John Silver

Rezensionen von Börsenbüchern

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39 posts in this topic

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Am 24.6.2019 um 00:01 von John Silver:

Markus Koch
"Erfolgsrezepte vom Börsenkoch - Die Chancen der Märkte nutzen"
FinanzBuchVerlag, München, 2000

 

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Im ersten Teil des Buches, welches etwa ein viertel einnimmt, schreibt Koch seine Biographie, die sich erstaunlicherweise relativ

spannend liest. Quasi aufgewachsen in Afrika, hat es ihn dann wieder über Deutschland Anfang 20 in die USA gezogen.

 

Man muss gleich zu Anfang sagen, dass Koch praktisch kein Börsianer, sondern ein Journalist ist. 

Das Buch selber liest sich recht flüssig und kurzweilig. Das liegt aber auch daran, dass Koch wenig konkretes schreibt und eher wie Kostolany etwas in plaudern kommt. Da das Buch schon etwas älter ist (meine Ausgabe ist von 2000), ist das aber vielleicht auch ganz gut so, denn so sind einige Beispiele schon etwas älter, aber das Buch hinkt zumindest nicht den aktuellen Ereignissen hinterher.

Die meisten Weisheiten dürften Kostolany-Lesern sowieso bekannt sein.

 

In Kapitel Zwei (S. 60) schreibt Koch "Der beste Weg, langfristig Geld zu verdienen ist der Aktienmarkt, nicht der Anleihen, nicht Immobilien... .

Als Anleihenanleger ist das aus meiner Sicht natürlich Quatsch. 

 

Aber es finden sich auch einige gute Definitionen, die ich bisher nicht kannte.

In Kapitel 4, S. 85 schreibt Koch: "Cotton beschreibt den Börsenhandel als Hexerei, eine juckende Krankheit. Er war der Meinung Aktienhandel mache Männer unfähig, sich jemals wieder einer ernsthaften Tätigkeit zu widmen. Ihre Gefühle befänden sich "immer in einem Sturm" und die Männer seien entweder extrem verzweifelt oder voll verrückter Freude."

 

Der Blick in alte Bücher ist manchmal aber auch erhellend, wenn man einige Sachen vergessen oder damals nicht so registriert hat.

Koch schreibt auf S. 87-88 über Pfizer, die 35 Milliarden Doller Marktkapitalisierung verloren, weil ein Patentschutz für ein Medikament früher als erwartet auslief. Das kostete Pfizer ein Viertel des Markwerts. Irgendwie kommen einen aktuell solche extremen Ausschläge bekannt vor.

 

In Kapitel 7 schreibt Koch über die Analysten. Der Titel "Schall und Rauch der Analystenwelt" sagt quasi alles. Er beschreibt, wie oft die Analysten daneben liegen und wie oft richtig (selten) und warum das so ist. Ein wirklich gelungenes Kapitel!

 

Ebenfalls war mir das folgende Zitat (S. 134) von Edwin Lefefre von 1923(!) unbekannt:

"Wenn eine Aktie sich merkwürdig verhält, dann fasse sie nicht an: Nicht in der Lage zu sei, exakt zu wissen, was falsch ist, bedeutet nicht sagen zu können, wie es weitergehen wird. Keine Diagnose, keine Prognose. Keine Prognose, kein Gewinn."

Klasse!

 

Mit Kochs Meinung zum Thema Technische Analyse (Kapitel 8) stimme ich mit Koch nicht ganz überein.

Sehr gut gefallen hat mir aber wieder Kapitel 9 über Shortseller. Das hatte ich so bisher auch noch nicht gelesen.

Und auch das Kapitel 10 über Daytrader ist gut.

 

Witzig fand ich am Ende des Buches die Aussage von Koch zum Thema "Die Strategie ist entscheidend" (S. 226):

"Wer wie ich so um die 30 ist, kann ein gewisses Risiko eingehen. Gehen Sie in diesem zarten Alter Pleite, könnte man wenigstens noch versuchen reich zu heiraten."

 

Fazit:

Das Buch ist einfache Unterhaltung zum Thema Börse und liest sich wirklich kurzweilig und sehr unterhaltsam.

Mich hat es jedenfalls gut unterhalten.

Da das Buch nur noch antiquarisch oder über ebay etc. für kleines Geld erhältlich ist, kann ich es für den nächsten Strandurlaub oder die nächste länger Bahnfahrt

(insgesamt 229 Seiten) mit gutem Gewissen empfehlen. Man darf halt nur keine echten "Börsen-Rezepte" oder konkrete Anleitungen erwarten. 

 

 

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Am 1.7.2019 um 00:16 von John Silver:

Reto R. Gallati
"Verzinsliche Wertpapiere - Bewertung und Strategien"
Gabler Verlag, Wiesbaden, 3. Auflage 2011

 

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Beim Lesen der ersten Kapitel hatte ich das Gefühl, Gallati hat dieses Buch nicht für irgendwelche Leser, sondern gezielt für die Studenten seiner Vorlesung geschrieben und/oder für die Studenten von Vorlesungen wo ein Professor selber noch kein Buch geschrieben hat. Es liest sich irgendwie wie ein Reader zu einer Vorlesung. 

Und so fängt das Buch irgendwie etwas überambitioniert an, wie im allgemeinen immer die erste Vorlesungsstunde und hält sich dann wieder an die Gliederung.

Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, irgendetwas fehlt jetzt hier im Buch, das der Professor vermutlich aber in der Vorlesung selber erklärt.

Z.B. werden einige Abkürzungen und Begriffe weder im Text noch in einer Fussnote noch im immerhin 20 seitigen Glossar erläutert (z.B. "Sinking Fund Verpflichtung S. 45, Munis S. 175, Ginnie Mae Fannie Mae, Freddie Mae S. 219). Oder es wird überhaupt nicht erläutert WARUM einige Markteilnehmer etwas überhaupt machen.

Im Kapitel 8 Zinssatz Swaps und Forward Rate Agreements heißt es lapidar:

"Bei einem Zinssatz-Swap stimmen zwei Vertragsparteien überein, ihre Zinszahlungen auszutauschen." WARUM das aber für beide Seiten einen Sinn haben kann und WELCHEN ökonomischen Vorteil beide Seiten davon haben können bleibt Gallati im ganzen Kapitel 8 schuldig. 

