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Zentrale Indikatoren für den Krisenbeginn - Krisen-BSC 2.0

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Posted · Edited by Bärenbulle

Seinerzeit hatten wir hier im Forum 2007/2008 mal alle Krisenindikatoren (Klick mich) zusammengetragen. Mit Hilfe der Schwarmintelligenz des Forums (u.a. Torman, Otto03, TeraCottaPie, H.B., Zinsen und viele andere mehr) war es uns seinerzeit gelungen die "untere Trendwende"  im März 2008 fast punktgenau vorherzusagen bzw. zu bestimmen.

Eine wie ich finde beachtliche Leistung. Dadurch wurde das Krisenende und der Anfang des Zins-/Wirtschaftszyklusses ziemlich genau erkannt und als Chronik inkl. Verlauf vieler Indikatoren beschrieben.

 

Nun nähern wir uns dem Ende des Zinszyklusses und ich frage mich ob ein solches Unterfangen nicht wieder gelingen kann, nur diesmal eben für den Krisenanfang / das Ende des Zinszyklusses. Das Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkte auch für Langfristinvestoren eine große Rolle spielen sollte klar sein. Dabei geht es vor allem darum in etwa mögliche Tops in den Aktienmärkten zu erkennen, bevor diese einbrechen. Damit verbunden ist auch das Krisenverhalten anderer Assetklassen, da diese dann oft eine hohe Korrelation zueinander entwickeln und mit einbrechen (Bonds oft vor dem Aktienmarkt bzw. dann im Crash auch negativ korreliert, Rohstoffe brechen oft leicht danach ein; Gold eher negativ korreliert).

 

Allerdings benötigt man vermutlich für den Krisenanfang andere Indikatoren als für das Erkennen des Krisenendes. Würde mich freuen wenn Ihr mitmacht.

 

Eine Zusammenfassung poste ich wie immer hier am Beginn des Fadens, möglichst mit Links zu den aktuellen Daten (Wertigkeit in Klammern: 1=höchste Eignung und vglw. präzise Vorhersagekraft, ..., 10=sehr geringe Eignung).

 

Indikatoren Krisenbeginn:

 

A) Rezessionsindikatoren mit längerem Vorlauf

Zinsstruktur USA (1)

Zinsstrukturen International (3)

IPOs (5)

 

B) Rezessionsindikatoren mit kürzerem Vorlauf vor Rezessionen (bzgl. Aktien-Tops eher Gleichlauf)

BaR MoC (3)

ClearBridge U.S. Recession Risk Indicators (5)

Inflation (4)

Zinssenkungen / -erhöhungen der FED, Zinsen (3)

ECRI WLI (6)

LEI (Conference Board) (7)

ISM (8)

PMI (8)

OECD CLI (7) - OECD Recession US (9), EU (10), China (10)

Credit Impulse (6)

Margin Debt (8)

New One Family Houses sold bzw. New Resident Sales (8), Housing Starts (8), New One Family Homes for Sale in the United States (9)

Initial Jobless Claims (8)

Delinquency Rate on All Loans (7), Delinquency Rate on Commercial and Industrial Loans (8)

Cassinfo Transportindex (10), TSI (10)

CEO Confidence (8)

Commercial Bank Loans (10)

 

C) Gleichlaufende bzw. nachlaufende Indikatoren (dienen der Bestätigung)

Arbeitslosenquote

Smoothed U.S. Recession Probabilities (RECPROUSM156N) (8)

Corporate Profits US (10)

IFO, ZEW (10)

VIX (9)
TED Spread (6)

BDI (10)
Trendfolgeindikatoren (SMA/EMA200) für    S&P500,       MSCI World,    EuroStoxx600Banks,   Treasury,          Commodities,         Gold  (5)

CDS - Zahlungsausfallrisiken diverser Staaten (10)

US High Yield Spread (9)

 

D) Technische Indikatoren/Smart Money Indikatoren:

Hindenburg Omen (7)

TRIN/ARMS Indikator (8)

COTS (5)

 

E) Bewertungsniveau der Assetklassen vor allem Aktien

CAPE (2)

KBV, KGV, KUV, KCV, DR (3)

Renditen (2-3)

FED-Modell (3)

 

Diverse aktuelle KPIs, AAII Assetallocationsurvey

......................................................

