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Sapine

Die finanzielle Planung als Privatier

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Sapine
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Zur Diskussion bitte hier entlang --> Diskussion

 

Wie viele hier im Forum habe ich mich schon länger mit dem Gedanken beschäftigt mittels eines gut gefüllten Depots früher in Rente zu gehen. Der eine oder andere wird es auch schon mitbekommen haben, dass ich im Juli diesen Jahres den Schritt gewagt habe und meinen Job an den Nagel gehängt habe. Gründe gab es viele, gute und auch weniger gute. Aber dazu will ich mich hier nicht groß vertiefen. Mit diesem Faden geht es mir darum darzustellen, wie man die Entnahmephase gestalten kann. Bevor ich das genauer vorstelle erst mal die Eckdaten, damit man das ganze halbwegs einsortieren kann.

 

Alter 57

Jahre bis zur gesetzlichen Rente: 10

Risikobereitschaft hoch

Risikotragfähigkeit mittelhoch

 

Einnahmeseite:

Zusätzlich zum Depot gibt es laufende Einnahmen aus einer auflebenden Witwenrente (so richtig erst ab nächstem Jahr) und Mieteinnahmen aus einer vermieteten Eigentumswohnung. Beides zusammen reicht, um oberhalb von Hartz IV Niveau zu landen. Es bleibt bis zu meiner eigenen Altersrente eine nicht unerhebliche Lücke zu den geplanten Ausgaben. Mit 65 werde ich eine Kapitalabfindung aus einer Betriebsrente bekommen. Ab 67 werde ich neben der eigenen gesetzlichen Rente noch eine kleine Betriebsrente erhalten. In den nächsten Jahren wird vermutlich in geringem Umfang ein kleines Zusatzeinkommen aus meinem Hobby kommen, aber fest einplanen will ich das nicht, da ich mir maximale Freiheit erhalten möchte. Last but not least wohne ich mietfrei im Eigenheim.

 

Ausgabenseite:

Ich möchte mich nicht groß einschränken und gönne mir schon dies und das wenn mir der Sinn danach steht. Dabei sind meine Wünsche mehr ausgerichtet auf ein komfortables Leben als auf großen Luxus oder Statussymbole. Gelegentliche Reisen gehören aber zweifellos dazu. Ich plane derzeit knapp 2500 Euro pro Monat, um das meinen Wünschen entsprechend zu gestalten. Ob das realistisch ist, wird sich in den nächsten Jahren herausstellen.

 

Die aktuelle Situation:

Zur genauen Zusammensetzung meines Vermögens siehe Das Ewigkeitsdepot und was draus geworden ist. Dort gebe ich in unregelmäßigen Abständen ein update.

Das Depot selbst besteht zum größten Teil aus steuerlichen Altanlagen, weswegen ich aktuell nur wenig an der Zusammensetzung ändere. Die Ausschüttungsquote liegt unterhalb von 2 %. RK1 ist bei mir stark unterdurchschnittlich vertreten, dafür habe ich neben der selbst genutzten Immobilie noch eine Eigentumswohnung.

 

Anlageziel:

Es soll aus dem Depot ein Zusatzeinkommen generiert werden, das über die Jahre möglichst stärker als die Inflation wächst. Das Vermögen soll mit geringen Einschränkungen real erhalten bleiben und später vererbt werden. Mittelfristig möchte ich die Ausschüttungsquote im Depot anheben, um später nicht permanent Anteile verkaufen zu müssen. Besonders wichtig ist mir die Sicherheit, dass das Kapital nicht am Tag X aufgebraucht sein könnte.

 

Vorüberlegungen

In vielen Artikeln zum "nest egg" wird oft angeraten, mit Entnahmeraten von 4 % und mehr zu starten. Einige kommen zu dem Ergebnis, dass dies je nach Zusammensetzung des Vermögens und der Restlebensdauer dazu führt, dass das Geld irgendwann zu Ende sein könnte. Grundsätzlich wird das Vermögen bei einer hohen Entnahme real und oft auch nominal schrumpfen. Die aktuell niedrigen Zinsen werden das Problem noch verschärfen. Dadurch, dass ich noch früher aufhöre zu arbeiten steigt das Risiko weiter. Die Vorstellung von so einem Szenario ist recht unangenehm.

