supertobs

Übergewichtung des Euro-Währungsraums sinnlos?

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Hallo Forum,

 

mir geht den ganzen Tag so ein Gedanke durch den Kopf: Ist die Übergewichtung des eigenen (hier Euro-) Währungsraums deutlich weniger wirksam als eigentlich gedacht.

 

Das "Forums-Standarddepot" sieht für den Aktienanteil folgende Gewichtung vor:

50% Welt, MSCI Welt

30% Euro-Zone, EuroStoxx oder MSCI EMU

20% Emerging Markets, MSCI EM.

 

In den meisten Büchern ist auch zu lesen, das eine Übergewichtung des eigenen Währungsraums eben Währungsrisiken reduziert. Für Anleihen und sonstige Festverzinsliche stimme ich zu, aber wie sieht das mit Aktien aus?

 

Der Wert einer Aktie ist im wesentlichen die abdiskontierte Gewinnerwartung. Nun sind die meisten Unternehmen global aufgestellt. Die Gewinne fallen somit auch in lokaler Währung an. Ein schwacher Euro stärkt also relativ den Fremdwährungsgewinn, ein starker Euro schwächt ihn. Man hat also trotz einer Übergewichtung von Unternehmen, die ihren Sitz in der Euro-Zone haben, Währungsrisiken. Das gilt ganz besonders für Unternehmen, deren Produkte ganz in Fremdwährung gehandelt werden (z.B. Flugzeuge, Öl in USD). Absichern gegen diese Währungsrisiken kostet das Unternehmen ja auch etwas.

 

Will man also wirklich Währungsrisiken im eigentlichen Sinne vermindern, müsste man Unternehmen wählen, die:

- ihren Sitz in der eigenen Währungszone haben und

- ihre Gewinne hauptsächlich in der eigenen Währungszone oder in Euro machen und

- einen hohen Anteil ihrer Wertschöpfung im eigenen Währungsraum erbringen

 

Davon gibt es wohl nur wenige. Geht man nun davon aus, das die Firmen global aufgestellt sind, greift die Höhergewichtung von MSCI EMU, EuroStoxx 50/500 zu kurz. Nun sind die meisten Firmen deutlich stärker lokal unterwegs als global, selbst die meisten DAX30-Unternehmen. Das mildert es zwar, aber trotzdem bleibt die Problematik doch, oder?

 

Was denkt Ihr?

 

Gruss,

 

supertobs

 

P.S. Das soll jetzt keine Werbung für ein reines BIP-gewichtetes Depot sein, aber bei dessen Konzipierung ging ich von einer Regression zum Mittelwert auch bei Währungen aus. Folglich keine Höhergewichtung des eigenen Währungsraums.

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Für Währungen sollte eigentlich die gleiche Regel gelten, wie für Aktien: Portfolio-Optimierung nach Markowitz.

 

In der Praxis ist das für Währungen wohl noch schwerer als für Aktien, da eine Währung einen negativen Erwartungswert hat (Geld entwertet sich über die Zeit), hohe Volatilitäten, geringe Korrelationen - aber vor allem nicht die geringste Verlässlichkeit.

 

Ich bleibe bei einer leichten Übergewichtung des Euroraums - aber nicht aus Währungsgründen. Vielmehr gehe ich von einer schlechten Entwicklung in den USA aus und weiterhin gibt es für die USA bisher nur BlueChip-ETFs. Später möchte ich vielleicht mal im Zuge eines Rebalancings auch nordamerikanische Smallcaps gewichten, damit bringe ich dann wieder die richtige Gewichtung hin.

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Hallo supertobs,

 

ja, das sehe ich ganz genauso. Ich gewichte Europa auch nicht extra höher. Ich habe ja schon in Deinem Musterdepot-Thread geschrieben, dass ich es für sinnvoller halte, lieber bei Anleihen ausschließlich auf die eigene Währung zu setzen um so das Fremdwährungsrisiko im eigenen Depot zu reduzieren. Offene Immobilienfonds müssen ihr Portfolio eh generell in der Basiswährung absichern, reduzieren das Fremdwährungsrisiko also ebenfalls schon zu einem sehr großen Teil.

 

Viele Grüße!

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lieber bei Anleihen ausschließlich auf die eigene Währung zu setzen um so das Fremdwährungsrisiko im eigenen Depot zu reduzieren. Offene Immobilienfonds müssen ihr Portfolio eh generell in der Basiswährung absichern, reduzieren das Fremdwährungsrisiko also ebenfalls schon zu einem sehr großen Teil.

