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Re-Balancing versus Over-Balancing

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Posted · Edited by Bärenbulle

Ziel dieses Threads:

 

Auf Basis fundamentaler Über-/Unterbewertungen des Aktienmärkte soll dynamisch eine optimale Gewichtung der Assetklassen RK1-3 in einem diversifizierten ETF-Portfolio errechnet werden. Dadurch sollen sowohl Rendite, als auch das Risiko des Depots optimiert werden. Beispiel für eine solche Strategie:

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Ausgangssituation:

 

Gestützt von empirischen Studien und wissenschaftlichen Erkenntnissen, ist der rationalere Teil der Anleger, von der Überlegenheit einer passiven Anlagestrategie überzeugt und steht aktivem Markettiming und Stockpicking zurecht sehr kritisch gegenüber. Man findet hier sehr schön optimierte Musterdepots (z.B. die von Supertops), in denen die weltweit diversifizierten Assets der Klassen RK1, 2 und 3 im Hinblick auf ein Rendite/Risiko-Optimum sinnvoll ausbalanciert werden.

 

Ebenso empirisch abgesichert ist die Erkenntnis, dass Re-Balancing eine positiven Effekt auf ein Portfolio hat. Dies erklärt sich in erster Linie dadurch, dass man im Rahmen des Rebalancings systematisch die jeweils unterbewertete Assetklasse nachkauft. Die Regression zum Mittelwert führt dazu, dass die unterbewertete Assetklasse langfristig wieder fair oder gar überbewertet ist und dann dafür die andere unterbewertete Assetklasse nachgekauft wird usw.. Das Rebalancing bringt so z.B. über 1 Prozent Mehrrendite gegenüber anderen Anlagestrategien. Wer diese Basics verinnerlicht hat, der dürfte den meisten anderen Privatanlegern schon mal deutlich überlegen sein und diese langfristig outperformen. Aber kann man sich diese Erkenntnis nicht noch weiter zu nutze machen?

 

Die Grundsatzfrage:

 

Die Frage, die ich zunächst mit Euch diskutieren möchte ist aber, ob starre Portfoliogewichtungen wirklich sinnvoll sind? Markowitz berechnet effiziente Portfolios mit Hilfe der MVO. Praktische Berechnungen zeigen jedoch, dass die ideale Gewichtung der Depots stark von dem Erwartungswert bzgl. der Assetklassen abhängt und schon bei kleinsten Änderung sich große Änderungen in den effizienten Zusammensetzungen der Depots ergeben (Diskussion siehe auch hier: https://www.wertpapier-forum.de/index.php?s...t&p=412584). Auch Kommer nennt für die Assetklassen nur statische Erwartungswerte für die Rendite, Vola und Korrelationen von Aktien, Anleihen etc.. Die Erwartungswerte für Rendite und Risiko z.B. von Aktien schwanken jedoch stark und sind im wesentlichen von den zugrundeliegenden Fundamentaldaten abhängig, die aber bei der MVO idR. nicht ausreichend bzw. dynamisch in die Optimierung mit eingehen.

 

Ich bin zunehmend der Überzeugung das starre Portfoliogewichtungen nicht rational sind. Vielmehr sollte man die Gewichtung der RK1-3-Assets konsequent aus Fundamentaldaten ableiten. Zwar führt die starre Einhaltung der Portfoliogewichtung wie oben bereits erläutert zu dem positiven Rebalancingeffekt.

 

Dennoch verfolgt man implizit nur eine sehr schwächliche und daher suboptimale Ausprägung einer Anlagestrategie auf Basis von Fundamentalbewertungen. Natürlich ist es vorteilhaft, dass wenn eine Assetklasse "einbricht" und diese somit tendenziell unterbewertet ist, dass man Sie anschliessend nachkauft. Wenn dann irgendwann die Regression zum Mittelwert einsetzt wertet die Anlageklasse wieder auf und man hat folglich eine bessere Rendite als der Markt erzielt. Nur warum dabei mit starren Portfoliogewichten arbeiten? Ein gezieltes Overbalancing der unterbewerteten Assetklassen würde schliesslich eine noch bessere Überrendite zum Markt bringen. Sofern fundamentalen Zusammenhänge gelten, verschenkt man, obschon man Sie beim Rebalancing nutzt, wertvolle Rendite durch die starren Gewichtungen. Wie nachteilig sich dies auf Risiko und Rendite auswirken kann sieht man an den folgenden Grafiken, bei denen jeweils die 10 Jährigen Renditen verglichen werden. In Zeiten der Unterbewertung steigt der langfristige Erwartungswert in Bezug auf die Rendite. In Zeiten der Überbewertung sinkt er:

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Quelle: http://dshort.com/articles/2009/SP-Composi...ed-returns.html

 

Die Strategie:

 

Ich tendiere daher eher zu einer dynamischen Gewichtung der Assetsklassen in einem Portfolio.

 

Dazu ein vereinfachtes Beispiel: Ich will langfristig Anlegen (z.B. noch 25 Jahre bis zur Rente). Daher wähle ich gemäß meines Risikoprofils einen RK3/ RK1-Anteil von z.B. 60%/40% (z.B. ETF auf Aktien / ETF auf Anleihen)

Sind Aktien zu ihrem langjährigen Mittelwert z.B. 30% unterbewertet, dann erhöhe ich den Aktienanteil des Portfolios auf 80%. Sind die Aktien um 30% überbewertet, dann reduziere ich den Aktienanteil auf 40%. Bzgl. der Über-/Unterbewertung orientiere ich mich z.B. am mittleren Aktien KGV von 14,8. Das ist natürlich nur ein stark vereinfachtes Beispiel. Eine vernünftige Strategie würde nicht mit solchen harten Grenzwerten arbeiten, sondern eine schrittweise Anpassung der Grenzwerte vornehmen. Außerdem stellt sich die Frage, ob man das Balancing z.B. nur mit frischem Geld vornimmt und Umschichtungen auf ein Minimum beschränkt.

Die Risiken:

 

Im Augenblick würde ich in dem Beispiel dann ja 80% Aktien anstreben. Auf den ersten Blick mag dies vielleicht zu risikoreich erscheinen. Aber ist das wirklich so? Denn schliesslich wäre man bei dieser Strategie zum Beginn der Krise nur mit 40% Aktien investiert gewesen und hätte nur mit diesem Anteil den heftigen Abschwung mitgemacht. Zudem wäre man parallel dazu mit 60% in der Anleihenhausse investiert gewesen, was die Verluste ausgeglichen hätte. Also auch unterRisikogesichtspunkten erscheint diese Strategie nicht schlechter als diejenige mit festen Portfoliogewichtugen zu sein.

