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Justphil

Frage Eigenanteil der Baufinanzierung

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Justphil

Guten Tag,

 

ich habe eine Frage, die ich gerne mal in die Runde stellen würde, um ein paar Impulse zu bekommen.

 

Zur Situation:

Wir wollen eine Wohnung kaufen, wohnen derzeit zu ca. 1.000€ Kaltmiete.

Das ganze ist relativ spontan entstanden, da wir nicht gesucht haben, sondern davon erfahren haben, dass eine Wohnung in unserer Wohngemeinschaft verkauft wird. 

Wir haben inzwischen die Zusage zum Kauf und kümmern uns jetzt um die konkrete Finanzierung.

 

Relevante Parameter für die Finanzierung: 

- Preis 450.000€

- wir (verheiratet, Anfang/mitte 30) sind beide tarifbeschäftigt und haben ein Monatsnetto von 8.000€ zur Verfügung

- angedacht sind 3.000€ Rückzahlungsrate und Sondertilgungen müssen in der Finanzierung möglich sein

- angedachte Laufzeit 10 Jahre, durch Sondertilgungen auch in dem Rahmen abzahlbar.

 

Nebenfrage, lohnt es sich, eine Finanzierung auch selbst zu initiieren wie über vergleich.de und da einfach "den günstigesten" zu kontaktieren?

Bisher laufen 2 Anfragen bei den Hausbanken, einmal bei dem Finanz-Vermittler von den Maklern und einmal bei der DKB.

(DKB, die ich hier erwähne da sie netterweise so ein Finanzierungszertifikat ausgestellt hat, was uns sehr geholfen hat. Also falls es mal schnell gehen muss, vielleicht hilft das ja jemanden hier)

 

Hauptfrage, wie viel Eigenanteil soll verwendet werden? 

Wir kommen gut auf 300.000€ Depot gemeinsam, aber ein kompletter Kahlschlag ist eigentlich nicht angedacht. 

Aktuell vergleichen wir Angebote für Darlehen mit Eckwerten von 450.000€, 405.000€ bzw. 360.000€. Sollzins ist etwa zwischen 3,6% und 3,8%, oder auch 4%.

 

Ich gehe eigentlich davon aus, dass jeder Teil, der aus dem Depot genommen wird besser gelaufen wäre als der Sollzins, d.h. an sich wäre die logische Variante möglichst wenig aus dem Depot zu entnehmen und die höheren Zinsen zu zahlen.

Auf der anderen Seite widerstrebt es mir dann über die Jahre so viele Zinsen zu zahlen und das wäre dann eher eine emotionale Sache (und eben nicht analytisch), wenn die Zinsen in den ersten Jahren deutlich über der ersparten Miete sind. 

 

Für jegliche Tipps sind wir sehr dankbar

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hilflos

solange du nach Steuern mehr Ertrag (Kursgewinn, Zinsen) erhälts als du an Kreditzinsen zahlst, ist es  für dich positiv.

Problem ist nur das Ende der Zinsfestschreibung, wenn dann die Kurse niedrig sind und die neuen Zinsen hoch.

Das zweite Problem ist, dass die Kreditzinsen bei höhere Beleihung auch höher sind. Daher Bank fragen ab wann sie niedriger werden.

Bei eurem Gehalt hätte ich aber keine Bedenken für eine 100% Finanzierung.

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Quippini

Eingedenk der Tatsache, dass der Aktienmarkt im Verlauf der letzten paar Jahre überdurchschnittliche Renditen ab- und ins Depot geworfen hat, würde ich selbiges leeren und den kleinen Restkredit für die Wohnung möglichst zügig tilgen. Und erst dann wieder - als immer noch junger aber schuldknechtsfreier Eigenheimeigentümer - sportlich weitersparen.

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slowandsteady
· bearbeitet von slowandsteady

Ich wuerde nicht davon ausgehen, dass du mit deinem Depot weiterhin 4% sichere Rendite machst, vor allem nicht NACH STEUER. Als Eigennutzer wuerde ich daher wie @Quippini verfahren, zumindest mit soviel Eigenkapital bis du den minmal moeglichen Zins bekommst. Wir haben es auch so gemacht - Depot aufgeloest, dafuer 10 Jahre Volltilgung mit sehr komfortabler Rate und dank 5% Sondertilgungen sind wir vermutlich sogar in 6-7 Jahren damit durch.
 

