Jump to content
einNeugieriger

Berechnung einjährige Spekulationsfrist Devisengewinne

Recommended Posts

einNeugieriger
Posted

Hallo zusammen,

 

wenn ich innerhalb eines Jahres Fremdwährung kaufe und verkaufe, ist der Gewinn ja zu versteuern (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Aber was ist im Steuerrecht ein Jahr? Wie würde ich das Ende der einjährigen Spekulationsfrist berechnen, ausgehend von z.B. dem 13.10.2021 ?

 

a) Jahreszahl um eins erhöhen und bei den Tagen einen abziehen, d.h. für 13.10.2021:

Tag = 13 - 1 = 12

Monat unverändert bei 10

Jahr = 2021 + 1 = 2022

=> Der 12.10.2022 wäre der letzte Tag der Spekulationsfrist, am 13.10.2022 könnte steuerfrei verkauft werden?

 

b) Oder zählt ein Jahr als 365 Tage?

Also 13.10.2021 + 365 Tage = 13.10.2022 letzter Tag der Spekulationsfrist, am 14.10.2022 könnte steuerfrei verkauft werden?

 

Danke euch :-)

Share this post


Link to post
reckoner
Posted

Hallo,

 

es zählt der Tag, also a).

Und ich denke sogar die Uhrzeit, bin mir aber nicht sicher.

 

Und bei b) hast du falsch gerechnet, den ersten - oder den letzten - Tag darfst du nicht zählen (bei Anleihen werden so auch die Zinsen berechnet).

 

Stefan

 

Share this post


Link to post
Grubner
Posted

Im Kalenderjahr bis € 600,- steuerfreie Spekulationsgewinne bei privaten Veräußerungsgeschaften.

 

Spekulationsfrist von 1 Jahr beginnt 1 Tag nach dem Kaufdatum (das ist entscheidend).

Beispiel:

Kauf am 13.10.2020

Spekulationsfrist vom 14.10.2020 bis 13.10.2021

Steuerfreier Verkauf ab 14.10.2021 möglich 

 

Wer googlen kann ist klar im Vorteil! (Früher lautete die Redewendung anders!)

 

https://www.finanztip.de/private-veraeusserungsgeschaefte/

 

 

 

 

 

 

Share this post


Link to post
MeinNameIstHase
Posted

§ 108 AO regelt, dass Fristen nach § 187 ff. BGB berechnet werden.

 

Der Fristbeginn ist geregelt in § 187 Abs. 1 BGB:

Ist für den Anfang einer Frist ein Ereignis oder ein in den Lauf eines Tages fallender Zeitpunkt maßgebend, so wird bei der Berechnung der Frist der Tag nicht mitgerechnet, in welchen das Ereignis oder der Zeitpunkt fällt.


Das Fristende ist geregelt in § 188 BGB:

Abs. 2.: Eine Frist, die nach Wochen, nach Monaten oder nach einem mehrere Monate umfassenden Zeitraum - Jahr, halbes Jahr, Vierteljahr - bestimmt ist, endigt im Falle des § 187 Abs. 1 mit dem Ablauf desjenigen Tages der letzten Woche oder des letzten Monats, welcher durch seine Benennung oder seine Zahl dem Tage entspricht ...
Abs. 3 regelt den Sonderfall des 29.2. (Schaltjahr) bei Jahresfristen .... nämlich bis zum 28.2. im Folgejahr, als Sonderfall fehlender Tage bei Monatsfristen.

 

Für die Fristberechnung des § 23 EStG gibt es keine Verlängerung auf den nächsten Arbeitstag. Das gibt es nur bei Terminen, wenn innerhalb der Frist eine Willenserklärung abzugeben oder eine Leistung zu bewirken ist. Beispiel: Zahlung der Miete bis zum x. eines Monats.

 

Beispiel: 

Kauf 13.10.2020 um 14:35h: Fristbeginn mit Ablauf des 13.10.2020. Der wird nicht mitgerechnet.

Jahresfrist endet mit Ablauf des 13.10.2021. Also ab 14.10.2021 0:00h ist man außerhalb der Frist.

Für die Fristberechnung des § 23 EStG zählt das obligatorische Geschäft (also der Handschlag, dass der Deal gilt), nicht erst die Erfüllung durch Lieferung und Zahlung. Ein Vertrag kommt durch Angebot und Annahme zustande. Für börsengehandelte Geschäfte also der Tag der Börsenausführung, nicht erst der Tag der Depoteinbuchung/Kontoabbuchung/-Gutschrift. Beim Aktienkauf auf Fremdwährung erfolgt der Aktienkauf mit der Börsenausführung und damit auch der Verkauf der Fremdwährung und nicht erst bei Abbuchung vom Konto am Folgetag.

 

Für die Frage, in welches Jahr ein Veräußerungsgeschäft steuerlich zu erfassen ist, kommt es dagegen auf den Zufluss der Einnahme an (siehe § 8 Abs. 1 EStG: ... zufließen). Hier ist der Wertstellungstag maßgebend. Wer also am 31.12.2021 handelt, hat vielleicht ein steuerpflichtiges Geschäft binnen Jahresfrist erzeugt, dass aber erst in 2022 steuerpflichtig ist, weil es erst am 2.1.2022 gebucht wird.

