Depot-Kostenanalyse mittels TER und Tracking Difference

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Über mich:

 

  1. Erfahrungen mit Geldanlagen
    Von Einzelaktien (2000) zu Sparplänen mit ETFs und Indexzertifikaten (ab 2007), über Einzelaktien (2012) hin zum systematischen Indexing (2013). Habe ziemlich viel gelesen über Indexing und Asset Allocation (Bernstein, Swedroe, Swensen, Edleson, Kommer etc.).
  2. Darstellung von bereits vorhandenen Fondspositionen (ISIN angeben)
    Siehe Aufstellung unten.
  3. Zeitliche Aufwandsbereitschaft für eure Fondsanlage
    Max. 4h pro Monat.
  4. Risikotyp/Risikobereitschaft/Umgang mit Verlusten
    Hohe Risikobereitschaft. Habe die Krisen 2000/2008/2011 ohne Panik verkraftet und freue mich immer, wenn mal wieder günstige Kurse kommen.

 

Über meine Anlage:

 

  1. Anlagehorizont
    30 Jahre
  2. Zweck der Anlage
    Passives Einkommen
  3. Einmalanlage und/oder Sparplan?
    Sparplan, manuelle Käufe
  4. Anlagekapital
    100.000, monatlich 750

 

Hallo zusammen,

 

das ETF-Depot, um das es hier gehen soll, soll hinsichtlich Kosten optimiert werden. Diese will ich nicht nur anhand der TER, sondern anhand der historischen Tracking Difference beurteilen. Zunächst aber etwas Hintergrund zum Depot:

 

  • Eröffnung: 2007
  • Depotbank: Consorsbank
  • Es beinhaltet nur einen Teil meiner ETF-Anlagen, weshalb es keine sinnvollen Rückschlüsse auf meine Asset Allocation zulässt.
  • Dass mein Ziel "passives Einkommen" nicht gut zu den momenten im Depot befindlichen ETFs passt (wenige Ausschütter) ist mir klar.
  • Die ETF-Auswahl für Sparpläne ist bei der Consorsbank eingeschränkt. Deshalb bespare ich teilweise suboptimale ETFs (z. B. Stoxx Europe Select Dividend statt MSCI Europe Value). Manche ETFs bespare ich auch gar nicht, weil sie nicht als Sparplan verfügbar sind.

 

Jetzt endlich zum Thema.

 

Ich habe die jährlichen Kosten der ETF-Positionen im Portfolio berechnet. Einmal über die Formel Kosten = Gesamtwert * TER. Und einmal über die Formel Kosten = Gesamtwert * DurchschnittlicheTrackingDifference.

Die Tracking Difference verstehe ich als Abweichung der Fondentwicklung von der Indexentwicklung, die jeweils pro Kalenderjahr angegeben wird. Normalerweise sollte sich der Fond ja genau um die TER schlechter entwickeln als der Index. Dass es trotzdem Abweichungen gibt, erklärt sich mit der Abbildungsgenauigkeit und zusätzlichen Erträgen des Fonds aus Swap- bzw. Leihgeschäften.Soweit korrekt? Ich habe nun die Tracking Difference meiner ETFs aus den letzten sechs Jahren anhand der KIID analysiert. Siehe Bild.

 

  • Man sieht, dass lt. TER die Kosten pro Jahr ca. 300 EUR betragen sollten, lt. Tracking Difference aber nur ca. 200.
  • Man sieht ausserdem, dass einige ETFs dauerhaft positive Abweichungen haben, also sogar nach Kosten "den Index schlagen" (ComStage Stoxx Europe 600, db x-trackers Stoxx Europe Sel. Div. 30, iShares S&P 500, UBS MSCI USA Value).
  • Andere haben dauerhaft negative Abweichungen. Diese sind aber meistens recht gut durch die TER erklärbar (z. B. db x-trackers MSCI Europe Small Cap, ComStage MSCI Pacific und weitere).
  • Und dann gibt es noch zwei ETFs mit dauerhaft negativen Abweichungen, die sich nicht mit der TER erklären lassen. Der ComStage MSCI Emerging Markets gehört auf den ersten Blick dazu: TER=0.25%, Mittelwert der Tracking Difference=0.47%. Da der ETF früher eine höhere TER von 0.55% hatte, ist das OK. Bleibt nur noch der db x-trackers MSCI Emerging Markets. Der hat eine TER von 0.65%, aber eine durchschnittliche Tracking Difference von 0.92%.

Das heisst, der db x-trackers MSCI Emerging kostet mich gut 100 EUR pro Jahr, oder die Hälfte der Gesamtkosten lt. Tracking Difference. Wenn ich auf den EM-ETF von ComStage umsteigen würde, würde ich 80 EUR günstiger fahren. Eine Umschichtung, die sich trotz Transaktionskosten nach weniger als einem Jahr amortisiert hätte.

Mir ist klar, dass auch db x-trackers seine Gebühren senken könnte oder die Tracking Difference verbessern könnte. Man sieht aber, dass dieser ETF im analysierten Zeitraum die deutlich schlechtesten Werte hatte. Gut zu erkennen ist das an der roten Linie, die durch die eingefärbten Zellen gebildet wird.

 

 

Was denkt ihr, sind meine Analysen und Schlussfolgerungen valide? Inwieweit kann man den Angaben zur Tracking Difference aus den KIIDs trauen? Ich freue mich auf Eure Ideen. Gern erweitere ich die Analyse auch auf weitere ETFs.

