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ProblemBär

Inflationsgeschützte Anleihen

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ProblemBär
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Hallo zusammen,

 

mich beschäftigt aktuell (wie viele andere wahrscheinlich auch) wie man mit der hohen Inflation umgehen sollte. Es gibt ja einige ETFs die aus inflationsgeschützten Anleihen bestehen und sich theoretisch für die aktuelle Situation ja eignen sollten. Bspw. IE00B0M62X26

 

Meinem Verständnis nach sind Einflussfaktoren:

-hohe Inflation -> höhere Verzinsung der Anleihen und vice versa

-erhöhte Zinsen am Markt (bzw. Leitzinsen) führen zu höheren Verzinsungen am Anleihenmarkt wodurch bestehende Anleihen geringer bewertet werden (Opportunitätskosten)

-Emittentenrisiko, aber derzeit wohl nicht so stark relevant (also keine großen Veränderungen meines Wissens nach)

 

1. Bei dem ETF IE00B0M62X26 ist der Wert im laufenden Jahr um -4,53% gefallen, obwohl die Inflations stark am steigen ist. Wie ist dies zu erklären? Nur durch die höheren Zinsen am Markt, obwohl die Zentralbank quasi bisher in keiner Weise relevant reagiert hat? Ich würde mich freuen, wenn mir das jemand erklären könnte, da ich es nicht wirklich nachvollziehen kann.

 

 

2. Ähnliche Frage zu dieser Thematik direkt: Wäre es sinnvoll nun in Inflationsgeschützte US Staatsanleihen zu investieren -> konkreter z.B. IE00BDQYWQ65 ?

Der Vorteil dabei wäre einerseits

1. die kurze Laufzeit der Anleihen im ETF, höhere Zinsen am Markt dürften sich ja deutlich stärker negativ auf 10-30 jährige Anleihen auswirken als auf 1-5 jährige

2. hohe Bonität der USA (definitv besser als Italien & Co)

3. man ist im Dollar investiert der "sicher" ist. Klar hat man dann Fremdwährungsrisiko hinsichtlich des Dollars, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist meiner Meinung nach nicht davon auszugehen, dass der Euro stark gegenüber dem Dollar aufwertet.

 

Risiko könnte sein, dass die Inflation stark sinkt und somit auch der Wert der Anleihen zum gewissen Grad (?)

 

Würde mich über hilfreiche Beiträge freuen.

Danke und MfG

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chirlu
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vor 5 Minuten von ProblemBär:

wie viele andere wahrscheinlich auch

 

In der Tat, deshalb gibt es schon entsprechende Themen, die sich über die Suche finden lassen:

 

Allgemeiner:

 

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stagflation
Posted · Edited by stagflation

Hallo @ProblemBär,

 

willkommen im Wertpapier-Forum.

 

Willkommen auch in der Welt der Wertpapiere - einer Zauberwelt, in der nichts ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.

 

Inflationsgeschütze Anleihen nützen nicht automatisch bei hoher Inflation. Sie können aber schützen, wenn die Inflation höher wird, als die Märkte zurzeit annehmen. Das ist ein großer Unterschied. Außerdem sind inflationsgeschütze Anleihen nicht einfach. Man sollte sich Zeit nehmen und sie verstehen, bevor man sie kauft.

 

Höhere Zinsen in ausländischen Währungsräumen klingen verlockend. Leider kann ein deutscher Anleger davon nicht profitieren (außer durch Zufall bzw. Glück). Grund dafür ist, dass die erwartete Änderung der Wechselkurse die Zinsdifferenz kompensiert. Näheres findest Du unter den Stichworten "Zinsparität" und "Internationaler Fisher-Effekt".

 

Du kannst Dir aber auch Folgendes überlegen: warum sollte ein Investor deutsche Bundesanleihen mit 0% Rendite erwerben, wenn er auch amerikanische Staatsanleihen mit 3% Rendite erwerben könnte? Kein Investor würde unter diesen Umständen deutsche Staatsanleihen kaufen - außer man würde ihn dazu zwingen. Tatsächlich kaufen aber sowohl amerikanische, als auch deutsche Investoren deutsche Staatsanleihen. Es muss also etwas geben, was dafür sorgt, dass ein deutscher Investor die 3% Rendite in den USA nicht so einfach in 3% Rendite in Deutschland umwandeln kann. Derselbe Effekt sorgt auch dafür, dass der amerikanische Anleger mit deutschen Staatsanleihen mit 0% Rendite 3% Rendite in den USA erwarten kann.

