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Wirtschaftsstandort Frankreich

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lowcut

Kann Frankreich seine hohen Staatsschulden erlassen?

Zitat

Der linksradikale Politiker Jean-Luc Mélenchon will einen Teil der französischen Staatsschulden kurzerhand streichen. Betroffen wären die 18 Prozent, die derzeit bei der nationalen Zentralbank liegen. Damit will er Spielraum für zusätzliche Staatsausgaben schaffen. Viele fragen sich jetzt, ob das überhaupt möglich ist.

Zitat

„Wir müssen nur die 18 Prozent nehmen, die die Banque de France hält, und sie ins Feuer werfen“, sagte er in einer Wahlkampfrede. Gemeint sind rund 600 Milliarden Euro.

Zitat

Der frühere EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton griff ihn in einem Gastbeitrag für die französische Wirtschaftszeitung Les Echos an, der am Dienstag erschien. Er betonte, ein solcher Schritt sei rechtlich ausgeschlossen, da die Banque de France Teil des Eurosystems unter Führung der Europäischen Zentralbank ist und Anleihen nicht eigenständig abschreiben oder streichen darf.

https://de.euronews.com/my-europe/2026/08/28/frankreich-hohe-staatsschulden-finanzpolitik

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lowcut

So gefährlich sind Frankreichs Schulden für Europa.

Zitat

Europas Angstbarometer schlägt Alarm. Seit August zahlt Paris für zehnjährige Schulden erstmals wieder eine Rendite von über vier Prozent - mehr als Athen und Rom. Das gab es seit 2009 nicht mehr. Tickt die Schuldenzeitbombe in Europa wieder? 

Zitat

Dass die "Grande Nation" als zweitgrößte Volkswirtschaft Europas - und neben Deutschland auch dessen politischer Taktgeber - als riskanter eingestuft wird und mehr Zinsen zahlen muss als das einstige Sorgenkind Griechenland, ist ein Warnsignal. Es zeigt, wie stark die Marktteilnehmer inzwischen daran zweifeln, dass Paris seine Finanzen in den Griff bekommt.

Zitat

Frankreichs jährliche Neuverschuldung lag zuletzt bei gut fünf Prozent der Wirtschaftsleistung. In der Eurozone sind nach den Fiskalregeln drei Prozent erlaubt. Damit gehört Frankreich zu den Schlusslichtern unter den großen Volkswirtschaften.

Zitat

Frankreich zahlt in diesem Jahr rund 59 Milliarden Euro allein an Zinsen - das ist mehr als die Summe für den gesamten Verteidigungshaushalt. Und die Rechnung steigt. Alte Anleihen mit einem Prozent Zinsen laufen aus, neue mit derzeit über vier Prozent Verzinsung müssen aufgenommen werden.

https://www.n-tv.de/wirtschaft/So-gefaehrlich-sind-Frankreichs-Schulden-fuer-Europa-id31234647.html

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mmusterm

Der einstige Finanzminister von Griechenland war ja schon in den Verhandlungen mit "isch-over"-Schäuble ein schlaucher Fuchs:

 

Yanis Varoufakis: Mélenchon is right about France’s debt

https://www.ips-journal.eu/topics/economy-and-ecology/melenchon-is-right-about-frances-debt-9360/

 

Ich will seine Argumente verstehen und bitte um Interpretationshilfe:

a) keine Inflation/Geldmengen-Steigerung, weil die Schulden ja schon da sind

b) keine Gläubiger-Enteignung, denn die Anleihen gehören ja nicht Sparern, Versicherungen ..., sondern der EZB

c) mehr Spielraum, da aufgrund gesunkener Verschuldungsquote Zinsen für bestehende Schulden sinken und zusätzliche Schulden aufgenommen werden können.

Ist das so?

Oder geht es nur um die Aufrechterhaltung der Illusion durch die EZB, wie sie Henry Ford beschrieb: “It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning."

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derVuk
· bearbeitet von derVuk
vor 37 Minuten von mmusterm:

 

Ich will seine Argumente verstehen und bitte um Interpretationshilfe:

a) keine Inflation/Geldmengen-Steigerung, weil die Schulden ja schon da sind

b) keine Gläubiger-Enteignung, denn die Anleihen gehören ja nicht Sparern, Versicherungen ..., sondern der EZB

c) mehr Spielraum, da aufgrund gesunkener Verschuldungsquote Zinsen für bestehende Schulden sinken und zusätzliche Schulden aufgenommen werden können.

Ist das so?
 

Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, bin mir aber relativ sicher, dass es sehr wohl irgendwelche Konsequenzen geben wird, die er nicht erwähnt hat. Ist bei vermeindlich einfachen Lösungen für Probleme die schon lange bekannt sind und breit diskutiert werden, fast immer der Fall. Wenn die Lösung so gut ist, warum ist es dann in der Vergangenheit nicht schon ständig von anderen Staaten gemacht worden?

