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lieschenn

Steuerbericht bei Interactive Brokers

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lieschenn
Posted · Edited by lieschenn

Bei Interactive Brokers kann man sich ja einen Steuerbericht erstellen lassen.

 

Ist damit folgender Bericht gemeint?:

 

Performance & Berichte -> Steuerdokumente -> Rechtsordnungen ->

Dann steht da:

 

"Bitte wählen Sie aus den nachstehenden Optionen aus, ob Sie einen steuerlichen Wohnsitz haben und ob Sie einen länderspezifischen, informativen Steuerbericht benötigen."

 

Ich habe diesen Bericht noch nie gesehen.

 

Frage:

 

Wozu braucht man diesen Bericht, wenn man schon den "Activity Statement" für das ganze Jahr hat?

Ich dachte in dem Activity Statement steht alles drin?

Welche zusätzlichen Informationen hat dann dieser Steuerbericht?

 

Stehen da die gleichen Zahlen drin, wie im Activity Statement?

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Hamster92
Posted · Edited by Hamster92

Ja, dieser Bericht ist gemeint. Der wird dann meist zwischen März und Juli zugestellt. Ob allerdings noch für das aktuelle Jahr, wenn du ihn jetzt erst aktivierst, weiß ich nicht.

 

Der Bericht ist speziell für das deutsche Steuerrecht aufbereitet, enthält also die Werte für die jeweilige Zeilennummern in den Anlagen KAP und KAP-INV.

Die Werte im Activity Statement sind so ohne Weiteres nicht zu gebrauchen, insbesondere was Fremdwährungen angeht und wenn dir zum Beispiel Aktien über Optionen angedient worden sind. Das Activity Statement ist für das US-Steuerrecht oder wenn du alles per Hand selbst ausrechnen willst.

 

Das Activity Statement rechnet bei Aktienverkäufen (Verkaufswert in USD - Kaufwert in USD) umgerechnet in EUR am Verkaufstag, richtig wäre aber (Verkaufswert in USD umgerechnet in EUR am Verkaufstag - Kaufwert in USD umgerechnet in EUR am Kauftag). Wenn du Stillhalterpositionen eröffnest, sind diese sofort steuerpflichtig. Das Activity Statement weist den Gewinn erst aus, wenn du die Position glattstellst bzw. die Option abläuft. Wird die Option ausgeübt, dann wird die Prämie vom Kauf- bzw. Verkaufswert abgezogen bzw. hinzugerechnet, das ist nach deutschem Steuerrecht falsch. Die Liste ist nicht vollzählig, ausländische Quellensteuern, ETFs, etc. sind weitere Fallstricke.

 

Ich verwende den Steuerbericht, seitdem er angeboten wird. Viele Leute beklagen, dass der fehlerhaft wäre, allerdings sind mir persönlich bei den Handelsgeschäften, die ich durchführe (Aktienkäufe und -verkäufe, Optionshandel Stillhaltergeschäfte, ETF-Käufe und -Verkäufe, keine exotischen Wertpapiere) noch keine Fehler aufgefallen. Einziger Fallstrick ist, dass alle ETFs als „Sonstige“ eingruppiert werden und sie somit keine Teilfreistellung erhalten würden, das kann man aber ganz schnell selber korrigieren, da es eine Zusammenfassung der Einzelwerte gibt. Auch Vorabpauschalen werden, sowohl wenn sie anfallen als auch beim Verkauf, korrekt berücksichtigt, auch wenn die Darstellung zugegebenermaßen eigenartig ist (aber die Berechung ist wie gesagt korrekt).

 

Auch die Dividenden werden richtig inkl. der anrechenbaren Quellsteuer je Land ausgewiesen.

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lieschenn
Posted
Am 6.7.2026 um 22:37 von Hamster92:

Ja, dieser Bericht ist gemeint. Der wird dann meist zwischen März und Juli zugestellt. Ob allerdings noch für das aktuelle Jahr, wenn du ihn jetzt erst aktivierst, weiß ich nicht.

 

Der Bericht ist speziell für das deutsche Steuerrecht aufbereitet, enthält also die Werte für die jeweilige Zeilennummern in den Anlagen KAP und KAP-INV.

Die Werte im Activity Statement sind so ohne Weiteres nicht zu gebrauchen, insbesondere was Fremdwährungen angeht und wenn dir zum Beispiel Aktien über Optionen angedient worden sind. Das Activity Statement ist für das US-Steuerrecht oder wenn du alles per Hand selbst ausrechnen willst.

