Deka Express-Zertifikat Memory mit Airbag auf STOXX 50

  • EU0009658145
  • STOXX50
  • Deka

Geschrieben

Hallo alle zusammen,

 

meine Eltern versuchen aktuell in der Niedrigzinsphase an Rendite zu kommen und haben mir kürzlich berichtet Deka STOXX 50 Zertifikate kaufen zu wollen. Sie haben keinerlei Ahnung/Erfahrung mit Aktien (bis auf AG-Aktien), Zertifikaten, usw..

Ich werde ihnen deswegen davon dringend abraten und suche deswegen nach guten Argumenten, da ich mich selbst mit Zertifikaten nicht auskenne. Als Alternative werde ich ihnen dann ein ETF Weltdepot vorschlagen.

 

Das Zertifikat, dass sie unbedingt kaufen wollen ist folgendes:

 

Nürnberg Express-Zertifikat Memory mit Airbag der DekaBank bezogen auf den EURO STOXX 50

Stammdaten:

ISIN: DE000DK0LAP7

WKN: DK0LAP

Basiswert: EURO STOXX 50 (EU0009658145)

Fälligkeit: 30.08.2023

Währung: EUR

Emittent: DekaBank

Emissionstag: 04.09.2017

Emissionspreis: 100€

Bonus: 3.30€

Bonus-Schwelle: 75%

Cap: 100%

IEV: 96,47€

 

Online-Übersicht:

https://zertifikate.deka.de/Produkte/Produktdetail?isin=DE000DK0LAP7

 

Verkaufsprospekt:

https://mmscache.deka.de/DE000DK0LAP7_PIB.pdf

 

Mir ist nun folgendes aufgefallen:

- Bei dem Papier steigt man automatisch aus, sobald 100% des Startwerts am Bewertungstag überschritten sind. In dem Fall hat man 3.3% Rendite abzüglich Zertifikat-Kosten und die Bank streicht die Kursgewinne ein.

- Idealerweise liegt der Kurs im Anlagezeitraum unter 100% aber über 75% um die Boni einzustreichen (3.3%). Am Ende sollte der Kurs über 75% liegen, dann hätte man im günstigsten Fall 3.3% Rendite ohne Kosten im Jahr.

- Die Kapitalanlage ist nicht abgesichert nach unten, Totalverlust möglich

- Erwerbskosten bis zu 1%, nach Zeichung Ausgabeaufschlag von 1%, + Depotengelt (Sparkasse)

- IEV von 96,47€ -> hohe Kosten

- Da das Zertifikat von einem Emissionstag ausgeht, hat man ein verhältnismäßig hohes Klumpenrisiko

- STOXX 50 ist nicht breit gestreut im Vergleich zu einem ETF-Weltdepot

 

Der Sinn von dem Zertifikat scheint mir die Bonuszahlung von 3.3% p.a. zu sein, die bis zur Schwelle von 75% gilt. Von einer positiven Wertentwicklung des STOXX 50 hat man nichts und bei Unterschreitung der Schwelle von 75% wirds teuer.

Ergo scheint das Zertifikat eine Wette auf maximal 25% Kursverlust des STOXX 50 zu sein bei einer Rendite von 3.3% ohne Zertifikat-Kosten.

Abzüglich der Gebühren von 1% Ausgabeaufschlag wären dass dann 2.3%, hinsichtlich des IEV frage ich mich dann wo der Rest der Kosten versteckt ist. In der Gewinnmitnahme der Bank bei >100% und in dem Verlust <75%?

 

Was haltet ihr von dem Papier? Ich halte überhaupt nichts davon, alleine schon, weil man nicht in einem Bereich investieren sollte, in dem man überhaupt keine Erfahrung hat.

 

Vielen Dank schonmal für den Rat!

 

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Geschrieben · bearbeitet von tyr

vor 1 Stunde schrieb Nyx:

Hallo alle zusammen,

 

meine Eltern versuchen aktuell in der Niedrigzinsphase an Rendite zu kommen und haben mir kürzlich berichtet Deka STOXX 50 Zertifikate kaufen zu wollen. Sie haben keinerlei Ahnung/Erfahrung mit Aktien (bis auf AG-Aktien), Zertifikaten, usw..

Ich werde ihnen deswegen davon dringend abraten und suche deswegen nach guten Argumenten, da ich mich selbst mit Zertifikaten nicht auskenne. Als Alternative werde ich ihnen dann ein ETF Weltdepot vorschlagen.

