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JuliusMSchmidt

Aktienanalyse-Prozess und -Sammlung

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JuliusMSchmidt

Ich investiere selbst in Einzelaktien und frage mich, wie andere das machen. Konkret: Wie geht ihr vor, wenn ihr eine neue Aktie analysiert? Und vor allem: wo landen eure Überlegungen am Ende? Excel-Dateien, Notizen-App, irgendwo online, oder gar nicht? Würde mich wirklich interessieren. Bei mir aktuell ein ziemliches Chaos mit verschiedenen Watchlists, Google Sheets, Seiten in Notion, etc.

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Schwachzocker
vor 6 Stunden von JuliusMSchmidt:

Ich investiere selbst in Einzelaktien und frage mich, wie andere das machen. Konkret: Wie geht ihr vor, wenn ihr eine neue Aktie analysiert?...

Im Allgemeinen wird hier stets betont, wie wichtig es ist, gute Gefühle zu haben. Dementsprechend wird vorgegangen.

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stagflation
· bearbeitet von stagflation
Am 17.4.2026 um 10:58 von JuliusMSchmidt:

Ich investiere selbst in Einzelaktien und frage mich, wie andere das machen. Konkret: Wie geht ihr vor, wenn ihr eine neue Aktie analysiert? Und vor allem: wo landen eure Überlegungen am Ende? Excel-Dateien, Notizen-App, irgendwo online, oder gar nicht? Würde mich wirklich interessieren. Bei mir aktuell ein ziemliches Chaos mit verschiedenen Watchlists, Google Sheets, Seiten in Notion, etc.

 

Ich glaube, dass es hier um zwei unterschiedliche Fragen geht. Eine Frage ist, wie man Analysen macht und zu Entscheidungen kommt. Die andere Frage ist, wie man seine Daten auf technischer Ebene verwaltet und dokumentiert.

 

Diejenigen, die ich kenne, die Chart- oder Fundamentalanalyse machen, arbeiten ungefähr so:

  • Sie definieren ein Anlage-Universum. Also welche Aktien sie interessieren.
  • Sie erstellen für die Aktien im Anlage-Universum Analysen. Dazu sammeln sie Daten wie die bisherige Kursentwicklung (bei Chartanalyse) oder bisherige und erwartete zukünftige KGVs und viele weitere Daten bei einer Fundamentalanalyse. Die Ergebnisse werden in einem standardisierten Format zusammengestellt (z.B. als Zeilen in einer Tabellenkalkulation). 
  • Dann haben sie eine Tabelle, in der sie die Ergebnisse zusammentragen und in der eine Top-10 Liste der aussichtsreichsten Aktien zusammenstellt wird. Dabei wird aber auch auf Diversifikation und weitere Kriterien geachtet. Ein großer Teil der Magie steckt in dieser Tabelle: wie die Daten der einzelnen Unternehmen gewichtet und verrechnet werden, um die Aktien in eine Reihenfolge nach Erfolgswahrscheinlichkeit zu bringen.  
  • Am Anfang würden sie vielleicht in die ersten 10 oder 20 Aktien investieren.
  • Danach werden die Daten und Analysen der Firmen im Anlageuniversum regelmäßig aktualisiert. Dadurch gibt es auch Veränderungen in der TOP 10 Liste. Wenn es Veränderungen gibt, stellt sich die Frage, was man macht. Man könnte natürlich sofort umschichten - aber das führt nicht unbedingt zu optimalen Ergebnissen. Besser ist es, wenn man Schwellwerten und Hysteresen arbeitet. 

Es ist meines Erachtens wichtig, dass man zuerst diesen Workflow etabliert und weiß, was man will. Wenn man das hat, weiß man eigentlich auch, wie man seine Daten auf technischer Ebene organisiert. Ich persönlich würde mit Dateien in einem Dateisystem arbeiten. Andere nehmen vielleicht Wissens-Datenbanken.

