Bewährte Anlagestrategien in der Krise?

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Hallo zusammen,

 

mich treibt seit einiger Zeit eine Frage um, auf die ich leider noch keine befriedigende Antwort gefunden habe.

 

Konkret geht es um eine Strategie im Fall eines Börsencrash, wie etwa 2008 oder 2001 nach 9/11. Damals sind Aktienwerte zwischen 50-80% eingebrochen. Vom Einbruch 2001 haben sich viele Aktien nie wieder erholt. Nach 2008 dauerte es bis zu 5 Jahre, bis die ursprünglichen Kurse wieder erreicht waren. Eine Buy und Hold-Strategie erscheint aus dieser Sicht etwas ungünstig.

 

Mein Depot ist hauptsächlich dividendenorientiert mit breiter Streuung. D.h. ich halte Aktien wie AT&T oder Shell sowie weltweite Aktienfonds mit mindestens halbjährlicher Dividendenausschüttung. Kein Titel hat mehr als 5% der Gesamtdepotsumme.

 

Nach einiger Recherche bin ich auf die Trendfolgestrategie von Meb Faber gestossen, die sich an einer 200-Tage-Linie orientiert. Unterschreitet der aktuelle Kurs diese Linie, dann ist das ein Verkaufssignal, und umgekehrt. 2008 hätte sich so ein deutlich niedrigerer Depotverlust wie mit Buy&Hold ergeben. Oder ist es besser bei Eintreffen bestimmter Indikatoren alles zu verkaufen und auf 90% Cash zu setzen?

 

Gibt es andere Alternativen bzw. Strategien?

 

Danke & Grüße, rhodes 

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vor 24 Minuten von rhodes:

Nach einiger Recherche bin ich auf die Trendfolgestrategie von Meb Faber gestossen, die sich an einer 200-Tage-Linie orientiert. Unterschreitet der aktuelle Kurs diese Linie, dann ist das ein Verkaufssignal, und umgekehrt. 2008 hätte sich so ein deutlich niedrigerer Depotverlust wie mit Buy&Hold ergeben. Oder ist es besser bei Eintreffen bestimmter Indikatoren alles zu verkaufen und auf 90% Cash zu setzen?

 

Gibt es andere Alternativen bzw. Strategien?

 

Danke & Grüße, rhodes 

Und welche Indikatoren sind das?

Und was sagen die Stand heute?

Was sagen die zum 1.7.2016? Wie sah der Backtest 2000  und 1987? 

Würde es etwas geben...  würde es funktionieren...  würde es eben aus denselben Gründen nicht mehr funktionieren. Das ist ein Paradoxon. 

Stell dich auf die Seitenlinie, bleib investiert, Time the Market... Mach wonach dir steht. Rückblickend kann man sicherlich Indikatoren finden. Aber in die Zukunft schauen kann eben keiner. Das bedarf einfach dann ner Menge Glück. 

 

Viel Erfolg 

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vor 45 Minuten von rhodes:

Mein Depot ist hauptsächlich dividendenorientiert mit breiter Streuung.

Das Ziel einer Dividendenstrategie ist es doch, einen regelmäßigen Cashflow zu liefern, oder? Dann sollte dein primäres Ziel nicht sein, Kursrückgänge zu vermeiden, sondern diesen Cashflow zu steigern - und dazu sind Nachkäufe während einer Krise eine ideale Gelegenheit.

Ein Problem wäre es nur, wenn die Dividenden im Zuge der Krise gekürzt oder gestrichen werden; das wären dann Verkaufskandidaten.

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Posted · Edited by sedativ

Und falls irgendwelche Indikatoren gefunden werden sollten, müsste das Ganze auch noch um die gezahlten Steuern bei den Verkäufen bereinigt werden (z.Z. 26%). Insbesondere in Zeiten der "Überbewertung" sind diese naturgemäß sehr hoch...

 

Edit: Bei Buy & Hold spart man sich diese Verkaufssteuern, kann aber ein Limit für Käufe setzen  (z.B. Käufe nur unterhalb eines bestimmten KGV, KCV, o.ä.)

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vor 1 Stunde von Bassinus:

Und welche Indikatoren sind das?

Und was sagen die Stand heute?

Was sagen die zum 1.7.2016? Wie sah der Backtest 2000  und 1987? 

Würde es etwas geben...  würde es funktionieren...  würde es eben aus denselben Gründen nicht mehr funktionieren. Das ist ein Paradoxon. 

