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Sapine

Wie würde ich anlegen, wenn ich gerade erst anfangen würde mit dem Vermögensaufbau

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Sapine

Die Tage hat mich einer per PN gefragt, wie ich denn heute anlegen würde, wenn ich mit der Anlegerkarriere gerade erst anfangen würde. Daraus ist jetzt dieser Faden entstanden, wo jeder sein Wunschmodell hinterlassen kann. Schön wäre wenn jeweils etwas zum Thema Risikobereitschaft, Anlagedauer und Anlageziel dabei steht. 

 

EDIT: Es geht nicht um die Bewertung des eigenen Anlegerwerdegangs sondern darum, wie man mit deinem heutigen Wissen in der heutigen Welt vorgehen würde, wenn man heute in dem Alter wäre, wo man mit dem Vermögensaufbau anfangen wollte. 

 

Sapines Starterdepot

 

Risikobereitschaft hoch

Anlagedauer 30+ Jahre

Ziel: Vermögensaufbau/Altersvorsorge

 

Grundsätzliche Aufteilung 90 (- 110) % Aktien,

 

Bei der Steuerung des Aktienanteils würde ich mich grob am GPO (Beck) orientieren aber mit 10 % höherem Aktienanteil. Das heißt der Normalzustand wäre 90 % Aktienanteil (Regime Normal), der nach entsprechenden Börsenkorrekturen zuerst auf 100 % (Regime Eigenkapitalknappheit) und im zweiten Schritt bis auf 110 % ansteigt (Eskalation der Eigenkapitalknappheit).

 

Bei der Reduktion des Aktienanteils würde ich gegenüber Beck verzögert aufstocken. D.h. erst wenn der Kurs 5 % höher steht als vor der Börsenkorrektur würde ich den Aktienanteil wieder auf 90 % reduzieren. 

 

0-10 % Cashreserve in risikoarmen Anlagen (Tages/Festgeld, Geldmarkt, Euro-Anleihen mit maximal mittlerer Restlaufzeit)

 

bis zu 10 % Lombard nach deutlicher Börsenkorrektur

 

Aufteilung Aktien

30 % marktbreiter ETF (z.B. Invesco FTSE All World oder SPDR MSCI ACWI IMI)

 

50 % Offensiv-Defensiv Depot (Modell Glory_Days Faden) in der offensiven Ausprägung

 

optional 10 % Einzelaktien als Spielwiese 

Ergebnisse kritisch beobachten und Lerngewinne identifizieren. Bei Zweifeln, Spielwiese beenden.

 

5 (10) % Goldanteil

Nach ca. 15 Jahren oder Erreichen einer zu definierenden Zielmarke (z.B. 100k) Xetra-Gold (DE000A0S9GB0) als weiteres Asset ins Depot aufnehmen. Beim Rebalancing die Spekulationsfrist beachten. 

 

Ab Jahr 20 schrittweise von offensiv auf defensiv umschalten und ggf. den Cashanteil um 10 % erhöhen. Cashflow Planung für den Ruhestand berücksichtigen.

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Bigwigster

Finde ich eine super schöne Lösung und verbindet auch viele meiner Ansicht nach richtigen und guten Ansätze. Einfach Einzelaktien und das Offensiv-Defensiv-Depot mit Schwellenländer/Faktor Übergewichtung ersetzen und wir hätten auch gleich meine Variante :D

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McScrooge
vor 1 Stunde von Sapine:

optional 10 % Einzelaktien als Spielwiese 

Vielleicht sollten wir mal dazu übergehen, Einzelaktien nicht als Spielwiese zu bezeichnen, sondern konkret sagen, was man da tut:

Investition in ein konkretes Unternehmen, um am Geschäftserfolg dieses Unternehmens teilzuhaben.

Das ist kein Spiel, das ist ein ernsthaftes Investment. Auch wenn es durch den völligen ETF-Hype in diesem Forum anscheinend mittlerweile völlig untergeht.

