Asset Allokation im Ruhestand

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Neben den unzähligen Threads zum Vermögensaufbau mit Sparplänen würde ich gerne ein vermeintliches Luxusproblem" zur allgemeinen Diskussion stellen:

 

Wie sollte die Verteilung eines größeren Vermögens auf die Risiko- und Anlageklassen im Ruhestand aussehen, wenn daraus regelmäßige Einnahmen generiert werden müssen und welchen risikofreien" Depotanteil kann ich mir in Zeiten negativer Realzinsen bei sicheren Anlagen überhaupt leisten?

 

Die häufig zu findende Faustformel 100 minus Lebensalter" für den risikobehafteten Portfolioanteil ist eine sehr ungenaue Pauschalisierung, die ebenfalls verbreitete Annahme einer mit steigendem Vermögen zunehmenden Risikoaversion kann ich aber zumindest rein subjektiv sehr gut nachvollziehen.

 

Vor allem Selbständige mit Altersvorsorge in Eigenregie und häufig hohen Mittelzuflüssen zum Ende des Erwerbslebens aus Firmenverkauf oder fälligen Lebensversicherungen, aber auch alle auf zusätzliche regelmäßige Einnahmen im Ruhestand Angewiesene müssten m. M. n. zu Beginn des Ruhestandes ihre Asset Allokation überprüfen und an die neue Einkommenssituation anpassen.

 

Neben Schinzilords Thread Humankapital und Assetallocation in Abhängigkeit vom Alter, Einkommen, Sparrate, Beruf und der Risikoneigung" hier noch weitere recht interessante theoretische Abhandlungen zum Thema:

 

Handbuch Asset Allocation.pdf

 

Asset-Allokation im Lebenszyklus.pdf

 

Asset Allocation und Shortfall Risk nach der Pensionierung.pdf

 

 

Den Weg von der Theorie zur Praxis würde ich gerne anhand eines Fallbeispiels für einen Selbständigen mit fiktiven Zahlen beschreiten:

  • Zielvermögen zu Beginn des Ruhestandes 1 Mio. EUR
  • Keine GRV, PRV oder sonstige sichere" Versorgungsbezüge
  • Keine selbstgenutzte Immobilie
  • Vollständiger Kapitalverzehr
  • Anfängliche monatliche Entnahme (brutto) 2,8 TEUR
  • 3% Dynamik als Inflationsausgleich
  • 4% Zielrendite
  • 35 Jahre Rentendauer inkl. Zuschlag zur Abdeckung des Langlebigkeitsrisikos
  • Ergibt ca. 2 TEUR Rente pro Monat nach Steuern und KV/PV

Damit keine Äpfel mit Birnen verglichen werden, sollten gesetzlich Rentenversicherte oder Beamte den Barwert ihrer lebenslangen Rente bzw. Pension anhand von Sterbetafel und Kapitalwertrechner ermitteln und der RK1 zuordnen.

 

Ausgehend vom Fallbeispiel stellen sich mir Fragen über Fragen:

  • Welche Risikoaversion bzw. welcher risikofreie Depotanteil ist überhaupt noch sinnvoll und vertretbar, wenn das Zielvermögen und die Rentendauer fix sind?
  • Könnte ich einen Drawdown von realen 100 oder 200 TEUR mental verkraften, wohl wissend dass keine Einnahmen aus Erwerbstätigkeit mehr anfallen?
  • Wie sicher sind sichere" Anlagen in RK1? Bringt eine stärkere Gewichtung von Anlageklassen mit höherem" Risiko nicht per Saldo eine Abnahme des empfundenen Gesamtrisikos?
  • Gehören deutsche Staatsanleihen trotz des Zinsniveaus aufgrund der in der Vergangenheit negativen Korrelation zum Aktienmarkt heute noch ins Depot, oder sind höher verzinste Sparbriefe die bessere Wahl?
  • Bieten Unternehmensanleihen ein besseres Chance-/Risikoverhältnis als 50% Aktien und 50% AAA-Anleihen und sollte RK2 daher zu Lasten von RK3 und RK1 übergewichtet werden?
  • In welchem Umfang sollten Chancen und Risiken von Fremdwährungen zusätzlich zum Aktienanteil über Anleihen ins Depot geholt werden?
  • Wann und wie sollte das Risikoprofil an die Zielallokation für den Beginn des Ruhestandes angepasst werden? Einmaliges Market Timing oder kontinuierliches Rebalancing über Sparrate?

Meine persönliche Risikoaversion würde ich als recht ausgeprägt bezeichnen, in Zahlen ausgedrückt: Lieber 10% als 20% Maximum Drawdown des Gesamtvermögens.

 

Das passt bei dem momentanen Zinsniveau aber nicht zu der erforderlichen Rendite für einen sorglosen Übergang in den Ruhestand. Beeinflussen kann ich nur das Kapital bei Beginn des Ruhestands, die Rentendauer und über das eingegangene Risiko die Rendite.

 

Daher würde ich den Zielkonflikt zwischen Risikoaversion und notwendiger Rendite nach heutigem Stand mit folgender naiven Asset Allokation umsetzen:

 

 

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Bin gespannt auf Eure Gedanken zum Thema!

 

 

PS: Für die Finanzplanung im Ruhestand gibt es ein eigenes Thema: KLICK

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Ich würde das (auch) aus einer anderen Sicht betrachten: Lebensfreude und Lebensqualität. Mit zunehmendem Alter sinkt naturgemäß das körperliche Potenzial. Daher sollte man - solange man es noch kann - das Leben geniessen. Reisen, Frauen, Alkohol, Völlerei, Zigarren, etc. usw. Das geniesst man besser mit 65 als mit 85, sofern man die 85 dann noch erlebt.

 

Ein radikaler Ansatz wäre also, als "eiserne Reserve" hinreichende Mittel für den Freitod aufzuheben (e.g. Goldbarren im Garten vergraben) und unter Vermögensverbrauch das Leben zu geniessen, solange es geht und das Geld reicht.

 

Nun ist das sicher nicht jedermanns Sache; daher hier eine nicht so radikale Alternative: Warum sicherst du nicht mit ca. 500 TEuro eine private Rente von ca. 2.000 Euro als Basisversorgung ab. Das nimmt die direkte Existenznot und mit den zweiten 500 TEuro kannst du es etwas lockerer angehen lassen; auch im Sinne der o.g. Punkte.

 

Grundsätzlich: (körperlicher und geistiger) Verfall wird kommen; du wirst nach menschlichem Ermessen nicht bis zum 90. Lebensjahr oder länger ein von die ausgeklügeltes System des Kapitalmanagements durchführen können. Irgend wann liegt die Verantwortung bei einem mäßig interessierten Betreuer oder (evtl. geldgeilem) potenziellen Erben. Dann ist sowieso nur noch RK1 angesagt.