 

Fasziniert hat mich die Lektüre einer Arbeit, die unter anderem die Realisierung variabler Auszahlungen berücksichtigt hat. Mit variablen Auszahlungen lässt sich das Risiko auf null reduzieren, dass das Kapital nicht reicht. Die Kehrseite sind schwankende statt fixer Auszahlungen. Wenn man gleichzeitig die Auszahlungsquote niedrig genug wählt, ist ein realer Kapitalerhalt möglich. Ein anderes Thema über das ich immer wieder gestolpert bin ist die optimale Risikozusammensetzung des Depots im Alter. Entgegen der allgemeinen Daumenregel, im Alter die Aktienquote drastisch abzusenken, kommen wissenschaftliche Untersuchungen häufig zu dem Ergebnis, dass man die besten Ergebnisse erzielt mit Aktienquoten von 50 - 80 % auch im Alter. Da ich ohnehin wenig Probleme mit schwankendem Vermögen habe, ist das nichts was mich ängstigt. Die zusätzliche Renditechance bei einer Restanlagedauer von möglicherweise 30 Jahren oder mehr wird mir oder meinen Erben später zu gute kommen.

 

Erster Lösungsansatz

Wie könnte eine optimale Entnahmequote aussehen? Dazu habe ich mich einfach an historischen Renditen orientiert. In einem Depot mit hoher Aktienquote waren Renditen von 7 % p.a. vor Steuern auf lange Sicht drin. In meinen Überlegungen gehe ich jetzt von 6-7 % aus und freue mich, wenn es mehr wird, aber es wird mich nicht umbringen wenn es weniger sein wird. Sofern die steuerliche Situation bleibt wie sie ist, kann man mit einer Dividendenstrategie erreichen, dass lediglich die Dividenden zu versteuern sind. Die ggf. im Wert gestiegenen Aktien müssten erst dann versteuert werden, wenn man sie verkauft. In meinem Fall ist es für die Altanlagen sogar noch günstiger, weil überhaupt keine Steuern auf Wertsteigerungen anfallen werden. Die Rendite könnte sich wie folgt aufteilen:

6-7 % Rendite vor Steuern, davon steuerpflichtig 2 %

0,5 % Abzug für Steuern (eventuell auch weniger, da jetzt niedriges Einkommen)

3 % Maximale Entnahme pro Jahr

2,5-3,5 % Inflationsausgleich verbleibt im Depot

 

Dieses langfristige Ziel von 6-7 % ist nur mit hoher Aktienquote realisierbar. Die Gesamtaktienquote am frei verfügbaren Vermögen lag zuletzt bei 75 %, innerhalb des Depots aber deutlich über 90 %. Mittelfristig will ich sie absenken in einen Korridor von 70-100 % um gemäß meiner jeweiligen Markteinschätzung Risiko rauszunehmen oder zu erhöhen. Aber das wird noch etwas dauern, da ich mich entschieden habe, den Altfallstatus nicht aufzugeben. Mit diesen Vorgaben erscheint mir eine Entnahmerate in Höhe von 3 % machbar zu sein. Diese Entnahme werde ich im weiteren als die Depot Rente bezeichnen.

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Sapine
Posted · Edited by Sapine

Phase 1 - Die Zeit bis zur eigenen Rente

Für die Zeit bis zur eigenen Altersrente wird mir die Depot Rente nicht ausreichen. Um den zusätzlichen Bedarf zu decken werde ich einen teilweisen Kapitalverzehr vornehmen. Die Gelder hierfür werden teils aus dem Depot kommen, teils über die Rückzahlung eines Privatkredits und mit 65 schließlich aus der Auszahlung meiner einen Betriebsrente. Die Höhe der Beträge erhöht sich stufenweise in den nächsten Jahren, um einen Inflationsausgleich zu schaffen.


  1.  
  2. Depot Rente
  3. Kapitalverzehr

 

Phase 2 - Die Zeit von 67 bis 80

Ab jetzt sollte das Altdepot unter Schwankungen jährlich um 2,5 bis 3,5 % steigen und den Inflationsausgleich sicherstellen. Mit etwas Glück gelingt es mir sogar, die Inflation zu überkompensieren.


  •  
  • Depot Rente

 

Phase 3 - Die Zeit ab 80

Das was ich jetzt in der Übergangsphase mache, darf und will ich mir mit 80+ nicht mehr zumuten. Dann muss das Depot so organisiert sein, dass die Ausschüttungen in ausreichender Höhe von alleine kommen. Ggf. kann zur Abdeckung des Pflegerisikos ab dem Zeitpunkt auch ein Teil in eine Sofortrente gehen. Das dient zum Schutz vor den Folgen der im fortgeschrittenem Alter (80+) möglicherweise einsetzenden Senilität einerseits und vor betrügerischen Menschen andererseits.


