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liebro

Deutsches ETF- und Aktiendepot bei Umzug in die USA für 3 Jahre?

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liebro
Posted

Hallo,

 

Ich plane im September für voraussichtlich 3 Jahre in die USA zu ziehen, der Arbeit wegen. Ich werde in den USA auf Arbeitsvisum sein, also keine US-Staatsbürgerschaft oder Green Card involviert. Nun hab ich bemerkt, dass mir mein deutsches Aktiendepot, in dem ich Einzelaktien und ETF-Sparpläne (ca. 40:60) habe, grosse Schwierigkeiten für die US Steuererklärung bereiten könnte. Der folgende Wikibooks Artikel wirkt hier sehr einschüchternd und kommt zu dem Fazit, dass der Verkauf des gesamten Depots vor Umzug der einzig sichere Weg ist um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen: https://de.wikibooks.org/wiki/Aus_Deutschland_in_die_USA_umziehen:_Wertpapiere

In einem ähnlichen Fall der im Forum diskutiert wurde, ist Forist marky2k zu dem Schluss gekommen, dass der Verkauf aller ETFs (aber wohl nicht der Einzelaktien) vor Umzug der einzig vernünftige Weg ist:

 

Am liebsten würde ich während der Zeit in den USA meine ETF Sparpläne in Deutschland ganz normal weiterführen und auch weiterhin ab und zu Einzelaktien dazukaufen, versuche jedoch gerade zu verstehen, was die beste Strategie ist um US-Steuerschwierigkeiten/hohe Steuerlast zu vermeiden. Meine Anlagestrategie ist auf Langzeit ausgelegt, ich könnte mir also eine Strategie vorstellen, nach der ich während meines US Aufenthalts keinerlei Verkäufe täetige.

 

Hier einige Fragen dazu, die bereits annehmen, dass mein deutscher Broker mich auch als „US-Person“ weiter als Kunden zu behalten bereit ist:

1) Gewinnrealisierung vs. reinen Besitz:  Zieht bereits der Besitz von Aktien/ETFs (im Wert von <50.000 Euro) Komplikationen bei der US Steuererklärung nach sich oder erst der realisierte Kapitalgewinn durch Verkäufe oder Dividende?

2) ETFs: Meinem Verständnis nach sind es die europäischen ETFs besonders, die bei Wohnsitz USA besonders problematisch sind (also problematischer als Einzelaktien). Aber könnte ich meine bestehenden ETFs behalten (und sogar weiterhin in Sparraten kaufen) wenn ich nur sichergehe während meiner Zeit als US-Person keine Gewinne zu realisieren, sprich nichts zu verkaufen? Würde es helfen nur thesaurierende ETFs zu besitzen?

3) Einzelaktien: Falls tatsächlich zum Verkauf aller ETFs geraten wird um steuerliche Probleme durch das reine Halten von ETFs zu vermeiden: ist es zumindest ratsam Einzelaktien im deutschen Depot zu behalten? Auch hier könnte ich mir wohl einen Verkaufsverzicht fuer die 3 Jahre auferlegen, allerdings werden Gewinne durch Dividenden nicht vermeidbar sein.

4)  Da ich im September umziehen werde, frage ich mich noch zusätzlich ob es nicht sogar schon zu spät ist die ETFs jetzt (anfang 2021) zu verkaufen, da ich ja für das Jahr 2021 steuerpflichtig in den USA sein werde.

 

Herzlichen Dank für jegliche Hilfe oder Erfahrungen!

Sebastian

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Theobuy
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Wie wäre es mit der Übertragung des Depots auf eine nahestehende Person, die nicht der Besteuerung der USA unterliegt für die Zeit?

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Bassinus
Posted · Edited by Bassinus
vor 1 Stunde von Theobuy:

Wie wäre es mit der Übertragung des Depots auf eine nahestehende Person, die nicht der Besteuerung der USA unterliegt für die Zeit?

Schenkungssteuerproblematik und wenn keine Schenkung, dann Depot auf Rechnung anderer -> immer ausgeschlossen.

 

@TO

 

Wirst wohl fast nicht drum rum kommen hier den Etf Anteil zu liquidieren. Der Aufwand (inklusive Kosten) für Steuerberater wäre die "paar" Kröten wahrscheinlich nicht wert ggü. der erwarteten Marktrendite auf 3 Jahre. Einzelaktien kannst du im deutschen Depot (sofern dir die Depotbank das Konto nicht schließt) halten und gibst die Dividenden dann in der USA an. DBA dürfte nicht einschlägig sein, da du ja nur noch ein Wohnsitz und eine unbeschränkte Steuerpflicht in der USA hast (außer du machst dein Plan unterjährig wie du sagst im September - Hallo Probleme!). Beim Broker würde ich dann aber nen inländischen Bevollmächtigen für etwaige Briefe hinterlegen. 

