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135 posts in this topic

Posted · Edited by Smartinvestor

Wenn ich mir den Kursverlauf und die rollierende 1-Jahres-Rendite des MSCI EM anschaue, stelle ich fest, dass sie sich seit der letzten Finanzkrise deutlich geändert haben. Während die 1-Jahres-Rendite von 1990-2008 acht Peaks von 60% bis 80% und drei Drops von min. 40% hatte, gab es von 2008-2016 keinerlei derartigen Schwankungen. Das macht sich auch in der Volatilität bemerkbar, die mittlerweile nicht mehr soviel höher als beim MSCI World liegt. Der Grund für diese Änderung ist mMn die aktuelle Geldpolitik und wenn deine Strategie das nicht berücksichtigt und zum Teil auf Daten von davor aufbaut könnte das böse schief gehen. Natürlich könnte es sein, dass sich mit steigenden Zinsen in den USA die Situation wieder mehr der vor der Finanzkrise angleicht, aber ich würde nicht darauf wetten, zumindest nicht, solange die Zinsen in Europa weiterhin so niedrig sind.

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Hi Limit,

begrüße dich an Stelle des TO, der wohl leider länger verhindert ist, hier im Handelssoftware-Thread!

 

Dank dir für die Mitteilung deiner interessanten Beobachtung. thumbsup.gif

Habe mir den Langfristchart des MSCI EM ab 1990 gerade angeschaut und sehe auch ein verändertes Verhalten nach 2008. Allerdings kann ich deine Beobachtung von 8 Peaks von 60-80% nicht nachvollziehen, da diesen logischerweise doch ebensoviele Drops derselben Größenordnung gegenüberstehen sollten. Ich erkenne aber nur 3 Drops und 3 Peaks.

 

Dieses veränderte Verhalten ist jedoch für meine Handelsstrategie m.E. nicht sehr relevant, weil ich ja nicht den MSCI EM allein trade, sondern immer marktneutral long/short gegen den S&P500. Der Verlauf dieser Position zeigt seit 1990 genau 2 ausgeprägte Peaks und 2 Drops allerdings mit gleichmäßig abnehmender Amplitude und Vola. Das berücksichtige ich in meiner Handelsstrategie durch engere Stopp Loss und aggressiveres Moneymanagement ggü. dem Backtesting, um das Profitpotenzial meiner Strategie aufrecht zu erhalten.

 

Ist das schlüssig nachvollziehbar oder unterliege ich damit einem riskantem Trugschluss?

 

Viele Grüße vom

Scharlatan Smartinvestor

 

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Die Unterschiedlichen Beobachtungen liegen vermutlich daran, dass ich die rollierende 1J Rendite betrachtet habe, nicht den eigentlichen Kursverlauf. Ich finde damit kann man manche Muster besser erkennen.

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Zu deiner eigentlich Strategie möchte ich nicht zu viel sagen, denn damit habe ich nicht sehr viel Erfahrung. Allerdings kann ich keine Grundsätzliche Verschiebung der Zyklen von EM und World (hab leider gerade kein S&P500 in USD in der Datenbank). Demnach wären Gewinne in der Vergangenheit hauptsächlich auf die unterschiedlichen Volatilitäten zurückzuführen. Das wäre zwar eine durchaus überlegenswerte Strategie, würde aber zur Zeit wegen der Annäherung der Volatilitäten nicht mehr so gut funktionieren. Aber wie schon gesagt, ich bin in der Hinsicht ein Anfänger, der nur mal einen kurz Blick darauf geworfen hat.

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Die Unterschiedlichen Beobachtungen liegen vermutlich daran, dass ich die rollierende 1J Rendite betrachtet habe, nicht den eigentlichen Kursverlauf. Ich finde damit kann man manche Muster besser erkennen.

post-7324-0-64604600-1481704115_thumb.gif

 

Zu deiner eigentlich Strategie möchte ich nicht zu viel sagen, denn damit habe ich nicht sehr viel Erfahrung. Allerdings kann ich keine Grundsätzliche Verschiebung der Zyklen von EM und World (hab leider gerade kein S&P500 in USD in der Datenbank). Demnach wären Gewinne in der Vergangenheit hauptsächlich auf die unterschiedlichen Volatilitäten zurückzuführen. Das wäre zwar eine durchaus überlegenswerte Strategie, würde aber zur Zeit wegen der Annäherung der Volatilitäten nicht mehr so gut funktionieren. Aber wie schon gesagt, ich bin in der Hinsicht ein Anfänger, der nur mal einen kurz Blick darauf geworfen hat.

Warum meinst du, dass die Vergangenheit - Gewinne aus meiner Strategie von den unterschiedlichen Volatilitäten des EM und des S&P 500 resultieren? Ist doch so, dass die Volatilität des EM bislang immer höher lag als die des S&P 500. Daher resultieren die Vergangenheit Gewinne aus meiner Strategie m.E. primät aus den mittelfristigen fünf bis acht Jahre währenden Mean Reversing Trends.

 

Da du bislang einer der ganz wenigen kompetenten Feedbackgeber zu sein scheinst, würde ich mich sehr freuen, wenn du dich ein bisschen näher mit meiner Strategie befassen und mir umfassendes gern auch vernichtend kritisches Feedback geben könntest. Denn ich bin durch fast einjährige Bestätigung meiner Strategie durch das Marktverhalten wahrscheinlich mittlerweile schon zu stark overconfidenve gefährdet, so dass ich daraus Probleme befürchte. Wäre ganz toll, wenn du mir dabei kompetent helfen würdest. Beantworte dir gern auch jedwede Detailfragen dazu und würde dir bei eigener Implementierung helfen, wenn du Interesse daran hast.

 

Was tradest du eigentlich und ist das irgendwo zu finden?

 

Viele Grüße vom

Scharlatan Smartinvestor

 

 

 

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Warum meinst du, dass die Vergangenheit - Gewinne aus meiner Strategie von den unterschiedlichen Volatilitäten des EM und des S&P 500 resultieren? Ist doch so, dass die Volatilität des EM bislang immer höher lag als die des S&P 500. Daher resultieren die Vergangenheit Gewinne aus meiner Strategie m.E. primät aus den mittelfristigen fünf bis acht Jahre währenden Mean Reversing Trends.

Nachdem ich mir auch die gleitende 5J Rendite angeschaut und deine früheren Posts durchgelesen habe, möchte ich meine Aussage teilweise revidieren. Die gleitende 5J Rendite zeigt durchaus eine gewisse alternierende Top/Bottom Bildung, allerdings nur bis Anfang 2000. Dannach gleichen sich auch hier die Verläufe an.

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Das mit den Volatilitäten war eher ein Bauchgefühl. Wenn man eine solche long/short Strategie einsetzt und dabei Werte mit sehr unterschiedlicher Volatilität einsetzt kann das funktionieren, selbst wenn die eigentliche Hypothese gar nicht (mehr?) stimmt. Sofern du mit dem volatileren Wert richtig positioniert bist, wirst du auf jeden Fall eine postive Rendite erwirtschaften unabhängig davon was der andere Wert tut. Wie wäre deine Performance gewesen, wenn du den S&P 500 weggelassen hättest und einfach nur mit dem MSCI EM wie bei deiner Strategie long/short gegangen wärst?

 

Mich würde interessieren, ob du eine Theorie dazu hast, warum es zu diesen Mustern, auf denen deine Strategie beruht, gekommen ist.

 

Was tradest du eigentlich und ist das irgendwo zu finden?

In meinem Realdepot habe ich in der Vergangenheit hauptsächlich Buy&Hold betrieben. Gelegentlich kamen "Optimierungen" dazu, die mehr auf Bauchgefühl als auf Fakten basierten. Erst dieses Frühjahr habe ich damit begonnen eine Strategie zu definieren. Das hing damit zusammen, dass ich meine selbstenwickelte Portfolioverwaltung um eine Backtestfunktion erweitert habe.

Der Grundgedanke bestand im Prinzip ähnlich wie bei dir darin das Rebalancing zu optimieren. Meine Hypothese besteht darin, dass es regelmäßig zu Unter- und Übertreibungen kommt (vgl. Konjukturzyklus). Um das zu nutzen betrachte ich das Verhältnis von Kurs zu gleitendem Durchschnitt eines Wertpapier. Dabei ist mir aufgefallen, dass bei vielen Indizes Extremwerte periodisch im Abstand von ein paar Jahren wiederkehren, aber in der Regel nur kurzzeitig anhalten. Also habe ich Schwellenwerte definiert (zuerst statisch, später dynamisch) und diese als Signal für Über- und Untergewichtung des jeweiligen Wertpapiers genutzt. Bei Backtests hat es funktioniert für Aktien- und Anleihenindizes, bei Rohstoffen insbesondere Gold nur bedingt, bei Währungen nicht. Im Realdepot habe ich die Strategie noch nicht getestet, aber es gab dieses Jahr bisher auch nur ein Signal, nämlich im Januar den MSCI EM überzugewichten.

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Posted · Edited by troi65

....aber es gab dieses Jahr bisher auch nur ein Signal, nämlich im Januar den MSCI EM überzugewichten.

Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer; aber das Signal im Januar dürfte wohl eher suboptimal gewesen sein.

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Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer; aber das Signal im Januar dürfte wohl eher suboptimal gewesen sein.

Wieso das? Das Signal kam nur wenige Tage nach dem Jahrestiefststand und seitdem ging es knapp 25% aufwärts.

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Der Algorithmus hätte die Gewichtung wie folgt gewählt:

Juni 2015 (Kurslinie durchbricht die gelbe Linie nach unten) -> Rebalancing

September 2015 (Kurslinie durchbricht die blaue Linie nach oben) -> Rebalancing

Januar 2016 (Kurslinie durchbricht die rot gestrichelte Linie nach oben) -> Übergewichtun

 

Die anderen Schnitte von Kurs und blauer Linie wären wegen zu geringer Kursveränderung herausgefiltert worden.

 

Mir ist klar, dass es noch viel zu früh ist um zu sagen, ob der Algorithmus funktioniert, aber da das Risiko nicht wesentlich höher als beim gewöhnlichen Buy&Hold ETF-Portfolio ist, probier ich's einfach aus.

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Posted · Edited by Smartinvestor

Mich würde interessieren, ob du eine Theorie dazu hast, warum es zu diesen Mustern, auf denen deine Strategie beruht, gekommen ist.

Hi Limit,

tust du mir und dir bitte den Gefallen, und liest dir diesen Thread ab dem Einstiegspunkt in meine Strategiebeschreibung mit allen Links vollständig durch? Ich habe wirklich alles, was ich an Hintergrundinfos und Theorien dazu gesammelt bzw. mir ausgedacht habe, hier dokumentiert, nicht zuletzt auch für mich selber. Das müsste ich jetzt fast alles wiedergeben, um dir das vollständig zu erklären. Es ist insgesamt nicht viel zu lesen, da du ja die ganzen OT Diskussionen mit "Ungläubigen", die hier merkwürdigerweise extrem gehäuft auftraten, alle auslassen kannst. Wenn du dann alles zu meiner Strategie gelesen hast, dann kannst du gern nach fehlenden Details oder Ungereimtheiten fragen. Die würd ich dann gern mit dir diskutieren. Ich bin selber auch ein absoluter Anfänger auf den Terminmärkten seit Mi dieses Jahres.

 

Die absolute Grundlage sind die in den verschiedenen Teilmärkten immer und ewig wiederkehrenden Mean Reversion und Momentum Zyklen, deren Umkehrpunkte meine Strategie zu finden und zu traden versucht. Klaro?

 

Gru3

Smartinvestor

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Posted · Edited by Limit

Die absolute Grundlage sind die in den verschiedenen Teilmärkten immer und ewig wiederkehrenden Mean Reversion und Momentum Zyklen, deren Umkehrpunkte meine Strategie zu finden und zu traden versucht. Klaro?

Das habe ich schon verstanden, allerdings sehe ich Mean Reversion und Momentum eher als Symptome und nicht als eine Art "Naturgesetz". Aufgrund dessen sollte man die darunterliegenden Ursachen untersuchen um zu bewerten wie nachhaltig die Strategie ist. Momentum im langfristigen Maßstab würde ich auf menschliche Angst und Gier zurückführen und dürfte damit nachhaltig gesichert sein. Bei Mean Reversion wäre ich mir da nicht so sicher und deswegen wollte ich deine These für deren Ursache wissen. Meine Vermutung diesbezüglich sieht wie folgt aus:

 

Viele westliche Investoren weiten ihr Anlageuniversum bei guter Weltkonjuktur aus, ziehen sich bei einer deutlichen Abschwächung derselben aber auch schnell wieder zurück. Aufgrund dessen haben die EM eine wesentlich höhere Volatilität, folgen aber grundsetzlich dem selben Zyklus wie die entwickelten Länder. Der Gap zwischen DM und EM ist daher in erster Linie von den unterschiedlichen Volatilitäten geprägt und erreicht sein Mini-/Maximum genau dann, wenn auch die Kurse ihr Mini-/Maximum erreichen.

 

Das Problem, dass sich aus meiner Sicht daraus für deine Strategie erwächst besteht darin, dass du mit einem festen Schwellenwert agierst. Da aber der Gap je nach Volatilitätsverhältnis kleiner oder größer Ausfallen kann, läufst du Gefahr den Umkehrpunkt komplett zu verpassen (bei Annäherung der Volatilitäten) bzw. viel zu früh antizyklisch zu gehen (größer werdene Volatilitätsunterschiede). Eine mögliche Alternative zum festen Schwellenwert wäre es vielleicht das Momentum des Gaps zu beobachten und antizyklisch zu gehen, wenn es signifikant kleiner wird.

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Posted · Edited by Smartinvestor

Die absolute Grundlage sind die in den verschiedenen Teilmärkten immer und ewig wiederkehrenden Mean Reversion und Momentum Zyklen, deren Umkehrpunkte meine Strategie zu finden und zu traden versucht. Klaro?

Das habe ich schon verstanden, allerdings sehe ich Mean Reversion und Momentum eher als Symptome und nicht als eine Art "Naturgesetz". Aufgrund dessen sollte man die darunterliegenden Ursachen untersuchen um zu bewerten wie nachhaltig die Strategie ist. Momentum im langfristigen Maßstab würde ich auf menschliche Angst und Gier zurückführen und dürfte damit nachhaltig gesichert sein. Bei Mean Reversion wäre ich mir da nicht so sicher und deswegen wollte ich deine These für deren Ursache wissen. Meine Vermutung diesbezüglich sieht wie folgt aus:

 

Viele westliche Investoren weiten ihr Anlageuniversum bei guter Weltkonjuktur aus, ziehen sich bei einer deutlichen Abschwächung derselben aber auch schnell wieder zurück. Aufgrund dessen haben die EM eine wesentlich höhere Volatilität, folgen aber grundsetzlich dem selben Zyklus wie die entwickelten Länder. Der Gap zwischen DM und EM ist daher in erster Linie von den unterschiedlichen Volatilitäten geprägt und erreicht sein Mini-/Maximum genau dann, wenn auch die Kurse ihr Mini-/Maximum erreichen.

 

Das Problem, dass sich aus meiner Sicht daraus für deine Strategie erwächst besteht darin, dass du mit einem festen Schwellenwert agierst. Da aber der Gap je nach Volatilitätsverhältnis kleiner oder größer Ausfallen kann, läufst du Gefahr den Umkehrpunkt komplett zu verpassen (bei Annäherung der Volatilitäten) bzw. viel zu früh antizyklisch zu gehen (größer werdene Volatilitätsunterschiede). Eine mögliche Alternative zum festen Schwellenwert wäre es vielleicht das Momentum des Gaps zu beobachten und antizyklisch zu gehen, wenn es signifikant kleiner wird.