 

Was möchtest Du wissen? Wie man Aktien analysiert? Oder hast Du bereits einen Workflow und Dich interessieren technische Details? Wenn letzteres der Fall ist, dann beschreibe uns Deinen Workflow möglichst genau, dann können wir vielleicht ein paar technische Tipps geben.

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leoluchs
vor 42 Minuten von stagflation:

Hysteresen

Mal wieder von der Zuschauertribüne aus einen neuen Begriff gelernt. Merci vielmals :thumbsup:.

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stagflation
· bearbeitet von stagflation

Mit Hysterese ist folgendes gemeint: nehmen wir einen Kühlschrank, der die Kühlung einschaltet, wenn es wärmer als 5 Grad Celsius ist. Und die Kühlung ausschaltet, wenn es kälter als 5 Grad ist. Man kann sich vorstellen, dass die Kühlung recht häufig ein- und ausschaltet, weil es immer abwechselnd wärmer und kälter als 5 Grad ist. Deshalb würde man eine Kühlschrank-Steuerung so bauen, dass die Kühlung angeht, wenn es wärmer als 7 Grad ist - und dass sie ausgeht, wenn es kälter als 3 Grad ist. Das führt dazu, dass die Kühlung nur gelegentlich angeht und dann auch eine eine Zeit anbleibt. Die Temperatur schwankt dann immer zwischen 3 Grad und 7 Grad Celsius. Die Temperaturdifferenz bei der Steuerung zwischen 3 Grad und 7 Grad wäre die Hysterese.

 

In der Technik arbeitet man sehr häufig mit Hysteresen, um sehr häufige und sogar erratische Schaltvorgänge zu vermeiden. Klassische Backöfen arbeiten so. Ältere Auto-Blinker mit Bimetall-Glühlampe auch.

 

Natürlich kommt es darauf an, die Hysterese optimal einzustellen, was durchaus eine Kunst ist.

 

Wenn man sich ein Aktienportfolio mit Chart- oder Fundamentalanalyse erstellt, braucht man auch eine Hysterese (oder etwas ähnliches). Nehmen wir an, jemand möchte ein Portfolio mit 5 Aktien erstellen und seine Top 10 Liste sei:

Nr.   Aktie    Punkte
----+--------+--------
 1   Aktie A     25
 2   Aktie B     21
 3   Aktie C     13
 4   Aktie D     12
 5   Aktie E      9
 6   Aktie F      8

Die Punkte geben an, wie groß die Gewinnchancen für die Zukunft sind. Der Anleger kauft also die Aktien A-E. 

 

Nach einem Monat aktualisiert er seine Liste und bekommt folgendes Ergebnis:

Nr.   Aktie    Punkte
----+--------+--------
 1   Aktie A     24
 2   Aktie B     22
 3   Aktie C     12
 4   Aktie D     11
 5   Aktie E      9
 6   Aktie F     10

Die Punktzahl hat sich bei allen Aktien etwas verändert. Aktie F ist jetzt besser als Aktie E.

 

Soll der Anleger jetzt Aktie E gegen Aktie F tauschen? 

 

Das Problem ist, dass die Punkte immer etwas schwanken. Im nächsten Monat könnte es durchaus sein, dass Aktie E wieder besser ist als Aktie F. Wenn der Anleger immer sofort tauschen würde, wenn eine Aktie besser wird, würde er jetzt tauschen - und im nächsten Monat wieder zurücktauschen. Das wäre natürlich Quatsch.

 

Der Anleger braucht also eine Regel, mit der er erreicht, dass er erst umschichtet, wenn er sicher sein kann, dass eine Änderung in der TOP-10-Liste dauerhaft ist. Das könnte er mit einer Hysterese erreichen: erst tauschen, wenn eine neue Aktie mindestens 4 Punkte besser ist, als eine Aktie, die er bereits hält. Und vielleicht zusätzlich: die neue Aktie muss mindestens 4 Monate in Folge um 4 Punkte besser gewesen sein.