 

vor 1 Stunde von Sapine:

Sapines Starterdepot

 

Risikobereitschaft hoch

Anlagedauer 30+ Jahre

Ziel: Vermögensaufbau/Altersvorsorge

 

Grundsätzliche Aufteilung 90 (- 110) % Aktien,

Diese Grundeinstellung teile ich!

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west263
vor 14 Minuten von McScrooge:

Vielleicht sollten wir mal dazu übergehen, Einzelaktien nicht als Spielwiese zu bezeichnen, sondern konkret sagen, was man da tut:

Investition in ein konkretes Unternehmen, um am Geschäftserfolg dieses Unternehmens teilzuhaben.

Das ist kein Spiel, das ist ein ernsthaftes Investment. Auch wenn es durch den völligen ETF-Hype in diesem Forum anscheinend mittlerweile völlig untergeht.

:thumbsup:

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odensee
vor 30 Minuten von McScrooge:

Vielleicht sollten wir mal dazu übergehen, Einzelaktien nicht als Spielwiese zu bezeichnen

Einzelaktien sind keine Spielwiese. Behauptet hier auch niemand.

 

Man kann aber als Anleger auch seinen Spieltrieb ein bisschen ausleben. Eine(r) macht’s mit Einzelaktien, der nächste mit ein paar Zertifikaten, die nächste mit Branchen- oder Länder-ETF und wieder ein anderer mit HY-Anleihen etc.

 

Und andererseits kann jemand 90% in Einzelaktien stecken und noch ein bisschen mit ETFs spielen.

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Someone
· bearbeitet von Someone

Someones "Starterdepot"

 

Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit hoch

Anlagedauer 30+ Jahre

Ziel: Vermögensaufbau/Altersvorsorge

 

Aufteilung:

6 Monatsgehälter Cash-Reseve/Notgroschen

Rest 100% Aktien-ETFs (Aufteilung 50/30/10/10 - NA/EUR/AP/EM) bis zum Ende...

 

Grundsätzlich finde ich es schwierig 30 Anlegerjahre zurück durch die Zeit zu fahren und basierend auf der jetzigen Erfahrungswelt ein heutiges "Starterdepot" abzuleiten. Letztlich kannte ich damals z.B. weder die Begriffe Risikobereitschaft noch Risikotragfähigkeit und auch die verfügbaren Finanz-Vehikel haben sich stark verändert. Ich stehe da wo ich stehe, weil ich bestimmte Erfahrungen gemacht habe, und ohne diese würde mein "Starterdepot" vermutlich anders aussehen.

 

Warum ist mein Depot und der risikoarme Teil so gewählt, wie oben beschrieben?

Mein "kaputte Waschmaschine"-Notgroschen benötigt kein Kapital für ein Ersatzauto, weil ich höchst ungerne Auto fahre, alles andere lässt sich (abgeschätzt nach meinen Bedürfnissen) durch den genannten Cashbetrag kurzfristig abdecken. Auch zu Zeiten meines beruflichen Anfangs war meine Sparquote zwischen 30 und 50% meines Nettogehalts, so dass mich die Cash-Reserve ein Jahr versorgen würde. Das fand und finde ich für mich ausreichend.

 

Mein Verständnis der Finanzmärkte ist beschränkt. Mein Wille, bzw. meine Lust mich damit oder auch mit den Details von einzelnen Firmen auseinander zu setzen reicht (anscheinend - wenn ich mir meine 15 Jahre Einzelaktieninvestments so ansehe) nicht aus, um eine Durchschnittsrendite zu erreichen. Daher finde ich für mich einen ETF-Ansatz ("buy the whole haystack") eine gute Lösung.

Eine von der Marktkapitalisierung (leicht) abweichende Gewichtung und das dadurch evtl. notwendige Rebalancing ist für mich ein ausreichendes Nudging um mich dennoch immer wieder mit Finanzanlagen zu beschäftigen und auch meine Ziele und meine Risikobereitschaft regelmäßig zu hinterfragen (und das WPF hier natürlich).