 

Dann folgen noch ein paar Kapitel mit Zahlen und Rechnungen, dann können die Studenten in der Klausur ein paar Aufgaben rechnen neben den Sachfragen.

Die erste Auflage ist von 2000, das erklärt auch, dass zum Teil Tabellen von 1994 verwendet werden. Das war in 2000 noch in Ordnung, 2011 aber sind das immerhin schon wieder 17 Jahre weiter Zeitunterschied. Vermutlich wurden nur einzelne Kapitel überarbeitet, ansonsten hätte man ja noch Schreibfehler insbesondere im letzten Kapitel 17.   

 

Im Kapital 6 Zinssatz-Futures schreibt Gallati:

"Da der Preis des Future-kontrates im Verlaufe der Zeit schwankt, änder sich auch der Wert der durch den Future bewerteten Güter- bzw. Instrumente." 

Ehrlich gesagt hatte ich immer gedacht das wäre anders herum?!

Im Kapitel 13 Convertibles (ein eigentlich sehr schönes Kapitel) schreibt Gallati bei den Vor- und Nachteilen von Convertibles, "Zinsen mindern den zu versteuernden Gewinn" - ist das aber nicht quasi immer so bei Anleihen?

 

Gallati selber ist Schweizer und dass merkt man einigen in Deutschland nicht gebräuchlichen Fauchausdrücken (z.B. an der Börse kotiert statt notiert).

So kommt es, dass er im Unter-Kapitel 15.2.3 verstärkt auf den kleineren Schweizer Markt eingeht als auf den größeren Deutschen Markt.

 

Fazit:

Einige Kapitel sind wirklich gut gelungen, mir gefielen die Kapitel 5, 13, 15 und 17 besonders gut. So richtig warm bin ich mit dem Buch aber nicht geworden, insgesamt ist das Buch OK, es liest sich, siehe oben, aber wirklich wie ein Studium-Uni-Sachbuch, wo man sich auch mal durch ein paar Kapitel quälen muss. 

 

 

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Am 24.7.2019 um 00:25 von John Silver:

Joachim Brandmaier

"Meine Strategie - Ihr Kompass für die langfristig sinnvolle Aktienanlage"

Börse Aktuell Verlag, Stuttgart, 2019

 

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Nach "Meine Meinung" und "Alles über Aktien" ist dies nun mein dritter "Brandmaier" den ich gestern gelesen habe, als ich eine kleine Europarundreise geflogen bin (Was würde Greta tun?). 

Brandmaier ist ein lockerer Erzähler rund um seine drei grossen Themen:

-Man soll Aktien kaufen, am besten Blue Chips.

-Man soll Buy & Hold betreiben, am besten mit Blue Chips.

-Jeder Tag ist Kauftag - für Blue Chips.

Im Endeffekt dreht sich also alles wie gehabt um seine Buy & Hold Strategie mit großen erfolgreichen Firmen, ohne dabei Markettiming zu betreiben.

(So einbischen das was Ghost_69 in seinem Depot macht meine ich). Das Buch wird ergänzt durch diverse andere Kapitel zu Themen wie Diversifikation, Dividenden usw.

Dabei streut er hin und wieder ein, was sein Team und er vom Stuttgarter Aktienbrief so machen, wie sie es machen und das man das alles natürlich in seinem Börsenbrief nachlesen kann. Das ist ja auch OK, schließlich lebt der Mann davon. Dankbarer weise geht er dabei nicht penetrant vor und nervt damit seine Leser nicht. Das er kein grosser Freund von ETFs ist, versteht sich daher von selbst.

Da fällt mir ein - habe ich eigentlich schon erzählt, dass ich hier im Thread neben den "Brandmaiers" noch sehr viele andere Börsenbücher rezensiert habe?

 

Fazit:

Das Buch ist wirklich besser, als es scheint. Mir ist zumindest kein Fehler aufgefallen. So komisch das klingt, auch wenn die "Brandmaier" eine Art von "Werbebüchern" sind, sind diese Bücher eigentlich genau das richtige für Anfänger, weil sie einfach, klar und strukturiert viele Sachen erläutern, insbesondere im Buch "Alles über Aktien". Ich glaube das Anfänger mit den Tipps von Brandmaier ernsthaft wenig riskieren und wenig schwerwiegende Anfängerfehler produzieren werden. Wenn Anfänger mit seiner Strategie starten, erscheint es mir besser, als wenn sie gar keine Strategie und gar keinen Plan haben.

Und auch wenn ich kein Anhänger der Buy & Hold Strategie bin, hat sie durchaus ihre Berechtigung, nur eben nicht für mich. Als "Buy & Hold" Anleger würde ich dieses Buch aber jedenfalls lesen, allein weil es mich bestätigt und bestärkt in meiner Strategie. Und so etwas hört und liest man ja auch mal ganz gerne.

Apropos lesen, es gibt hier im Thread noch weitere Rezensionen von mir. ;)

 

 

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Am 25.8.2019 um 23:46 von John Silver:

Anonym (vermutlich Bolko ‚Hoffmann)

Die Börsentaktik – Zusammenfassung von Beiträgen aus der Zeitschrift: Effecten Spiegel – Das Handbuch für den privaten Geldanleger in Aktien
Effecten Spiegel AG, 1984

 

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Das o.g. Buch ist wie der Titel schon sagt eine Zusammenfassung von Beiträgen. Von wem das Buch verfaßt wurde, steht leider nirgends. Vorwort und Schlussbemerkung haben keine „Unterschrift“ und auch ein Vermerk am Anfang das Buches, dass die Abbildung auf dem Cover dem Privatbesitz des Verfassers entstammt hilft nicht weiter. Ich vermute aber, dass die Beiträge von Bolko Hoffmann, dem langjährigen Herausgeber des Effecten Spiegels, stammen.

 

In sieben Kapiteln wird die

-Situation des Privatanlegers,

-die Funktionsweise der Börse,

-das jeweilige Depot beurteilt,

-Steuerrechtet,

-die Bewertung von Aktien

-die Unterstützung durch einen Computer und

-Sondersituationen am Aktienmarkt dargestellt.

 

Die Kapitel zum Steuerrecht und zur Computerunterstützung sind natürlich hoffnungslos veraltet und können dementsprechend ignoriert werden.