Interessante Gedankenanstöße. thumbsup.gifWerde ich über die Feiertage mal drüber nachdenken, wie sich Volatilitätsunterschiede auf meine Strategie auswirken können bzw wie ich letztere mit einem besseren Verständnis der ersteren verbessern kann. Bislang ging ich davon aus, dass Volatilitätsunterschiede zwar die Entry- und Exitpunkte zeitlich "verschmieren", wie es größere Volatilität eben ganz allgemein schwieriger macht, die Trendumkehrpunkte "präzise" zu bestimmen, aber diese nicht grundsätzlich verschiebt, da Volatilitätsunterschiede nur kurzfristig (Woche/Monate) wirken, ich aber ausschließlich mittel- bis langfristige Trends trade (Jahre). Meine Strategie hat quasi einen Tiefpassfillter für die relativ hochfrequente Vola eingebaut und müsste damit doch deren Einfluss eliminieren. Ist das aus deiner Sicht schlüssig?

 

Dieses "Verschmieren" wirkt sich gerade aktuell leider sehr stark durch den "doppelten Trump- und Zins-Test" auf meine aktuelle Position EM long / S&P500 short aus: Durch Trump und Zinserhöhung ist die Vola stark angestiegen, was scheinbar einen Abbruch der Anfang des Jahren von meiner Strategie detektierten Trendumkehr bewirkt. Ist zwar emotional "anspruchsvoll", aber ich bin bis jetzt (noch) nicht vom Glauben an meine Strategie bzgl. diese Position abgefallen. Schaun wir mal, ob der von mir angenommene kurzfristige negative Vole-Einfluss oder meine Nerven länger durchhalten. Ich hoffe, dass ich nicht (nur) auf Basis zweifellos vorhandener Overconfidence (noch) von letzterem ausgehe. Zum Glück bin ich beruflich sehr stark positiv abgelenkt, s.o., um mir darüber zu viele Sorgen zu machen. Wenn meine aktuelle Trading-Position da unbeschadet rauskommt, werde ich das vielmehr als starke Validierung derselben ansehen. Unterliege ich da Overconfidence? unsure.gif

 

Die vollen theoretischen Grundlagen zu meiner Theorie findest du hiert: Value and Momentum Everywhere - NYU Stern School of Business.

Habe ich auch weiter oben im Thread schon mehrfach zitiert. Hast du das gefunden und die wesentlichen Beschreibungs-Posts meiner Strategie schon gelesen? Im wesentlichen sind es nur diese 4 Posts: #44, #47, #61, #72.

Meine Strategie speist sich m.E. hauptsächlich aus starken zyklischen relativen Bewertungsunterschieden (z.B. CAPE) zwischen Marktsegmenten, die offensichtlich sehr nachhaltig durch behavioral Momentum getrieben immer wieder auftreten und die jetzt z.B. bei EM (um CAPE = 14) und USA (ca. 25) maximal sind, siehe hier und How Are Harvard and Yale Investment Recommendations Performing?, und dann wieder durch Mean Reversion verschwinden. Das sieht auch Swensen so, siehe meine Signatur: "Regression zum Durchschnitt, einer der mächtigsten Einflussfaktoren in der Finanzwelt, erklärt die Neigung zur Umkehrung von Erfolg und Misserfolg", D. Swensen, Yale Endowment Fund.

 

Meine dem zugrundeliegende Trading-Philosophie vielleicht ganz kurz gefasst: Ich glaube, dass primär behavioral getriebenes Momentum zu den Bewertungs-Über- und -Untertreibungen in unterschiedlichen Marktsegmenten führt. Diese Bewertungsunterschiede bauen eine Rückstellkraft auf (wie bei einer gespannten Feder oder einem ausgelenkten Pendel), das irgendeinen vermutlich zufälligen Trigger braucht, um ausgelöst zu werden. Damit setzt dann zuverlässig Mean Reversion ein, das dann nach Jahren allmählich wieder in behavioral-getriebenes Momentum übergeht. Und das Ganze beginnt von vorne....

Noch kürzer gefasst:

1) behavioral getriebenes Momentum -> 2) große Bewertungsunterschiede (Value/CAPE) -> 2) zufälliges Event löst Trendumkehr aus -> 3) charttechnische Detektion deselben -> 4) Entry/Exit/long-short Pos. umdrehen -> 5) Mean Reversion -> Goto 1) ... Wie Ebbe und Flut, Boom and Bust, Ying and Yang, Tag und Nacht, ... Für mich ein ehernes Naturgesetz, das man "nur" so gut wie möglich verstehen und die (leider) variablen Umkehrpunkte mit Perioden von 3 - 15 Jahren detektieren muss. So easy, no?

Die Rückstellkraft durch Bewertungsunterschiede ist dabei am Trendumkehrpunkt maximal. Dadurch erfolgen Kursänderungen um und insbes. nach dem Umschlagpunkt i.d.R. sehr heftig, was natürlich die Volatilität erhöht und die Detektion der Umschlagpunkte mittels Charttechnik schwierig macht. So verstehe ich deinen Concern zur Vola. Korrekt?

Das Ganze müsste m.E. relativ unabhängig von Wirtschaftszyklen sein, denn behavioral Momentum wirkt rel. unabhängig davon. Diesen Concern von dir sehe ich daher hier also nicht. Einen Einfluss können die Wirtschafts- und Finanzkrisen jedoch als Trigger haben, die Mean Reversion bzw. Trendumkehr auslösen. Das konnte gerade in den letzten beiden Krisen 2002 und 2008/09 beobachtet werden z.B. anhand EM/S&P500.

 

Folgende Kandidaten beobachte ich auch noch charttechnisch, da sie mit aktuell hohen relativen Bewertungsunterschieden m.E. kurz vor der Trendwende stehen: S&P500/EAFE (siehe dazu auch hier), MDAX/DAX (siehe dazu Performance review February 2014 – Comment “Is small still beautiful ?” bzw. hier und hier, wo ich das in einer emotional relativ "aufgeladenen" Diskussionsatmosphäre zu beschreiben versuche; lass mich mal wissen, ob das so Sinn macht, wie ich es dort sehe in Bezug auf "Faktoren" mit "erweitertem" Verständnis von Fama French; vielleicht kannst du auch dort einen Kommentar abgeben, es gibt dort sehr gegensätzliche Sichten, die z.T. "todernst" verteidigt werden wink.gif). Stettler hatte in seinem "Thread" ein Chart über die Entwicklung relativer CAPE-Bewertungsunterschiede dargestellt aber hat leider alles dazu ohne einen Kommentar komplett wieder gelöscht. Finde das jetzt leider nicht mehr im Internet. Vielleicht findest du das wieder. Das war jedenfalls ein wesentlicher Impuls für die Entwicklung meiner Strategie. Bin echt sehr sauer, dass er das vor kurzem alles gelöscht hat. Ist kein guter Stil. mad.gif Aber er wird seine Gründe haben, z.B. Strategieschutz, wer weiß ...?

 

Was meinst du mit "Momentum des Gaps"? Ich habe danach gegoogelt aber m.E. nix wirklich relevantes gefunden, was du wahrscheinlich meinst. Dies meinst du nicht, oder? Vielleicht dieses The Momentum Gap and Return Predictability? Ich ahne es zwar, aber lass mich bitte deine Definition von "Momentum des Gaps" wissen, am besten mit Beispiel.

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Posted · Edited by Limit

Interessante Gedankenanstöße. thumbsup.gifWerde ich über die Feiertage mal drüber nachdenken, wie sich Volatilitätsunterschiede auf meine Strategie auswirken können bzw wie ich letztere mit einem besseren Verständnis der ersteren verbessern kann. Bislang ging ich davon aus, dass Volatilitätsunterschiede zwar die Entry- und Exitpunkte zeitlich "verschmieren", wie es größere Volatilität eben ganz allgemein schwieriger macht, die Trendumkehrpunkte "präzise" zu bestimmen, aber diese nicht grundsätzlich verschiebt, da Volatilitätsunterschiede nur kurzfristig (Woche/Monate) wirken, ich aber ausschließlich mittel- bis langfristige Trends trade (Jahre). Meine Strategie hat quasi einen Tiefpassfillter für die relativ hochfrequente Vola eingebaut und müsste damit doch deren Einfluss eliminieren. Ist das aus deiner Sicht schlüssig?

Die Volatilität wirkt aber nicht nur kurzfristig. Bei zwei hochkorrelierten Werten und bei Vorhandensein eines eindeutigen Trends wird der volatilere Wert immer auch auf langfristige Sicht stärker schwanken. Und diese langfristige Schwankung willst du nicht herausfiltern, denn genau diese erzeugt bei deiner Strategie den Gewinn.

 

Als extremes Beispiel könnte man die Kombination DAX und gehebelten DAX (nennen wir ihn 2DAX) betrachten. Während der Hausse wird sich ein Gap bilden, denn der 2DAX wird doppelt so schnell steigen wie der DAX. Sobald sich der Markt dreht, kehrt sich das ganze um. Ein Schwellenwert auf Basis des Gaps ließe sich in diesem Beispiel auf einen einfachen DAX Anstieg / Verlust umrechen. Kosten und Zinsen unbetrachtet gelassen würde man in diesem Beispiel die gleiche Performance erhalten, wenn man in der Hausse nur den DAX halten würde und ihn beim erreichen des Schwellenwerts durch den ShortDAX ersetzt.

 

Ich möchte nicht behaupten, dass es bei anderen Kombinationen wie US/EM nicht noch zusätzliche Faktoren gibt, denn diese sind im Gegensatz zu meinem Beispiel nicht "mechanisch" aneinander gekoppelt. So würden Investoren, die nach unterbewerteten Märkten suchen dem Wachstum des Gaps entgegenwirken. Genau so gibt es unterschiedliche Erwartungswerte und die Korrelation ist natürlich auch nicht so hoch wie im Beispiel, aber diese zusätzlichen Faktoren bergen auch zusätzliche Unsicherheiten. So könnte eine Abkehr von der Globalisierung z.B. die Märkte wieder stärker außeinander driften lassen.

 

Dieses "Verschmieren" wirkt sich gerade aktuell leider sehr stark durch den "doppelten Trump- und Zins-Test" auf meine aktuelle Position EM long / S&P500 short aus:

Dieses "Verschmieren" könnten sicherlich an der Volatilität hängen, es könnte aber auch an einer zumindest zeitweise nachgelassenen Korrelation liegen. So liegt die langfristige Korrelation DM/EM bei > 0.8. Eine Delle gab es wegen der Asienkrise Ende der 90er. Zuletzt ist die Korrelation aber bis unter 0.2 gefallen. Stimmt meine obige Vermutung, wäre es bei einer so deutlich niedrigeren Korrelation reine Glückssache, ob du mit der Strategie einen Gewinn erwirtschaftest.

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Die vollen theoretischen Grundlagen zu meiner Theorie findest du hiert: Value and Momentum Everywhere - NYU Stern School of Business.

Das Paper habe ich mir mal ausgedruckt und werde es die nächsten Tage mal durchlesen.

 

Habe ich auch weiter oben im Thread schon mehrfach zitiert. Hast du das gefunden und die wesentlichen Beschreibungs-Posts meiner Strategie schon gelesen? Im wesentlichen sind es nur diese 4 Posts: #44, #47, #61, #72.

Die Posts habe ich durchgelesen und ich stimme auch zu, dass Momentum und Mean Reversion zu ausnutzbaren Ineffizienzen führen, nämlich den allseits bekannten Unter-/Übertreibungen. Ich habe aber Zweifel, dass deine Strategie diese zielgerichtet ausnutzt.

 

Meine Strategie speist sich m.E. hauptsächlich aus starken zyklischen relativen Bewertungsunterschieden (z.B. CAPE) zwischen Marktsegmenten, die offensichtlich sehr nachhaltig durch behavioral Momentum getrieben immer wieder auftreten und die jetzt z.B. bei EM (um CAPE = 14) und USA (ca. 25) maximal sind, siehe hier und How Are Harvard and Yale Investment Recommendations Performing?, und dann wieder durch Mean Reversion verschwinden. Das sieht auch Swensen so, siehe meine Signatur: "Regression zum Durchschnitt, einer der mächtigsten Einflussfaktoren in der Finanzwelt, erklärt die Neigung zur Umkehrung von Erfolg und Misserfolg", D. Swensen, Yale Endowment Fund.

 

Meine dem zugrundeliegende Trading-Philosophie vielleicht ganz kurz gefasst: Ich glaube, dass primär behavioral getriebenes Momentum zu den Bewertungs-Über- und -Untertreibungen in unterschiedlichen Marktsegmenten führt. Diese Bewertungsunterschiede bauen eine Rückstellkraft auf (wie bei einer gespannten Feder oder einem ausgelenkten Pendel), das irgendeinen vermutlich zufälligen Trigger braucht, um ausgelöst zu werden. Damit setzt dann zuverlässig Mean Reversion ein, das dann nach Jahren allmählich wieder in behavioral-getriebenes Momentum übergeht. Und das Ganze beginnt von vorne....

Noch kürzer gefasst:

1) behavioral getriebenes Momentum -> 2) große Bewertungsunterschiede (Value/CAPE) -> 2) zufälliges Event löst Trendumkehr aus -> 3) charttechnische Detektion deselben -> 4) Entry/Exit/long-short Pos. umdrehen -> 5) Mean Reversion -> Goto 1) ... Wie Ebbe und Flut, Boom and Bust, Ying and Yang, Tag und Nacht, ... Für mich ein ehernes Naturgesetz, das man "nur" so gut wie möglich verstehen und die (leider) variablen Umkehrpunkte mit Perioden von 3 - 15 Jahren detektieren muss. So easy, no?

Hier sehe ich eine Diskrepanz zwischen was du umsetzen willst und was deine Strategie tut. Der Gap zwischen EM und USA entsteht mMn nicht dadurch, dass sie sich grundsätzlich unterschiedliche entwickeln (langfristige Korrelation der letzten 20J ungefähr 0.85), sondern dadurch, dass die Ausschläge der EM einfach nur größer sind. Dafür würde auch sprechen, dass die Gaps und die Entwicklung des Gesamtmarktes stark korrelieren. Das an sich wäre kein Problem, würde aber dann zu einem, wenn entweder die Korrelation nachlässt (wie zur Zeit) oder sich die Volatilitäten angleichen, dann hättest du ein Nullsummenspiel.

 

Die Rückstellkraft durch Bewertungsunterschiede ist dabei am Trendumkehrpunkt maximal. Dadurch erfolgen Kursänderungen um und insbes. nach dem Umschlagpunkt i.d.R. sehr heftig, was natürlich die Volatilität erhöht und die Detektion der Umschlagpunkte mittels Charttechnik schwierig macht. So verstehe ich deinen Concern zur Vola. Korrekt?

Das ist nur ein nachrangiges Problem das ich sehe. In deinem Vergleich wäre das wohl eine Feder, deren Härte man nicht kennt. Man weiß also nicht, wie stark man sie ausdehen kann bevor sie zurückschnellt. Die o.g. Probleme sind aber wesentlich fundamentaler und wichtiger.

 

Das Ganze müsste m.E. relativ unabhängig von Wirtschaftszyklen sein, denn behavioral Momentum wirkt rel. unabhängig davon.

Das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Das Momentum kommt meinem Verständnis nach dann zum tragen, wenn die Kursentwicklung und die Entwicklung der Fundamentaldaten anfängt sich auseinander zu bewegen, sprich steigende Kurse beruhen nicht mehr auf besseren Fundamentaldaten, sondern hauptsächlich nur noch auf sich selbst (Momentum). Dieses Auseinanderdriften läutet den Anfang vom Ende des Booms ein. Entsprechend umgekehrt gilt das gleiche für den Abschwung.

