Optionsschein Abenteuer - The End

  • Optionsscheine
  • Turbo
  • Knock-out

Geschrieben

 

Das wars. Mein Optionsschein Abenteuer ist beendet, der Turbo ist aus. 4500€ sind im großen Rauschen der Finanzwelt untergegangen.

Ein kurzer Erfahrungsbericht und ein Mahnmal für die, die nach mir kommen.

 

Ich hatte 12.000€ zum investieren. Habe mich 3 Monate lang in die Börsen und Wertpapierwelt eingelesen. Mein ursprünglicher Plan war es nur in ETF zu investieren.

Doch dann beschloss ich ca. 1/3 des Betrages in Optionsscheine zu riskieren. Man muss diszipliniert sein, Moneymanagement betreiben, immer nur einen kleinen Teil des Kontos riskieren, 

nicht in Spielsucht verfallen, immer so kleinere Beträge gewinnen und so langsam geht das Konto hoch. Dachte ich.

 

Hier meine Praxiserfahrung:

 

Phase1 (1 Woche)

 

Einsätze von max 500€ in Turbos auf DAX/DJ mit geringem Hebel bis 10. Gewinne und Verluste gleichen sich aus. Ich bin ruhig und beobachte das Börsengeschehen. 

Fühle mich sehr selbstsicher und sehe überall Chancen. Die Finanzwelt ist eine aufregende neue Welt!

Planänderung: Gewinne länger laufen lassen und Verluste einschränken um ins Plus zu kommen.

 

Phase2 (1Woche)

 

Gewinne länger laufen lassen funktioniert kaum. Statt dessen dreht sich der Trend und aus Gewinnen werden Verluste. Aus 4500€ sind 4000€ geworden.

Ich werde zunehmend nervös und verbringe immer mehr Zeit mit dem Börsengeschehen. Sehe überall verpasste Chancen. Alle verdienen sich eine Goldene Nase und ich sitze untätig rum!

Planänderung: Höherer Einsatz um Gewinne zu erhöhen, Hebel 10-20. Bei Verlusten weiterhin schnell raus.

 

Phase3 (3 Tage)

 

Turbos auf DAX/DJ mit Einsätzen bis 700€, Hebel 10-20. Mal stimmt der Trend, mal scheint der Index genau zu wissen dass genau ich was mache und reagiert um mir einen 

Strich durch die Rechnung zu machen. Nullsummenspiel. Kontostand sinkt leicht auf 3800€. Ich denke zunehmend spekulativ. Aus Handeln nach festen Vorsätzen werden immer mehr Ausnahmen.

Schlafe nicht gut und will die Verluste schnell wieder ausgleichen. Im Minus zu sein ist Mist! 

Planänderung: Aus nix wird nix. Mehr Risiko wagen mit höherem Hebel.

 

Phase4 (1 Tag)

Nun hat es geklappt. Ich bin der neue Börsen-Gott. 900€ Gewinn an einem Tag. Vielleicht sollte ich meinen Job aufgeben und als Börsengenie arbeiten?

Habe ich eigentlich überhaupt was gegessen heute?

Planänderung: Es gibt keine Pläne mehr. Mein Talent wird mich zu immer neuen Höhen leiten.

 

Phase5 (1 Tag)

3400€ in einen Schein. Zunehmender Verlust des Gefühls für das Geld. Der DJ fällt und fällt nicht. Ich hätte den Gewinn von 100€ mitnehmen sollen.

Dann kam die Verlustzone und ich wollte aussitzen. Vielleicht dreht es sich ja wieder. Statt dessen fällt und fällt der Wert. 400€ Restwert.

Ich fühle mich betrogen. Wie konnte ich nur so viel in einen Schein investieren. Ich muss Rache nehmen.

Planänderung: Es gibt wieder einen Plan. Ich werde nur noch kleinere Beträge investieren und im Laufe von 3-6 Monaten in mühsamer Arbeit wieder im Plus sein. Ohne Disziplin geht es nicht.

 

Phase5 (1 Tag)

Flasche leer. Konnte das Gefühl nicht ertragen im Minus zu sein. Schnelle Erfolge sollten her. Volles Risiko gegangen. 

 

 

 

Nun ja, so viel zu Theorie vs. Praxis. Damit ist mein Abenteuer vorbei. Werde nun nur noch passiv investieren. 

Manche Leute müssen immer alles selber schmerzlich erfahren. Ich gehöre wohl dazu. 

 

Allen anderen wünsche ich viel Glück und: Finger weg von Optionsscheinen!

 

Arasu

 

 

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Geschrieben · bearbeitet von marcel

Ich habe vor langer Zeit mit Optionsscheinen spekuliert. Eine zeitlang erfolgreich, später weniger erfolgreich. Dann ein Versuch mit CFDs (erfolgreich), später mit Futures (weniger erfolgreich). Die Testphase lief sehr gut, am Ende standen rund 3k€ minus im Depot.
Es ist verlockend, wenn man 2000€ an einem Tag gewinnt, ernüchternd, wenn man durch einen Fehler in der Handelssoftware knapp 3000€ an einem Tag verliert.
Am Ende bleibt die Erkentnis, daß es ein hochriskantes Spiel ist, das letztlich vom aktuellen Marktumfeld abhängt. Man hat nicht gewonnen, weil man gut ist sondern weil man Glück hatte. Auf lange Sicht verliert man, weil die Verluste eines falschen Trades die Gewinne vieler guter Trades auffressen.
So zahlt man Lehrgeld und kommt zu dem Schluß, daß es schnelles Geld nicht gibt und begnügt sich mit den bescheidenen Einahmen einer vernünftigen defensiven Strategie. :)

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Geschrieben

vor 12 Minuten schrieb marcel:

 Auf lange Sicht verliert man, weil die Verluste eines falschen Trades die Gewinne vieler guter Trades auffressen.
 