Stell dich auf die Seitenlinie, bleib investiert, Time the Market... Mach wonach dir steht. Rückblickend kann man sicherlich Indikatoren finden. Aber in die Zukunft schauen kann eben keiner. Das bedarf einfach dann ner Menge Glück. 

 

Viel Erfolg 

Manche nennen es Glück, manche nennen es die richtigen Vermutungen über den Wirtschaftsverlauf anzustellen.

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vor 2 Stunden von rhodes:

Hallo zusammen,

 

mich treibt seit einiger Zeit eine Frage um, auf die ich leider noch keine befriedigende Antwort gefunden habe.

 

Konkret geht es um eine Strategie im Fall eines Börsencrash, wie etwa 2008 oder 2001 nach 9/11. Damals sind Aktienwerte zwischen 50-80% eingebrochen. Vom Einbruch 2001 haben sich viele Aktien nie wieder erholt. Nach 2008 dauerte es bis zu 5 Jahre, bis die ursprünglichen Kurse wieder erreicht waren. Eine Buy und Hold-Strategie erscheint aus dieser Sicht etwas ungünstig.

 

Mein Depot ist hauptsächlich dividendenorientiert mit breiter Streuung. D.h. ich halte Aktien wie AT&T oder Shell sowie weltweite Aktienfonds mit mindestens halbjährlicher Dividendenausschüttung. Kein Titel hat mehr als 5% der Gesamtdepotsumme.

 

Nach einiger Recherche bin ich auf die Trendfolgestrategie von Meb Faber gestossen, die sich an einer 200-Tage-Linie orientiert. Unterschreitet der aktuelle Kurs diese Linie, dann ist das ein Verkaufssignal, und umgekehrt. 2008 hätte sich so ein deutlich niedrigerer Depotverlust wie mit Buy&Hold ergeben. Oder ist es besser bei Eintreffen bestimmter Indikatoren alles zu verkaufen und auf 90% Cash zu setzen?

...

Warum nur 90% Cash und nicht 100%?

Was waren denn die Indikatoren, die auf die Terroranschläge von 9/11 hingedeutet haben?

 

vor 10 Minuten von JosefSpa:

Manche nennen es Glück, manche nennen es die richtigen Vermutungen über den Wirtschaftsverlauf anzustellen.

Und wo ist der Unterschied?

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vor 13 Minuten von Schwachzocker:

... bla ... bla ... Was waren denn die Indikatoren, die auf die Terroranschläge von 9/11 hingedeutet haben? ... bla ... bla ...

 

Hat 9/11 irgendwie die Kurse beeinflusst?

 

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Posted · Edited by pillendreher

vor 28 Minuten von sedativ:

 

Hat 9/11 irgendwie die Kurse beeinflusst?

 

DAX Performance-Index 01.09.2001 5094, ein Jahr später 3398  oder mehr als 30% Verlust

 

Gegenbeispiel Fukushima  (am 11. März 2011):

DAX Performance-Index 01.03.2011 7181, ein Jahr später 6887  oder weniger als 5% Verlust

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Hatte nur nix mit dem elftem September zu tun. Das Platzen der Dotcomblase zog sich von Anfang 2001 bis Anfang 2003 hin. Um 9/11 herum passierte eigentlich nichts: 

 

https://www.multpl.com/s-p-500-historical-prices/table/by-month

 

 

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vor einer Stunde von Schwachzocker:

Unterschied

Das jemand der Annahmen trifft wohl versteht, dass die Wirtschaft nominal weiter wachsen wird. Bis ins Unendliche. Daran glauben wohl alle, die ihr Geld breit gestreut haben.

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vor 9 Minuten von JosefSpa:

Das jemand der Annahmen trifft wohl versteht, dass die Wirtschaft nominal weiter wachsen wird. Bis ins Unendliche. Daran glauben wohl alle, die ihr Geld breit gestreut haben.

Das ist auch so ein Paradoxon... In der Gegenwart glaubt man, dass sich nichts mehr grundlegend ändern kann. Der technische Fortschritt wird im Alltag unterschätzt. Die entwickelte Welt deckt gerade mal 1/10 der Weltbevölkerung ab. Zumal diese noch auf ca. 12-14 Milliarden steigen wird. Also ja. Die Wirtschaft wird bis ins (jetzt nicht verstellbare) unendliche weiter wachsen. 

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vor 17 Minuten von JosefSpa:

Das jemand der Annahmen trifft wohl versteht, dass die Wirtschaft nominal weiter wachsen wird. Bis ins Unendliche. Daran glauben wohl alle, die ihr Geld breit gestreut haben.