 

 

Also ich würde gerne folgene Punkte mit Euch diskutieren:

A. Grundsatzdebatte:

Ist eine starre Gewichtung von RK1/3 sinnvoll oder nicht? Ist Overbalancing nicht besser als Rebalancing? Ist die Strategie der dynamischen Bestimmung der Portfoliogewichte sinnvoll? Welche Auswirkungen hat das auf das Risiko? Kann man das Backtesten? Gibt es Studien dazu? etc.

 

B. Implementierung der Strategie:

B1) Wie sieht ein sinnvoller Algorithmus zur Bestimmung der dynamischen Grenzen aus?

B2) Wie berechnet man für Aktien eine prozentuale Unter-/Überbewertung (z.B. Mittlerer KGV des S&P500 etc.)? Wie läßt sich der langjährige Mittelwert berechnen (mal eine Regression zum Mittelwert unterstellt)? Wo liegt er zur Zeit bzw. wie kann ich Ihn dann künftig regelmässig bestimmen?

B3) Wie bestimmt man für Anleihen ein prozentuale Über-/Unterbewertung (Z.B. mittlerer Anleihen-KGV)?

B4) Wie bestimmt man am besten eine initiale Gewichtung passend zum eigenen Risikoprofil?

B5) Ist ein Umschichten ab gewissen Fundamentalbewertungen sinnvoll oder sollte man zum Rebalancieren nur "frisches" Geld nehmen? Wie wirkt sich die Umschichtung auf das Risiko aus? Welche Rolle spielen Transaktionskosten/Gebühren bei dem Ansatz?

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Sehr interessanter Thread :thumbsup: .

 

Ich hatte mir mal vor ca 2-3 Jahren etwas ähnlich überlegt und dann mit ca. 10 Jahres Vergangenheitsdaten backgetestet.

 

Mein Ansatz war dabei sehr, sehr einfach:

 

1) Start mit Aktien/ Renten fix 60/40.

2) Durchschnitt war bei mir einfach ein gleitender Mittelwert mit 5 Jahren Historie (wenn ich mich recht erinnere).

3) Ich habe dann in einem Monatsraster geschaut, wo ich mit meinem Verhältnis "Mittelwert zu Kktuell" stehe und dann die Mischung für den nächsten Monat rebalanciert. Der Einfachheit halber habe ich nur mit konstanten Veränderungen wie 2.5% oder 5% gespielt, die ich dann in den Grenzen variiert habe - habe mir also bezüglich der Über-/ Unterbewertung nicht so viele Gedanken gemacht, wie Du.

 

Das Ergebnis meines Backtests war eigendlich sehr ermutigend, da ich mit meinem kombinierten "Index" die Einzelindizes über längere Sicht outperformed habe.

 

Ich habe mir dann aber keine grossen Gedanken mehr gemacht, da ich beruflich zu eingespannt war und erste Statements zur einer kommenden Abgeltungssteuer mein Interesse an häufigen Umschichtungen vermindert haben.

 

Es gibt aber meines wissens auch Quant-Fonds, die auf ähnlichen Ideen basieren (z.B. bei DB Platinum).

Die ganze Überlegung war für mich letzlich auch ein Grund, mich mehr mit Quant-Fonds zu befassen.

 

 

Bin sehr gespannt, was hier bei rauskommt.

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Posted · Edited by harryguenter

Mhh, ich halte diese Überlegungen zwar für richtig, aber gleichzteitig für problematisch.

Warum? ganz einfach: Du verläßt das Regelwerk des Passivinvestors und wirst wieder aktiv - mit allen Konsequenzen:

 

1. Es ist doch völlig unbestritten, dass der Antizyklische Investor (der in der Baisse voll auf Aktien setzt) die Besten Ergebnisse einfahren kann.

2. Wenn Du Deine Aktienquote anpasst betreibst Du aktives Management und läuft zugleich in die psychologischen Probleme die der Antizykliker hat.

Allein durch das "normale" Rebalancing bei fester Quotenaufteilung (z.B: 60/40) hast Du das Problem bei fallenden Aktienkursen dein Vermögen dahinschmelzen zu sehen. Jetzt erhöhst Du noch Deine Aktienquote und mußt damit nochmehr in Aktien umschichten als bei fester Aktienquote eh schon erforderlich. Jetzt überlege mal wie es Dir geht wenn der DAX in den nächsten Monaten nochmal auf 3000 Punkte oder tiefer geht. Du wärst jetzt mit 80% in Aktien bei diesem Verlust dabei.

Was ich sagen will: Der passivinvestor hat ein einfaches Regelwerk:

- wähle eine Aktienquote anhand von Parametern wie Alters, max. Akzeptierter Verlust usw.

- verändere die Quote nicht ständig oder nur geringfügig

- schichte 1-x mal pro Jahr um (je nach Vermögen)

- er muß den Hintern in der Hose haben in fallende Kurse und bei fallendem Vermögen in Aktien umzuschichten.

 

Du nimmst eine der wesentlichen Faktoren - nämlich die Quotenaufteilung - raus, und betreibst damit aktives Management mit all seinen Konsequenzen und Unsicherheiten / Selbstzweifeln.

Ich glaube auch nicht, dass es da dann ein "überlegenes" Regelwerk gibt. Du könntest Genausogut zum Charttechniker werden und versuchen am Tiefpunkt einzusteigen.

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Posted · Edited by Bärenbulle

Mhh, ich halte diese Überlegungen zwar für richtig, aber gleichzteitig für problematisch.

Warum? ganz einfach: Du verläßt das Regelwerk des Passivinvestors und wirst wieder aktiv - mit allen Konsequenzen:

Deine Bedenken finde ich durchaus verständlich und ich hatte Sie zunächst auch, weil ich mir nämlich sicher bin, dass Markettiming eines Privatinvestors völlig unsinnig und irrational ist. Genauso bin ich fest davon überzeugt, dass passives Anlegen die einzig wahre Alternative für Privatinvestoren mit einem begrenzten Zeitbudget ist.

Trotzdem: bei genauerer Überlegung, ist der oben beschriebene Ansatz kein Markettiming und sehr wohl kompatibel zu passivem Anlegen. Der Punkt ist das Regelwerk wie Du schon sagst. Daher vielleicht zur Präzisierung Regeln die ich mir überlegt hatte:

 

1) Die Verschiebung der Gewichtungen in dem Portfolio dürfen nur moderat sein

 

2) Ob Umschichtungen überhaupt sinnvoll sind, muss zunächst noch diskutiert werden. In erster Linie sollte der Ansatz meiner Ansicht nach mit "frischem Geld" verfolgt werden. Ich glaube daher auch, dass der Ansatz vor allem dann geeignet ist, wenn man regelmässig über frisches Geld verfügt. Denn dann kann man trotz dynamischer Gewichtung einen buy-and-hold Ansatz verfolgen.

