Bärenbulle

Risiko - das unbekannte Wesen

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Lieber ein eingeschränktes Risikomaß, was in 99.9% der Fälle zur Risikosteuerung verwendet werden kann, als gar keines und Blind investieren.

 

Zumal die Taleb-Kritik die gängigen Risikomaße nicht überflüssig macht. Das Risiko was sich aus

- Vergangenheits-Volatilität

- Fundamentalzahlen

 

Berechnen lässt ist eine Untergrenze für das tatsächliche Risiko.

 

- Deswegen davon auszugehen dass Aktien langfristig immer besser als Renten sind, halte ich für gefährlich - zumal selbst die wissenschaftlichen Risikomaße (Volatilität, Beta, Sharpe-Ratio, Treynor-Ratio etc.) keineswegs so eindeutig sind, wie Bärenbulles Risikomaß (Volatilität und Beta würden sogar eindeutig widersprechen).

- Wer im Umkehrschluss dann das Vergangenheitsrisiko gar nicht mehr betrachtet, liegt vor allem dann falsch, wenn ein Wertpapier in Vergangenheit seinen Index nicht einmal geschlagen hat. Denn die Schwarzen Schwäne betreffen den Index und aktive Aktienfonds (auf den selben) gleichermaßen. Wer bei gleichen Voraussetzungen schlechter ist, der sollte auch insgesamt schlechter bewertet werden.

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Nur Indexer kann und wird es auch nicht geben. Einmal ist Händler A besser, einmal Händler B. Es drängen genau so viele in den Markt der Unternehmensbewertung, wie davon ihre Kosten decken und Gehälter bezahlen können.

Risikofreier Profit bleibt darüberhinaus nicht hängen.

 

Wieso Unternehmensbewertung? Es gibt doch auch nicht aktiv verwaltete ETF's, welche versuchen 1:1 irgend einen Index abzubilden. Dazu müssten nicht alle Marktteilnehmer in solchen Positionen investiert sein, um Bewertungsverzerrungen auszulösen.

 

 

Da wir uns ansonsten einig sind, dass die TEM nicht auf die Praxis zutrifft, wäre eine Risikobewertung nur an Hand der Kurse fehlerhaft. Aber vielleicht lässt sich etwas mit der Gewinnrendite anstellen. Graham meinte mal die Gewinnrendite sollte größer als 2x Bondrendite von 10 jährigen US Anleihen sein, wenn ich mich nicht irre. Zu hohe KGV's würden dem zu folge ein höheres Risiko darstellen als niedrigere. Im Idealfall korreliert das damit bestimmte Risiko mit überkauften und überverkauften Märkten.

Ähnlich wie das Schiller-KGV oder Buffett seine Vergleiche von Aktienrenditen mit dem Wirtschaftswachstum.

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Um mal am Beispiel klar zu machen wieso die Vergangenheitsbetrachtung wesentliche Risiken unterschlägt:

 

Vor ca. 10 Jahren gab es eine Publikation zum ARERO, die besagt, dass ein Portfolio mit 60% Aktien, 25% Renten und 15% Rohstoffen sich optimal verhält. Zumindest meinem Empfinden nach war das nicht nur eine einzige Publikation sondern weit verbreiteter Konsens.

 

Inzwischen hat sich die Lage bei Rohstoffen jedoch starkt verschlechtert. In diesem Thread kann man diverse gut recherchierte Details lesen.

 

Diese Entwicklung lässt sich auf zwei verschiedene Arten und Weisen erklären:

 

1) temporäre Schwäche von Rohstoffen

D.h. die Aktien steigen, die Rohstoffe sind negative/niedrig korrelliert, das ist eigentlich nicht wirklich unüblich, dass dann bei Rohstoffen negative Renditen auftauchen. Wer daran glaubt, der kann auch darauf hoffen, dass bei der nächsten Aktienkrise oder bei Änderungen am derzeit anomalen Rentenmarkt die Rohstoffrenditen wieder anziehen

 

2) Das Modell von früher war einfach falsch

Bisher gab es diverse Begründungen dafür, dass Rohstoffe im Mittel positive Renditen über der Inflation erreichen, Normal Backwardation um das vorherrschende Schlagwort zu nennen. Sämtliche Begründungen für die Normal Backwardation sind ausnahmlos heuristische Mutmaßungen, die versuchen eine statisch sehr positive Rohstoff-Epoche zu erklären. Vielleicht war diese Epoche aber einfach nur Glück und die Normal Backwardation ist wirklich nur eine Mutmaßung. Dann warten die Anleger mit Rohstoffen ewig auf das Anziehen der Renditen.

 

Noch ein Beispiel: Russisches Roulette.

 

Der Revolver wird geladen, wobei man nicht weiß ob eine Kugel oder ob keine Kugel im Zylinder steckt. Wer nach 6 Schüssen am Leben ist bekommt 1 Millionen Rubel. 5 mal abziehen blieben ereignislos. Statistisch gesehen ist dann die 6. Kammer auch eher leer (Ziegenproblem).

 

Die Frage ist nur ob man sich jetzt auf das Modell verlässt was man aus der Vergangenheit ermittelt hat oder ob man jetzt (unter verzicht auf Belohnung) abbricht.