 

Stagflation

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Glory_Days
Posted · Edited by Glory_Days
vor 25 Minuten von stagflation:

Inflationsgeschütze Anleihen nützen nicht automatisch bei hoher Inflation. Sie können aber schützen, wenn die Inflation höher wird, als die Märkte zurzeit annehmen. Das ist ein großer Unterschied. Außerdem sind inflationsgeschütze Anleihen nicht einfach. Man sollte sich Zeit nehmen und sie verstehen, bevor man sie kauft.

Die Aussagen stimmen bezogen auf die Frage, ob zu inflationsgeschützten oder nicht-inflationsgeschützten Anleihen gegriffen werden sollte:

Zitat

Before buying your TIPS, though, be sure to compare current bond yields to expected inflation rates. Because they adjust for inflation, TIPS interest rates tend to be much smaller than non-TIPS bonds. For instance, if bonds are yielding 3%, inflation is only 2%, and TIPS interest is 0.5%, you would only expect to earn the equivalent of 2.5% on your TIPS each year. This could make it an inferior choice to the non-TIPS Treasury. Conversely, if non-TIPS bonds were only yielding 2%, TIPS would give you an extra half a percent over traditional bonds.

Quelle: https://www.forbes.com/advisor/investing/treasury-inflation-protected-securities-tips/

Sie sagen aber noch nichts über die generelle Frage aus, ob ein Investment in Anleihen zum derzeitigen Zeitpunkt sinnvoll ist oder nicht. Meine Meinung zu dieser Frage habe ich hier aufgeschrieben.

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ProblemBär
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Danke für eure Rückmeldungen. Gibt hier ja jedenfalls nicht viele Anhänger der Inflationsgeschützten Anleihen. Ich habe natürlich grundsätzlich aktuell das Problem mein Portfolio abzusichern, vllt findet sich ja noch eine bessere Möglichkeit

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Glory_Days
Posted · Edited by Glory_Days
vor 19 Minuten von ProblemBär:

Danke für eure Rückmeldungen. Gibt hier ja jedenfalls nicht viele Anhänger der Inflationsgeschützten Anleihen. Ich habe natürlich grundsätzlich aktuell das Problem mein Portfolio abzusichern, vllt findet sich ja noch eine bessere Möglichkeit

Eine garantierte Absicherung ist schwierig - für Privatanleger ist wahrscheinlich der nominale Schutz in Form einer Cash-Reserve derzeit am besten (unter der bewussten Inkaufnahme des realen Wertverlustes). Ansonsten fielen mir noch diverse Short-Instrumente als zuverlässige Absicherung ein. Damit beschneidet man aber natürlich in guten Zeiten sehr stark die Rendite nach oben. Der Wunsch nach Absicherung hat auf die eine oder andere Art und Weise immer einen relativ hohen Preis.

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Glory_Days
Posted · Edited by Glory_Days
vor 10 Minuten von hattifnatt:

Der eine Fonds ist ein invers gehebelter Fonds (-2x) und damit noch einmal eine ganz andere Risikoklasse. Solche Instrumente sollten - wenn überhaupt - nur sehr temporär verwendet werden und wenn man sich eines nachhaltigen steigenden Zinsszenarios sehr sicher ist. Hier sollte man einen genauen Ein- und Ausstiegszeitpunkt im Kopf haben und diesen dann auch umsetzen. Aber das ist mutmaßlich nicht die Risikoklasse des Fragestellers - und sollte nur der Vollständigkeithalber erwähnt werden.

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Cai Shen
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Den ersten hab ich seit längerem im Depot (aktuell 6% im Plus), zu letzterem hat sich Pillendreher bekannt, soweit ich mich erinnere. 

 

Das hält mich allerdings nicht davon ab, ebenfalls non-IG US Bonds long zu sein.

Mittlere Laufzeiten BBB/BB-Rating zu 6-8% Rendite finde ich keinen schlechten Deal, kurzfristige Schwankungen im Wert nicht ausgeschlossen. :rolleyes:

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hattifnatt
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vor einer Stunde von ProblemBär:

Ich habe natürlich grundsätzlich aktuell das Problem mein Portfolio abzusichern, vllt findet sich ja noch eine bessere Möglichkeit

Rohstoffe/Gold?