 

(Wenn, dann sind meiner Meinung nach nur bei extremsten Über-/Unterbewertungen moderate Umschichtungen nach strikten Regeln sinnvoll. Und nur in dem Fall würde ich einen Buy-and-hold-Ansatz verlassen wollen, denn da gebe ich Dir recht, dass Ganze darf auf keinen Fall in eine aktive Mimik verfallen.)

 

3) Als passiver Anleger würde ich natürlich nicht sofort bei einer Abwärtsbewegung anfangen hektisch umzuschichten, sondern in regelmässigen periodischen Abständen rebalancieren. Bekannst ist, ja, dass Abstürze in Krisen sich immer schneller vollziehen als Aufwärtsbewegungen. Ein passives Anlegerverhalten mit einer zeitlichen "Dämmung" ist hier eher vorteilhaft oder zumindest nicht nachteilig.

 

 

2. Wenn Du Deine Aktienquote anpasst betreibst Du aktives Management und läuft zugleich in die psychologischen Probleme die der Antizykliker hat.

Allein durch das "normale" Rebalancing bei fester Quotenaufteilung (z.B: 60/40) hast Du das Problem bei fallenden Aktienkursen dein Vermögen dahinschmelzen zu sehen. Jetzt erhöhst Du noch Deine Aktienquote und mußt damit nochmehr in Aktien umschichten als bei fester Aktienquote eh schon erforderlich. Jetzt überlege mal wie es Dir geht wenn der DAX in den nächsten Monaten nochmal auf 3000 Punkte oder tiefer geht. Du wärst jetzt mit 80% in Aktien bei diesem Verlust dabei.

Was ich sagen will: Der passivinvestor hat ein einfaches Regelwerk:

- wähle eine Aktienquote anhand von Parametern wie Alters, max. Akzeptierter Verlust usw.

- verändere die Quote nicht ständig oder nur geringfügig

- schichte 1-x mal pro Jahr um (je nach Vermögen)

- er muß den Hintern in der Hose haben in fallende Kurse und bei fallendem Vermögen in Aktien umzuschichten.

 

Du nimmst eine der wesentlichen Faktoren - nämlich die Quotenaufteilung - raus, und betreibst damit aktives Management mit all seinen Konsequenzen und Unsicherheiten / Selbstzweifeln.

Der psychologische Aspekt ist in der Tat ein Problem. Für emotionale Anleger, die sich nicht streng an ein rationales Regelwerk halten ist der Ansatz wirklich nicht geeignet. Aber offen gestanden finde ich es zur Zeit als Langfristinvestor schlichtweg rational seine Aktienquote zu erhöhen. Und nichts anderes tut die Strategie. Wenn Du Deine Risiken minimieren willst, kannst Du das ja tun, aber dann solltest Du es über eine geringeres initiales Risikoprofil tun. Sprich: irrational und risikoreich ist es bei überbewerteten Aktienmärkten eine hohe Aktienquote zu haben nicht umgedreht. Daher bin ich überzeugt davon, dass dieser Ansatz Risiken signifikant reduziert.

 

 

Ich glaube auch nicht, dass es da dann ein "überlegenes" Regelwerk gibt. Du könntest Genausogut zum Charttechniker werden und versuchen am Tiefpunkt einzusteigen.

Diese Aussage ist pure Polemik.

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1) Die Verschiebung der Gewichtungen in dem Portfolio dürfen nur moderat sein

 

Dann lass es doch lieber gleich ganz sein.

 

Es stellt sich wirklich die Frage: Was heißt "unterbewertet"? Hier könnte man bei der Schaar der sog. "Value-Investoren" (Buffet-Jünger usw.) mal schauen, welche Kriterien die für "unterbewertete" Aktien anlegen. KGV ist meines sicher nicht ausreichend.

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Posted · Edited by heinketchup

Trotzdem: bei genauerer Überlegung, ist der oben beschriebene Ansatz kein Markettiming und sehr wohl kompatibel zu passivem Anlegen. Der Punkt ist das Regelwerk wie Du schon sagst. Daher vielleicht zur Präzisierung Regeln die ich mir überlegt hatte:

Es ist natürlich eine Form von Markettiming, wenn auch ..

 

1) Die Verschiebung der Gewichtungen in dem Portfolio dürfen nur moderat sein

.. eine "moderate".

 

Weniger moderat wäre von 60/40 nicht auf 80/20 sondern gleich auf 100/0 zu gehen. Oder auf 200/0. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Mach damit mal einen Backtest, und du wirst noch viel höhere Renditen feststellen. Rückblickend funktioniert Markettiming immer.

 

2) Ob Umschichtungen überhaupt sinnvoll sind, muss zunächst noch diskutiert werden. In erster Linie sollte der Ansatz meiner Ansicht nach mit "frischem Geld" verfolgt werden. Ich glaube daher auch, dass der Ansatz vor allem dann geeignet ist, wenn man regelmässig über frisches Geld verfügt. Denn dann kann man trotz dynamischer Gewichtung einen buy-and-hold Ansatz verfolgen.

Wo ist der fundamentale Unterschied zwischen "Umschichtung" und "frischem Geld"? Letzteres ist doch nichts weiter als eine Verschiebung der Aufteilung 60/40/0 (letzteres ist Cash) nach z.B.54/36/10. Das Rebalancing mit dem frischen Geld ist eine "Umschichtung" aus der Asset-Klasse "Cash", also 54/36/10 nach 64/36/0. Das ist also genau das selbe wie ohne frisches Geld direkt von 60/40 nach 64/36 zu wechseln.

 

3) Als passiver Anleger würde ich natürlich nicht sofort bei einer Abwärtsbewegung anfangen hektisch umzuschichten, sondern in regelmässigen periodischen Abständen rebalancieren. Bekannst ist, ja, dass Abstürze in Krisen sich immer schneller vollziehen als Aufwärtsbewegungen. Ein passives Anlegerverhalten mit einer zeitlichen "Dämmung" ist hier eher vorteilhaft oder zumindest nicht nachteilig.

Regelmäßige periodische Abstände sind aber was anderes als eine zeitliche "Dämmung". Mit ersterem kannst du wenn du Pech hast genau in einen Peak reinrennen. Eine "Dämmung" wartet eher nach einem Absturz eine Weile und wenn der längere Zeit besteht, wird gehandelt.

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Posted · Edited by harryguenter

Diese Aussage ist pure Polemik.

Etwas Provokant, ja - polemisch: nein wie ich finde.

Du denkst Dir irgendein Regelwerk aus, von dem Du der Meinung bist den Zeitpunkt zu ermitteln, ab dem Aktien nun unter-/überbewertet sind und dementsprechnd die Gewichtung zu ändern ist. Interessant ist, dass Du es schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Diskussion einmal komplett über den Haufen geworfen hast.