 

Bitte nicht nachmachen, sondern einen eigenen Anlage-Weg finden und sich und die eigenen Entscheidungen regelmäßig ehrlich hinterfragen und gegebenenfalls anpassen bis sich ein stabiles Vorgehen (eine "Anlagestrategie") herausbildet.

 

Ergänzung

Ein paar persönliche Rahmenbedingungen (insbesodere um meine Risikotragfähigkeit zu erläutern) möchte ich noch hinzufügen:

In meiner persönlichen Situation war sehr frühzeitig klar, das ich keine Kinder haben würde, das ich ein relativ hohes Arbeitseinkommen haben würde und dass es irgendwann einmal auch ein Erbe im unteren 6stelligen Bereich geben würde. 

 

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PKW
vor 10 Minuten von McScrooge:

Investition in ein konkretes Unternehmen, um am Geschäftserfolg dieses Unternehmens teilzuhaben.

Das ist kein Spiel, das ist ein ernsthaftes Investment.

Erweitern wir das eine Unternehmen auf 10 oder meinetwegen auf 100.
Weltweit gibt es rund 10.000 Unternehmen in die man per Börse investieren kann. Ich finde es eine Wissenschaft für sich, sich da begründet gegen die 10.000 anderen Unternehmen und für das eine Prozent (oder Promille wenn es nur 10 sind) der Unternehmen zu entscheiden.
Hut ab, wer das erfolgreich fertig bringt, ich kann das nicht. Der Durchschnitt der Anleger kann das auch nicht, sonst könnte der alte Finanzwesir nicht süffisant über die Verhaltenslücke schwadronieren.
Jemandem, der am Start seiner

vor 1 Stunde von Sapine:

Anlegerkarriere

steht, sollte man diese Wissenschaft erst recht nicht zutrauen.

Was bleibt einem da anders übrig als einen marktbreiten ETF zu empfehlen, der in einen repräsentativen Schnitt dieser Unternehmen investiert?

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hattifnatt

Meine Strategie steht bekanntlich hier ;) 

 

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Sapine

Natürlich will ich die Diskussion nicht unterdrücken. Aber vorrangig soll es darum gehen, dass jeder ein aus seiner Sicht sinnvolles Szenario entwirft. 

 

Genau so Überlegungen wie die von @Someonefinde ich ausgesprochen wertvoll. 

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DNA

@Sapine aus Interesse, wieso verzichtest du auf einen (langlaufenden) Anleihenteil. Weil das Depot unter den aktuellen Gegebenheiten starten würde oder weil du sie dauerhaft für nicht sinnvoll erachtest?

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McScrooge
vor 51 Minuten von Sapine:

Aber vorrangig soll es darum gehen, dass jeder ein aus seiner Sicht sinnvolles Szenario entwirft. 

Genau das war mein Ansatz, denn ansonsten wird das Szenario eben nicht über Jahre durchgehalten.

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Norica
· bearbeitet von Norica

Das ist eine theoretische Betrachtung, denn selbst mit all meinem heutigen Wissen würde ich praktisch trotzdem ein Anfänger sein. Ich kann zwar so anlegen, wie ich das derzeit mache, aber ob ich mich bei Marktveränderungen auch so verhalte wie heute?

 

Risikobereitschaft: niedrig

Anlagedauer: unendlich

Ziel: Cashflow hat Priorität vor Vermögensaufbau

 

 

Die grundsätzliche Aufteilung ist 100% in Einzelaktien, gepaart mit einfachen Termingeschäften.

Keine Cashreserve in Anlagen, vielleicht 3-5k auf dem Giro.

 

Mich interessieren keine Indizes, ich vergleiche mich grundsätzlich nicht. Dadurch habe ich (für mich theoretische) Opportunitätskosten, die mir völlig egal sind.

Einziger Maßstab ist, dass mehr erwirtschaftet als verbraucht wird.