 

Was die drei Argumente angeht: IMO widerspricht Punkt c) Punkt a), da ja Punkt c) dann sehr wohl zu mehr Inflation führt, was ja in Punkt a) noch ausgeschlossen wird. Wenn man das weiterspinnt, könnten diese neuen Schulden ja dann wieder von der Zentralbank aufgekauft und gelöscht werden um wiederum neue Schulden zu ermöglichen. Der perfekte Kreislauf für eine immer höhere Inflation... 

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mmusterm
4 minutes ago, derVuk said:

MO widerspricht Punkt c) Punkt a),

Exakt - das dachte ich mir auch. 
Varoufakis Argumentationskette mit hypothetischen Zahlen:


1/ Heute hat Frankreich 100 Mrd. Schulden, davon 20 Mrd bei der EZB. Die Inflation ist - egal ob durch Geldmengenausweitung, Schuldenmacherei oder Irankrieg oder ... - wie sie ist: zum Beispiel 4 %.

2/ Jetzt wandeln wir die 20 Mrd. Schulden in perpetual bonds mit 0 % Zins, also de facto wertlos.
3/ Als Folge kann Frankreich - sagen wir - zusätzliche 20 Mrd. Schulden aufnehmen. 

Das soll die Inflation von 4 % nicht anheizen, weil vorher 100 Mrd = nachher 100 Mrd. Schulden.

 

Dass dazwischen aber 20 Mrd. Geldmenge nicht vernichtet, sondern nur auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wurden, unterschlägt Varoufakis.

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CorMaguire
vor 56 Minuten von mmusterm:

... 

a) keine Inflation/Geldmengen-Steigerung, weil die Schulden ja schon da sind

...

Oder geht es nur um die Aufrechterhaltung der Illusion durch die EZB, wie sie Henry Ford beschrieb: “It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning."

Der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation ist möglicherweise nicht so monokausal wie manche glauben. Siehe als Einstieg z. B. "Höhere Geldmenge, höhere Inflation? Bundesbank urteilt mit klarem Jein" --> https://www.capital.de/geld-versicherungen/hoehere-geldmenge--hoehere-inflation--bundesbank-urteilt-mit-klarem-jein-33139608.html

 

Henry Ford hat sicher nichts zur EZB geschrieben ;) und womöglich selbst das Zitierte nicht so von sich gegeben "Did Henry Ford predict revolution if people understood the banking and monetary system?"

--> https://skeptics.stackexchange.com/questions/18247/did-henry-ford-predict-revolution-if-people-understood-the-banking-and-monetary

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mmusterm
· bearbeitet von mmusterm
17 minutes ago, CorMaguire said:

Henry Ford

Das Henry Ford-Zitat war eine plakative Umschreibung für:

 

"Das EURO-System/EZB ist durch die zahlreichen Bail-out-Programme zu einer gigantischen, nicht mehr durchschaubaren Beruhigungsmaschine für die Bürger geworden. Würden die Bürger das durchschauen, würden sie Änderungen an der Scheinheiligkeit der EZB fordern."

 

Zitat Varoufakis aus dem Artikel: "I had to repay the ECB around €6 billion for maturing Greek bonds it had bought in 2011 to bail out the mainly French and German banks that had held them. As the Greek government was bankrupt, no sane investor would lend my ministry the money to repay the ECB. So, to maintain the pretence that I was repaying the ECB, the ECB and the IMF wanted the bankrupt Greek banks to issue €8 billion of worthless IOUs that my bankrupt ministry would guarantee. The ECB would accept them as collateral and lend the banks €6 billion. I would then sell the banks new bonds that no investor would touch, take ‘their’ €6 billion, and hand it back to the ECB. It sounds like a Ponzi scheme, because that is what it was."

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CorMaguire
vor 4 Minuten von mmusterm:

Das Henry Ford-Zitat war eine plakative Umschreibung für:

 

"Das EURO-System/EZB ist durch die zahlreichen Bail-out-Programme zu einer gigantischen, nicht mehr durchschaubaren Beruhigungsmaschine für die Bürger geworden. Würden die Bürger das durchschauen, würden sie Änderungen an der Scheinheiligkeit der EZB fordern. ...

Na dann hast Du doch schon Deine Meinung und brauchst gar keine Interpretationshilfe. :lol:

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mmusterm
· bearbeitet von mmusterm
14 minutes ago, CorMaguire said:

Interpretationshilfe

Das ist nicht meine Meinung, sondern die von Henry Ford zum FIAT-money-System in den 30er Jahren. Ich habe sie auf das heutige EZB-System - so gut es geht - analog übersetzt. Ich würde gerne wissen, ob Ihr, also auch Du, es so seht?

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CorMaguire
vor 3 Minuten von mmusterm:

Das ist nicht meine Meinung, sondern die von Henry Ford zum FIAT-money-System in den 30er Jahren. Ich habe sie auf das heutige EZB-System - so gut es geht - analog übersetzt. Ich würde gerne wissen, ob Ihr, also auch Du, es so seht?

Dann liegst falsch :myop: denn: Wie übersetzt man eine Meinung die es so nicht gab? Im Link in #207 könntest Du das finden was Henry Ford nachvollziehbar (soweit man der Quelle glaubt) geschrieben hat (afaik zu einer Zeit als der Goldstandard noch galt).