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pillendreher
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vor 3 Stunden von Cai Shen:
vor 3 Stunden von hattifnatt:

 

Den ersten hab ich seit längerem im Depot (aktuell 6% im Plus), zu letzterem hat sich Pillendreher bekannt, soweit ich mich erinnere. 

 

Das hält mich allerdings nicht davon ab, ebenfalls non-IG US Bonds long zu sein.

Mittlere Laufzeiten BBB/BB-Rating zu 6-8% Rendite finde ich keinen schlechten Deal, kurzfristige Schwankungen im Wert nicht ausgeschlossen. :rolleyes:

Stimmt - nur mittlerweile stellt sich mir die Frage, ob es nicht Sinn macht, sich daraus zu verabschieden und in Pfandbriefe mit einer Laufzeit von 2-5 Jahren umzuschichten.

Für einen Neueinstieg (= eine Spekulation auf eine weiteren Zinsanstieg - und zwar mehr als der Markt erwartet), ist meiner Meinung nach der Zug schon abgefahren, weil alle Welt ja davon ausgeht.

 

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PeterS
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vor 15 Stunden von ProblemBär:

Hallo zusammen,

mich beschäftigt aktuell (wie viele andere wahrscheinlich auch) wie man mit der hohen Inflation umgehen sollte. Es gibt ja einige ETFs die aus inflationsgeschützten Anleihen bestehen und sich theoretisch für die aktuelle Situation ja eignen sollten.

Hi Bär'le,

es wird hier und hier näher darauf eingegangen. Danach kannst du wahrscheinlich besser abschätzen, ob du diese Anlageart nutzen möchtest. 

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ProblemBär
Posted
vor 17 Minuten von PeterS:

Hi Bär'le,

es wird hier und hier näher darauf eingegangen. Danach kannst du wahrscheinlich besser abschätzen, ob du diese Anlageart nutzen möchtest. 

Danke für die Links

 

vor 4 Stunden von hattifnatt:

Rohstoffe/Gold?

Du hast natürlich recht, Rohstoffe/Gold sind mögliche Werkzeuge. Insbesondere bei Rohstoffen bin ich aber unsicher, da diese bereits extrem im Preis gestiegen sind und herbe Verlust bringen könnten, wenn ich nun kaufe und alles wieder zurück geht. Aber klar, jede Absicherung hat gewisse Kosten

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hattifnatt
Posted
vor 8 Minuten von ProblemBär:

Danke für die Links

 

Du hast natürlich recht, Rohstoffe/Gold sind mögliche Werkzeuge. Insbesondere bei Rohstoffen bin ich aber unsicher, da diese bereits extrem im Preis gestiegen sind und herbe Verlust bringen könnten, wenn ich nun kaufe und alles wieder zurück geht.

Dazu gibt's auch andere Ansichten, wie z.B. in dieser von @Fondsanleger1966 heute verlinkten Präsentation von Peter E. Huber: https://youtu.be/4HSC_jl3xKI?t=1291:

 

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ProblemBär
Posted
vor 17 Minuten von hattifnatt:

Dazu gibt's auch andere Ansichten, wie z.B. in dieser von @Fondsanleger1966 heute verlinkten Präsentation von Peter E. Huber: https://youtu.be/4HSC_jl3xKI?t=1291:

 

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Danke für den Input, aber aus welchen Grund sollte das Verhältnis zum S&P 500 ein Indikator für die Wertigkeit von Rohstoffen sein? Unternehmen wie bspw. Apple, Microsoft usw stehen in keinem signifikanten Zusammenhang zu Rohstoffen

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Glory_Days
Posted · Edited by Glory_Days
vor 32 Minuten von ProblemBär:

Danke für den Input, aber aus welchen Grund sollte das Verhältnis zum S&P 500 ein Indikator für die Wertigkeit von Rohstoffen sein? Unternehmen wie bspw. Apple, Microsoft usw stehen in keinem signifikanten Zusammenhang zu Rohstoffen

So ganz stimmt das natürlich nicht - schließlich handelt es sich bei den genannten Unternehmen u.a. um Hardware-Hersteller, die eigene Produkte herstellen oder auch Rechenzentren etc. betreiben.