 

lass mich mal wissen, ob das so Sinn macht, wie ich es dort sehe in Bezug auf "Faktoren" mit "erweitertem" Verständnis von Fama French; vielleicht kannst du auch dort einen Kommentar abgeben, es gibt dort sehr gegensätzliche Sichten, die z.T. "todernst" verteidigt werden

Von den sog. Faktoren habe ich leider nicht viel Ahnung. Beim Small-Faktor würde ich als Ursache einfach auf Volatilitätsprämie tippen in Verbindung mit einer gewissen Trägheit bei großen Konzernen (viele lukrativen Geschäftsfelder sind zu klein für riesige Konzerne, vgl. z.B. dt. Mittelstand).

Bei Value weiß ich z.B. nicht so recht, woher der Bonus kommt. Vielleicht eine durch Value-Investoren verursachte selbsterfüllende Prophezeiung. Oder es könnte einfach daran liegen, dass Value-Aktien als sicherer gelten und Investoren deshalb bereit sind einen Bonus zu zahlen. Schließlich gibt es auch genügend Investoren die ihr Geld in Anleihen mit negativer Rendite stecken. Das ist allerdings alles nur reine Spekulation, irgendwelche harten Fakten habe ich dazu nicht.

 

Was meinst du mit "Momentum des Gaps"?

Das ist ein Begriff der mir spontan eingefallen ist ^_^ um folgendes zu umschreiben: Du könntest die Wachstumsrate des Gaps beobachten (1. Ableitung). Solange sie konstant oder steigend ist, besteht keine Gefahr für eine Trendumkehr (schwarze Schwäne mal ausgenommen). Sobald die Wachstumsrate sinkt (trotz weiter steigender Kurse) ist aber Vorsicht geboten. Auf den eigentlichen Kurs angewendet ist dieser Indikator meist zu unzuverlässig, aber vielleicht funktioniert er beim Gap besser, denn die generelle Volatilität wird ja durch die markt-neutrale Strategie teilweise herausgefiltert.

 

Puh, das dürfte mein bisher längster Post hier gewesen sein. Mit Sicherheit ist es der, an dem ich am längsten geschrieben habe.

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Posted · Edited by Smartinvestor

Was meinst du mit "Momentum des Gaps"?

Das ist ein Begriff der mir spontan eingefallen ist ^_^ um folgendes zu umschreiben: Du könntest die Wachstumsrate des Gaps beobachten (1. Ableitung). Solange sie konstant oder steigend ist, besteht keine Gefahr für eine Trendumkehr (schwarze Schwäne mal ausgenommen). Sobald die Wachstumsrate sinkt (trotz weiter steigender Kurse) ist aber Vorsicht geboten. Auf den eigentlichen Kurs angewendet ist dieser Indikator meist zu unzuverlässig, aber vielleicht funktioniert er beim Gap besser, denn die generelle Volatilität wird ja durch die markt-neutrale Strategie teilweise herausgefiltert.

 

Puh, das dürfte mein bisher längster Post hier gewesen sein. Mit Sicherheit ist es der, an dem ich am längsten geschrieben habe.

Ganz herzlichen Dank für dein effort !!! thumbsup.gifthumbsup.gifthumbsup.gif

Ich weiß das sehr zu schätzen und gebe mir gewõhnlich auch meist große Mühe, all meine relevanten Gedanken in Worte und entspr. lange Texte zu fassen. Man erntet damit hier allerdings oft die Kritik des Geschwurbels so nach dem Prinzip " in der Kürze stecke doch die Würze". Aber entspr. ultrakurze Beitrâge im Telegramstil führen dann oft zu vielen Missverständnissen und den unsinnigsten Eskalationen, weil man meeilenweit aneinander vorbeischreibt. Ich meine, dass man sehr komplexe Themen wie diese hier nur mit entspr. hoher Komplexität und damit hohem Wortumfang auf Expertenniveau diskutieren kann,da nur dann eine realistische Chance besteht, dass etwas dabei ist, was beim anderen einigermaßen ähnlich ankommt, wie vom Schreiber gedacht, da jeder einen sehr unterschiedlichen Background hat. Kurzfassungen auf executive summary level sind natürlich am wertvollsten, aber leider erst zum Abschluss einer Diskussion möglich, wenn ein gemeinsames Verstândnis unter den Diskutanten nach ausführlicher Detaildiskussion hergestellt ist. Aber selbst das ist meist nicht möglich oder wenn doch endet es in der Bildung unseliger Dogmen, wie dem, dass man durch aktives Anlegen oder Traden als Privatanleger keine Outperformance erzielen kann. Ich persönlich sehe das ganz und gar nicht so und meine es auch mit meiner Basis-Anlagestrategie hier (bislang erst ganz grob näherungsweise) nachgewiesen zu haben. Und jetzt will ich genau dieses aus meiner Basisstrategie gewonnene Know How hier öffentlich nachvollziehbar noch profitabler hebeln. Wie siehst du das so?

 

Deine umfassende Antwort ist jedenfalls eine hervorragende Grundlage für mich, um über die Feiertage nochmal alles kritisch zu hinterfragen, bevor ich weitere Comittments eingehe.

 

Nochmal zu dem Gap: wie würdest du den mathematisch ausdrücken? z.B. einfach der USD-Wert bzw. gewichtete Preisdifferenz meiner (aktuellen) Long-Short Position:

 

Gap = 5 x EM - 2 x S&P500 ?

 

d.h.

 

Momentum des Gaps = d Gap / d t ?

 

Müsste man wahrscheinlich noch glätten mit gleitendem Durchschnitt. Welcher wäre dafür geeignet? Bitte um Bestätigung oder Korrektur bzw. Ergänzung. Dann berechne ich das mal.

 

Bin dann mal gespannt, was DU aus "Value and Momentum everywhere" schließt und ob du das Paper in meiner Strategie richtig umgesetzt siehst. Mein Ansatz ist sehr schlicht und einfach der, dass ich bei meiner Basis-Anlagestrategie fortlaufend fast 18 Jahre lang diese "Pendel-Bewegungen" zwischen den Märkten beobachtet und durch optimiertes Schwellwert-getriggertes Rebalancing in 100% der großen "Rebalancing Events" sehr vorteilhaft genutzt habe, siehe auch hier. Natürlich ist alles in den Märkten hoch Zufalls- und Event-getrieben. Und es zeigen ja auch nicht alle Märkte diese zyklischen Bewertungsunterschiede untereinander. Aber ich habe das eben zumindest bei den o.a. sehr ausgeprägt beobachtet - reine Empirie also - und ich frage mich, warum soll das plötzlich bei allen aufhören, wo das Jahrzente-lang funktioniert hat, sogar schon zu Bogles aktiven Zeiten, s.o.? Qualitativ sehe ich als Gründe unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen, wie sie ja aktuell zwischen USA (Boom) und EM (große Probleme in China, Russland, ....) bzw. USA und Europa (Gr/It/Sp, UK, Euro, Flüchtlinge, Rechtspopulismus, ...) nicht zu übersehen sind. Beim MDAX/DAX ist es das Momentum an sich, das das Momentum schon sehr lange treibt, die "smallen" Nebenwerte in D sind seit ca. 15 Jahren "in", vermutlich wegen deren gigantischen Exporterfolgen, aber diese Mode wird bald drehen, da Bewertung MDAX/DAX = 2/1. Dieser Size-Effekt ist aber von Markt zu Markt sehr unterschiedlich ausgeprägt. Des weiteren suche ich noch nach der besten Kombination mit Pazific ohne Japan, denn die Region hat auch eine sehr "eigene" Entwicklung. Vermutlich sind die Bewertungsunterschiede auch mit USA am größten. Insgesamt könnte man auch USA/EAFE nehmen. Ansonstne

 

Im Gegensatz zu dir glaube ich, dass für das Funktionieren meiner Strategie gerade eine möglichst niedrige (mittelfristige) Korrelation (im Bereich 3 - 10 Jahre) sehr förderlich und DIE primär treibende Kraft ist, denn die führt genau zu den wertvollen Bewertungsdifferenzen, die sich regelhaft zyklisch bilden und wieder ins Gegenteil verkehren. Das sehe ich sogar als besonderen "Sweet Spot" an, dass meine Strategie ein Zeitfenster von ca. 3-10 Jahren tradet, wo die Korrelation ein Minimum hat, eben auf Basis von Value-, Momentum- und Mean Reversion-Effekten. Außerdem wird dieses Zeitfenster (noch) nicht so dermaßen massenhaft und hoch gehebelt getradet, was dem "pick the right table" beim Pokern entspricht, d.h. für uns Kleine auskömmlich profitabel tradeable inefficiencies lässt. Bei kürzeren Zeitfenstern und insbesondere bei starken "Events" oder "schwarzen Schwänen" wird die Korr. wieder größer und sogar fast 1 durch die globale Synchronisierung der Finanzmärkte und Wirtschaft. Daher ist Daytrading für Amateure m.E. Zeitverschwendung oder gerade so "Mindestlohnarbeit im Akkord" und lohnt sich nur für absolute Profis wie z.B. Renaissance Techn., die dieses kurzfristige Zeitfenster perfektioniert vollständig ausbeuten, sodass für uns kleine nichts nennenswertes mehr übrig bleibt. Und bei sehr langen Zeitfenstern ist die Korr. ebenfalls sehr hoch, aber in dem Fall durch die ausgleichende Wirkung von Mean Reversion. Dieses 3-geteilte Korrelationsverhalten ist m.E. sehr gut in folgendem sehr langfristigen Diagramm von 3 Weltregionen zu sehen (für EM gibt es leider nicht so langfristige Datenreihen):

 

post-33395-0-68539800-1482100777_thumb.jpg

 

Leider ist die mittelfristige Korrelation insgesamt seit ca. 2008 deutlich größer geworden. Aber jetzt mit Trump besteht m.E. wieder größere Hoffnung auf kleinere mittelfristige Korrelation als primärer Profittreiber meiner Strategie. Ich erwarte nach einem sehr kurzen Trump-Strohfeuer ein ähnlich erbärmliches und sich lang hinschleppendes Nachspiel wie in Berlusconis Italien. Na ja, höchstens 1 Amtszeit lang, wenn er s nicht so übertreibt wie Berlusconi zum Schluss. Aber solche Leute sind extrem Overconfidence gefährdet und dann könnte die Weltgemeinschaft zusammenrücken wie die EU bei Berlusconi ... Auf dieser Basis wird das Pendel sehr bald in Richtung EM und EAFE für ein paar Jahre zurückschwingen und vermultich wieder überschwingen zur tradergerechten "Vorbereitung" der übernächsten Trendumkehr. Da ich plane, so 6-8 Märkte bzw. 3-4 Kombinationen mit meiner Strategie zu handeln, gehe ich von einer "Erfolgsquote" von 75% aus. D.h. ich gehe davon aus, dass das bei 1 von 3 oder 4 Kombinationen nicht hinhaut und ich mit 0/0 plus sehr überschaubaren Tradingkosten wieder vom Poker Table gehen muss. Das war mein rein empirischer Stand vor Lesen von "Value and Momentum everywhere". Seit dessen Lesen bin ich zusätzlich davon überzeugt, dass diese beobachteten Effekte wissenschaftlich fundiert nachhaltig sind auf Basis der zusammenwirkenden Value- und Momentum-Effekte, die immer wieder in ausgeprägten profitabel tradeable Mean Reversions münden. M.W. schreiben die Autoren auch etwas von 70-80 % Erfolgswahrscheinlichkeit, was meiner persönl. Einschätzung entspricht.

 

Noch ein Punkt zu deinem "mittelfristigen Volatilitätseinfluss", der sich mit meinen Mean Reversion-Effekten schneiden oder die zumindest sehr verfälschen soll. Ja, EM haben eine deutlich höhere Vola, die sehr langfristig (vermutlich, aber nach Bogle eher wieder nicht) eine Vola- oder Risikoprämie ergeben kann. Mittelfristig dürfte das nicht den von dir befürchteten Einfluss haben, denn wie wären sonst die ausgeprägten Mean Reversion Phasen erklärbar, wo das Pendel von EM in Richtung USA ausschlägt, wie ab 2010? Die Wirtschaft läuft weltweit aber seitdem insgesamt nicht schlecht, Aktienmärkte auch. EM haben auch jetzt eine deutlich höhere Vola als USA ABER underperformen die seit 2010. Das widerspricht m.E. deiner Hypothese des neg. Vola-Einflusses auf meine Strategie, oder? Aufgrund welcher Zusammenhänge glaubst du an einen mittelfristig (3-10 Jahre) sich mit meiner Strategie überscheidenden Vola-Einfluss? Ich kann das nicht nachvollziehen.

 

Bin auf deine Kommentare wieder sehr gespannt. Aber erst mal angenehme Lektüre des Value/Momentum Papers! Was hast du für einen berufl. Background? Vielen Dank auch, dass du die Diskussion hier wieder angefacht hast. thumbsup.gif Da macht alles nochmal soviel Spaß.

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Posted · Edited by Limit

Nochmal zu dem Gap: wie würdest du den mathematisch ausdrücken? z.B. einfach der USD-Wert bzw. gewichtete Preisdifferenz der Long-Short Position Gap = 5 x EM - 2 x S&P500?

Wenn man sich eine gleichgewichtete Long-Short Position betrachtet wäre der resultierende Kurs der Gap. Wie stark du die beiden gewichtest würde erst einmal keine Rolle spielen, da der Indikator nur die Wachstumsrate im Laufe der Zeit beobachtet. Die Wachstumsrate wäre hier die Steigung oder mathematischer die 1. Ableitung (sehr ähnlich dem Momentum-Indikator). Man untersucht wie schnell sich der Gap öffnet. Kurz vor einer Trendwende beschleunigt sich das Wachstum nochmal (Euphorie / Übertreibung) um dann abrupt abzubremsen (Top Bildung). Bei Aktienkursen funktioniert der Indikator eher schlecht als recht, da man jederzeit Gefahr läuft die Volatilität "einzufangen", die die blöde Eigenschaften hat immer genau dann auszuschlagen, wenn's interessant wird. Bei einer marktneutralen Strategie sieht das vielleicht anders aus. Dabei sei hier nochmal erwähnt, dass ich den Verdacht hege, dass deine marktneutrale Strategie wegn der starken Korrelation weniger marktneutral ist als du denkst.

 

Mein Ansatz ist sehr schlicht und einfach der, dass ich bei meiner Basis-Anlagestrategie fortlaufend fast 18 Jahre lang diese "Pendel-Bewegungen" zwischen den Märkten beobachtet und durch optimiertes Schwellwert-getriggertes Rebalancing in 100% der großen "Rebalancing Events" sehr vorteilhaft genutzt habe.

Sofern die Korrelation und die Volatilität weiterhin im gleichen Rahmen wie in den letzten 18 Jahren bleiben spricht nichts dagegen, dass deine Strategie auch weiterhin funktioniert. Der Haken ist, zumindest bei US/EM, dass die Korrelation seit der Finanzkrise deutlich gesunken ist (0.85 über die letzten 25 Jahre, 0.2 mit weiterhin sinkender Tendenz in den letzten 5 Jahren). Ob das nur ein temporärer Ausrutscher ist oder eine nachhaltige Entwicklung ist schwer zu sagen, solange man die Ursache nicht genau benennen kann.

