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leopolddsr

Wie merkt ihr, wenn euer ursprünglicher Kaufgrund nicht mehr stimmt?

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leopolddsr

Ich habe letztes Jahr angefangen, mir aufzuschreiben, warum ich eine Aktie kaufe. Nichts Langes, zwei Sätze. Bei einer war es "Auftragsbestand wächst schneller als der Umsatz, das löst sich irgendwann auf". Bei einer anderen schlicht "steht 30 % unter dem Hoch, das holt sie wieder auf".

Was ich gemerkt habe: Ich schaue da nie wieder rein. Die Position läuft, ich gucke auf den Kurs und der Kurs sagt mir nichts darüber, ob mein Grund noch stimmt. Bei der ersten ist der Auftragsbestand zwei Quartale später gekippt. Gemerkt habe ich das erst, als ich zufällig den Bericht aufgemacht habe. Da war die Position schon ein halbes Jahr alt, und ich hatte sie die ganze Zeit aus einem Grund gehalten, den es nicht mehr gab.

Andersrum ist mir das auch schon passiert: verkauft, weil der Kurs unangenehm wurde, obwohl der Grund völlig intakt war. Im Nachhinein ärgerlich.

Deswegen die Frage an euch: Schreibt ihr überhaupt auf, warum ihr kauft? Und wenn ja, schaut ihr da nochmal rein, und wann? Habt ihr einen festen Termin dafür, oder passiert das eher zufällig, wenn Zahlen kommen?

Was mich am meisten interessiert: Ist euch das auch schon passiert, dass ihr etwas gehalten habt, obwohl der ursprüngliche Grund längst weg war?

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stagflation

Die Frage ist schwer zu beantworten, weil es so viele unterschiedliche Anlagetechniken gibt...

 

Ich mache buy&hold und lege langfristig in ETFs an. Bei dieser Technik stellt sich die Frage so nicht.

 

Oder nimm Daytrader. Die verkaufen nach kurzer Zeit wieder - im Extremfall am Ende des Tages. Die brauchen sich nichts zu merken.

 

Es gibt Anleger, die mit Fundamentalanalyse anlegen. Die sind in einen Satz Aktien investiert (vielleicht 20 Stück). Sie beobachten zusätzlich einen Haufen weiterer Aktien. Von allen Aktien (den gehaltenen und beobachteten) werden regelmäßig Analysen durchgeführt: wie hat sich der Kurs entwickelt, wie das Kurs-Gewinn-Verhätnis, gab es Änderungen beim Management oder auf den Märkten, wie wird sich der Kurs wahrscheinlich entwickeln, usw. Wenn dann eine der beobachteten Aktien bessere Ergebnisse bringt als die bereits gehaltenen Aktien, wird umgeschichtet. Bei dieser Anlagetechnik interessiert zwar der Kaufgrund nicht so stark, aber die Entwicklung wird verfolgt und die Aktie wird verkauft, wenn es etwas Besseres gibt. Das sind aber keine "entweder/oder"-Entscheidungen oder Kriterien. Es gibt also keinen klaren Grund zu kaufen oder zu verkaufen, wenn der Grund weggefallen ist. Stattdessen gibt es viele Einzelkriterien, die in einer Top-10-Liste ausgewertet werden.

 

Wenn Du nach einzelnen Gründen kaufst oder verkaufst, verfolgst Du eine andere Anlagetechnik, bei der man annimmt, dass es eindeutige Gründe für den Kauf oder Verkauf von Aktien gibt.

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Stoiker

Im Prinzip läuft alles auf die Frage hinaus "Würde ich diese Aktie/diesen Wert heute nochmals kaufen?". Wenn die Antwort nicht eindeutig ja ist, ist in den meisten Fällen ein Verkauf sinnvoll und angebracht.

Wie bereits von @stagflation erwähnt, kommt es natürlich auch darauf an, auf welcher Zeitschiene man sich bewegt (kurzfristige, taktische Position/Trading oder langfristige Anlage). 

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hattifnatt
· bearbeitet von hattifnatt
vor 2 Stunden von Stoiker:

Wie bereits von @stagflation erwähnt, kommt es natürlich auch darauf an, auf welcher Zeitschiene man sich bewegt (kurzfristige, taktische Position/Trading oder langfristige Anlage). 

