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Carlos

Seadrill Ltd. Norwegen

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am-ph
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Seadrill war sicherlich nicht das Meisterstück von JF. Auf der Liste der reichsten Milliardäre ist er deshalb einige Zeilen nach unten gerutscht. Nicht die erste seiner Fehlinvestitionen. Als echter Wikinger kann er Niederlagen wegstecken. Kein Grund für Harakiri oder Seppuku. 

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Carlos
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Mit harakiri meinte ich seine Vorgehensweise. Ein Investment dieser Grössenordnung (mit mehr als 3.000 Mitarbeitern, viele namhafte andere Firmen sowie Kleinanleger, die in das blühende Unternehmen investiert haben) kann man nicht wie "Kasinospiel" leiten. Alleine, kann er mit seinem Geld machen was er will, aber hier war er ein "big player". Aus dem Grund bin ich seit Jahren ausgestiegen, trotz der damaligen (noch) grossen Rendite der Aktie.

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am-ph
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Beutezüge der Wikinger sind keine Spaziergänge; blutige Köpfe gibt es immer.

Aber Ernst beiseite: Die Firma macht eine Umschuldung, sie wird weiter existieren und auch einen Großteil der Mitarbeiter weiter beschäftigen. Einzig die Besitzverhältnisse ändern sich: Eigner werden enteignet, aus Gläubigern werden Eigner. Aber nicht nur Seadrill häutet sich, auch ein Großteil der Konkurrenz: Diamond Offshore, Noble und Valaris sind derzeit meines Wissens nach ebenfalls in der Umschuldung. Unter den großen Firmen ist Transocean der letzte Mohikaner; hoch verschuldet, aber nicht bankrott. 

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Carlos
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Gut analysiert, aber nach meinen Recherchen ist Seadrill bei weitem "höher leveraged", als die Konkurrenz! Sogar laufende Leasingraten sind nicht bezahlt worden, seit November 2020... Und Eines ist auch sicher: Derzeit werden Bohrtürme und -schiffe beiseite gelegt oder sogar verschrottet, dass es Einem weh tut! Mit anderen Worten, wem auch immer am Ende Seadrill rechtlich gesehen gehören wird, Änderungen am Markt wird das keine mit sich ziehen... Und Capex seitens der grossen Player sind derzeit gleich Null... 

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am-ph
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Gibt es denn schon einen Restrukturierungsplan für Seadrill?

 

Laut ihrer jeweiligen Webseiten gibt es solche für Diamond, Noble und Valaris. Ich bin gespannt, ob und wann diese drei Firmen mit ihren neuen Aktien an der Börse handelbar sein werden. 

 

Bezüglich Seadrill konnte ich keinen Plan finden. Es ist ja die zweite Insolvenz innerhalb kurzer Zeit. Die vorherige Umschuldung erfolgte im Sommer 2018. Meinst Du mit Deiner Bemerkung über höheren Hebel als die Konkurrenz die Firma in der Zeit zwischen Sommer 2018 und Februar 2021, also nach der ersten und vor der zweiten Insolvenz?

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Carlos
Posted · Edited by Carlos

Hallo,

 

