Dualmomentum

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  • Nachteile
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Liebe Mitforisten,

 

hier ein Tread zum Thema Dual Momentum Investing

 

I.       Hintergrund

Ich habe in einem anderen Thread (hier: https://www.wertpapier-forum.de/topic/55690-große-einmalkäufe-und-einmalverkäufe-von-etfs/) danach gefragt, was beim Einmalkauf bzw. Verkauf von ETFs mit größeren Summen (bspw. 1 Mio. EUR) zu beachten ist. Zur Erläuterung, warum die Frage für mich relevant ist, habe ich in dem dortigen Thread ausgeführt, dass ich ein Teil meines Vermögens mittels einer Dualmomentumstrategie (DMS) anlegen möchte. Ich hatte sodann weiter ausgeführt, dass ich die DMS in diesem Thread NICHT diskutieren möchte, bei Interesse aber gerne einen neuen Thread eröffne. Selbstverständlich ;-) haben sich dann die allermeisten Beiträge in meinem Thread nicht auf meine Frage, sondern auf die DMS bezogen …

 

Aus diesem Grund eröffne ich hiermit einen eigenen Faden, in dem die DMS diskutiert werden kann und in dem ich auch zu den auf die DMS bezogenen Beiträgen aus dem eigentlichen Thread Stellung nehme.

 

Für Antworten zu meiner ursprünglichen Fragestellung aus dem anderen Thread bin ich im Übrigen nach wie vor sehr dankbar ….

 

II.      Was ist die DMS?

Für alle, denen „Dualmomentum Investing“ kein Begriff ist:

 

Die Idee wurde maßgeblich von Gary Antonacci (GA) entwickelt, der über diese Strategie ein Buch mit dem Titel „Dual Momentum Investing“ (https://www.amazon.de/Dual-Momentum-Investing-Innovative-Strategy/dp/0071849440) geschrieben hat. In der Folge wurde die Strategie von zahlreichen Personen um eigene Überlegungen ergänzt.

 

Das akademische Paper von GA kann man sich hier runterladen: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2042750

 

Interessante Beiträge zu dem Thema findet man ansonsten beispielsweise hier:

- https://www.dualmomentum.net/

- https://blog.thinknewfound.com/2019/01/fragility-case-study-dual-momentum-gem/

- https://robotwealth.com/dual-momentum-review/

- https://seekingalpha.com/article/4131912-dual-momentum-management-worth-effort

- http://awealthofcommonsense.com/2015/07/my-thoughts-on-gary-antonaccis-dual-momentum/

 

Zusammengefasst funktioniert die „Grund-Strategie“ im Wesentlichen wie folgt:

Es werden monatlich zu einem bestimmten Stichtag die Wertentwicklungen von zwei unterschiedlichen marktbreiten Index-ETF (GA nimmt den S&P 500 und den MSCI world ex US) für eine bestimmte Periode (GA nimmt die letzten 12 Monate) verglichen. Als nächstes wird der „bessere“ ETF auf den besseren Aktienindex mit der Entwicklung eines risikoarmen Bond-ETF verglichen. Es wir alles Geld in den hiernach „besten“ ETF umgeschichtet.

 

III.    Aus meiner Sicht bestehende Vorteile und Nachteile der DMS

 

1.       Performance

pro:

- Momentum ist eine Marktanomalie die sich für die Vergangenheit nachweisen lässt. Weiterhin lässt sich die Anomalie durch menschliche Verhaltensmuster nachvollziehbar erklären. Die DMS bietet die Chance, aus dieser Anomalie Vorteile zu ziehen. In durchgeführten backtests hat dies bei unterschiedlichen Varianten der DMS stets geklappt.

 

contra:

- Wie bei allen backtests ist die Vergangenheit kein sicherer Indikator für die Zukunft.

- Die DMS wird in jedenfalls in einzelnen Jahren schlechter als der Markt funktionieren, ob dies in den „guten Jahren“ aufgeholt wird, ist ungewiss.

- Die DMS schafft eigene Risiken, insbesondere besteht die Chance bei starken Schwankungen aus dem Aktienmarkt zu einem schlechten Kurz rauszugehen und erst nach der Erholung wieder in den Aktienmarkt reinzugehen.

 

Eigene Wertung:      

Ich sehe die Chance für eine Überperformance durchaus als gegeben an, man muss sich der Risiken im Vergleich zum Markt aber durchaus bewusst sein.

 

2.       Geringere Volatilität, geringerer Maximaler drawdown

pro:

- die DMS hat in der Vergangenheit eine deutlich geringere Volatilität sowie einen deutlich geringeren maximalen drawdown aufgewiesen, als der Markt. Dies lässt sich ohne weiteres logisch erklären, da insbesondere während langer Bärenmärkte keine Aktien gehalten wurden.

 

contra:

- Wie bei allen backtests ist die Vergangenheit kein sicherer Indikator für die Zukunft.