 

“Anyone who believes that exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist.”

Kenneth Ewart Boulding

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vor 47 Minuten von Bassinus:

Das ist auch so ein Paradoxon... In der Gegenwart glaubt man, dass sich nichts mehr grundlegend ändern kann. Der technische Fortschritt wird im Alltag unterschätzt. Die entwickelte Welt deckt gerade mal 1/10 der Weltbevölkerung ab. Zumal diese noch auf ca. 12-14 Milliarden steigen wird. Also ja. Die Wirtschaft wird bis ins (jetzt nicht verstellbare) unendliche weiter wachsen. 

Ich denke nicht, dass es ein Paradoxon ist sondern schlicht ein Fakt. Die Technologie wächst schneller als die Wirtschaft. Und genau diese Technologie schafft neue Märkte. Wenn die Erde eines Tages wirtschaftlich "voll" ist, hat die Technologie längst den Mars erreicht.

Unendliches Wachstum ist Realität. Nur meine unwichtige Meinung.

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vor 2 Stunden von rhodes:

an einer 200-Tage-Linie orientiert.

Unterschreitet der aktuelle Kurs diese Linie, dann ist das ein Verkaufssignal, und umgekehrt. 2008 hätte sich so ein deutlich niedrigerer Depotverlust wie mit Buy&Hold ergeben.

 

... eine an sich sehr simple und schon uralte "Börsenregel"

< 200 Tage = Baisse

> 200 Tage = Hausse

die gerade für größere und eher passive Buy-and-Hold-Depots galt.

Natürlich technisch durchaus verfeinerbar, was im Zeitlauf in vielerlei Variationen auch passiert ist.

Letztlich bleibt, dass jeder selbst finden und entscheiden muss was am Besten zu ihm passt. Allgemeingültige Patentrezepte gibt es nicht, weil Alter, Familienstand, Arbeitseinkommen, Vermögen, Finanzmarktwissen, Anlageerfahrung, Diversifikation, Risikobereitschaft, Risikotragfähigkeit uva nunmal sehr unterschiedlich verteilt und ausgeprägt sind und dazu auch noch der jeweilige Zeithintergrund großen Einfluß hat.

 

Persönlich halte ich wenig bis nichts von passiv starren Buy-and-Hold- und noch viel weniger von portfoliotheoretischen Strategien. Märkte würden das zwar gern haben, führen aber praktisch kein nachhaltiges Eigenleben jenseits der Realwirtschaft. Ergo: "Its the Economy, Stupid." Da steckt Deutschland schon mitten in der Rezession, zieht Europa mit runter und bevorzugt wie die EU destruktiv planwirtschaftliche Ideologiepolitik, während die USA nach wie vor moderat positive bis durchwachsene Wirtschaftsdaten zeigen. Etliche FOMC Members befürworten nach vorsichtigen konjunkturellen Supportschrittchen heute schon eine später erneute Rückkehr zur Normalität, während mit Sabine Lautenschläger eine weitere Stimme der Vermunft die EZB verläßt - sodass die Euro-Zombie-Economy wohl bis zum bitteren Ende fortgeschrieben werden dürfte.

 

So oder so bleiben die klassischen Märkte (Aktien/Renten/Immobilien) in einer unübersehbaren "Mother Bubble of all Bubbles", bei der jedoch zusätzlich der globale Gleichklang zunehmend ins Hintertreffen gerät. "This Time its different" ist immer ein gefählicher Satz. Because this Time its really different.

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Posted · Edited by Depotrocker*in

vor 2 Stunden von Bassinus:

Das ist auch so ein Paradoxon... In der Gegenwart glaubt man, dass sich nichts mehr grundlegend ändern kann. Der technische Fortschritt wird im Alltag unterschätzt. Die entwickelte Welt deckt gerade mal 1/10 der Weltbevölkerung ab. Zumal diese noch auf ca. 12-14 Milliarden steigen wird. Also ja. Die Wirtschaft wird bis ins (jetzt nicht verstellbare) unendliche weiter wachsen

 

Ich denke, das sollten wir doch etwas Licht ins Dunkel bringen und das Thema ist es wert, sich etwas umfänglicher damit zu befassen. Im folgenden Beitrag Gedanken und Informationen zur Thematik Komplexität und Faktoren des Wirtschaftswachstum, um dabei zu klären, ob Wirtschaft tatsächlich unendlich wachsen kann. Ich werde wieder Links mit Verlinkungen auf weiterführende Informationsquellen im Text zur Verfügung stellen, um dem interessierten Leser eine tiefgründigere Recherche zu ermöglichen.