Share this post


Link to post
einNeugieriger
Posted · Edited by einNeugieriger

Vielen Dank euch allen für eure Antworten, das hilft mir sehr weiter!

Am 14.10.2021 um 01:36 von MeinNameIstHase:

Für die Fristberechnung des § 23 EStG zählt das obligatorische Geschäft (also der Handschlag, dass der Deal gilt), nicht erst die Erfüllung durch Lieferung und Zahlung. Ein Vertrag kommt durch Angebot und Annahme zustande. Für börsengehandelte Geschäfte also der Tag der Börsenausführung, nicht erst der Tag der Depoteinbuchung/Kontoabbuchung/-Gutschrift. Beim Aktienkauf auf Fremdwährung erfolgt der Aktienkauf mit der Börsenausführung und damit auch der Verkauf der Fremdwährung und nicht erst bei Abbuchung vom Konto am Folgetag.

Danke für deine detaillierten Erläuterungen! Lassen sich daraus auch die zu verwendenden Umrechnungskurse ableiten? D.h. demnach würde man als Umrechnungskurs von Fremdwährung zu EUR den Umrechnungskurs des Handelstags nehmen (Trade Date), nicht den Tag der Gutschrift (Settle Date)?

 

Beispiel mit Fantasiekursen:

18.10.2021 Verkauf Aktie für 100 USD -> Umrechnungskurs an diesem Tag sei EUR.USD = 1; Wert in EUR also 100 EUR.

19.10.2021 Gutschrift der 100 USD. Diese sind am 19.10.2021 nicht mehr 100 EUR, sondern 110 EUR wert. Umrechnungskurs an diesem Tag somit EUR.USD = 0,91

=> Wenn die 100 USD später verkauft werden, welcher Umrechnungskurs ist dann für die Anschaffungskosten zu nutzen? EUR.USD = 1 oder EUR.USD = 0,91?

 

Share this post


Link to post
MeinNameIstHase
Posted

Die Bewertung hat auf den maßgeblichen Veräußerungszeitpunkt zu erfolgen. Es geht ja um die Bewertung des Veräußerungsgeschäfts, also der Höhe nach. Gleiches gilt für die Anschaffung. Gegenstand der Besteuerung nach §23 EStG sind "private Veräußerungsgeschäfte".
Trenne das davon, ob (obligatorisches Geschäft) und wann ein privates Veräußerungsgeschäft vorliegt (Zuflussprinzip). Das muss man vorab prüfen, bevor man sich mit der Höhe befasst.

Share this post


Link to post
einNeugieriger
Posted · Edited by einNeugieriger
vor 5 Stunden von MeinNameIstHase:

Die Bewertung hat auf den maßgeblichen Veräußerungszeitpunkt zu erfolgen. Es geht ja um die Bewertung des Veräußerungsgeschäfts, also der Höhe nach. Gleiches gilt für die Anschaffung. Gegenstand der Besteuerung nach §23 EStG sind "private Veräußerungsgeschäfte".
Trenne das davon, ob (obligatorisches Geschäft) und wann ein privates Veräußerungsgeschäft vorliegt (Zuflussprinzip). Das muss man vorab prüfen, bevor man sich mit der Höhe befasst.

Also, ich würde das aufgrund deiner Anmerkungen jetzt so verstehen (und habe der Vollständigkeit halber mein Beispiel ergänzt um den Verkauf der 100 USD):

 

Beispiel mit Fantasiekursen:

| Datum      | Datumsart  | Aktion                    | Umrechnungskurs | Wert in EUR | Steuerliche Sicht                                                    |
|------------|------------|---------------------------|-----------------|-------------|----------------------------------------------------------------------|
| 18.10.2021 | TradeDate  | Verkauf Aktie für 100 USD | EUR.USD = 1     | 100         | Obligatorisches Geschäft, d.h. Handschlag / Vertrag für das Geschäft |
| 19.10.2021 | SettleDate | Gutschrift der 100 USD    | EUR.USD = 0,91  | 110         | Eigentliche Anschaffung -> Zufluss-/Abflussprinzip                   |
| 20.10.2021 | TradeDate  | Kauf Aktie für 100 USD    | EUR.USD = 0,83  | 120         | Obligatorisches Geschäft, d.h. Handschlag / Vertrag für das Geschäft |
| 21.10.2021 | SettleDate | Abbuchung der 100 USD     | EUR.USD = 0,77  | 130         | Eigentlicher Verkauf -> Zufluss-/Abflussprinzip                      |

Der eigentliche Zufluss/Abfluss findet am SettleDate statt. Daher müsste dass das relevante Datum für den Wechselkurs sein.

Gewinn/Verlustrechnung für das private Veräußerungsgeschäft wäre somit

Abbuchung zu 130 EUR (EUR.USD = 0,77) vom 21.10.2021 (SettleDate)

abzüglich Abbuchung der Anschaffungskosten von 110 EUR (EUR.USD = 0,91) vom 19.10.2021 (SettleDate)

ergibt 20 EUR Gewinn aus dem privaten Veräußerungsgeschäft.