 

Bei den Indikatoren lassen sich demnach 2 Kategorien unterscheiden:

1) Timing-Indikatoren (A-D): Wichtig für ein guten "Timing"-Indikator ist zunächst, dass es wenig Fehlsignale gibt. Außerdem sollte ein guter "Timing-Indikator" auch den Zeitpunkt möglichst präzise vorhersagen.

2) Fallhöhe/Risiko-Indikatoren (E): Die Fallhöhe-Indikatoren haben kein bzw. sehr wenig Auswirkung auf das Timing, sollten aber das Risiko in Form des potenziellen "Draw Downs" definieren. Sollte klar sein: Je höher die Bewertungsniveaus, desto tiefer kann der Verlust ausfallen.

 

Timing und die Zinsstruktur

Die Zinsstruktur ist der wichtigste Indikator. Sie ist gut erforscht und hat eine hohe Zuverlässigkeit. Die Rezessionswahrscheinlichkeiten basieren auf statistischen Probit-Modellen.

Bild5.jpg

Grafik 1: Probitmodell der FED

 

Das funktioniert auch mit anderen Spreads z.B. 1 vs 5 Jahre (CMT):

Bild6.jpg

Grafik 2: Allen sieben Rezessionen gingen jeweils immer invertierte Zinsstrukturen (rot) im Bild voran.

 

Hier die Erklärung warum die Zinsstruktur so gut funktioniert:

Frühe Phase Zinszyklus: Nach einem Crash und zu Beginn eines Zinszyklusses hat die Zentralbank die Zinsen gesenkt. Aktien sind günstig bewertet (niedrige Multiples, CAPE). Die Angst ist aber groß, der Schock sitzt tief, daher werden hohe Risikoprämien für Aktien gefordert. Daher sind Aktien attraktiv bewertet und weisen hohe Aktienrenditen aus. Mit fortschreitendem Zyklus fließt Geld in Aktien, die Kurse steigen, die Angst sinkt (ebenso das geforderte BRP = Risikopremium Aktien gegenüber Bonds). Anfang geht das schnell, die Aktien erholen sich, Zuversicht kehrt ein die Zinsstruktur wird steil, weil Erholung der Wirtschaft das wahrscheinliche Szenario ist.

Mittlere Phase Zinszyklus: Zwar sitzt die Angst noch in den Knochen, aber zunehmend kehrt auch in der breiten Masse Zuversicht zurück. Aktien sind immer noch gut bis normal bewertet. Die Zinsen sind niedrig.

Ist hinreichend Zeit vergangen, Vertrauen und Wirtschaft wieder hergestellt, dann steigen die Kurse langsam, aber stetig. Die Wirtschaft läuft wieder, die Kurse steigen mal mehr, mal weniger und die dadurch leicht inflationären Tendenzen führen erst nicht, dann aber zu langsamen Zinserhöhungen. Das geht mal schnell, mal langsamer und kann lange Dauern. Aber je länger es dauert, desto mehr herrscht Anlagenotstand.

Späte Phase Zinszyklus: In der Spätphase wird der Anlagenotstand all-beherrschend. Die Gier und Risikoappetit steigt und die Renditen auch von riskanteren Anlageklassen sinken (BRP unter 1% oder sogar negativ). Wenn die Aktienrenditen kleiner werden, dann wirkt sich dies auch auf die Zinsen aus (insbes. auf das lange Ende). Bei Aktionären herrscht mittlerweile extremer Anlagenotstand, weil die Renditeerwartungen von Aktien aufgrund der steigenden Kurse immer niedriger werden. Aber das ist okay, weil die Leute auch nicht mehr ängstlich sind (sie akzeptieren niedrige Aktienpremiums). Trotzdem werden Anleihen im Vergleich dazu interessanter. Immer mehr Aktionäre schwenken daher auch auf Anleihen um, mit der Folge, dass die Renditen inbes. am langen Ende sinken, denn Anleger die so denken sind eher langfristig orientiert und wollen sich die Zinsen längerfristig sichern, weil Sie sinkende Zinsen antizipieren (die Kurve wird flacher).

Daher sinkt und invertiert die Zinsstruktur zunehmend in einem von steigenden Aktienkursen / Aktienüberbewertung und Anlagenotstand dominierten Umfeld. Genauer gesagt wird Sie zunächst weniger steil, dann flach und erst am Ende erkennt man eine Inversion. Natürlich schwankt das Ganze hin und her, aber mit klarer Tendenz zur Abflachung und zuletzt Inversion.