Genau so sehe ich das auch: Aktien nicht übergewichten zum BIP aber Anleihen und Immobilienfonds auf den europäischen Währungsraum konzentrieren!

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D.h. (50 World, 30 Eurostoxx, 20 EM) ist sinnlos? Also konsequenterweise 80 MSCI World und 20 MSCI EM.

 

Das steht auch im Kommer:

 

Die radikalste Vereinfachung des Weltportfolios wäre eine Reduktion des Weltportfolios auf ein MSCI-World-Index-Produkt und ein MSCI-Emerging-Markets-Produkt. Bedenken Sie dabei aber, dass sowohl erwartete Rendite als auch erwartetes Risiko von dieser Vereinfachung negativ beeinflusst werden.

 

Verbunden mit der Swap-Diskussion, bleibt dann als sicherste Variante beide ETFs von Ishares zu kaufen.

 

Ich finde solche Diskussionen interessant und wichtig. Aber man sieht halt auch sehr leicht, wie schwer es sein wird seine Strategie langfristig durchzuhalten. Gerade wenn man sich immer in Foren rumtreibt und alles immer wieder in Frage gestellt wird. ;)

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"einen hohen Anteil ihrer Wertschöpfung im eigenen Währungsraum erbringen" von Supertobs

 

 

Die Wertschöpfungstiefe hat sich in den letzten Jahren immer weiter verringert. Man kann heute in vielen Branchen kaum noch darüber diskutieren, wo die Unternehmen ihre Wertschöpfung betreiben, denn sie machen es ja gar nicht mehr selber. Beispiel Automobilbranche: Fremdbezogene Wertschöpfung betrug schon 2004 oft über 70%. Das bedeutet: 70% der Wertschöpfung wird von Zulieferern übernommen. Nun hat sich ebenso der Trend zur Globalisierung ergeben, was sich auch auf die Beschaffung der Unternehmen niederschlägt. Unternehmen beziehen heute ihre Bedarfe auf den globalen Beschaffungsmärkten. Oder wie die Finanzexperten hier im Forum es nennen würden: Sie beschaffen aus den Emerging Markets. Somit ist nahezu jedes deutsche Unternehmen, welches global beschafft und absetzt Währungsschwankungen ausgesetzt.

 

Beispiel Rohstoffpreise: Unternehmen im Euroraum kommen im Gegensatz zu USD-Unternehmen noch recht gut davon. Warum? Na weil der Euro stark ist und die Einkaufspreise somit geringer sind als bei amerikanischen Unternehmen. Steigt der Dollarkurs wieder, siehts anders herum aus. Siehe Bild.

 

Fazit: Ich stimme Supertobs voll zu. Eine Fokussierung auf den Euroraum hinkt an der Stelle, dass Unternehmen schlicht und ergreifen mittlerweile global aufgestellt sind und sein müssen.

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D.h. (50 World, 30 Eurostoxx, 20 EM) ist sinnlos? Also konsequenterweise 80 MSCI World und 20 MSCI EM.

 

Nein, das Forumsdepot ist schon nicht schlecht, aber statt 30 EuroStoxx kan man auch 30% MSCI Europe machen. Dann kommt man mit 3 ETFs ganz gut hin. Man nähert sich den BIP-Regionen an.

 

MSCI World hat ja sehr stark USA, genug Japan. Ein Extra-Schuss MSCI Europe stärkt dann die Europa-Region.

 

80% MSCI World und 20 MSCI EM ist halt rein MCap-gewichtet- Auch ok, fehdi wird zustimmen :-

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80% MSCI World und 20 MSCI EM ist halt rein MCap-gewichtet- Auch ok, fehdi wird zustimmen :-

 

Ja, im Grunde schon.

 

Der MSCI World deckt eben hauptsächlich alle großen Unternehmen der Industrieländer ab (genaugenommen etwa die oberen 85% der freiverfügbaren Marktkapitalisierung). Es fehlen also kleine Unternehmen und Schwellenländer. Small Caps müsste man sich also über aktive Fonds reinholen, da es ETFs in dem Bereich noch nicht ausreichend gibt (sollte man vielleicht bis 2009 mit warten). EMs sollte man bei einer reinen MK-Strategie etwa nur mit 10-11% gewichten.

 

Länder-/Regionengewichte für MK-Strategien gibt es zum Beispiel bei S&P hier (den Link hatte Grumel schon mal gepostet).

