Bärenbulle

Re-Balancing versus Over-Balancing

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Welcher Bernstein? Der Author von "The Intelligent Asset Allocator"? Ne, oder? Der ist doch erklärter Passivist.

Value Averaging ist auch keine aktive Strategie.

 

Ich habe letztes Jahr mal Gerd Kommer bzgl. der RzM angemailt, hier ist ein Auszug seiner Antwort:

 

Es gibt eine passive Strategie die sich "Value Averaging" nennt (siehe das gleichnamige, exzellente Buch von Michael Edleson, das leider nicht ins Deutsche uebersetzt wurde). Value Averaging ist eine modifizierte Form des Festbetragsparens (Wertpapiersparens), bei der aber nicht ein fixer Betrag pro Periode investiert wird, sondern derjenige Betrag, der notwendig ist, um den Gesamtportfoliowert um einen fixen Betrag pro Monat zu erhoehen. Beispiel: Falls das Portfolio vorher im Wert gefallen ist, kann der fragliche Sparbetrag in der dann folgenden Periode relativ zum langfristig durchschnittlichen Sparbetrag sehr hoch sein, falls das Portfolio vorher im Wert stark gestiegen ist, kann es sogar dazu kommen, dass man verkaufen muss (oder soll), um wieder auf den "Value-Pfad" zurueckzugelangen. Diese Strategie fuehrt -- je nach Betrachtungsperiode -- tatsaechlich zu erstaunlichen 1,0 bis 2,5%-Punkten Renditezugewinn (exkl. Kosten und Steuern) relativ zu normalem Wertpapiersparen (das Buch von Edleson enthaelt umfangreiches Datenmaterial). Wiederum ist RzM die Ursache fuer diesen Performance-Kick. Die Strategie ist aber letztlich recht arbeitsaufwendig und wuerde einen normalen Privatanleger ueberfordern. Mit "aktivem" Investieren hat Value Averaging nichts zu tun.

 

Diskretionaeres also willkuerliches "kontrarisches" (antizyklisches) Investieren zur Ausnutzung von RzM ist letztlich "Value-Investing", also das, was Warren Buffett macht. Wer ein Genie ist, wie er, wird damit langfristig vielleicht (!) den Markt outperformen.

 

Ich tue mich aktuell auch sehr schwer, welche Zukaufstrategie ich nehmen soll. Ich bin am Grübeln ob feste Sparrate die auch angelegt wird oder eine Variante aus Value Averaging. Variante, da die dort verfasste Strategie einige Abstriche zum "exakten" Value Averaging hat (bei absoluten Crashes wird "pragmatischer" mit Reservebildung verfahren). Da Varianten auch faule Kompromisse sein können, hab ich zu meiner Variante des Value Averagin ne historische Rechnung gemacht, siehe Thread. Grundsätzlich sehen die Ergebnisse ganz gut aus, wobei man sagen muss, dass ich nur 3 ETFs als Analyse-Beispiel genommen hab, die auch noch nicht so lange existieren (Eröffnung >2005).

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Posted · Edited by finisher

 

Ich hatte das für jeden Anlagemonat der über 100 Jahre inkl. Dividenden mal duchgerechnet und bin auf eine Überrendite von 1,8% p.a. im Schnitt gekommen, gegenüber einem festen 30:70-RK1/RK3-Portfolio (Anlagedauer jeweils 5 Jahre). Ich finde das ist schon ganz ordentlich und mehr als die meisten Fondmanager schaffen.

Super Ergebnis. Ich bin leider noch ziemlich Anfänger auf dem Gebiet, interessiere mich aber sehr für das Thema.

 

Was meinst mit für 'jeden Anlagemonat' durchgerechnet' ? In welchem Zeitintervall berechnest du bei deiner Simulation die Verteilung neu und schichtest um?

Beim 30:70 Portfolio hast du nur 5-Jahres Zeiträume genommen, warum nicht längere ?