 

(Gebühren der Einfachheit halber in diesem Beispiel vernachlässigt)

 

 

Habe ich das so richtig verstanden? Danke :-)

 

Share this post


Link to post
MeinNameIstHase
Posted
vor 5 Stunden von einNeugieriger:

Habe ich das so richtig verstanden?

Nein. Wann ist der Veräußerungszeitpunkt der USD beim Aktienkauf via USD-Konto? -> Börsenausführungstag.

 

Es wäre aber durchaus zulässig, wenn es zu Vereinfachungen bei der Ermittlung von Währungsgewinnen führt. In Deinem Beispiel würde sich der Währungsgewinn nicht ändern ... 120 - 100 = 20
Mach den Fehler aber nicht bei einem Immobilienverkauf knapp an der 10-Jahresgrenze des §23 EStG. Denn da wird's dann richtig teuer, wenn die vom FA genau hinschauen und die Fristeinhaltung prüfen.
 

Share this post


Link to post
einNeugieriger
Posted · Edited by einNeugieriger
vor 56 Minuten von MeinNameIstHase:

Nein. Wann ist der Veräußerungszeitpunkt der USD beim Aktienkauf via USD-Konto? -> Börsenausführungstag.

 

Es wäre aber durchaus zulässig, wenn es zu Vereinfachungen bei der Ermittlung von Währungsgewinnen führt. In Deinem Beispiel würde sich der Währungsgewinn nicht ändern ... 120 - 100 = 20
Mach den Fehler aber nicht bei einem Immobilienverkauf knapp an der 10-Jahresgrenze des §23 EStG. Denn da wird's dann richtig teuer, wenn die vom FA genau hinschauen und die Fristeinhaltung prüfen.
 

Danke dir für deine Antwort. Außer für die Bewertung, welchem Jahr ein Geschäft zuzuordnen ist, in welchen Fällen ist das Settle Date in Deutschland eigentlich überhaupt für die Steuer relevant? Option in USD kaufen oder verkaufen / Aktie in USD kaufen oder verkaufen / Währung manuell tauschen; jeweils mit Cash oder auch Marginkonto, ist da irgendwann das SettleDate relevant oder nur immer das TradeDate? Das FxSheet von Interactive Brokers nutzt z.B. das SettleDate für Währungsgewinne, ist das für Deutschland eigentlich korrekt?

Share this post


Link to post
MeinNameIstHase
Posted · Edited by MeinNameIstHase

Settle-Date (Wertstellung) ist maßgeblich für den Zufluss bei allen Überschuss-Einkünften (Siehe §§ 2, 8, 9, 11 EStG, was Überschusseinkünfte sind und wie da gerechnet wird).

Z.B. Dividenden, Zinsen, Investmentfondsausschüttungen, Werbungskosten bei Arbeit, Mieteinnahmen usw.
Eine Zuflussfiktion gibt es bei der Vorabpauschale auf Investmentfonds. Die gelten zu Beginn des Folgejahrs als zugeflossen.

 

Bei privaten Veräußerungsgeschäften nach § 23 EstG ist es deshalb kompliziert, weil man erst prüfen muss, ob überhaupt ein solches vorliegt:

a) Eine Veräußerung ist, etwas Bestehendes (eine Sache) gegen Entgelt an einen Dritten verkaufen.

b) Diese Sache (Nämlichkeit) muss auch angeschafft sein. Da gilt das gleiche Kriterium wie bei Veräußerung: Kauf von etwas Bestehendem von einem Dritten gegen Entgelt. Und es muss die gleiche Sache sein. Bei vertretbaren Sachen reicht es aus, wenn sie nach Art, Menge übereinstimmen. Wenn Währungsguthaben ununterscheidbar gehalten wurden, gilt deshalb die FiFo-Fiktion. 

c) Zwischen Veräußerung und Anschaffung dürfen nicht mehr als 1 Jahr (bei Immobilien 10 Jahre) liegen.


Ist eine der Bedingungen nicht erfüllt, ist man raus aus § 23 EStG. Der Fall ist dann nicht steuerbar. Rein in § 23 kommt man zudem nur, wenn keine andere Einkunftsart greift. Das ergibt sich daraus, dass § 23 ein Fall der sonst. Einkünfte nach § 22 EStG ist (deshalb auch Anlage SO).

 

Erst dann muss man das private Veräußerungsgeschäft überhaupt bewerten, sprich Veräußerung und Anschaffung in Euro bewerten und die Werbungskosten abziehen, soweit sie im direkten sachlichen Bezug dazu stehen, siehe § 9 EStG. 

 

Und kennt man dann den Veräußerungsgewinn, dann wird dieser in dem Veranlagungsjahr versteuert, in dem er zugeflossen ist.

Share this post


Link to post

Create an account or sign in to comment

You need to be a member in order to leave a comment

Create an account

Sign up for a new account in our community. It's easy!

Register a new account

Sign in

Already have an account? Sign in here.

Sign In Now

×
×
  • Create New...