Finanziell sinnvoll ist eine selbst bewohnte Wohnung allerdings fast nie - Vermieten ist aus Steuergruenden fast immer ueberlegen, aber auch mit mehr Aufwand und Risiko verbunden und nicht gerade attraktiv aufgrund des uebertriebenen Mieterschutzes in Deutschland. Du solltest es eher als eine Konsumausgabe sehen.

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Malvolio
· bearbeitet von Malvolio

Wie ist euer Portfolio aufgebaut? Wie ist eure Risikoneigung? Könnt ihr hohe Raten auch leisten, wenn ein Gehalt wegfällt? Ich würde auf jeden Fall mal mehrere Varianten durchrechnen, auch welche mit geringerer Kreditaufnahme. Man muss ja nicht gleich das ganze Depot auflösen, aber vielleicht die Hälfte. Ich würde auch das Thema der Möglichkeit von Sondertilgungen ansprechen (-> Flexibilität). Vor allen Dingen muss sichergestellt sein, dass ihr die fälligen Raten immer zahlen könnt. Man darf sich sowas auch nicht schön rechnen. Und nicht vergessen, dass eine Immobilie bzw. eine Wohnung auch im Unterhalt viel Geld kosten kann.

 

Und ich würde grundsätzlich noch einmal darüber nachdenken, ob es nicht auch Vorteile hätte, weiter zur Miete zu wohnen als sich einen großen Haufen Schulden an den Hals zu binden. Eigene vier Wände sind für viele ein Traum .... hat aber auch viele Nachteile, die man nicht verdrängen sollte.

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Neverdo

Du fragst nach Eigenanteil...solide ist das, was früher üblich war, also 40 %.Wären bei euch 180000.Nimm 200000 aus dem Depot und finanziere 250000, entspricht etwa eurer jetzigen Belastung von 1000,-Euro, was Zins angeht und dann tilgt kräftig, so dass es in 10 bis 150Jahren erledigt ist.

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GuyInborito
vor 45 Minuten von Quippini:

Eingedenk der Tatsache, dass der Aktienmarkt im Verlauf der letzten paar Jahre überdurchschnittliche Renditen ab- und ins Depot geworfen hat, würde ich selbiges leeren und den kleinen Restkredit für die Wohnung möglichst zügig tilgen. Und erst dann wieder - als immer noch junger aber schuldknechtsfreier Eigenheimeigentümer - sportlich weitersparen.

Finde ich auch. Erstes Gebot ist doch immer keine Schulden zu haben. Ich würde mich nie unnötig lange mit einem Kredit rumschlagen. Wenn ihr 50k behaltet (Möbel, Renovierung, Rücklagen) und den Rest des Depots schlachtet seid ihr ratz fatz fertig. Wenn ihr viel aufnehmt zahlt ihr viel länger und es gäbe viel mehr Zeit für potenzielle Schicksalsschläge. (Einer verliert seine Arbeit, wird Krank, etc) Wenn ihr viel selber bringt zahlt ihr in euren fittesten Jahren schnell ab wo wahrscheinlich am wenigsten passieren kann und habt dann Sicherheit. Zumindest für mich ist sicher gesparter Zins zusammen mit der deutlich näheren Ziellinie attraktiver als eine möglicherweise höhere Rendite bei Aktien. 

 

 

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Rubberduck
· bearbeitet von Rubberduck
vor 1 Stunde von Justphil:

Wir kommen gut auf 300.000€ Depot gemeinsam, aber ein kompletter Kahlschlag ist eigentlich nicht angedacht. 

 

Das ist ja unabhängig von der Depotentwicklung auch nicht sinnvoll. Irgendwelche Rücklagen braucht man auch.