 

Ich mache gerade ähnliche Overbalancing Simulationen, allerdings mit einem viel schlechteren Modell, welches auf Zinsveränderungen reagiert, welches allerdings bei der letzten Krise perfekt funktioniert hat. Die Abgeltungssteuer wird berücksichtigt und die Verteilung wird alle 3 Monate neu berechnet. Ich simuliere verschiedene 20-Jahres Zeiträume zwischen 1960 und 2011. Eine starre 70% Aktien, 30% Anleihen Verteilung mit 2-jährigen Rebalancing ist aber bei meinen Simulationen im Durchschnitt immer der Gewinner. Das häufige Umschichten kostet bei meinen Simulationen einfach zu viel Rendite.

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http://starcapital.de/files/2007-02_Update_KGV10-Value-Strategien-Boersenkurse_Keimling.pdf

 

Der Kollege Keimling hat sich auch mit KGV als Auswahlkriterium auseinandergesetzt.

Basis dazu sind ebenfalls Überlegungen von Shiller und eigene Untersuchungen.

Er kommt bei ähnlichen Ausgangsdaten zum dem Schluss, dass das KGV quasi keinePrognosefähigkeit für die Rendite der nächsten 12 Monate hat.

Die Regression hierzu hat auch nur ein R2 von 0,03 was diesen Schluss nahelegt.

Allerdings gat das kgv10 eine sehr hohe Prognosekraft für die Renditeerwartung für die nächsten 15 Jahre.

Siehe dazu auch die obige Grafik mit den 20 Jahres Renditen.

 

Ich pers. halte daher die Kurzfristigen KGVs eher für unggeeignet ein rebalancing Modell zu steuern.

Dafür müsste das R2 wesentlich signifikanter sein.

Und die kgv10 haben zwar auf 15 Jahre eine signifikante Aussagekraft, das rebalancing wird aber doch eher im Bereich um 1 Jahr erfolgen, was wohl auch hier zu keinem Vorteil führen wird.

 

Sprachs ohne es selber getestet zu haben.........

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Posted · Edited by Bärenbulle

Er kommt bei ähnlichen Ausgangsdaten zum dem Schluss, dass das KGV quasi keinePrognosefähigkeit für die Rendite der nächsten 12 Monate hat. Die Regression hierzu hat auch nur ein R2 von 0,03 was diesen Schluss nahelegt.

Allerdings gat das kgv10 eine sehr hohe Prognosekraft für die Renditeerwartung für die nächsten 15 Jahre.

Siehe dazu auch die obige Grafik mit den 20 Jahres Renditen.

 

Ich pers. halte daher die Kurzfristigen KGVs eher für unggeeignet ein rebalancing Modell zu steuern.

Dafür müsste das R2 wesentlich signifikanter sein.

 

... das deckt sich 100%-ig mit meinen Ergebnissen.

 

Und die kgv10 haben zwar auf 15 Jahre eine signifikante Aussagekraft, das rebalancing wird aber doch eher im Bereich um 1 Jahr erfolgen, was wohl auch hier zu keinem Vorteil führen wird.

Das ist ein Trugschluss. Rebalancing erfolgt ja dauerhaft solange Du anlegst. Der Effekt ist schon signifkant (>1% Rendite) wenn Du in festen Gewichten balancierst. Der Effekt ist aber meiner Meinung nach signifikant größer, wenn man die Gewichtungen nicht starr sondern konsequent an fundamentalen Bewertungen ausrichtet. Hier solte man aber ein Regelwerk haben und das ist dann natürlich komplizierter. Das bringt sicher etwas mehr Rendite. Lass es mal 2-3% Überrrendite sein verglichen zum let it run Ansatz. Trotzdem siehst Du bei den Schwankungen im Markt nach einem Jahr nicht viel davon, aber auf Dein Anlegerleben gerechnet kann es der Unterschied zwischen schäbigen Einfamilienhaus und kleiner Villa sein. :rolleyes:

 

So wahnsinnig kompliziert muss das Regelwerk übrigens nicht sein. Das oben erwähnte Buch von Phil Demuth verfolgt den wohl gradlinigsten Ansatz dazu. Du kaufst einfach Aktien wenn KGV10 < 15 und sonst Anleihen (besser Ergebnisse hatten noch andere Fundamental-KPIs; der gleitende Durchschnitt über 15 Jahre ironischerweise den besten; Buch kann ich sehr empfehlen). Das ist sehr einfach und langfristig höchst effektiv. Allerdings ändert sich das Risikoprofil Deines Portfolios bei diesem Ansatz ständig und ohne Begrenzung.