 

Natürlich ist alles in den Märkten hoch Zufalls- und Event-getrieben. Und es zeigen ja auch nicht alle Märkte zueinander diese zyklischen Bewertungsunterschiede. Aber ich habe das eben zumindest bei den o.a. sehr ausgeprägt beobachtet - reine Empirie also - und ich frage mich, warum soll das plötzlich bei allen aufhören, wo das Jahrzente-lang funktioniert hat, sogar schon zu Bogles aktiven Zeiten? Qualitativ sehr ich als Gründe unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen, wie sie ja aktuell zwischen USA und EM bzw. USA und Europa nicht zu übersehen sind. Beim MDAX/DAX ist es Momentum das das Momentum schon sehr lange treibt, die "smallen" Nebenwerte in D sind seit ca. 15 Jahren "in", vermutlich wegen deren gigantischen Exporterfolgen, und diese Mode wird bald drehen. Diese Size-Effekte sind aber von Mart zu Markt sehr unterschiedlich. Des weiteren suche ich noch nach der besten Kombination mit Pazific, denn die Region hat auch eine sehr "eigene" Entwicklung.

Das sehe ich anders. Meiner Meinung nach werden die von dir beobachteten Zyklen zum aller größten Teil einfach durch den Konjunkturzyklus getrieben. Das muss nichts schlechtes sein, sofern dein Indikator dessen Wendepunkte mit ausreichender Sicherheit trifft.

 

Im Gegensatz zu dir glaube ich, dass für das Funktionieren meiner Strategie gerade eine möglichst niedrige Korrelation sehr förderlich ist. Das sehe ich sogar als besonderen "Sweet Spot" an, dass meine Strategie ein Zeitfenster von ca. 3-10 Jahren tradet, wo die Korrelation ein Minimum hat, eben aus Value-, Momentum- und Mean Reversion-Effekten.

Dagegen spricht, dass die langfristige Korrelation (>=20J) der von dir genannten Kombinationen hoch ist (DAX/MDAX 0.98, US/EAFE 0.95, US/Pacific 0.92, US/EM 0.85). Es gibt zwar zwischenzeitliche Delle bei der 5J-Korrelation. Bei US/EAFE war das Anfang 90er während des Jugoslawienkriegs, bei US/Pacific war das einmal Mitte der 80er wg. Japan und Ende 90er wg. Asienkrise und bei US/EM auch Ende 90er wg. Asienkrise und jetzt wieder wg. ?!?!? Ende der Globalisierung? Erreichen einer Wachstumsschwelle? Geldschwämme der westlichen Notenbanken? kA.

 

Bei kürzeren Zeitfenstern und insbesondere bei starken "Events" wie "schwarzen Schwänen" wird sie wieder größer durch die globale Synchronisierung, und bei sehr langen Zeiträumen ebenfalls, aber in dem Fall durch Mean Reversion. Dieses Korrelationsverhalten ist m.E. sehr gut in folgendem sehr langfristigen Diagramm von 3 Weltregionen zu sehen (für EM gibt es nicht so langfristige Datenreihen):

Bei dem Graphen sehe ich im Prinzip nichts anderes als das oben beschriebe – einige wenige signifkante Ausnahmen ausgelöst durch regionale Ereignisse, aber ansonsten eine hohe Korrelation. Um niedrige Korrelation zu erhalten, würde ich mal Aktien vs. Staatsanleihen betrachten oder Branchenindizes z.B. Health Care / Konsumgüter vs. Industrie / Chemie oder Europa vs. Japan oder Aktien vs. Gold.

 

Was hast du für einen berufl. Background?

Ich bin Informatiker. Zu den Strategien bin ich erst Anfang des Jahres gekommen. Zuerst habe ich einfach nur eine Software geschrieben um Performance-Kennzahlen meines Depots zu berechnen. Spaßeshalber habe ich es dann um ein Backtest-Modul erweitert und um das zu testen, brauchte ich Strategien, die sich algorithmisch umsetzen ließen.

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Posted · Edited by Smartinvestor

Wenn man sich eine gleichgewichtete Long-Short Position betrachtet wäre der resultierende Kurs der Gap. Wie stark du die beiden gewichtest würde erst einmal keine Rolle spielen, da der Indikator nur die Wachstumsrate im Laufe der Zeit beobachtet. Die Wachstumsrate wäre hier die Steigung oder mathematischer die 1. Ableitung (sehr ähnlich dem Momentum-Indikator). Man untersucht wie schnell sich der Gap öffnet. Kurz vor einer Trendwende beschleunigt sich das Wachstum nochmal (Euphorie / Übertreibung) um dann abrupt abzubremsen (Top Bildung). Bei Aktienkursen funktioniert der Indikator eher schlecht als recht, da man jederzeit Gefahr läuft die Volatilität "einzufangen", die die blöde Eigenschaften hat immer genau dann auszuschlagen, wenn's interessant wird. Bei einer marktneutralen Strategie sieht das vielleicht anders aus. Dabei sei hier nochmal erwähnt, dass ich den Verdacht hege, dass deine marktneutrale Strategie wegn der starken Korrelation weniger marktneutral ist als du denkst.

Werd ich mal testen.

 

Sofern die Korrelation und die Volatilität weiterhin im gleichen Rahmen wie in den letzten 18 Jahren bleiben spricht nichts dagegen, dass deine Strategie auch weiterhin funktioniert. Der Haken ist, zumindest bei US/EM, dass die Korrelation seit der Finanzkrise deutlich gesunken ist (0.85 über die letzten 25 Jahre, 0.2 mit weiterhin sinkender Tendenz in den letzten 5 Jahren). Ob das nur ein temporärer Ausrutscher ist oder eine nachhaltige Entwicklung ist schwer zu sagen, solange man die Ursache nicht genau benennen kann.

Da die Bandbreite der Kennzahlen in den letzten 18 Jahren ja nicht gerade klein war, müsste das doch bedeuten, dass diese Effekte sehr robust sind. Ich habe das auch seit 2000 bis jetzt backtestet und habe ene sehr gleichmäßige Performance über den Zeitraum erzielt. Und wie gesagt glaube ich, dass die Korrelationen für eine hohe Rendite meiner Strategei so niedrig wie möglich sein sollten. Also alles doch gute Voraussetzungen für Profitabilität meiner Strategie, oder?

 

Das sehe ich anders. Meiner Meinung nach werden die von dir beobachteten Zyklen zum aller größten Teil einfach durch den Konjunkturzyklus getrieben. Das muss nichts schlechtes sein, sofern dein Indikator dessen Wendepunkte mit ausreichender Sicherheit trifft.

Na dann passt es ja auch, solange sich die Konjunkturzyklen ausreichend unterscheiden. Aber warum gibt es dann so große zyklische Bewertungsschwankungen bei DAX/MDAX? Die sind doch exakt demselben Einflüssen ausgesetzt? Da nüssen doch starke qualitative Einflussfaktoren der Behavioral Finance relevant sein. Diese Einflüsse sehe ich als die Haupttdeiber für nachhaltige Mean Reversions an, da sich diese grundlegenden Verhaltensmuster kaum schnell ändern und auch nicht so schnell durch Trading ausgebeutet und wegarbitriert werden dürften, da die mehrjährigen Zyklen für die Incentivierungsansätze großer Hedgefonds insbes. in den dabei dominierenden USA in die andere Richtung gehen, vgl. aktuell dominierender "Hochfrequenzhandel im Nanosekundenbereich". wink.gif

 

Dagegen spricht, dass die langfristige Korrelation (>=20J) der von dir genannten Kombinationen hoch ist (DAX/MDAX 0.98, US/EAFE 0.95, US/Pacific 0.92, US/EM 0.85). Es gibt zwar zwischenzeitliche Delle bei der 5J-Korrelation. Bei US/EAFE war das Anfang 90er während des Jugoslawienkriegs, bei US/Pacific war das einmal Mitte der 80er wg. Japan und Ende 90er wg. Asienkrise und bei US/EM auch Ende 90er wg. Asienkrise und jetzt wieder wg. ?!?!? Ende der Globalisierung? Erreichen einer Wachstumsschwelle? Geldschwämme der westlichen Notenbanken? kA.

Jetzt gibst du mir Rätsel auf. Das habe ich doch genau beschrieben, dass die Korrelation für sehr lange Zeiträume sehr hoch ist Grund: Mean Reversion sorgt für Ausgleich zwischen den Märkten, Vorteil für Strategie: Mean Reversion ist nach wie vor wirksam und wird sehr wahrscheinlich weiter bestehen. Odervanders ausgedrückt: Wenn signifikante Bewertungsunterschiede zwischen den Märkten auftreten verschwinden sie nicht irgendwie zufällig sondern bislang absolut SICHER, da IMMER "Rückstellkräfte" wirken. Nur der nicht unwichtige genaue Zeitpunkt schwankt stark. Dafür behelfe ich mich mit fundamentalen Informationen UND einfacher Charttechnik mittels Trendkanal-Ausbruch. Hier könnte dein Gap-Momentum evtl. helfen.. Für die Delle bei 5 Jahren gibt es bereits umfassende wiss. Untersuchungen, die das absichern. Diese "Delle" in den Korrelationen sind m.E. mein Haupt-Profitpotenzial, das ich gezielt trade. Die hohe kurzfristige Korr., die bei schwarze Schwan Events fast 1 erreicht, sichert meine Strategie gegen solche Events ab bzw. macht sie evtl. sogar "antifragil" nach Taleb. Letzteres müsste ich noch genauer untersuchen. Beim Backtest gab es zumindest den auch bei MMF allg. beobachteten ausgeprægten Peak mit anschließendem Abschmelzen der Gewinne. Nur verstanden habe ich die zugrunde liegende Gewinndynamik meiner Strategie dabei noch nicht, da um diese Events herum für die Strategie ungewöhnlich oft mit großem Volumen gehandelt werden musste. Aber nicht ( nur) wegen Trendkanalausbrüchen sondern hauptsächlich wegen des rein systematischen Money Managements.

 

 

Bei dem Graphen sehe ich im Prinzip nichts anderes als das oben beschriebe – einige wenige signifkante Ausnahmen ausgelöst durch regionale Ereignisse, aber ansonsten eine hohe Korrelation. Um niedrige Korrelation zu erhalten, würde ich mal Aktien vs. Staatsanleihen betrachten oder Branchenindizes z.B. Health Care / Konsumgüter vs. Industrie / Chemie oder Europa vs. Japan oder Aktien vs. Gold.

.

 

Der sehr langfristige Chart wird klarerweise von der hohen langfristigen und kurzfristigen Korr. dominiert. Die Delle nach unten in der mittelfristigen Korr. ist m.E. mehr oder weniger erkennbar, weil sie zum einen nicht immer gleich groß ist und zum anderen durch die log. Darstellung reduziert wird. Aber sie ist über den gesamten Zeitraum erkennbar vorhanden. D. h., dass meine Strategie grundsätzlich über den gesamten Zeitraum qualitativ profitabel gewesen wäre, nur eben mit unterschiedlichen bzw. abnehmenden positiven quantitativen Ergebnissen, was bei derartigen Returns m.E. völlig ok und erwartbar ist, da die Märkte stetig effizienter werden. Und hier setzt nun der "Rebalancing-Vorfilter" meiner Strategie aus meiner Basisanlagestrategie ein. Dieser sorgt dafür, dass ich nur die Mean Reversions der Bewertungsunterschiede trade, die ausreichejd groß und damit ergiebig sind bzw. wahrscheinlich sein werden. Da dieser "Filter" natürlich etwas "unsystematisch" und eingeschränkt nutzbar ist, müsste ich mal grundlegend darüber nachdenken, wie ich das Prinzip dahinter verallgemeinern und damit breiter nutzbar machen könnte. Vielleicht hättest du dafür kreative Ideen? Ich sehe somit trotz deiner sehr gezielten Kritik (danke!), meine Strategie nach wie vor als nicht invalidiert. Diese mittelfristige "Delle" in den Intermarket-Korrelationen ist eine wohl sehr nachhaltige Marktanomalie oder -insffizienz, die ich als das eigentliche Profitpotenzial meiner Strategie ansehe. Darüber gibr es auch Papsrs.

Danke für die Anregungen. Aber ich möchte (vorerst) im Aktienmarkt bleiben und will ausschließlich mit maximaler Kosteneffizienz über Futures handeln, um meine aufwandsadjustierten Chancen zu maximieren. Das schränkt die Alternativen natülich ( noch) ein.

 

Ich bin Informatiker. Zu den Strategien bin ich erst Anfang des Jahres gekommen. Zuerst habe ich einfach nur eine Software geschrieben um Performance-Kennzahlen meines Depots zu berechnen. Spaßeshalber habe ich es dann um ein Backtest-Modul erweitert und um das zu testen, brauchte ich Strategien, die sich algorithmisch umsetzen ließen.

Mir ging es ganz ähnlich aber als Dipl.-Ing. …

 

 

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Da die Bandbreite der Kennzahlen in den letzten 18 Jahren ja nicht gerade klein war, müsste das doch bedeuten, dass diese Effekte sehr robust sind. Ich habe das auch seit 2000 bis jetzt backtestet und habe ene sehr gleichmäßige Performance über den Zeitraum erzielt. Und wie gesagt glaube ich, dass die Korrelationen für eine hohe Rendite meiner Strategei so niedrig wie möglich sein sollten. Also alles doch gute Voraussetzungen für Profitabilität meiner Strategie, oder?

Ich sehe ihn eher als einen zwar sehr langanhaltenden, letztendlich aber temporären Trend an. Meiner Meinung nach wird er durch die Globalisierung und den Aufstieg der Schwellenländer befeuert. Aufgrund der schieren "Masse" der EM hat die "Massenträgheit" dazu geführt, dass zwischenzeitliche Krisen problemlos überwunden werden konnten. Die großen internationalen Handelsabkommen (TPP, TTIP, …) wären der nächste Schritt in dem Prozess gewesen und hätten den Trend weiter befeuert. Ihr scheitern bzw. die teilweise Umkehr von der Globalisierung haben mMn das Potential diesen schon jahrzehntelang währenden Trend zu brechen. Mit "Industrie 4.0" steht aber vielleicht schon der nächste große Trend an, der das potential hat lange Zeit geritten zu werden.

 

Na dann passt es ja auch, solange sich die Konjunkturzyklen ausreichend unterscheiden. Aber warum gibt es dann so große zyklische Bewertungsschwankungen bei DAX/MDAX? Die sind doch exakt demselben Indes ausgesetzt? Da nüssen doch starke qualitative Einflussfaktoren relevant sein.

Du hast mich falsch verstanden. Ich spreche von einem globalen Konjukturzyklus. Die Bewertungsschwankungen sind Folgen der Volatilität, vgl. mein Beispiel von DAX / 2DAX von oben. Die beiden sind sogar mechanisch gekoppelt, zeigen aber die gleichen Schwankungen wie DAX/MDAX. Das ist also in erster Linie ein statistischer Effekt und hat keine qualitative Ursache.

 

Jetzt gibst du mir Rätsel auf. Das habe ich doch genau geschrieben, dass die Korrelation für sehr lange Zeiträume sehr hoch ist Grund: Mean Reversion sorgt für Ausgleich zwischen den Märkten

Würde das Kapital periodisch immer wieder von einem Markt in den anderen fließen (das ist doch was du mit Ausgleich meinst?) hättest du eine niedrige Korrelation, denn dann würde ein Abfluss auf dem einen Markt einen Zufluss auf dem anderen bedeuten, die Kurse würden sich dann sowohl kurz- als auch mittelfristig in entgegengesetzte Richtung bewegen. Langfristig würden sie zwar der globalen Konjunktur folgen, aber diese zwischenzeitliche Antikorrelationen müssten sich trotzdem als Wellenform bei der gleitenden 5J-Korrelation bemerkbar machen. Dies ist nicht der Fal.