  •  
  • Pflegeleichte Depot Rente
  • Sofortrente

 

Die Depot Rente und der Liquiditätspuffer

Da man schlecht jeden Monat eine bestimmte Menge an Aktien verkaufen möchte, um beim Bäcker Brötchen zu kaufen, werde ich einen Liquiditätspuffer verwenden, aus dem die monatlichen Zahlungen erfolgen. Das funktioniert in einer Mischung aus Markettiming und Etappenstrategie. Während die Etappenstrategie in recht großen Abständen Teile des Depots liquidiert und auch in festgelegter Höhe, werde ich es wohl häufiger machen und in schwankender Höhe. Der Liquiditätspuffer soll in Abhängigkeit von der Marktsituation aufgefüllt werden. Dazu werde ich neben meinem Bauchgefühl den kürzlich bei Onassis vorgestellten Gier-Index verwenden. Der Puffer soll ausreichen um mindestens 3 Monatsentnahmen abzudecken und maximal 12 Monate. Desto höher die Börse steht, desto voller sollte der Puffer sein, damit ich eventuelle Rücksetzer länger aussitzen kann. Auf diese Weise sinkt das Risiko, bei niedrigen Kursen verkaufen zu müssen. Tatsächlich wird ein voll gefüllter Puffer länger als 12 Monate halten, da er über die Ausschüttungen zusätzlich gefüllt wird. Gleichzeitig ist er ein Instrument um das Depot antizyklisch abzupuffern.

 

In welcher Frequenz ich verkaufen werde, habe ich noch nicht festgelegt, aber ich schätze im Schnitt wird einmal im Quartal hinkommen. Da ich aktuell ausländische Thesaurierer über die Fondsgesellschaft zurück gebe, sind Spesen dabei kein Thema, aber das kann sich noch ändern. Bisher habe ich einmal im Juli verkauft und einmal im November.

 

Die Depot Rente und das fiktive Sparschwein

Da man ja nicht immer alles Geld gleich und komplett benötigt, habe ich ein fiktives Sparschwein vorgesehen. Statt die 3 % auf 12 Monate zu verteilen, gibt es jeden Monat nur 0,2 %. Die verbleibenden 0,6 % bleiben im Sparschwein um besondere oder unvorhergesehene Ausgaben abzudecken. Nicht verbrauchte Teile können ins Folgejahr übernommen werden. Gleiches gilt für nicht verbrauchte Monatsbeträge. Das Sparschwein wird immer in % des Depotwertes geführt. Bei steigendem Depot wird es also mehr wert und bei Kurseinbrüchen kann es an Wert verlieren.

 

Rentenermittlung und Wert des Sparschweins

Immer wenn ein Verkauf stattfindet, wird die Depot Rente und der Wert des Sparschweins neu ermittelt. Dazu mache ich einen Kassensturz und schaue was genau an Werten vorhanden ist. Vom Depotwert (incl. Tagesgeld) ziehe ich den verbleibenden Kapitalbedarf für den Aufstockungsbetrag mit Kapitalverzehr ab. Von diesem Restwert kann ich 0,2 % als Depot Rente auszahlen. Der Restwert ist aber auch maßgeblich dafür, welchen Betrag ich aus dem Sparschwein entnehmen könnte, ohne über meine Verhältnisse zu leben. Über die Entwicklung der Depot Rente beabsichtige ich hier zu berichten. Dann kann sich jeder einen Eindruck verschaffen, wie stark die Einnahmen schwanken werden. Im Vergleich zum Juli habe ich ab Dezember eine geringfügige Steigerung, aber das sagt ja noch gar nichts.

 

EDIT: Phase 3 ergänzt

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Sapine
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Musterrechnung

Die Musterrechnung zeigt eine fiktive Depotgröße von 300.000 Euro. Die übrigen Relationen entsprechen der Realität insbesondere die Wertentwicklung. Die Schritte sind eigentlich simpel

 

Schritt 1) Kassensturz -> Depotstand incl. Liquiditätspuffer ermitteln

Schritt 2) Depotstand um Kapitalbedarf für die restliche Überbrückungszeit bereinigen

Schritt 3) Depotrente aus dem Depotrestwert berechnen (0,2 % pro Monat + 0,6 % Sparschwein)

Schritt 4) Aus den tatsächlichen Entnahmen und den geplanten Entnahmen die Jahresreserve und den Spartopf berechnen.