Hier wird von Zyklen von Anlageklassen und antizyklischem Investieren ausgegangen - relativ gesehen hat es in der Vergangenheit immer wieder extreme relative Outperformance von Aktien gegenüber Rohstoffen oder umgekehrt gegeben. Aus diesen Zyklen der Vergangenheit versucht man Aussagekraft für die Zukunft abzuleiten. Das ist mit Vorsicht zu genießen, da man diese Zyklen typischerweise nicht im Vorfeld exakt timen kann und unklar ist, wann genau ein neuer Zyklus anbricht. Inwieweit dieser Indikator also auch für die Zukunft hilfreich sein wird, ist schwierig einzuschätzen. Wenn man daran glaubt, wären Rohstoffe relativ gesehen zu Aktien trotz des Anstieges der jüngsten Vergangenheit immer noch günstig bewertet - was nicht heißen muss, dass es weitere Wertzuwächse bei Rohstoffe geben wird (das Verhältnis kann auch alleine dadurch ansteigen, dass Aktien an Wert verlieren und Rohstoff relativ gesehen weniger an Wert verlieren).

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ProblemBär
Posted
vor 37 Minuten von Glory_Days:

So ganz stimmt das natürlich nicht - schließlich handelt es sich bei den genannten Unternehmen u.a. um Hardware-Hersteller, die eigene Produkte herstellen oder auch Rechenzentren etc. betreiben.

Hier wird von Zyklen von Anlageklassen und antizyklischem Investieren ausgegangen - relativ gesehen hat es in der Vergangenheit immer wieder extreme relative Outperformance von Aktien gegenüber Rohstoffen oder umgekehrt gegeben. Aus diesen Zyklen der Vergangenheit versucht man Aussagekraft für die Zukunft abzuleiten. Das ist mit Vorsicht zu genießen, da man diese Zyklen typischerweise nicht im Vorfeld exakt timen kann und unklar ist, wann genau ein neuer Zyklus anbricht. Inwieweit dieser Indikator also auch für die Zukunft hilfreich sein wird, ist schwierig einzuschätzen. Wenn man daran glaubt, wären Rohstoffe relativ gesehen zu Aktien trotz des Anstieges der jüngsten Vergangenheit immer noch günstig bewertet - was nicht heißen muss, dass es weitere Wertzuwächse bei Rohstoffe geben wird (das Verhältnis kann auch alleine dadurch ansteigen, dass Aktien an Wert verlieren und Rohstoff relativ gesehen weniger an Wert verlieren).

Also den signifikanten Zusammenhang sehe ich jedenfalls nicht. Die Stromkosten sind bei Microsoft oder der Aluminiumpreis für ein Apple Tablett mit Sicherheit kein entscheidender Kostenfaktor für den Erfolg des Unternehmens .

 

Aber danke für den Einblick in die Theorie des antizyklischen Investierens hinsichtlich der Rohstoffe. Ist für mich persönlich jedoch zu undurchsichtig

 

 

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Bärenbulle
Posted · Edited by Bärenbulle
Am 10.6.2022 um 23:02 von ProblemBär:

1. Bei dem ETF IE00B0M62X26 ist der Wert im laufenden Jahr um -4,53% gefallen, obwohl die Inflations stark am steigen ist. Wie ist dies zu erklären? Nur durch die höheren Zinsen am Markt, obwohl die Zentralbank quasi bisher in keiner Weise relevant reagiert hat? Ich würde mich freuen, wenn mir das jemand erklären könnte, da ich es nicht wirklich nachvollziehen kann.

 

Die Schwierigkeit bei ILBs (Inflation Linked Bonds), ist das diejenigen mit langer Duration eigentlich gar nicht vor Inflation schützen. Im Gegenteil. Das liegt daran, dass die Zentralbanken gezwungen sind die Zinsen zu erhöhen wenn die Inflation steigt. Also folgt der Zins idR. der Inflation auf dem Fusse.

 

Eine 1%-ige Zinserhöhung wirkt sich dann aufgrund der langen Laufzeit/Duration eines ILBs z.B. mit dem Faktor 10 so aus, dass der Bond um 10% abwertet (genauso wie seine normalen Bond-Brüder). Ergo: Im Hinblick auf Inflationsschutz sind ILBs mit langer Laufzeit i.dR. ein "Schuss ins Knie".

 

Wenn es also überhaupt vor Inflation schützen soll, dann sollte man ILBs am kurzen Ende kaufen.