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Hi ceekay!

 

Schöner Thread.

 

Mein Hauptproblem wäre die reale Absicherung des Vermögens in den letzten Jahren vor der Rente. Also insbesondere Inflationsausgleich und realer Kapitalerhalt.

 

 

Bei nur 20% realen Assets in deinem risikobehafteten Teil würde ich selbst noch Inflationlinker aufnehmen, um ein Szenario der steigenden Inflation abzusichern. Dies wäre dann wohl in RK 2 angesiedelt, und würde es hauptsächlich auf Kosten der Fremdwährungsanleihen aufnehmen.

Z.B.:

5% Fremdwährungen (hauptsächlich Hartwährungen NOK, CAD etc.)

15% Inflationlinker (da stellt sich die Frage, ob nur D oder auch Fr dazu)

15% Unternehmensanleihen (evtl. je 50% High Grade und 50% High Yield, da SubInvestmentgrade (BB) einen leichten Renditevorteil bringen)

 

 

Auch wäre es für mich ein wesentlicher Baustein, eine sicheren Rentenanteil im Ruhestand zu haben.

Das würde ich mit der Absicherung des Langlebigkeitsrisikos vereinen.

Z.B. Sofortrente bei der Cosmosdirekt (nur schnell in Google geschaut):

Einmalzahlung zu Rentenbeginn 333333, lebenslange Rente ohne Hinterbliebenenschutz (anderes wichtiges Thema!!!): garantierte Rente ohne Überschussbeteiligung 1370 vor Steuer.

Alternativ könnte man schon eher in diese Versicherung einzahlen, um dann ab Rentenbeginn eine garantierte lebenslange Rente rauszubekommen. Würde ich aber nicht machen, dann lieber selbst das Geld anlegen und später Einmalzahlung leisten.

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Sehr verdienstvoll, ceekay! Danke :thumbsup:

 

Ich werde mir jetzt erstmal die pdfs reinziehen. Mein erster Eindruck war aber schon, dass die für RK1 unterstellten Renditen gegenwärtig nicht oder nur schwer erzielbar sind. Das ist eines meiner Dilemmata: eigentlich müsste ich jetzt deutlich dahin umschichten, aber ich rechne damit, dass die klassischen RK1-Vehikel weiterhin und auf absehbare Zeit negative reale Nachsteuerrenditen erzielen. Ich erhoffe mir von der Lektüre Hinweise, unter welchen Umständen und mit welchem Risiko ich weniger RK1 halten kann als gemeinhin empfohlen wird (ich bin auch nicht ganz so risikoavers wie du, scheint mir).

 

Ein Punkt, der imho gern unterschätzt wird, ist die Pflegeleichtigkeit des Portfolios. Daher zögere ich auch, mich mit weiteren Bankverbindungen für Sparbriefleitern etc. zu belasten. Ramsteins Vorschlag mit der eisernen Reserve für den Freitod würde ich daher auch lieber nicht mit vergrabenem Gold, sondern irgendwie anders realisieren.

 

Ramsteins Ansatz, das Leben zu geniessen, kann ich nachdrücklichst zustimmen. Allerdings hat da wohl, wie mir seine Aufzählung zeigt, jeder so seine persönlichen Präferenzen. Und nicht alles, was schön ist, kostet...

 

Ich lehne es dagegen (für mich) ab, irgendwelche Produkte (Sofortrente o.ä.) zu kaufen. Ich werde stattdessen versuchen, mein Gesamtportfolio so aufzustellen, dass es halbwegs regelmässige Ausschüttungen generiert.

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Daher würde ich den Zielkonflikt zwischen Risikoaversion und notwendiger Rendite nach heutigem Stand mit folgender naiven Asset Allokation umsetzen

 

Meine aktuelle Allokation ähnelt der von Dir vorgestellten. Bin zwar durchaus zufrieden mit der Performance, aber aus meiner Sicht ist das eher ein Market-Timer-Depot für die aktuelle Marktsituation als ein langfristig tragfähiges Konzept.

 

Mir ist der Aktienanteil entschieden zu niedrig und ich plane, diesen kurz-/mittelfristig wieder deutlich aufzustocken. Unter 20-30% Aktienanteil sollte mMn auch ein defensives Depot nicht liegen.

 

Und viele Anleihen sind in der jüngeren Vergangenheit sehr gut gelaufen. Ob es da eine gute Idee ist, diese jetzt ins Depot aufzunehmen? Oder sollte man eher überlegen, diese Positionen (soweit man sie bereits hat) zu reduzieren und Gewinne mitzunehmen? Irgendwann wird auch hier die Luft dünner und man muss mit saftigen Kursverlusten rechnen, wenn von akuter Krise/ Niedrigzinspolitik auf Abbau der Staatsschulden per Inflation umgeschaltet wird.

 

Mein Eindruck ist jedenfalls, dass die Zeit der pflegeleichten Langfristdepots dem Ende entgegen geht. Entweder man kümmert sich intensiv um seine Geldanlagen und ist bereit die Allokation hin und wieder umzustellen (und bei diesen "aktiven" Entscheidungen auch den einen oder anderen Fehler zu machen B) ). Oder man gewöhnt sich langsam an eine negative Realrendite...

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Posted · Edited by ceekay74

Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass die Zahlen des genannten Fallbeispiels fiktiv sind. Weder das Zielvermögen, noch die anfängliche monatliche Entnahme oder die Rentendauer, wohl aber die Dynamik, Zielrendite und Risikoaversion treffen auf mich persönlich zu.

 

Das Fallbeispiel sollte lediglich dazu dienen, eine Diskussion über das Thema in einen gewissen Rahmen zu bringen und keine Abschweifungen in Richtung aktive oder passive Investments oder Direktanlagen aufkommen zu lassen.

 

 

 

Reisen, Frauen, Alkohol, Völlerei, Zigarren, etc. usw. Das geniesst man besser mit 65 als mit 85, sofern man die 85 dann noch erlebt.

 

Das subsummiere ich mal als "sozialverträgliches Frühableben". Auch wenn das nicht meinen Vorstellungen entspricht, mag es für manche eine Lösung sein...

 

 

Warum sicherst du nicht mit ca. 500 TEuro eine private Rente von ca. 2.000 Euro als Basisversorgung ab. Das nimmt die direkte Existenznot und mit den zweiten 500 TEuro kannst du es etwas lockerer angehen lassen; auch im Sinne der o.g. Punkte.