 

 

 

SG

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Sapine
vor 27 Minuten von DNA:

@Sapine aus Interesse, wieso verzichtest du auf einen (langlaufenden) Anleihenteil. Weil das Depot unter den aktuellen Gegebenheiten starten würde oder weil du sie dauerhaft für nicht sinnvoll erachtest?

Grundsätzlich sehe ich den größten Sinn bei Anleihen darin, dass sie mäßig korreliert sind mit Aktien und man über die Anlageklasse selbst aber auch über das Rebalancing mehr Ruhe ins Depot bekommt ohne komplett auf Rendite zu verzichten. Das hat in der Vergangenheit teils sehr gut funktioniert als es bei Anleihen positive Realrenditen gab. Warum soll ich in Anleihen investieren bei denen ich aktuell eine negative Realrendite habe? Wenn die Zinsen weiter steigen, würde ich mein Anlegerverhalten anpassen. 

 

Aus dem gleichen Grund gefällt mir auch der Offensiv/Defensiv Ansatz sehr gut. Im Gegensatz zum Portfoliobaustein Anleihen kann man dort durch nicht perfekt korrelierte Assets zusätzliche Rendite erzielen und/oder alternativ die Schwankungen absenken. Für mich macht es Sinn mehrere Assets zu mischen, die jede für sich einen positiven Beitrag zur realen Rendite bringt. 

 

Für Anleger die anfangen mit dem Vermögensaufbau ist die Rendite besonders wichtig, da der Zinseszinseffekt auf lange Sicht der große Zauberstab ist. Anleger die mittelfristig möglicherweise auf das Geld angewiesen sind, sollten defensiver fahren. Bei der Festlegung der Aktienquote muss natürlich immer die individuelle Risikotragfähigkeit und Risikobereitschaft mit berücksichtigt werden. Dann kämen Anleihen ganz automatisch mehr in den Fokus. 

 

 

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Hicks&Hudson
· bearbeitet von Hicks&Hudson
vor 16 Stunden von Sapine:

wie ich denn heute anlegen würde, wenn ich mit der Anlegerkarriere gerade erst anfangen würde.

Bedeutet "heute/gerade erst" jetzt mit dem realen Alter oder wenn ich mit sehr jungen Jahren (18 etc) die Möglichkeiten/Produkte von heute hätte ?

 

vor 16 Stunden von Sapine:

jeweils etwas zum Thema Risikobereitschaft, Anlagedauer und Anlageziel dabei steht. 

Auch hier die Frage, mit welchem Alter und in welcher Lebensituation diese wichtigen Dinge beschrieben werden sollen ?

 

Ich finde Thread interessant und obwohl hier anscheinend keine Diskussion gewünscht wird, ist es mir nicht möglich, ohne ein paar Gedanken mitzumachen. Einfach ein paar (aktuelle) Produkte hinzuklatschen mit einer (aktuell gefühlten) Risikobereitschaft greift das Ganze mNn nicht passend auf.

Warum ? Ein paar weitere Gedanken:

 

- Würde man anders posten, wenn wir den Thread Mitte März 2020 oder März 2009 eröffnet hätten ? Auf einem All-Time-High weltweiter Aktienmärkte redet man sich mMn etwas anders als mitten in miesen Marktphasen.

- Würde man anders posten, sofern sich das eigene Stock Picker Depot die letzten 20 Jahre schlechter/besser entwickelt hätte ? Wäre man fähig, zu erkennen, dass man z.B. 10+ Jahre nur Glück hatte ? 

- Wieso postet man nun (nach all den Jahren) eine gänzlich andere Aufstellung/Strategie (als man bisher hatte), ändert dann aber jetzt trotzdem nichts hin zu dieser scheinbar besseren Version ? Steuern kann ein Thema sein, überzeugt mich aber trotzdem nicht zu 100%. Das kommt mir bissl vor wie: "Könnte ich nochmal meinen Job wählen, würde ich ganz was anderes machen. Aber jetzt noch zu wechseln, mache ich nicht mehr, obwohl ich weiß, dass ich mit meinem jetzigen Job nicht zufrieden bin/etwas anderes machen könnte, was mich viel glücklicher macht."

