastrophe usw). Bereue nichts und hat mir Geld gespart, weil ich nicht sofort taggleich neu kaufen musste bei Ausfall.

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Fetz
· bearbeitet von Fetz
vor 2 Stunden von Aionios Paideia:

... strahlende Sonne, 30 Grat und leicht bekleidete Latinas ...

Dein Konzept funktioniert nur begrenzte Zeit.

Und nur als "Solo-Selbstständiger"

Der erste Unfall, die zweite chronische Erkrankung, vielleicht der Wunsch eine feste Beziehung zu haben - und Dein Projekt ist Geschichte.

Bis dahin viel Glück

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Aionios Paideia
vor 31 Minuten von oktavian:

es fehlt einfach die Redundanz und Absicherung im Katastrophenfall. Ich habe zum Beispiel immer Vorräte da. Backupgeräte habe ich auch z.B. altes Smartphone mit lineageos. Warum so extrem? Pech wenn dann Amazon/Lieferando Kurzfristlieferung aus irgendwelchen Gründen nicht mehr geht (z.B. Schneekatastrophe usw). Bereue nichts und hat mir Geld gespart, weil ich nicht sofort taggleich neu kaufen musste bei Ausfall.

Stimmt. Mein persönlicher Katastrophenfall war die Schulpflicht und die Schließung der Fitnessstudios während Corona sowie die Pflege meines Großvaters. 

Deswegen entlaste ich mich insofern davon, dass ich sage, dass von 10 möglichen Katastrophenfällen 9 vermieden sind und mich der letzte töten kann.

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