Bemerkenswerter Weise finden sich in dem Büchlein mit 143 Seiten (bzw. 115 Seiten, danach kommen Worterklärungen und Anhang) doch einige interessante Überlegungen, aber natürlich auch ein paar Merkwürdigkeiten.

 

Nicht übereinstimmen tue ich mit der Meinung, der Aktienmarkt ist ein Nullsummenspiel in dem jeder gegen jeden kämpft (S.10, S. 12). Pauschal mag das stimmen, persönlich habe ich aber andere Erfahrungen gemacht. Richtig ist aber, dass der Kapitalmarkt grundsätzlich ein Haifischbecken ist.

Richtig ist, die Aussage dagegen, dass sich die Betreuung durch Dritte für ein Depot „nicht in den Vermögenszuwächsen der Kunden“ dokumentiert. (S. 13).

Auf Seite 23 wird auf die (damaligen) Spesen Bezug genommen. Richtig ist, dass damals auch ganz andere Steuersätze galten, abenteuerlich ist aber auch, was damals von den Banken für Gebühren genommen wurden. Ich empfehle dringend den ganzen „+Euro 1,00- Gebühren-Rebellen von Onvista“ diese Seite im Buch nicht zu lesen. Denn das wird vermutlich zu ernsthaften Magenverstimmungen führen.

 

Kapitel 5. … bewerten Sie Aktien“ bietet einige Überraschungen!

Chartisten: Empfehlung: „Das Studium von graphischen Kursaufzeichungen ist nicht ratsam. … Entnehmen Sie das wirtschaftliche Geschehen der Tageszeitung und nicht einem Chart.“

Fundamentalisten: Empfehlung: „Selbst die wissenschaftlichste – und somit abstrakte – Begründung der Fundamentalanalyse trägt nicht dazu bei, praktische Hilfen für deine Anlageentscheidung zu geben. … Analysen der Banker … stellen lediglich „Meinungen“ und „Hoffnungen“ … dar, wobei deren Eintrittswahrscheinlichkeit nicht … höher liegt als die „Prognose eines Börsenbeobachters.“

Random-Walker: „Meine Meinung: Zukünftige Kurse werden häufig systematisch falsch prognostiziert.“

Fazit 1: Die Beschäftigung mit vergangenen Aktienkursen ist für die Vorhersage zukünftiger Kurse unnütz. … “

„Empfehlung: Beschäftigen Sie sich nicht mit den Methoden der Chartisten und Fundamentalisten.“

 

Fazit: Ich habe das dünne Buch relativ zügig durchgelesen und fand es insbesondere deshalb bemerkenswert, weil ja um 1984 die Börsianer wesentlich eingeschränktere Möglichkeiten hatten als heute (Dafür gab es den Steuerbonus).

 

 

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Am 3.10.2019 um 23:37 von John Silver:

Man muss gleich zu Anfang sagen, dass Koch praktisch kein Börsianer, sondern ein Journalist ist. 

Das Buch selber liest sich recht flüssig und kurzweilig. Das liegt aber auch daran, dass Koch wenig konkretes schreibt und eher wie Kostolany etwas in plaudern kommt

Das deckt sich mit meiner Meinung. Er ist der typische Spekulant. Eigentlich etwas, was die Welt nicht braucht. Ich kann es verstehen, wenn sich Personen gegen so jemanden aussprechen. 

Ich schaue trotzdem ab und an gerne in seine Streams hinein.

 

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Posted · Edited by John Silver
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Gelfarth, Volker ; Otte, Max; „Investieren statt spekulieren – Mit Aktien von Top-Unternehmen zum Gewinn“, Econ Verlag. 1. Auflage, 2001, S. 218

 

Das o.g. Buch kommt aus der Börsenbüchersammlung vom Foristi Kairos, bei dem ich mich noch einmal ganz herzlichen für die Bücher bedanken möchte!

 

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Max Otte dürfte neben Andre Kostolany und Dirk „Mr. Dax“ Müller der dritte bekanntest deutsche Börsianer sein. 

Aber auch von Volker Gelfarth habe ich schon ein Buch rezensiert, siehe hier, Beitrag #10.

Der Investmentgedanke von Max Otte ist relativ einfach dargelegt. Kaufe Top-Unternehmen und halte diese praktisch für immer, also ein klassischer Buy & Hold & Value - Ansatz.

Das Buch beginnt mit einer allgemeinen Darstellung, wie man Aktienmarkt Geld verdient und wie nicht. Dabei kommt Max Otte auf durchschnittliche Wachstumsraten des Aktienmarktes von 12,91% und 17% bei einem „strategischen Ansatz“. Gut, das Buch ist etwas älter, trotzdem ist mir nicht klar, woher Otte diese Zahlen hat. (Im Folgenden wird „Otte“ stellvertretend für Volker Glefarth/Max Otte verwendet, das erleichtert mir das Schreiben).

Im Kapitel zwei erörtert er allgemein das Investieren und bespricht ein paar Kennzahlen.

Mir fällt bei Otte immer auf, dass er zu Schludrigkeiten und Vereinfachungen neigt. Das stört schon etwas, wenn auf S. 33 auf den Dow Jones als ältesten Index verwiesen wird und gesagt wird, der Dax existiere dagegen erst seit 1988. Richtig, aber den FAZ-Index als ältesten deutschen Index gibt es bereits seit 1961. Das ist vielleicht auch etwas kleinlich, aber wenn man etwas wie Otte so effektheischend darstellt, dann sollte es auch im ganzen stimmig sein. Ebenso muss man immer aus dem Kontext erschließen, ob Prozentangaben absolut oder p.a. sind (siehe z.B. S. 45).

Das dritte Kapitel ist ein paar Value - Investoren Legenden gewidmet, Lynch, Graham und Buffet.

Ich denke ich brauche nicht gesondert darauf hinzuweisen, dass die Darstellung der steuerlichen Betrachtung natürlich hoffnungslos veraltet ist. Praktisch bei allen Büchern die nicht brandaktuell sind, ist dies aber so, von daher ist das natürlich auch hier kein Makel, sondern nur eine Feststellung.

Und da das Buch von 2001 ist, sind die Beträge logischerweise auch noch alle in Mark angegeben.

Im Kapitel 4 geht Otte dann auf die Unternehmensbewertung ein und bespricht eine Reihe von Kennzahlen etc. anhand derer der Anleger Unternehmen bewerten kann.