 

Da ich in den ersten Monaten mit dem Modell und der Rentenhöhe noch am experimentieren war, entspricht die tatsächliche Entnahme nicht der geplanten Entnahme. Teilweise liegt es aber auch daran, dass ich keine Lust auf Überweisungen mit krummen Zahlen habe, da wird großzügig abgerundet bisher. Im Ergebnis ist der Spartopf größer als geplant, könnte aber zu Weihnachten noch etwas bluten müssen.

Die Inflationsrate ist meine langfristige Benchmark, die ich mit der Entwicklung des Depots schlagen will. Gegenüber dem Ausgangswert vom Juli ist der Depotwert und damit die Depotrente nach Entnahme und Steuer um 0,9 % gestiegen und liegt nach 5 Monaten knapp unter der bisherigen Jahresinflationsrate für 2014.

 

Aktuell bin ich noch auf der Suche nach Daten zur Inflationsrate auf Monatsbasis (falls jemand eine kennt) für eine spätere grafische Aufbereitung (wurde gefunden, Dank an Licuala und vanity).

 

Das Liquiditätspolster ist mit gut 2 % vom Restdepotwert relativ hoch und wird zusammen mit Kapitalzuflüssen bis in den Herbst 2015 reichen.

 

Weiter zu den Lesehinweisen --> klick

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Sapine
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Lesehinweise

Was jetzt noch fehlt sind ein paar Lesehinweise.

 

Hier schon mal zwei Links vorab

Die Etappenstrategie (Quelle Vermögenszentrum)

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Die Glidepath Illusion

Am 23.11.2014 um 16:53 von Sapine:

Schöner Artikel, wobei mir die fixe Allokation 80/20 fehlt. Aber eigentlich ist es logisch, dass die höheren Renditechancen in den Jahren am meisten bringen, in denen das Kapital am größten ist. Deshalb bin ich ja unter anderem ein starker Gegner davon, die Aktienquote im Alter stark abzusenken.

 

Für die, die den Artikeln nicht gelesen haben:

Es wurden drei Szenarien gegenübergestellt und für verschiedene 41-Jahreszyklen ausgerechnet was ein fiktiver Sparer an Alterskapital ansparen würde.

Variante 1: 80 % Aktien am Anfang 20 % am Ende der Ansparzeit

Variante 2: 50/50 fix

Vairante 3: 20 % Aktien am Anfang 80 % am Ende (Contrarian)

Ergebnis: Variante 3 bringt die höchsten Ergebnisse, ohne im schlechten Fall deutlich schlechter zu sein als die risikoarmen Varianten.

 

Dann machen sie noch eine zweite Berechnung, bei der sie davon ausgehen, dass die Zinsen deutlich niedriger sind als in der Vergangenheit, auch da fast die gleichen Ergebnisse, nur natürlich deutlich niedrigere Renditen am Ende. Aber auch da war die konträre Vorgehensweise besser als die "normale".

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EDITH: Ergänzung weiterer Lesetipps

 

Am 25.4.2014 um 20:21 von Sapine:

Es gibt verschiedene mehr oder weniger komplexe Modelle von Entnahmeplänen, wie z.B. die Etappenstrategie oder dynamische Entnahmen. Hier ein paar Fäden, die ich auf die schnelle gefunden habe, die sich mit dem Thema beschäftigen. Als Startpunkt zum Lesen sicher geeignet.

 

Vorruhestand aus Kapitalerträgen finanzieren

Passive Anlagestrategie für den Ruhestand - Konkrete Aufteilung

Risikoarmes Depot fuer's Alter

Raimond Maurer, Ivica Dus:Leibrenten und/oder Entnahmepläne

 

Optimaler Aktienanteil im Lebenszyklus

Finanzplanung im Ruhestand

Trinity study update

An Efficient Frontier for Retirement Income Wade D. Pfau

Wade Pfau's Retirement Researcher Blog

Zum Thema bei den Frugalisten

Hybrid Rules (Mischung aus variabler und fixer Entnahme) und Moving average rules (Entnahme nach gleitendem Durchschnitt) 

Dividendenentwicklung des S&P langfristig

 

Ein schönes Spielzeug zur Monte-Carlo-Simulation 

 

Sollte jemand weiteren Lesestoff kennen, hänge ich das gerne dran.

