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Fragen, die immer wieder kommen

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odensee
Posted · Edited by odensee

In meinem "Musterdepot" sollte eigentlich was anderes erscheinen, aber dafür habe ich gerade keine Zeit :rolleyes:

 

Hier in diesem Thread will ich auf Fragen eingehen, die immer wieder kommen, und die ich und andere schon oft beantwortet haben.

 

Kritische Hinweise sind gerne gesehen und können hier https://www.wertpapier-forum.de/topic/56152-diskussionen-und-anmerkungen-zu-fragen-die-immer-wieder-kommen/ abgelegt werden.

 

Inhalt:

Sparerfreibetrag

Fondsgebundene Rentenversicherung oder Fondssparplan

... wird fortgesetzt...

 

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odensee
Posted · Edited by odensee

Sparerfreibetrag

 

Jeder Steuerzahler hat einen Freibetrag für Kapitalerträge in Höhe von 801 Euro. Das heißt: Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, realisierte Kursgewinne etc.) in Höhe von bis zu 801 Euro bleiben steuerfrei. Alles darüber wird mit der Kapitalertragsteuer besteuert. Bei Kapitalerträgen in Höhe von 802 Euro sind also 801 Euro steuerfrei und 1 Euro muss versteuert werden. Man "spart" durch die Nutzung des Sparerfreibetrages nur die Kapitalertragsteuer plus "Soli", also 26,375% von 801 Euro = ca. 211 Euro und nicht, wie manchmal irrtümlich angenommen, 801 Euro. (Unter Berücksichtigung der Kirchensteuer ist es etwas mehr).

 

Für Ehepaare beträgt der Sparerfreibetrag 1602 Euro und kann beliebig aufgeteilt werden.

 

Zur Nutzung des Sparerfreibetrages ist es sinnvoll, der Bank einen Freistellungsauftrag zu erteilen. Der Freibetrag wird dann von der Bank automatisch berücksichtigt. Der Freistellungsauftrag kann bis zu der Gesamthöhe von 801/1602 Euro auch auf mehrere Banken aufgeteilt werden.

 

Am Jahresende verfällt der ungenutzte Anteil des Sparerfreibetrages, "Reste" werden NICHT ins nächste Jahr übertragen, sie sind endgültig verloren.

 

Bei Aktienfonds ist zu beachten, dass aufgrund der "Teilfreistellung" nur 70% der Erträge aus Aktienfonds versteuert werden müssen. Schüttet ein Aktienfonds also 100 Euro aus, sind nur 70 Euro zu versteuern. Diese erhält man steuerfrei (aufgrund des Freibetrages), wenn man sonst keine weiteren Kapitalerträge hat (z.B. Zinsen). Das heißt, ca. 1144 Euro Gewinne aus Aktienfonds kann man pro Jahr steuerfrei einnehmen, sofern es keine anderen Kapitalerträge gibt. (Grundsätzliches zur Besteuerung von Fonds findet man z.B. hier: https://www.justetf.com/de/news/etf/etf-und-steuern-das-neue-investmentsteuergesetz-ab-2018.html).

 

Beispiel:

  • Aktienfonds für 10.000 Euro im Jahr 1 gekauft. 6% Wertsteigerung ergeben 10.600 Euro.
  • Im zweiten Jahre ebenfalls 6% Wertsteigerung ergeben 11.236 Euro.
  • Dann wird verkauft, Gewinn 1.236 Euro.
  • Davon zu versteuern nach "Teilfreistellung": 1.236 * 0,7 = 865,2 Euro.
  • Davon zu versteuern nach Abzug des Freibetrages 865,2 - 801 = 64 Euro

 

Man muss also für 64 Euro Steuern zahlen. Ist nicht viel, aber hoffentlich sind sowohl der Anlagebetrag als auch die Anlagedauer irgendwann mal höher. Dann kommt schon einiges zusammen an Gewinn. (Die Rechnung ist vereinfacht, durch die "Vorabpauschale" wird es richtiger aber auch unübersichtlicher.)