Noch ein Aspekt sind die bereits von @stagflation angesprochen Bewertungskriterien, z.B. für die Fundamentalanalyse. Da kann man sich Metriken raussuchen (KGV, ROE, ...), sie mathematisch berechnen und sortieren. Allerdings nur für die Vergangenheit. ;) Die Zukunftsaussichten sind Projektion, Guesswork, mit Unsicherheit behaftet, und hier kommen die ganzen Aspekte rein, die keine strenge Wissenschaft sind - auch soziale Aspekte wie Markterwartungen, Herdentrieb, Politik. Deswegen ist sehr oft:

vor 2 Stunden von Stoiker:

die Antwort nicht eindeutig ja

(sonst kämen ja auch alle rationalen Marktteilnehmer auf das selbe Resultat), sondern ein "einerseits - andererseits". Und das kann dann auch manchmal dazu führen, das man

vor 19 Stunden von leopolddsr:

etwas gehalten habt, obwohl der ursprüngliche Grund längst weg war

... und es ist auch nicht immer so, dass das eine schlechte Entscheidung war (sondern nur in ca. 50% der Fälle, kapitalgewichtet ;)). In meinen Augen ist das einzige Mittel, damit umzugehen, eine breite Streuung von Positionen, die einem festgelegten Zielbild oder Investitionsschwerpunkt entsprechen (in meinem Fall z.B. ein stetiger und steigender Cashflow durch wachsende Dividenden). Eine Outperformance des Marktes ist damit nicht mehr erwartbar, aber ebenso wird das Risiko der Unterperformance gemildert. Wenn man den breiten Markt damit dauerhaft unterperformed (risikobereinigt), sollte man auf breitgestreute ETFs wechseln.

 

Möchte man den Markt outperformen und dabei ein höheres Risiko in Kauf nehmen, ist für mich ein gehebeltes Investment in marktbreite ETFs der beste Weg (besser als ein konzentriertes Portfolio).

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Ecke908090

Hi @leopolddsr,

 

ich empfinde deine Fragestellung als sehr wichtig und gut. Leider bin ich kurz angebunden, was sich auch nicht zeitnah ändern wird und trotzdem möchte ich fix meine Erfahrung dazu geben.

 

- ich halte es für ausgesprochen sinnvoll, kurz dund knapp seine Investmentthese schriftlich festzuhalten; für mich sind deine beiden beispiele jedoch zu dünn, denn es ist meiner Ansicht wichtig, WARUM bspw. der Umsatz gegenüber dem Auftragsbestand aufholen soll oder weshalb eine Aktie die Differenz zum ATH aufholen soll - der spezifische Grund st denke ich sehr wichtig, denn das Management wird die Unternehmung immer positiv verkaufen und neue Gründe aufführen, warum nach wie vor bspw. deine obrigen Aussagen intakt sind

- ich selbst schreibe es leider nicht immer auf und schaue auch nicht regelmäßig auf die These, aber beobachte meine Unternehmen relativ eng und begleite vor allem recht intensiv jede Berichtssaison inkl. Call; rin solches Vorgehen würde ich jedem ans Herz legen, solange die Unternehmen zumindest Small Caps sind (je größer, desto schwer wird es denke ich, einer komplexen Unternehmung zu folgen und es kommt vermutlich mehr auf die übergeordneten KPIs an

- mir ist es mehrfach passiert, weil ich stets an den Turnaround geglaubt habe und neue Argumente bzw. Potenziale akzeptiert hatte; zumindest bei mir persönlich ist es tatsächlich nie gut ausgegangen, weshalb ich für mich auch entschieden habe, hier ausgesprochen strikt zu sein und grundsätzlich eher auf die Gewinner in einem Bereich zu setzen, als auf Unternehmen, die offensichtlich gegen (immer wieder neue) Wiederstände kämpfen - egal ob gerechtfertigt oder nicht, können meiner Erfahrung nach können Negativphasen bei den einzelnen Aktien länger andauern, als einem lieb ist und es benötigt häufig nicht nur das Wenden eines Aspekts/Parameters, um nachhaltig Überzeugung für den Markt zu schaffen, sodass eine Aktie tatsächlich wieder deutlich ins Positive kehrt

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Norica
· bearbeitet von Norica

Willkommen hier im Forum @leopolddsr.