Der (langfristig orientierte) Charttechniker macht im übrigen nichts anderes. Er entnimmt den Charts die Einschätzung, dass der Kurs derzeit historisch niedrig ist, und kommt zu dem Schluß dass jetzt ein guter oder schlechter Zeitpunkt zum investieren ist. Die Werkzeuge sind unterschiedlich, aber die Idee des Markttiming dahinter ist beidemal gegeben.

nd wie gesagt über den Erfolg muß man nicht streiten: Wenn Marttiming erfolgreich praktiziert werden kann werden die Ergebnisse stets besser sein. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre...

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Interessanter Thread.

 

Ich verfolge einen ähnlichen Ansatz, und finde deshalb deine Strategie nicht schlecht.

 

Übrigens gibt es schon lange einen Ansatz, der das Prinzip des Rebalancings konsequent ausweitet: Value Averaging (engl. Erklärung hier, siehe auch das dort referenzierte PDF). Eigentlich als Strategie zur möglichst effektiven Vorgehensweise bei Investition einer Einmalanlage gedacht, kann das Prinzip jedoch teilweise auf den allgemeinen Vermögensaufbau übertragen werden.

 

Ich gehe folgendermaßen vor:

 

- der Markt ist effizient und nicht prognostizierbar (EMT, Random Walk)

- Ausnahme: Auf lange Sicht gibt es für alle Asset Klassen eine Mean Reversion, also eine Regression zum langjährigen Mittelwert der jeweiligen Asset Klasse

- Das Rebalancing eines Portfolios aus versch. Asset Klassen stellt die ursprüngliche Allokation wieder her, und kauft die Asset Klassen, die in der letzten Periode unterdurchschnittlich performt haben

- Die RzM erwartet nun, dass diese Underperformance langfristig durch eine Outperfomance wieder ausgeglichen wird und sich die Asset Klasse wieder ihrem Mittelwert nähert

 

Wir betrachten an dieser Stelle mal nur RK3, denn Verschiebungen in der Portfolioallokation ergeben sich in der Regel durch einen volatilen Aktienmarkt, der sich entweder stark überdurchschnittlich oder stark unterdurchschnittlich entwickelt.

 

Die Frage und auch das größte Problem an dieser Stelle ist, nach welchem Maßstab ein "faires" Kursniveau bestimmt wird. Das KGV zu verwenden, finde ich nicht sehr überzeugend, da Bewertungen am Aktienmarkt nur teilweise durch Fundamentalanalyse erklärt werden können. Ein großer Teil ist behavioral Finance, und die schert sich nicht um KGVs. Also nehmen wir doch einfach die langjährige Rendite des Aktienmarktes (Weltportfolio).

 

Hier mal eine Grafik zur Verdeutlichung:

 

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Das ist der MSCI World auf Dollarbasis mit reinvestierten Nettodividenden und zwei konstante Graphen mit 9% und 10% p.a. Wertentwicklung.

 

Das Problem läßt sich hier erkennen: Welches ist der (auch zukünftig geltende) Mittelwert, mit dem gerechnet werden sollte? Nicht zuletzt durch die Finanzkrise mehren sich die Stimmen, die zukünftige Durchschnittsdenditen eher bei 7-9% p.a. sehen als bei > 10% p.a. (Nominalrenditen!). Auch wenn man beim Backtesting den Zeitraum verändert, erhält man natürlich teils deutlich abweichende Langfristrenditen. Aber je größer der untersuchte Zeitraum, desto näher liegen die Endwerte der verschiedenen Zeiträume bei einem Mittelwert.

 

Ich würde jetzt regelmäßig das Verhältnis zwischen Performance des Aktienmarkts (im Beispiel MSCI World) und dem langfristig angenommenen Mittelwert prüfen, und bei Über-/Unterschreitung einer bestimmten Quote RK3 nach RK1 bzw. RK2 oder umgekehrt umschichten. Hier lassen sich für die Vergangenheit auch bestimmte Quoten errechnen, so dass man nicht Gefahr läuft, Markettiming nach Bauchgefühl zu machen (natürlich sind Quotenberechnungen auf historischen Daten suboptimal, aber nichts anderes wird ja auch bei der Portfolioallokation verwendet).

 

Und alle die hier schreien, das wäre Markettiming: Konsequenterweise müsstet ihr dann auch die RzM-Theorie verwerfen und auch langfristig auf Random Walk setzen. Der Mittelwert wäre dann einfach nur der Durchschnitt vieler einzelner zufälliger Jahresrenditen.

 

Zu deinen Punkten, Bärenbulle:

 

A. Grundsatzdebatte:

Ist eine starre Gewichtung von RK1/3 sinnvoll oder nicht? Ist Overbalancing nicht besser als Rebalancing? Ist die Strategie der dynamischen Bestimmung der Portfoliogewichte sinnvoll? Welche Auswirkungen hat das auf das Risiko? Kann man das Backtesten? Gibt es Studien dazu? etc.

Wie ich das sehe dürfte oben beantwortet sein.

 

B. Implementierung der Strategie:

B1) Wie sieht ein sinnvoller Algorithmus zur Bestimmung der dynamischen Grenzen aus?

Verhältnisberechnung wie oben beschrieben, allerdings subjektive Sache wegen der angenommenen Rendite.

 

B2) Wie berechnet man für Aktien eine prozentuale Unter-/Überbewertung (z.B. Mittlerer KGV des S&P500 etc.)? Wie läßt sich der langjährige Mittelwert berechnen (mal eine Regression zum Mittelwert unterstellt)? Wo liegt er zur Zeit bzw. wie kann ich Ihn dann künftig regelmässig bestimmen?

Wie geschrieben würde ich einfach mit den historischen Renditen für ein Weltportfolio rechnen, kein KGV oder sonstige Fundamentaldaten.

 

B3) Wie bestimmt man für Anleihen ein prozentuale Über-/Unterbewertung (Z.B. mittlerer Anleihen-KGV)?

Würde ich nicht bestimmen, der Anleihenanteil ergibt sich aus dem errechneten Aktienanteil.

 

B4) Wie bestimmt man am besten eine initiale Gewichtung passend zum eigenen Risikoprofil?

Eigene Gewichtung aufgrund der persönlichen Risikopräferenzen bestimmen, anschl. dem aktuellen Verhältnis anpassen (wie im MSCI World Beispiel)

 

B5) Ist ein Umschichten ab gewissen Fundamentalbewertungen sinnvoll oder sollte man zum Rebalancieren nur "frisches" Geld nehmen? Wie wirkt sich die Umschichtung auf das Risiko aus? Welche Rolle spielen Transaktionskosten/Gebühren bei dem Ansatz?