- Beruhen sämtliche, heutige Überzeugen letztendlich nicht doch auf einem Rückblick-Bias ? Was wäre, wenn andere Anlageklassen (Anleihen z.B.) die letzten zehn Jahre anders gelaufen wären ?

 

Und nun dann doch noch meine Aufstellung, die ich aber nicht mit konkreten Produkten / festen Regeln und Prozenten befüllen kann, sondern eher in Grundsätze verpacke, denn nur diese haben dauerhaft Bestand. Produkte und auch Lebensphasen/-situationen etc ändern sich ständig.

 

Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit: je nach Lebens(start)situation ausreichend hoch, um Vermögen aufzubauen/einigermaßen zu erhalten, aber nicht höher als nötig (mehr Risiken einzugehen als nötig, halte ich für falsch; meist ist dies dann der Fall, wenn man kein Ziel hat/nicht weiß, wo man am Ende hin will).

Höhe riskanter Depotteil (Aktienquote) je nach Ausgangslage zwischen 90% (Start mit wenig Vermögen) und 10% (schon genug Vermögen).

Anlagedauer: vermutlich (!) mindestens 15 Jahre, aber je nach Lebensänderung nicht 100% klar einzuschätzen/vorhersehbar

Ziel: Vermögensaufbau (aber nicht nach oben offen, weil irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem noch mehr Geld einfach keinen Sinn mehr gibt)

Produkte/Asset Allocation: Aktienfonds, so günstig wie möglich mit wenig Umschlag innerhalb des Fonds (geringe, laufende Kosten sind der beste Free Lunch, den es gibt), ohne Market Timing/Wetten, einigermaßen breit gestreut (dazu reichen im Fonds 1000 Aktien aus und keine 5000).

Dazu beigemischt (um das Risiko zu steuern) Geldmarktfonds/recht kurze Bundesanleihen/sichere Bankeinlagen.

Unbedingt nötig: Rebalancing (egal, ob fest oder Schwellenwert)

Das alles als Einmalanlage und auch Sparplan.

 

Andere Anlageklassen (Gold, Anleihen mit längerer Laufzeit etc) sehe ich (auch dauerhaft) nicht mehr als nötig an (war früher anders), weil die Erwartungen, welche man an diese hat, nicht sicher erfüllt werden und dies führt zu Enttäuschung. Da bleibe ich lieber bei den beiden Anlageklassen, bei denen ich eindeutig weiß, was ich bekomme/was passieren kann und was nicht.

Kurz noch zum (eigentlich interessanten) Offensiv-Defensiv-Ansatz von GloryDays: Ich war einige Jahre auch ein wenig in dieser Richtung aktiv (Consumer Staples etc), bin aber mittlerweile auch dort der Meinung, dass das ganze Konzept zu sehr auf einem Rückschau-Bias beruht. Die Kernaussage der Diversifizierung (wir wissen nicht, was ex ante am besten ist) wird hier nur halb erfüllt. Man sieht das daran, dass (langlaufende) Anleihen keinerlei Platz finden in den aufgeführten Portfolios und "je nach Marktlage nachträglich eingefügt werden können". Dabei sind langlaufende IG-Staats-Anleihen eigentlich immer noch die Assetklasse, welche rein statistisch am ehesten (nicht sicher!) in Extremmarktphasen (Crash) als Safe-Heaven gelten und eine negative Korrelation zu Aktien aufweisen. Vermutlich wird das aber mittlerweile verdrängt, weil einigen noch die Zinswende samt Gleichlauf von Aktien und Anleihen in den Knochen steckt. Man neigt also, zu denken, dass das nicht mehr funktioniert. Das könnte auch ein klassischen Rückschaufehler sein. 

Das bewusste Weglassen von Anleihen im OD-Portfolio ist das Gegenteil von prognosefrei und offenbart dann doch eindeutig die im Nachhinein (per Rückblick) konstruierte Strategie. 