 

Warum ich in einen Wert investiere, überlege ich mir im Vorfeld, schreibe jedoch nichts auf.

 

Wichtiger ist mir, was die Investition letztlich einbringen soll. Das notiere ich mir schon in Stichworten und gleiche es immer wieder ab.

Kursfristige Positionen schließe ich (automatisch), wenn sie ihr Ziel erreicht haben.

Mittel- und langfristig kann es vorkommen, dass ich weiter halte, wenn eine (ertragreichere) Alternative fehlt.

 

 

SG

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Malvolio
· bearbeitet von Malvolio

Ich mache mindestens einmal im Jahr (i.d.R. im Dezember) meinen "Portfolio Tüv". Ich schaue mir dann jede einzelne Position an und überlege mir, ob ich diesen Wert noch halten will und ob meine Investment-Idee noch intakt ist. Das halte ich dann auch in einer kurzen Einschätzung schriftlich fest. Wie oben schon erwähnt sollte man sich dabei fragen "Wenn ich den Wert nicht schon hätte, würde ich ihn heute neu kaufen?". Wenn man hier nicht mit "Ja" antworten kann, sollte man über einen Ausstieg nachdenken. Wenn ich nicht mehr überzeugt bin, dann verkaufe ich. So bin ich z.B. bei VW/Porsche Holding ausgestiegen. Verkäufe sind psychologisch schwierig ... und man will natürlich auch nur ungern Verluste realisieren .... aber im Grund muss man sich klar machen, dass die Erfolge oder Verluste der Vergangenheit KEINE Rolle spielen sollten, ob man z.B. eine Aktie heute halten will oder nicht. Entscheidend ist, ob der Wert in meine Planung (Zielallokation) passt und was ich in der Zukunft erwarte. Ob ich aktuell im Plus oder im Minus bin, sollte man komplett ausblenden ... auch wenn das schwer fällt. ;) 

 

Beispiel (siehe Post #504 vom 23.12.25):  

 

Rückgänge in den Kursen gehören bei einer langfristigen Anlage hinzu. Wer bei steigenden Kursen dabei sein will, der muss auch bei fallenden Kursen dabei sein. Bei einschneiden Ereignissen, muss man natürlich zwischendurch mal überlegen, ob man etwas tun will. Bei einem schlechten Quartal werde ich aber noch nicht nervös. Ob man sich ein "Stop-Loss" Limit setzt, muss jeder selber wissen. Ich persönlich mache das in der Regel nicht.

 

Wenn man kurzfristig handelt, muss man natürlich etwas anders an die Sache herangehen. Ich bin in der Regel langfristig orientiert ("Buy and Hold").

 

 

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leopolddsr
vor 11 Stunden von stagflation:

Die Frage ist schwer zu beantworten, weil es so viele unterschiedliche Anlagetechniken gibt...

 

Ich mache buy&hold und lege langfristig in ETFs an. Bei dieser Technik stellt sich die Frage so nicht.

 

Oder nimm Daytrader. Die verkaufen nach kurzer Zeit wieder - im Extremfall am Ende des Tages. Die brauchen sich nichts zu merken.

 

Es gibt Anleger, die mit Fundamentalanalyse anlegen. Die sind in einen Satz Aktien investiert (vielleicht 20 Stück). Sie beobachten zusätzlich einen Haufen weiterer Aktien. Von allen Aktien (den gehaltenen und beobachteten) werden regelmäßig Analysen durchgeführt: wie hat sich der Kurs entwickelt, wie das Kurs-Gewinn-Verhätnis, gab es Änderungen beim Management oder auf den Märkten, wie wird sich der Kurs wahrscheinlich entwickeln, usw. Wenn dann eine der beobachteten Aktien bessere Ergebnisse bringt als die bereits gehaltenen Aktien, wird umgeschichtet. Bei dieser Anlagetechnik interessiert zwar der Kaufgrund nicht so stark, aber die Entwicklung wird verfolgt und die Aktie wird verkauft, wenn es etwas Besseres gibt. Das sind aber keine "entweder/oder"-Entscheidungen oder Kriterien. Es gibt also keinen klaren Grund zu kaufen oder zu verkaufen, wenn der Grund weggefallen ist. Stattdessen gibt es viele Einzelkriterien, die in einer Top-10-Liste ausgewertet werden.