 

Das Activity Statement rechnet bei Aktienverkäufen (Verkaufswert in USD - Kaufwert in USD) umgerechnet in EUR am Verkaufstag, richtig wäre aber (Verkaufswert in USD umgerechnet in EUR am Verkaufstag - Kaufwert in USD umgerechnet in EUR am Kauftag). Wenn du Stillhalterpositionen eröffnest, sind diese sofort steuerpflichtig. Das Activity Statement weist den Gewinn erst aus, wenn du die Position glattstellst bzw. die Option abläuft. Wird die Option ausgeübt, dann wird die Prämie vom Kauf- bzw. Verkaufswert abgezogen bzw. hinzugerechnet, das ist nach deutschem Steuerrecht falsch. Die Liste ist nicht vollzählig, ausländische Quellensteuern, ETFs, etc. sind weitere Fallstricke.

 

Ich verwende den Steuerbericht, seitdem er angeboten wird. Viele Leute beklagen, dass der fehlerhaft wäre, allerdings sind mir persönlich bei den Handelsgeschäften, die ich durchführe (Aktienkäufe und -verkäufe, Optionshandel Stillhaltergeschäfte, ETF-Käufe und -Verkäufe, keine exotischen Wertpapiere) noch keine Fehler aufgefallen. Einziger Fallstrick ist, dass alle ETFs als „Sonstige“ eingruppiert werden und sie somit keine Teilfreistellung erhalten würden, das kann man aber ganz schnell selber korrigieren, da es eine Zusammenfassung der Einzelwerte gibt. Auch Vorabpauschalen werden, sowohl wenn sie anfallen als auch beim Verkauf, korrekt berücksichtigt, auch wenn die Darstellung zugegebenermaßen eigenartig ist (aber die Berechung ist wie gesagt korrekt).

 

Auch die Dividenden werden richtig inkl. der anrechenbaren Quellsteuer je Land ausgewiesen.

Erstmal vielen Dank.

 

Wenn ich diesen Steuerbericht erst jetzt aktiviere:

 

Heißt das, dass ich dann für die vergangen Jahre 2025, 2024, 2023 jetzt gar keinen Steuerbericht mehr bekomme?

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Hamster92
Posted
vor 1 Stunde von lieschenn:

Heißt das, dass ich dann für die vergangen Jahre 2025, 2024, 2023 jetzt gar keinen Steuerbericht mehr bekomme?

Ich weiß es nicht, das musst du ausprobieren. Jedenfalls dauert die Erstellung einige Zeit, du bekommst dann irgendwann eine Mitteilung/E-Mail.

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Lucky_JJ
Posted

Hi Ihr 2,

 

ich finde den Steuerbericht nicht schlecht, denn das ist ja leider genau das was man für die Steuer braucht und der manuelle Weg ist eigentlich kaum zu bestreiten. Leider ist er nicht ganz so exakt wie das deutsche Steuerrecht es vorsieht. Bei kleinen Depots oder bei wenig Bewegung ist das vermutlich vernachlässigbar oder nacharbeitbar, doch bei größeren leider schwerer. Daher habe ich einige Toolplattformen getestet, die einen sauberen Bericht erstellen an Hand einer FlexQuery, die man bei IB exportieren kann. Am Ende hatte ich der Ehrgeiz gepackt und ich habe mir ein eigenes Tool gebaut, dass das macht und dabei viel zu viel über das Steuerrecht gelernt : / Daher gerne mal nach den Tools suchen. Viele bieten Ihre Leistung teils kostenlos oder zu einem schmalen Taler an.

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Hamster92
Posted
Am 11.7.2026 um 19:46 von Lucky_JJ:

Leider ist er nicht ganz so exakt wie das deutsche Steuerrecht es vorsieht.

Kannst du mal ein Beispiel geben, was am Bericht falsch ist? Ich konnte das für meine Situation bisher nicht nachvollziehen (außer, dass ETFs nicht kategorisiert werden). Manche sprechen ja davon, dass der Bericht absoluter Schrott und nicht zu gebrauchen wäre.

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ancient_sion
Posted

Das würde mich auch interessieren, bisher schien mir der Steuerbericht "richtig".