 

In diesem Beitrag soll es also im Schwerpunkt um die oft angenommene Grenzen des Wachstums, die bereits in einem Bericht des Club of Rome aus dem Jahr 1972 erstmals thematisiert wurden, gehen.

 

Im Folgenden werden wir die wesentlichen Konzepte näher betrachtet und einen aus meiner Sicht optimistischen Schluss ziehen: Spezifische Grenzen mag es in vielen Bereichen geben, eine schlüssige Argumentation dafür, dass die wirtschaftliche Entwicklung in absehbarer Zeit stagnieren wird oder gar muss, gibt es jedoch nicht.

 

Um zu diesem Schluss kommen zu können, ist es jedoch vorher notwendig, sich etwas tiefer mit dem Thema auseinanderzusetzten.

 

Im Zusammenhang mit wirtschaftlicher Entwicklung fällt oft der Begriff "Nachhaltigkeit".

 

Nachhaltigkeit ist in Zeiten von Fridays for Future zu einem Modewort in der wirtschaftspolitischen Diskussion geworden. Eingeführt wurde der Begriff jedoch bereits 1987 im Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter der Leitung von Gro Harlem Brundtlandt, welcher im Auftrag der UNO erstellt und vorgelegt wurde.

 

Sinngemäß kann man der Studie entnehmen, dass  die Kommission unter Nachhaltigkeit, den "Bedürfnissen der heutigen Generationen solle entsprochen werden, ohne die Möglichkeiten der zukünftigen Generationen, ihre eigenen Interessen zu verfolgen, zu schmälern" versteht.

 

Dieser Forderung ist nicht einfach zu widersprechen, aber ebenso schwierig ist es, dieses Konzept zu konkretisieren und daraus klare Handlungsanweisungen abzuleiten. Sollen zukünftige Generationen das gleiche Konsumniveau wie heute haben können? Auf welchen Warenkorb sollte sich dies beziehen? Sollten Wachstumsmöglichkeiten wie in den vergangenen Jahrhunderten offen gehalten werden? Und wie sollten heutige Generationen dafür Sorge tragen? Oder konkreter: Beziehen sich die Möglichkeiten zukünftiger Generationen auf den Bestand an Sach, Human und Umweltkapital oder auf den Strom zukünftiger Produktion?

 

Auf diese Fragen sind völlig verschiedene Antworten möglich. Daher bleibt die Nachhaltigkeit weitgehend eine Leerformel und ist vielleicht gerade deswegen so beliebt und wird deshalb gerne von Ökonomen zur Begründung verschiedener Theorien herangezogen. Unbestritten sind jedoch zwei Dinge: Zum einen ist eine enge Definition weder praktikabel noch wünschenswert, nach der jede Generation die Erde so an die nächste Generation weiterzugeben hat, wie sie sie vorgefunden hat. Der von den alten Griechen gebrochene Marmor kann genauso wenig nochmals abgebaut werden wie die Kohleproduktion des letzten Jahres. Dennoch haben die Generationen der letzten 500 Jahre die Erde in einem Zustand hinterlassen, die den jeweiligen Kindern einen größeren Wohlstand ermöglichte. Andererseits sind durchaus anthropogene Einflüsse vorstellbar, die das Leben zukünftiger Generationen massiv einschränken oder sogar verhindern, man denke nur an das immer noch vorhandene atomare Zerstörungspotenzial. Zwischen diesen beiden Extremen liegt eine sehr breite Grauzone, in der weder von einem naturwissenschaftlichen noch von einem ökonomischen Standpunkt her klar ist, welche Auswirkungen konkrete Verhaltensweisen für die Möglichkeiten zukünftiger Generationen überhaupt haben können.

 

Als weiteren Einfluss, wenn es um die Beurteilung der Endlosigkeit des Wachstums geht, ist die Substituierbarkeit von Ressourcen, festzustellen. 

 

Aus ökonomischer Sicht kann die Frage nach den Grenzen des Wachstums eher optimistisch beantwortet werden: Selbst wenn heute tatsächlich alle Kohlevorkommen geplündert wären, würden die Eisenbahnen vermutlich noch verkehren, weil inzwischen Energieträger zur Verfügung stehen, die sich unsere Vorfahren noch nicht einmal vorstellen konnten. Mit anderen Worten: Selbst wenn nicht erneuerbare Ressourcen knapp werden oder verbraucht sind, bedeutet dies keineswegs zwingend das Ende von Wohlstand oder Wachstum, sondern es setzt die Suche nach Substituten ein, die es ermöglichen, ohne die wenig vorhandene Ressource oder in reduziertem Verbrauch davon auszukommen.