Und nun kommen wir zum Knackpunkt in diesem Buch. Die Bewertung und Analyse nach dem Otte-System ist sehr aufwendig und zeitintensiv.Wie soll ein normaler Anleger tausende von Unternehmen bewerten um dann die richtigen zu finden? Wie gestaltet man die Vorauswahl? Alleine der Dax hat schon 30 Unternehmen, und dann fehlen noch MDax, SDax, Europa, USA und der Rest der Welt?

Um das zu erreichen braucht der durchschnittliche Investor natürlich einwenig Hilfestellung. Und diese bietet Max Otte sehr gerne in Form seiner Webseite, seiner Seminar usw. an (siehe Beispielhaft S. 37 und S. 38), wo schon viele Unternehmen analysiert sind. Genau diese nervigen Werbeshows in seinen Büchern, hinterlassen bei mir immer einen Nachgeschmack, als ob es jemand dringend nötig hat. (Meiner Meinung hat er das nicht (mehr) nötig und entwertet sich damit irgendwie selber. Warum schreibt er das nicht am Ende des Buches? Lesen die Leute auch und es wirkt nicht so reißerisch.)

Das anschließende Kapitel 5 zeigt noch einmal eine Musteranalyse am Beispiel von Amgen.

So etwas finde ich schön und hilft bestimmt auch vielen mal eine eigene Analyse aufzustellen.

Den größten Teil des Buches, fast die Hälfte von 218 Seiten nehmen eine Reihe von Unternehmensporträts ein. Als Dogmenhistoriker bin ich solchen historischen Darstellungen immer etwas zugeneigt. Man braucht nicht darüber zu sinnieren, ob diese Darstellungen einem heute helfen, aber es ist für mich immer interessant zusehen, wie Unternehmen damals beurteilt wurden und wie sie sich entwickelt haben und welche Unternehmen heute marktführend sind.1

Viele Werte findet man noch heute im Dow Jones, einige Werte haben allerdings auch schon ihre beste Zeit hinter sich, wie z.B. Nokia. Überrascht war ich aber, wieviele Unternehmen auch einfach die nächsten 18 Jahre „funktioniert“ haben, wie z.B. Cicso, Coca-Cola, McDonald, Mircosoft, Nestle, Johnson&Johnson, SAP usw.

Einige Aussagen in den Porträts sind aber bemerkenswert:

Gilette: „Fragen Sie ruhig mal in Ihrem Bekanntenkreis nach, wer einen Rasierer von Gilette hat.“ (S. 135) Lustig, der Rasierer Markt ist ein Oligopol, da kommt man an den Marken Gilette / Wilkinson oder Philipps/Braun kaum vorbei. Brandaktuell dagegen war die Aussage, wie gesagt von 2001, bei Heinz-Ketchup: „Störfeuer drohen von Seiten der großen Supermarktketten. In ihrem gnadenlosen Konkurrenzkampf werden zunehmend teure Markenprodukte aus den Regalen verbannt.“ (S. 139) Wer erinnert sich noch an den Ketchup-Krieg Edeka-Heinz aus diesem Sommer? Geschmunzelt habe ich zudem bei der Aussage von Otte bei Hennes & Mauritz: „qualitativ gute … Bekleidung …“ (S. 143). Naja, die Kleidung die ich von H&M kenne/hatte, zerfällt praktisch nach einem, spätestens nach 2 Jahren.

Das Buch schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick in Kapitel 7 und hat im Anhang noch einige Quellen aufgelistet, u.a. eine Reihe „guter Bücher“. Bei denen die ich davon kenne, stimmt das weitestgehend.

 

FAZIT:

Natürlich ist das Buch veraltet, aber die einfache Analyse von Otte sollte auch heute noch funktionieren. Grundlegend ist der Ansatz von Otte seriös und richtig, wenn auch nicht für jeden geeignet. Und auch wenn Otte es manchmal mit seiner Eigenwerbung übertreibt, liest sich das Buch flüssig und kurzweilig. Mir hat das Buch und insbesondere „der Blick in die Vergangenheit“ Spaß gemacht.

 

 

 

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Vielen Dank für deine vielen Rezensionen, John!!!! :thumbsup:

 

Ich kaufe auch immer viele Bücher. Komme aber dann nie dazu, sie auch zu lesen. ;)

 

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Knop, Sönke ; Mühlhaus, Axel; „Invstieren in Small Caps – Auswahlmethoden und Anlagestrategien“, Campus Verlag, Frankfurt/New York, 2002, 264 Seiten

 

Das o.g. Buch kommt wie auch andere schon davor aus der Börsenbüchersammlung vom Foristi Kairos, bei dem ich mich noch einmal ganz herzlichen für die überlassenden Bücher bedanken möchte!

 

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In der Einleitung definieren die Autoren den Begriff „Small Cap“ bzw. Nebenwerte und kommen auf die Ineffizienzen im Nebenwertesegment zu sprechen. Vereinfacht gesagt: Weil Nebenwerte i.d.R. klein sind (illiquide), wenig beachtet werden (kaum professionelles Research) und ein größeres Risiko als „Blue Chips“ aufweisen, bieten sie eine Überrendite.

 

Um das Buch besser zeitlich einzuordnen: Es wurde, siehe oben Erscheinungsjahr, in der Zeit nach dem neuen Markt geschrieben.

 

Im ersten Kapital gehen die Autoren auf den Smax und die diversen Nebenbedingung diese Index ein und sprechen auch über dessen Schwächen und Nachteile z.B. die relativ hohen Kosten und den relativ hohen Aufwand für die Unternehmen.

 

Das zweite Kapitel befasst sich mit den drei Segmenten des Börsenhandels, Freiverkehr, geregelter Markt und amtlicher Handel, und die Anforderungen an Aktien in den Segmenten und die Vor- und Nachteile der einzelnen Segmente. An einem Fallbeispiel „Zucker & Co. AG“ wird die tatsächlich geschehene Manipulation dargestellt. Gut hat mir das Unterkapitel „Anlagestrategie im Freiverkehr“ gefallen (S. 46-47).

-Beschaffen Sie soviele Informationen wie möglich.

-Rufen Sie im Unternehmen an und fragen Sie nach.

-Vorsichtige Bewertung aller Informationen.