Daher finde ich: Entweder man entscheidet sich bei Multi-Asset wirklich für komplett prognosefrei (dann muss aber alles an Haupt-Assets rein und nicht selektiert werden, denn das widerspricht dem ganzen Grundgedanken komplett) oder man lässt den ganzen Krempel (in der Mitte) weg und nimmt nur die äußeren beiden Bausteine, eben Aktien als renditestärkstes Asset und einen nominal sehr stabilen und vorhersehbaren Teil (Geldmarkt etc).

 

Natürlich betone ich, dass auch in nicht davor gefeit bin, (mehr oder weniger) einem Rückschau-Bias zu unterliegen (z.B. das Weglassen anderer Assets). Andererseits beruht meine Sichtweise auf der Erfahrung, dass es nicht falsch ist, das einzig, wirklich sichere zu verinnerlichen:

- Aktien sind und bleiben die zuverlässig-renditestärkste Anlageklasse

- Volatilität/Drawdowns mit Multi-Asset-Konstrukten abzufedern, funktioniert nie wirklich sicher, kostet aber recht sicher mehr Gebühren, geht auf Kosten der Rendite und erfordert mehr Aufwand (aufgrund komplexerer Depots)

- die Risikosteuerung des Gesamtdepots klappt sehr exakt und überraschungsfrei durch Beimischung nominal möglichst vorhersehbarer/stabiler/un-volatiler Anlagen

 

Soweit also meine persönliche Meinung und Sicht dieses Themas.

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Sapine
vor 16 Stunden von Sapine:

Die Tage hat mich einer per PN gefragt, wie ich denn heute anlegen würde, wenn ich mit der Anlegerkarriere gerade erst anfangen würde.

Die einen mögen mit 20 anfangen und andere mit 40. Gemeint ist, wie würdet ihr mit Eurem heutigem Wissen anlegen, wenn ihr Euch vorstellt, ihr wärt heute im entsprechenden Alter und würdet anfangen Vermögen aufzubauen. Welches wäre Euer Plan?

 

Gedanken sind ausdrücklich erwünscht, nur bitte nicht die hundertste Diskussion zum Thema pro und con einer Dividendenstrategie in allen Facetten (als Beispiel). Meine Hoffnung ist es, am Ende so etwas wie Anlagemodelle zu sehen, an denen sich ein Frischling orientieren kann. Da passen Gedanken warum man etwas so oder so macht ganz sicher dazu. 

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McScrooge

Sorry, aber dieses „hätte“, „könnte“, „würde“ ist doch eine völlig pseudotheroretische und mittlerweile hier sehr häufig geführte Situation.

 

Als ich mit Börse angefangen habe, gab es keine ETFs, man muss mit einem Bankberater telefonieren - oder sogar hingehen - um Aktien zu erwerben. Das war doch eine ganz andere Zeit.

 

Natürlich würde man heute - schon aufgrund der Tatsache, dass vieles anders geworden ist - anders an die Sache herangehen.

Das heißt aber nicht, dass man meint, es sei im eigenen Ansatz etwas falsch verlaufen. Es ist schlichtweg anders heute.

 

Und natürlich kann man sagen, was früher der Fondssparplan war, könnte heute der ETF-Sparplan sein um eben Börse zu lernen.

 

Aber das sind doch im Grunde Antworten, die hier bereits hundertfach gegeben worden sind…

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Sapine

Es geht nicht um die Bewertung deines Anlegerwerdegangs @McScroogesondern darum, wie du mit deinem heutigen Wissen in der heutigen Welt vorgehen würdest.

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Hicks&Hudson
vor 7 Minuten von Sapine:

Die einen mögen mit 20 anfangen und andere mit 40. Gemeint ist, wie würdet ihr mit Eurem heutigem Wissen anlegen, wenn ihr Euch vorstellt, ihr wärt heute im entsprechenden Alter und würdet anfangen Vermögen aufzubauen. Welches wäre Euer Plan?