Alles Recht schwierig. Würde es wahrscheinlich auch verkaufen und die möglichen entgangenen Renditen als Opportunitätskosten hinnehmen. Im schlechtesten Fall rentiert dein Depot auch noch negativ in der Zeit und kostet dich unverhältnismäßig Aufwand (plus Kosten). Das wäre Worst-Case xD

 

Also - Verkauf - Geld abheben und bei Oma unters Kopfkissen und wenn du zurück kommst - Neustart. Freut sich die Bank bei der Geldwäscheabteilung wenn du nach USA aufeinmal mit massig Bargeld auftauchst :yahoo: nein Spaß - natürlich Tagesgeld/Festgeld bei deutscher Bank höchster Bonität und freiwilligen Einlagensicherung.

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kleinerfisch
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Warum nicht alles verkaufen und in USA neu anlegen? In drei Jahren dann das Gleiche retour.

Der einzige Verlust ist die Steuerthesaurierung.

Was mit dem unterjährigen Umzug ist, weiß ich auch nicht. Das kann in verschiedenen DBA unterschiedlich geregelt sein. DBA D-USA lesen.

Ansonsten gibt es noch Foren für deutsche ExPats in USA, die sollten sich da besser auskennen.

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liebro
Posted

Besten Dank schonmal fuer die Antworten!

Bestätigt meinen Verdacht, dass ich mich wohl von meinen ETFs verabschieden muss. kleinerfisch: Eröffnung eines Brokers in den USA und Kauf von ETFs dort ist eine Option die ich sicherlich in Betracht ziehen werde.

 

Was ich noch nicht verstehe, ist ob der Verkauf der ETFs vor US-Umzug, aber zwangsweise noch im selben Jahr (2021) in welchem ich dann spaeter US-steuerpflichtig werde, ueberhaupt etwas hilft. Fällt mir der ETF Besitz im Fruehjahr 2021 fuer die 2021 Steuererklaerung dann nicht ohnehin auf die Fuesse?

 

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Churgast
Posted
Am 30.3.2021 um 19:10 von liebro:

Besten Dank schonmal fuer die Antworten!

Du bist m.E. im falschen Forum. Wenn es um IRS - Tax - Nonresident Alien Fragen geht, sucht man in den USA nach Antworten. Dann lernst Du Sachen wie Substantial Presence Test kennen. 

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liebro
Posted

Moin,

Ich hab jetzt noch einige Nachforschungen betrieben und fasse diese mal zusammen, für den Fall dass es Anderen in Zukunft hilft. Natürlich bin ich kein Experte und man sollte diese Infos nur als Anstoss für eigene Nachforschungen und Verifikationen sehen. Falls jemandem Fehler auffallen, bitte ich um Berichtigung.

 

Nicht-amerikanische ETFs fallen in aller Regel in die Kategorie der PFICs. Dies zieht für US-Steuerpflichtige folgende zwei Probleme nach sich: i) Strafsteuern von ⩾ 37%; ii) Pflicht in jedem Jahr das Formular 8621 auszufüllen, und zwar ein separates Formular für jeden ETF.

Von diesen beiden Problemen ist ii) m.E. das schlimmere, weil es sich bei Formular 8621 um ein kompliziertes Formular handelt, das korrekt ausgefüllt werden muss um empfindliche Strafen zu vermeiden. Professionelle Hilfe beim Ausfüllen dieses Formulars kann schnell sehr teuer werden. (Die Problem mit PFICs sind hier etwas ausführlicher zusammengefasst: https://thunfinancial.com/home/american-expat-financial-advice-research-articles/why-americans-should-never-ever-own-shares-in-a-non-us-incorporated-mutual-fund/ )

Während im Grunde alle non-US ETFs als PFICs eingestuft werden, ist dies für die meisten Aktien nicht der Fall, außer es handelt sich um Aktien von Unternehmen, die einen großen Teil ihres Einkommens über passive Kapitalgeschäfte verdienen, z.B. Banken. PFIC Kriterien z.B. hier: https://www.hrblock.com/expat-tax-preparation/resource-center/forms/form-8621/

 

Wenn man nun non-US ETFs besitzt und bald in die USA zieht, führt deshalb kaum ein vernünftiger Weg daran vorbei die ETFs vor dem Umzug zu verkaufen. Hier gibt es folgende Lichtblicke:

1) Liegt der Gesamtwert aller deiner PFICs (z.B. non-US ETFs) unter 25000 US$, musst du Formular 8621 nicht ausfüllen (Quelle: https://www.irs.gov/pub/irs-pdf/i8621.pdf ). Allerdings musst du immer noch die hohen Steuern zahlen, und zwar nach meinem Verständnis auch auf die Ausschüttungen der ETFs; dies erscheint mir gerade bei thesaurierenden ETFs eine weitere Quelle von Komplikationen, die ich persönlich nicht ganz durchblicke. Dazu kommt, dass du natürlich sichergehen musst, dass durch Kursanstiege der Gesamtwert während deines US Aufenthaltes nicht über die 25000 US$ Grenze steigt.