 

 

 

Euer ViVestor

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Geschrieben · bearbeitet von chart

Hallo,

 

leider zum gefühlten 1000 mal, die TER vom db x-trackers MSCI Emerging Markets ist falsch, sie beträgt 0,85%. Das ist allerdings auch gleichzeitig die voraussichtliche Tracking Difference, die natürlich auch abweichen kann. Das weiß man aber auch erst hinterher.

Vielleicht solltest du bei Gelegenheit alle deine Angaben zu den ETFs vorsichtshalber noch mal überprüfen.

Dazu würde ich aber nicht bei Drittanbietern wie Banken nachschauen.

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Danke für den Hinweis! Wie gesagt entstammen alle Daten aus den neuesten KIID, die vom ETF-Anbieter selbst herausgegeben wurden. Dort werden stets die "laufenden Kosten" genannt.

 

Dass db x-trackers beim DBX1EM die Swap-Kosten von 0.2% weder zu den "laufenden Kosten" zählt, noch sie in den KIID erwähnt, ist schon sehr grenzwertig. Ich lese die KIID durchauf aufmerksam, mir ist beim DBX1LC z. B. nicht der Satz "Vom Stand des Index wird eine jährliche Gebühr von 0,80% abgezogen" entgangen.

 

Aber man sieht, dass der Ansatz, die Tracking Difference zu beobachten, offenbar zielführend ist. So bin ich auf das Problem des DBX1EM aufmerksam geworden. Beim DBX1LC hätte es allerdings nicht funktioniert, weil sie hier ihren eigenen Vergleichsindex manipulieren.

 

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Dass db x-trackers beim DBX1EM die Swap-Kosten von 0.2% weder zu den "laufenden Kosten" zählt, noch sie in den KIID erwähnt, ist schon sehr grenzwertig.

 

Immerhin weisen db x-trackers die Swap-Kosten brav auf ihrer Homepage aus, das machen ja nicht alle Anbieter. Zudem schwanken die Swap-Kosten von Jahr zu Jahr, deshalb dürfte die Angabe per Homepage am sinnvollsten sein.

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Was denkt ihr, sind meine Analysen und Schlussfolgerungen valide? Inwieweit kann man den Angaben zur Tracking Difference aus den KIIDs trauen? Ich freue mich auf Eure Ideen. Gern erweitere ich die Analyse auch auf weitere ETFs.

 

Schau z.B. mal hier rein:

https://www.wertpapier-forum.de/topic/45254-steuerstatus-und-trackingdifferenzen-von-aktien-etfs-auf-standardindizes/?do=findComment&comment=926844

 

(auch den gesamten Thread beachten!)

 

Zur Verlässlichkeit der TDs im KIID:

In obigem Thread konnten wir zeigen, dass sich da durchaus Fehler einschleichen. So sind z.B. KIIDs von HSBC bisweilen fehlerhaft, ebenso wurde beim ishares Stoxx Europe 600 ein Fehler gefunden. (mittlerweile korrigiert, siehe https://www.wertpapier-forum.de/topic/45254-steuerstatus-und-trackingdifferenzen-von-aktien-etfs-auf-standardindizes/?do=findComment&comment=943742)

 

Also: Wer auf Nummer sicher gehen will, rechnet sich die TD für die für ihn in Frage kommenden ETFs selbst aus.

Bedenke auch, dass die TDs sich im Zeitverlauf ändern. Siehe rollierende TDs hier: https://www.wertpapier-forum.de/topic/45254-steuerstatus-und-trackingdifferenzen-von-aktien-etfs-auf-standardindizes/?do=findComment&comment=926914

-> Nur TD von gleichen Zeiträumen miteinander vergleichen!

 

Die TD als Maß für die Kostenquote ist mit Vorsicht zu genießen.

Wie du selbst festgestellt hast, würde die Rechnung mittels TD bei deinem Depot nur zu 200 EUR Kosten führen, mit TER hingegen zu 300 EUR. Natürlich sind die KAGs aber nicht einfach nur dämlich und weißen höhere Kostenquoten aus, als sie dann tatsächlich verlangen. Will heißen: Du zahlst natürlich minimum 300 EUR an Kosten. (und bei ETFs die ihren Index sogar "schlagen" ist es natürlich auch nicht so, dass diese gar keine Kosten hätten und der Anleger sogar noch Geld von der KAG bekommt! Auch diese ETFs kosten Geld, weißen also ein schlechteres Rendite/Risikoprofil auf, als der Index. Und darauf kommt es an!)

 

Letztlich gilt: Der Unterschied zwischen TER und TD ist wichtig. Die TD hilft einem, auf versteckte Risiken / Kosten aufmerksam zu werden. Siehe z.B. EM-ETF von dbxtrackers. Es gibt verschiedene Gründe, warum die TD nicht der TER entspricht, z.B. Steuerrückerstattungen, Wertpapierleihe, Swap-Geschäfte etc. Das sollte man bei Interesse nachprüfen.

 

btw:

Berichte lesen ist essenziel. Dbxtracker hat Swap-Kosten jahrelang nicht auf der Website ausgewiesen, dass ist er seit einiger Zeit so. Vorher gab es das nur im Jahresbericht zu erfahren!

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Super, vielen Dank Chemstudent. Habe den Thread gelesen und einiges gelernt. Also bin ich schon auf dem richtigen Weg. Durch die TD-Analyse habe ich einen verdächtigen ETF im Depot identifiziert (DBX1EM) und konnte diesen weiter analysieren.

Als Handlung bietet sich jetzt an, ihn gegen den viel günstigeren ComStage ETF127 auszutauschen. Beide sind synthetisch, der ComStage ist jedoch jünger und viel kleiner. Das wurde an anderer Stelle diskutiert und stellt für mich kein Problem dar.

 

bb, ViVestor

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