Ok. Dann müsste jeder aber schon angeben, in welchem Alter und eben am besten in welcher Lebenssituation er anfängt (mit Familie etc, Immo(kaufabsicht) etc). Ich weiß, dass das kompliziert ist, aber ohne diese Infos hat das wenig Sinn finde ich.

 

vor 8 Minuten von Sapine:

Meine Hoffnung ist es, am Ende so etwas wie Anlagemodelle zu sehen, an denen sich ein Frischling orientieren kann.

Ja, das wäre eine gute Sache. Aber wie gesagt brauchen Frischlinge dann erst Recht die klaren Hinweise, mit welcher Ausgangssituation und mit welchem Ziel alle hier starten. Einfach Aktienquote zu nennen und das Ziel Altersvorsorge bringt nix.

Super wäre, wenn man am Ende mehrere, verschiedene Lebenssituationen hätte als Start und dann eben (mit dem Wissen von heute) erklärt, warum man so oder so anlegt. 

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Sapine

Ich habe den Eingangspost ein wenig ergänzt, damit die Fragestellung klarer ist. Aber grundsätzlich soll jeder die Freiheit haben, das Thema so darzustellen wie es ihm/ihr entspricht. 

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Gast240408
· bearbeitet von myrtle

Geschichte gehoert ja irgendwie dazu. Ich hatte glaube 1997 meine ersten Aktien, nach 2000 darunter auch Google die ich mit maessigem Gewinn nach ein paar Jahren verkauft habe. Dann ein paar Zertifikate auf EM-Indices und Palladium, ab ca. 2011 besitze ich durch Einmalkauf den heutigen 15-Bagger AMZN, dazu kamen ein paar andere kleinere Sachen. Das wars im Prinzip und das habe ich mir kaum angesehen. Teilweise lag das Jahre komplett  unbeachtet. 2019 habe ich massiv umgebaut, mit ein paar ETF als Kernbausteinen, die nie verkauft werden und jetzt meist auf Sparplan monoton steigen. Fuer den Rest ist weiter jeder Unsinn moeglich :)

 

Ansonsten habe ich gelebt und gearbeitet. Und das wuerde ich heute genauso wieder machen. Prio 1 hat Humankapital. Das ist in seiner ganzen Komplexitaet vor allem Anderen zu pflegen und zwar dauerhafter als jede Kontinuitaet, die Geldanlage annehmen sollte. Denn daraus kann man immer schoepfen und u.a. auch eine Investitionshoehe setzen. Von den im Ergebnis hoffentlich auch immer hoeheren geldlichen Einnahmen wuerde ich wohl ein dann ebenso steigendes Stueck in einen All-World-Sparplan oder Aehnliches stecken, den Betrag mental ausbuchen und weiter andere Dinge tun. Dazu gehoeren auch Direktinvestitionen in Firmen, aber wohl keine in Deutschland. Das Abschoepfen der Arbeit anderer ueber Wertpapiere ist auch nur in bestimmten Grenzen befriedigend, zumindest fuer mich. Buchhaltertypen, die sich darauf kaprizieren, schaffen letztlich nichts real Werthaltiges. Das werden auch die noch merken, die dieses Spiel im Grossen nach 2008 aufgeblasen haben. Aber zuerst natuerlich die Kleinen.

 

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Neverdo
vor einer Stunde von Sapine:

Es geht nicht um die Bewertung deines Anlegerwerdegangs @McScroogesondern darum, wie du mit deinem heutigen Wissen in der heutigen Welt vorgehen würdest.

Klar, eine nette Variante, kann man mal diskutieren, der Haken dabei ist aus meiner Sicht, der junge Anleger hat sein Wissen nicht und genau damit kann ich keine Enpfehlung oder Anleitung an jemanden geben, der "nur" jung ist.

90% Aktien, hättest du den Vorschlag 2020 gemacht würde gewiss eine andere Reaktion entstehen.