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Sapine
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Ergänzung konzeptioneller Punkte aus den Diskussionen:

 

Unabhängig davon bin ich kein Anhänger einer fixen Allokation. Ich bin überzeugt davon, dass in verschiedene Marktsituationen unterschiedliche Aufteilungen sinnvoll sind. In einer Überhitzungsphase wie 1999 will ich keine 100 % Aktienquote fahren, aber zu Zeiten wie 2008 darf die Aktienquote am oberen Anschlag liegen. Entscheidungen dieser Art habe ich immer aus dem Bauch heraus getroffen und bin damit nicht schlecht gefahren, allerdings habe ich auch niemals all-out betrieben, sehr wohl aber all-in und drüber hinaus. Wenn ich könnte wie ich wollte würde ich im ersten Schritt festlegen wo im Zielkorridor von 70-100 % Aktienanteil ich im aktuellen Marktumfeld fahren möchte und würde dann entsprechend umschichten. Zur Beurteilung des Marktumfelds gehen Parameter ein, wie Shiller KGV, Dauer der laufenden Hausse (sofern keine Baisse) aktuelle Krisensituationen und deren Bewertung und nicht zuletzt die Zinssituation. Es geht dabei um eine Abwägung von Chancen und Risiken, die in jeder Situation einfach sehr unterschiedlich ausfallen können. Meinetwegen nenn es Bauchentscheidungen, für mich sind das Entscheidungen in ungewissen Situationen, bei denen man durch Anwendung von strikten Regeln der Situation nicht gerecht wird. 2013 habe ich etwa beschlossen, deutlich Risiko rauszunehmen aus meiner Gesamtallokation, als ich 7 % des Depots versilbert habe, um eine Resthypothek abzulösen. Diese Entscheidung war nicht zuletzt auch davon getragen, dass sich das Chance/Risiko Profil an den Börsen meiner Einschätzung nach verschlechtert hat gegenüber den Jahren zuvor. Für Leute, die sich lieber streng nach Formeln ausrichten ist das freilich viel zu vage. Aber ich denke das ist auch eine Frage davon was einem liegt und was man kann.

Gedanken und Lesestoff zu dem Thema siehe Variable Asset Allokation und Rebalancing

 

Michael Kitces considered the valuation effect alone by testing both optimal asset allocations and safe withdrawal rates based on Shiller’s P/E 10. He concluded 4.5% for P/E 10 above 20, 5.0% when P/E 10 is between 12 and 20, and 5.5% when P/E 10 is below 12 were all safe.
Are Safe Withdrawal Rates Really Safe?

Neben dem Shiller KGV sind Zinsniveau und Inflationsrate entscheidend für die maximal verkraftbare Entnahmerate.

 

 

Ergänzung der Phase 3 80+

 

Bewertung des Kapitalverzehrs und Durationsmatching

Die eigentliche Zeitdauer für den Kapitalverzehr läuft noch 8 Jahre, denn mit 65 bekomme ich die erste betriebliche Altersvorsorge in Form einer Kapitalleistung ausgezahlt. Du hast zweifellos recht, dass ich diesen Bedarf der nächsten Jahre (ca. 1/3 des aktuellen Monatsbedarfs) als Barwert berechnen müsste. Das habe ich mir bewusst erspart bzw. berechne den Barwert mit einem Zinssatz von 0 %. Für mich ist das einfach ein weiterer Sicherheitspuffer, den ich nicht gesondert rausrechne. D.h. wenn ich mit dem für den Kapitalverzehr vorgesehenen Teil des Geldes eine Nullrendite erziele, habe ich noch nichts verloren in meinem Modell. Bei einer Negativrendite hätte ich mich verzockt und müsste es mit einer niedrigeren Depot Rente bezahlen. Die Wahrscheinlichkeit für letzteres schätze ich als gering ein.