 

Wenn Du nach einzelnen Gründen kaufst oder verkaufst, verfolgst Du eine andere Anlagetechnik, bei der man annimmt, dass es eindeutige Gründe für den Kauf oder Verkauf von Aktien gibt.

@stagflation Das mit der Rangliste statt einzelner Gründe leuchtet mir ein. Führt jemand, der so vorgeht, diese Liste tatsächlich schriftlich, oder läuft das eher im Kopf?

 

 

 

vor 46 Minuten von Malvolio:

Ich mache mindestens einmal im Jahr (i.d.R. im Dezember) meinen "Portfolio Tüv". Ich schaue mir dann jede einzelne Position an und überlege mir, ob ich diesen Wert noch halten will und ob meine Investment-Idee noch intakt ist. Das halte ich dann auch in einer kurzen Einschätzung schriftlich fest. Wie oben schon erwähnt sollte man sich dabei fragen "Wenn ich den Wert nicht schon hätte, würde ich ihn heute neu kaufen?". Wenn man hier nicht mit "Ja" antworten kann, sollte man über einen Ausstieg nachdenken. Wenn ich nicht mehr überzeugt bin, dann verkaufe ich. So bin ich z.B. bei VW/Porsche Holding ausgestiegen. Verkäufe sind psychologisch schwierig ... und man will natürlich auch nur ungern Verluste realisieren .... aber im Grund muss man sich klar machen, dass die Erfolge oder Verluste der Vergangenheit KEINE Rolle spielen sollten, ob man z.B. eine Aktie heute halten will oder nicht. Entscheidend ist, ob der Wert in meine Planung (Zielallokation) passt und was ich in der Zukunft erwarte. Ob ich aktuell im Plus oder im Minus bin, sollte man komplett ausblenden ... auch wenn das schwer fällt. ;) 

 

Beispiel (siehe Post #504 vom 23.12.25):  

 

@Malvolio Der Portfolio-TÜV interessiert mich. Wie lange sitzt du da dran, und woher holst du die Fakten für die Einschätzung. Ich hab mir deinen Dezember-TÜV angeschaut, beeindruckend. Zwei Dinge würden mich interessieren: Schaust du beim Schreiben eigentlich in den vom Vorjahr rein, oder fängst du jedes Mal bei null an? Und wie hat die Gemini-Unterstützung sich gemacht — was hat sie dir abgenommen, und wo musstest du selber ran?

 

vor 4 Stunden von Ecke908090:

Hi @leopolddsr,

 

ich empfinde deine Fragestellung als sehr wichtig und gut. Leider bin ich kurz angebunden, was sich auch nicht zeitnah ändern wird und trotzdem möchte ich fix meine Erfahrung dazu geben.

 

- ich halte es für ausgesprochen sinnvoll, kurz dund knapp seine Investmentthese schriftlich festzuhalten; für mich sind deine beiden beispiele jedoch zu dünn, denn es ist meiner Ansicht wichtig, WARUM bspw. der Umsatz gegenüber dem Auftragsbestand aufholen soll oder weshalb eine Aktie die Differenz zum ATH aufholen soll - der spezifische Grund st denke ich sehr wichtig, denn das Management wird die Unternehmung immer positiv verkaufen und neue Gründe aufführen, warum nach wie vor bspw. deine obrigen Aussagen intakt sind

- ich selbst schreibe es leider nicht immer auf und schaue auch nicht regelmäßig auf die These, aber beobachte meine Unternehmen relativ eng und begleite vor allem recht intensiv jede Berichtssaison inkl. Call; rin solches Vorgehen würde ich jedem ans Herz legen, solange die Unternehmen zumindest Small Caps sind (je größer, desto schwer wird es denke ich, einer komplexen Unternehmung zu folgen und es kommt vermutlich mehr auf die übergeordneten KPIs an