Das kann lange so weiter gehen und sich immer weiter entwickeln, wenn keine Schocks wie Inflation (Zentralbank wird gezwungen die Zinsen zu erhöhen => kurzes Ende steigt; Zinsstrukturkurve invertiert) oder wirtschaftliche Probleme (Rezession zeichnet sich ab; niedriges Wirtschaftswachstum; langes Ende der Zinsstruktur kippt weiter ab, da aufgrund der schwachen Wirtschaft niedrige Inflation/Deflation antizipiert wird). Oft bedingen sich hohe Inflation (steigende Löhne, Zölle, Produktivitätsrückgang, sinkende Margen von Vorprodukten/Rohstoffen und Verkaufspreis) und Wirtschaftsabschwung gegenseitig. Der Bogen ist dann überspannt. Die Zentralbanken versuchen noch etwas zu retten und beginnen wieder mit Zinssenkungen. Doch invertiert die Kurve, dann ist absehbar, dass sich die Überbewertungen entladen werden.

Warum preist der Markt das nicht ein und warum gibt es so selten ein "Soft-Landing"?

Einpreisen kann der Markt es nicht wegen dem allgemeinen Anlagenotstand. Alle Assets stehen relativ zueinander hoch. Es gibt also schlicht keine Alternativen. Natürlich kann man sich in Antizipation einer Krise komplett vom Markt zurückziehen, aber dann muss man auf Rendite verzichten und seien diese auch noch so klein. Große Fondsmanager können sich aber z.B. 2 Jahre Marktabstinenz wohl kaum leisten. So wandert das System von neuer Höhe zu Höhe mit ständig sinkenden Renditen. Erst wenn die Fallhöhe sehr hoch ist wird das System wirklich instabil. Die Zentralbank kann dieses Dilemma auch nicht mehr lösen, weil der Weg nach oben durch die hohen Bewertungen aller Assets sehr begrenzt ist. Dafür ist die Fallhöhe nach unten aber riesig und wird immer größer. Es reicht ein Nadelstich um den Baloon zum Platzen zu bringen. Nur durch ein Platzen der Überbewertungen können die Renditen auf Normalniveau zurückfallen. Zinssenkungen helfen da nicht. Bisher haben Zentralbanken keinen Weg gefunden diese unkontrollierten Rücksetzer aufzuhalten, da sie die einsetzenden gruppendynamischen Prozesse der Marktteilnehmer nicht mehr aufhalten können. Ein invertierende Zinsstruktur zeigt, dass dieser gruppendynamische Prozess begonnen hat. Wohlgemerkt ist das sicher kein Geheimnis, denn das Smart Money ist überwiegend gezwungen noch "weiterzutanzen", weil es idR. Anlegergelder verwalten muss und daher höllischen Anlagedruck hat, aber die meisten wissen das Sie bald zum Ausgang rennen müssen. Die Inversion zeigt vermutlich das einige schon rennen (also z.B. Aktien in Langläufer umschichten, weshalb die Zinsstruktur invertiert).

 

Was auch deutlich macht, dass die Bewertung der Märkte insbesondere der Bond und Aktienmärkte zueinander eine wichtige Rolle spielt, obwohl das Bewertungsniveau der Aktien keine Rolle für das Timing spielt.

 

 

Timingvorlauf bzgl. Aktienmärkte:

Die Zinsstruktur (erste Inversion) hat im Schnitt sechs bis 8 Monate Vorlauf vor dem S&P Einbruch und 14 Monate Vorlauf vor einer Rezession. Das streut allerdings etwas und hängt auch davon ab welchen Spread man betrachtet. Das wird weiter unten erläutert/diskutiert inkl. Quellen. Die Inversion der Zinsstruktur war bisher aber sehr zuverlässig. Da die Inversion im März begann, wäre ein letztes Top im 4. Quartal 2019 wahrscheinlich.