 

So können die im Verhältnis zur wachsenden Bevölkerung knapper werdenden Agrarflächen durch effizientere Methoden des Anbaus und der Weiterentwicklung von Nutzpflanzenzüchtung in der Landwirtschaft ausgeglichen, fossile Energieträger durch Atom, Solar oder Windenergie ersetzt und Kunststoffe aus alternativen Materialien anstelle von Stahl oder Aluminium eingesetzt werden. 

 

Wenn nicht erneuerbare Ressourcen ersetzt werden sollen, dann gehört hierzu auch die Vorstellung, auf diese Ressourcen völlig verzichten zu können. Daneben aber gibt es noch zwei weitere Optionen: Zum einen können entsprechende Vorkommen eines Rohstoffs auch in Zukunft durch andere und effektivere Methoden gefunden und abgebaut werden, zum anderen kann durch effizienteren Gebrauch ein bestimmter Nutzen aus einer geringeren Quantität einer Ressource gezogen werden. Dadurch erklärt sich beispielsweise, dass die bekannten und wirtschaftlich abbaubaren Erdölreserven 1950 noch das 22fache eines Weltjahresverbrauchs betrugen, trotz des danach erst richtig einsetzenden Autobooms 1990 jedoch auf das 45fache des (aktuellen 2019) Jahresverbrauchs ansteigen konnten. Trotz eines in dieser Zeit enorm gewachsenen Verbrauchs hat sich dieses Reservemaß also mehr als verdoppelt.

 

Schauen wir uns als nächstes die Ökonomik von nicht erneuerbarer Ressourcen an.

 

Die Sorge, welche bestimmt auch die 16-jährige schwedische Umweltschützerin Greta Thunberg und ihre Anhänger und Anhängerinnen haben, um die Verfügbarkeit nicht erneuerbarer oder auch nur nicht schnell erneuerbarer Ressourcen ist wahrscheinlich kaum jünger als die Menschheit selbst. Jedenfalls findet sich schon im Alten Testament ein Leitsatz für den Umgang mit natürlichen Ressourcen. So steht im 5. Buch Mose: »Wenn du vor einer Stadt lange Zeit liegen musst, gegen die du kämpfst, um sie zu erobern, so sollst du ihre Bäume nicht verderben und mit Äxten umhauen, denn du kannst davon essen; darum sollst du sie nicht fällen.«

Keine Sorge, es hat sich die Ökonomik auch damit befasst, wie sich ein rein am Eigennutz orientierter Eigentümer einer nichterneuerbaren Ressource bei deren Abbau verhalten würde. Die nahe liegende Antwort, den Abbau möglichst rasch erfolgen zu lassen, stellt sich dabei als falsch heraus. Solch ein Vorgehen würde das wohlverstandene Interesse des Eigentümers nicht berücksichtigen, einfach weil ein Abbau und Verkaufserlös heute einen Abbau morgen ausschließt. Unter sehr vereinfachenden Annahmen wie keine Abbaukosten, bekanntes endliches Vorkommen ohne Möglichkeiten weiterer Entdeckungen und über die Zeit konstante Preisabhängigkeit der Nachfrage nach der Ressource, lässt sich zeigen, dass der Preis mit der Rate des Zinses wächst und die in jedem Jahr abgebaute Menge mit konstanter Rate sinkt. Ein von rein ökonomischen Kriterien diktierter Umgang mit nicht erneuerbaren Ressourcen führt demnach nicht zu einem ungehemmten Raubbau. Diese zentrale Erkenntnis wurde als Hotelling-Regel bekannt. Ökonomisches Kalkül ist also das Gegenteil von Raubbau. Natürlich ist damit die prinzipielle Endlichkeit einer Ressource nicht aufgehoben.

 

Die Hotelling-Regel macht außerdem auf eine ganz zentrale Voraussetzung für einen ökonomischen Umgang mit einer Ressource aufmerksam: der Existenz von Eigentumsrechten. Liegen diese nicht vor, so hat der Einzelne keinen Anreiz, einen sinnvollen Umgang damit zu betreiben. Klassische Beispiele dafür sind die Fischbestände der Weltmeere oder die frische Luft. Das Problem ist also eindeutig nicht ein Zuviel, sondern ein Zuwenig an Ökonomie.

