EZB - Europäische Zentralbank, Euribor

305 posts in this topic

Posted

vor 2 Stunden schrieb Maciej:

Könntest du das begründen? Die EZB hat meinem Verständnis nach die Anleihenkäufe doch überhaupt nur gestartet, um den Banken eine höhere Eigenkapitaldecke zu verschaffen. Damit hält sie künstlich die Banken am Leben, die sich selbst nicht mehr finanzieren können. Die Nebenwirkungen sind ein allgemein sinkendes Zinsniveau, was wiederum dazu führt, dass auch Unternehmen sich plötzlich mit weit geringeren Kosten verschulden können, als das unter normalen Marktumständen möglich gewesen wäre. Das Ergebnis sind eine unnatürlich hohe Anzahl an Zombi-Unternehmen, die Ressourcen binden, die andernfalls für sinnvollere Projekte genutzt weden könnten. Ich sehe diesen Punkt genau wie Kaffeetasse, hier wird eine notwendige Marktbereinigung künstlich hinausgeschoben, was sie am Ende aller Wahrscheinlichkeit nach nur noch extremer machen wird.

 

Ganz einfach: “normale” Banken verdienen im Kreditgeschäft die Zinsdifferenz zwischen Kreditfordungen und den Refinanzierungskostn der Bank. Extreme Niedrigzinsen drücken die Zinsmarge praktisch auf Null, schlecht für das traditionelle Geschäftsmodell einer Bank, und damit letztendlich auch das Eigenkapital.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Posted · Edited by Schildkröte

Genau darauf weist Ken Fisher immer wieder in seinen Kolumnen hin. Banken leihen sich zu (niedrigen) kurzfristigen Zinsen Geld und verleihen es zu (höheren) langfristigen Zinsen. Die Kreditspanne zwischen kurz- und langfristigen Zinsen ist maßgeblich für deren Ertrag im Kreditgeschäft. Die kurzfristigen Zinsen werden vor allem durch den Leitzins der Notenbanken beeinflusst, während langfristige Zinsen am Markt durch Angebot und Nachfrage zustande kommen. Durch die massiven Anleihekaufe haben die Notenbanken die langfristigen Zinsen allerdings derartig gedrückt, dass die Kreditspanne äußerst niedrig ist. Ken Fisher vertritt deshalb die These, dass es sich für Banken somit nicht lohnt, (verstärkt) Kredite zu vergeben (möglicherweise ist jedoch auch schlichtweg die Nachfrage seitens der Unternehmen nach Krediten nicht hoch genug). Zur Ankurbelung der Konjunktur sind die Anleihekäufe demnach kein geeignetes Mittel. Ob das den Notenbanken bewusst ist? Das Fed hat das Ende der ultralockeren Geldpolitik ja längst eingeleitet. Insofern könnte man die Frage stellen, ob es der EZB nicht doch darum geht, klammern Ländern Südeuropas unter die Arme zu greifen. 

Share this post


Link to post
Share on other sites

Posted

vor 2 Stunden schrieb Schildkröte:

 Das Fed hat das Ende der ultralockeren Geldpolitik ja längst eingeleitet. Insofern könnte man die Frage stellen, ob es der EZB nicht doch darum geht, klammern Ländern Südeuropas unter die Arme zu greifen. 

Klar geht es dabei primär um die Euro-Rettung. Eine EZB würde ohne Euro nicht gebraucht. Das ist auch Eigennutz. Die EZB hat mit der Aktion "Anleihekauf" den Politikern Zeit verschafft eine Lösung für die Ungleichheit in der Eurozone zu finden. Diese Zeit ist aber ohne Lösung verstrichen und nun sind 2,6 Bio. € an Anleihen im EZB Portfolio. Übrings nicht nur Staatsanleihen sondern auch Unternehmensanleihen. Vielleicht um sich dem Vorwurf einer Staatsfinanzierung zu entziehen.

 

Das sich die Banken zu Minizinsen Geld leihen können so viel sie nur wollen verhindert dass diese auch Pleite gehen. Zumindest für eine Weile. Es geht nur um spielen auf Zeit. Das dadurch Ressourcen fehlgeleitet werden, da sind wir uns wohl einig. Die Lösung der Brühe die man uns Europäern eingebrockt hat wird dafür umso schwieriger.