 

Insgesamt ist das doch aber ein Luxusproblem. Bei dem Eigenkapital und dem Cashflow.

vor 25 Minuten von GuyInborito:

Finde ich auch. Erstes Gebot ist doch immer keine Schulden zu haben. Ich würde mich nie unnötig lange mit einem Kredit rumschlagen. Wenn ihr 50k behaltet (Möbel, Renovierung, Rücklagen) und den Rest des Depots schlachtet seid ihr ratz fatz fertig. Wenn ihr viel aufnehmt zahlt ihr viel länger und es gäbe viel mehr Zeit für potenzielle Schicksalsschläge. (Einer verliert seine Arbeit, wird Krank, etc) Wenn ihr viel selber bringt zahlt ihr in euren fittesten Jahren schnell ab wo wahrscheinlich am wenigsten passieren kann und habt dann Sicherheit. Zumindest für mich ist sicher gesparter Zins zusammen mit der deutlich näheren Ziellinie attraktiver als eine möglicherweise höhere Rendite bei Aktien. 

 

Es gibt da so Versicherungen. Ist hier ein heikles Thema. ich weiß....

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Justphil
· bearbeitet von Justphil
typos

Hallo und ersteinmal vielen Dank!

Ich bin überwältigt, wie schnell hier auch viele gute Antworten kommen :respect: (Offtopic, aber irgendwie hat das was, dass hier noch Emojies verfügbar sind, die es vor 20 Jahren gab :lol:)

 

Genau, die Wohnung soll selbst bewohnt werden. Ich bin mir bewusst, dass es ohne Glaskugel wahrscheinlich sogar günstiger wäre zur Miete zu wohnen.

Das wir aber z.B. wegen Eigenbedarf gekündigt werden ist durchaus möglich, daher ist das zumindest für mich eine gute Sache, die mich nachts ruhiger schlafen lässt. 

 

vor 2 Stunden von Quippini:

Eingedenk der Tatsache, dass der Aktienmarkt im Verlauf der letzten paar Jahre überdurchschnittliche Renditen ab- und ins Depot geworfen hat, würde ich selbiges leeren und den kleinen Restkredit für die Wohnung möglichst zügig tilgen. Und erst dann wieder - als immer noch junger aber schuldknechtsfreier Eigenheimeigentümer - sportlich weitersparen.

Ja, die Regel, dass gute Kapitalerträge der Vergangenheit nichts über die Zukunft aussagen ist so eine Sache. 

Auch ein Grund warum ich gar nicht so abgeneigt bin einen gewissen Teil der Aktien zu reduzieren, denn ohne Glaskugel hab ich (persönlich) düstere Gedanken zu den Wahlen im November in den USA und den potentiellen Auswirkungen auf den Markt.

 

 

vor 2 Stunden von Malvolio:

Wie ist euer Portfolio aufgebaut? Wie ist eure Risikoneigung? Könnt ihr hohe Raten auch leisten, wenn ein Gehalt wegfällt? Ich würde auf jeden Fall mal mehrere Varianten durchrechnen, auch welche mit geringerer Kreditaufnahme. Man muss ja nicht gleich das ganze Depot auflösen, aber vielleicht die Hälfte. 

Grobe Aufteilung von mir, ein klassisches 70/30, dass gerade mehr Europa-Anteil bekommt von etwa 150k -> Hiervon dann wahrscheinlich ein großer Teil.

28k "Spielerei mit Branchen-ETF", die würde ich wahrscheinlich entrümpeln und komplett nehmen. 

70k Einzelaktien, wobei großteil Tech/USA ist, da wird es auch ein gewisser Teil von werden.  

 

Die Rate von 3.000€ ist bewusst so gewählt, dass es auch mit einem Gehalt gezahlt werden kann (ist auch realistisch wenn man davon ausgeht, dass wir ja nicht nach Kauf bei 0€ Rücklagen sein wollen).

 

vor 1 Stunde von Neverdo:

Du fragst nach Eigenanteil...solide ist das, was früher üblich war, also 40 %.Wären bei euch 180000.Nimm 200000 aus dem Depot und finanziere 250000, entspricht etwa eurer jetzigen Belastung von 1000,-Euro, was Zins angeht und dann tilgt kräftig, so dass es in 10 bis 150Jahren erledigt ist.

Danke für die Einordnung. 