Usw.

 

Durch das ganze Buch sind Interviews verstreut, bei denen ich z.T. den Eindruck hatte, dass die Fragen eingereicht und dann beantwortet wurden, also kein reales Frage-Antwort-Interview stattgefunden hat. Wie sonst lassen sich Antworten erklären auf Fragen wie: „Wird von den andere [steht tatsächlich so im Buch] Akteuren, also Banken und Unternehmen selbst, genug getan damit der SMAX attraktiv ist?“ Antwort: “Die Segmentierung eines Marktes schafft die Voraussetzungen, die von allen Beteiligten in einer konzertierten Aktion ausgefüllt werden müssen.“ Aha, na dann ist ja alles klar.

 

Im zweiten Kapitel wird die Bewertung behandelt. Stichworte sollen hier nur sein: Management, Kennzahlen wie KGV, Cashflow und KUV, Buchwert und die Informationsbeschaffung um an diese Zahlen zu kommen. Insgesamt ein nicht schlechtes Kapitel. Natürlich ist dies nur ein Einstieg.

 

Schön sind am Ende des Kapitels zwei Absätze aus dem Interview mit Klaus Hellwig vom Nebenwerte Journal ( S. 91):

… „Halten Sie Internet-Boards als Informationsquelle für interessant?

Hellwig: Es sind sicher nicht nur Pusher am Werk, aber die Zahl derjenigen, die gehaltvolle Beiträge liefern, ist doch sehr begrenzt. Es lohnt sich meist nicht, sich durch die ganzen Postings zu kämpfen, nur um an ein paar gute Informationen zu kommen.

Wie kann man die Qualität der Informationen abgeschätzt werden?

Hellwig: Man kommt nicht darum herum, sich intensiv mit den Unternehmen zu beschäftigen. Eigentlich können sie niemanden, der ihnen Informationen gibt, im Vorwege trauen. Gerade bei den InternetBoards wird einem zum Teil angst und bange, wenn man sieht, was dort gepostet wird. Allerdings sind diese Boards ganz gut geeignet, um ein Gefühl für die Stimmung für einen Wret zu bekommen. Grundsätzlich sollte jedem klar sein, dass niemand Informationen ohne Eigennutz zur Verfügung stellt.“ …

 

Das 4. Kapitel wirft einen Blick auf die Akteure an der Börse: Die Privatanleger, die Analysten und die Fonds (Mir ist bewußt, dass hier noch weitere Akteure fehlen, aber das ist hier die Auflistung).

Der Part über die Anaylsten ist aus meiner Sicht wirklich gut gelungen! Dort wird ausführlich erläutert, warum Analysten sind wie sie sind. Oder anders ausgedrückt: Warum werden manche Werte gecovert und manche nicht? Wer bezahlt den Research? Wer liest ihn? Warum ist die Einstufung so heikel?

 

Das 6. Kapitel beschreibt „Das Börsenleben – Szenen einer Ehe“. Der Gang an die Börse, der Börsenhandel und der z. T. danach folgende Abschied von der Börse, das delisting. Gut ist hier, dass jeweils die Gründe für Small Caps dargestellt werden und warum diese Entscheidungen wie getroffen werden. Auch die vorbörsliche Investition wird angesprochen und wie wählerisch viele Kapitalgesellschaften im Vorwege sind. Daraus läßt sich schließen: Wenn andere im Vorwege schon so wählerisch sind, warum sollte man als Investor bei einem Börsengang dann weniger intensiv prüfen, gerade wenn es um die Abgabe von Anteilen und nicht um die Erweiterung des Eigenkapitals geht?

 

Da hier im Forum ja immer die Diskussion zur Frage herrscht: Dividenden oder Geld im Unternehmen belassen? Hier eine Antwort von Thomas H. Knorr, von Knorr Capital Partner AG (S. 159) zum Thema „Finanzierungsrunden“ was aber meiner Meinung nach auch ganz gut paßt:

 

„Einerseits dürfen Unternehmen nicht zu eng finanziert werden, schließlich soll die Gesellschaft ja ihre Ziele auch erreichen können, andererseits muss man als Investor sehr aufpassen, Gesellschaften nicht überzufinanzieren. … Mit viel Geld ist die in den Taschen ist die Verführung sehr groß, das Geld in alle möglichen Ideen zu stecken oder auch für nicht betriebsnotwendige Investitionen auszugeben. …“ Dieser Meinung kann ich mich anschließen, Geld muss knapp sein!

 

Angereicht ist das Buch durch einige Fallbeispiele, exemplarisch sei Letsbuyit.com von Kim Schmitz genannt. Der Name dürfte dem einen oder anderen noch geläufig sein. Stichwort z.B. Megaupload 

https://www.youtube.com/watch?v=o0Wvn-9BXVc

 

Auf S. 205 wird vor einer Unsitte gewarnt. Man bedenke, das Buch ist von 2002!

"So finden sich immer wieder Schreiben im Briefkasten, in denen dem Aktionär ein Übernahmeangebot zu seinem im Depot gehaltenen Stücken gemacht wird.“ Man ersetze Aktionär auch gerne durch Rentier, dann sollte das den meisten nicht unbekannt sein, findet man solche Schreiben mit „Über-den-Tisch-zieh-Angeboten“ in seiner Postbox doch quartärlich.

Das 6. Letzte Kapitel befasst sich mit „heissen Spekulationen“. „Turnaround: Muss was tief fällt, wieder steigen?“ Diese Frage wird ausführlich erörtert. Der spannendste Teil im Kapitel befaßt sich aber mit „Mantelspekulationen“ (S. 235). So ausführlich habe ich das bisher noch nirgendwo gelesen, meistens war es eher ein Lexikon-Abriss in einem Börsenbuch.

 

Das Buch schließt mit den 10 goldenen Regeln für das Investieren in Small Caps.

 

FAZIT: 

Das Buch hat mich mit seiner Ernsthaftigkeit überrascht, da habe ich etwas ganz anderes erwartet, als ich las, von wann das Buch ist. Zudem hat es mich mit einigen Inhalten und Erkenntnissen überrascht, die ich so noch nicht kannte. Von daher hat sich das Lesen für mich, neben dem Lesevergnügen ansich, sehr gelohnt. Ich würde das Buch empfehlen, allerdings nicht als Basis- oder Grundlagenbuch.