 

Was die Zeit ab 67 angeht (2,4 % für die monatliche Depot Rente + 0,6 % für das Sparschwein) soll dann eigentlich nur noch die Rendite nach Steuern und Inflation abgegriffen werden. Natürlich wäre es ideal, wenn das Depot genau diese 3 % p.a. als Nettoausschüttung abwerfen würde. Ich bedaure es rückblickend, dass ich 2008 nicht schon daran gedacht habe. Du siehst aber, dass sich das Problem des Mismatch von der Größenordnung her drastisch reduziert. Ich gehe davon aus, dass es mir durch gezielte Verkäufe in den nächsten 8 Jahren zusammen mit dem frischen Geld aus der betrieblichen Altersvorsorge gelingen wird, die Ausschüttungsquote anzuheben, um möglichst die laufenden Monatszahlungen in Match zu bringen (Schwankungen innerhalb eines Jahres ignoriere ich). Danach wird es Verkäufe eigentlich nur noch geben, wenn besondere Ausgaben anstehen und das Sparschwein erleichtert wird. Diese Ausgaben sind lediglich teilweise planbar bezüglich eines Durationsmatchings. Natürlich ist es denkbar, dass in einer tiefen Wirtschaftskrise die Ausschüttungen sinken und die Lücke zumindest zeitweise größer wird. Genauso ist aber auch denkbar, dass das Depot stärker wächst als die Inflation, das wäre meine Erwartung. Am Ende bleibt immer noch ein wenig Spekulation übrig, aber ich glaube mir würde auch was fehlen, wenn dem nicht so wäre.

 

Offener Punkt: Cash-Flow Übersicht

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Sapine
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Update da der Liquiditätspuffer früher als geplant aufgebraucht ist. Die Daten für den Inflationsindex übernehme ich von der Deutschen Bundesbank

 

Die monatliche Depotrente steigt dank positivem Börsenumfeld deutlich schneller als die derzeit auf der Stelle tretende Inflation.

 

Der Depotwert und die Monatsrente sind fiktiv, der Rest real.

 

Zur Diskussion geht es hier lang --> klick

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Sapine
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Nachdem Depotwert und Depotrente auseinander driften habe ich mich zu folgender Regeländerung entschieden

 

Zukünftige Anpassung der Depotrente

Die Depotrente wird zukünftig angepasst, wenn eine Entnahme ansteht oder am Jahresende, wenn die letzte Entnahme mindestens 11 Monate her ist. Die Erhöhung wird gleichzeitig gedeckelt, um zu rasante Erhöhungen zu vermeiden. Erhöhungen von mehr als 10 % sind zulässig bis zum Wiedererreichen einer durch einen Bärenmarkt reduzierten Depotrente. Bei Inflationsraten über 5 % darf die Depotrente maximal um die doppelte Inflationsrate angehoben werden. 

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Sapine
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Vereinfachung des Systems 

Auf eine kleinteilige Berechnung von Depotrente und Spartopf verzichte ich mittlerweile wegen der erfreulichen Entwicklung des Depots. Die Phase des teilweisen Kapitalverzehrs läuft noch 3,5 Jahre, wobei der Bedarf für das letzte Jahr durch eine betriebliche Altersversorgung überkompensiert wird. Die Regeln zur Erhöhung der Depotrente gelten wie 2017 definiert. Die Rente selbst wird aus dem Liquiditätspuffer entnommen. Der Börseneinbruch 2018 hatte auf die Depotrente Anfang 2019 keinen Einfluss, weil der Puffer bis Ende 2019 gereicht hat. 

 

Kleine Erbschaft

Diese lief 2017 in den Liquiditätspuffer, wodurch die Depotrente Anfang 2018 gestiegen ist. Als Gegenpol zu dem doch sehr Aktien betonten Depot habe ich freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung geleistet. Einen Teil habe ich in Form von einem Auto konsumiert.

 

Wegfall der Mieteinnahmen

Statt dem Haus habe ich mich entschieden, die Wohnung zu verkaufen und das Haus umzugestalten. Die Investition in die Wohnung hat sich dank des Immobilienbooms gut entwickelt. Ich werde das Depot aufstocken und ein Teil geht in den Liquiditätspuffer. Die dadurch steigende Depotrente muss die fehlenden Mieteinnahmen kompensieren. Bis zu einem Drittel ist für Renovierung/Umbau vorgesehen und ein wenig will ich auch noch in die Rentenversicherung einzahlen. Insgesamt wird meine Ausrichtung also eher noch risikofreudiger als bisher. 

 

Änderung der Besteuerung von Investmentfonds

Dies wird mittelfristig die Wertsteigerungen im Fondsbereich betreffen. Der Freibetrag wird nicht lange reichen.

 

Bei dem folgenden Bild zeigen die blauen Balken die Entwicklung der Depotrente zum Jahresanfang. Hierzu im Vergleich die maximal zulässige Depotrente und die Entwicklung einer Rente mit reinem Inflationsausgleich.  

 

2019-12-Depotrente.PNG

 

Diskussionsbeiträge bitte hier --> 

 

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