- Die DMS beinhaltet das Risiko, dass ein kurzer hoher drawdown realisiert wird, da Aktien verkauft werden, obwohl sich Aktien kurzfristig wieder erholen

 

Eigene Wertung:      

Letztlich kommt es darauf an, ob sich kurzfristige Bullen- und Bärenmärkte schnell abwechseln oder wir in Zukunft langfristigere Bullen- und Bärenmärkte erleben werden. Ich finde den Ansatz der DMS – trotz aller Risiken - allerdings insoweit durchaus erfolgversprechend.

 

3.       Handelskosten

Die DMs hat in jedem Fall Nachteile, was die Handelskosten angeht. Die Frage ist allerdings, wie sehr diese ins Gewicht fallen.

 

Rein exemplarisch: Mit welchen kosten kann man bei einer Umschichtung von einem Portfolio von EUR 100.000,-- von iShares Core S&P 500 UCITS ETF (IE00B5BMR087) zu Xtrackers Stoxx Europe 600 UCITS ETF (LU0328475792) über Xetra bei einem Festpreisdepot bei Onvista:

 

Nach meiner Berechnung (ich lasse mich aber gerne belehren ….) würde ich mit folgenden Kosten rechnen:

 

Explizite Handelskosten:

 

- Onvista Brokergebühren: 5 EUR Orderprovision und EUR 2 pauschale Handelsplatzgebühr

= 7 EUR

- Börsengebühren: 0,00739% vom Ordervolumen, min. 0,75 €, max. 89,96 €

= 7,39

 

Summe EUR 14,39

x 2 (Ankauf und Verkauf) = EUR 28,78

 

Implizite Handelskosten

 

XLM iShares Core S&P 500 UCITS ETF / 2 * 100.000,-- + XLM Xtrackers Stoxx Europe 600 UCITS ETF / 2 + 100.000,--

 

= 0,0135 % * 100.000 + 0,0245 % * 100.000,-- =  EUR 38,--

 

 

Gesamtkosten

 EUR 66,78

 

Gesamtkosten bzgl. der Strategie

In den letzten 20 Jahren, gab es insgesamt 23 Umschichtungen. Ob dies auch in Zukunft der Fall ist, ist natürlich fraglich. Rechnet man mit 2 Umschichtungen im Jahr ergeben sich für ein Portfolio von EUR 100.000,-- Kosten von rund EUR 130,-- im Jahr oder 0,13 %.

 

4.       Steuern

Die DMS führt in jedem Fall zu steuerlichen Nachteilen. Zwar fallen im Grunde keine Steuern an, die nicht auch bei buy and hold irgendwann anfallen werden (sofern ein Gewinn erzielt wird ist dieser bei jeder Strategie jedenfalls bei der Entnahme zu versteuern). Allerdings führt buy and hold dazu, dass die Steuerpflicht teilweise in die Zukunft verschoben wird und somit durch die Steuerstundung Zinseszinseffekte generiert werden. Dies gilt insbesondere bei Thesaurieren. Hier liegt ganz sicher ein Nachteil der DMS, da diese durch die Käufe und Verkäufe die Steuerstundungsmöglichkeit verliert.  

 

Wie hoch genau dieser Nachteil ist, kann ich nicht wirklich quantifizieren.

 

III.      Fazit

Ich finde die DMs interessant. Insbesondere wenn neben einem klassischen buy and hold Ansatz ein Teil des Vermögens in eine DMs investiert wird halte ich das Risiko im Vergleich zu einem reinen buy and hold für vertretbar und es gleichzeitig für möglich, dass es zu einer Outperformance kommt. Weiterhin und vor allem würde ich aber im Vergleich zu einem reinen buy and hold mit einer Diversifizierung und damit insgesamt einer geringeren Volatilität rechnen.

 

genauso rechne ich aber damit, dass die meisten user das hier anders sehen werden … :-)

 

 

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vor 7 Stunden von ready_or_not:

Wie hoch genau dieser Nachteil ist, kann ich nicht wirklich quantifizieren.

Naja, es ist ja auch nicht schlimm, wenn du aus deinem substantiellen Vermögen einen Teil an die Allgemeinheit in Form von Steuern zurückgibst ;)

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vor 22 Stunden von ready_or_not:

3.       Handelskosten

Die DMs hat in jedem Fall Nachteile, was die Handelskosten angeht. Die Frage ist allerdings, wie sehr diese ins Gewicht fallen.