 

Deine Eltern sind offenbar frustriert über die niedrigen Renditen ihrer konservativen Zinsanlagen in der Niedrigzinsphase. Gut. Als erstes empfehle ich, deinen Eltern klar zu machen, dass Rendite durch eingegangenes Risiko zu holen ist, siehe magisches Dreieck der Geldanlage: https://de.wikipedia.org/wiki/Magisches_Dreieck_der_Vermögensanlage

 

Wenn deine Eltern keine Ahnung und keine Erfahrung mit Aktien und Zertifikaten haben: Finger weg von irgendwelchen Zertifikaten. Was sie für ihre Geldanlage brauchen sind keine Produktempfehlungen von der Filialbank vor Ort und irgendwelche Zertifikate, sondern Grundwissen über Chancen, Risiken und Möglichkeiten der Geldanlage von Privatanlegern. Empfehle doch z. B. mal folgendes aktuelles Buch zur Geldanlage von der Verbraucherzentrale zu lesen: https://www.ratgeber-verbraucherzentrale.de/cookies/geldanlage

Alternativ reicht vielleicht auch schon das Buch Geldanlage für Faule von Finanztest: https://www.test.de/shop/geldanlage-banken/geldanlage-fuer-faule-sp0355/

 

Ich an deiner Stelle würde nur dazu raten, Empfehlungen geben, wie sich deine Eltern grundlegend über das Thema schlau machen können und selbständig werden, statt irgendwelche strukturierten Anlageprodukte zu kaufen, deren Risiken sie nicht verstehen und die ihre eigenen Finanzziele vielleicht gar nicht erreichen helfen.

 

Nicht machen: frustriert über niedrige Erträge konservativer Zinsanlagen sein, sich beim Bankberater irgend ein riskantes Finanzprodukt verkaufen lassen, was der Bankberater gern im Interesse der Bank verkauft und was man nicht versteht.

Machen: Grundlagen über Geldanlage- und Finanzthemen anlesen, selbst auf Banken, Broker und Vermittler zugehen und mit selbst definierten Anlagezielen oder Produktwünschen einfordern, was man selber im Eigeninteresse haben will.

 

Weltdepot würde ich auch nicht vorschlagen. Ein Weltdepot ist nur eine Durchführungsform von breit gestreuter Aktienanlage. Wichtiger als das ist, wie viel Risiko deine Eltern wirklich eingehen können und wie viel sie eingehen wollen. Deine Eltern sollten erst einmal bestimmen lernen, was sie denn mit dem Geld erreichen wollen. Danach kann man wenn sich das aufrängt eine Asset Allocation definieren. Konkrete Finanzprodukte kommen erst ganz am Schluss. 

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Der Antwort von tyr ist nicht mehr viel hinzuzufügen, außer einer Kleinigkeit zum Thema Zertifikateverständnis hinsichtlich deiner Eingangsbehauptung.

Die Bank verdient nichts wenn der EuroStoxx über die 100% Emissionspreis steigt, denn sie sichert sich natürlich am Kapitalmarkt ebenso ab, damit ihr keine Verluste entstehen und sie lediglich den Ausgabeaufschlag einstreicht. Die Bank hat damit die selbe Position wie der Zertifikatekunde und ihr ist im Prinzip egal was dann geschieht. Wobei sie sich natürlich immer freut, wenn der Kunde Gewinn macht, da er den dann sicher gerne wieder von Bankberater anlegen lässt. ;-)

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Geschrieben · bearbeitet von Rubberduck

Ich kaufe selbst gerne Zertifikate. Einfache Capped-Bonus-Konstruktionen, die ich auch verstehe.

Bei Express gibt es verschiedene Varianten. Vergleich ist zäh. Retail-Kunden bevorzugen irgendwas mit Kupon.

Express kann sich lohnen, wenn der Basiswert stark gefallen ist.

Habe mit Express-Zertis auf VW Vz gutes Geld verdient. Direkt nach dem Diesel-Skandal.

 

Bei Produkten, die auf Hochglanzpapier offeriert werden, verdient hauptsächlich die Bank.

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Geschrieben

Bei Zertifikaten sollte man auch das Emittentenrisiko bedenken und bei dem genannten Zertifikat ist laut DEKA kein Börsenlisting geplant, allerdings ist ein Verkauf an die Emittentin möglich, welche den Rücknahmepreis festlegt.

 

Beim Weltdepot hättest du ein Wechselkursrisiko (allerdings auch -chancen), ob es aber für deine Eltern geeignet ist kann ich nicht beurteilen.

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Kein Börsenlisting ist in der Tat eine sehr unschöne Sache, selbst wenn man das Zertifikat bis Fälligkeit halten würde.

So ist man immer auf die Kursstellung des Emittenten angewiesen bei einem eventuellen vorzeitigen Verkauf.

Bei einem Kauf eines Zertifikats über die Börse spart man sich zudem den Ausgabeaufschlag (auch wenn der Berater dann natürlich nix verdient, aber wissen sollte das jeder Kunde).

 

Selbst bei einem DAX ETF hätte man indirekt Wechselkursrisiken. Die meisten Konzerne aus dem DAX erwirtschaften inzwischen einiges an Umsatz in Fremdwährung und sind daher ebenso Wechselkursschwankungen unterworfen wie jede ausländische Firma auch.

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