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leoluchs
vor 31 Minuten von stagflation:

wenn er sicher sein kann, dass eine Änderung in der TOP-10-Liste dauerhaft ist

Ob diese Etiketten jemals zutreffen? Heute bin ich froh, die Anzahl der Zwickmühlen auf ein für mich verständliches Maß reduziert zu haben, ohne zu behaupten, alle Fallstricke zu erkennen. Das Zauberwort heißt wohl "Regel".

Danke für die anschauliche Erklärung.

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lowcut

Ich arbeite sehr viel mit Excel für die Bewertung von Aktien. 

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Lazaros
· bearbeitet von Lazaros
Am 17.4.2026 um 10:58 von JuliusMSchmidt:

Ich investiere selbst in Einzelaktien und frage mich, wie andere das machen. Konkret: Wie geht ihr vor, wenn ihr eine neue Aktie analysiert? 

->

Am 25.12.2025 um 11:29 von Lazaros:

Meinen gangbaren Weg auf die Frage "Erzähl mir mal, wie "anschauen" bei Dir funktioniert und was Du über dieses Unternehmen weißt",  habe ich aus einer für mich fruchtbaren PN Diskussion kopiert:

Zitat

 

Meine Vorgehensweise:

1. Ich suche mir aus einem Index die 20 Werte raus, die die letzten 3 Jahre am Schlechtesten abgeschnitten haben.

2. Dann filtere ich alle Branchen raus, die für mich nicht in Frage kommen, 

- weil ich in so was aus Prinzip nicht investieren will (z.B. Rüstungsaktien)

- weil ihr Geschäftsmodell nur auf einem Produkt bzw. eine einzigen Idee besteht, z.B. Automobilwerte, Flugzeughersteller, Tech-Werte, Banken, gewisse Pharmawerte

3. Dann muss die Aktie mindestens 2% Dividende abwerfen, weil ich als Privatier von den Ausschüttungen leben muss bis zum Beginn der Rentenzahlungen meines Versorgungswerks.

4. Von dem, was dann noch übrig bleibt, schaue ich mir die Analystenschätzungen an. Wenn die Mehrheit der Analysten Kauf-Einstufungen mit einem Kursziel von mindestens 20% auf Jahressicht für eine Aktie ausgibt, dann ist diese Aktie für mich interessant. Ich weiß, dass diese Experten auch nur raten, dennoch hält sich der Gesamtmarkt oft an diese Prognosen, quasi als eine selbsterfüllende Prophezeiung.

5. Bilanzzahlen schaue ich mir nicht an.

 

 

Und hier noch die konkrete Umsetzung 2026 ->

Am 12.3.2026 um 18:57 von Lazaros:

Die 30% Marke ist geknackt - Zwischenstand 12.03.26:

 

48 Stück   Alexandria Real Estate Equities Inc.   WKN: 907179      -> 2102,88€

100 Stück Dow Inc.   WKN: A2PFRC                                               -> 3240,00€

54 Stück  Lyondellbasell Ind 'A'    WKN: A1CWRM                        -> 3422,52€

11 Stück  Charter Communications    WKN: A2AJX9                     -> 2062,50€

17 Stück  Constellation Brands   WKN: 871918                             -> 2185,35€

                                                                                                         -------------

                                                                                                          13013,25€    bzw. +30,32%   (Invesco S&P 500 UCITS ETF - USD DIS ETF  WKN: A1405W  - 0,17%)

 

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LongtermInvestor
vor 46 Minuten von Lazaros:

Und hier noch die konkrete Umsetzung 2026 ->

Wie hoch gewichtest du diesen Strategie-Baustein in deinem Gesamtvermögen? Falls das zu privat ist -wie lange validierst du diesen Ansatz schon in der Praxis und was ist das übergeordnete Ziel – geht es primär um die Maximierung der Ausschüttungsrendite oder um den Turnaround der Kursverluste?