 

Mean Reversion ist nach wie vor wirksam und wird sehr wahrscheinlich weiter bestehen. Für die Delle bei 5 Jahren gibt es umfassende wiss. Untersuchungen, die das absichern. Diese "Delle" in den Korrelationen sind mein Profitpotenzial, das ich gezielt trade,

Hier gibt es wohl wieder ein Missverständnis. Ich rede nicht über Dellen in der langfristigen Korrelation im Abstand von 5 Jahren, sondern über vereinzelte Dellen in der gleitenden 5J-Korrelation. Diese treten nur selten auf. Bei USA/EAFE einmal Anfang der 90er, bei USA/EM Ende der 90er und jetzt. Bei USA/Europa oder DAX/MDAX konnte ich aufgrund meiner Daten überhaupt keine Delle feststellen (USA/Europa seit 45J, DAX/MDAX seit 12 Jahren).

 

Ich bin bei dem Momentum/Value Paper mittlerweile halb durch. Es enthält ein paar interessante Erkenntnisse. Ich habe sogar spaßeshalber mal ein Musterdepot dafür angelegt (MSCI Europe Value + MSCI Europe Momentum), dass ich gegen den MSCI Europe laufen lasse. Der Momentum ETF ist allerdings noch sehr frisch, so dass daraus noch keine Erkenntnise zu gewinnen sind. Ich habe mich allerdings gefragt, wie sich deren Value/Momentum Strategie in deine USA/EM Strategie (oder eine der anderen Kombis) übertragen lässt. In dem Paper geht es um die Kombination zweier Faktoren, die einzeln jeweils besser als ihre Grundmenge abschneiden. Ihre negative Korrelation sorgt dafür, dass die Kombination der beiden das Rendite-Risio-Verhältnis weiter verbessert. EM mag in den letzten 25 Jahren ein Faktor mit überdurchschnittlicher Performance gewesen sein, aber ob dieser so nachhaltig wie Momentum oder Value ist, ist zumindest überdenkenswert. Bei dem Faktor USA sehe ich erst gar keine Outperformance, schon allein deshalb nicht, da sie den größten Teil des Gesamtmarktes darstellen. Absolut sicher ist, dass die beiden nicht negativ korreliert sind.

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Posted · Edited by Smartinvestor

Ich sehe ihn eher als einen zwar sehr langanhaltenden, letztendlich aber temporären Trend an. Meiner Meinung nach wird er durch die Globalisierung und den Aufstieg der Schwellenländer befeuert. Aufgrund der schieren "Masse" der EM hat die "Massenträgheit" dazu geführt, dass zwischenzeitliche Krisen problemlos überwunden werden konnten. Die großen internationalen Handelsabkommen (TPP, TTIP, …) wären der nächste Schritt in dem Prozess gewesen und hätten den Trend weiter befeuert. Ihr scheitern bzw. die teilweise Umkehr von der Globalisierung haben mMn das Potential diesen schon jahrzehntelang währenden Trend zu brechen. Mit "Industrie 4.0" steht aber vielleicht schon der nächste große Trend an, der das potential hat lange Zeit geritten zu werden.

Ich denke so sind wir beisammen. Trotz Globalisierung wird es immer regionale Unterschiede in der Entwicklung geben, die Anlass zu Divergenzen in den Märkten geben. Sie können gespeist werden aus Technologie, Politik, Kultur, Religion, … Das hat den Trendmotor seit Jahrhunderten in Schwung gehalten und wird ihn zumindest noch uns überleben lassen. Oder nenne mir einen Grund, der zwingend zur globalen Gleichschaltung aller Völker dieser Erde führen soll? Nie und nimmer …

 

Du hast mich falsch verstanden. Ich spreche von einem globalen Konjukturzyklus. Die Bewertungsschwankungen sind Folgen der Volatilität, vgl. mein Beispiel von DAX / 2DAX von oben. Die beiden sind sogar mechanisch gekoppelt, zeigen aber die gleichen Schwankungen wie DAX/MDAX. Das ist also in erster Linie ein statistischer Effekt und hat keine qualitative Ursache.

 

Es gibt sicher einen gleichschaltenden globalen Konjunkturzyklus, aber dessen Einfluss ist nur einer unter vielen differenzierenden. Wenn zwischen DAX/MDAX nur ein statistischer Effekt wirken soll, kannst du diesen mit jedem Zyklus offensichtlich größer werdenden Effekt sicher anhand der realen Charts erklären, bitte. Dann müsste der sich doch sehr einfach automatisiert traden lassen:

 

post-33395-0-00825000-1482439689_thumb.jpg

 

Würde das Kapital periodisch immer wieder von einem Markt in den anderen fließen (das ist doch was du mit Ausgleich meinst?) hättest du eine niedrige Korrelation, denn dann würde ein Abfluss auf dem einen Markt einen Zufluss auf dem anderen bedeuten, die Kurse würden sich dann sowohl kurz- als auch mittelfristig in entgegengesetzte Richtung bewegen. Langfristig würden sie zwar der globalen Konjunktur folgen, aber diese zwischenzeitliche Antikorrelationen müssten sich trotzdem als Wellenform bei der gleitenden 5J-Korrelation bemerkbar machen. Dies ist nicht der Fal.

Ist m.E. doch der Fall! Oder wie würdest du sonst die folgende bereits weiter oben zitierte „statistisch signifikante negative serielle Korrelation von -0,1 bis zu -0,5 bei großen bis kleinen Aktien in USA beim Zeitraum von 5 Jahren“ deuten?

 

Eine Literaturquelle, wo entsprechende Untersuchungen von Fama und French mit Einzelaktien zitiert werden, habe ich dazu bei Damodaran gefunden: chapter 6 market efficiency – definition, tests and evidence (ab S. 24). Danach liegt beim Zeitraum von 5 Jahren statistisch signifikante negative serielle Korrelation von -0,1 bis zu -0,5 bei großen bis kleinen Aktien in USA vor. DeBondt und Thaler werden in derselben Literaturquelle passend zur Frage zitiert:

 

This analysis suggests that loser portfolio clearly outperform winner portfolios in the sixty months following creation. This evidence is consistent with market overreaction and correction in long return intervals.

Bernstein rät m. W. aus o.a. Gründen dazu, erst alle 2 - 3 Jahre zu rebalancen. Da sich die einzelnen Mârkte aber nie so regelmäßig verhalten (beste aktuelle Beispiele sind Japan und USA mit Megazyklen) sind einfache relative bzw. adaptive Regeln in den Finanzmärkten m.E. starren zeitlichen Regeln grundsätzlich vorzuziehen. Daher verstehe ich ehrlich gesagt diesen Fokus auf die präzise Rebalancingzeiträume sowohl in der gesamten Finanzliteratur als auch gleichlautend hier im ansonsten erfreulich kritischen Forum nicht. Hast du eine Erklärung dafür? Die zeitlich sehr variablen Mean Reversion-Zeiträume springen einem doch in jedem Langfristchart förmlich in die Augen, oder nicht?

Wenn wir schon dabei sind, würde mich DEINE Erklärung für die letztere Frage interessieren.

 

Hier gibt es wohl wieder ein Missverständnis. Ich rede nicht über Dellen in der langfristigen Korrelation im Abstand von 5 Jahren, sondern über vereinzelte Dellen in der gleitenden 5J-Korrelation. Diese treten nur selten auf. Bei USA/EAFE einmal Anfang der 90er, bei USA/EM Ende der 90er und jetzt. Bei USA/Europa oder DAX/MDAX konnte ich aufgrund meiner Daten überhaupt keine Delle feststellen (USA/Europa seit 45J, DAX/MDAX seit 12 Jahren).

Könntest du diese gleitende 5J-Korrelation mal darstellen? Ich kann dein Concern ehrlich gesagt überhaupt nicht einordnen geschweige denn nachvollziehen. Im Zweifelsfall ist diese Korrelation eben nicht relevant für die Effekte, die ich jage. Gerade EM/USA ist seit es EM als Klasse gibt ständig in einer ununterbrochenen Pendelbewegung (Delle an Delle), die sich in der geigneten Korrelation auch deutlich zeigen müsste:

 

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Ich bin bei dem Momentum/Value Paper mittlerweile halb durch. Es enthält ein paar interessante Erkenntnisse. Ich habe sogar spaßeshalber mal ein Musterdepot dafür angelegt (MSCI Europe Value + MSCI Europe Momentum), dass ich gegen den MSCI Europe laufen lasse. Der Momentum ETF ist allerdings noch sehr frisch, so dass daraus noch keine Erkenntnise zu gewinnen sind. Ich habe mich allerdings gefragt, wie sich deren Value/Momentum Strategie in deine USA/EM Strategie (oder eine der anderen Kombis) übertragen lässt. In dem Paper geht es um die Kombination zweier Faktoren, die einzeln jeweils besser als ihre Grundmenge abschneiden. Ihre negative Korrelation sorgt dafür, dass die Kombination der beiden das Rendite-Risio-Verhältnis weiter verbessert. EM mag in den letzten 25 Jahren ein Faktor mit überdurchschnittlicher Performance gewesen sein, aber ob dieser so nachhaltig wie Momentum oder Value ist, ist zumindest überdenkenswert. Bei dem Faktor USA sehe ich erst gar keine Outperformance, schon allein deshalb nicht, da sie den größten Teil des Gesamtmarktes darstellen. Absolut sicher ist, dass die beiden nicht negativ korreliert sind.

 

Ich schlage vor, da diskutieren wir detailliert drüber wenn du durch bist. Weiterhin angenehme Lektüre.

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Posted · Edited by kafkaesk93

„Mal einen Backtest gemacht?“

Ja das habe ich gemacht, und die Ergebnisse sind so gut, dass sie die reale Umsetzung nahelegen

 

 

Ich hatte dich das schon mal gefragt aber könntest du die konkreten Backtestingergebnisse hier veröffentlichen?

 

Gruß kafkaesk93

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Posted · Edited by Limit

Ich denke so sind wir beisammen. Trotz Globalisierung wird es immer regionale Unterschiede in der Entwicklung geben, die Anlass zu Divergenzen in den Märkten geben. Sie können gespeist werden aus Technologie, Politik, Kultur, Religion, … Das hat den Trendmotor seit Jahrhunderten in Schwung gehalten und wird ihn zumindest noch uns überleben lassen. Oder nenne mir einen Grund, der zwingend zur globalen Gleichschaltung aller Völker dieser Erde führen soll? Nie und nimmer …

Das ist zwar richtig, allerdings muss man, um das auszunutzen schon in Richtung Einzelaktien oder zumindest kleinere Länderindizes gehen. Bei den großen Regionen-Indizes ist die Korrelation viel zu hoch.

 

Es gibt sicher einen gleichschaltenden globalen Konjunkturzyklus, aber dessen Einfluss ist nur einer unter vielen differenzierenden. Wenn zwischen DAX/MDAX nur ein statistischer Effekt wirken soll, kannst du diesen mit jedem Zyklus offensichtlich größer werdenden Effekt sicher anhand der realen Charts erklären, bitte. Dann müsste der sich doch sehr einfach automatisiert traden lassen:

Der von dir eingestellte Graph zeigt doch schon genau das was ich sagen. Die Richtung der Kursentwicklung ist praktisch Tag für Tag identisch (daher auch die Korrelation von 0.98). Der unterschiedliche Verlauf resultiert also ausschließlich aus der Größe der Veränderung nicht jedoch aus der Richtung. An dem Graph sieht man auch schön, dass bei steigender Tendenz der MDAX stärker steigt, bei fallender Tendenz sinkt er aber auch schneller. Das kannst du analog bei jeder Kombination sehen, bei der a) die Korrelation sehr hoch ist und b) die Volatilitäten deutlich unterschiedlich sind. Wären die Volatilitäten gleich, hättest du bei der hohen Korrelation fast eine Überdeckung beider Kursverläufe.

 

Ist m.E. doch der Fall! Oder wie würdest du sonst die folgende bereits weiter oben zitierte „statistisch signifikante negative serielle Korrelation von -0,1 bis zu -0,5 bei großen bis kleinen Aktien in USA beim Zeitraum von 5 Jahren“ deuten?

Ok, ich habe mir jetzt mal die Quelle angeschaut und den Grund für unsere unterschiedlichen Ergebnisse gefunden. Während ich die "normale" tägliche Korrelation gleitend über fünf Jahres Zeiträume betrachtet habe, wurde bei Fama und French auf Basis der 5 Jahres Performance über einen unbekannten Zeitraum (vermutlich den kompletten untersuchten Zeitraum) gearbeitet. Ich werde meine Software mal entsprechend erweitern. Allerdings werde ich nicht viel damit analysieren können, denn bei nur einem Datenpunkt alle fünf Jahre braucht man eine sehr lange History um belastbare Zahlen zu erhalten. Auf der MSCI Seite gibt es für SC Daten erst ab 2000, womit ich gerade mal drei Datenpunkte hätte. Vielleicht schaue ich mir mal das Fama und French Paper genauer an um zu sehen, mit wievielen Datenpunkte sie eigentlich gearbeitet haben. Der von ihnen betrachtete Zeitraum würde nur elf nicht überlappende Fünf-Jahres-Zeiträume erlauben.

 

 

Bernstein rät m. W. aus o.a. Gründen dazu, erst alle 2 - 3 Jahre zu rebalancen. Da sich die einzelnen Mârkte aber nie so regelmäßig verhalten (beste aktuelle Beispiele sind Japan und USA mit Megazyklen) sind einfache relative bzw. adaptive Regeln in den Finanzmärkten m.E. starren zeitlichen Regeln grundsätzlich vorzuziehen. Daher verstehe ich ehrlich gesagt diesen Fokus auf die präzise Rebalancingzeiträume sowohl in der gesamten Finanzliteratur als auch gleichlautend hier im ansonsten erfreulich kritischen Forum nicht. Hast du eine Erklärung dafür? Die zeitlich sehr variablen Mean Reversion-Zeiträume springen einem doch in jedem Langfristchart förmlich in die Augen, oder nicht?

Wenn wir schon dabei sind, würde mich DEINE Erklärung für die letztere Frage interessieren.

Rebalancingzeiträume adaptiv festzulegen setzt ein System vorraus. Wenn du nun bestimmte andere Aspekte untersuchen willst, wobei Rebalancing notwendig, aber nicht das Ziel der Untersuchung ist, wirst du immer eine möglichst einfache, gut untersuchte und häufig genutzte Strategie wählen und das ist eben das Rebalancing in festen Zeitintervallen. Wählst du eine andere Strategie, wirst du immer von dem eigentlich zu untersuchenden Aspekt ablenken. Als "echter" Passivist lässt man Rebalancing ganz weg oder nimmt eben max. die einfachste Strategie, eben weil sie einfach und wohlbekannt ist. Das ergibt deshalb Sinn, da man ja davon ausgeht die Entwicklung nicht vorhersehen zu können, ergo spielt es keine Rolle welche Rebalancing-Strategie man verwendet.

Wie sehr sich ins Auge springende Dinge unterscheiden können, sieht man ja an unserer obigen Disskussion über Korrelationen.

 

Könntest du diese gleitende 5J-Korrelation mal darstellen? Ich kann dein Concern ehrlich gesagt überhaupt nicht einordnen geschweige denn nachvollziehen. Im Zweifelsfall ist diese Korrelation eben nicht relevant für die Effekte, die ich jage. Gerade EM/USA ist seit es EM als Klasse gibt ständig in einer ununterbrochenen Pendelbewegung (Delle an Delle), die sich in der geigneten Korrelation auch deutlich zeigen müsste:

Ok, bei USA/EM scheint es auf den ersten Blick einen gewissen Zyklus zu geben. Da wir nach jetzt 25 Jahren gerade mal im zweiten Zyklus sind wäre ich aber vorsichtig dies als Gesetzmäßigkeit zu betrachten, zumal die erste große Delle auf die Asienkrise zurückzuführen ist. Natürlich könnte sie Teil des Musters sein, aber man könnte sie auch als einmaligen Ausrutscher betrachten und dann wäre das Muster futsch. Auf jeden Fall braucht man aufgrund der sehr langen Zyklusdauer sehr viel Geduld, denn mit zwischendurch mal fast 10 Jahren (2003-2013) ohne dass sich der Zyklus zeigt trotzdem darauf zu vertrauen wäre mir vermutlich zu lange. Bei USA/Europa ist es relativ eindeutig, dass es da solch einen Zyklus nicht gibt. Der DAX hatte zum Höhepunkt der Dot-Com-Blase eine "Sonder-Hausse", die der MDAX und SDAX nicht mitgemacht haben, aber ansonsten traute Dreisamkeit.

