wie finanzieren sich depotführende Institute?

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Hallo,

 

mit meinem überschaubaren Depot (ein paar ETF Positionen, quasi keine Handelsaktivität) bin ich bei GENO Broker. Mir ist natürlich bewusst, dass es auch für dieses Trading-Verhalten günstigere Angebote gibt, aber die EUR 20 pro Jahr fand ich OK und fair. Jetzt hat GENO Broker aber zum 01.07. eine Gebührenerhöhung angekündigt, die in meinem Fall auf EUR 100 pro Jahr hinausläuft (versteckt als "bis zu EUR 24,95 p.Q."). Da lohnt es sich dann schon, sich nach Alternativen umzusehen. Das soll aber gar nicht das Thema sein.

 

In diesem Zusammenhang habe ich mich nämlich gefragt, ob die depotführenden Institute außer von mir noch von Dritten einen Betrag für die Depotführung erstattet bekommen, z.B. in Form irgendwelcher Kickbacks. Falls ja, unterscheiden sich diese in der Höhe bei Aktien, ETFs und klassischen aktiven Fonds? Bei klassischen Fonds kenne ich Bestandsprovisionen, aber die gehen ja m.W. an den Vermittler. Im Verkaufsprospekt eines meiner ETFs (iShares STOXX Europe 600, 263530) gibt es ein paar Positionen, wo man so etwas hineininterpretieren könnte, aber es steht nicht klar da.

 

Angesichts der steigenden Beliebtheit von ETFs und einem Trend zu längerem Halten (vor allem im Vergleich zu Einzelaktien, aber auch zu den aktiven Fonds, wo der Bankberater auch beim Umschichten profitiert): Könnte es sein, dass die drastische Preiserhöhung bei GENO Broker Nachahmer findet, so wie es auch immer weniger kostenlose Girokonten gibt (weil hier die bisherige Mischkalkulation in der Niedrigzinsphase aus dem Tritt gerät)?

 

Gruß

 

Alex

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mir persönlich ist es erstmal völlig Schnuppe, welche Provisionen meine Bank mit dritten aushandelt.

Für mich zählt einzig und allein der Preis, den ich bezahlen müsste. und aktuell zahle ich bei keinem Depot Entgelt.

 

Das gute ist ja, das niemand gezwungen ist, bei nur einem Broker zu bleiben. Für 100€ im Jahr kann man bei so einigen kostenlosen Onlinebroker eine Menge Orders erteilen.

Wäre ich bei GENO Kunde, würde ich mir weniger Gedanken um die Bank machen, sondern mir einen Broker suchen, der ab 01.07. besser zu meinen Bedürfnissen passt.

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There ain’t no such thing as a free lunch. Dem Institut entstehen ja auch in der Bestandsführung laufende Kosten (z.B. durch jährliche Steuerbescheinigungen oder die Reform des Investmentsteuergesetzes). Wenn es keine Kickbacks o.ä. gibt, muss das querfinanziert werden (z.B. durch "überteuerte" Handelsgebühren, die dann andere Kunden bezahlen oder weil das Depot als Lockvogel für weitere Produkte dient). Ein faires Gebührenmodell wäre eine komplizierte Funktion aus Depotbestand, Anzahl und Höhe der Trades; zu kompliziert, als dass es einer verstehen könnte. Also wird es vereinfacht. Und mit einem Data Warehouse könnte man dann die schlimmsten Kunden finden, die das Modell "missbrauchen" und für Verlust sorgen, und ihnen kündigen (unter Gegenrechnung eines eventuellen Imageschadens durch einen Shitstorm "unbescholtenem Anleger wurde grundlos Depot gekündigt").

 

Wenn es andererseits Kickbacks gibt, könnte es dadurch (zumindest theoretisch) zu Interessenkonflikten kommen, weil die Bank dann nicht nur dir als Kunde verpflichtet ist. Das wüsste ich dann schon ganz gerne.

 

Und ja, einen anderen Broker habe ich mir quasi schon ausgesucht. Dazu gibt es (im Gegensatz zu diesem Thema) hier und anderswo genug zu lesen.

 

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vor 16 Stunden schrieb alex_f:

Ein faires Gebührenmodell wäre eine komplizierte Funktion aus Depotbestand, Anzahl und Höhe der Trades; zu kompliziert, als dass es einer verstehen könnte. Also wird es vereinfacht.

In Deutschland sind Depotgebühren zumindest bei den Direktbanken recht selten - da die der Privat-Kunde steuerlich nicht geltend machen kann. Den Sparerfreibetrag bekommt man so oder so.

Im Gegensatz dazu gehen die Handelsgebühren ja in die Anschaffungspreise ein und mindern die steuerlichen Verkaufswerte.

 

Wenn Du schon nach weiteren Einnahmequellen für Depotbanken suchst: 

Die Gutschrift von Erträgen in Fremdwährung. Wenn ein ETF halt in US$ ausschüttet, wird Dir der Betrag zu mehr oder weniger fairen Kursen in EUR gutgeschrieben. Aber natürlich schickt die Depotbank nicht den Azubi mit Deinen 100 + x US$ zur nächsten Wechselstube, sondern reicht die US$ beim Beispiel der GENO vermutlich an die DZ Bank weiter - die damit dann halt ausgehende Zahlungen in US$ abwickelt.

 

Im übrigen würde ich mich WEST263 anschliessen - 100 EUR Depotgebühren (sind das 1% oder 0,1% vom Depotwert ?) pro Jahr ist viel zu teuer.