 

 

vor einer Stunde von Rubberduck:

 

Das ist ja unabhängig von der Depotentwicklung auch nicht sinnvoll. Irgendwelche Rücklagen braucht man auch.

 

Insgesamt ist das doch aber ein Luxusproblem. Bei dem Eigenkapital und dem Cashflow.

 

Es gibt da so Versicherungen. Ist hier ein heikles Thema. ich weiß....

Ja das stimmt, es ist ein Luxusproblem, aber dennoch nicht trivial, da es verschiedene Faktoren und sehr viel zu beachten gibt. 

Meinst du irgendwelche speziellen Versicherungen, oder allgemein gesprochen?

 

 

Ansonsten allgemein schon mal Danke für die "Gegenseite" zu den ganzen Maklern, die natürlich Provision in Abhängigkeit der Höhe des Darlehens bekommen und dementsprechend häufig gar kein Problem in den größeren Finanzierungen inkls. 100% Finanzierung sehen, denn die ETFs "laufen ja besser als die Zinsen". Womit sie ja nicht grundsätzlich falsch liegen, aber dennoch super, wenn man auch andere Meinungen bekommt. :thumbsup:

 

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CorMaguire
vor 2 Stunden von Justphil:

...

- angedacht sind 3.000€ Rückzahlungsrate und Sondertilgungen müssen in der Finanzierung möglich sein

- angedachte Laufzeit 10 Jahre, durch Sondertilgungen auch in dem Rahmen abzahlbar.

 

...einmal bei dem Finanz-Vermittler von den Maklern und einmal bei der DKB.

....

Aktuell vergleichen wir Angebote für Darlehen mit Eckwerten von 450.000€, 405.000€ bzw. 360.000€. Sollzins ist etwa zwischen 3,6% und 3,8%, oder auch 4%..... 

 

wenn die Zinsen in den ersten Jahren deutlich über der ersparten Miete sind. 

Zu den 450k kommen noch Kaufnebenkosten und Maklerprovision?

Vermutlich gibts auch noch Renovierungskosten in alter und neuer? Wohnung.

 

Den besten Zins werdet ihr vermutlich nur für die 60% des Beleihungswertes bekommen (der dürfte so ca. 10-20% unter Kaufpreis liegen). Sagen wir mal 400k Beleihungswert, also ein Darlehen zu 240k.

Für die verbleibenden 120k (was schon 90% Auslauf wären) ist der Zins dann höher.  (--> https://www.vr.de/privatkunden/themenwelten/wohnen-immobilien/bauen-kaufen/beleihungsauslauf.html)

Also braucht ihr schon mal ca. 90k Restkaufpreis  + 30k Nebenkosten + 20k Makler + 20k Renovierung? = 160k

360k Darlehen würde ja auch in eure Parameter passen. Zinsen würde ich mal so anfänglich 1200 schätzen.

Kann auch sein, dass die Banken nur bis 80% Auslauf gehen, dann braucht ihr nochmal 40k mehr EK also 200k.

Andererseits ist Tilgung in 10 Jahren natürlich sportlich, wenn man denkt dass die meisten eher 30 Jahre abbezahlen.

 

Berufsunfähigkeitsversicherungen sollten afaik da sein und es kann gut sein dass die Bank noch RisikoLV will.

 

Da euch Schuldzinsen steuerlich nichts nutzen (im  Gegensatz zu Vermietern) würde ich auch lieber mehr EK einsetzen. Unter 50k würde ich das Depot aber nicht abschmelzen wollen. Und 10-20k Cash hätte ich persönlich auch noch gerne.:)

 

vor 6 Minuten von Justphil:

...Die Rate von 3.000€ ist bewusst so gewählt, dass es auch mit einem Gehalt gezahlt werden kann (ist auch realistisch wenn man davon ausgeht, dass wir ja nicht nach Kauf bei 0€ Rücklagen sein wollen)

Das funktioniert grob geschätzt nicht, weil ja noch die Zinsen dazu kommen und die hausgeldumlage muss ja auch bezahlt werden. 

 

Lasst euch die Protokolle der WEG mindestens 3 besser 5 Jahre geben.

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