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RandomWalker

Aussagekraft von Ratings

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RandomWalker

Mit dem aktuellen Rating einer Anleihe lässt sich relativ sicher sagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls in den kommenden 12 Monaten ist. Wenn man sich jedoch die Ratingsagenturen in der Eurokrise anschaut darf sehr bezweifelt werden, dass sich fürs Portfolio wirklich ein Mehrgewinn durch Ratings erzielen lässt.

 

Nehmen wir mal den Spanien - Bonds bis 2037 (WKN: A0DW8E). Diesen hätten wir hypothetisch am 28.04.2010 zu 89,50 gekauft. Das Gottesurteil von S&P war zu diesem Tag noch "AA" für die Südeuropäer. Nicht einmal drei Jahre später steht die Anleihe bei 79,52 und hat mit einem "BBB+" - Rating statistisch betrachtet eine Ausfallwahrscheinlichkeit von einem Prozent.

 

Die zehn Prozent Kursverlust wirken zunächst verkraftbar. Doch im selben Zeitraum legte eine vergleichbare Bundesanleihe um über 20 Prozent zu! Und das heutige Rating Spaniens entspricht gerade noch dem Ratings Griechenlands zum Kaufzeitpunkt.

 

Ich will jetzt also gar keine Grundsatzdebatte über die Qualität der Ratings starten. Nur: Was bringt mir ein Rating wirklich fürs Anleiheportfolio? <_<

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Ramstein

Ratings bedeuten - wie du richtig gesagt hast - Ausfallwahrscheinlichkeiten.

 

Abwegig ist es daher, bei Wahrscheinlichkeiten mit einzelnen Beispielen zu argumentieren.

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35sebastian

Anleihen haben ein ähnliches Risiko wie Aktien. Deshalb sollte man bei Kauf schon auf ein gutes Rating, für mich mindest A, achten.

Wenn sich das Rating merklich verschlechtert, sollte man verkaufen.

Wie gesehen, kaufen jetzt viele Anleihen mit schlechtem Rating, sogar C, um eine gute Rendite zu bekommen.

Dieses Risiko ist aber sehr gewagt..

Ich halte Aktien von Unternehmen mit A Rating und guter oder sehr guter Dividendenrendite für viel risikoloser als Anleihen von Griechenland, Italien und Spanien.

So handle ich auch.

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Karl Napf
Was bringt mir ein Rating wirklich fürs Anleiheportfolio?

Grundsätzlich ist es schon so, dass eine Rating-Differenz zwischen zwei Papieren mit einer Rendite-Differenz korrellieren sollte und dies auch in vielen Fällen tut - nämlich immer dann, wenn sich an der wirtschaftlichen Situation des bzw. der Emittenten seit der letzten Rating-Einschätzung nichts Wesentliches geändert hat.

Spanien mit seiner bekannten Bankenkrise nach geplatzter Immobilienblase ist da natürlich die offensichtliche Ausnahme von der Regel, bei der die Rating-Agenturen zu langsam waren und auch logischerweise immer zu langsam sein müssen - denn das Schicksal Spaniens steht und fällt derzeit mit Entscheidungen der Politiker, welche eine Rating-Agentur genauso wenig vorhersehen kann wie wir. Noch schlimmer war das ja bei Griechenland, das noch in 2010 ein Rating im "A"-Bereich hatte. In beiden Fällen gab es andere Informationsquellen, um eine subjektive Einschätzung des Risikos vorzunehmen, wobei sich jedoch in einigen Fällen die von den Politikern ausgesprochenen "Garantien" nur kurze Zeit später als Unwahrheit herausstellten. Wenn schon Jean-Claude Juncker sagt: "Wenn es ernst wird, muss man lügen", dann macht das auch die Arbeit der Rating-Agenturen nicht einfacher - und zwar gerade im Falle Spaniens.

 

Aber man kann Ratings auch anders herum nutzen: Falls die Rendite einer Anleihe höher ist, als dies bei anderen Anleihen desselben Ratings der Fall ist, sollte man vorsichtig sein und nach einer Ursache suchen. Gerade bei liquide handelbaren Anleihen mit großen Emissionsvolumen ist es unwahrscheinlich, dass der Markt dem Anleger ein Schnäppchen anbietet; vielmehr dürfte in den meisten Fällen bereits von den Marktteilnehmern eingepreist sein, dass die Lage eigentlich ein schlechteres Rating erfordern würde. Eine Rendite-Differenz zwischen gleich gerateten Anleihen kann also ein Warnsignal liefern.

 

Unabhängig von Einzeltiteln kann man zudem die Rendite-Differenz zwischen ganzen Rating-Klassen vergleichen. Für mich galt in den vergangenen 10 Jahren die Faustregel, dass die Rendite-Differenz zwischen "AAA"-Anleihen und "BBB"-Anleihen bei etwa 400 Basispunkten liegt.

