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Der Insolvenzenthread - hier darf alles rein, was pleite ist

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Hallo und herzlich willkommen im "Insolvenzenthread". Hier sollen nicht nur monokausale Gründe angeführt, sondern gerne auch der Bezug zu aktuellen wirtschaftlichen Ereignissen, Trends und Flauten und einer Prise wirtschaftspolitischer Entscheidungen (mit Betonung auf Wirtschaft) gepaart mit sozioökonomischen Entwicklungen hergestellt werden.

 

Es wäre wünschenswert, wenn zur eigentlichen Insolvenzmeldung eine Einordnung dem Grunde nach erfolgt, damit entsprechend zielführend diskutiert werden kann.

 

Ich starte dann einmal selber mit der folgenden, aktuellen Meldung:

 

Traditionsfleischerei beantragt Insolvenz – Filialen in Kaufland und Netto betroffen

 

Die Torney Landfleischerei Pripsleben GmbH betreibt 13 Filialen in Mecklenburg-Vorpommern und beschäftigt ca. 100 Mitarbeiter.

Als Gründe für die Insolvenz nennt der Sachverwalter die gestiegenen Energiepreise, den gesetzlichen Mindestlohn sowie eine schwächere Nachfrage der Kunden durch die anhaltende Inflation. Es würde seltener teures Fleisch gekauft.

Erwähnenswert ist hierbei evtl. noch, dass die Unternehmensgruppe, zu der die Landfleischerei gehört (diese ist nicht von der Insolvenz betroffen), getreu dem Motto "vom Stall in die Pfanne" angefangen von der Herstellung des Futters über Zucht und Mast der Schweine und Rinder die komplette, regionale Wertschöpfungskette bedient.

 

Das Dilemma: der Kunde möchte gerne Bio-Ware, aber am liebsten zum Discounterpreis. Hier die gestiegenen Energie- und Lohnkosten an eine preissensible Kundschaft einfach weiterzugeben, stelle ich mir aus Unternehmenssicht als "herausfordernd" vor. Dazu kommt sicherlich noch ein geändertes Käuferverhalten weg vom klassischen Sonntagsbraten hin zum Veggieschnitzel.

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west263

Grosse Haustechnik Firma meldet Insolvenz an

 

Zitat

Erfurt (Thüringen) – Die Baubranche steckt in Deutschland in einer tiefen Krise und reißt viele Unternehmen mit sich. Jetzt hat es einen bedeutenden Arbeitgeber in Thüringen getroffen. Die in Erfurt ansässige Thor-Gruppe musste Insolvenz anmelden – vier Standorte und rund 800 Mitarbeiter sind von dem Schritt betroffen.

Geschäftsführer Georg Steinberg auf BILD-Anfrage: „Wir schließen nicht, wir stellen uns neu auf.“ Der Spezialist für Gebäude- und Haustechnik-Montagen war durch „schwierige Bedingungen in der Bau- und Energiebranche“ in wirtschaftliche Schieflage geraten.

 

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Holgerli
· bearbeitet von Holgerli
vor 16 Minuten von west263:

Der Spezialist für Gebäude- und Haustechnik-Montagen war durch „schwierige Bedingungen in der Bau- und Energiebranche“ in wirtschaftliche Schieflage geraten.

Und das verstehe ich halt nicht: Suche Dir einen Handwerker, egal welchen (Elektriker, Dachdecker, Heizungsbauer, Bad- & Sanitär, Fensterbauer): Alle ausgebucht für mindestens 3 bis 6 Monate.

Ja, es sind primär keine Neubauten (und einige sind total happy darüber, dass sie meist in Bestandsgebäuden arbeiten), aber verbrauchen tun die doch Material. 

 

Aber auch hier wieder das Thema der qualifizierten Mitarbeiter.

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Kezboard
· bearbeitet von Kezboard
Zusatz
Zitat

Marktturbulenzen durch das Heizungsgesetz, Verzögerungen bei Bau- und Modernisierungsprojekten, die Zinslage und vor allem extrem hohe Mobilitätskosten.

[...]

"Wir tanken monatlich rund 200.000 Liter Kraftstoff für unsere Flotte. Da spüren wir jeden Cent mehr an der Zapfsäule."

[...]

In nur fünf bis acht Wochen werden in Turbo-Programmen Handwerker ausgebildet. Etwa für die Montage von Klimaanlagen.

Quelle: Große Haustechnik-Firma meldet Insolvenz an

 

Das Hin- und Her beim Heizungsgesetz hat in der Tat zur Verunsicherung bei Häuslebauern und Immobilienbesitzern, die modernisieren wollen oder müssen, geführt. Hier hatten viele eine erstmal abwartende Position eingenommen.

 

Auf Verzögerungen und die Zinslage muss sich ein Unternehmen einstellen und ggf. für ausreichend Liquidität oder neue Kreditlinien sorgen.

 

Und gegen Spritkosten hilft der Umstieg auf Elektromobilität.

 

Dass man jetzt verstärkt auf einen Trend bei Klimaanlagen setzt mag sich vielleicht kurzfristig auszahlen. Wäre mir langfristig aber zu kurz gedacht. Schließlich befinden wir uns die nächsten 10.000 Jahre vermutlich noch in einem Interglazial ^_^

Im Ernst: sind Klimaanlagen denn die Lösung bei einer sich weiter erwärmenden Erde oder tragen sie nicht zum Problem bei? Da finde ich alte, bewährte Techniken wie z.B. einen Badgir oder kühlende Baustoffe wie Lehm viel interessanter.