 

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Die Depotgebühren lassen sich durch 1 Order pro Quartal sparen. Damit wird es für Anleger, die wenigstens ab und zu mal kaufen oder verkaufen, günstiger. Ich kann es durchaus verstehen, dass der Broker nicht besonders an Kunden interessiert ist, die gar nicht handeln und nur ihre Bestände verwalten lassen. Die geplanten Depotgebühren für diese Kundengruppe finde ich aber doch etwas übertrieben. Das kann bei mehr als 10 Postitionen sehr teuer werden.

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Auch wenn es mir hier eigentlich nicht um GENO oder andere konkrete Broker ging, sondern um eine Grundsatzfrage, hier das wichtigste aus dem neuen GENO Gebührenmodell:

  • Depotgebühr 0,05% p.Q. vom Bestand, min. EUR 9,95, max. EUR 24,95 p.Q.
  • 10 Posten inkl.
  • ab dem 11. Posten EUR 1,49 p.Q.
  • Depotgebühren entfallen ab der ersten Transaktion im Quartal
  • Ordergebühr online 0,25%, min. EUR 9,95, max. EUR 49,95 (ab 12 Transaktionen pro Jahr 0,19%)
  • Digitale Postbox, Porto wird extra berechnet

Besonders perfide finde ich, dass alle Kosten pro Quartal angegeben (schöngerechnet) werden, was viele, die das Schreiben erhalten haben, überlesen dürften (weil in der Gegenüberstellung natürlich die alten Preise p.a. angegeben sind). Auf handelsübliche Angaben umgerechnet heißt das:

  • Depotgebühr 0,2% p.a., min. EUR 39,80, max. EUR 99,80 p.a.
  • d.h. Maximum fällig ab einem Depotbestand von rund EUR 50.000.
  • zzgl. EUR 5,96 p.a. pro Posten ab dem 11. Posten

Aber zurück zu meiner Ausgangsfrage. Viktoria schreibt "Ich kann es durchaus verstehen, dass der Broker nicht besonders an Kunden interessiert ist, die gar nicht handeln und nur ihre Bestände verwalten lassen." Ich kann es auch verstehen, wenn tatsächlich keine Kickbacks für die Bestandsverwaltung fließen. Allerdings wundere ich mich dann umso mehr, dass GENO meine bisherigen EUR 20 p.a. nicht mehr genügen und sie offensichtlich kräftig auf EUR 100 erhöhen müssen, während z.B. eine ING DiBa diese Leistung für EUR 0,00 anbietet.

 

Alex

 

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vor 10 Stunden schrieb alex_f:

Aber zurück zu meiner Ausgangsfrage. Viktoria schreibt "Ich kann es durchaus verstehen, dass der Broker nicht besonders an Kunden interessiert ist, die gar nicht handeln und nur ihre Bestände verwalten lassen." Ich kann es auch verstehen, wenn tatsächlich keine Kickbacks für die Bestandsverwaltung fließen. Allerdings wundere ich mich dann umso mehr, dass GENO meine bisherigen EUR 20 p.a. nicht mehr genügen und sie offensichtlich kräftig auf EUR 100 erhöhen müssen, während z.B. eine ING DiBa diese Leistung für EUR 0,00 anbietet.

Soweit ich das weiß erhalten die Depotbanken für die Verwaltung von Fonds und ETFs Bestandsprovisionen. Für Aktien dürfte das nicht gelten.

 

Die Börsen scheinen aber den Banken einen Teil der Transaktionskosten zu erstatten. Jedenfalls verstehe ich diesen Hinweis: "In Abhängigkeit der Anzahl der Transaktionen pro Depot im Jahresdurchschnitt erhält Ihre Bank, bei der Sie Ihre Kontoverbindung haben, eine Rückvergütung zwischen 0% und 30% der erzielten Bruttoerlöse." in der Kosteninformation von GENO so. Das erklärt dann auch, warum es weitere Vergünstigungen ab mindestens 12 Transaktionen pro Jahr gibt.

 

Bei der Diba erscheint dies: "Die ING-DiBa erhält bei Orderausführung eine Rückvergütung vom Handelspartner. Diese wird Ihnen nicht belastet und reduziert auch nicht Ihr Anlagevermögen." Außerdem wird in der Kosteninformation noch ein genauer Betrag angegeben.

 

Bei Consors vermisse ich diese Kosteninformation. Da wird man nur auf den Kostenrechner und das Preis- und Leistungsverzeichnis verwiesen.

 

Die massive Erhöhung bei GENO könnte ganz einfach dazu dienen, die passiven Kunden zum Handeln zu motivieren (entweder die Bank zu wechseln oder ab und zu mal eine Transaktion durchzuführen). Wer beim Lesen nicht merkt, was das Ganze kosten kann, wird nach der ersten Abrechnung böse erwachen.

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vor 3 Stunden schrieb Viktoria:

Soweit ich das weiß erhalten die Depotbanken für die Verwaltung von Fonds und ETFs Bestandsprovisionen. Für Aktien dürfte das nicht gelten.

 

Das kann ich ergänzen: Soweit ich weiß, erhalten die Depotbanken für die Auszahlung von Dividenden eine "Bearbeitungsgebühr" von den ausschüttenden Unternehmen.

 

Es könnte sein, daß das bei Dividenden von ausländischen Unternehmen nicht der Fall ist; das würde die Gebühren erklären, die Flatex für ausländische Dividenden berechnet.

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