Aktuell ist eine solche Renditedifferenz jedoch bei Staatsanleihen kaum zu erzielen - es gibt sogar Staatsanleihen mittlerer Laufzeiten im "BB"-Bereich, die keine 3% Rendite bieten; bei Unternehmensanleihen sieht es kaum anders aus. Daraus könnte man natürlich auch den Schluss ziehen, dass diese Emittenten möglicherweise bereits ein besseres Rating verdient haben und dieses eventuell in nächster Zeit auch erhalten werden - vor allem dann, wenn diese Emittenten bei der letzten Rating-Änderung bereits hochgestuft wurden, aber auch, wenn sie kürzlich von einer anderen Rating-Agentur hochgestuft wurden. Relevant ist also nicht nur die absolute Höhe eines Ratings, sondern auch der Trend der letzten Rating-Änderungen, der sich gelegentlich in abenteuerlich anmutenden Anleihe-Kursen niederschlagen kann.

Ich selbst schließe daraus, dass das Risiko einer "BBB"- oder "BB"-Anleihe derzeit in den meisten Fällen unzureichend honoriert wird - insbesondere, wenn es bei Festgeld mit deutscher Staatsgarantie etwa gleich hohe Renditen gibt.

 

In ihrer Gesamtheit können Ratings also den Anleihenmarkt durchaus informativ beschreiben - eine Garantie für einzelne Emittenten, die viele Anleger gerne in ein Rating hinein interpretieren möchten, gibt es allerdings nicht.

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Cai Shen

Eine mögliche Antwort gibt bereits die Fragestellung vor:

 

Mit dem aktuellen Rating einer Anleihe lässt sich relativ sicher sagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls in den kommenden 12 Monaten ist.
Diesen hätten wir hypothetisch am 28.04.2010 zu 89,50 gekauft. Das Gottesurteil von S&P war zu diesem Tag noch "AA" für die Südeuropäer. Nicht einmal drei Jahre später drei Jahre später steht die Anleihe bei 79,52 und hat mit einem "BBB+" - Rating

 

Insofern hatte die Ratingagentur richtig geraten, die Anleihe ist nicht ausgefallen.

 

Weiterhin nehmen vergangene Datenreihen einen hohen Stellenwert im Ratingprozess ein. Eines der Hauptargumente, das die Agenturen für ihr Versagen in der Subprimekrise anführen. Keine ausreichenden - vergleichbaren - Daten für die Vergangenheit = falsche Grundannahmen = Ratingmodell ist deshalb gescheitert.

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Karl Napf
Deshalb sollte man bei Kauf schon auf ein gutes Rating, für mich mindest A, achten.

Damit wärst auch Du der perfekte Käufer einer Griechenland-Anleihe im Jahr 2010 gewesen - herzlichen Glückwunsch!

(Mich haben die Rate-Agenturen auf diese Weise "erwischt", und nur eine zunehmend disziplinierte Diversifikation sowie die gute Performance von Portugal und Irland verhinderte, dass der Schaden in einem Depot mit damals nur relativ wenigen Emittenten exzessive Ausmaße annahm. Irgendeinen Lerneffekt muss der Argentinien-Default vor 10 Jahren ja auch gebracht haben - damals war der Klumpen erheblich größer.)

Wie gesehen, kaufen jetzt viele Anleihen mit schlechtem Rating, sogar C, um eine gute Rendite zu bekommen.

Dieses Risiko ist aber sehr gewagt..

Kommt darauf an, wie man das anfängt. Einen ETF, der über 300 High-Yield-Anleihen streut und dann noch 4,5% Rendite nach Kosten verspricht, finde ich nicht gewagter als ein einzelne "A"-Anleihe, die derzeit nur die halbe Rendite bringt - und auch diese nicht sicher.

 

Schaut sich eigentlich irgendjemand die Ratings von Tier-Anleihen an, oder sind die generell irrelevant, weil man ohnehin die Quartalsbilanzen lesen muss?

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35sebastian

Du brauchst mir nicht zu gratulieren. Seit über 10 Jahren kaufe ich keine Anleihen mehr, sicherlich keine Griechenlandanleihen.

In den 90Jahren habe ich dagegen viele Anleihen gekauft. Da gab es für beste Qualität 6-10% .Außer einem sehr guten Rating habe ich mir auch den Schuldner angesehen.

Griechenland, Brasilien, Russland oder Argentinien sind und wären immer durchs Raster gefallen.

Was Tier ist, weiß ich nicht. Ich muss ja nicht alles kennen.

Ich kaufe Aktien und damit basta. Dabei beschäftige ich mich mehr mit der Psychologie der Masse.

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Andreas R.

Schaut sich eigentlich irgendjemand die Ratings von Tier-Anleihen an, oder sind die generell irrelevant, weil man ohnehin die Quartalsbilanzen lesen muss?

 

Ganz ehrlich: Nein.

Interessiert mich nicht, was die Rateagentur für ein Label draufklebt.

Die Ergebnisse und Aussichten der Bank/Versicherung müssen stimmen.

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