 

Ich würde mich schon grundsätzlich weigern alles so zu sehen wie alle anderen hier (selbst wenn das unwahrscheinlicherweise der Fall wäre) :lol:

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mmusterm
11 minutes ago, CorMaguire said:

Quelle

Das steht in der Quelle - Hervorhebung durch mich: 
"The people are naturally conservative. They are more conservative than the financiers. Those who believe that the people are so easily led that they would permit the printing presses to run off money like milk tickets do not understand them. It is the innate conservation of the people that has kept our money good in spite of the fantastic tricks which financiers play-and which they cover up with high technical terms. The people are on the side of sound money. They are so unalterably on the side of sound money that it is a serious question how they would regard the system under which they live, if they once knew what the initiate can do with it."

Ich finde meine Übersetzung ins Jahr 2026 jetzt auch nicht so falsch wie die damalige Paraphrasierung vom 19.März 1937: "It was Henry Ford who said in substance this: 'It is perhaps well enough that the people of the nation do not know or understand our banking and monetary system, for if they did I believe there would be a revolution before tomorrow morning'.":myop:

Egal - wir gleiten ab. Lassen wir diese Diskussion auslaufen.

 

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CorMaguire
vor 15 Minuten von mmusterm:

... Egal - wir gleiten ab. Lassen wir diese Diskussion auslaufen.

Von mir aus gerne ... ich erlaube mir noch darauf hinzuweisen, dass es nicht vorrangig ein Übersetzungsfrage ist, sondern dass Henry Ford

vor 48 Minuten von mmusterm:

Das ist nicht meine Meinung, sondern die von Henry Ford zum FIAT-money-System in den 30er Jahren. ...

gar kein FIAT-Money-System meinen konnte, weil es ja damals ein Gold-Standard-System war. 

 

Womöglich hatte er also anderes (Cantillon-Effekt? --> https://de.wikipedia.org/wiki/Cantillon-Effekt) im Sinn  ...

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mmusterm
5 minutes ago, CorMaguire said:

kein FIAT-Money-System meinen konnte

Da hast Du Recht - Punkt für Dich

 

 

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lowcut

Die Streichung von Schulden bei der EZB ist eine Art von Staatsfinanzierung und somit nach Artikel 123 des Vertrags über die Arbeitsweise der European Union (AEUV) der EZB und den nationalen Notenbanken des Eurosystems untersagt. Das wissen Mélenchon und Varoufakis.

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reko
· bearbeitet von reko
vor 1 Stunde von lowcut:

Das wissen Mélenchon und Varoufakis.

und beide hätten das Verbot der Staatsfinanzierung lieber geändert,

Varoufakis. hält „ewige Anleihen“ (Perpetual Bonds) mit Null oder sehr wenig Zins für mit EZB Regeln vereinbar.

Theoretisch könnte man auch noch einen negativen Zins verlangen.

Wenn Frankreich ein weiteres steigen seiner Zinssätze verhindern will, sollte man solche Ideen nicht laut aussprechen.

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lowcut
vor 3 Stunden von reko:

und beide hätten das Verbot der Staatsfinanzierung lieber geändert,

Varoufakis. hält „ewige Anleihen“ (Perpetual Bonds) mit Null oder sehr wenig Zins für mit EZB Regeln vereinbar.

Theoretisch könnte man auch noch einen negativen Zins verlangen.

Wenn Frankreich ein weiteres steigen seiner Zinssätze verhindern will, sollte man solche Ideen nicht laut aussprechen.

Ich finde es interessant , das Varoufakis bevor er Finanzminister wurde seine Klappe sehr weit aufgerissen hat und dann im Amt die Vorgaben der EU befolgt hat. Es wird bei Mélenchon als Präsident nicht anders laufen. 

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reko
· bearbeitet von reko
vor 9 Stunden von lowcut:

Es wird bei Mélenchon als Präsident nicht anders laufen.

Mélenchon kommt vielleicht in die Stichwahl, verliert dann aber gegen Marine Le Pen. Ihre Aussagen sind entgegengesetzt. Die Märkte nehmen ihr das aber nicht ab oder befürchten einen Frexit.

2026/10/15 Le Pens radikale Rechnung mit vielen Fragezeichen

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lowcut
vor 2 Stunden von reko:

Mélenchon kommt vielleicht in die Stichwahl, verliert dann aber gegen Marine Le Pen. Ihre Aussagen sind entgegengesetzt. Die Märkte nehmen ihr das aber nicht ab oder befürchten einen Frexit.

2026/10/15 Le Pens radikale Rechnung mit vielen Fragezeichen

Kann man nur die Daumen drücken, das nur einer der beiden extremen Kandidaten in die Stichwahl kommt.

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reko
· bearbeitet von reko
vor 27 Minuten von lowcut:

Kann man nur die Daumen drücken, das nur einer der beiden extremen Kandidaten in die Stichwahl kommt.

Le Pen kommt fast sicher in die Stichwahl. In einer Stichwahl Mitte vs Rechts führt lt. Prognosen Le Pen knapp, aber nicht uneinholbar. Das aktuelle Störfeuer von Mélenchon nutzt hier Le Pen.

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