- mir ist es mehrfach passiert, weil ich stets an den Turnaround geglaubt habe und neue Argumente bzw. Potenziale akzeptiert hatte; zumindest bei mir persönlich ist es tatsächlich nie gut ausgegangen, weshalb ich für mich auch entschieden habe, hier ausgesprochen strikt zu sein und grundsätzlich eher auf die Gewinner in einem Bereich zu setzen, als auf Unternehmen, die offensichtlich gegen (immer wieder neue) Wiederstände kämpfen - egal ob gerechtfertigt oder nicht, können meiner Erfahrung nach können Negativphasen bei den einzelnen Aktien länger andauern, als einem lieb ist und es benötigt häufig nicht nur das Wenden eines Aspekts/Parameters, um nachhaltig Überzeugung für den Markt zu schaffen, sodass eine Aktie tatsächlich wieder deutlich ins Positive kehrt

 

@Ecke908090 Der Punkt mit dem Management sitzt. Darf ich nachhaken: Woran hast du im Nachhinein gemerkt, dass die neuen Argumente nur noch nachgeschoben waren — gab es einen Moment, an dem es dir aufgefallen ist, oder erst mit Abstand?

vor 4 Stunden von Norica:

Willkommen hier im Forum @leopolddsr.

 

Warum ich in einen Wert investiere, überlege ich mir im Vorfeld, schreibe jedoch nichts auf.

 

Wichtiger ist mir, was die Investition letztlich einbringen soll. Das notiere ich mir schon in Stichworten und gleiche es immer wieder ab.

Kursfristige Positionen schließe ich (automatisch), wenn sie ihr Ziel erreicht haben.

Mittel- und langfristig kann es vorkommen, dass ich weiter halte, wenn eine (ertragreichere) Alternative fehlt.

 

 

SG

 

@Norica Was notierst du als Ziel — eine Zahl, einen Kurs, einen Zeitpunkt? Und in welchem Abstand gleichst du ab?

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Ecke908090
vor 46 Minuten von leopolddsr:

@Ecke908090 Der Punkt mit dem Management sitzt. Darf ich nachhaken: Woran hast du im Nachhinein gemerkt, dass die neuen Argumente nur noch nachgeschoben waren — gab es einen Moment, an dem es dir aufgefallen ist, oder erst mit Abstand?

Vielleicht fangen wir erstmal mit dem Learning an, dass bereits im Vorfeld festgestellt werden sollte, ob dem Vorstand Vertrauen zu schenken ist. Das Thema ist meiner Ansicht nach massiv unterschätzt - jeder weiß aus persönlicher Erfahrung, wie wichtig gute Führung ist und auch Business Angels/Venture Capital-Investoren verstehen, dass in erster Linie in die Menschen und dann erst in das Geschäftskonzept an sich investiert wird. Bei Privatanlegern kommt das Thema zu kurz oder findet gar kein Fokus.

 

Einfache und meist positive Indikatoren sind hier, wenn der CEO auch Gründer ist und er selbst plus idealerweise der Stab stark investiert sind (min. einstelliger Prozentbereich). 

 

Darüber hinaus lässt sich natürlich die Vita prüfen (individuelle begleitete berufliche Positionen, aber auch Aktivität in dem aktuellen Unternehmen) und was mir hilft ist, zu schauen wie aktiv das Management medial ist, ob sie häufig als relevante Interviewpartner herhalten und wie sie dort auftreten. Natürlich wird der Earnings Call ebenfalls berücksichtigt. 

 

Nun zu deiner eigentlichen Frage, sollte man bspw. bereits investiert sein:

 

Ich denke es hilft, wenn die relevantesten Informationen aus den Calls notiert werden, was ja meist nicht mehr als vielleicht 5 Stück sind. An diesen kann dann das Management sowie der weitere Fortschritt bemessen werden. Ein Indikator, der bei mir unter Garantie großen Schaden verhindert hätte ist, dass sich das Management gegenüber früheren Aussagen selbst widerspricht oder aber alte Aussagen unter den Tisch fallen lässt und stets neue, bspw. Potenziale, auf den Tisch holt.