 

Grundsätzlich: (körperlicher und geistiger) Verfall wird kommen; du wirst nach menschlichem Ermessen nicht bis zum 90. Lebensjahr oder länger ein von die ausgeklügeltes System des Kapitalmanagements durchführen können.

 

50% des Gesamtvemögens in eine private Rente zu stecken käme mir nie in den Sinn. Der einzige Vorteil wäre die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos. Nachteile auf die Schnelle: Kosten für den Versicherungsmantel, Klumpenrisiko, Illiquidität. Mit fortschreitendem Alter und eventuellem Verfall könnte es sogar eine Lösung für 99% des Kapitals sein, in näherer Zukunft aber für mich definitv nicht.

 

Meine Meinung zur Sicherungseinrichtung der Lebensversicherer habe ich an anderer Stelle ja schon zum Ausdruck gebracht:

 

Ist mein Vertrag durch den Sicherungsfonds geschützt?

Im Sicherungsfall sind alle Lebensversicherungsverträge geschützt, die bei einem Unternehmen abgeschlossen wurden, dessen Versicherungsbestand auf den Sicherungsfonds übertragen wird. Eine Differenzierung nach der Art des Lebensversicherungsvertrages erfolgt nicht. Entscheidend ist, dass das Unternehmen, mit dem der Vertrag abgeschlossen wurde, Mitglied des Sicherungsfonds ist.

 

Welches Vermögen hat der Sicherungsfonds?

Der Sicherungsfonds erhebt Jahresbeiträge von max. 0,2 der versicherungstechnischen Netto-Rückstellungen der Mitglieder bis ein Sicherungsvermögen von 1 der versicherungstechnischen Netto-Rückstellungen (Stand 12/2010: ca. 762 Mio. EUR) aufgebaut ist. Das Sicherungsvermögen ist seit 2010 vollständig aufgebaut.

 

Was passiert, wenn das Vermögen des Sicherungsfonds nicht ausreicht, den Bestand eines Not leidenden Lebensversicherungsunternehmens zu sanieren?

Neben dem Vermögen des Sicherungsfonds können zum Zwecke der Sanierung Sonderbeiträge von den Mitgliedern in Höhe von weiteren 1 der versicherungstechnischen Netto-Rückstellungen (Stand 12/2010: ca. 762 Mio. EUR) erhoben werden. Reichen auch diese Mittel nicht zur Sanierung aus, setzt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Verpflichtungen aus den Verträgen um bis zu 5% der vertraglich garantierten Leistungen herab.

 

Ist auch nach Kürzung der vertraglich garantierten Leistungen um 5% eine Sanierung nicht erreicht, haben sich die Mitglieder des Sicherungsfonds auf freiwilliger Basis verpflichtet, einschließlich der geleisteten Beiträge an den Sicherungsfonds, weitere Finanzmittel in Höhe von bis zu 1% der versicherungstechnischen Netto-Rückstellungen (Stand 12/2010: ca. 7,6 Mrd. EUR) zur Verfügung zu stellen. Die maximal je Jahr bzw. Sicherungsfall zu leistenden Mittel wurden dabei limitiert, um die jährliche Belastung der sich verpflichtenden Unternehmen zu begrenzen.

 

 

Das wird selbst bei einem kleinen Schadensereignis nicht ansatzweise reichen. Alleine Cosmos hatte übrigens Ende 2011 7.514,6 Mio. Euro Kapitalanlagen im Bestand, laut BaFin beläuft sich die Summe aller Lebensversicherer im 2. Quartal 2011 auf 745 Mrd. Euro...

 

Zahlen zur Einlagensicherung bei Banken werden übrigens (wohl aus gutem Grund) nicht veröffentlicht.

 

Ich würde die Einlagensicherung nicht überbewerten und daher hat m.M.n. die Cosmos aus Sicht der Einlagensicherung keine Vorteile gegenüber der Rabo (oder der MoneYou oder der akf oder der Gefa...)

 

 

Dann kämen bei mir eher noch 15-20 verschiedene Tiere mit/ohne Kindersicherung von Versicherungen ins Depot, die rentieren wenigstens mit 6-8%.

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Mein erster Eindruck war aber schon, dass die für RK1 unterstellten Renditen gegenwärtig nicht oder nur schwer erzielbar sind. Das ist eines meiner Dilemmata: eigentlich müsste ich jetzt deutlich dahin umschichten, aber ich rechne damit, dass die klassischen RK1-Vehikel weiterhin und auf absehbare Zeit negative reale Nachsteuerrenditen erzielen.

 

Damit hast Du Dich also dazu entschlossen, einmalig mit Market Timing in RK1 umzuschichten. Würde ich für mich Stand heute auch bevorzugen.

 

Ich erhoffe mir von der Lektüre Hinweise, unter welchen Umständen und mit welchem Risiko ich weniger RK1 halten kann als gemeinhin empfohlen wird (ich bin auch nicht ganz so risikoavers wie du, scheint mir).

 

Wenn ich einen Anspruch in der GRV hätte, könnte ich nur über knapp 50% des Vermögens frei verfügen und der risikobehaftete Depotanteil wäre pozentual doppelt so hoch. Das sollte meine Risikoaversion etwas relativieren.

 

Ein Punkt, der imho gern unterschätzt wird, ist die Pflegeleichtigkeit des Portfolios. Daher zögere ich auch, mich mit weiteren Bankverbindungen für Sparbriefleitern etc. zu belasten.

 

Den Aufwand alle 1 oder 2 Jahre mal ein Postident zu unterschreiben, nehme ich gerne auf mich wenn ich mir den Stundenlohn ausrechne. Zumal sich in den letzten Jahren bei den üblichen Verdächtigen wenig getan hat und ich bei Prolongationen keine Neueröffnung durchführen musste.

 

Viel mehr beschäftigen mich die unterschiedlichen Einlagensicherungssysteme. Daher habe ich auch kein Problem mit kleinen Banken, wenn die in die Insolvenz rutschen besteht wenigstens noch eine kleine Hoffnung auf Entschädigung.

 

Ich lehne es dagegen (für mich) ab, irgendwelche Produkte (Sofortrente o.ä.) zu kaufen. Ich werde stattdessen versuchen, mein Gesamtportfolio so aufzustellen, dass es halbwegs regelmässige Ausschüttungen generiert.

 

Dito, siehe oben.

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Unter 20-30% Aktienanteil sollte mMn auch ein defensives Depot nicht liegen.

 

Das kommt m.M.n. auch darauf an, wie hoch Du die RK2 gewichtest bzw. wie groß der Anteil der risikolosen Anlagen ist.

 

Ich habe die RK2-Anleihen übergewichtet, wobei bei mir eigentlich nur die Aufteilung zwischen risikolosem und risikobehaftetem Depotanteil relativ fix ist.