 

Inflationslinker haben aber im Prinzip gar keine Inflationsabhängigkeit. Die Realrendite die man da in der Zinskurve sieht (z.B. -2%), bekommt man am Ende eben auch.

 

Sie sind - anders als normale Bond für die gilt  Bondkurs = f(-Zins-Inflation)  also rein vom Zins abhängig und eben nicht von der Inflation.

 

Eigentlich müßte man sie daher umbennen. Sie sind eben gerade nicht Inflation linked (nur der Rückzahlwert ist es, wodurch Sie die Inflations-Neutrale Eigenschaft bekommen und dann halt eben nicht mehr "inflation - linked" sind). 

 

Die normalen Bonds sind dagegen sehr wohl "inflation-linked" (aber halt negativ).

 

Sprich: Das was Du suchst kann Dir eher Gold bieten. Für Gold gilt Goldkurs=f(-Zins + Inflation).

 

Fazit:

Bonds = f (-Zins, -Inflation)

ILB = f (-Zins)

Gold = f (Inflation, - Zins)

 

PS: Wer sich jetzt fragt warum der Goldkurs noch nicht explodiert ist, wo doch Inflation stärker als Zinsen gestiegen sind, dem sei gesagt, dass selbstredent die fristenkongruenten Werte in den Zinskurven anzusetzen sind (was die Sache verkompliziert). Gold hat eine seeeehr lange Duration und das lange Inflationende hat noch nicht so recht angezogen mit dem Ergebnis das die langen Realrenditen gestiegen sind. Die Inflation ist ja - zwinker zwinker - "transitionary".:'(  Aber kann ja noch kommen.

 

 

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Bärenbulle
Posted · Edited by Bärenbulle

Unter Timing-Gesichtspunkten sind ILBs im Augenblick also so "pfui bäh" eine Anlageklasse derzeit nur sein kann. Man kann aber darauf spekulieren, dass der ideale Einstiegspunkt schnell näher kommt. Er ist dann, wenn klar wird das die FED die Sache vor die Wand fährt und die Wirtschaft kollabiert. Meist invertiert dann die Zinskurve (Zinsen am langen Ende sinken). Das kurze Ende folgt dann idR. auch recht schnell. Eine kollabierende Wirtschaft wirkt sofort deflationär und die FED wird die Zinsen ASAP und meist auch schnell und tief senken.

 

Das ist kein schlechter Einstiegszeitpunkt für ILBs, denn es gilt wie gesagt ILB = f (Zins). Wunder kann man nicht erwarten, aber da der beste Einstiegszeitpunkt meist mit kollabierenden Aktienmärkten einhergeht, ist es ein sicheres "safe haven" Investment mit Renditepotenzial, obwohl normale Bonds vielleicht noch besser sind wg. der dann meist deflationären Kräfte (richtige Stagflationen gibt es im Microtiming des BusinessCycles eigentlich nicht). Man muss dann nur schnell genug wieder aussteigen und in Aktien umschichten. Allerdings sind normale Bonds dann ggf. auch die bessere Wahl zumal diese im Crash liquider sind. Im Crash haben sich ILBs nämlich als erstaunlich illiquide (und unverkäuflich) entpuppt (nicht nur im Crash übrigens). Viele dieser Punkte sind  Argumente warum der Markt wohl nicht so recht "warm" wird mit diesen Konstrukten.

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Stift
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ILB = f (-Zins),

erscheint mir zu kurz gesprungen. Das läßt mal eben unter den Tisch fallen, dass der aktuelle Kurs eines ILBs die Inflationserwartung abbildet (, da auch der Markt die zukünftige Inflation nicht kennt).

Wenn z. B. aktuell in WKN 103056 eine Inflationrate von 2,9% bis 15.4.26 eingepreist ist, dann wird der künftige Kurs sicher nicht nur von der Änderung des Zinsniveaus abhängen. Entsprechend sollte man eine Anlageentscheidung nicht ausschließlich von seiner Zinserwartung abhängig machen.

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kleinerfisch
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Der ILB 103056 spiegelt gemessen an der Bundesanleihe 114183 momentan eine Inflationserwartung auf 4 Jahre von 3% p.a. wider.

Wenn man ihn bis zum Ende hält, kann einem Duration und Zinsänderung wurscht sein.

Trifft die Erwartung zu, bekommt man eine Nominalrendite von 1,12%, was ziemlich genau die Realrendite von -2% ergibt (ist das die auf 4 Jahre?).

