Auswirkungen des Vega, Auflösung eines Denkfehlers

Geschrieben · bearbeitet von 120bar

Das Vega gibt bekanntlich an, wie sich der Wert der Option ändere, wenn sich die Volatilität um einen Prozentpunkt ändere.

 

Mir ist dabei schon klar, warum es geht, aber ich verstehe Folgendes nicht:

 

Bisher habe ich jedoch gelernt, dass die Optionspreise durch Angebot und Nachfrage wie an der Kassabörse zu Stande kommen (Gleichgewichtspreis räumt den Markt).

Wert einer verkauften Option (ist nach meinen allg. Überlegungen) der Briefkurs, da ich mit diesem ggf. zurückkaufen kann.

 

Diesem Gedanken folgend, kommt der Wert der Option nur durch die Kursstellung, welche ausschließlich von Angebot und Nachfrage abhängt, zusammen.

Das die Nachfrage hoch geht, wenn die Vola steigt, ist mir bewusst, die Wertsteigerungen der Optionen sind dann aber nur mittelbare Folge durch das Verhalten der Akteure am Markt bzw. die Nachfragesteigerung.

 

 

1. Ist der Wert der Option im Sinne der oben genannten Definition nur eine virtuelle Größe?

2. Wie schlägt das Vega durch und warum? Was ist mit dem "Wert der Option" genau gemeint?

3. Gibt es irgendwo einen Zahlenbeispiel (kann auch auf Englisch sein)?

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Geschrieben · bearbeitet von passiv_Investor

Ja, das ist korrekt. Optionspreise bilden sich durch Angebot und Nachfrage. Und durch den Börsenpreis kann ermittelt werden, wie hoch der Anteil des inneren Werts und wie hoch der Zeitwert der Option ist.<br style="mso-special-character: line-break"> Der Wert der Option ist entweder der zuletzt gehandelte Kurs oder der Mittelwert zwischen Bid und Ask. Alles andere wäre ja eine Betrachtung aus einer bestimmten Position heraus. Für den Long Inhaber wäre der Bidkurs (Geldkurs) der Glattstellungspreis und damit sein Wert und für den auf der Shortseite wäre es der Askkurs (Briefkurs). Wobei man dazu sagen muss, dass an Optionsmärkten auch oft verdeckte Orders eingestellt sind und man zumindest mit kleineren Stückzahlen auch oft zum Midpoint ausgeführt wird in liquiden Optionen.

Der Zeitwert muss sich logischerweise bis Laufzeitende abbauen. Leitet man die Black-Scholes Formel nach Lambda ab, so erhält man einen Wert größer null. Sowohl Puts als auch Calls reagieren in positiver Korrelation auf eine Veränderung der impliziten Volatilität.

Wenn mehr Schwankung erwartet wird, dann ist schließlich die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Option ins Geld läuft und sich eine Ausübung rentiert und umgekehrt.

Die Kennzahl Vega (als Lamdaersatz) drückt nun aus, wie groß die Sensitivität der Option gegenüber einer Veränderung der erwarteten (impliziten) Volatilität ist.

 

1. virtuell ist er nicht sofern er bezahlt und gehandelt wird

2. Der "Wert" ist der Preis der für eine Option bezahlt werden muss

3. Zahlenbeispiel wozu genau? Auswirkungen des Vegas?

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Geschrieben · bearbeitet von Cai Shen

Weil jedes Optionsbuch mit Black-Scholes beginnt, neigt man anfangs dazu, die Grundlagen von Optionen viel zu theoretisch zu betrachten.

- Eine Option ist genau das "wert", was man an der Börse dafür bezahlen muss

Genauso wie beim Value-Ansatz bei Aktien kann man für Optionen einen fairen Wert / inneren Wert / theoretischen Wert bestimmen.

Das bringt nur alles nichts, wenn zu diesem Preis kein Handel stattfindet.

 

- Die Griechen sind die Ableitung des Marktwerts einer Option, nicht anders herum!