 

Und viele Anleihen sind in der jüngeren Vergangenheit sehr gut gelaufen. Ob es da eine gute Idee ist, diese jetzt ins Depot aufzunehmen? Oder sollte man eher überlegen, diese Positionen (soweit man sie bereits hat) zu reduzieren und Gewinne mitzunehmen? Irgendwann wird auch hier die Luft dünner und man muss mit saftigen Kursverlusten rechnen, wenn von akuter Krise/ Niedrigzinspolitik auf Abbau der Staatsschulden per Inflation umgeschaltet wird.

 

Wenn Du mit negativen Zinsen für 5-jährige Bundesaneihen rechnest, würde ich noch halten. Beim aktuellen Renditevorsprung von 5-jährigen Sparbriefen mit deutscher Einlagensicherung gegenüber Bundesanleihen in Höhe von 3-3,5% p.a. stellt sich die Frage für Neuinvestitionen wohl eher nicht.

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Mein Eindruck ist jedenfalls, dass die Zeit der pflegeleichten Langfristdepots dem Ende entgegen geht.

Das hängt imho von den Umständen des jeweiligen Einzelfalles ab, zB von den Zielen und Möglichkeiten. So lange ich Lust habe, mich um meine Depots aktiv zu kümmern (und dazu auch körperlich und geistig in der Lage bin), werde ich das auch tun. Da meine Frau aber wahrscheinlich mal alles erben wird und sie definitiv weder die Lust noch die nötigen Kenntnisse dazu aufbringt, ist es mein Ziel, einen grösseren Teil der Depots so aufzustellen, dass jedenfalls möglichst kein periodischer / zwingender Handlungsbedarf auftritt.

 

Entweder man kümmert sich intensiv um seine Geldanlagen und ist bereit die Allokation hin und wieder umzustellen (und bei diesen "aktiven" Entscheidungen auch den einen oder anderen Fehler zu machen B) ). Oder man gewöhnt sich langsam an eine negative Realrendite...

Meine Vermutung: die Fehler nehmen ab einem bestimmten Punkt mit weiter steigendem Lebensalter zu. Meine zweite Vermutung: negative Realrenditen - jedenfalls für Anlagen mit niedrigem Risiko - werden uns noch eine ganze Weile begleiten.

 

Für Modelle mit Kapitalverzehr (und bei negativen Renditen kann es nur solche geben) heisst das: entweder mit ausreichenden Sicherheitspuffern planen oder anders sicherstellen, dass man seine Depots nicht überlebt.

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Moin,

 

ich möchte/kann nicht zu detailliert ins Thema einsteigen, aber mal ein paar Gedanken vorab:

 

1. Eine so komplexe Überlegung / Verteilung kömmt für jemanden in Frage, der das als Hobby sieht. Wenn das der Fall ist, hat man eine Beschäftigung, bleibt geistig hoffentlich fit (weil man sich mit recht komplexen Wirtschaftsthemen auseinandersetzen muss) und kann sich vielleicht daran erfreuen, den Markt geschlagen zu haben. Man sollte es aber nicht übertreiben - auf der großen "Wir-sind-in-Rente-Karibik-Kreuzfahrt" von Mami und Papi dann ständig Aktienkurse zu checken, könnte Abzüge in der B-Note geben. Wem das Thema Finanzmanagement keinen Spaß macht, der sollte ein sehr viel einfacheres Modell wählen.

 

2. Die "Restlaufzeit" des eigenen Lebens, die Entwicklung der Gesundheit und auch das auftreten von (finanziellen) Belastungen durch Krankheit, Pflegebedüftigkeit etc. ist für eine einzelne Person nicht realistisch abschätzbar; im Alter schon mal gar nicht. Mann/Frau ist ja kein statistischer Mittelwert, sondern genau eine Werteausprägung. Heißt: Ich habe eine erhebliche Planungsunsicherheit

 

3. Im Alter ändern sich oft die Ziele. Statt "Werterhalt" oder ähnlichem stehen da oft Themen wie "Studium des Enkels", "noch genug für die Beerdigung übrig" oder eben auch "Kreuzfahrt". Man sollte sich im klaren sein, dass a) man sich in der Entnahmephase befindet und die Höhe der Entnahmen sehr schwanken kann und dass b.) der Planungshorizont sehr viel Kürzer ist als in den Jahren vorher, wo die Aufgabe mehr "Aufbau Altersvorsorge" hieß.

 

4. Zu der Anmerkung:

Die häufig zu findende Faustformel 100 minus Lebensalter" für den risikobehafteten Portfolioanteil ist eine sehr ungenaue Pauschalisierung,

Ja, Faustformeln können nur ungenau/pauschal sein. Dennoch: Ich halte sie für eine hinreichend genaue Handlungsanweisung. Denn hier kommt auch ein Stück Psychologie ins Spiel. Stell Dir mal vor, Du hast zwei 80-Jährige mit je 200.000 Euro "Restvermögen". Der Eine ( A ) parkt das auf dem Sparbuch zu 1.0% Zinsen, der andere ( B ) kauft sich einen hohen Aktienanteil zu einem ungünstigen Zeitpunkt oder erwischt eine schlechte Anlageform - was derzeit beides absolut realistische Szenarien sind. Was sagst Du ( B ) jetzt zum Trost? "Ärger Dich nicht, in 10 Jahren hast Du vermutlich den Inflationsausgleich geschafft, während dein Kumpel (A) real Geld verliert!" ? Vor dem Hintergrund, dass ( B ) in dem Moment einen niedrigeren Kontostand hat und 10 weitere Lebensjahre durchaus fraglich sind, wäre das ein schwacher Trost.

 

 

Ich halte es für viel wichtiger, dass sich ältere Menschen (ehrlich gesagt gilt das für jeden ab 40) Gedanken darüber machen

  1. Was will ich mit dem Rest des Lebens anfangen, wo liegen meine Prioritäten
  2. Wie viel Geld will ich Angehörigen schenken / vererben und wie mache ich das
  3. Bin ich rein formell abgesichert (Testament, Patientenverfügung, Vollmachten)
  4. Bin ich ausreichend Aufgestellt für Pflegebedürftigkeit / Krankheit etc.

Ob dann am Ende 10% mehr oder weniger Kapital übrig bleiben, ist ohnehin egal. Wie schon der Volksmund sagt: Man kan eh nichts mitnehmen.

 

Grüße,

Peter

 

P.S.: Falls hier jemand von den Forenbetreibern mitliest: Die Funktion dass aus "B Klammer-zu" ein B) wird ist echt zum Heulen !!!