Diese Nominalrendite ist per Definition auch die des 114183.

So weit, so schlecht.

 

Steigt die Inflation aber auf 5% p.a., steigt auch die Rendite des ILB, und zwar auf 3,07%.

Das sind zwar immer noch -2% real, aber die normale Anleihe rentiert auch dann mit 1,12%, also mit -4% real.

Ähnlich sieht es bei allen anderen denkbaren Szenarien aus, nur bei Hyperinflation sinkt die Realrendite leicht ab.

 

Wenn man also einen ILB bis zur Endfälligkeit hält, bekommt man ziemlich exakt die heutige Realrendite, egal wie sich die Inflation entwickelt.

Im Vergleich zu normalen Bonds sehe ich das sehr wohl als Inflationsabsicherung.

Was ich nicht bekomme, ist realer Werterhalt. Das ist aber nicht das gleiche wie Inflationsausgleich.

 

Das Problem bei einer Entscheidung pro ILBs ist nicht ihre Funktionsweise, das Problem ist die momentan niedrige Realrendite.

 

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Cai Shen
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Ich möchte euch jetzt schon für die Beträge in diesem Faden danken, da waren jetzt einige sehr gute Denkanstöße dabei, um das Thema Linker zu verstehen.

Womit ich nicht klar komme, ist die Kursentwicklung eines entsprechenden ETF:

https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?assetClass=class-bonds&groupField=index&bondType=Inflation-Linked&from=search&isin=IE00B0M62X26#overview

https://boerse.dab-bank.de/maerkte-kurse/b2b/fonds/etf/etf-suche/id_117079738.html?idNotation=117079738&factsheetTab=overview

 

Anfang des Jahres macht der Fonds einen Satz nach oben, um seitdem deutlich langsamer gute 10% zu verlieren.

Erste Bewegung kommt daher, dass die Inflation deutlich höher war als die Inflationserwartung. Wie misst der Markt sowas?

Dass der Kurs seitdem konstant sinkt, liegt dann wohl daran, dass sich die ILBs letztendlich wie "normale" Anleihen bewegen und die Kurse, v.a. am langen Ende 5+, sinken.

Würden die ILB von einer Inversion der Strukturkurve, auch ohne Aussicht auf Zinssenkung durch sich anbahnende Rezession, profitieren?

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kleinerfisch
Posted
vor 2 Stunden von Cai Shen:

Erste Bewegung kommt daher, dass die Inflation deutlich höher war als die Inflationserwartung. Wie misst der Markt sowas?

Ich denke, da wirken zwei Faktoren.

Zum Einen werden die im Fonds enthaltenen Anleihen bei steigender Inflation schlicht (nominal) mehr wert, da sich die Auszahlungen erhöhen.

Zum Anderen passen sich die Erwartungen der Marktteilnehmer natürlch an, wenn neue Zahlen veröffentlicht werden. Ich bin auch sicher, dass große institutionelle Häuser ihre eigenen Inflationsforscher haben, die schon vor Veröffentlichungen merken, wenn sich etwas gravierendes ändert. Die können dann schon ahead of the curve entsprechend umschichten.

vor 2 Stunden von Cai Shen:

Dass der Kurs seitdem konstant sinkt, liegt dann wohl daran, dass sich die ILBs letztendlich wie "normale" Anleihen bewegen und die Kurse, v.a. am langen Ende 5+, sinken.

Genau. Bei einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 8,7 Jahren verhält sich der Fonds auch wie ein normaler Langläufer.

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Bärenbulle
Posted · Edited by Bärenbulle
vor 4 Stunden von Stift:

ILB = f (-Zins),

erscheint mir zu kurz gesprungen. Das läßt mal eben unter den Tisch fallen, dass der aktuelle Kurs eines ILBs die Inflationserwartung abbildet (, da auch der Markt die zukünftige Inflation nicht kennt).

Wenn z. B. aktuell in WKN 103056 eine Inflationrate von 2,9% bis 15.4.26 eingepreist ist, dann wird der künftige Kurs sicher nicht nur von der Änderung des Zinsniveaus abhängen. Entsprechend sollte man eine Anlageentscheidung nicht ausschließlich von seiner Zinserwartung abhängig machen.

Naja etwas kurz gesprungen schon, denn selbstredend gilt ILB = f (-Realzins). Aber grau ist alle Theorie.