Das den Banken dafür das Kreditgeschäft weg bricht ist so nicht ganz richtig. Wir haben zumindest in D. einen großen Immobilien-Boom. Leute mit kaum EK oder zu geringem Einkommen kaufen zu absurden Preisen ihr "Betongold". Hier lässt sich und insb. bei der Anschlussfinanzierung noch Geld verdienen.

 

Am Ende werden die Schulden der Euroländer weiter vergemeinschaftet, Euro-Bonds werden der Normalzustand und die Zinsen bleiben im Keller.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Posted · Edited by DrFaustus

Am ‎15‎.‎12‎.‎2018 um 09:48 schrieb Schildkröte:

Genau darauf weist Ken Fisher immer wieder in seinen Kolumnen hin. Banken leihen sich zu (niedrigen) kurzfristigen Zinsen Geld und verleihen es zu (höheren) langfristigen Zinsen. Die Kreditspanne zwischen kurz- und langfristigen Zinsen ist maßgeblich für deren Ertrag im Kreditgeschäft. Die kurzfristigen Zinsen werden vor allem durch den Leitzins der Notenbanken beeinflusst, während langfristige Zinsen am Markt durch Angebot und Nachfrage zustande kommen. Durch die massiven Anleihekaufe haben die Notenbanken die langfristigen Zinsen allerdings derartig gedrückt, dass die Kreditspanne äußerst niedrig ist. Ken Fisher vertritt deshalb die These, dass es sich für Banken somit nicht lohnt, (verstärkt) Kredite zu vergeben (möglicherweise ist jedoch auch schlichtweg die Nachfrage seitens der Unternehmen nach Krediten nicht hoch genug). Zur Ankurbelung der Konjunktur sind die Anleihekäufe demnach kein geeignetes Mittel. Ob das den Notenbanken bewusst ist? Das Fed hat das Ende der ultralockeren Geldpolitik ja längst eingeleitet. Insofern könnte man die Frage stellen, ob es der EZB nicht doch darum geht, klammern Ländern Südeuropas unter die Arme zu greifen. 

So ist es. Hinzu kommt noch die (fehlende) Zinselastizität gerade im kurzfristigen Bereich.

Man kann ja hier gut nachlesen was für einen Terz die Kunden machen, wenn eine Bank es mal wagt die Negativzinsen dort weiterzugeben. Im Grunde macht jede Bank mit Sichteinlagen (Girokonto, Tagesgeld, Termingeld) negativen Deckungsbeitrag.

Am langen Ende ist auch nicht mehr das große Geschäft am Laufen, da der Markt sehr kompetitiv ist.

Kurz: Das was die Banken an Risikokosten sparen, zahlen sie doppelt bei der Zinsspanne.

Und: Das dicke Ende steht noch bevor. Steigen die Zinsen wieder, tut es aufgrund der immer stärker gewordenen Fristentransformation doppelt weh.

 

Share this post


Link to post
Share on other sites

Posted · Edited by Schildkröte

Die EZB greift durch die niedrigen Zinsen aber auch Unternehmen unter die Arme, welche sich somit günstig Fremdkapital beschaffen können. Nach VWL-Denke könnte das freigewordene Geld für Investitionen eingesetzt werden. Dass die Unternehmen sich mit Investitionen zurückhalten, dürfte nicht nur an der niedrigen Kreditspanne für Banken (s. o.) liegen, sondern auch daran, dass die Konjunkturlage unsicher ist und Investitionen (zu einem ungünstigen Zeitpunkt) ein Risiko darstellen. Des Weiteren hält die EZB mit den niedrigen Zinsen auch sog. Zombies am Leben, welche unter normalen Bedingungen im Zuge einer Marktbereinigung über die Wupper gehen würden. Als Anleger achte ich beim Rentenanteil im Depot in Anbetracht steigender Zinsen (in den USA bereits der Fall, in Europa...?) auf eine möglichst nicht zu hohe Duration. 

Share this post


Link to post
Share on other sites

Create an account or sign in to comment

You need to be a member in order to leave a comment

Create an account

Sign up for a new account in our community. It's easy!


Register a new account

Sign in

Already have an account? Sign in here.


Sign In Now