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Hi Peter,

 

1. Eine so komplexe Überlegung / Verteilung kömmt für jemanden in Frage, der das als Hobby sieht. Wenn das der Fall ist, hat man eine Beschäftigung, bleibt geistig hoffentlich fit (weil man sich mit recht komplexen Wirtschaftsthemen auseinandersetzen muss) und kann sich vielleicht daran erfreuen, den Markt geschlagen zu haben. Man sollte es aber nicht übertreiben - auf der großen "Wir-sind-in-Rente-Karibik-Kreuzfahrt" von Mami und Papi dann ständig Aktienkurse zu checken, könnte Abzüge in der B-Note geben. Wem das Thema Finanzmanagement keinen Spaß macht, der sollte ein sehr viel einfacheres Modell wählen.

Wir sind hier in einem Wertpapierforum unterwegs. Für viele der Vielposter hier ist die Beschäftigung mit verwandten Themen Hobby (oder Beruf oder beides). Einige hier mögen es manchmal übertreiben - ich habe aber nicht den Eindruck, dass diejenigen, die sich bisher in diesem Faden geäussert haben, dazu gehören.

 

2. Die "Restlaufzeit" des eigenen Lebens, die Entwicklung der Gesundheit und auch das auftreten von (finanziellen) Belastungen durch Krankheit, Pflegebedüftigkeit etc. ist für eine einzelne Person nicht realistisch abschätzbar; im Alter schon mal gar nicht. Mann/Frau ist ja kein statistischer Mittelwert, sondern genau eine Werteausprägung. Heißt: Ich habe eine erhebliche Planungsunsicherheit

Das ist richtig und fast alle Vorposter haben bereits darauf hingewiesen. Es gibt sogar schon Überlegungen, welche Konsequenzen das für die Planung hat.

 

4. Zu der Anmerkung:

Die häufig zu findende Faustformel 100 minus Lebensalter" für den risikobehafteten Portfolioanteil ist eine sehr ungenaue Pauschalisierung,

Ja, Faustformeln können nur ungenau/pauschal sein. Dennoch: Ich halte sie für eine hinreichend genaue Handlungsanweisung. Denn hier kommt auch ein Stück Psychologie ins Spiel. Stell Dir mal vor, Du hast zwei 80-Jährige mit je 200.000 Euro "Restvermögen". Der Eine ( A ) parkt das auf dem Sparbuch zu 1.0% Zinsen, der andere ( B ) kauft sich einen hohen Aktienanteil zu einem ungünstigen Zeitpunkt oder erwischt eine schlechte Anlageform - was derzeit beides absolut realistische Szenarien sind. Was sagst Du ( B ) jetzt zum Trost? "Ärger Dich nicht, in 10 Jahren hast Du vermutlich den Inflationsausgleich geschafft, während dein Kumpel (A) real Geld verliert!" ? Vor dem Hintergrund, dass ( B ) in dem Moment einen niedrigeren Kontostand hat und 10 weitere Lebensjahre durchaus fraglich sind, wäre das ein schwacher Trost.

Eine hinreichend genaue Handlungsanweisung ist dies möglicherweise für jemanden, der nicht willens oder in der Lage ist, sich genauer mit den eigenen Vorstellungen und Zielen sowie den Implikationen für die persönliche asset allocation auseinanderzusetzen. Also wahrscheinlich für 98,x % der Bevölkerung. Was spricht dagegen, in einem Wertpapierforum den Versuch zu unternehmen, die Situation etwas differenzierter zu betrachten?

 

Ich halte es für viel wichtiger, dass sich ältere Menschen (ehrlich gesagt gilt das für jeden ab 40) Gedanken darüber machen

  1. Was will ich mit dem Rest des Lebens anfangen, wo liegen meine Prioritäten
  2. Wie viel Geld will ich Angehörigen schenken / vererben und wie mache ich das
  3. Bin ich rein formell abgesichert (Testament, Patientenverfügung, Vollmachten)
  4. Bin ich ausreichend Aufgestellt für Pflegebedürftigkeit / Krankheit etc.

Ob dann am Ende 10% mehr oder weniger Kapital übrig bleiben, ist ohnehin egal.

Stimmt - in Abhängigkeit vom Einzelfall (und ich würde die Liste sogar noch um einige Punkte erweitern wollen). Aber das heisst in meinen Augen nicht, dass die von ceekay eingebrachte Fragestellung irrelevant ist.

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EVtl. lässt sich das Pferd von hinten aufzäumen:

Ich habe mal ein amerikanisches Buch zur Geldanlage gelesen (es war eine Autorin).

Auf den ersten Kapiteln ging es nur um grundsätzliche Fragestellungen:

  • Was würde ich machen, wenn ich noch 10 Jahre / 1 Jahr / 1 Woche zu leben hätte?
  • Was ist aktuell meine größte Sorge / größte Sorge im Alter?
  • Welche Träume will ich noch verwirklichen?

etc.

Die Antworten werden sehr individuell ausfallen. Aber ist auch die AV genauso individuell?

Oder könnte man nicht kategorisieren?

Es gibt Zutaten Langlebigkeitsversicherung, Portfolioteil für regelmäßige Ausschüttungen, den für kontrollierten Kapitalverzehr, und dann noch den Happen Edelmetalle und was zu noch vererben übrig bleiben soll.

Auf einer Ebene darüber kann man dann wählen, welche Zutaten seine eigene AV haben soll.

 

Für meinen Fall bis jetzt (ich bin ja noch jung, hier schreiben ja doch welche näher an der Rente) hätte ich Angst, mein Kapital zu "überleben", weshalb ich mindestens 50% meines dann aktuellen Einkommens über Rente / Lebenslange Rentenversicherung etc. bestreiten möchte, und nur die anderen 50% von meinem frei verfügbaren Kapital zehren möchte.

Aber bis zu meinem Renteneintritt wird sich noch viel ändern, sodass ich jetzt nur grundsätzliche Überlegungen anstellen muss :)

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Da meine Frau aber wahrscheinlich mal alles erben wird und sie definitiv weder die Lust noch die nötigen Kenntnisse dazu aufbringt, ist es mein Ziel, einen grösseren Teil der Depots so aufzustellen, dass jedenfalls möglichst kein periodischer / zwingender Handlungsbedarf auftritt.

 

Genau von diesem Ziel habe ich mich vor nicht all zu langer Zeit verabschiedet!

 

Im aktuell verworrenen Umfeld ist es schwer genug, Entscheidungen zu treffen, die sich auf Sicht von 1-2 Jahren als richtig herausstellen. Wie wahrscheinlich ist es da, dass man die Bedürfnisse der Hinterbliebenen richtig berücksichtigt und ein Depot zusammenstellt, das auf lange Sicht richtig liegt? Und ist man noch in der Lage, taktisch das richtige zu tun, wenn man bei jeder Anlage im Hinterkopf hat, ob diese auch als "mündelsichere" 5- oder 10- Jahresanlage taugt?