 

Man sieht, dass die USA zur Zeit nur noch mit 40% gewichtet werden, was der BIP-Gewichtung inzwischen relativ nahe kommt.

 

Viele Grüße!

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Posted · Edited by edan

@fehdi

 

ja, ich sehe momentan auch bei Europa die einzige Möglichkeit, Small Caps ins Spiel zu bringen und so

die Diversifizierung zu erhöhen.

Also dann wenigstens ein Portfolio mit World / Europäische Small Caps / EM

 

Bei einer aktiven europäischen Small Cap Variante denkst du wohl an den Threadneedle European Smaller

Companies? Mit diesem Gedanken hatte ich auch kurzzeitig gespielt, mich dann aber doch an einen ETF

gewagt.

 

Gute globale Small Cap Fonds/ETF habe ich noch nicht entdecken können und bei den EM lief beispielsweise

der Carlson Asian Small Cap lief in letzter Zeit nicht so toll bzw. konnte ich da keine großen Unterschiede

zu den dortigen Large Caps ausmachen.

 

Gruß,

Edan

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Hallo zusammen,

 

so ähnlich habe ich hier schon mal mein Musterdepot vorgestellt.

 

Viele Grüße

 

Bernhard

 

P.S. damals kannte ich dieses Forum noch nicht, deswegen habe ich dieses Thema bisher hier nicht gepostet

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Bei einer aktiven europäischen Small Cap Variante denkst du wohl an den Threadneedle European Smaller

Companies? Mit diesem Gedanken hatte ich auch kurzzeitig gespielt, mich dann aber doch an einen ETF

gewagt.

 

Gute globale Small Cap Fonds/ETF habe ich noch nicht entdecken können und bei den EM lief beispielsweise

der Carlson Asian Small Cap lief in letzter Zeit nicht so toll bzw. konnte ich da keine großen Unterschiede

zu den dortigen Large Caps ausmachen.

 

Hallo,

 

Mit welchem Fonds (egal ob aktiv oder passiv) man global die Nebenwerte am besten abdeckt, habe ich für mich auch noch nicht raus. Solange es keinen ETF auf den MSCI World Small Cap gibt, steht man vor der Qual der Wahl. Möglichkeiten wären ein aktiver globaler Nebenwertefonds oder für jeden Kontinent einzeln einen Nebenwertefonds. Die Notlösung nur die europäischen Small Caps zu nehmen, finde ich persönlich jetzt nicht so gut. Mal gucken, was im Laufe des Jahres noch an neuen ETFs auf den Markt kommt.

 

Viele Grüße!

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Schaut doch mal bei AXA Rosenberg nach. Die haben doch viele Small Cap Fonds. Da sollte auch was globales bei sein.

 

Keine Ahnung, wie die jetzt laufen, vor Jahren waren die mal "der Anbieter" für Small Caps.

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Die Notlösung nur die europäischen Small Caps zu nehmen, finde ich persönlich jetzt nicht so gut.

Wenn man mal annimmt, daß auch die Small Caps inzwischen global agieren, dann wäre der Mehrwert von globalen Small Caps gegenüber europäischen wohl nicht so groß. Vielleicht die größere Marktbreite, aber eine zusätzliche Diversifizierung?

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Hallo zusammen,

 

von weiter unten in dem oben verlinkten Beitrag aus dem anderen Forum:

 

...Kommer schlägt eine Gewichtung von Entwickelt:Emerging von 2:1 (=6:3) vor und von LargeCaps:SmallCaps von 1:1 (=2:2)

 

Diesem Vorschlag versuche ich auf möglichst einfach Weise gerecht zu werden. Ich habe in meinem Vorschlag für Entwickelt:Ermerging 7:3 und von LargeCaps:SmallCaps von (3:2).

 

Damit bin ich in beiden Bereichen konservativer als Kommer. Trotzdem habe ich ein Portfolio mit mehr als 50 Ländern und mit mehr als 4000 Einzeltiteln. Damit habe ich zumindest das Ziel einer maximalen Diversifikation erreicht.

 

...ich habe neben oben beschriebenen Überlegungen einen Abgleich am BIP versucht. Dazu habe ich die Aufteilung nach Länder, soweit für die einzelnen Fonds, recherchierbar verglichen mit den Zahlen aus Wikipedia. Das ist sozusagen meine "Kontrolle". Eine Grafik dazu hänge ich mal an. Die Grafik ist so zu lesen, dass die Legende von oben nach unten in der Grafik entgegen dem Uhrzeigersinn beginnend bei 12:00 dargestellt ist. Leider bekomme ich es nicht anschaulicher mit OpenOffice hin.