 

[EDIT]Diese Korrelationsgrafiken zeigen nicht die "übliche" Korrelation auf Basis der Tagesperformance, sondern auf Basis der Performance in Bezug auf den 1. Tag der Verlaufs.

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[EDIT]Hier die Korrelationsgrafiken auf Basis der Tagesperformance

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Hi Limit,

 

vielen Dank für deine mühevollen Beiträge und dein geduldiges Eingehen auf meine Argumente. Das ist sehr wertvoll für mich.

 

Das ist zwar richtig, allerdings muss man, um das auszunutzen schon in Richtung Einzelaktien oder zumindest kleinere Länderindizes gehen. Bei den großen Regionen-Indizes ist die Korrelation viel zu hoch.

 

Bis runter zu kleinen Ländersubindizes ist das eine geplante Optimierungsrichtung für mich, die ich je nach verfügbarer Zeit umzusetzen plane. Einzelaktien sehe ich hier nicht. Meine aktuelle Beschränkung auf die wenigen erwähnten Idizes ist natürlich historisch bedingt durch die Entwicklung meiner Tradingstrategie aus einer Basis-Anlagestrategie. Als Entwicklungsingenieur ist mir das evolutionäre Vorgehen zur zweiten Natur geworden.

 

Der von dir eingestellte Graph zeigt doch schon genau das was ich sagen. Die Richtung der Kursentwicklung ist praktisch Tag für Tag identisch (daher auch die Korrelation von 0.98). Der unterschiedliche Verlauf resultiert also ausschließlich aus der Größe der Veränderung nicht jedoch aus der Richtung. An dem Graph sieht man auch schön, dass bei steigender Tendenz der MDAX stärker steigt, bei fallender Tendenz sinkt er aber auch schneller. Das kannst du analog bei jeder Kombination sehen, bei der a) die Korrelation sehr hoch ist und b) die Volatilitäten deutlich unterschiedlich sind. Wären die Volatilitäten gleich, hättest du bei der hohen Korrelation fast eine Überdeckung beider Kursverläufe.

 

Verstanden. Aber wenn das so stimmen würde, dann enteilte der MDAX dem DAX immer weiter nach oben. Tut er aber nicht, sondern er führt auch ausgeprägte Mean Reversion Bewegungen wie z.B. 1990 bis 2000 aus, wo der Gap zum DAX kleiner und negativ wurde. Ebenso beim EM, der volatiler als der S&P 500, von 1994-99 und ab 2010.

 

Rebalancingzeiträume adaptiv festzulegen setzt ein System vorraus. Wenn du nun bestimmte andere Aspekte untersuchen willst, wobei Rebalancing notwendig, aber nicht das Ziel der Untersuchung ist, wirst du immer eine möglichst einfache, gut untersuchte und häufig genutzte Strategie wählen und das ist eben das Rebalancing in festen Zeitintervallen. Wählst du eine andere Strategie, wirst du immer von dem eigentlich zu untersuchenden Aspekt ablenken. Als "echter" Passivist lässt man Rebalancing ganz weg oder nimmt eben max. die einfachste Strategie, eben weil sie einfach und wohlbekannt ist. Das ergibt deshalb Sinn, da man ja davon ausgeht die Entwicklung nicht vorhersehen zu können, ergo spielt es keine Rolle welche Rebalancing-Strategie man verwendet.

Wie sehr sich ins Auge springende Dinge unterscheiden können, sieht man ja an unserer obigen Disskussion über Korrelationen.

Ja, so wird es wohl sein. <br style="mso-special-character:line-break"> <br style="mso-special-character:line-break">

 

Ok, bei USA/EM scheint es auf den ersten Blick einen gewissen Zyklus zu geben. Da wir nach jetzt 25 Jahren gerade mal im zweiten Zyklus sind wäre ich aber vorsichtig dies als Gesetzmäßigkeit zu betrachten, zumal die erste große Delle auf die Asienkrise zurückzuführen ist. Natürlich könnte sie Teil des Musters sein, aber man könnte sie auch als einmaligen Ausrutscher betrachten und dann wäre das Muster futsch. Auf jeden Fall braucht man aufgrund der sehr langen Zyklusdauer sehr viel Geduld, denn mit zwischendurch mal fast 10 Jahren (2003-2013) ohne dass sich der Zyklus zeigt trotzdem darauf zu vertrauen wäre mir vermutlich zu lange. Bei USA/Europa ist es relativ eindeutig, dass es da solch einen Zyklus nicht gibt. Der DAX hatte zum Höhepunkt der Dot-Com-Blase eine "Sonder-Hausse", die der MDAX und SDAX nicht mitgemacht haben, aber ansonsten traute Dreisamkeit.

 

Danke für die konkrete Bezugnahme. Nach dem was du hier schreibst habe ich jetzt allerdings den Verdacht, dass du meine Strategie noch nicht ganz durchdrungen hast. Denn bei welcher Kombination zeigt sich für dich zwischen 2003 – 2013 kein Zyklus? EM/USA wohl nicht, denn die Kombi bewegt sich doch über den ganzen Zeitraum im Zyklus.

 

Zu deiner früheren sehr berechtigten Frage nach den Ursachen der „Zyklen“ habe ich m.E. hier in dem Factor Investing Thread sehr schlüssige Begründungen aufgeführt. Primäre Triebfeder für die Zyklen sind die Geldflüsse des „dumb money“ in bzw. aus Faktoren, die gerade modern sind oder nicht so. Da das sogen. „Factor Investing“ mehr und mehr „dumb money“ anzieht, das immer auf der Suche nach höherer Rendite ist, verstärken sich die daraus resultierenden Zyklen eher. Dasselbe gilt m.E. für unterschiedliche und abgegrenzte Regionen, Länder, Branchen, …, die unterschiedliche Hoch- und Tiefzeiten haben.

 

Bin gespannt, was du davon hältst.

 

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Danke für deine Mühe! Es scheinen dann wohl keine geeigneten Korrelationen zu sein. Besser wäre es, wenn man die Korrelationen der Änderungen der Quotienten, z.B. EM/USA, MDAX/DAX, USA/EAFE, … über verschiedene Zeiträume bestimmt. Die Korrelationen müssten dann Minima zwischen 3-10 Jahre aufweisen.

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vielen Dank für deine mühevollen Beiträge und dein geduldiges Eingehen auf meine Argumente. Das ist sehr wertvoll für mich.

Unsere Diskussion hat mich über einige Dinge nochmal nachdenken lassen und so kam ich auch zu ein paar neuen Erkenntnissen. So gesehen bringt es uns beiden was, egal welche Schlussfolgerungen wir letztendlich daraus ziehen.

 

Verstanden. Aber wenn das so stimmen würde, dann enteilte der MDAX dem DAX immer weiter nach oben. Tut er aber nicht, sondern er führt auch ausgeprägte Mean Reversion Bewegungen wie z.B. 1990 bis 2000 aus, wo der Gap zum DAX kleiner und negativ wurde. Ebenso beim EM, der volatiler als der S&P 500, von 1994-99 und ab 2010.

Es gibt eine Anomalie im Kursverlauf zwischen 1995 bis zum Ende der Dot-Com-Blase. In diesem Zeitraum kehrt sich das Verhältnis der beiden Indizes um und der DAX übernimmt die Rolle des volatileren Index. Da sich ein ähnliches Verhalten allerdings weder davor noch dannach wiederholt würde mir das nicht reichen um darin einen Zyklus zu sehen. Ich würde als Grund für diese Anomalie auf die Konstruktion der DAX-Familie verweisen. Während große Tech-Werte im DAX landen, kommen kleine und mittlere Tech-Werte nicht in SDAX/MDAX, sondern in den Nemax bzw. jetzt TecDAX. Bei einer von Tech-Werte geprägten Hause wie zu der Zeit hat das natürlich große Auswirkungen auf die entsprechenden Indizes. Verstärkt wird das ganze durch das Momentum. Die wegen der fehlenden Tech-Werten schwächere Performance sorgt dafür, dass mehr Kapital in DAX oder Nemax verschoben wurde. Wenn man sich den MSCI Germany LC vs. MSCI Germany MC anschaut, sieht man auch, dass die Anomalie dort zwar auch sichtbar, aber sehr viel schäwcher ist.

 

 

Danke für die konkrete Bezugnahme. Nach dem was du hier schreibst habe ich jetzt allerdings den Verdacht, dass du meine Strategie noch nicht ganz durchdrungen hast. Denn bei welcher Kombination zeigt sich für dich zwischen 2003 – 2013 kein Zyklus? EM/USA wohl nicht, denn die Kombi bewegt sich doch über den ganzen Zeitraum im Zyklus.

Den einzigen Zyklus, den ich erkennen kann ist der Konjunkturzyklus. Die gleitende 3-Monats-Performance (auch die 6M/1J) zeigt in diesem Zeitraum das erwartete verhalten. Entweder beide steigen oder beide fallen, aber der EM immer etwas stärker. Ich habe auch einmal den MSCI EM mit MSCI EM / MSCI USA untersucht, auch hier sehe ich in erster Linie, dass auch MSCI EM / MSCI USA dem Konjunkturzyklus folgt, ein Eigenleben ist höchstens jetzt zum Schluss andeutungsweise zu erkennen. Dafür spricht auch, dass die Korr(EM, EM/USA) bei 0,788 (5J-Korrelation auf Basis der gleit. 1J-Perf) bzw. 0,655 (5J-Korrelation auf Basis der gleit. 1T-Perf) deutlich positiv ist.

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Zu deiner früheren sehr berechtigten Frage nach den Ursachen der „Zyklen“ habe ich m.E. hier in dem Factor Investing Thread sehr schlüssige Begründungen aufgeführt. Primäre Triebfeder für die Zyklen sind die Geldflüsse des „dumb money“ in bzw. aus Faktoren, die gerade modern sind oder nicht so. Da das sogen. „Factor Investing“ mehr und mehr „dumb money“ anzieht, das immer auf der Suche nach höherer Rendite ist, verstärken sich die daraus resultierenden Zyklen eher. Dasselbe gilt m.E. für unterschiedliche und abgegrenzte Regionen, Länder, Branchen, …, die unterschiedliche Hoch- und Tiefzeiten haben.[/size]

 

Bin gespannt, was du davon hältst.

Während ich bei den wirkenden Mechanismen zustimmen kann, habe ich immer noch Zweifel bei deiner Umsetzung. Die Blasen, deren Ziel das "dumb money" ist, wechseln zwischen Regionen, Branchen oder ganzen Asset-Klassen. Wie man das durch eine Long/Short-Strategie auf ein einzelnes Pärchen ausnutzen kann, erschließt sich mir nicht. Um damit dauerhaft Erfolg zu haben, müsstest du immer rechtzeitig auf das richtige Pärchen umschichten. Damit bist du aber wieder am Anfang bei dem Investor der überlegt, welche Anlageklasse/-region/-branche sich in absehbarer Zeit besser entwickeln wird als andere. Bei den Faktoren scheint mir das grundsätzlich nicht anders zu sein, wenn auch die Auswahl geringer ist und die Zeit bis ein Faktor wieder "in" ist, nicht so lange wie bei anderen Aufteilungsarten ist.

 

Danke für deine Mühe! Es scheinen dann wohl keine geeigneten Korrelationen zu sein. Besser wäre es, wenn man die Korrelationen der Änderungen der Quotienten, z.B. EM/USA, MDAX/DAX, USA/EAFE, … über verschiedene Zeiträume bestimmt. Die Korrelationen müssten dann Minima zwischen 3-10 Jahre aufweisen.

Ich muss die Quotienten manuell in die Software eintragen, daher habe ich das jetzt nur mal beispielhaft für EM/USA gemacht. Da ich nicht genau weiß, welche Zeiträume dir so vorschweben, habe ich mal die 5J bzw. 1J Korrelation über die 1T bzw. 1J Performance durchgerechnet (3-10J sehen wie bei 5J aus). Wie diese Ergebnisse zu interpretieren sind, bin ich mir atm. nicht sicher.

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Posted · Edited by Smartinvestor

Ich muss die Quotienten manuell in die Software eintragen, daher habe ich das jetzt nur mal beispielhaft für EM/USA gemacht. Da ich nicht genau weiß, welche Zeiträume dir so vorschweben, habe ich mal die 5J bzw. 1J Korrelation über die 1T bzw. 1J Performance durchgerechnet (3-10J sehen wie bei 5J aus). Wie diese Ergebnisse zu interpretieren sind, bin ich mir atm. nicht sicher.

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hi limit

ich glaube wir nähern uns. Werde noch detaillierte Stellung nehmen. Könntest du zu zunächst bitte mal folgende Korrelationen für folgende Pärchen probieren:

Emerging Markets und S&P 500

MDax und Euro Stoxx 50

EAFE und S&P 500

Diese Pärchen stehen wahrscheinlich kurz vor dem Turn-around ihre Bewertung Differenzen und ich bereite den Einstieg für meine Strategie vor.

 

Jeweils gleitende performance der beiden Antagonisten korrelieren für:

1, 2, 5 Banktage, 2 Wo, 1, 2, 5 Monate, 1, 2, 5, 10, 20, 30, 40, 50 Jahre (soweit Daten verfügbar).

 

Und dann die Ergebnisse auftragen über den logarithmisch skalierten Zeitabständen der performance. Ich erwarte durchhängende Kurvenverläufe die ein breites Minimum um 5 Jahre aufweisen. Das schauen wir uns dann an und versuchen eine Interpretation bezügl. Umsetzung in meiner Strategie. Wenn das hilfreich ist, könnte man das weiter verfeinern und dann automatisiert alle denkbaren Kombinationen automatisiert damit abscannen lassen.

 

Vorerst noch ein für meine Strategie höchst relevantes paper aus meiner Geburtsstadt Mannheim, das wissenschaftlich nachweist, das mean Reversion nutzbares Alpha enthält. Deren Umsetzung erscheint zwar einfacher als meine. Aber die bekommen ein Problem, wenn sich das mittlere Bewertungsniveau verschiebt, zum Beispiel durch historische Änderung des Zinsniveaus wie aktuell. Bei meiner Strategie bin ich zwar auf gegenläufige Entwicklungen angewiesen und finde weniger Gelegenheiten, aber wenn diese vorliegen, spielen Änderungen des mittleren Bewertungsniveau keine Rolle mehr. Es kommt meines Erachtens weniger zu wenn man sich auf die Pärchen mit maximalen bewertungs Differenzen beschränkt.

https://ub-madoc.bib...7/1/dp04_08.pdf

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Das scheint mir Stochern im Nebel zu sein. Da ich die Daten manuell aufbereiten und eintragen muss und die Graphen immer nur für eine Kombination aus Korr.-länge und Perf.-länge zeichnen lassen kann, wäre es nett wenn du das ganze ein wenig eingrenzen könntest. Die genanten Zeiten machen übrigens keinen Sinn. Für die Zeitspanne über die jeder einzelne Korrelationswert berechnet werden soll, ist je nach gewünschter Darstellungsabsicht 1-2J (kurzfristig), 4-6J (mittelfristig) oder >=8J (langfristig) interessant, viel längere Betrachtungen machen wenig Sinn, da das fast immer in einer waagerechten Linie endet. Die Zeitspanne für die Performance-Berechnung sollte hingegen eher kurz sein, denn sonst kommt es schnell dazu, dass du fast durchgehend +1 oder -1 als Ergebnis bekommst, da die langfristige Performance für gewöhnlich nur selten ihr Vorzeichen ändert.