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Lazaros
· bearbeitet von Lazaros
vor 2 Stunden von LongtermInvestor:

Wie hoch gewichtest du diesen Strategie-Baustein in deinem Gesamtvermögen?

So hoch niedrig, dass sowohl ein Totalverlust als auch eine Verdopplung im Vergleich zum Benchmark-Index, keine sichtbaren Auswirkungen auf mein Depotvermögen hat.

vor 2 Stunden von LongtermInvestor:

wie lange validierst du diesen Ansatz schon in der Praxis 

In der Theorie seit ca. 7 Jahren, wo es bislang immer funktioniert hat, inspiriert durch die "Dogs of the Dow-Anlagestrategie".

Ist aber egal, weil man mit einer Einzelwette nichts beweisen kann, was aber für alle Musterdepots und "Experimente" in diesem Forum gilt.

vor 2 Stunden von LongtermInvestor:

was ist das übergeordnete Ziel

Spaß, Egobefriedung und Zeitvertreib

vor 2 Stunden von LongtermInvestor:

geht es primär um die Maximierung der Ausschüttungsrendite oder um den Turnaround der Kursverluste?

Weder noch, sondern es geht darum als Privatanleger mit einfachsten Mitteln und mit minimalem Zeitaufwand den Markt zu schlagen, nicht durch angeeignetes vermeintliches Wissen, sondern dadurch, dass man hochbezahlte Experten für sich unbezahlt arbeiten lässt.

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LongtermInvestor

Besten Dank für die ausführliche Rückmeldung.

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JuliusMSchmidt

Danke für die vielen Antworten! Mein eigener Ansatz ist eher fundamentallastig, ich gehe für jede Kaufentscheidung i.d.R. 7 Punkte durch:
 

1. Team (CEO, Track Record, Skin in the Game)
2. Ownership (wer hält die Aktie und warum)
3. Finanzen (je nach Stadium: Runway oder Margenverlauf)
4. Bewertung (DCF wenn sinnvoll, sonst Milestone-basiert)
5. News & Sentiment (Richtungssignal, kein primärer Treiber)
6. Prognose (optional, statistische Plausibilitätsprüfung)
7. Geschäftsmodell (kann ich es in einem Satz erklären? Hat es eine Zukunft?)
 

Gelandet ist das bisher in Notion/Apple Notes und Excel/Google Sheets. Bin aktuell noch ein wenig unzufrieden mit der Tatsache, dass ich so viel "manuell updaten" muss. Mal schauen, ob sich da in der Zukunft was besseres finden lässt...

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stagflation
· bearbeitet von stagflation

Gut, dann hast Du ja schon einige Kriterien. Ich nehme an, dass Du folgendermaßen arbeitest?

  1. Informationen zu den Unternehmen sammeln
  2. Eine Tabelle, in der Du alle Unternehmen auflistest und zu jedem Unternehmen Punkte für einzelnen Kriterien einträgst (z.B. Apple: Team: 3 Punkte, Ownership: 2 Punkte, Finanzen: 5 Punkte usw.)
  3. Eine Top- 10 oder Entscheidungstabelle, in der Du ein Ranking der Unternehmen anhand der Punkte aus Schritt 2 vornimmst und die Dir sagt, welche Unternehmen Du kaufen oder verkaufen solltest.

Der dritte Schritt lässt sich sehr gut automatisieren. Hier ist die Schwierigkeit hauptsächlich, die richtigen Regeln für das Ranking aufzustellen.

 

Ich nehme an, dass Dir hauptsächlich der erste Schritt Kopfzerbrechen bereitet? Die Informationen zu den Unternehmen liegen nicht standardisiert vor. Man muss für jedes Unternehmen, dass man analysieren möchte, erst einmal herausfinden, wo man die Informationen herbekommt. Man muss viele Dokumente sammeln, regelmäßig aktualisieren und auswerten. Das ist viel Arbeit und anstrengend.

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