 

Hätte man den Freibetrag des ersten Jahres auch nutzen können, wäre der Gewinn komplett steuerfrei. Daher bietet es sich an, sein Geld so anzulegen, dass der Freibetrag möglichst gut genutzt wird. (Aber bitte: Steuern sparen mag "geil" sein, sollte aber nie Hauptzweck einer Geldanlage sein!)

 

Wie kann man vorgehen, wenn man hauptsächlich in Aktienfonds (incl. ETF) anlegt?

 

Zunächst ist es sinnvoll, ausschüttende Fonds zu wählen statt thesaurierende. Die Ausschüttungen sind steuerpflichtig und genau das kann man für den Freibetrag nutzen. Wenn 100 Euro ausgeschüttet werden, sind 70 Euro (Teilfreistellung beachten) zu versteuern. Aufgrund des Freibetrages bleiben die 100 Euro aber steuerfrei und können wieder angelegt werden. (Es entstehen bei den meisten Brokern geringe Kosten durch die Wiederanlage).

 

Bei thesaurierenden Fonds kommt die Vorabpauschale zum Tragen. Auch hier werden Steuern fällig, auch hier kann der Freibetrag eingesetzt werden. Nachteilig ist aber (im Vergleich zu Ausschüttern), dass (a) die Vorabpauschale deutlich geringer ausfällt als die Ausschüttungen und (b) die Vorabpauschale in Jahren, in denen der Kurs des Fonds am Jahresende niedriger ist als am Jahresanfang, nicht anfällt. Der Steuerspareffekt entfällt dann! 2018 war so ein Jahr für viele Fonds.

 

Also erster Schritt: ausschüttende Fonds wählen. Bei einer Ausschüttungsquote von 2% kann man bis zu ca. 58.000 Euro in Fonds anlegen, ohne dass Steuern auf Ausschüttungen gezahlt werden müssen. (58.000 * 0,02 * 0,7) = ca. 800. Wenn man bei dieser Quote angekommen ist, sollte man zu thesaurierenden Fonds wechseln, die Ausschütter aber natürlich behalten.

 

In einem zweiten Schritt sollte man über einen Verkauf und Neukauf seiner Fondsanteile nachdenken. Beispiel:

  • Anlagesumme: 10.000 Euro
  • Ausschüttung: 2% = 200 Euro
  • Davon nach Teilfreistellung zu versteuern: 200*0,7 = 140 Euro.
  • Der Freibetrag von 801 Euro wird also bei weitem nicht erreicht.

 

Nun nehmen wir an, dass der Fonds zusätzlich zu den Ausschüttungen noch Kursgewinne hat in Höhe von 4%. Heißt: weitere 400 Euro Gewinn, die aber "normalerweise" nicht versteuert werden müssen, da sie ja nicht realisiert sind. Die Steuern werden aber irgendwann fällig. Keine Sorge! Nun kann man hingehen, den kompletten Fondsbestand verkaufen, und direkt wieder neu kaufen:

  • Gewinn von 400 Euro wird realisiert
  • Steuerpflichtig nach Teilfreistellung: 400*0,7 = 280 Euro
  • Steuerersparnis: 280*0,26375 = 73 Euro
  • Davon abziehen muss man aber die Kosten für den Verkauf und Neukauf sowie die Differenz zwischen dem Kauf- und der Verkaufskurs.

=> also: (1) Augen auf bei der Brokerwahl und (2) IMMER nachrechnen, ob die Aktion überhaupt lohnt.

 

@intInvest hat weitergehende Auswertungen zu der Frage "ausschüttende oder thesaurierende Fonds" gemacht. Die Excel-Datei ist in seiner Signatur zu finden.

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odensee
Posted · Edited by odensee

Fondsgebundene Rentenversicherung oder Fondssparplan?