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Das scheint mir Stochern im Nebel zu sein. Da ich die Daten manuell aufbereiten und eintragen muss und die Graphen immer nur für eine Kombination aus Korr.-länge und Perf.-länge zeichnen lassen kann, wäre es nett wenn du das ganze ein wenig eingrenzen könntest. Die genanten Zeiten machen übrigens keinen Sinn. Für die Zeitspanne über die jeder einzelne Korrelationswert berechnet werden soll, ist je nach gewünschter Darstellungsabsicht 1-2J (kurzfristig), 4-6J (mittelfristig) oder >=8J (langfristig) interessant, viel längere Betrachtungen machen wenig Sinn, da das fast immer in einer waagerechten Linie endet. Die Zeitspanne für die Performance-Berechnung sollte hingegen eher kurz sein, denn sonst kommt es schnell dazu, dass du fast durchgehend +1 oder -1 als Ergebnis bekommst, da die langfristige Performance für gewöhnlich nur selten ihr Vorzeichen ändert.

War nur so ein grober Vorschlag ohne Kenntnis deines Aufwands, sorry. Grenze das gern nach deinem Gespür ein. Du kannst ja mit den 3 vorschlagenen Stichproben anfangen und dann je nach Ergebnis verfeinern. Als Endergebnis schwebt mit ein 3D-Diagramm vor, wo für ein Pärchen die Korrelation (y-Achse) über der Zeit (x-Achse) und Perfomance-Messzeitdauer (z-Achse) aufgetragen ist. Das müsste dann natürlich schon hoch automatisiert ablaufen. Aber daran könnten wir folgendes ablesen:

- Korrelation: Stärke des Mean Reversion Effekts

- Üerformance-Messzeitdauer: Auf welche Laufzeiten muss ich mich im Trading einstellen

- Zeit: Wie nachhaltig ist Mean Reversion

Vielleicht können wir daraus Muster ablesen, die die Prognosegüte verbessern.

Am besten ist vermutlich agiles Vorgehen, damit wr iterativ in kurzen Schleifen schnell zu Ziel und zur Optimierung kommen.

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Posted · Edited by Limit

Ich hab nun mal die Software angepasst und u.a. virtuelle Wertpapiere eingefügt. Das macht die Sache ein wenig einfacher. Aufschlussreicher finde ich die Ergebnisse weiterhin nicht.

 

Zuerst auf Basis der Tagesperformance. Diese Werte sind mMn die aussagekräftigsten, denn hier ist jeder Performance-Wert unabhängig.

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Bei den Werten auf Basis der 1J-Performance muss man beachten, dass diese Performance-Werte natürlich nicht unabhängig sind. Je länger ich darüber nachdenke, desto stärker wird mein Verdacht, dass diese Werte nicht zu gebrauchen sind, sofern man nicht nur einen Datenpunkt pro Jahr nimmt.

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Posted · Edited by Smartinvestor

Am ‎30‎.‎12‎.‎2016 um 17:05 schrieb Limit:

Ich hab nun mal die Software angepasst und u.a. virtuelle Wertpapiere eingefügt. Das macht die Sache ein wenig einfacher. Aufschlussreicher finde ich die Ergebnisse weiterhin nicht.

 

Zuerst auf Basis der Tagesperformance. Diese Werte sind mMn die aussagekräftigsten, denn hier ist jeder Performance-Wert unabhängig.

1y-1d.png5y-1d.png10y-1d.png

 

Bei den Werten auf Basis der 1J-Performance muss man beachten, dass diese Performance-Werte natürlich nicht unabhängig sind. Je länger ich darüber nachdenke, desto stärker wird mein Verdacht, dass diese Werte nicht zu gebrauchen sind, sofern man nicht nur einen Datenpunkt pro Jahr nimmt.

5y-1y.png10y-1y.png

Hi Limit,

komme nach kompletter Überarbeitung und Optimierung meiner Handelsstrategie (s.u.) erst jetzt zur Beantwortung. Vielen Dank für deine Korrelationsversuche. Leider weiß ich jetzt nicht so recht, was die darstellen. Sie scheinen nichts mit meinem Vorschlag zu tun zu haben und wie du schreibst leider unbrauchbar zu sein. Daher habe ich meinen Vorschlag jetzt mal skizziert:

 

Index-Korrelationen.pdf

Wenn wir das letzte Diagramm für sehr viele oder gar alle sinnvollen Kombinationen von für Privatanleger fair handelbaren Futures erzeugen, können wir diejenigen mit besonders ausgeprägter regelmäßiger Zyklizität bzw. aussichtsreichen mittel-/langfristigen (> 3 Jahre) Mean Reversion/Momentum-Eigenschaften herausfiltern, die geeignetsten Kombinationen für den Tradingeinsatz weiter technisch und fundamental analysieren und Entry-Strategien festlegen. Eine Alternative wäre es, die Zyklizitäts-Muster des Gap (Einsatz von AI Pattern Recognition Ansätzen) bzgl. Zeitabhängigkeit der Amplitude und Periode zu identifiziern. Die Gesamtstrategie könnte damit dann schrittweite diversifiziert und das Risiko gesenkt werden. Wäre sozusagen das „Langfristziel“ unserer Zusammenarbeit an den Tradingstrategien hier.

 

Am ‎27‎.‎12‎.‎2016 um 13:23 schrieb Limit:
Am ‎26‎.‎12‎.‎2016 um 20:37 schrieb Smartinvestor:

Danke für die konkrete Bezugnahme. Nach dem was du hier schreibst habe ich jetzt allerdings den Verdacht, dass du meine Strategie noch nicht ganz durchdrungen hast. Denn bei welcher Kombination zeigt sich für dich zwischen 2003 – 2013 kein Zyklus? EM/USA wohl nicht, denn die Kombi bewegt sich doch über den ganzen Zeitraum im Zyklus.

Den einzigen Zyklus, den ich erkennen kann ist der Konjunkturzyklus. Die gleitende 3-Monats-Performance (auch die 6M/1J) zeigt in diesem Zeitraum das erwartete Verhalten. Entweder beide steigen oder beide fallen, aber der EM immer etwas stärker. Ich habe auch einmal den MSCI EM mit MSCI EM / MSCI USA untersucht, auch hier sehe ich in erster Linie, dass auch MSCI EM / MSCI USA dem Konjunkturzyklus folgt, ein Eigenleben ist höchstens jetzt zum Schluss andeutungsweise zu erkennen. Dafür spricht auch, dass die Korr(EM, EM/USA) bei 0,788 (5J-Korrelation auf Basis der gleit. 1J-Perf) bzw. 0,655 (5J-Korrelation auf Basis der gleit. 1T-Perf) deutlich positiv ist.

mov-3m-usa-em.pngmov-1y-em-vs-div(em,usa).png

 

Wie gesagt scheinen die Korrelationen nichst herzugeben. Also bleiben wir doch bei den Quotienten EM/USA, Europe/USA, MDAX/DAX, ... s.o. EM/S&P500 fällt sehr deutlich zwischen 94 und 2000 sowie 2010 und 2016, obwohl der EM IMMER volatiler ist als der S&P500 und es in beiden Zeiträumen mit der Weltkonjunktur nach oben ging! Sind deine Concerns bzgl. rein statist. Volatilitätseinfluss damit nicht entkräftet? Insgesamt bildet sich beim EM/S&P500 (für mich deutlich erkennbar;-) eine relativ regelmäßige allerdings (aktuell ?) bzgl. Gap-Amplitude langsam abnehmende von Mean Reversion und Momentum getriebene Zyklizität mit einer Periode von ca. 15 Jahren aus, s. hier, die ab jetzt mit einer Position long EM und short USA profitabel gehandelt werden können müsste, wenn jetzt gerade wieder eine Trendumkehr stattfindet. Ich finde, ein Versuch ist es wert. Insgesamt eine sehr spannende Turn Around Situation, die m.E. gerade durch Trump und Zinserhöhung getestet und bestätigt wurde, da der Tiefststand des Gaps EM/S&P500 A. 2016 nicht unterschritten wurde, s.u. Anlage, und fundamentale Faktoren weiterhin dazu passen (weitere Erholung EM, USA überschreitet Zenit nach letztem Trump-Feuerwerk).

 

Natürlich sind jedesmal andere Sondersituationen die Treiber und Anlässe dieser ausgeprägten Zyklen. Die zeitlich stabilen Ursachen sind m.E. jedoch die schon erwähnten menschlichen Schwächen bei der Einschätzung mittel- bis langfristiger Entwicklungen – daraus folgen Mean Reversion-Effekte - sowie sich eine Zeit lang selbst verstärkende Gier und Angst – daraus folgen Boom/Bust-Übertreibungen bzw. Momentum-Effekte.

 

meinung.gif

Meine Prognose bzgl. weiterer Entwicklung EM/USA: Die Erwartungen und Vorschusslorbeeren sind für Trump wie für jeden neuen Präsidenten durch verheißungsvolle Vorbereitungsmaßnahmen, die sich noch eng an den Wahlversprechungen orientieren, jetzt kurz vor Amtsübernahme auf dem absoluten Höhepunkt. US Aktien haben dadurch einen letzten Push bekommen und notieren auf Höchstständen, insbes. SC/MC, s.u., was i.d.R. ein sicheres Vorzeichen für unmittelbar bevorstehende Trendwende ist. Nach Amtsübernahme können nur noch Enttäuschungen im realen Regierungsgeschäft folgen (vgl. Obama, obwohl er m.E. das max. mögliche getan und erreicht hat). Wenn dann erst mal die Unfähigkeit von Trump mehr und mehr offensichtlich wird, wird es bald mit den Aktienkursen nach unten gehen. Ähnlich wie in Italien unter Berlusconi nur schneller, da Trump nach dem Lehrbeispiel Berlusconi wahrscheinlich schneller entlarvt werden wird. Insofern könnte „Sondereinfluss Trump“ erfreulicherweise die aktuellen Momentum-Effekte für Trader sogar verstärken. Wie siehst du das?

 

Am ‎27‎.‎12‎.‎2016 um 13:23 schrieb Limit:

Während ich bei den wirkenden Mechanismen zustimmen kann, habe ich immer noch Zweifel bei deiner Umsetzung. Die Blasen, deren Ziel das "dumb money" ist, wechseln zwischen Regionen, Branchen oder ganzen Asset-Klassen. Wie man das durch eine Long/Short-Strategie auf ein einzelnes Pärchen ausnutzen kann, erschließt sich mir nicht. Um damit dauerhaft Erfolg zu haben, müsstest du immer rechtzeitig auf das richtige Pärchen umschichten. Damit bist du aber wieder am Anfang bei dem Investor der überlegt, welche Anlageklasse/-region/-branche sich in absehbarer Zeit besser entwickeln wird als andere. Bei den Faktoren scheint mir das grundsätzlich nicht anders zu sein, wenn auch die Auswahl geringer ist und die Zeit bis ein Faktor wieder "in" ist, nicht so lange wie bei anderen Aufteilungsarten ist.

Ich glaube, du beginnst meine Strategie zu verstehen und stimmst den Grundannahmen zu, d.h. dass in praktisch allen Märkten Mean Reversion- und Momentum-Effekte mehr oder weniger ausgeprägt vorhanden sind, die die zukünftige Aktienkursentwicklung prognostizierbar machen, wie das auch in dem Mannheimer Paper wiss. nachgewiesen wurde: https://ub-madoc.bib...7/1/dp04_08.pdf.

 

Zitat

Einführung

 

Fama/French (1988), Lo/MacKinlay (1988) sowie Poterba/Summers (1988) waren die ersten Beiträge, in denen Hinweise dokumentiert wurden, dass zwar über kurze und mittlere Frist die Random Walk-Hypothese für die Modellierung von Kursentwicklungen auf Aktienmärkten angemessen ist, über lange Zeithorizonte jedoch Mean Reversion-Effekte in Aktienkurszeit-reihen existieren. Mean Reversion charakterisiert dabei die Tendenz von Wertentwicklungen, nach einer zeitlich begrenzten Abweichung vom Mittelwert langfristig wieder zu diesem zurückzukehren. Damit werden Aktienkurse zumindest langfristig und bis zu einem gewissen Grad prognostizierbar.

Bei den „Faktoren“ sind die Zyklen allerdings nicht grundsätzlich länger sondern deren Perioden streuen extremer zwischen wenigen bis zu 30 Jahren, wie Bogle das in „Common Sense on Mutual Funds“ schon vor 15 Jahen aufgezeigt und entsprechend vor Buy-and-hold-Strategien in Faktoren gewarnt hat:

 

Bogle Common Sense.pdf

 

Schon interessant, dass der erzpassive Indexer Bogle wesentliche Anregungen zu meiner aktiven Tradingstrategie geliefert hat. wink.gif

 

In "How can a strategy still work if everyone knows about it?", wird erwartet, dass die mittel-/langfristige Zyklizität (> 3 J.) aber auch die kurzfristige Volatilität in den Faktoren in nächster Zeit eher größer wird, da durch die aktuell laufende „Faktor-Mode“ erst mal mehr zyklisches „Dumb Money“ angezogen wird, das in die Faktoren behavior-getrieben rein- und wieder rausgeht. Im anderen Thread "Factor Investing mit ETFs “ finden sich „real existierende Beispiele“ für dieses „Dumb Money“, das tatsächlich in die aktuell propagierten Multi-Faktoren strikt passiv buy-and-hold investieren will laugh.gif. ich werde da demnächst noch einen letzten Versuch machen, das „Dumb Money“ zur Vernunft zu bringen; wenn mir das nicht gelingen sollte, ist m.E. ein starker Mean Reversion-Effekt bzgl. Faktor „Small“ sehr wahrscheinlich, wenn doch, dann muss man wohl mehr aufpassen. Die offene Frage ist m.E., ob und wie sich das zyklische Verhalten dieses „Dumb Money“ kurz-, mittel- oder langfristig auf die Gap-Entwicklung auswirkt. Das aktuell über die letzten 17 Jahre gewachsene extreme Gap zwischen MDAX/DAX bzw. MDAX/EURO STOXX 50 bei rel. begrenzter Vola (s. Anlage) spricht m.E. dafür, dass in diesem Fall auch oder sogar besonders die langfristige Zyklizität durch die „Dumb Money“-Fluktuationen extrem angeheizt wurde. Wie sonst wäre dieses extreme Gap zwischen Unternehmen unterschiedlicher Größe aber im selben Land/Region zu erklären?

 

Deine Zweifel an meiner Umsetzung verstehe ich m.E. jetzt z.T. Dein Hauptzweifel scheint zu sein, dass ich evtl. einem rein statistischen Effekt aus Volatilitätsunterschieden aufsitze, der die tatsächlichen Mean Reversion Zyklen überdeckt bzw. Schein-RTM-Zyklen verursacht. M.E. müsste dieser Zweifel jetzt am Beispiel des EM/S&P500 widerlegt sein, s.o., oder nicht/ggf. warum nicht? Ansonsten frage ich dich, hättest du denn einen besseren Vorschag zur nachhaltig profitablen Umsetzung?