 

Wir haben das Morgen-Tot-Umfall-Problem daher etwas anders gelöst: Falls ich ausfallen sollte, werden 60% des Anlagebetrages nach einem Kapitalerhalt-/ Ausschüttungsorientierten- Konzept mit einem Honorarberater angelegt und weitere 40% fließen in Tagesgeld und in die weltberühmte Sparbriefleiter.

 

Das ist zwar eine nicht ganz billige Lösung und gegen Fehler ist sie auch nicht gefeit, aber dafür simpel, überschaubar und auch für Wertpapier-Uninteressierte gut umsetzbar. Und hoffentlich dichter an der zukünftigen Realität als ich dies heute einschätzen könnte...

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Posted · Edited by Fondsanleger1966

Falls ich ausfallen sollte, werden 60% des Anlagebetrages nach einem Kapitalerhalt-/ Ausschüttungsorientierten- Konzept mit einem Honorarberater angelegt (...)

 

Das ist zwar eine nicht ganz billige Lösung

Interessante Lösung. Darf man mal fragen, mit welchen Kosten Du dabei kalkulierst?

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Ein sehr komplexes Thema, dem mit allgemeinen Richtlinien schwer beizukommen ist.

 

Pflegeleichtes Anlegen - in den meisten Fällen für die überlebende Partnerin, mit nicht so ausgeprägtem Sachverstand - dürfte in Zukunft schwer fallen. Allerdings sei angemerkt, dass es auch hier anders laufen kann, wenn eine entsprechend hohe Anlagesumme und auch andere Einnahmequellen sich darstellen. Dann kann man durchaus beizeiten das Wagnis eines "vermeintlich mündelsicheren" Portfolios eingehen.

Wie schnell aber solche Planungen sich als nicht günstig erweisen können, zeigt mir die eigene Situation. Wäre ich nicht rechtzeitig den Schritt gegangen, mich von allen Staatsanleihen zu trennen, hätte ich wohl in griechisch-ungarisch-spanisch-irisch-italienischen - und anderen - meine Albtraumerfüllung gefunden.

Deshalb finde ich auch nichts dabei, eine Übergewichtung des "konservativen" Aktienanteils vorzunehmen, wenn man genügend Werte ins Depot nimmt. Mit zehn (woher auch diese komische Anzahl kommt, die derzeit durch die Foren tingelt), ist es natürlich nicht getan.

 

Das Vererben hat bei mir nicht zwingend erste Priorität. Das mag bei anderen anders sein, bei mir ist es so. Über diesen Abschnitt kann sich der überlebende Partner Gedanken machen und dann auch schon zu Lebzeiten an die Verteilung gehen. Wichtig ist hier eine realitätsnahe Einschätzung der weiteren Umstände, ohne zu viel Angst oder Blauäugigkeit an den Tag zu legen.

 

Letztlich bleibt nur der individuale Weg, der sowohl die eigene Wohlfühltemperatur, als auch die richtige Einschätzung der Lebensumstände berücksichtigt.

 

Gruß

-man

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Posted · Edited by Akaman

Wir haben das Morgen-Tot-Umfall-Problem daher etwas anders gelöst: Falls ich ausfallen sollte, werden 60% des Anlagebetrages nach einem Kapitalerhalt-/ Ausschüttungsorientierten- Konzept mit einem Honorarberater angelegt und weitere 40% fließen in Tagesgeld und in die weltberühmte Sparbriefleiter.

Interessante Idee. Werde ich meiner Frau als Option zusätzlich anbieten.

 

Allerdings bin ich mir fast sicher, dass ein Honorarberater auch nur die hier diskutierten Standardlösungen - eventuell, mit viel Glück, ein wenig angepasst an die jeweiligen Verhältnisse - kennt. Und ich bin mir ebenfalls fast sicher, dass er die anbieten wird unabhängig davon, wie es dann gerade aussieht. Auch er kennt halt die Zukunft nicht.

 

Was ich gerade versuche: einen Teil so aufzustellen, dass mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit die Ausschüttungen zum (ganz ordentlich) Leben reichen; im Normalfall sollten sie dann auch für mehr reichen. Dieser Teil wird fast ausschliesslich mit Fonds abgebildet.

 

Ein zweiter Teil bildet dann das Sahnehäubchen. Das sind RK2-Anleihen und dividendenstarke Werte (Einzelaktien wie zB BASF, Nestle, ...). Letztere habe ich in den letzten Jahren (als ich nach dem Standardmodell eigentlich RK1 hätte aufbauen sollen) sehr preiswert aufgesammelt. Aus diesem zweiten Teil kann auch verkauft werden, falls die Ausschüttungen doch mal nicht ganz reichen sollten oder eine Anschaffung droht oder die Kreuzfahrt oder das Pendant zu Ramsteins Interpretation von "Lebensfreude und Lebensqualität".

 

Es fehlen noch einige Bereinigungen, vor allem muss ich noch einige Zockerwerte rauswerfen, dann sollte das erst einmal so stehen. Das ganze soll nicht nur fürs Vererben sein, sondern auch schon funktionieren, wenn ich es mal nicht mehr ganz raffe.

 

Und, wie gesagt, ich werde meiner Frau deinen Vorschlag mal vorstellen - sie kann dann ja entscheiden. Vielleicht sollte sie es auch erst zB 2 oder 3 Jahre, nachdem ich tot umgefallen bin (oder die Depots nicht mehr gepflegt habe), machen.

 

Letztlich bleibt nur der individuale Weg, der sowohl die eigene Wohlfühltemperatur, als auch die richtige Einschätzung der Lebensumstände berücksichtigt.

 

So ist es. Ein weises (Schluss-?)Wort.

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So ist es. Ein weises (Schluss-?)Wort.

Dann wurde aber auch nur viel geredet und wenig gesagt.

Andere Worte:

Es ist alles zu individuell, es soll jeder schauen, wo er bleibt :)

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Das hängt imho von den Umständen des jeweiligen Einzelfalles ab, zB von den Zielen und Möglichkeiten. So lange ich Lust habe, mich um meine Depots aktiv zu kümmern (und dazu auch körperlich und geistig in der Lage bin), werde ich das auch tun.

 

Das Blöde ist nur, dass die Meisten es nicht merken, wenn das nicht mehr der Fall ist. Daher wäre irgendeine Patentlösung, die kein Eingreifen erfordert, wirklich gut. Müsste man nur so regeln, dass z.B. so ein Honorarberater auch dann schon ins Spiel kommt, wenn man als geistig umnachtet diagnostiziert wird. Nur gibt das in jedem Fall Stress. Der Berater lindert allerdings den Anreiz für eventuelle Erben, einen nur deshalb abzuschreiben, weil man was mit dem Geld vorhat.