Ich habe einen sehr umfassenden Bericht über die derzeitige Lage von Seadrill und allen angehängten "Partner" diese Tage gelesen, verfasst von Grant Creed, Chief Restructuring Officer von Seadrill Limited und an den Richter des texanischen Gerichthofs verfasst, der den neuen "Chapter 11"-Antrag analysiert. Das sind 71 Seiten, welche in einem pdf verfasst sind. Darin ist, sehr verkürzt, zu sagen dass unter den derzeitigen Umständen des "fast null" Capex der Ölunternehmen, der vorige Plan nicht tragbar ist und ein weiteres "deleveraging" notwendig sei (Schuldenabbau oder "debt takeback"). Das Problem ist, dass die Gläubiger in drei Gruppen zusammengefasst sind, soweit ich meine es verstanden zu haben: einmal diejenigen, welche an jedem einzelnen Projekt (sprich Plattform oder Bohrschiff) als Gläubiger gelistet sind, den sog. “Secured Credit Facilities” - welche in einem CoCom = Control Comittee vereint sind) und dann die Halter von Anleihen, einmal in einem sog. "Ad Hoc-Comittee" von weiteren SCF und schliesslich - ich zitiere - "an ad hoc group of holders of 12.00% senior secured notes due 2025 (the “NSN Group,” and together with the CoCom and the Ad Hoc Group, the “Secured Lenders”). Die während des Jahres 2020 geführten Verhandlungen haben zu keinem Erfolg geführt, da die jeweiligen Ansichten und der Wille zu weiterer Kooperierung unterschiedlich sind, und dann kommen noch obendrauf die Gläubiger der seit November  nicht bezahlten monatlichen "leasing rates" (darunter auch SFL). 

Und warum sind sich die Gläubiger nicht einig? Weil - wie dort offen gesagt wird - die Aussicht auf neue ertragsbringende Verträge derzeit praktisch gleich null ist, und obendrein die Leasingfirmen das Recht haben, von den derzeit arbeitenden Platformen oder Bohrschiffen einen Teil am jeweiligen Ertrag einzubehalten... was den "cash flow" des Unternehmens weiter schwächt. Aus dem Grund ist nun auch "Seadrill Partners" unter "Chapter 11" Gläubigerschutz getreten,,, 

PS: In Meinungen zur derzeitigen Lage von Seadrill habe ich auch gelesen, dass "andere Umstände" die Vergabe von den wenigen neuen Verträgen, welche derzeit vergeben werden, eher an Noble, Transocean, usw. gehen, als an Seadrill... was mich null wundert...

 

178046586023-rep-1402011234.pdf

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Dandy
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Zur derzeitigen Lage von Seadrill kann ich nichts beisteuern, aber wenn es darum geht, welche (teuren) Lehren ich aus der Sache gezogen habe: Ich vermeide künftig Unternehmen aus zyklischen Branchen, die hohe Kapitalaufwendungen haben, sich dabei hoch verschulden und mit den Gewinnen auch noch Dividenden auszahlen, statt die Schulden abzuzahlen. Das ist letztlich die toxische Kombination, die bei Seadrill am Start war. Früher oder später musste das schiefgehen und das kann man durchaus als Harakiri bezeichnen und Fredriksen hat da maßgeblich seine Finger im Spiel gehabt (und selbst auch dafür geblutet).

 

Es war für mich zwar nicht absehbar (oder auch nur zu erwarten), dass der Ölpreis so dermaßen einstürzen würde wie es 2015 der Fall war, aber größere Schwankungen im Ölpreis sind nun mal nichts neues und ein Unternehmen wie Seadrill war eben als eines der ersten fällig. Natürlich ist die gesamte Branche der Tiefseebohrer betroffen gewesen, weil sie in einem Bereich mit relativ hohen Förderkosten tätig sind. Dass Fracking so einen Durchbruch erlangen würde, hatte ich auch nicht erwartet, kam aber dennoch nicht ganz unangekündigt. 

 

Bei Investments, die direkt oder indirekt mit Rohstoffen zu tun haben, gilt für mich seitdem Kostenführerschaft als das ultimative Kriterium. Daneben sollte das Unternehmen eine solide Bilanz haben und Gewinne vorrangig für Investitionen statt für Ausschüttungen einsetzen. Dann kann man die Zyklik des Sektors auch verkraften. Eine brauchbare Diversifikation seitens der Rohstoffe ist auch wichtig, da deren Zyklen häufig nicht vollkommen korreliert sind. Solche Unternehmen gibt es (ich würde mal als Beispiel BHP Billiton nennen), aber Seadrill gehörte eben absolut nicht dazu. 