 

Eine fondsgebundene Rentenversicherung (im folgende FRV) legt, anders als eine "klassische" Rentenversicherung, die Gelder des Versicherten in Fonds (insbesondere auch in Aktienfonds) an. Damit bietet die FRV eine deutlich höhere Renditechance als eine "klassische" Rentenversicherung. Nun kann man in Aktienfonds auch ohne eine FRV anlegen. Was spricht also für eine FRV und was dagegen?

Hauptsächlich werden steuerliche Argumente pro FRV fallen:

  • Während der Ansparphase fallen keinerlei Steuern an, keine "Vorabpauschale", keine Dividendenbesteuerung, keine Steuern bei einem Verkauf der Anteile innerhalb der FRV (z.B. für den Fall, dass man in einen anderen Fonds umschichten will)
  • Bei der Auszahlung sind zwei Fälle zu unterscheiden:
    • "Verrentung": es wird eine lebenslange Rente gezahlt. Diese wird nach dem "Ertragsanteilverfahren" besteuert. Der Ertragsanteil ist abhängig vom Alter bei Rentenantritt.
    • Kapitalauszahlung: das angesparte Kapital wird auf einen Schlag ausgezahlt. Wenn der Vertrag länger als 12 Jahre gelaufen ist und die Auszahlung nach Vollendeung des 62.Lebensjahres stattfindet, ist nur die Hälfte des über die Jahre erzielten Gewinns steuerpflichtig ("12/62-Regelung", "Halbeinkünfteregelung")

 

Nachteilig bei der Besteuerung von FRV ist:

  • Die Gewinne aus Aktienfonds müssen zu 85% versteuert, während in einem Fondssparplan nur 70% des Gewinns steuerpflichtig ist (die "Teilfreistellung" beträgt hier 30%, in der FRV nur 15%).
  • Als Steuersatz werden nicht die 25% der Kapitalertragsteuer sondern der persönliche Steuersatz herangezogen. Dieser kann höher liegen bei entsprechend hoher Renteneinkünfte.
  • Ebenso ist nachteilig, dass der Sparerpauschbetrag nicht genutzt wird, innerhalb eines Aktiensparplans können hingegen bis zu 801 Euro des zu versteuernden Gewinns aufgrund des Freibetrages steuerfrei eingenommen werden. Siehe dazu den Abschnitt "Sparerfreibetrag"

Weiter haben FRV den Vorteil, dass der "Rentenfaktor schon beim Abschluß des Vertrages festgelegt und damit gesichert werden kann. Der größte Nachteil der FRV liegt meiner Meinung nach in den (je nach Anbieter: deutlich) höheren Kosten. Nachteilig ist (je nach Anbieter) auch, dass nur ausgewählte Fonds genutzt werden können.

 

Für FRV als Riester- oder Rürup-Versicherungen müssen aufgrund abweichender Regelungen andere Überlegungen angestellt werden.

 

Meine ganz persönliche Meinung: über eine FRV sollte man erst nachdenken, wenn der Sparerpauschbetrag weitestgehend genutzt ist. Bei den Überlegungen dann sowohl die steuerlichen Vorteile als auch die steuerlichen Nachteile erwägen (vielleicht traut sich ja mal jemand an eine exemplarische Vergleichrechnung heran) und in jedem Fall nach einem günstigen Anbieter suchen (Nettotarif über Berater in Betracht ziehen!).

 

"Disclaimer": weder bin ich noch Angehörige oder Freunde im Bereich Finanzdienstleistungen/Versicherungen tätig. Ich habe für mich als einen Baustein meiner Altersvorsorge auch eine FRV abgeschlossen (Sparerpauschbetrag wird anderweitig genutzt).

 

ACHTUNG: die Überlegungen sehen etwas anders aus, wenn man ganz sicher vorhat, den Vertrag zu "verrenten", auf eine komplette Auszahlung auf einen Schlag also in jedem Fall zu verzichten. Aber wer weiß das schon in jungen Jahren. Ich ergänze das irgend wann.... 

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