 

 

 

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Posted · Edited by ImperatoM

Am 19.10.2019 um 11:10 von John Silver:

Knop, Sönke ; Mühlhaus, Axel; „Invstieren in Small Caps – Auswahlmethoden und Anlagestrategien“, Campus Verlag, Frankfurt/New York, 2002, 264 Seiten

Das o.g. Buch kommt wie auch andere schon davor aus der Börsenbüchersammlung vom Foristi Kairos, bei dem ich mich noch einmal ganz herzlichen für die überlassenden Bücher bedanken möchte!

 

Danke für die Vorstellung, das klingt nach einem Buch, das ich auch mal lesen möchte! Leider scheint es nach erster Suche nicht so leicht so bekommen zu sein.

Würdest Du es vielleicht verleihen (falls Du es gar nicht behalten möchtest, würde ich es nach der Lektüre alternativ an weitere Foristi weitergeben)? Ich bezahle in beiden Fällen natürlich gerne die Versandkosten.

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Posted · Edited by John Silver

vor 47 Minuten von ImperatoM:

 

Danke für die Vorstellung, das klingt nach einem Buch, das ich auch mal lesen möchte! Leider scheint es nach erster Suche nicht so leicht so bekommen zu sein.

Würdest Du es vielleicht verleihen (falls Du es gar nicht behalten möchtest, würde ich es nach der Lektüre alternativ an weitere Foristi weitergeben)? Ich bezahle in beiden Fällen natürlich gerne die Versandkosten.

Sehr gerne, schick mir eine PN mit Deiner Adresse oder alternativ bringe ich Dir das Buch mit, wenn Du am 15.11.2019 beim Bondboard-Treffen in Hamburg sein solltest.

Ich denke Du solltest mit Deinem Wissen aber nicht zuviel erwarten. Mein Hinweis "Kein Basis oder Grundlagenbuch" bezog sich mehr auf den totalen Anfänger und nicht auf den gestandenen Investor.

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Kostolany, Andre; „Kostolany’s Notizbuch“, Seewald Verlag, Stuttgart Herford, Vierte Auflage 1985, 199 Seiten

 

Das o.g. Buch kommt, wie schon einige andere davor, aus der Börsenbüchersammlung vom Foristi Kairos, bei dem ich mich noch einmal ganz herzlichen für die Bücher bedanken möchte!

 

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Das ist glaube ich das achte Buch von Kostolany das ich jetzt gelesen habe. Das macht eine Rezension insofern schwierig, weil ich glaube ich habe einige Teile des Buches schon gelesen und bei anderen Teilen weiß ich ganz genau, dass diese schon in anderen Büchern verwurstet wurden.

Wie hält es sich nun mit Kostolanys Büchern?

Er ist so wie ein alter Bekannter, den man hin und wieder trifft. Er erzählt oft ein paar alte hinlänglich bekannte Sachen aber auch hin und wieder etwas Neues. Es ist nett seinen Geschichten, wenn auch unspektakulär, zu zuhören und sich mit ihm auszutauschen. Man plaudert so im Cafe-Haus und hat eine nette Zeit. Man freut sich diesen Bekannten ab und zu mal wieder zu treffen.

So geht es mir mit den Büchern von Kostolany und deshalb lese ich sie gerne zur Unterhaltung und zum Zeitvertreib.

Und vielleicht ist es unfair, aber es macht Spaß, Kostolany an seinen Aussagen von Damals zu messen und diese mit Heute zu vergleichen. Oft genug gibt da durchaus Überraschungen.

 

Zum Buch habe ich inhaltlich folgende Anmerkungen:

 

Auf Seite 26 schreibt Kostolany: „Gustave le Bon’s Schüler Das beste Studium für den Spekulanten aber wäre Massenpsychologie. Denn der wichtigste Faktor der Börsen -und Wirtschaftsentwicklung ist die Psychologie des Publikums, und diese kann kein Wirtschaftsingenieur, und sei es mit dem besten Computer, errechnen.“

Dem kann ich nur zustimmen. Schön hätte ich es aber gefunden, wenn Kostolany zumindest ein paar Sätze zu Le Bon verloren hätte, der als Begründer der Massenpsychologie gilt und das Buch „Psychologie der Massen“ geschrieben hat.

Zu den Banken merkt Kostolany an (S. 41): „... Aber Bankrotte sind heute für Großbanken völlig ausgeschlossen. … Kurz und gut, die Verluste der Großbanken sind verstaatlicht, die Gewinne bleiben privatisiert. Wer hat was dagegen? Die Aktionäre, die Einleger? Ich bestimmt nicht! …“.

Und auf Seite 97 dazu: „Die Wahrheit von heute ist, dass die Passiva der Banken praktisch schon verstaatlicht sind, die Aktiva dagegen privatisiert bleiben. …“.

Das sind – Stand 1983 – geradezu prophetische Aussagen. Wer hätte das geahnt?

Gut gefallen hat mir auf S. 59 der Spruch: „… Wie bei den Wertpapieren: Steigt eine Aktie, ist man ein guter Spekulant, fällt sie, wird man zum Anleger“.

Wie wahr!

Überraschend fand ich, dass man im Kapitel „Kostolany’s Börsenvademecum“ manche klassische und richtige Bemerkung findet wie „Ein Börsianer darf seine Papiere nie im Verhältnis zu, Einkaufspreis, sondern muss sie zum Tagespreis einschätzen …“ (S. 99) und dann einen Absatz später einen groben Unfug liest wie „…soll ein Börsianer bescheiden bleiben … denn sogar der Dümmste kann an der Börse Erfolge erzielen. Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten: Ein Papier kann steigen oder fallen. Wenn man von zwei Möglichkeiten die richtige erwischt, ist das noch lange kein Grund, sich etwas einzubilden. …“ (S. 99 – 100). Da ist man erstmal sprachlos wie man so einen Quatsch schreiben kann. Natürlich kann ein Kurs steigen oder fallen (oder gleich bleiben, aber selbst das blendet er aus). Aber Kostolany nimmt gleichverteilte Chancen an, wie bei einer Münze (Kopf oder Zahl). Das ist aber vollkommen falsch, weil die Chancen nicht „fair“ sind, sondern Kurse (i.d.R. ) stärker in die eine oder andere Richtung gedrückt oder gezogen werden. Das ist so als würde man beim Würfeln sagen, 6 wird geworfen oder nicht. Es gibt nur zwei Ereignisse. Die Chancen sind aber 1 zu 5 verteilt ob 6 geworfen wird oder nicht. In der Realität ist dieses Chancenverhältnis zudem oft nicht bekannt. Liest sich aber auf den ersten Blick ganz schlau was Kostolany so geschrieben hat. 