 

Nun kann man nähe auf das Verhältnis von Wachstum und Umwelt eingehen. 

 

Neben den nicht erneuerbaren Ressourcen gibt es noch eine weitere scheinbar zwingende Grenze des Wachstums: unsere Umwelt ist nur endlich belastbar. Klimaveränderungen aufgrund von Treibhausgasen, die bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen oder aufgrund der Dezimierung der Regenwälder, sowie Luftverschmutzung und die Verschmutzung von Trinkwasservorräten sowie die mit Plastik verschmutzten Weltmeere sind hier nur die prominentesten einer beliebig verlängerbaren Liste von Beispielen. Die bereits am Anfang des Beitrages angeführte, 1973 vorgelegte berühmte Studie des Club of Rome prognostizierte denn auch, dass die "absoluten Wachstumsgrenzen im Lauf der nächsten 100 Jahre erreicht" sein werden. Da absolute Obergrenzen von Umweltbelastungen genauso unbestreitbar sind wie die prinzipielle Endlichkeit bestimmter Rohstoffe(wobei eine Quantifizierung in beiden Fällen sehr schwierig ist), besteht die einzige Möglichkeit für weiteres Wachstum in einer weniger umweltbelastenden Produktion. Ließe sich dieses Ziel erreichen, so würde auch die Umwelt keine zwingende langfristige Wachstumsgrenze darstellen.

 

Ob tatsächlich die Entwicklung zu einer geringeren Umweltintensität der agrarischen und industriellen Produktion möglich ist, muss empirisch entschieden werden. Zudem werden die Maßstäbe dafür auch nicht über alle Zeitfenster, Länder und Indikatoren von Umweltqualität hinweg gleich sein. 

 

Das Fazit der Überlegungen zum Verhältnis Wachstum und Umwelt sollte zeigen, dass es eine Gesellschaft und die Weltbevölkerung als Ganzes zu einem guten Teil selbst in der Hand haben, Belastungen der Umwelt zu vermeiden. Ob es in Zukunft gelingt eine globale internationale Entwicklung zur Nachhaltigkeit herzustellen und somit im wesentlichen das Wachstum zu fördern, bleibt abzuwarten.  Gerade in den reichen Ländern ist die Umweltsituation zumeist besser als in den ärmeren Ländern, und dies deutet auf eine wichtige Tatsache hin: Die Bereitschaft eines Staats, einen ökologischen Handlungsspielraum auszunutzen, nimmt mit wachsendem Wohlstand zu.

 

Interessant und wie ich finde sehr informativ, gerade zum Thema dieses Beitrages, ist die Monographie des amerikanischen Ökonomen Julian Simon mit dem Titel "The ultimate resource" , der Wachstumspessimisten regelmäßig entgegentritt. Seine sehr optimistischen Einschätzungen beruhen zum einen einfach auf der Beobachtung der positiven wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrhunderte, wobei er durchaus nicht nur die Wachstumserfolge der Industrieländer im Blick hat, sondern anhand vieler Indikatoren auch zeigt, wie sich die Lage in den meisten Entwicklungsländern verbessert hat. Für ihn gibt es keinen Grund anzunehmen, dass diese Entwicklung in absehbarer Zeit zu Ende geht. Aus Simons Sicht ist die einzige wirkliche Bedrohung für den Lebensstandard einer Volkswirtschaft der Krieg. 

Neben der einfachen Fortschreibung historischer Beobachtungen ist der zweite Pfeiler seiner Argumentation die Überzeugung, der Erfindungsreichtum und die Intelligenz der Menschen werde in der Lage sein, die anfallenden und oben im Beitrag beschriebenen Probleme zu lösen. Deshalb sind die ultimativen Ressourcen wie Simon sie annimmt: ausgebildete, geistvolle und hoffnungsfrohe Menschen, die ihren Willen und ihre Vorstellungskraft zum eigenen Nutzen ausüben und dabei unvermeidbar nicht nur sich selbst, sondern uns allen helfen, wie er im letzten Satz seines Buchs etwas pathetisch feststellt. Er wendet sich daher aus ökonomischen Gründen auch strikt gegen jegliche erzwungene Geburtenkontrolle, da seiner Ansicht nach viele Menschen auch viele Probleme lösen und daher ein größerer Wohlstand für alle resultiert. Für ihn fördert höheres Bevölkerungswachstum einen schnelleren technischen Fortschritt und damit Wachstum. Voraussetzung hierfür ist ein hohes Bildungsniveau und dies ist nicht gerade ein Freibrief für ein ungehindertes Bevölkerungswachstum in den Ländern, denen es nicht gelingt, dem Großteil ihrer Bevölkerung elementare Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben zu vermitteln (Siehe Grafik).