 

Warum das so wenig Anleger machen? Vermutlich, weil Sie zu ungeduldig sind und unrealistisch hohe Renditeerwartungen haben. Auf kurze Sicht bringt der Ansatz schliesslich nur eine bescheidene Überrendite, die man unter all der Schwankung nicht wahrnehmen kann. Langfristig ist der Ansatz sicher besser als stumpfes Buy & Hold. Wenn man bedenkt, das die Realrendite von Langläufern historisch in 100 Jahren bei 1,8% liegt, dann besticht die Überlegenheit solcher keep-it-simple-Fundamentalansätze allerdings. Wenn man so will, muss man sich also erst in deutschen Sekundärtugenden (i.e. Geduld und Bescheidenheit) üben.

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Er kommt bei ähnlichen Ausgangsdaten zum dem Schluss, dass das KGV quasi keinePrognosefähigkeit für die Rendite der nächsten 12 Monate hat. Die Regression hierzu hat auch nur ein R2 von 0,03 was diesen Schluss nahelegt.

Allerdings gat das kgv10 eine sehr hohe Prognosekraft für die Renditeerwartung für die nächsten 15 Jahre.

Siehe dazu auch die obige Grafik mit den 20 Jahres Renditen.

 

Ich pers. halte daher die Kurzfristigen KGVs eher für unggeeignet ein rebalancing Modell zu steuern.

Dafür müsste das R2 wesentlich signifikanter sein.

 

... das deckt sich 100%-ig mit meinen Ergebnissen.

 

Und die kgv10 haben zwar auf 15 Jahre eine signifikante Aussagekraft, das rebalancing wird aber doch eher im Bereich um 1 Jahr erfolgen, was wohl auch hier zu keinem Vorteil führen wird.

Trotzdem siehst Du bei den Schwankungen im Markt nach einem Jahr nicht viel davon, aber auf Dein Anlegerleben gerechnet kann es der Unterschied zwischen schäbigen Einfamilienhaus und kleiner Villa sein. :rolleyes:

 

 

Ja, auf´s ganze Anlegerleben gerechnet mag das stimmen, aber mit 90 lebe ich wahrscheinlich nicht mehr und wenn, brauche ich dann keine Villa mehr...

 

Noch einen Aspekt finde ich beim Rebalancing interessant, der bislang nicht disktutiert wurde: wenn ich aus dem Abgeltungssteuerdepot Aktien verkaufe und Anleihen/FG/TG kaufe, schichte ich quasi von abgeltungssteuerfreien in abg.-steuerpflichtige Anlagen um. Der Effekt ist nicht zu vernachlässigen, zumindest nach meinem Bauchgefühl...

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Noch einen Aspekt finde ich beim Rebalancing interessant, der bislang nicht disktutiert wurde: wenn ich aus dem Abgeltungssteuerdepot Aktien verkaufe und Anleihen/FG/TG kaufe, schichte ich quasi von abgeltungssteuerfreien in abg.-steuerpflichtige Anlagen um.

 

Da gebe ich Dir recht. Das darf nicht passieren, denn das würde sich sicher nicht lohnen.

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Noch einen Aspekt finde ich beim Rebalancing interessant, der bislang nicht disktutiert wurde: wenn ich aus dem Abgeltungssteuerdepot Aktien verkaufe und Anleihen/FG/TG kaufe, schichte ich quasi von abgeltungssteuerfreien in abg.-steuerpflichtige Anlagen um.

 

Da gebe ich Dir recht. Das darf nicht passieren, denn das würde sich sicher nicht lohnen.