Deine weiteren Zweifel bzgl. Entry Strategie verstehe ich dann nicht, da ich doch weiter oben genau beschrieben habe, wie ich die aussichtsreichsten Pärchen identifiziere – kurz: größte Abweichungen von den Soll-Allokationen in der Basis-Anlagestrategie plust Fundamental- und Chartanalyse der Turn around Situationen haben diese Pärchen dort bislang 100% treffsicher indentifiziert und werden das m.E. auch zukünftig tun. Warum denn nicht mehr? Ich brauche also NICHT zu überlegen, welche …, sondern ich brauche „nur“ die aktuellen Mean Reversion Prognosen zu analysieren und zu entscheiden, welche ich wann live handeln möchte. Dabei nutze ich allereinfachste Charttechnik (Trendkanalausbruch, Widerstandslinien). Diese Entry-Strategie sorgt m.E. dafür, dass ich nur die aussichtsreichsten Pärchen trade und meine Anzahl Trades sehr klein halte. Dabei können mir zwar einige im Nachhinein durch die Lappen gehen, aber wen stört das? Es laufen praktisch immer ausreichend viele im identifizierten Mean Reversion Modus. Insgesamt entspricht meine Strategie damit höchsten Ansprüchen an Tradingprinzipien, die auf Basis van Tharp hier gut zusammengefasst wurden:

  1. The more trades, the farther away from break even you are likely to move
  2. Leverage a winning streak
  3. Counter a losing streak as early as possible.
     

Prinzip 1 kann m.E. idealer als mit meinem langfristigen Positionstradingansatz nicht umgesetzt werden. Die letzten beiden Prinzipien versuche ich jetzt gerade im live Trading mit einem guten Money Management umzusetzen. Grundideen dazu sind:

  1. Long/short Seiten möglichst USD-neutral zusammensetzen und laufend nachführen.
  2. Alle Kombinationen grundsätzlich gleichgewichten (1/n), um Gesamtvolatilität zu minimieren, und Allokation durch laufendes Rebalancing ähnlich Basisanlagestrategie aufrecht erhalten, d.h. sell winners and buy losers, damit kurzfristiges Mean Reversion Premium als Zusatznutzen möglich.
  3. Neue Positionen mit reduziertem Anteil (1/4 bis1/2) starten und nach mehreren Bestätigungen des neuen Mean Reversion Trends innerhalb des 1. Jahres nach Identifizierung bis zu Soll-Allokation aufbauen
  4. Pyramidierung bzw. Reduzierung aller Positionen gemäß 1/n Sollallokation mit aufgelaufenen Trading-Gewinnen/Verlusten, sodass die festgelegte maximale Marginauslastung etwa konsant erreicht bleibt
  5. Maximale Marginauslastung festlegen nach a) VAR und maximal erwartetem/abgeschätztem Worst Case MDD und b) persönlicher Risikotragfähigkeit (ist mir aktuell sicher noch am unklarsten und muss ich mir via Learning by Doing im Live Trading erarbeiten, Indikator: Schlafqualität ;-)

Das dritte o.a. Tradingprinzip werde ich bewusst nicht beachten bzw. muss es angepasst interpretieren, da dieses m.E. nur für Day-/Kurzfristtrader mit eher 50/50 Gewinnchancen gilt. Mein langfristiges Positionstrading wurde extrem gut vorbereitet und man sollte m.E. mehr Spielraum für Kurzfristschwankungen einräumen, ohne die Verlustbegrenzung komplett zu vernachlässigen. Wenn kein neuer Mean Reversion Trend zustande kommt oder das Momentum des bisherigen Trends wieder aufgenommen werden sollte, würde ich aussteigen und den Wiedereinstieg zu besseren Kursen planen und abwarten, um nicht in die LTCM-Falle zu treten. D.h. ich stelle meine Theorien natürlich nicht über reales Marktverhalten, da der Markt bekanntlich immer Recht behält. Insgesamt gehe ich von einer 75% Wahrscheinlichkeit aus, dass sich mittelfristig (ca. 1-2 Jahre) die prognostizierten neuen Mean Reversion Trends ausbilden werden. D.h. ich kalkuliere mit ein, dass von 3-4 Kombi-Positionen eine nicht oder nur stark eingeschränkt funktionieren wird.

 

Eine Weiterentwicklung bzw. Systematisierung meiner zugegebenermaßen bislang nur schwer übertragbaren Entry-Strategie zur Loslösung von meiner individuellen Basis-Anlagestrategie könnte so aussehen:

  1. Die aussichtsreichsten Aktienindizes (Regionen, Länder, Seltoren/Faktoren), die für private Trader ausreichend große und regelmäßige Mean Reversion-Zyklen aufweisen, nach der eingangs in diesem Beitrag vorgeschlagenen umfassenden Korr.-Analyse identifizierten. Hierzu brauche ich also deine Hilfe.
  2. Ein virtuelles Depot weit in der Vergangenheit (> 15 j.) starten, in dem alle identifizierten Indizes plus weitere zur Vervollständigung eines ausgewogenen Welt-Portfolios nach BIP gewichtet werden.
  3. Ähnlich meiner Basis-Anlage einzelne Indizes bei >25% Abweichung von Soll-Allokationen, pos. Fundamentalanalyse und Charttechnik rebalancen. Habe meine ad hoc entstandene 25%-Regel übrigens vor kurzem auch hier gefunden: The Only Guide You'll Ever Need for the Right Financial Plan ... (Swedroe). Dort sind jedoch keine wiss. Studien angegeben, aus denen dieser Wert abgeleitet wurde. Aber trotzdem eine kleine Bestätigung meines Threshold Wertes. Kennst du vielleicht was Belastbareres dazu?
  4. Diese Rebalancing-Signale schließlich als Entry-Signale für die Futures-Handelsstrategie verwenden.

Was hältst du davon? Gibt es einen Portfolio-Simulator, mit dem man so ein beliebiges Basis-Anlagedepot einfach in der Vergangenheit zusammenstellen und individuell rebalancen kann? Bei Just-ETF meine ich so etwas gelesen zu haben?

 

Am ‎23‎.‎12‎.‎2016 um 16:35 schrieb Limit:

Ok, bei USA/EM scheint es auf den ersten Blick einen gewissen Zyklus zu geben. Da wir nach jetzt 25 Jahren gerade mal im zweiten Zyklus sind wäre ich aber vorsichtig dies als Gesetzmäßigkeit zu betrachten, zumal die erste große Delle auf die Asienkrise zurückzuführen ist. Natürlich könnte sie Teil des Musters sein, aber man könnte sie auch als einmaligen Ausrutscher betrachten und dann wäre das Muster futsch. Auf jeden Fall braucht man aufgrund der sehr langen Zyklusdauer sehr viel Geduld, denn mit zwischendurch mal fast 10 Jahren (2003-2013) ohne dass sich der Zyklus zeigt trotzdem darauf zu vertrauen wäre mir vermutlich zu lange. Bei USA/Europa ist es relativ eindeutig, dass es da solch einen Zyklus nicht gibt. Der DAX hatte zum Höhepunkt der Dot-Com-Blase eine "Sonder-Hausse", die der MDAX und SDAX nicht mitgemacht haben, aber ansonsten traute Dreisamkeit.

Aber zwischen 2003 und 2008 sind die EM doch viel stärker gestiegen als die USA und haben ein entsprechendes Gap entstehen lassen, mit dem ich sogar meine Strategie erfolgreich backtested habe (Ergebnisse werde ich irgendwann noch auf Wunsch von kafkaesk veröffentlichen, aber ist aktuell nicht Prio, da der Wert solcher Backtests m.E. vernachlässigbar gering ist, für mich war es nur ein reiner Machbarkeitsnachweis, sonst nichts). Dass diese Zyklen keine Ausrutscher sondern der Regelfall sind, müsste nach den beiden für meine Strategie zentralen Papers aus Mannheim https://ub-madoc.bib...7/1/dp04_08.pdf und mit Ergebnissen von Fama & French in chapter 6 market efficiency – definition, tests and evidence, doch jetzt offensichtlich sein, oder? Entscheidendes und für meine Strategie hochrelevantes Zitat aus ersterem s.o., aus letzterem:

 

Zitat

 

Long-term Price Movements

 

While most of the earlier studies of price behavior focused on shorter return intervals, more attention has been paid to price movements over longer periods (one-year to five-year) in recent years. Here, there is an interesting dichotomy in the results. When longterm is defined as months rather than years, there seems to be a tendency towards positive serial correlation. Jegadeesh and Titman present evidence of what they call “price momentum” in stock prices over time periods of up to eight months when investors winner and loser stocks. However, when long term is defined in terms of years, there is substantial negative correlation returns, suggesting that markets reverse themselves over very long periods.

[…]

Fama and French examined five-year returns on stocks from 1931 to 1986 and present further vidence of this phenomenon. Studies that break down stocks on the basis of market value have found that the serial correlation is more negative in five-year returns than in one-year returns, and is much more negative for smaller stocks rather than larger stocks.

[…]

This phenomenon has also been examined in other markets, and the findings have been similar. There is evidence that returns reverse themselves over long time period.

Winner and Loser portfolios

 

Since there is evidence that prices reverse themselves in the long term for entire markets, it might be worth examining whether such price reversals occur on classes of stock within a market. For instance, are stocks that have gone up the most over the last period more likely to go down over the next period and vice versa.

[…]

This analysis suggests that loser portfolio clearly outperform winner portfolios in the sixty months following creation. This evidence is consistent with market overreaction and correction in long return intervals. Jegadeesh and Titman find the same phenomenon occurring, but present interesting evidence that the winner (loser) portfolios continue to go up (down) for up to eight months after they are created and it is in the subsequent periods that the reversals occur.

[…]

Speculative Bubbles, Crashes and Panics

 

Historians who have examined the behavior of financial markets over time have challenged the assumption of rationality that underlies much of efficient market theory. They point out to the frequency with speculative bubbles have formed in financial markers, as investors buy into fads or get-rich-quick schemes, and the crashes with these bubbles have ended, and suggest that there is nothing to prevent the recurrence of this phenomenon in today's financial markets. There is some evidence in the literature of irrationality on the part of market players.

 

Bzgl. USA/Europa kann ich (eingeschränkt) zustimmen, da die kurz- bis mittelfristige Volatilität zu groß ist, um eine Kombi vernünftig traden zu können. Bei USA/EAFE sieht es m.E. wes. besser aus. Bzgl. MDAX/DAX kann ich deine Einschätzung absolut nicht nachvollziehen, da diese Kombi extrem große und damit für Mean Reversion Strategien sehr ergiebige Gaps aufbaut, nur noch übertroffen von MDAX/EURO STOXX 50, s. Anlage.

 

Deine Aussage „Auf jeden Fall braucht man aufgrund der sehr langen Zyklusdauer sehr viel Geduld, denn mit zwischendurch mal fast 10 Jahren (2003-2013) ohne dass sich der Zyklus zeigt trotzdem darauf zu vertrauen wäre mir vermutlich zu lange“ ist für meine bislang offene Frage, warum diese m.E. so offensichtliche und breit publizierte Marktineffizienz nach wie vor kaum von großen Tradern ausgebeutet und bis runter zur Kostenschwelle eliminiert wurde, eine mögliche Antwort. DANKE thumbsup.gif !!! Das wird vermutlich nicht nur dir so gehen. Außerdem sind professionelle Trader z.B. in Hedgefonds auch ganz anders nämlich extrem kurzfristig incentiviert (Quartale oder höchstens 1 Jahr). Es scheint aber in anderen Industrien (z.B. im klassischen Maschinenbau, wo ich schaff), erste Umkehrtendenzen zu geben, so auch (erst) seit letztem Jahr bei meinem Arbeitgeber. Da bleibt nur zu hoffen, dass dieser Trend von der Finanzindustrie nicht so schnell und breit aufgegriffen wird, damit uns kleinen Tradern noch etwas vom Ineffizienzkuchen bzw. faire „poker tables“ übrig bleiben. Aber zumindest aktuell ist das m.E. noch (lange) nicht der Fall und die Tendenz geht z.B. mit dem Hochfrequenzhandel genau in die entgegengesetzte Richtung. Wie siehst du dieses Thema „Chance für die kleinen Trader mit langfristigen Marktanomalien“?

 

Warum zeigt sich für dich 2003-2013 eigentlich kein Zyklus? EM/S&P500 ist m.E. seit Entstehung fast ununterbrochen ausgeprägt zyklisch unterwegs. Das wird hier auch nachdrücklich bestätigt:

Mean Reversion From the Lost Decade“:

 

Zitat

The cycle of great performance-terrible performance-great performance in the S&P 500 is pretty striking in these numbers. Emerging markets are the exact opposite with a streak of terrible performance-great performance-terrible performance. Apparently un-correlated returns do still exist in a more globalized financial world.

 

 

So, m.E. ist jetzt theoretisch alles hinreichend klar (für mich klarerweise mehr als offensichtlich ;-) geworden und nun Learning by Doing angesagt. Habe daher bereits in den für mich wohl vorerst letzten ruhigen Tagen am 3.1.17 eine Kombi-Position +7 x EURO STOXX 50 INDEX Futures (FESX) long –2 x MDAX Futures (F2MX) short aufgebaut, da die Charttechnik ein 1. Entry-Signal abgegeben hat und weitere Anzeichen für ein Ende der bereits 17 Jahre währenden Outperformance vom Faktor „Small“ vorliegen, z.B. ca. doppelt so hohe Bewertungen von SC/MC ggü. LC und bereits vor gut e 1 Jahr Neuauflage sogenannter „Smart Beta“ Multifaktor ETFs, die von Faktorload „Small“ dominiert werden, siehe Thread Factor Investing mit ETF". Außerdem habe ich meine andere Position EM/S&P500 am 5.1.17 umgestellt auf EM/S&PMC400: +12 x mini MSCI Emerging Markets Index Futures (MME) long –3 x E-mini S&P MidCap 400 Futures (EMD) short, da jetzt wie in D/Europa auch in den USA die Outperformance von „Small“ nach ca. 15 Jahren endet, nachdem diese eine letzte durch Trump befeuerte Übertreibungsphase durchlaufen haben, was ein weiteres sicheres Zeichen auf die bevorstehende Trendwende ist, s. Anlage. Außerdem warte ich auf das Entry-Signal für eine 3. M.E. aussichtsreiche Kombi-Position MSCI EAFE long / S&P MC MidCap short. Das steht m.E. bald bevor, und fundamentale Fakten sprechen auch dafür, u.a. erste Erholungstendenzen in Europa und USA am Zenit, s.o. Die Charttechnik bestätigt das noch nicht. Daher ist hier noch Abwarten angesagt. Wenn Ernüchterung bzgl. Trump eintritt, könnte dieses Signal bald in den kommenden Wochen vorliegen. Hier beobachte ich intensiv.

 

In folgender Anlage habe ich die Verläufe der Gaps dieser 3 m.E. für unmittelbar aussichtsreichen Kombi-Positionen sowie weiterer untersuchter Kombinationen dargestellt, die m.E. alle interessante Anzeichen für eine bereits laufende oder kurz bevorstehende Mean Reversion Trendwende aufweisen. Ich überlege noch, ob ich die aus Diversifikationsgründen alle handeln oder mich nur auf die aussichtsreichsten konzentrieren solte. Aktuell tendiere ich primär aus Zeitgründen für Beschränkung, da ich „nebenbei“ noch einen Knochenjob bewältigen muss, s.o. Was meinst du dazu?

 

Trading Chancen für WPF.pdf

 

Nach grundlegender Überarbeitung und Optimierung meiner Handelsstrategie "Am Tor zur Hölle" sieht meine aktuelle Futures-Position somit jetzt wie folgt aus:

 

2017-01-06_Futures-Position.pdf

 

So, das wär’s für heute. Jetzt bist du dran. Lass mich offen und ehrlich wissen, was du davon insgesamt hältst. D.h. welche Erfolgswahrscheinlichkeit siehst du in meinen konkreten Prognosen, und wie könnte man es noch besser machen? Bin gespannt auf dein Antwort und die weitere Entwicklung meiner Position.

 

Viele Grüße vom

Scharlatan Smartinvestor

 

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Dipl.-Ing, Germanistik-Student

11.720

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