Wie oft und wieviel umgeschichtet wird, hängt natürlich von den gewählten Kriterien ab. Wieviel darf z.B. der aktuelle Kurs von dem von uns als fair angenommenen Kurs abweichen? Schaut man sich nochmal den MSCI Chart an, ist ein Umschichten nur alle 10-15 Jahre (!) sinnvoll (sieht bei anderen Zeitabschnitten natürlich anders aus).

 

Es ist schon klar, dass es ziemlich fraglich ist, ob so eine Strategie aufgehen kann. Allerdings dürfte es unbestritten sein, dass der Aktienmarkt Boomphasen und Crashphasen enthält. Diese Strategie versucht nur, diese (langjährigen) Phasen so auszunutzen, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von deutlich größer als 50% langfristig eine Outperfomance gegenüber einem Portfolio mit fixer Allokation herauskommt.

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hi,

 

sehr interessantes thema. bernstein skizziert eine dynamische allokation, nimmt als basis das kbv und empfiehlt letztlich: 1% kursänderung provoziert 0,1% entgegengesetzte allokationsänderung. eine einfache anweisung, die nach jahrelangem anlegen mit fixer allokation auch mental umsetzbar scheint. was haltet ihr davon?

 

meine andere simple frage: wenn eine dynamische allokation für einzahlungen vorteilhaft wäre, müßte sie doch auch auf entnahmen zu münzen sein?

 

grüßle ff

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Posted · Edited by Bärenbulle

Dann lass es doch lieber gleich ganz sein.

Na ja, wenn ich sehe wieviele Leute hier einen Riesenaufwand in die Optimierung der letzten Nachkommastelle bei der BIP-Allocation stecken (oder Korrelationen ;) ), dann finde ich kann man sich da schon ein paar Gedanken machen. Ich glaube dass sich bei größeren Portfolios insbesondere das Aktienabsturzrisiko hervorragend optimieren läßt.

 

Der (langfristig orientierte) Charttechniker macht im übrigen nichts anderes. Er entnimmt den Charts die Einschätzung, dass der Kurs derzeit historisch niedrig ist, und kommt zu dem Schluß dass jetzt ein guter oder schlechter Zeitpunkt zum investieren ist.

... na so gerade nicht. Das hat mit fundamentaler Bewertung nichts zu tun.

 

Bevor hier ein Mißverstandnis aufkommt. Langfristige Charttechnik und darauf basierendes Markttiming ist wohl kaum ausreichend. Die darauf basierende Einschätzungen sind nichts wert. Aber das sollte man nicht mit Fundamentalbewertungen verwechseln.

 

In der Tat spielt die Frage wie man erkennt ob z.B. Aktien über- oder unterbewertet sind die zentrale Rolle bei dem Ansatz.

 

Für einen langfristigen Anleger und für die Rendite/Risikooptimierung, ist das auch die mit Abstand wichtigste Fragestellung. Also erläutere ich hier mal eine Betrachtung der fundamentalen Daten (das meiste habe ich schon mal so ähnlich in einem anderen Thread gepostet, aber da es hier von besonderer Bedeutung ist wiederhole ich es hier trotzdem mal etwas gerafft).

 

Zu Beginn kann man für diesen Zweck natürlich mal die gute alte KGV-Betrachtung aus Mottenkiste holen. Eine interessante Zusammenfassung auch zur aktuellen Situation findet man hierzu übrigens unter dem folgenden Link: http://www.portfoliotheorie.com/grundlagen...etter112008.pdf.

 

Dieses Bild fasst es mal vereinfacht ganz gut zusammen:

 

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Demnach befinden wir erstmals seit längerem wieder in einem unterbewerteten Aktienmarkt. Allerdings vernachlässigt das Bild von Herrn Shiller das Zinsniveau, dass ja maßgeblich das Anlegerverhalten beeinflußt.

Die KGV-Bewertung hat den Nachteil, dass Sie das Zinsniveau und seine Wirkung auf das Anlegerverhalten völlig vernachlässigt. Jeder weiß aber, dass das falsch ist, denn wenn die Zinsen sinken, steigen die Kurse, da Aktien für den Anleger attraktiver werden. Dies kann man sehr einfach durch das FED modell erklären, welches dann auch die Nachteile der KGV-Bewertungsansatzes heilt.

 

Das FED modell baut auf der folgenden einfachen und sehr einleuchtende Regel zur fundamentalen Bewertung von Aktien auf. Diese lautet:

 

Die Aktien-Renditen müssen grösser als Anleihen-Renditen sein, weil sich sonst das Risiko nicht lohnt.

 

Unter dem bekannten Namen Fed-Modell (genauer "FED stock valuation model" FSVM, entwickelt von Ed Yardeni im Auftrag der Deutschen Bank) ist eine Methode bekannt, die eben genau diesem Umstand Rechnung trägt.

 

Die Formel lautet:

x = (Rendite des SP500) minus 10yr-yield (Also Rendite der 10jährigen US-Staatsanleien) minus 1

 

Rechenbeispiel:

Rendite SP500 = 4%;

10yr Bonds = 2.5% führt

zu 4 - 2.5 - 1 = 0.5

 

Ein Wert x grösser als Null bedeutet, dass die Aktien des SP500 unterbewertet sind. Oder anders ausgedrückt: Es ist besser 4% Aktien-Rendite bei 2,5% Bond-Rendite zu erhalten. Das Der Risikospread (Aktien zu Anleihe) wird mit 1% angesetzt. Bleibt ein "netto"-Reditevorteil von 0,5% für Aktien.

 

Fazit: Das KGV eines Aktien Index ist für sich alleine genommen bedeutungslos. Man muss es in Zusammenhang setzen mit den Renditen für Staatsobligationen.

 

Schauen wir uns also mal die Dezember-Bewertungen an:

KGP des SP500 liegt bei 16 => Rendite 6,25%

Yield US-Staatsanleihen 10J bei 2,1%

 

Renditevorteil für Aktien = 6,25% -2,1% -1% = 3,15% d.h. Aktien sind also rein rechnerisch zz. stark unterbewertet.

Problematisch ist allerdings die Frage nach der längerfristigen Wirkung der Leitzinsen, denn die können sich auch mal wieder ändern. Allerdings sind die Aktien auch bei einem 4%-Anleihenzins (was langfristig eher wahrscheinlich ist) immer noch klar unterbewertet. Hier sollte man vermutlich die aktuelle Zinsbewertung nur anteilig eingehen lassen und auch den mittelfristig zu erwartenden Zinsatz ansetzen).

 

Die Formel Aktien KGV / Anleihen KGV basiert auf dem Fed Modell und ermöglicht es die Über-/Unterbewertung prozentual auszurechnen. Ist der Aktien KGV gleich dem Anleihen KGV also z.B. 16/16 = 1 = 100% ergibt sich ein Gleichgewicht der Renditen. Der Aktienindex ist fair bewertet.