 

 

 

Analf.png

 

 

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vor 2 Stunden von sedativ:

Hatte nur nix mit dem elftem September zu tun. Das Platzen der Dotcomblase zog sich von Anfang 2001 bis Anfang 2003 hin. Um 9/11 herum passierte eigentlich nichts: 

 

 

:D:w00t:

Um Panikverkäufe zu verhindern war der Handel mehrere Tage ausgesetzt:

https://en.wikipedia.org/wiki/Economic_effects_of_the_September_11_attacks

 

Trotzdem kam es noch zu deutlichen Kursverlusten nach der Wiedereröffnung:

https://www.investopedia.com/financial-edge/0911/how-september-11-affected-the-u.s.-stock-market.aspx

 

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vor 12 Minuten von PapaPecunia:

Trotzdem kam es noch zu deutlichen Kursverlusten nach der Wiedereröffnung:

https://www.investopedia.com/financial-edge/0911/how-september-11-affected-the-u.s.-stock-market.aspx

 

Aus Deiner Quelle:

 

"The U.S. economy is legendary for its strength and resilience, and the national character is persistently optimistic. No more than one month had elapsed before the Dow Jones, the Nasdaq and the S&P had regained its pre-9/11 price levels."

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vor 3 Stunden von sedativ:

Hatte nur nix mit dem elftem September zu tun. Das Platzen der Dotcomblase zog sich von Anfang 2001 bis Anfang 2003 hin. Um 9/11 herum passierte eigentlich nichts

 

 

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Indexstand S&P 500

 

1. Sep 2001: 1468

1. Okt 2001: 1390

 

Die Dramatik dieses "Kurssturzes" möge jeder selbst beurteilen...

 

 

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Der kluge Anleger erkennt eben, ob es eine dramatische Krise ist oder nicht.

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vor 17 Stunden von penga:

Der kluge Anleger erkennt eben, ob es eine dramatische Krise ist oder nicht.

Unmöglich. Niemand erkennt den Zeitpunkt, wann eine Krise beginnt.

 

Grundsätzlich könnten wir das Aktientop bereits hinter uns gelassen haben für die nächste kommende Rezession - aber es weiss NIEMAND. Genauso gut kann ein Deal zwischen China/USA zustande kommen und die Märkte rallyen auf ein neues Hoch. 

 

 

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Posted · Edited by Erbsenprincess

Am 28.9.2019 um 10:26 von rhodes:

Konkret geht es um eine Strategie im Fall eines Börsencrash, wie etwa 2008 oder 2001 nach 9/11. Damals sind Aktienwerte zwischen 50-80% eingebrochen. Vom Einbruch 2001 haben sich viele Aktien nie wieder erholt. Nach 2008 dauerte es bis zu 5 Jahre, bis die ursprünglichen Kurse wieder erreicht waren. Eine Buy und Hold-Strategie erscheint aus dieser Sicht etwas ungünstig.

Das ist jetzt meine persönliche Meinung / Strategie:

 

Investiert bist du ja wie es aussieht. Das ist denke ich das wichtigste. Du profitierst damit entsprechend bei steigenden Aktienkursen.

Die Frage, die ich immer recht wichtig sehe: Wie viel Cash/Nicht-Aktien-Anlagen hat man zur Verfügung bzw. mit wie viel Prozent ist man investiert rein in Aktien.

 

Kommt es zu einem Crash, sollte man diesen vielleicht nutzen, um stückweise nachzukaufen, um z.B. das Minus im Depot auf ein prozentual geringeres Minus zu bringen. Steigen die Kurse (und irgendwann sollten sie es ja, auch wenn es Jahre dauert), dann ist man schneller wieder im Plus. Ich glaube, dass viele hier Crashs auch als große Chancen sehen a´la "Einkaufen im Sonderangebot". StefanU hat es in Post #3 ja hier ähnlich erwähnt.

 

Ein kleiner Nachteil dieser Strategie ist, dass man vielleicht weniger Gewinn herausholt (wenn es ewig keinen Crash gibt), weil man sich von Beginn an defensiver aufstellt (eben viel Cash/Nicht-Aktienanlagen hält). Ich kann damit aber leben, weil es eine Art vernünftiger Mittelweg ist und ich weniger die geringe Rendite von vielleicht 2% sehe auf Dauer, sondern einfach das wirkliche Geld, welches ich bekomme, ohne dafür arbeiten zu gehen.