Ich habe mir noch einige weitere interessante Stellen aufgeschrieben (S. 102, S. 104, S112, S. 113 usw.), wo ich die Bemerkungen Kostolanys dagegen knapp und passend fand, will sie jetzt aber nicht alle zitieren (lest das Buch selber!).

 

Fazit:

Kostolany hat mal wieder ein kurzweiliges und nettes Buch (siehe Eingangserläuterung oben) abgeliefert, bei dem ich mich kurzweilig unterhalten fühlte. Nichts um sein Börsenwissen großartig zu erweitern, aber ein schöner Zeitvertreib war das Buch schon.

 

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@John Silver

 

Wow, für mich wirklich ein klasse Thread. Eigentlich war ich gar nicht auf der Suche nach Derartigem, trotzdem fühlt es sich an, als hätte man einen kleinen Schatz entdeckt. Mach bitte auch zukünftig mit deinen Rezensionen weiter, gerade die Zusammenfassungen und Hinweise auf besonders wertvolle Stellen sind klasse, da ich leider weniger der geborene Bücherwurm bin und so trotzdem an den ein oder anderen Input gelange. :thumbsup:

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Am 27.10.2019 um 18:00 von Ecke908090:

@John Silver

 

Wow, für mich wirklich ein klasse Thread. Eigentlich war ich gar nicht auf der Suche nach Derartigem, trotzdem fühlt es sich an, als hätte man einen kleinen Schatz entdeckt. Mach bitte auch zukünftig mit deinen Rezensionen weiter, gerade die Zusammenfassungen und Hinweise auf besonders wertvolle Stellen sind klasse, da ich leider weniger der geborene Bücherwurm bin und so trotzdem an den ein oder anderen Input gelange. :thumbsup:

Vielen Dank für das nette Feedback, das freut einen natürlich!

Im Moment habe ich noch genügend Bücher zum besprechen, Zeit zum lesen  (Hausse-Zeiten sind ruhige Zeiten. ;) ) und daher auch ausreichend Zeit zum schreiben.

Von daher sind schon die nächsten Bücher "in der Pipeline". Nur das ich das Tempo von einem Buch pro Woche halte wird schwierig, weil ich auch noch Belletristik-Bücher (Sci-Fi und Phantasy :wub:) zum lesen liegen habe. 

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Ferstl, Carola; „Mein Börsenbuch – Wie der Aktienmarkt wirklich funktioniert“, Econ Verlag, 1. Auflage, 2001, 244 Seiten

 

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Wie praktisch jeder Moderator von n-tv (Raimund Brichta, Michael Mross usw.) hat auch Carola Ferstl ein paar Börsenbücher geschrieben (Das vorliegende Buch ist ihr drittes Buch, siehe Innenseite Schutzumschlag, auch wenn der Titel nach ihrem ersten klingt.).

Der Titel selber haut einen ja zunächst nicht vom Hocker: „Mein Börsenbuch“. Toll. Aber der Zusatz: „Wie der Aktienmarkt wirklich funktioniert“, da ist man dann doch echt gespannt.

Aber mit Carola Ferstl und ihrem Buch ist es so, als ob man ohne jede Ahnung eine Reise nach Brasilien plant und sich auf einen Kaffee oder ein paar Bier mit einem Kumpel trifft der schon mal da war, und sich darüber unterhält. Der hat auch jede Menge Sachen zu erzählen und gibt einen Tipps was man machen sollte und was nicht und was sich lohnt anzusehen oder nicht.

Denn auch hier ist es wieder eine Journalistin die über die Börse schreibt und keine Investorin oder Spekulantin etc. . (Jedenfalls habe ich nirgendwo gelesen, welche Aktie sie mal selber ge- oder verkauft hat. Vielleicht habe ich das aber auch bloss übersehen?). Leider ist das damit natürlich alles nur „Börse theoretisch“. Man muss nicht alles mal gemacht haben, z.B, „Arm-ab“, um zu wissen, dass das blöd ist. Aber irgendwie bin ich schon der Meinung, dass man an der Börse schon mal „Skin-in-the-Game“ gehabt haben sollte, um das alles beurteilen zu können. Insbesondere was die Emotionen angeht, wenn mal etwas sehr sehr schlecht oder eben auch phantastisch läuft.

Bei einem Buch von 2001 erübrigt sich eigentlich ein Hinweis darauf, dass die vorliegenden Steueranmerkungen und Steuertipps (siehe z.B. Körperschaftssteuergutschrift und Halbeinkünfte verfahren auf S. 180 oder Absetzbarkeit von Reisekosten zu Hauptversammlungen auf S. 192) natürlich hoffnungslos veraltet sind.

 

Zum Inhalt (Die Kapitelüberschriften habe ich eingekürzt).

 

Kapitel 1 „Mythos Börse“ und Kapitel 2 „Die Logik des Irrationalen“

 

Nicht so schön fand ich auf den Seiten 22 und 23 die düstere Darstellung, dass man quasi falsche Darstellungen von Geschäftsberichten nicht aufdecken könnte und die zuständigen Fachleute dies auch nicht täten. Als ob alle WPs schlecht sind und an jeder Ecke nur betrogen würde. Das finde ich nicht richtig. Auch der Börsengang der Telekom (S. 23 – S. 25) wird als ein „einziger Rausch“ dargestellt, wo keiner auf mahnende Worte hören wollte. Dass das so nicht war kann ja auch jeder am Chart in den ersten 2 Jahren ablesen. Danach erst fing die Neuer-Markt- Hysterie an, aber das kann man der Telekom nicht anlaßten. Auf S. 30 gibt sie den Hinweis, Papiere „im Geiste“ zu kaufen und zu verfolgen. Das nennt man eigentlich Anlegen eines Musterdepots. Irgendwann später im Buch gibt sie dazu auch einen Hinweis, warum aber nicht gleich an der ersten Stelle?