In Abhängigkeit vom Marktpreis der Option, Restlaufzeit und Kurs des Basiswerts (sowie Referenzzins etc.) kann man die Griechen bestimmen. Die erhaltenen Parameter sind letztendlich eine Momentaufnahme und lediglich Ausdruck des Optionspreises.

Das die Nachfrage hoch geht, wenn die Vola steigt, ist mir bewusst,

Genau diese Dreher meine ich, richtig:

Weil die Optionspreises durch erhöhte Nachfrage steigen, ist auch eine Auswirkung auf die theoretisch ermittelte IV zu beobachten!

 

Daraus folgt:

1) der Wert einer Option an der Terminbörse ist der reale Wert

2) das Vega bestimmt größtenteils den Zeitwert einer Option (in Abhängigkeit von der Restlaufzeit)

3) entfällt, lade dir einen der vielen kostenlosen Optionsrechner aufs Handy. Bevor ich irgendwas Kaufe / Verkaufe spiele ich ganz gern mit den Auswirkungen wahrscheinlicher zukünftiger Enwicklungen wie Vola hoch/runter oder vermutlicher Wert in x Wochen.

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Weil jedes Optionsbuch mit Black-Scholes beginnt, neigt man anfangs dazu, die Grundlagen von Optionen viel zu theoretisch zu betrachten.

- Eine Option ist genau das "wert", was man an der Börse dafür bezahlen muss

Genauso wie beim Value-Ansatz bei Aktien kann man für Optionen einen fairen Wert / inneren Wert / theoretischen Wert bestimmen.

Das bringt nur alles nichts, wenn zu diesem Preis kein Handel stattfindet.

 

- Die Griechen sind die Ableitung des Marktwerts einer Option, nicht anders herum!

In Abhängigkeit vom Marktpreis der Option, Restlaufzeit und Kurs des Basiswerts (sowie Referenzzins etc.) kann man die Griechen bestimmen. Die erhaltenen Parameter sind letztendlich eine Momentaufnahme und lediglich Ausdruck des Optionspreises.

Das die Nachfrage hoch geht, wenn die Vola steigt, ist mir bewusst,

Genau diese Dreher meine ich, richtig:

Weil die Optionspreises durch erhöhte Nachfrage steigen, ist auch eine Auswirkung auf die theoretisch ermittelte IV zu beobachten!

 

Daraus folgt:

1) der Wert einer Option an der Terminbörse ist der reale Wert

2) das Vega bestimmt größtenteils den Zeitwert einer Option (in Abhängigkeit von der Restlaufzeit)

3) entfällt, lade dir einen der vielen kostenlosen Optionsrechner aufs Handy. Bevor ich irgendwas Kaufe / Verkaufe spiele ich ganz gern mit den Auswirkungen wahrscheinlicher zukünftiger Enwicklungen wie Vola hoch/runter oder vermutlicher Wert in x Wochen.

 

Die Ausführungen von Chai Shen konnte ich nachvollziehen, nichtsdestotrotz bin ich mit der Vegasache bzw. den Optionsgriechen noch nicht ganz klar.

 

Um die Auswirkungen von Gleichgewichtspreisverschiebungen im Basiswert und die damit verbundene Änderung der implizitäten Volatilität besser zu verstehen, brennen mir noch folgende Fragen unter den Fingern:

 

 

Wenn ein Investor eine Option, welche aus dem Geld ist, verkauft hat und dafür eine Optionsprämie in Höhe von X Dollar erhalten hat, kann dann der Rückkaufspreis*,die Höhe der zuvor bereits vereinnahmten Optionsprämie X übersteigen, solange sich die Option noch nicht im Geld befindet?

 

*Es soll angenommen werden, es gebe keine Orderkosten und eine Geldbriefspanne sei nicht vorhanden.