Rein psychologisch muss man natürlich davon überzeugt sein, dass es langfristig (auch nach Krisen) mit Aktien immer wieder noch oben geht/eine Erholung einsetzt. Dann kräftig nachzukaufen, wenn alles unten ist, ist nicht so leicht, hat sich aber in der Vergangenheit meist ausgezahlt.

 

Man könnte diese Strategie vielleicht als eine defensive Buy und Hold-Strategie bezeichnen mit der Chance, langfristig einen Bonus herauszuholen rein von der Rendite her, wenn der Markt extrem einbricht (weil man nur in Crashs seine Aktienquote höher schraubt, als es zum Start festgelegt wurde - eine Art "Extrem- oder Über-Rebalancing).

 

Die von M. Faber angesprochene Strategie kenne ich nicht. Das wäre aber doch typisches Market-Timing und das funktioniert ja auch nicht sicher.

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vor 33 Minuten von Erbsenprincess:

Kommt es zu einem Crash, sollte man diesen vielleicht nutzen, um stückweise nachzukaufen, um z.B. das Minus im Depot auf ein prozentual geringeres Minus zu bringen. Steigen die Kurse (und irgendwann sollten sie es ja, auch wenn es Jahre dauert), dann ist man schneller wieder im Plus. Ich glaube, dass viele hier Crashs auch als große Chancen sehen a´la "Einkaufen im Sonderangebot".

um dieses tatsächlich auch zu machen, bedarf es eine hohe Hürde zu überspringen.

Jemand der noch keinen Crash mitgemacht hat, wird mental höchstwahrscheinlich seine Schwierigkeiten haben, in einem fallenden Markt Geld zu investieren und wenn dieser noch weiter fällt, weiterem Verlusten zu zu schauen.

 

In der Theorie eine richtige Vorgehensweise, aber sich dann wirklich zu überwinden und praktisch so zu handeln, ist wieder ganz was anderes.

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vor einer Stunde von west263:

In der Theorie eine richtige Vorgehensweise, aber sich dann wirklich zu überwinden und praktisch so zu handeln, ist wieder ganz was anderes.

Deshalb Sparplan und 30 Jahre Schlaftabletten xD

 

Was wenn es gar keinen Crash mehr gibt oder die jetzigen Kurse in 5 Jahren der maximale Turnaround Punkt sind? Keiner weiß es :)

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Posted · Edited by Erbsenprincess

vor 2 Stunden von west263:

um dieses tatsächlich auch zu machen, bedarf es eine hohe Hürde zu überspringen.

Jemand der noch keinen Crash mitgemacht hat, wird mental höchstwahrscheinlich seine Schwierigkeiten haben, in einem fallenden Markt Geld zu investieren und wenn dieser noch weiter fällt, weiterem Verlusten zu zu schauen.

Da hast du natürlich Recht.

 

vor einer Stunde von Bassinus:

Deshalb Sparplan und 30 Jahre Schlaftabletten

Eigentlich ist das nach wie vor für junge und unerfahrene Börseneinsteiger die wirklich beste Methode, weil es am ehesten durchgehalten wird. Sparplan einrichten und dann nicht mehr hinschauen.

 

In diverse Lebensversicherungen hat man es ja früher auch nicht anders gemacht. Auch da hat man regelmäßig eingezahlt pro Monat ohne hinzuschauen und irgendwann nach zig Jahren bekam man nach und nach mitgeteilt, was raus kam.

 

Aus der Realität kann ich zumindest von den Sparplänen meiner Vermögenswirksamen Leistungen berichten. Das waren immer nur die 40 Euro pro Monat die letzten 25 Jahre, aber immer alles schön in einen reinen Aktienfonds (der sogar saftig Gebühren kostet pro Jahr). In keiner der Ansparphasen samt Ergebnis am Ende (ist ja immer nach sieben Jahren vorbei) bin ich weniger als gut weggekommen. Da habe ich nie hingeschaut und das war gut so. Ich glaube, ein großer Feind ist, dass man zu oft hinschaut auf die Kurse und dadurch zu viel das Gefühl hat, was tun zu müssen (ohne Fleiß keinen Preis). Einfach nix machen wäre aber genau das Beste - das ist die Krux an der Sache.

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