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Posted · Edited by ceekay74

Ich halte es für viel wichtiger, dass sich ältere Menschen (ehrlich gesagt gilt das für jeden ab 40) Gedanken darüber machen

  1. Was will ich mit dem Rest des Lebens anfangen, wo liegen meine Prioritäten
  2. Wie viel Geld will ich Angehörigen schenken / vererben und wie mache ich das
  3. Bin ich rein formell abgesichert (Testament, Patientenverfügung, Vollmachten)
  4. Bin ich ausreichend Aufgestellt für Pflegebedürftigkeit / Krankheit etc.

 

99% Zustimmung; Ich würde noch eine Erklärung zur Organspende hinzufügen. Dann driften wir aber endgültig in philosophische Grundsatzdiskussionen ab, was ich mit dem Thread nicht beabsichtigt hatte.

 

 

1. Eine so komplexe Überlegung / Verteilung kömmt für jemanden in Frage, der das als Hobby sieht. Wenn das der Fall ist, hat man eine Beschäftigung, bleibt geistig hoffentlich fit (weil man sich mit recht komplexen Wirtschaftsthemen auseinandersetzen muss) und kann sich vielleicht daran erfreuen, den Markt geschlagen zu haben. Man sollte es aber nicht übertreiben - auf der großen "Wir-sind-in-Rente-Karibik-Kreuzfahrt" von Mami und Papi dann ständig Aktienkurse zu checken, könnte Abzüge in der B-Note geben. Wem das Thema Finanzmanagement keinen Spaß macht, der sollte ein sehr viel einfacheres Modell wählen.

 

 

 

Ich weiß jetzt nicht, wo Du in meiner Asset Allokation eine komplexe Verteilung gesehen hast:

 

Aktien: 4-8 einzelne Fonds (egal ob jetzt Exchange-traded oder aktiv), 1-2 Mal pro Jahr Wert ermitteln, schauen ob es günstigere gibt und rebalancen

 

Physische Edelmetalle: Liegen halt versichert im Bankschließfach oder vergraben im Garten, 1-2 Mal pro Jahr Wert ermitteln, ggfs. auch mal ausgraben und rebalancen

 

Fremdwährungsanleihen: 4-8 einzelne Fonds (egal ob jetzt Exchange-traded...), 1-2 Mal pro Jahr Wert ermitteln, schauen ob es günstigere gibt und rebalancen

 

Unternehmensanleihen: 2-4 einzelne Fonds (egal ob...), 1-2 Mal pro Jahr Wert ermitteln, schauen ob es günstigere gibt und rebalancen

 

Sparbriefe: 5 Stufen, also einmal pro Jahr ein neues Festgeld mit 5 Jahren Laufzeit abschließen

 

Tagesgeld: Liegt halt da mit 1,5-2,4%

 

Weniger Anlageklassen würden mir bei nennenswerten Beträgen mehr Magenschmerzen bereiten als die 6-8 Stunden im Jahr, die bei dieser einfachsten Diversifikation innerhalb der Anlageklassen notwendig wäre.

 

Fallen aus welchen Gründen auch immer ein oder zwei Rebalancingtermine aus, was solls...

 

In dieser einfachsten Auprägung sollten der Aufbau der Asset Allokation und die Regeln für das eventuelle Rebalancing auch von Erben und/oder selbst bestimmten Bevollmächtigten verstanden werden und zur Not auch einige Jahre ohne Eingriff laufen können.

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Allerdings bin ich mir fast sicher, dass ein Honorarberater auch nur die hier diskutierten Standardlösungen - eventuell, mit viel Glück, ein wenig angepasst an die jeweiligen Verhältnisse - kennt. Und ich bin mir ebenfalls fast sicher, dass er die anbieten wird unabhängig davon, wie es dann gerade aussieht. Auch er kennt halt die Zukunft nicht.

 

Da stimme ich natürlich zu. Wenn ein Depot bereits breit und stabil aufgestellt ist, dann liegt der Mehrwert eines Honorarberaters eher darin, die Asset Allokation gelegentlich zu überprüfen und in schwierigen Marktphasen seelischen Beistand zu leisten. Allerdings könnte selbst das für so manche/n hartnäckig desinteressierte/n Anleger/in eine gute Investition sein.

 

In meinem Fall liegt es etwas anders. Ich neige im Moment etwas zu aktiven Anlageentscheidungen und habe z.B. Aktien untergewichtet und Anleihen in USD übergewichtet. Langfristig dürfte beides keine gute Idee sein und ich würde es meinen Hinterbliebenen ungern zumuten wollen, zu entscheiden, wann Aktien wieder aufgestockt oder wann US-Anleihen verkauft werden sollten. In so einem Fall dürfte es sinnvoller sein, reinen Tisch zu machen und mit einer frischen anfängertauglichen Vermögensaufteilung weiterzumachen.

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So ist es. Ein weises (Schluss-?)Wort.

Dann wurde aber auch nur viel geredet und wenig gesagt.

Andere Worte:

Es ist alles zu individuell, es soll jeder schauen, wo er bleibt

 

Was soll ich denn raten? Hättest Du mich vor 5 Jahren auf dieses Thema angesprochen, dann wäre die Anlageklasse Staatsanleihen ganz oben gestanden. Jetzt aber überhaupt nicht mehr. Wie Du außerdem meinem obigen Beitrag entnehmen kannst, habe ich mich - auch sehr langfristig und mit einem nicht unbeträchtlichen Anteil - für Aktien entschieden. Zusätzlich rate ich schon seit einigen Jahren, sich auch andere Möglichkeiten durch den Kopf gehen zu lassen. Photovoltaik, Immobilien, Edelmetalle werden aber nicht selten belächelt. Freilich ist mit Immos nicht der große Renditewurf zu machen. Aber im Alter kann das durchaus eine sehr willkommene Beimischung sein.

 

Ich lese etwas von Honorarberatung, Fremdwährungsanleihen, Fonds usw. Das passt mir alles nicht in den Kragen. Was aber nicht heißen soll, dass es für manchen keine gute Lösung darstellen kann. Für mich macht eine Mischung aus den aufgezählten Möglichkeiten plus Tages-Festgeld den - für mich - solidesten Eindruck. Hilft das jetzt irgendjemandem weiter? Wahrscheinlich nicht. Aber genau so wenig hilft der Versuch einer mathematischen Aufbereitung. Wer daran Freude hat, kann sich in der Ansparphase damit beschäftigen und - wenn er Glück hat - ein paar Zehntelprozentpunkte mehr herausholen. Im Alter ist das m. E. absoluter Nonsens. Es gibt keine "gemeine Altersformel".