 

Aktuelle Werte sind:

Anleihen-KGV: 1 / 2,1% = 47,6

Aktien-KGV: 16

 

Mit den aktuellen Werten ergibt sich daher eine Aktienbewertung von = 16/47 =34% (Die Aktie ist also um 66% unterbewertet). Allerdings nur wenn man das Risiko unberücksichtigt läßt. Rechnet man das Risiko mit 1% hinein, verkompliziert sich die Formel zu:

 

Aktienbewertung= Aktien KGV / (1/(Anleihenrendite+1%)).

 

Mit Dezember-Werten:

Aktienbewertung= 16/(1/(2,1%+1%)) = 49,6% also ein Unterbewertung von 50,1%.

 

Der liebe Herr Shiller stellt immer die gesamte Datenhistorie bis in den aktuellen Monat (zz. noch Dezember 09) zu seiner netten Grafik oben ins Netz. Diese habe ich mir mal heruntergeladen. Mit Hilfe der Formel läßt sich daraus eine "faire" 100% Line für den S&P500 berechnen (blau). Genauso läßt sich eine Überbewertungslinie (rot bei 150%-Überbewertung von Aktien gegenüber Anleihen) und eine Unterbewertunglinie (grün bei 75%-Bewertung der Aktien zu Anleihen) läßt sich berechnen. Die Ergebnisse sind sehr interessant. Damit kann man dann mal tatsächliche fundmental sauber bewertete Kanäle für den Verlauf des S&P500 berechnen. Das Ganze sieht dann für 1970 bis 12/2008 aus wie folgt:

 

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Wie gesagt liegt dieser Betrachtung eben nicht nur "stumpf" der KGV bzw. die Aktienrendite zugrunde, sondern auch der Spread der Aktienrendite zum Zinsniveau plus einem Risikozuschlag von 1%. Somit ist eine rationale Bewertung des Anlegers sauber abgebildet. Komer weist den Unterschied zwischen Aktien und Anleihen allerdings mit 1,8% aus (Betrachtung 36 Jahre bis 2006).

 

Daher würde ich den Spread mit 1,8% ansetzen. Damit man auf Shillers Langfristdaten gerechnet sieht das ganze dann aus wie folgt:

 

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Interessant ist die Frage mit welchem KGV man rechnen sollte. Shiller rechnet beim KGV mit einem 10-jährigen gleitenden Durchschnitt. Das erklärt übrigens auch einen Teil der Anomalie während der Weltkriege. Wenn man mit 1-jährigem gleitenden Durchschnitt rechnet, dann schmiegen sich die Kurven in den Kriegen deutlich besser an:

 

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Ich denke 10 Jahre gleitender Durchschnitt ist aber für einen Langfristanleger bei einer langfristigen Betrachtung sinnvoller.

 

Ich denke eine Mischung aus kurzfristigem KGV des S&P und dem 10-jährigen gleitenden Durchschnitt ist am besten geeignet. Dasselbe gilt für die 10-jährigen Anleihenrendite.

 

So das war jetzt ziemlich kompliziert, das Ergebnis ist aber eigentlich ganz einfach und läßt sich mit ein paar Formeln in Excel abbilden. Alles was man benötigt sind die aktuellen KGV- und Anleiheninformationen. Daraus sollte man das recht einfach bauen können.

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bernstein skizziert eine dynamische allokation, nimmt als basis das kbv und empfiehlt letztlich: 1% kursänderung provoziert 0,1% entgegengesetzte allokationsänderung. eine einfache anweisung, die nach jahrelangem anlegen mit fixer allokation auch mental umsetzbar scheint. was haltet ihr davon?

Finde ich spannend. Aber kannst Du das mal ein bisschen genauer erläutern. 1% Kursänderung S&P500 erwirkt 0,1% Gewichtungsänderung? Das wären dann jetzt in der Krise 5% Erhöhung des Aktienanteils? Das wäre ja sehr konservativ oder? Wie geht der KBV denn da ein?

 

Findet man dazu was im Netz? Habe beim Googeln nichts wirklich Hilfreiches gefunden. Ich wollte jetzt nicht unbedingt das Buch kaufen und lesen :- .

 

meine andere simple frage: wenn eine dynamische allokation für einzahlungen vorteilhaft wäre, müßte sie doch auch auf entnahmen zu münzen sein?

ja, definitiv

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1) Die Verschiebung der Gewichtungen in dem Portfolio dürfen nur moderat sein

Vielleicht hast Du es irgendwo geschrieben und ich habe es überlesen aber: Was heißt "moderat"?

 

 

2) In erster Linie sollte der Ansatz meiner Ansicht nach mit "frischem Geld" verfolgt werden.

Wie Du schon andeutest: Erstens fallen da alle raus, die eben NICHT regelmäßig über frisches Geld verfügen und dann auch noch die, die nicht über die Menge an frischem Geld verfügen, die notwendig ist, um Deinem Ansatz zu folgen.

 

 

(Wenn, dann sind meiner Meinung nach nur bei extremsten Über-/Unterbewertungen moderate Umschichtungen nach strikten Regeln sinnvoll. Und nur in dem Fall würde ich einen Buy-and-hold-Ansatz verlassen wollen, denn da gebe ich Dir recht, dass Ganze darf auf keinen Fall in eine aktive Mimik verfallen.)

Ich teile die Meinung einiger anderer hier: Das ist dann eben nicht mehr buy and hold, denn Du behandelst Dein Investment nach von Dir aufgestellten Regeln aktiv. Für Dich sicher völlig ok. Und mir geht auch nicht um die reine Lehre (die es ja eh nicht gibt) sondern - mir persönlich - darum, dass ich unter anderem auch deshalb passiv investiere, damit ich mich mit diesen Fragen eben NICHT beschäftigen muss. Mich also NICHT um KGVs, Charts oder vermeintliche Unterbewertungen kümmern muss und dann doch handeln muss, wenn NACH MEINER MEINUNG (und genau DAS ist ja schon die Schwierigkeit) Fall X eingetreten ist.

 

bluechip

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Auf Basis fundamentaler Über-/Unterbewertungen soll dynamisch eine optimale Gewichtung der Assetklassen RK1-3 in einem diversifizierten ETF-Portfolio errechnet werden.