Da das Buch ja schon etwas älter ist, s.o., hat man natürlich auch einige Sachen schon vergessen. So ging es mir mit dem Erdbeben in Kobe (S. 36-38), ja da war doch was am 17.01.1995. Den Hinweis auf solche Schwarzen Schwäne kann man nicht oft genug machen!

Gut hat mir die Erläuterung zu den unterschiedlichen Einschätzungen von Wirtschaftsmeldungen gefallen (S. 38 – 41).

 

Kapitel 3 „Die Götterdämmerung“

 

In Kapitel 3 bespricht sie im Schnelldurchgang die wesentlichen Erfolgreichen Börsianer (Buffett, Lynch et al) und zur damaligen Zeit bekannte „Gurus“ (Elizabeth Weisenhorn, kennt die noch einer?, Max Otte et al) sowie weitere wirtschaftsprägende Personen (Wim Duisenberg, Alan Greenspan et al). Am Ende des Kapitels (S. 94 - 95) streut sie kurz Erläuterungen zur Dividendenrendite und zum KGV ein. Das fand ich gut gelungen. Danach kommt sie auf Geldanlage nach „christlichen Aspekten“ zu besprechen. Das ist heute etwas aus der Mode, wird aber ja quasi in anderen Moralisch-Richtigen-Anlagemethoden heute dargestellt.

 

Kapitel 4 „Das Aschenputtelprinzip“

 

Das vierte Kapitel erläutert die Anlageformen Aktie, Optionen und Fonds. Auf S. 107 schreibt sie dazu: „Es gibt jede Menge mehr Geldanlagen, als ich gerade genannt habe … doch ich beschränke mich, wie der Untertitel des Buches ja schon verrät, ausschließlich auf den Aktienmarkt.“ Das finde ich klar und gut, dass sie das so schreibt. Lieber etwas weglassen, als sich überall oberflächlich zu verzetteln. Nicht gut fand ich in diesem Kapitel dagegen ihre Aussagen zu Fondssparplänen, wo sie richtig schreibt, dass es schwer ist, den richtigen erfolgreichen auszuwählen, dann aber auf S. 122 – 123 schreibt, „Wer zum Beispiel seit 1990 … in den erfolgreichsten Vermögensbildungsfonds der Deutsche-Bank-Tochter DWS einzahlte … Die jährliche Rendite betrug dabei im Durchschnitt 26,8 Prozent“. Solche Ex-Post-Träume sind natürlich immer schön, aber wie hätte man denn diesen „erfolgreichsten“ Fonds im Vorwege erkannt und ausgewählt?

Bemerkenswert finde ich auch (S. 123), das sie wie auch Max Otte (siehe Rezension oben) von einer durchschnittlichen Rendite von 10% – 12% p.a. am Aktienmarkt schreibt. Heute liegen diese Durchschnittsrenditen, je nachdem wen man fragt, bei etwa 8% - 9% p.a. .

 

Kapitel 5 „Das Goldmarieprinzip“

 

Hier gibt Ferstl einen Überblick über die damals aktuell interessanten Branchen, wie Telekomunikation, Biotechnologie usw. . Auch in der Rückschau ist dieses Kapitel gar nicht schlecht (heute ist man natürlich immer schlauer). Dieses Kapitel ist vielleicht das interessanteste und hilfreichste im ganzen Buch, gibt es doch einem auch heute noch eine Idee, welche Branche DIE Zukunftsbranche sein könnte und welche Aktien heiße Kandidaten sein könnten.

Im Unterkapitel „Die Macht des Verbrauchers: Grüne Biotechnologie“, S. 152 – 153, fühlt man sich stark an die aktuelle Diskussion um Bayer/Monsanto erinnert. Die Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht, aber es gibt immer wieder ähnliche Konstellationen oder Parallelen.

Auf den Seiten 158 – 159 zählt Ferstl einige Modemarken auf. Man ist überrascht, wie viele von denen entweder verschwunden oder aktuell in großen Schwierigkeiten stecken, wie Escada, Hugo Boss oder Gerry Weber. Das sollte einem zu denken geben.

Schmunzeln muss ich immer wieder bei dem Spruch (nicht nur hier, sondern allgmein): „In rund 40 Jahren werden die weltweiten Ölreserven zu Ende gehen, …“  (S. 165). Dieses Paradigma ist seit über 20 Jahren nicht tot zu kriegen!

(Siehe u.a.: https://www.focus.de/wissen/klima/tid-14230/energie-mythen-mythos-das-oel-reicht-noch-40-jahre_aid_398164.html)

 

Kapitel 6 „Nie versiegende Infoquellen“

 

Das Kapitel behandelt die gängigen Informationsquellen für den angehenden Aktionär. Gut fand ich den Hinweis auf Seite 174, „Lesen sie täglich die Bild-Zeitung“. Nicht weil die Zeitung so einen starken Wirtschaftsteil hat, sondern um die Stimmung(!) einzufangen. Es gibt mehrere Anleger (auch hier im Forum), die die Bildzeitung als einen Kontraindikator verwenden. Und auch der kritische Hinweis auf das genaue Lesen von Ad-Hoc Meldungen fand ich gut (Seite 188 - 190).

 

Kapitel 7 „Erfolgsfaktor Allgemeinbildung“

 

Dieses Kapitel war praktisch ein Blick in die Vergangenheit. Hier fand ich die Stelle über Japan (Seite 219) und den nahen Osten (S. 222) bemerkenswert. Man vergißt zu oft, wie lange die Krise in Japan jetzt schon dauert, genauso wie der ewige Konflikt im Nahen Osten.

Das Buch schließt mit 

 

Kapitel 8 „ Selbst-Vertrauen und sonst niemandem:“

 

Das Glossar am Ende fand ich sehr schwach. Zu kurz und zu oberflächlich. Warum wurden die paar Begriffe nicht wie die anderen, siehe oben, im Buch selber im Text erläutert?

 

Fazit:

Ein echtes Buch für blutige Anfänger und für diese als allgemeiner Einstieg vielleicht gar nicht so schlecht. Für den geübteren Börsianer ist das Buch ganz nett, dürfte aber für wenig Aha-Erkenntnisse sorgen. Für mich war es wieder ein schöner unterhaltsamer Börsen-Ausflug in die Vergangenheit um die Jahrtausendwende.

 

 

 

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