 

Ich hatte mich von der Euphorie ob der sagenhaft hohen Dividende hier im Forum mitreißen lassen (was keine Schuldzuweisung an irgendjemanden darstellen soll). Ich bin aber, im Nachhinein betrachtet, schon verwundert, wie der Punkt mit der massiven Verschuldung, in Verbindung mit der hohen Ausschüttung bei einem Unternehmen in einer zyklischen Branche und mit hoher Kapitalintensität, auch gerade von absoluten Kennern der Branche schlicht bei Seite gewischt wurde (nach dem Motto: Ist doch alles bekannt). 

 

Zwar war es ein schmerzhafter Totalausfall, aber im Kontext meines Gesamtportfolios dennoch gut verkraftbar, womit die nächste wertvolle Lektion eine altbekannte ist: Niemals alle Eier in einen Korb.

 

Um es etwas anders zu formulieren: Bevor man sich an die kleinsten Details eines Unternehmens heranwagt, sollte man erst einmal versuchen, die Natur des Sektors, dessen Zyklik und Kapitaleinsatz, zu verstehen und sich von dort aus überlegen, welche Unternehmen langfristig wohl bestehen können. Letztlich hat Seadrill ja nur teure Schiffe und Plattformen gekauft und eingesetzt (wofür es natürlich immer noch viel Know-How benötigt hat). Das reicht in so einem harten Geschäft wie der Ölförderung einfach nicht. Da kann Seadrill noch so toll Löcher in der Tiefsee bohren, wenn es hart auf hart kommt, dann fördert Saudi-Aramco halt munter weiter, währen die teuren Förderer und deren Dienstleister allesamt über die Wupper gehen. Genau das ist hier passiert und Seadrill stand ganz am Anfang dieses Konsolidierungsprozess. Von solchen Invests halte ich mich in Zukunft fern, ganz einfach.

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Carlos
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Ha... Voll und ganz zu verstehen... und natürlich eine der Strategieen des Investments. Ich kannte schon 2008 die Geschichte des Unternehmens - dank dieses Forums hier und auch eines amerikanischen, und habe seit dem Börsencrash 2008 sehr genau beobachtet, was mit der Ölbranche so vor sich ging und entsprechend gehandelt. Das "Cracking"-Geschäft habe ich selbstverständlich so mit einem Auge mitverfolgt, und als die Notierung von SDRL so um die € 32 war, bin ich ausgestiegen. Gerade weil ich von vornherein wusste, dass dem Fredriksen (als Manager) nicht zu trauen wäre. Warum hat er so phantasiebehaftete, regelmässige Gewinnbeteiligungen ausgeschüttet? Um als Erster sein Bankkonto zu füllen, und zwar auf Kosten der Gläubiger des Unternehmens. Das war alles bekannt, und dann habe ich - ganz ehrlich gesagt! - auf einmal "so ein komisches Gefühl gehabt"...  Es konnte einfach nicht immer so weiterlaufen, also... Bremse ziehen, solange es noch so schön rosig war...  

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reuten
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Hi zusammen,

Ich kram Seadrill noch mal raus. Ich hab mich mit Seadrill leider auch in die Nesseln gesetzt.

Ich habe noch 2 Aktien (ISIN BMG7998G1069) im Depot und wollt mal fragen wie hoch ihr Chancen einschätzt, dass die Aktie irgendwann noch mal an Wert gewinnt. Mal abgesehen davon, wie die Zukunft von Öl aussieht. Ist es überhaupt theoretisch möglich?

Beim aktuellen Kurs kostet der Verkauf mehr als sie Wert ist. Daher habe ich sie nach wie vor.

 

Gruß

 

 

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Dandy
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Realisiere die Verluste und schau, dass du sie möglichst vollständig mit Gewinnen verrechnen lassen kannst. Seadrill gehört jetzt den Fremdkapitalgebern.

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reuten
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Hi Dandy,

Danke für die schnelle Antwort!

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