 

Ich finde den Gedanken nicht grundsätzlich schlecht ... will aber zumindest ein Gegenargument loswerden:

 

Der Nachteil an solchem Fundamentaltiming ist, dass du Transaktionskosten hast, zumindest mit ETFs (wenn du das mit herkömmlichen Indexfonds machst, dann hast du zusätzliche Verwaltungskosten, auch nicht beser). Du musst es damit also erreichen, dass:

 

Vorteil durch Rebalancing > Vorteil durch wenige Transaktionen

 

Wobei ich dir zustimme: Lieber einige Gewinne mitnehmen und dann deinvestieren, als alles liegen lassen und jeden Gewinn in der Hausse in der baisse wieder verlieren. Wer seinen Aktienanteil nach 2 Jahren Aufwärtstrend halbiert macht jeden Abwärtstrend auch nur noch mit der Hälfte der Aktien mit und kann danach wieder zu geeignetem Zeitpunkt einsteigen.

 

Auch scheint mir der KGV durchaus ein sinnvolles Kriterium zu sein (bis auf die Tatsache, dass er länderspezifisch bewertet werden sollte). Der Grund ist ganz einfach der, dass die meisten Krisen der Vergangenheit keine ereignisgetriebenen Krisen waren, sondern nur durch eine vorangegangene Kursübertreibung bedingt:

- die Weltwirtschaftskrise 1929

- die Dotkomblase 2000

- die Finanzkrise 2008

 

Mit einer solchen Strategie wie deiner würde man zumindest etwas weicher in solchen Krisen fallen. Gesetzt den Fall auch die nächsten Krisen entstehen wieder wegen übermütiger Manager und Banker.

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Vielleicht hast Du es irgendwo geschrieben und ich habe es überlesen aber: Was heißt "moderat"?

 

Was moderat heißt weiss ich noch nicht so recht und würde ich hier gerne zur Diskusion stellen. Aber für mich sehe ich zur Zeit zumindestens mal folgende Grenzen:

max. 80% in Aktien;

minimal 30% in Aktien

 

Die Extremwerte würde ich z.B. in etwa bei einer 2-fachen Standardabweichung vom "fairen Bewertungsniveau des Indexes sehen.

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Hier ist etwas ähnliches mal als langfristiges Handessystem analysiert worden:

 

http://www.investopedia.com/articles/technical/04/020404.asp

 

Hat jetzt nicht direkt etwas mit der oben beschriebenen Strategie zu tun, ist aber doch recht interessant.

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auch wenn ich fachlich mit den meisten hier nich mithalten kann, wollt ich mich mal kurz zu Wort melden:

 

1.

sehr interessante Ideen und Diskussionen

für mich als fachfremden zwar teilweise "abgehoben", da ich in einem ersten Schritt schon froh bin mein Depot für mich strukturiert aufgestellt zu haben

aber vll. ist gerade deshalb meine Sichtweise nicht ganz verkehrt :thumbsup:

 

2. zu Thema I:

frisches Geld oder nicht ?

wenn wie geschrieben eine Aktienspanne von 30-80% angenommen wird, stellt sich doch nur anfangs eine derartige Frage

schließlich sprechen wir hier von Anlagezeiträumen von 10 / 15 Jahren + x

nach z.B. 10 Jahren erhalten wir also eine Depotgröße, die, sollte man in der Karriereleiter nicht überproportional steigen, durch normale Mittelzuflüsse nicht erzielt werden können

(ausgenommen natürlich wie von heinketchup beschrieben man schichtet von "Cash" um)

 

3. zum Thema II:

moderat heißt was ?

um den Ansatz von fennichfuxxer (Bernstein) aufzunehmen:

eine derartig konservative Verschiebung 1% Kursänderung bewirk 0,1 % Gewichtsänderung Allokation

einige haben ja rückwirkend gerechnet

hat man nicht eine derartige Verschiebung selbst bei einer starren Aufteilung ? wenn ich meine Aktienverluste mit meinem "sichereren" Anteil pi mal Daumen auf den ersten Blick überschlage, könnt das hinkommen

 

wenn wir nun den Gedanken von 2. und einem großen Depotvolumen mit dem der mehrjährigen Phasen kombinieren, könnten wir (ohne Umschichtung) erneut zwangsläufig eine derartige Verschiebung erhalten

 

 

kurzes Feedback ala korrekt, nicht korrekt, wär nett

auch damit ich selber weiß, ob ichs annähernd verstanden hab

 

weiter so

&

Viele Grüße

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hab kurz mal ne Beispielrechnung, um den Gedankengang mit Zahlen zu erläuter...

 

Annahme:

1000 werden jährlich für die Vorsorge in AV-Depot mit RK1-RK3 gesteckt

nach x Jahren hab ich ein Depotvolumen von 10000 und weils die Situation so ergab 60 Aktien und 40 sicher

 

Jahr x:

6000 Aktien 10 % Wertsteigerung (gute Jahre)

4000 sicher 4 % Wertsteigerung (wird konstant gehalten)

 

Jahr x + 1:

Aktien: 6600

sicher: 4160 (Anteilverschiebung auf 38 %)

 

extremfall 1000 wird in sicher investiert

 

sicher 5160 (=Anteil 44%)

 

Jahr x + 2:

Aktien: 5280 (20% Verlust)

sicher: 5366

 

1000 Extremfall in Aktien

 

---> Aktien 6280 = 54 %

 

 

gut, wenn die Volumina entsprechend größer sind kann man wegen wegfallender Kosten besser aufteilen, aber tendenziell geht es ja in die Richtung, dass das Marktverhalten automatisch in Bernsteins Richtung läuft ...

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hi,

 

bernstein geht so vor: er trägt von '26 - '93 die fünf-jahres-rendite des s&p 500 gegen das anfängliche kbv ein. die entstehende verteilung weist zwei merkmale auf:

 

1. es entsteht ein kanal, in dem über 80% der punkte liegen. er erkennt darin eine tendenz: niedriges anfangs-kbv paart sich überwiegend mit höherer 5-jahres-rendite und umgekehrt

 

2. er erkennt, dass die untere begrenzung der punkte eine recht gerade und scharfe linie bilden. darunter ist kein einziger ausreisser zu finden. für ihn repräsentiert das folglich die minimale rendite, die man bei einem gegeben kbv erwarten kann. im näxten satz stellt er allerdings den nutzen dieser erkenntnis wieder in frage. für ihn ist 1. wichtiger

 

nun könnt' man ja sagen: was sagt das kbv allein schon aus? wäre es mit dem nav nicht auch aussagekräftiger? ist der faire wert bzw. ob etwas teuer oder billig ist nicht auch definitionssache? hat hier jemand mit datamining einen vermeintlichen zusammenhang bewiesen? sollten wir nicht besser versuchen risikobewußt, bspw. nach einem modifizierten dcf-modell, zu investieren?