 

Grundsätzlich ist die Bewertung des Managements meiner Ansicht nach absolute Königsklasse und spätestens hier versagt jedes Bewertungstool im Anlageuniversum (genauso wie KI), umso wichtiger ist es, dass man sich dieser Teildisziplin des Investierens bewusst wird.

 

Ich kann dir sagen, dass ich zunächst mit Alfen und Perion Network genau dieses Learning schmerzhaft für mich selbst erarbeiten musste, aber zuletzt mit Grandstand (ehemals Gambling.com) erstmalig den besagten großen Schaden dadurch verhindert habe. Natürlich braucht es dann auch eine gewisse Härte und konsequente Handlungsfähigkeit, aber es existieren zu jedem Zeitpunkt ausreichend gute Alternativen. Wie ich jedoch auch bereits erwähnte habe, sehe ich mittlerweile von fundamentalen Loser-Unternehmen und somit den allermeisten Turnaround-Investments ab und verhindere damit größtenteils, dass mir ein Management immer wieder abenteuerliche Ausreden und neue "hochgehandelte" neue Geschäftszweige auftischen kann.

 

Mein jüngstes Learning war übrigens, dass gegen den Strom schwimmen sehr herausfordernd ist, was bei Turnaround-Wetten immer der Fall ist. Meiner Erfahrung nach übertreibt der Markt nicht selten ins Positive oder Negative und auch können sich gewisse Trends lange halten, aber es meist nicht komplett grundlos, warum ein Unternehmen von außen (zu) günstig ausschaut. Klüger als der Markt zu sein ist ausgesprochen herausfordernd.

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Malvolio
· bearbeitet von Malvolio
vor 5 Stunden von leopolddsr:

@Malvolio Der Portfolio-TÜV interessiert mich. Wie lange sitzt du da dran, und woher holst du die Fakten für die Einschätzung. Ich hab mir deinen Dezember-TÜV angeschaut, beeindruckend. Zwei Dinge würden mich interessieren: Schaust du beim Schreiben eigentlich in den vom Vorjahr rein, oder fängst du jedes Mal bei null an? Und wie hat die Gemini-Unterstützung sich gemacht — was hat sie dir abgenommen, und wo musstest du selber ran?

Ein paar Stunden dauert es schon. Aber man muss es ja nicht auf einen schlag machen. Die Daten kommen aus verschiedenen Quellen. Meine eigenen Daten, Portale, Aktienfinder und inzwischen auch KI. Ich schaue mir natürlich auch die bisherige Einschätzung an, aber ich kenne die Werte ja auch meistens schon seit einigen Jahren. Insofern ist das meistens kein Hexenwerk. Meisten ist es ja nur eine Auffrischung. Mit den in der Regel wenigen potentiell kritischen Fällen beschäftigt man sich dann natürlich etwas mehr. Ich finde die Gemini-Unterstützung sehr hilfreich. Man kann sich eine gute Übersicht machen lassen und den Wert auch mit Konkurrenten vergleichen. Man muss natürlich die KI-Ergebnisse immer mit großer Vorsicht genießen und darf nicht alles glauben. Immer auch das eigene Gehirn einschalten. Aber es ist hilfreich, sich systematisch einen Eindruck zu verschaffen.

 

 

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Norica
vor 6 Stunden von leopolddsr:

 

@Norica Was notierst du als Ziel — eine Zahl, einen Kurs, einen Zeitpunkt? Und in welchem Abstand gleichst du ab?

Vornweg, ich mache keine sonstwie komplizierten Sachen. Beim Traden, also kurzfristig, notiere ich Kursziele zum Ausstieg (oben und unten) und beim Investieren, heißt langfristig, in der Regel den erwarteten Cashflow.

Während im kurzen Zeitraum der Zustand einer Firma für mich weniger interessant ist, spielt das um so mehr eine Rolle, je länger ich halte. Aber auch hier sehe ich mir lediglich einige wenige der bekannten Kennzahlen an und gleiche zusätzlich mit der peer-group ab.

Alles in kleinem Rahmen, man kann sich nämlich auch selbst verrückt machen damit. Eine weitere Rosikostreuung geschieht über die Positionsgröße, viele vergessen diese Möglichkeit.

 

 

SG

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