 

Die nominalen Bonds enthalten ein Inflationspremium etwa in Höhe der Inflationserwartung (Break-Even-Rendite). Daher gilt Bondrendite = ILB-Rendite + Break Even Rendite (Inflationspremium).

Überschlagsweise entspricht die Break-Evenrendite also der Inflationserwartung. Wenn nun die Inflationserwartung steigt, dann steigt das Inflationspremium des nominalen Bonds und die nominale Bondrendite steigt (meist) auch, sprich die Kurse der nominellen Bonds werten ab. Das tun Sie in etwa in Höhe der gestiegenen Break-Even Rendite = Inflationserwartung. Die nominale Bond-Rendite enthält dann ein höheres Inflationspremium während die Inflationslinker relativ stabil bleiben.

 

Das der ILB eine Inflationserwartung mit abbildet ist aber trotzdem völlig korrekt. Die Verwirrung kommt daher, dass unklar ist ob die Zinsgröße stationär/statisch ist oder nicht. Bei steigender Inflationserwartung könnte es theoretisch eine statisch gleich bleibende Zinserwartung am langen Ende geben. Dann würde die Realrendite am langen Ende steigen, weil gilt Realrendite (sinkend) = Nominalzins (statisch) - Inflation (steigend). In diesem theortisch sauber hergeleiteten Fall würde also der Linker um die Inflationserwartung aufwerten, weil der Zins am langen Ende gleich bleibt. Sowas mag auch durchaus mal vorkommen, denn die Erwartungen am langen Ende sind eine recht komplexe Gemengelage.

 

Aber in der Regel werten Inflations- und Zinserwartung am langen Ende vergleichsweise synchron auf. Sprich es gilt Delta Inflationserwartung = Delta Zinserwartung und somit auch auch  Delta Realzins = Null trotz steigender Inflationserwartung.  Sprich der Linker bleibt stabil und der nominale Bond wertet ab, weil sein Inflationspremium und seine nominale Rendite steigen.

 

Daher gilt zwar theoretisch korrekt:

Bond = f (-Nominalzins) und

TIPS = f (-Realzins)

 

... nur kommt man damit in der Praxis eher zu falschen Schlüssen. :myop:

 

PS: Aber vielleicht kann das ja mal ein Bondtrader mit Erfahrung hier kommentieren, denn Inflationslinker sind auch nicht grade meine Welt.

 

 

 

 

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Bärenbulle
Posted
Am 12.6.2022 um 19:27 von Bärenbulle:

Die nominalen Bonds enthalten ein Inflationspremium etwa in Höhe der Inflationserwartung (Break-Even-Rendite). Daher gilt Bondrendite = ILB-Rendite + Break Even Rendite (Inflationspremium).

Überschlagsweise entspricht die Break-Evenrendite also der Inflationserwartung. Wenn nun die Inflationserwartung steigt, dann steigt das Inflationspremium des nominalen Bonds und die nominale Bondrendite steigt (meist) auch, sprich die Kurse der nominellen Bonds werten ab. Das tun Sie in etwa in Höhe der gestiegenen Break-Even Rendite = Inflationserwartung. Die nominale Bond-Rendite enthält dann ein höheres Inflationspremium während die Inflationslinker relativ stabil bleiben.

Ich muss vielleicht noch ergänzen das das Beschriebene eher für das lange Ende (also z.B. Linker 10 Jahre) gilt.

 

Am kurzen Ende hält der Leitzins die nominalen Zinsen stärker unter Kontrolle. Daher schwingt bei bei einer erhöhten Inflationserwartung die Realzinskurve nach unten, weil die nominale nicht wirklich flexibel ist und von der FED kontrolliert wird. Die FED kann über den Leitzins nur das kurze Ende steuern (es sei denn Sie kauft Langläufer).

Daher kann man denke ich auch sagen, dass das am langen Ende ILB = f (-Zins) aber am kurzen Ende gilt ILB = f (-Zins+Inflation). Daher schützt das kurze Ende auch eher vor Inflation, weil dort die Yields nach unten wegknicken (und die ILB-Kurzläufer kleinere Kursgewinne erzielen), während am langen Ende die nominalen Bonds-Yields nach oben gehen (und daher die ILB-Langläufer stabil bleiben und eher die nominalen Bonds Kursverluste erzielen).

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