 

 

Ist die folgende Aussage korrekt:

 

Bei Optionen kommt es immer einem überproportionalen Zeitwertverfall am Ende der Laufzeit, der dem Optionsschreiber günstig ist. Ein Zeitwertgewinn, der dem Optionsschreiber schädlich ist, ist in –jedem Fall und zu jeder Zeit – ausgeschlossen, lediglich die absolute Höhe des Zeitwertverfalls ist veränderlich und von den Gleichgewichtspreisverschiebungen im Basiswert abhängig. Leitet man nur

den Zeitwertverfall ab so gilt: post-33135-0-34018500-1463265857_thumb.png

 

 

 

3. Zahlenbeispiel wozu genau? Auswirkungen des Vegas?

 

 

Ich suche ein Beispiel wo die Auswirkungen des Vegas ersichtlich werden, am besten in der Art als vorher nachher Vergleich nach einer impl. Volaänderung. Ich wollte mir bereits einen Optionsrechner anschaffen, um künftig Szenarien mit Kalenderspreads zu rechnen, jedoch werde ich mir jetzt, wie von Chai Shen empfohlen eine passende App suchen, sodass ich die Vegaauswirkungen selber herausfinden könnte.

 

 

Wenn Du jedoch ein dennoch ein Beispiel hättest,dann wäre das echt super!

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Geschrieben · bearbeitet von passiv_Investor

Wenn ein Investor eine Option, welche aus dem Geld ist, verkauft hat und dafür eine Optionsprämie in Höhe von X Dollar erhalten hat, kann dann der Rückkaufspreis*,die Höhe der zuvor bereits vereinnahmten Optionsprämie X übersteigen, solange sich die Option noch nicht im Geld befindet?

 

*Es soll angenommen werden, es gebe keine Orderkosten und eine Geldbriefspanne sei nicht vorhanden.

 

Ja natürlich. Dafür genügt z.B. ein Volatilitätsanstieg. Damit steigt der Zeitwert an auch wenn die Option aus dem Geld sein sollte.

Ist die folgende Aussage korrekt:

 

Bei Optionen kommt es immer einem überproportionalen Zeitwertverfall am Ende der Laufzeit, der dem Optionsschreiber günstig ist. Ein Zeitwertgewinn, der dem Optionsschreiber schädlich ist, ist in –jedem Fall und zu jeder Zeit – ausgeschlossen, lediglich die absolute Höhe des Zeitwertverfalls ist veränderlich und von den Gleichgewichtspreisverschiebungen im Basiswert abhängig. Leitet man nur

den Zeitwertverfall ab so gilt: post-33135-0-34018500-1463265857_thumb.png

Das stimmt in der Theorie schon. Aber natürlich kann der Zeitwert trotzdem zunehmen, wenn die Erwartung an die Schwankung (implizite Vola) sich verändert oder einer der anderen Faktoren, der Einfluss auf den Optionspreis hat.

Black-Scholes geht eben von einer konstanten impliziten-Vola aus. Das trifft in der Realität eben nicht zu. Die Erwartungen ändern sich beständig.

 

3. Zahlenbeispiel wozu genau? Auswirkungen des Vegas?

 

 

Ich suche ein Beispiel wo die Auswirkungen des Vegas ersichtlich werden, am besten in der Art als vorher nachher Vergleich nach einer impl. Volaänderung. Ich wollte mir bereits einen Optionsrechner anschaffen, um künftig Szenarien mit Kalenderspreads zu rechnen, jedoch werde ich mir jetzt, wie von Chai Shen empfohlen eine passende App suchen, sodass ich die Vegaauswirkungen selber herausfinden könnte.

 

 

Wenn Du jedoch ein dennoch ein Beispiel hättest,dann wäre das echt super!

 

Häufig ist der reine Volaänderungseffekt nicht direkt ersichtlich, weil zusätzlich Preisveränderungen im Basiswert stattfinden. Aber besonders stark sieht man z.B. einen Optionspreisverfall nach der Verkündung von Quartalszahlen. Die Erwartungen an eine Aktienpreisbewegung gehen schlagartig raus und die implizite Vola bricht ein. Dann fallen auch oft die Optionspreise, selbst wenn sich der Kurs dem Strike stark nähern sollte.

 

Wenn es jetzt rein um ein Vegabeispiel geht, dann kannst du dir das so vorstellen:

Der Facebook Call mit Verfall am 17.Juni und Strike 120 USD notiert derzeit bei 3,30 USD und hat ein Vega von ca. 0,145 und eine implizite Vola von 22,7

Sollte jetzt also die Erwartung an die Schwankung um 1%-Punkt anziehen, d.h. von 22,7 auf 23,7 dann wird die Option um 0,145 USD zulegen und damit etwa 4% wertvoller.