 

wie bernstein nun zu den veränderungsempfehlungen kommt, legt er nicht dar. das steht wahrscheinlich in einem anderen buch von ihm, das auch gekauft werden möchte. eine exzessive anwendung der obigen erkenntnisse wie in der erstausgabe '95 strebt er nicht mehr an. danach wäre ein kbv-sensitiver anleger '99 aus dem aktienmarkt komplett ausgestiegen, ltcm war ihm wahrscheinlich noch zusätzlich eine warnung. vermutlich möchte er durch das eher konservative vorgehen auch seinen passiven ansatz nicht allzu sehr konterkarieren. was haltet ihr nun von alledem?

 

grüßle ff

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Finde den Ansatz zum "überbalancieren" von Bärenbulle nicht schlecht.

Ich mache das auf einfache Art und Weise schon länger so in der Richtung. Aber alles nur Pi mal Daumen.

Beispiel: Anhand meiner fixen Portfolio-Aufteilung sehe ich, daß ich mal wieder Emerging Markets nachkaufen müßte - sagen wir für 2000 Euro. Ich kauf dann eigentlich immer für etwas mehr (vielleicht 3000 Euro), um mir, nur so ganz grob, den antizyklischen Effekt zu Nutze zu machen. Aufwendige Rechnungen stelle ich aber nicht an. Wird mir dann zu kompliziert....

 

Gute Nacht an alle!

 

M.

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Posted · Edited by Bärenbulle

was haltet ihr nun von alledem?

Die Grafik würde mich mal interessieren.

 

Der KBV-Ansatz macht schon Sinn finde ich. Allerdings vernachlässigt er auch das Zinsniveau. Der Vorteil des Ansatzes ist, dass er die Wirschaftskapazität relativ stabil reflektiert. Ein kurzfristig gleitender KGV-Ansatz dagegen schwankt stärker. Im Prinzip dürfte der KBV-Ansatz aber ähnliche Ergebnisse zeigen wie der KGV-Ansatz mit einem langfristig gleitenden Durchschnitt, bei dem ja auch die Schwankungen rausgenommen wurden. Shiller nimmt ja daher auch einen 10J-gleitenden KGV.

 

Stellt sich die Frage nach einem geeigneten Mittelwert. Der KBV der letzten 100 Jahre betrug glaube ich 1,94. Allerdings war der KBV der letzten 30 Jahre deutlich höher:

 

post-12435-1233696385_thumb.png

 

@Frank: verstehe Dein Beispiel auch beim zweiten mal lesen nicht :'( . Liegt vielleicht am Rotwein. Vielleicht aber auch an Deinem Beispiel :-

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hi,

 

ist das zinsniveau denn nicht im kurs eingepreist? das habe ich bisher nach der emt zumindest angenommen. für bernstein ist der zusammenhang lediglich eine tendenz. das könnte aber auch reichen, denn wirtschaft wächst schliesslich auch nur tendenziell, aktienrenditen sind auch nur tendenziell positiv usw. das in uns dabei der wunsch nach berechenbarem wächst, ist zwar nachvollziehbar, wird aber wohl nie ganz in erfüllung gehen.

 

bernstein ist erklärter anhänger von eltopos' erwähnter strategie. die strategie ist allerdings pfadabhängig. wie edleson das löst? hat jemand sein buch darüber gelesen?

 

wir sollten in der beurteilung einer strategie auch an etherials einwände denken: ab welchen volumina lohnt sich denn ein overbalancing nach transaktionskosten und steuern? evtl. auch eigenen zeitaufwand berücksichtigen: steht der renditevorteil dazu im verhältnis?

 

grüßle ff

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bernstein ist erklärter anhänger von eltopos' erwähnter strategie. die strategie ist allerdings pfadabhängig. wie edleson das löst? hat jemand sein buch darüber gelesen?

 

Welcher Bernstein? Der Author von "The Intelligent Asset Allocator"? Ne, oder? Der ist doch erklärter Passivist.

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Welcher Bernstein? Der Author von "The Intelligent Asset Allocator"? Ne, oder? Der ist doch erklärter Passivist.

 

Ich glaube, der ist auch Co-Autor eines Buches über Value Averaging.

 

 

Ja: Value Averaging: The Safe and Easy Strategy for Higher Investment Returns

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Welcher Bernstein? Der Author von "The Intelligent Asset Allocator"? Ne, oder? Der ist doch erklärter Passivist.

Value Averaging ist auch keine aktive Strategie.

 

Ich habe letztes Jahr mal Gerd Kommer bzgl. der RzM angemailt, hier ist ein Auszug seiner Antwort:

 

Es gibt eine passive Strategie die sich "Value Averaging" nennt (siehe das gleichnamige, exzellente Buch von Michael Edleson, das leider nicht ins Deutsche uebersetzt wurde). Value Averaging ist eine modifizierte Form des Festbetragsparens (Wertpapiersparens), bei der aber nicht ein fixer Betrag pro Periode investiert wird, sondern derjenige Betrag, der notwendig ist, um den Gesamtportfoliowert um einen fixen Betrag pro Monat zu erhoehen. Beispiel: Falls das Portfolio vorher im Wert gefallen ist, kann der fragliche Sparbetrag in der dann folgenden Periode relativ zum langfristig durchschnittlichen Sparbetrag sehr hoch sein, falls das Portfolio vorher im Wert stark gestiegen ist, kann es sogar dazu kommen, dass man verkaufen muss (oder soll), um wieder auf den "Value-Pfad" zurueckzugelangen. Diese Strategie fuehrt -- je nach Betrachtungsperiode -- tatsaechlich zu erstaunlichen 1,0 bis 2,5%-Punkten Renditezugewinn (exkl. Kosten und Steuern) relativ zu normalem Wertpapiersparen (das Buch von Edleson enthaelt umfangreiches Datenmaterial). Wiederum ist RzM die Ursache fuer diesen Performance-Kick. Die Strategie ist aber letztlich recht arbeitsaufwendig und wuerde einen normalen Privatanleger ueberfordern. Mit "aktivem" Investieren hat Value Averaging nichts zu tun.

 

Diskretionaeres also willkuerliches "kontrarisches" (antizyklisches) Investieren zur Ausnutzung von RzM ist letztlich "Value-Investing", also das, was Warren Buffett macht. Wer ein Genie ist, wie er, wird damit langfristig vielleicht (!) den Markt outperformen.

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Value Averaging ist auch keine aktive Strategie.

 

Wer monatlich rechnen muss was er investiert ist auch nicht passiv ... oder?

 

Es ist eigentlich einerlei: Mir stellt sich die Frage, inwieweit Value Averaging überhaupt praktikabel ist:

 

Erstens setzt es voraus, dass eine gewisse Liquidität beim Anleger existiert, damit er Verluste stets ausgleichen kann.

Zweitens sind gerade Kleinstbeträge gar nicht ohne Fixratensparplan investierbar. Ich kenne zumindest keinen Vermittler, der Fondsanteile im Wert von 50 verkauft

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