 

Rein exemplarisch: Mit welchen kosten kann man bei einer Umschichtung von einem Portfolio von EUR 100.000,-- von iShares Core S&P 500 UCITS ETF (IE00B5BMR087) zu Xtrackers Stoxx Europe 600 UCITS ETF (LU0328475792) über Xetra bei einem Festpreisdepot bei Onvista:

 

Nach meiner Berechnung (ich lasse mich aber gerne belehren ….) würde ich mit folgenden Kosten rechnen:

 

Explizite Handelskosten:

 

- Onvista Brokergebühren: 5 EUR Orderprovision und EUR 2 pauschale Handelsplatzgebühr

= 7 EUR

- Börsengebühren: 0,00739% vom Ordervolumen, min. 0,75 €, max. 89,96 €

= 7,39

 

Summe EUR 14,39

x 2 (Ankauf und Verkauf) = EUR 28,78

 

Implizite Handelskosten

 

XLM iShares Core S&P 500 UCITS ETF / 2 * 100.000,-- + XLM Xtrackers Stoxx Europe 600 UCITS ETF / 2 + 100.000,--

 

= 0,0135 % * 100.000 + 0,0245 % * 100.000,-- =  EUR 38,--

 

 

Gesamtkosten

 EUR 66,78

 

Gesamtkosten bzgl. der Strategie

In den letzten 20 Jahren, gab es insgesamt 23 Umschichtungen. Ob dies auch in Zukunft der Fall ist, ist natürlich fraglich. Rechnet man mit 2 Umschichtungen im Jahr ergeben sich für ein Portfolio von EUR 100.000,-- Kosten von rund EUR 130,-- im Jahr oder 0,13 %.

 

Das geht günstiger, vor allem wenn man auf die üblichen Verdächtigen Indices abstellt. So könnte man den S&P500 über ES Mini Futures replizieren (50$ je Punkt, bei 2900 ca. 140k $). Dann entfällt die TER, man hat stets enge Spreads und die Handelskosten lassen sich auf einige Cents pro Transaktion begrenzen. Und für das dann überschüssige Cash finden sich ebenfalls Möglichkeiten

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Posted · Edited by Yoko

Hat jemand einen Link für einen Backtest ggü. S&P 500 oder MSCI World?

 

In dieser Grafik (https://blog.thinknewfound.com/2019/01/fragility-case-study-dual-momentum-gem/)

aligned-GEM-768x396.png

 

Sehe ich eine Performance von 1.1.2009 bis 2019 von maximal +150%. Laut der Tabelle hat die Strategie von 2009 bis 2018 eine Gewinn von +103% erzielt (12M).

 

 

Der S&P 500 (Total Return) hat vom 01.01.09 bis 31.12.18 einen Gewinn von +243% erzielt, MSCI World (USD, Total Return) einen Gewinn von 166%. Hätte ich nur in den S&P 500 oder den MSCI World investiert, wäre mein Ergebnis in den letzten 10 Jahren erheblich besser ausgefallen als bei wenn ich die Doppel-Momentum-Strategie genutzt hätte. Und das ohne irgendeinen Aufwand oder irgendwelche Trading-Kosten.

 

 

Ebenso problematisch finde ich das folgende Ergebnis:

Zitat

While we would argue, ex-ante, that there should be little performance difference between a 9-month and 10-month lookback – they both, after all, capture the notion of “intermediate-term trends” – the former returned just 43.1% over the period while the latter returned 146.1%.

 

Mit Glück hat man mit dieser Strategie ein Ergebnis in den letzten 10 Jahren erzielt, dass 100 Prozentpunkte unter S&P500 liegt, mit Pech (10 statt 9 Monate look-back), liegt mein Ergebnis 200 Prozentpunkte unter meinem Benchmark des S&P 500.

 

Ganz ehrlich: Wieso sollte ich in diese Strategie investieren? Volatilität / Max-Drawdown habe ich mir nicht angeschaut, aber bin ich bereit auf 100-200% Gewinn über 10 Jahre zu verzichten nur um (vielleicht) etwas geringere Schwankungen in der Zeit zu haben? Da kann ich auch mein Girokonto nehmen, dass hat null Volatilität.

 

Ebenso denke ich nicht, dass der Max-Drawdown bei der DM Strategie geringer ist als Buy&Hold des gesamten Marktes: Ich schichte ja erst in Bonds um, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und mein Aktien-Index komplett im Keller ist. Ebenso schichte ich erst von Bonds zurück in Aktien um, wenn Aktien ihren Einbruch ausgebügelt haben und sich wieder erholt haben (bereits wieder teuer sind).

 

Insgesamt ist diese Strategie die typische 'Buy high, sell low': Aktien werden gekauft, wenn sie besonders teuer sind und verkauft, wenn sie total am Boden sind. Kein Wunder, dass der Backtest so negativ ausfällt.

 

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Posted

Für eine Berücksichtigung der Steuerkosten bräuchte man natürlich auch einen vollständigen Backtest. Wenn ca. 1x pro Jahr verkauft wird, kann man es grob so abschätzen:

1 Mio € bei 6% p.a. ergibt nach 30 Jahren 5.743.491€

Steuern von 25% reduzieren den jährlichen Gewinn auf 4,5%, ergibt nach 30 Jahren 3.745.318€.

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