 

Hier auch nochmals als DAX Beispiel: Vega Beispiele

 

Auf am Geld Optionen hat das Vega den größten Einfluss, was auch in dieser Facebook Optionskette ersichtlich wird:

 

fq9cg7tx.png

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Geschrieben

Wenn ein Investor eine Option, welche aus dem Geld ist, verkauft hat und dafür eine Optionsprämie in Höhe von X Dollar erhalten hat, kann dann der Rückkaufspreis*,die Höhe der zuvor bereits vereinnahmten Optionsprämie X übersteigen, solange sich die Option noch nicht im Geld befindet?

 

*Es soll angenommen werden, es gebe keine Orderkosten und eine Geldbriefspanne sei nicht vorhanden.

 

Ja natürlich. Dafür genügt z.B. ein Volatilitätsanstieg. Damit steigt der Zeitwert an auch wenn die Option aus dem Geld sein sollte.

Ist die folgende Aussage korrekt:

 

Bei Optionen kommt es immer einem überproportionalen Zeitwertverfall am Ende der Laufzeit, der dem Optionsschreiber günstig ist. Ein Zeitwertgewinn, der dem Optionsschreiber schädlich ist, ist in –jedem Fall und zu jeder Zeit – ausgeschlossen, lediglich die absolute Höhe des Zeitwertverfalls ist veränderlich und von den Gleichgewichtspreisverschiebungen im Basiswert abhängig. Leitet man nur

den Zeitwertverfall ab so gilt: post-33135-0-34018500-1463265857_thumb.png

Das stimmt in der Theorie schon. Aber natürlich kann der Zeitwert trotzdem zunehmen, wenn die Erwartung an die Schwankung (implizite Vola) sich verändert oder einer der anderen Faktoren, der Einfluss auf den Optionspreis hat.

Black-Scholes geht eben von einer konstanten impliziten-Vola aus. Das trifft in der Realität eben nicht zu. Die Erwartungen ändern sich beständig.

 

 

Ich suche ein Beispiel wo die Auswirkungen des Vegas ersichtlich werden, am besten in der Art als vorher nachher Vergleich nach einer impl. Volaänderung. Ich wollte mir bereits einen Optionsrechner anschaffen, um künftig Szenarien mit Kalenderspreads zu rechnen, jedoch werde ich mir jetzt, wie von Chai Shen empfohlen eine passende App suchen, sodass ich die Vegaauswirkungen selber herausfinden könnte.

 

 

Wenn Du jedoch ein dennoch ein Beispiel hättest,dann wäre das echt super!

 

Häufig ist der reine Volaänderungseffekt nicht direkt ersichtlich, weil zusätzlich Preisveränderungen im Basiswert stattfinden. Aber besonders stark sieht man z.B. einen Optionspreisverfall nach der Verkündung von Quartalszahlen. Die Erwartungen an eine Aktienpreisbewegung gehen schlagartig raus und die implizite Vola bricht ein. Dann fallen auch oft die Optionspreise, selbst wenn sich der Kurs dem Strike stark nähern sollte.

 

Wenn es jetzt rein um ein Vegabeispiel geht, dann kannst du dir das so vorstellen:

Der Facebook Call mit Verfall am 17.Juni und Strike 120 USD notiert derzeit bei 3,30 USD und hat ein Vega von ca. 0,145 und eine implizite Vola von 22,7

Sollte jetzt also die Erwartung an die Schwankung um 1%-Punkt anziehen, d.h. von 22,7 auf 23,7 dann wird die Option um 0,145 USD zulegen und damit etwa 4% wertvoller.

 

Hier auch nochmals als DAX Beispiel: Vega Beispiele

 

Auf am Geld Optionen hat das Vega den größten Einfluss, was auch in dieser Facebook Optionskette ersichtlich wird:

 

fq9cg7tx.png

 

@Passivinvestor:

Vielen Dank für die Beispiele !

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