Diese „25000 Dollar“ Lösung erscheint mir persönlich aufgrund der Unklarheiten mit den Ausschüttungen und dem Risiko, dass der Gesamtwert dann doch mal über 25000 USD steigt, nicht sehr attraktiv.

 

2) Wenn man, wie ich, erst im Jahr des bevorstehenden Umzuges in die USA realisiert, dass man seine non-US ETFs alle verkaufen muss um die beschriebenen Probleme zu vermeiden, will man zumindest sichergehen, dass dieser ETF Verkauf dann nicht in den USA (straf)besteuert wird. Wenn man erst spät im Jahr umzieht, kann man dies potentiell vermeiden, indem man den substantial presence test nicht "besteht" und damit im ersten Jahr des US Aufenthaltes als non-resident alien eingestuft wird, was zur Folge hat, dass man non-US Einkommen nicht in den USA (sondern im Herkunftsland) besteuern muss. https://www.govinfo.gov/content/pkg/FR-2016-12-28/pdf/2016-30712.pdf

Hier findest du heraus ob du den substantial presence test für dein erstes US Jahr bestehst: https://www.irs.gov/individuals/international-taxpayers/substantial-presence-test

Falls du den substantial presence test bestehst und damit als resident alien eingestuft wirst, bleibt wohl noch der Weg übers Doppelsteuerabkommen, welches dir unter Umständen erlaubt, die Kapitalsteuern im ersten Jahr nicht in den USA zu zahlen. Hier habe ich aber nicht weiter nachgeforscht.

 

So, das war meine Zusammenfassungen nach bestem Wissen und Gewissen eines Laien, der sich ein paar Tage mit dem Thema beschäftigt hat.

 

Falls jemand weitergehende Einsichten hat, besonders hinsichtlich des Besitzes von weniger als 25000 US$ ETFs und der Rolle von Ausschüttungen/Thesaurierungen in diesem Zusammenhang, würde ich mich über Rückmeldung freuen!

 

Besten Gruß,

Sebastian

 

 

 

 

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Churgast
Posted
Am 7.4.2021 um 23:44 von liebro:

Wenn man nun non-US ETFs besitzt und bald in die USA zieht, führt deshalb kaum ein vernünftiger Weg daran vorbei die ETFs vor dem Umzug zu verkaufen.

Dein Fall ist schon ziemlich speziell. Du hast nach eigenen Angaben ein "Arbeitsvisum", aber willst mit hoher Wahrscheinlichkeit nach 3 Jahren zurück nach Deutschland. Wenn Du nichts unternimmst, wirst Du spätestens im zweiten Jahr vom IRS als "resident alien for tax purposes" eingestuft. Die Folgen hast Du m.E. korrekt und ausführlich beschrieben. Aber aus Sicht der Einwandererbehörde USCIS bleibst Du die ganze Zeit ein "non-resident alien". Wegen dem Widerspruch zwischen IRS- und USCIS-Definition gibt es jede Menge Sonderregelungen für alle möglichen Fälle wie z.B. "H1B" mit Frau und Kindern in Deutschland. Wenn Dir sehr viel an Deinen "non-US" ETFs liegt, würde ich einen US-Spezialisten konsultieren. 

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liebro
Posted

Hallo Churgast,

Ich bin mir bewusst, dass ich ab dem zweiten Jahr ein resident alien for tax purpose werde. Der Grund warum es mir hilfreich erscheint im ersten Jahr (2021) noch nonresident alien zu sein, ist, dass ich dann den in 2021 geplanten Verkauf meiner ETFs nicht in den USA versteuern muss.

Und nein, mir liegt nicht genug an meinen non-US ETFs um einen US-Spezialisten einzuschalten ;-)

Über das Visum weiß ich mittlerweile auch mehr: wird ein J1 sein.

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Churgast
Posted
vor 15 Stunden von liebro:

Über das Visum weiß ich mittlerweile auch mehr: wird ein J1 sein.

Ein J1 ist kein "Arbeitsvisum". Ich wurde deswegen mal beim US-Zoll in die Mangel genommen, weil ich was von "Arbeiten" gesagt hatte. Natürlich "arbeitet" ein Postdoc. Aber dass darf er den Beamten nicht sagen. Mit J1 bist Du auch von den ganzen Vorschriften wegen Besteuerung Deiner Deutschen Einkünfte ausgenommen. Google noch etwas mehr... 

 

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