 

Bei mir kam dann noch die Psychologie hinzu, dass ich den Verlust schnell mit mehr Risiko wieder gutmachen will. Musste ja schiefgehen, denn wenn es einmal klappt, macht man ja weiter bis es wieder dann schief geht.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Geschrieben

Die meisten scheitern nicht an ihrer Tradingstrategie sondern an ihrem Risiko- und Moneymanagement und ihrer Psyche.

Gutes Fallbeispiel, Arasu. Vielen Dank für die Offenheit.

Der Mensch lernt am besten aus seinen Fehlern.

 

Aber zwischen passiven Anlage-ETFs und spekulativen KO-Zertifikaten liegt schon ein kleiner Unterschied. Da kann man nicht mit der selben Renditeerwartung herangehen.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Geschrieben

Danke fürs teilen.

Hebel 10 ist alles andere, als niedrig. Gilt für Turbos noch mehr, als für Plain Vanilla Optionsscheine. 

Damit bist Du bei Turbulenzen im Handumdrehen KO, da die Schwelle nur ca. 10% unter Dir ist.

Statt aus Erfahrung schlau zu werden und mit niedrigerem Hebel zu arbeiten, erhöhst Du den Hebel und gehst nun noch schneller baden.

 

Ich habe Derivate nur auf Einzelwerte- auch wenige Endlos-Turbos mit niedrigem Hebel (bis 3,5) und entsprechend je nach Aktie mindestens 28% Abstand (Apple),

alles andere um die 40% Abstand. Ich bevorzuge länger laufende Plain Vanillas mit Hebeln um 5.

Bin aber auch kein Trader, sondern langfristig orientiert. Da reicht es, hin und wieder (gut gelaufene) Plain Vanillas auszutauschen.

 

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Geschrieben

Die Frage ist auch, aus welchem Grund wurde auf was gesetzt? Ich würde mal sagen, Arasu "tried to play a Fool's game". Das soll nicht beleidigend sein, aber wenn man überhaupt keine Basis dafür hat zu glauben, dass jetzt der DAX hoch oder runter geht und einfach nur auf Bauchgefühl setzt, dann kann man nur verlieren (denn die Bank gewinnt immer). Was ganz Anderes ist es, wenn man mit einer ganz konkreten These auf einen einzelnen Wert (machbar) oder einen Index (schwieriger) geht und dann auch zu der Entscheidung über einen längeren Zeitraum steht. Kann natürlich trotzdem anders kommen als gedacht, aber ist dann wenigstens besser als einfach nur nach der Laune morgens zu zocken. Vollkommen irrational und zum Scheitern verurteilt meiner Meinung nach (und komme mir jetzt keiner mit Charttechnik, das ist Käse).

 

Ich habe mit Turbos schon sehr viel Geld eingenommen, aber immer nur mit Spielgeld dessen Totalverlust ich verschmerzen kann und immer mit einer klaren These (meist Einzelwerte). Dazu gehören maßvolle Hebel (so um die 4 meist bei mir) und guter Abstand zur KO-Schwelle. Ging natürlich auch manchmal daneben, aber insgesamt hat mir das viel Geld eingebracht. Man muss aber seine Gier in Zaum halten und das wirklich nur dann machen, wenn man absolut überzeugt ist (und bloß nicht nachschießen, wenn die ersten KOs verfallen, den Fehler habe ich auch mal schmerzlich gemacht). Ich mache das auch grundsätzlich über längere Phasen (Monate bis sogar über Jahre), meist mit Endloszertifikaten, damit ich selbst den Ausstiegszeitpunkt wählen kann. Auch zu verkaufen, wenn es mal richtig gut gelaufen ist und die Ursprungsthese eingetreten ist, ist sehr wichtig, sonst kommt einem wieder die Gier in die Quere. Weder Verluste noch Gewinne überbewerten, sondern realistisch bleiben und selbstkritisch. Es gehört sehr viel Selbstdisziplin dazu.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Geschrieben

Auch ich danke für diesen gut verfassten Erfahrungsbericht, offen, ehrlich und schonungslos geschrieben. Respekt!! Jetzt heißt es Mund abwischen, weitermachen, viel Erfolg dabei. Gier und Zorn ist nicht gut in der Börsenwelt, wählst du den passiven Weg wirst du für Geduld, langem Atem und auch mal für das Nichts tun belohnt. Hast du dir ein beträchtliches Polster erwirtschaftet, sind solche Spielereien, wenn man das braucht, immer noch machbar. Die Dosis macht das Gift.:thumbsup:

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!


Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.


Jetzt anmelden