 

Auch wer meint, ein Multi-Asset-Depot so anlegen zu können, dass es - nach dem eigenen Ableben - fraulicherseits immer so weiter geht, hat eine gehörige Portion Selbstbewusstsein. Das ganze Derivategelumpe, wozu ich auch Fonds und Anleihen zähle, ist m. E. unbrauchbar, weil es 1) ebensolche Risiken birgt und 2) teilweise wieder erneuert werden muss.

Wichtig ist für mich die überwiegende Anlage in Sachwerte, die - auch in schlechteren Wirtschaftszeiten - genügend Rendite abwirft, um dann noch eine Person gut zu versorgen. Buchverluste interessieren nicht und wenn dann tatsächlich mal ein Aktienwert abschmiert, ist das auch kein Problem. Zumindest nicht, wenn man nicht mit zehn Werten rumzipfelt.

 

mit nichtssagendem Gruß

-man

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Du hast ja recht, die Sache ist halt einfach zu individuell.

Worauf ich halt hinaus wollteist keine mathematische Abhandlung oder den ultimativen Tip, sondern ein Aufzählen von Vor- und Nachteilen von erfahrenen Anlegern,

die schon mehr als einen 100 Sparplan und 5000 auf dem TG Konto am Laufen haben.

Nenn es aus dem Nähkästchen plaudern oder wie auch immer.

 

Photovoltaik

Pro:

- wenn auf dem eigenen Dach

Contra:

- wenn es keine Sommer mehr gibt

 

Edelmetalle:

Pro und contra etc.

 

Wahrscheinlich reicht es schon, wenn man schreibt warum man sich für etwas entschieden hat oder dagegen - so wie du es gemacht hast.

Dies hilft ja auch schon bei der eigenen Entscheidung.

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Die Annahme vollständigen Kapitalverzehrs bis zum Ableben gilt für eine Minderheit von Ruheständlern.

 

Viele die Nachkommen haben wollen das nach dem Ableben noch was bleibt.

Sachwerte bilden da eine schöne Erinnerungsmöglichkeit mit emotionalen Wert, sei es das über Jahre bekannte Elternhaus, sei es Omas Goldschmuck oder Opas teure Uhr oder Gemälde. Ich finde solche realen Dinge haben was langlebiges, die verkauft die nächste Generation nicht so leichtfertig wie unpersönliche Aktien etc..

 

Die Langlebigkeit von Unternehmen(santeilen) ist im Vergleich hierzu stark eingeschränkt, obwohl ich so einen unternehmerische Grundsubstanz im Kapitalstock einer Familie über Generationen hinweg sexy finde, aber dies bedarf der Pflege und des Interesses, zumindest sind diese Realwerte gerechter zu vererben, da sie teilbar sind.

 

Kurzum: Wenn es ums Vererben geht, empfehle ich Realwerte wegen der emotionalen Bindung und der Langlebigkeit.

 

Mit dem Rest sollte man es sich gut gehen lassen jeder wie er will und einige Geldtransfers zu Lebzeiten an die Nachkommenschaft machen, da kann man wenigstens die Freude noch miterleben und ein bissel Einfluß nehmen.

 

Ich vermute im Alter ist man auch genügsamer, das richtig teure Halligali Leben findet doch in jungen Jahren statt. Ist sowieso doof, in jungen Jahren, wo man das Geld zum Leben bräuchte ist, es recht rar und im Alter, wo die Messen schon fast gesungen sind, ist das Konto prall gefühlt.

 

Aber die Probleme sind noch in Ferne, bis dahin steht vielleicht landwirtschaftliches Ackerland wieder hoch im Kurs. Bis zum Ruhestand kann noch viel passieren.

Vielleicht ist die eingeleitete Entreicherung auch so erfolgreich, dass es hierzu gar keiner Überlegungen mehr Bedarf (Stichwort Altersarmut). Ein Abrutschen kann schnell gehen, auch bei Staaten.

 

Am besten auf das Leben besinnen, aktiv und flexibel bleiben. Es kommt eh anders als geplant, bin aber auch eher Lebemann und Spekulant vom Naturell her, also sowieso kein Planungsfreak. Eine heute richtige Entscheidung, kann sich in 3 Monaten als strategisch falsch erweisen, von daher: Lebe das Leben...

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Zur evt. späteren Hinzuziehung eines Honorarberaters habe ich auch einen anderen Weg gewählt.

 

Weil ich nicht überwiegend vor dem PC sitze und eine abgrundtiefe Abneigung gegen Facebook & Co. habe, ist mir nichts anderes übrig geblieben, als Kontakte - quasi Auge in Auge - zu pflegen. Aus langen und gereiften Freundschaften haben sich dabei drei als besonders intensiv herauskristallisiert, die auch im Anlegebereich vor ähnlichen Situationen stehen. Das mag Zufall sein - ich betrachte es nicht so.

Naheliegend war deshalb eine Abmachung, dass bei Eintritt eines Sterbefalls und anschließend auftretendem (anlagespezifischem) Problem, eine gegenseitige Hilfestellung geleistet wird. Damit mag vielleicht die Effizienz eines Beraters nicht ganz erreicht werden, aber nur vielleicht und nicht zwingend in jedem möglichen Fall des Sechsergebildes. Nicht ganz ohne ist die Betrachtung, dass die bestehenden Beziehungen weiter gepflegt werden und dabei einen besseren Schutz gegen windige Witwenjäger bieten können.

Anders gesagt: Es ist mir eine Alters-WG lieber, als ein Soloauftritt in einem Pflegeheim.

 

Gruß

-man

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Posted · Edited by Bärenbulle

Bin gespannt auf Eure Gedanken !

Eine wichtige Frage ist sicher noch die Ausgaben fuer Wohnung / Unterkunft. Eigengenutzte Immobilie gibt es nicht oder? Dann würde die Frage nach Höhe der Miete bzw. ob man sich diese mit einem Partner teilt eine ziemlich bestimmende Determinante sein u.a. auch ob beim Partner Vermögen vorliegt und er die Hälfte der Miete miträgt.

 

1 Mio. Vermögen und 2800 Entnahme dürfte ein ziemlich rasantes Abschmelzen bewirken, da Du für 3,36 Prozent nachsteuer-Realrendite schon einem deutlich höheren Aktienanteil benötigst. Mit der derzeitigen Allokation wirst nicht mal annähernd einen Vermögenserhalt schaffen, selbst wenn Du nichts entnimmst.

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