 

Ich finde die Aufteilung noch immer den für mich optimalen Kompromis aus Einfachheit und optimaler Diversifikation.

 

Viele Grüße

 

Bernhard

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Ich wäre mir nicht so sicher ob ein nach BIP Gesichtspunkten diversifiziertes Portfolio wirklich der Weisheit letzter Schluss ist. Was sagt den "Guru" Kommer zu dem Beispiel das du in Land A 100 Unternehmen hast die wirtschaftlich tätig sind, davon aber 99 aus Land B kommen?

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Absichern gegen diese Währungsrisiken kostet das Unternehmen ja auch etwas.

 

 

Das Absichern gegen Wähungsrisiken kosten die Unternehmen etwas, knabbert also an deren Performance. Anderereits findet so bei eingeschränktem Währungsrisiko eine Glättung der Kurse des Unternehmens statt, was es berechenbarer und vergleichbarer mit rein im Euroraum tätigen Unternehmen macht.

 

Sofern die Kosten der Absicherung die Performance dauerhaft relevant beeinflussen, müßte das Unternehmen in der Performance ebenso dauerhaft zurückfallen und als solches vom theoretisch möglichen fähigem aktiven Fondsmanager erkannt und untergewichtet werden.

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Posted · Edited by el galleta

Dieser etwas angestaubte aber erfreulich seriöse Thread scheint mir als Ergebnis zu haben, dass eine Betonung des Euro-Raumes im Aktien-Bereich nicht sinnvoll ist, aber ein Europa-Anteil schon vorhanden sein sollte/könnte.

 

Trotzdem sehe ich praktisch überall die Euro-Lösung. Auch Supertobs selbst hat im kleinen Depot Euro und nicht Europa verwendet.

 

Da ich die Antwort weder hier noch sonstwo gefunden habe meine Frage: Warum?

 

saludos,

el galleta

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Posted · Edited by el galleta

Kann gar nicht glauben, dass keiner eine Antwort weiß und alle es einfach nur grundlos nachmachen. Deshalb schieb ich hier mal (sorry) und wiederhole die Frage:

 

Warum wird der Euro-Raum betont, wenn doch (falls überhaupt) nur ein genereller Europa-Anteil sinnvoll sei?

 

Auch Kommer hält ja eine Währungsabsicherung nicht für sinnvoll.

Warum machen es selbst die Kommer-Anhänger dann doch?

 

saludos,

el galleta

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Hinken derzeit etwa Eurozonen Aktien mal dem Msci world hinterher? :D .

 

Die Japaner diskutieren derzeit sicher alle total rational warum 100% Japan doch ganz gut ist :D .

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Hinken derzeit etwa Eurozonen Aktien mal dem Msci world hinterher? :D .

Die Japaner diskutieren derzeit sicher alle total rational warum 100% Japan doch ganz gut ist :D .

Hm, was wollte mir der Künstler damit sagen? ;) Kannst Du das bitte nochmal etwas weniger verklausuliert ausdrücken? Ich kann mir keinen Reim drauf machen.

 

saludos,

el galleta

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supertobs hat es in seinem Performance-Thread kurz beleuchtet und man hat es auch gesehen. Aufgrund der "Dollar-Stärke" ist das Musterdepot nicht so tief wie zum Beispiel ein DAX- oder Stoxx600-Depot gesunken. Damit ist die Frage eigentlich schon ein bisschen beantwortet.

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supertobs hat es in seinem Performance-Thread kurz beleuchtet und man hat es auch gesehen. Aufgrund der "Dollar-Stärke" ist das Musterdepot nicht so tief wie zum Beispiel ein DAX- oder Stoxx600-Depot gesunken. Damit ist die Frage eigentlich schon ein bisschen beantwortet.

Also doch "nur" Währungsabsicherung als Grund?

 

saludos,

el galleta

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Ich meinte, dass sich die Währungsunterschiede langfristig durch die Regression zum Mittelwert ausgleichen. Man braucht also Euro langfristig nicht übergewichten.

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Ich meinte, dass sich die Währungsunterschiede langfristig durch die Regression zum Mittelwert ausgleichen. Man braucht also Euro langfristig nicht übergewichten.

 

...könnte jedoch die Schwankungen um den Mittelwert dadurch verringern.

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Zitat Helmut Kohl: "Wichtig ist, was hinten ´rauskommt." :rolleyes:

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