Ich frage mich allerdings, ob der Steuerbericht auch die richtigen Wechselkursgewinne erfasst bzw enthält. Oder man dazu zusätzlich das "FX Income Sheet" noch selber verwursten muss. Weiß das jemand ? 

 

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goccih
Posted
Am 14.7.2026 um 22:14 von Hamster92:

Kannst du mal ein Beispiel geben, was am Bericht falsch ist?

Also bei mir sind z.B. alle Stillhaltergeschäfte falsch: Eigentlich müsste man das SALDO jedes einzelnen geschlossenen Geschäftes (das aus Verkauf und anschließenden Rückkauf besteht), in die Gewinn- oder Verlusttöpfe tun. Es werden aber alle Verkäufe als 100% Gewinn und alle Rückkäufe als 100% Verlust in die Töpfe gepackt. In der Summe mag das wieder hin kommen. Trotzdem sind auf die Weise die Gewinn- und Verlusttöpfe viel zu groß. Und wenn schon so etwas einfaches falsch gemacht wird, möchte ich nicht wissen, was noch alles nicht beachtet wird.

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Hamster92
Posted
vor 4 Stunden von goccih:

Also bei mir sind z.B. alle Stillhaltergeschäfte falsch: Eigentlich müsste man das SALDO jedes einzelnen geschlossenen Geschäftes (das aus Verkauf und anschließenden Rückkauf besteht), in die Gewinn- oder Verlusttöpfe tun. Es werden aber alle Verkäufe als 100% Gewinn und alle Rückkäufe als 100% Verlust in die Töpfe gepackt. In der Summe mag das wieder hin kommen. Trotzdem sind auf die Weise die Gewinn- und Verlusttöpfe viel zu groß. Und wenn schon so etwas einfaches falsch gemacht wird, möchte ich nicht wissen, was noch alles nicht beachtet wird.

Das ist aber genau richtig so: Erhaltene Prämien aus Stillhalterprämien sind sofort zu versteuernde Gewinne und gezahlte Prämien werden in den Verlustverrechnungstopf eingestellt. Das wird vor allem relevant, wenn zwischen Eröffnung und Schließung der Stillhalterposition ein Jahreswechsel liegt.

 

Der betreffende Satz im § 20 EStG lautet:

Zitat

Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören [...] Stillhalterprämien, die für die Einräumung von Optionen vereinnahmt werden; schließt der Stillhalter ein Glattstellungsgeschäft ab, sind die im Glattstellungsgeschäft gezahlten Prämien zum Zeitpunkt der Zahlung als negative Einnahmen zu berücksichtigen.

Vergleiche auch die Nummer 25 bei den Einzelfragen zur Abgeltungsteuer; die betrifft zwar in erster Linie den Prozess bei inländischen Brokern, allerdings wendet der Steuerbericht von IB das sinngemäß an:

Zitat

Werden Stillhalterprämien vereinnahmt, unterliegen diese in diesem Zeitpunkt dem Kapitalertragsteuerabzug im Sinne des § 43 Absatz 1 Satz 1 Nummer 8 EStG. Schließt der Stillhalter ein Glattstellungsgeschäft ab, sind die gezahlten Prämien und die damit im Zusammenhang angefallenen Nebenkosten zum Zeitpunkt der Zahlung als negativer Kapitalertrag in den sogenannten Verlustverrechnungstopf im Sinne des § 43a Absatz 3 Satz 2 EStG einzustellen.

 

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goccih
Posted
vor 6 Stunden von Hamster92:

Das ist aber genau richtig so

Faszinierend. Bei der Betrachtung war dann ja die (inzwischen zurückgenommene) Verlustbegrenzung von 20.000 Euro ja noch schlimmer, als ich gedacht habe.

Und ich kenne dann mindestens einen kostenpflichtigen Dienstleister, der das anders macht.

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GreatGatsby
Posted
Am 14.7.2026 um 22:14 von Hamster92:

Kannst du mal ein Beispiel geben, was am Bericht falsch ist? Ich konnte das für meine Situation bisher nicht nachvollziehen (außer, dass ETFs nicht kategorisiert werden). Manche sprechen ja davon, dass der Bericht absoluter Schrott und nicht zu gebrauchen wäre.

Was die reinen Aktientransaktionen angeht, war er bei mir bisher glaube ich auch immer korrekt. Er weist nur z.B. keine Fremdwährungsgewinne aus und um ausländische Kapitalmaßnahmen wie Merger und Spinoffs muss man sich auch selbst kümmern.

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