 

 

Zurück zu Aktien:

 

Aktien-Renditen waren in den letzten 100 Jahren im Mittel höher als Renten-Renditen. Über beliebige 20 Jahreszeiträume waren sie vermutlich auch immer besser. Bei beiden obigen Beispielen ist die Vergangenheit auch einigermaßen eindeutig, nur ist das Modell aus der Vergangenheit eben nicht vollständig. Aus meiner Sicht lohnt es sich deswegen immer das Restrisiko stärker zu bewerten als das bekannte Risiko. Trotzdem oder gerade deswegen würde ich derzeit nicht empfehlen keine Aktien im Portfolio zu halten. Denn das Restrisiko von 100% Renten ist genauso wenig bekannt, das Restrisiko von Tagesgeld ebenfalls nicht. Somit bleibt mir tatsächlich nur ein Portfolio das alle Assetklassen enthält - und je nach Risikoneigung eher Aktien oder eher Renten/Tagesgeld.

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Posted · Edited by ZappBrannigan

Der Revolver wird geladen, wobei man nicht weiß ob eine Kugel oder ob keine Kugel im Zylinder steckt. Wer nach 6 Schüssen am Leben ist bekommt 1 Millionen Rubel. 5 mal abziehen blieben ereignislos. Statistisch gesehen ist dann die 6. Kammer auch eher leer (Ziegenproblem).

Sorry, aber das hat mit dem Ziegenproblem nichts zu tun. Beim Ziegenproblem weißt du genau, dass hinter einer Tür der Preis versteckt ist. Und das Ziegenproblem lässt sich mit einer rein wahrscheinlichkeitstheoretischen Betrachtung lösen - nix mit Statistik und so.

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Keine Ahnung warum ich das assoziiert habe.

 

Aber bis auf diese fehlerhafte Referenz stimmt es doch, dass man die Hypothese aufgeben sollte, dass überhaupt eine Kugel im Revolver war. Und dass wenn man diese Hypothese aufgibt, es einen trotzdem nicht davor schützt zu sterben, wenn sie wider Erwarten doch zutrifft.

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Der Revolver wird geladen, wobei man nicht weiß ob eine Kugel oder ob keine Kugel im Zylinder steckt. Wer nach 6 Schüssen am Leben ist bekommt 1 Millionen Rubel. 5 mal abziehen blieben ereignislos. Statistisch gesehen ist dann die 6. Kammer auch eher leer (Ziegenproblem).

Sorry, aber das hat mit dem Ziegenproblem nichts zu tun. Beim Ziegenproblem weißt du genau, dass hinter einer Tür der Preis versteckt ist. Und das Ziegenproblem lässt sich mit einer rein wahrscheinlichkeitstheoretischen Betrachtung lösen - nix mit Statistik und so.

 

 

Dürfte eher mit der Truthahn-Illusion zu erklären sein

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Truthahn-Illusion

 

 

 

 

 

 

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Posted · Edited by Tilt

Ich möchte noch mal einige vorhergehende Feststellungen kommentieren:

 

Ich habe mich ein bisschen belesen und festgestellt, dass meine Praxisannahmen in der Theorie der effizienten Märkte (TEM) Bestätigung finden. Ihr habt bisher ein paar wichtige Dinge ausgelassen:

...

4. Die TEM gibt offen zu, dass Anleger manchmal an den Märkten irrational handeln. Sichwörter Selective Perception, Availability, Framing, Gambler’s Fallacy, Overconfidence, Loss Aversion, Mental Accounting usw.

5. Die TEM sagt selbst, dass es Annomalien an den Märkten gibt (z. B. Small-Cap-Effekt, Momentum usw.), welche der TEM widersprechen. Konsequenz? Lol natürlich keine. Hauptsache man verbreitet die Theorie weiter in den Köpfen.

6. Die TEM gibt selbst zu dass die Annomalien schwer zu untersuchen sind und darum keine Studien dazu vorliegen.

 

Womit wir wieder bei meiner richtigen Aussage wären, dass es keine effizienten Märkte gibt (höchstens zufällig).

 

 

 

Die EMH (TEM) bildet die Grundlage für das CAPM. Aber ist nicht mit diesem identisch. Die Rendite wird auf der Basis der EMH versucht durch das CAPM zu erklären. Auch das 3- oder 4-Faktoren-Modell - das die oben genannten "Anomalien" (Small, Value...) erklärt - basiert ja auf der EMH. Die Erklärung für die Faktorprämien ist dabei das Risiko, das diese Indices oder Aktien speziell auszeichnet (z.B. höheres unternehmerisches Risiko bei Small Caps -> höhere Kapitalkosten). Niedrige KBV-Verhältnisse oder hohe Dividendenrenditen sind übrigens dabei nur der Proxy.

 

Die Überperformance, die z.B. Valueinvestoren(-fonds) gegenüber dem Markt erzielen, lässt sich doch über sehr weite Strecken mit dem 3-Faktoren-Modell auf der Basis der EMH erklären. Nur wird hier Risiko eben mit mehreren Faktoren (anders als durch das CAPM) erklärt.

 

BTW: Ich finde die auch von Robert Shiller vertretene These, dass die Märkte mikroökonomisch effizient, aber makroökonomisch ineffizient sind, interessant.

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