 

Deswegen verkaufe ich für ein Rebalancing keine Aktienfonds aus dem Abgeltungssteuerdepot. Meine Strategie: die Aktienfonds taste ich nicht an, frisches Geld kommt nur noch in TG/FG. Eine etwas höhere Aktienquote als geplant nehme ich derzeit in Kauf.

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Vorweg bitte ich um Entschuldigung für's Ausgraben dieses alten Threads.

 

Ich finde den Inhalt jedoch extrem interessant und heute wie damals sehr brauchbar.

 

Es ist vollbracht :w00t: . Ich habe nun eine Strategie für das Fundamentalbalancing meines Depots festgelegt.

Die RK1-3-Gewichtungen für mein Depot werden nun dynamisch auf Basis der KGVs, KBVs und der Zinsniveaus berechnet.

 

Die KGVs sind BIP-gewichtet und eine Mischung aus letztem Quartal und dem prognostizierten Jahresvorschauwert. Das Zinsniveau wird zur Zeit stark vereinfacht auf Basis der Rendite 10J-Staatsanleihen je zu 50% USA und 50% Deutschland gerechnet.

 

Mein Plan sieht eine ähnliche Vorgehensweise vor: kaufen wenn das (subjektive) Risiko die Börse über Maßen nach unten prügelt und das frisch hinzukommende Geld bei hohen Aktienbewertungen in die anderen Anlagevehikel fließen lassen.

 

Dein Modell sieht die KGVs/KBVs "der Aktien" vor.

Nun stehe ich vor dem Problem: welcher Aktien eigentlich?

Aktuell ist der US-Markt deutlich über dem durchschnittlichen KGV bewertet (vgl. hier den KGV10, der historisch um die 16 liegt und aktuell bei 24.4 steht).

Europa hingegen steht normal da (vgl. hier, Datenquelle unsicher).

Für EM/Pacific habe ich keine Datenquelle.

 

Theoretisch müssten den Grundüberlegungen nach selbst innerhalb von RK3 nun Europa höher und die USA niedriger gewichtet werden... wenn man das täte, würde man sich der Grenze zur aktiven Strategie jedoch noch weiter annähern und nebenbei die Grundallokation nach BIP/EW/Marktkapitalisierung aushebeln. Andererseits sind die developed markets sowieso extrem stark korreliert, was dafür spräche, eventuell in den "Überbewertungs-Indikator" eine Mischung aus der Bewertung von USA und Europa einzubauen. Ob das allerdings immernoch die Überrendite von 1-3% bringt oder man sich dadurch diese nicht eher wieder kaputt macht?

 

Alles nicht so einfach.

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Hallo,

jetzt wurde hier schon lange nichts mehr geschrieben, ich habe den Thread aber mit großem Interesse gelesen. Bärenbulle, verfolgst du die Strategie noch immer? Du erklärst Sie ja auf #31, aber so ganz (im Sinne eines Algorithmus den ich kopieren könnte - oder eben auch nicht) habe ich ihn noch nicht verstanden. Kannst du es nochmal beschreiben? Und der letzte Kommentar interessiert mich besonders:

 

 

Dein Modell sieht die KGVs/KBVs "der Aktien" vor.

Nun stehe ich vor dem Problem: welcher Aktien eigentlich?

Aktuell ist der US-Markt deutlich über dem durchschnittlichen KGV bewertet (vgl. hier den KGV10, der historisch um die 16 liegt und aktuell bei 24.4 steht).

Europa hingegen steht normal da (vgl. hier, Datenquelle unsicher).

Für EM/Pacific habe ich keine Datenquelle.

 

 

WIe gehst du also mit den unterschiedlichen KGVs in Abhängigkeit der Regionen um? Und macht es nicht in der Tat sinn - ja, wir hören natürlich auf irgendwann passiv zu sein - fundamentale Kritierien bei der Gewichtung von Regionen einzubeziehen und eben nicht allein BIP oder Marktkapitalisierung. Hoffe - auch wenn der Thread etwas älter ist, nochmal auf eine Antwort oder ein Hinweis, wo diese oder eine Ähnliche Diskussion weitergeführt wird. Danke!

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