Deswegen ist die Anlegervoraussetzung, bzw. sein Wissen genau so wichtig wie die Frage nach dem Alter und der Risikobereitschaft.

 

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Goldmarie92

Danke Sapine,

ich suche als Anfängerin und bisher etwas fehlgeleitete Anlegerin genau nach dieser Antwort. Das Ziel soll es sein mit wenig Aufwand, eine gute Rendite zu erwirtschaften, den Zufall möglichst zu eliminieren (10-Bagger) und einen gesunden Schlaf zu haben.

 

per PN haben mir einige Mitstreiter geholfen, finde es aber extremst hilfreich, wenn es öffentlich besprochen wird. Danke für deine Initiative!!

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geldvermehrer
Zitat

Risikobereitschaft hoch

Anlagedauer 30+ Jahre

Ziel: Vermögensaufbau/Altersvorsorge

 

Grundsätzliche Aufteilung 90 (- 110) % Aktien,

 

Bei der Steuerung des Aktienanteils würde ich mich grob am GPO (Beck) orientieren aber mit 10 % höherem Aktienanteil. Das heißt der Normalzustand wäre 90 % Aktienanteil (Regime Normal), der nach entsprechenden Börsenkorrekturen zuerst auf 100 % (Regime Eigenkapitalknappheit) und im zweiten Schritt bis auf 110 % ansteigt (Eskalation der Eigenkapitalknappheit).

 

0-10 % Cashreserve in risikoarmen Anlagen (Tages/Festgeld, Geldmarkt, Euro-Anleihen mit maximal mittlerer Restlaufzeit)

bis zu 10 % Lombard nach deutlicher Börsenkorrektur

Das wäre bei mir ähnlich (und ist auch jetzt für die Zukunft so ausgelegt, da ich finanziell durch Mieteinnahmen abgesichert bin und höchstwahrscheinlich nicht auf das Aktienvermögen zurück greifen werde).

GPO von Abdreas Beck liegt auch im Depot (meiner Frau, wird aber auf Tochter die nächsten Jahre übertragen).

Einzig den Hebel mittels Lombardkredit würde ich auf bis zu 20% setzen für Nachkäufe bei starken Kurseinbrüchen.

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oktavian
vor 18 Stunden von Sapine:

90 (- 110) % Aktien,

wie wird das 110% konkret umgesetzt. Hast du da eine GmbH-Struktur? Ich könnte die Zinsen für Kredite nicht absetzen (nicht optimierter, Normalsteuerzahler). Benutzt du Futures oder Optionen, um auf 110% zu kommen?

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geldvermehrer
vor 2 Stunden von Hicks&Hudson:

Das bewusste Weglassen von Anleihen im OD-Portfolio ist das Gegenteil von prognosefrei und offenbart dann doch eindeutig die im Nachhinein (per Rückblick) konstruierte Strategie. 

Daher finde ich: Entweder man entscheidet sich bei Multi-Asset wirklich für komplett prognosefrei (dann muss aber alles an Haupt-Assets rein und nicht selektiert werden, denn das widerspricht dem ganzen Grundgedanken komplett)

Was machst du dann, wenn sich im laufe der Zeit bei einem Multi-Asset-Ansatz eine "neue Haupt-Assetklasse" wie z.B. Bitcoin herauskristallisiert?

Die müsste nach deiner Meinung bezüglich Prognosefreiheit hinzugefügt werden, oder? Wie legst du es fest, was eine Haupt-Assetklasse ist und was nicht?

Wie gewichtest du die unterschiedlichen Assets zueinander? Prognosefrei würde Gleichgewichtung bedeuten.....

Alles nicht so easy.

 

vor 3 Minuten von oktavian:

wie wird das 110% konkret umgesetzt. Hast du da eine GmbH-Struktur? Ich könnte die Zinsen für Kredite nicht absetzen (nicht optimierter, Normalsteuerzahler). Benutzt du Futures oder Optionen, um auf 110% zu kommen?

Vermutlich so:

Zitat

bis zu 10 % Lombard

 

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