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Bolanger

Ich beobachte gerade bei den handwerkern auch einen Trend wie in der gastronomie. Im gastro-gewerbe haben es die typischen Familienbetriebe schwer. wärhend die Systemgastronomie boomt. Sowas passiert gerade auch in der Haustechnik. Große, teils inetrnational agierende Firmen, die komplette Sanierungen, auch Bauschadensanierungen z.B. nach einem Brand anbieten können, boomen, während der klassiche Familienbetrieb es schwer hat, Mitarbeiter zu finden. Auch große Wohnungsfirmen und/oder Genossenschaften bauen ihren eigenen Pool von Handwerkern auf, um unabhängiger von der angespannten lage auf dem handwerkermarkt zu werden.  Ich kann das aus Handwerkersicht auch verstehen. Ein Großkonzern bietet mehr Möglichkeiten als das Zweierteam mit meister Röhricht.   

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west263

Eigentümerfamilien verkaufen EBM-Papst an US-Konzern

 

erinnert stark an den Viessmann Verkauf. Eine weitere dt. Firma geht über den Teich.

Da werden die Eigentümer Familien gute Gründe gehabt haben, warum sie diesen Schritt gegangen sind.

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CorMaguire
vor 4 Minuten von west263:

...Da werden die Eigentümer Familien gute Gründe gehabt haben, warum sie diesen Schritt gegangen sind.

Ich schätze mal 5 Milliarden Gründe.

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oktavian
vor 5 Minuten von CorMaguire:

Ich schätze mal 5 Milliarden Gründe.

Die haben nicht an private equity verkauft. Passt nicht so ganz in den Insolvenzthread. Gibt sicher negative Beispiele, aber hier sollte man abwarten. Das klingt erstmal nicht schlecht für die Firma.

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satgar
vor 45 Minuten von oktavian:

Die haben nicht an private equity verkauft. Passt nicht so ganz in den Insolvenzthread. Gibt sicher negative Beispiele, aber hier sollte man abwarten. Das klingt erstmal nicht schlecht für die Firma.

Deswegen muss man Zahlen und Daten z.B. zu "Schließungen", sehr genau ansehen, was damit gemeint ist: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Firmensterben-erreicht-Ausmass-wie-zuletzt-vor-fast-20-Jahren-id31205022.html

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CorMaguire
vor 15 Minuten von satgar:

Deswegen muss man Zahlen und Daten z.B. zu "Schließungen", sehr genau ansehen, was damit gemeint ist: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Firmensterben-erreicht-Ausmass-wie-zuletzt-vor-fast-20-Jahren-id31205022.html

Zitat

Allein knapp 5500 Arztpraxen und damit fast ein Viertel (23 Prozent) mehr als 2024 schlossen im vergangenen Jahr - häufig, weil Ärztinnen und Ärzte den Ruhestand antreten und niemanden finden, der ihre Praxis fortführt.

Die Zahl der berufstätigen Ärzte steigt trotzdem weiter: 2024/2025 um 9000   --> https://de.statista.com/statistik/daten/studie/158869/umfrage/anzahl-der-aerzte-in-deutschland-seit-1990/

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west263
vor einer Stunde von oktavian:

Passt nicht so ganz in den Insolvenzthread.

ich hatte es gestern Abend schon auf dem Schirm und nach einem passenden Thread gesucht. Aber so wirklich fündig bin ich nicht geworden.

Klar keine Insolvenz und in den Verträgen wird mit Sicherheit auch etwas zum Standort Deutschland und Mitarbeiter vereinbart sein. Aber auf immer und ewig ist es nicht sicher, dass die Firma und die Arbeitsplätze nach der Übernahme hier bleiben werden.

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Tatsächlich
vor 9 Minuten von west263:

Aber auf immer und ewig ist es nicht sicher, dass die Firma und die Arbeitsplätze nach der Übernahme hier bleiben werden.

Wir können zusätzlich noch einen Parallel-Thread erstellen, wo Firmen aufgenommen werden, bei denen der Hauptsitz und die Arbeitsplätze auf immer und ewig in Deutschland bleiben.

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Holgerli
vor 3 Stunden von Bolanger:

...während der klassiche Familienbetrieb es schwer hat, Mitarbeiter zu finden.

Mir hatte letztes Jahr ein Handwerker aus dem Tür- und Fensterbau erzählt, dass er nach etlichen Jahren in der Firma gekündigt hatte, weil er, aufgrund seines Alters, nicht mehr "auf Montage" (auch wenn es nur lokal begrenzt war) gehen wollte und mit seinem Chef nicht überein gekommen ist. Er ist dann Busfahrer geworden (ein weiterer Mangelberuf). Und dann stand sein Chef im Bus bzw. vor der Haustür und dann ging es sehr schnell: Alles was vorher nicht möglich war wurde möglich und er macht jetzt nur noch Reparaturaufträge wo es auf Erfahrung aber nicht auf dauerhaften Muskeleinsatz ankommt. 

Auch wenn es bei ihm etwas holprig war sehe ich das als großes Asset der kleineren Unternehmen: Man kann flexibel reagieren und Fehler auch schnell recht schnell wieder ausbügeln (wenn man über den eigenen Schatten springt).

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