Bild2.jpgBild1.jpg

Grafik 3: Inversion der Zinsstruktur und vorhergesagte Rezessionen und Einbüche des S&P500

 

 

Wie sich der S&P während und nach den Inversionen entwickelt hat kann man hier nachfolgend im Detail besichtigen. Die Inversionen sind durch einen gelben Kursverlauf gekennzeichnet und beginnen im Nullpunkt:

Bild4.jpg

Bild5.jpg

Grafik 4: Verlauf S&P nach Inversionen

 

Unbenanntes Bild.jpg

Grafik 5: Returns of different asset classes after inversions (calculated as the index change between the first negative reading of the yield curve leading up to a recession)

 

Microtiming mittels BaR-"Konjunktur-Uhr"

Durch die Darstellung seiner 19 wirtschaftlichen Schlüsselindikatoren erfasst der BaR die wirtschaftliche Aktivität, die Stimmung und den konjunkturellen Ausblick. Er legt eine sogenannte Basislinie fest, die eine Schätzung der voraussichtlichen Position der einzelnen Indikatoren bei Auftreten einer Rezession darstellt (Y-Achse). Die X-Achse zeigt die "proportional rate of change" des Indikators. Beispielsweise würde ein Rückgang der Baugenehmigungen von 1,36 Mio. auf 1,30 Mio. eine Verringerung der "proportional rate of change" bedeuten. Aus diesen 19 Indikatoren wird der Mittelwert der Koordinaten (mean of coordinates = MoC) ermittelt, der den allgemeinen Wirtschaftszustand anzeigt.

Unmittelbar vor der Rezession bewegt sich der MoC auf die Nullinie der Baseline zu.

Bild4.jpgBild3.jpg

Grafik 6: BaR (Baseline and Rate of Change). Aktueller MoC und LD (links) und MoC-Veränderung über den Wirtschaftszyklus (rechts)

 

Die BaR-"Konjunktur"-Uhr eignet sich gut zur Bestätigung anhand von leicht vorlaufenden und mitlaufenden Indikatoren und somit für das Microtiming. Allerdings ist er auf die konkrete konjunkturelle Rezession fokussiert (der Aktienmärkt läuft der Rezession ja wie beschrieben z.B. 6 Monate vor). Von den 19 Indikatoren sind 8 sogenannte Leading Indikatoren (LD => siehe grüner fetter Punkt) i.e.: consumer sentiment, private building permits, small business optimism, nonfarm job openings, temporary employment, unemployment claims, St. Louis Fed Financial Stress Index, and yield curve spread (10-yr minus 3-month). "The leading indicators provide an early signal of which way the economy is trending. The leading indicators should near the baseline before the MoC, providing the earliest indication that a recession is approaching."

In dem S&P Top lag der MoC oft im "Decline"-Quadrant wie jetzt auch. Der MoC und zuvor der LD sollte aber eigentlich erstmal noch unter die 20% Baseline-Linie fallen bevor es wirklich ernst wird. Die vergangenen Annäherungen kann man hier besichtigen.

 

Micro-Timing und Zinsschritte:

Nachfolgende eine detaillierte Erläuterung, wie sich Zinssenkungen im Kontext einer Inversion verhalten und wie der Verlauf je nach Zinsniveau für die Bondmärkte aussieht (detaillierter hier):

4 Deteilsanalysen.jpg

Grafik 7: Zinssenkungen der FED nach Inversionen und Zinsverhalten in den 3 vorhergehenden Krisen

 

Schlüssel für das Micro-Timing ist vor allem die erste Zinssenkung der FED am Ende des Zyklusses, da an der Stelle meist auch die Aktienmärkte sehr fragil werden. Deshalb darf man die Zinsen nicht einfach nur als isolierten Indikator betrachten, frei nach dem Motto "Zinssenkungen sind positiv für den Aktienmarkt". Sie markieren in dem obigen Kontext einen wichtigen Wendepunkt, weil die FED die Rezession nicht proaktiv verhindert oder die Wirtschaft steuert, sondern Sie immer nur reagiert, mit dem Versuch die Auswirkungen abzumildern, sobald Sie den Abschwung erkennt. Die Zinssenkung macht also für alle Welt sichtbar, das die FED den oberen Wendepunkt erkannt hat und nun gegensteuert. Auch das erklärt die Anomalie, dass Aktien bei einer Zinssenkung einbrechen (es müßte andersherum sein). Da die Bewertungsniveaus viel zu hoch sind, ist es zudem sehr unwahrscheinlich, dass die Zinssenkungen noch schnell genug eine Wirkung entfalten, denn die Vorteile der Zinssenkung benötigen schlicht zu lange um in der Realwirtschaft anzukommen.

 

Hier die Vorlaufzeiten zwischen erster Zinssenkung, vor der Rezessionen und Rezessionsdauer etc.:

8.jpg

Grafik 8: Microtiming in Monaten

 

Bisher war eine inverse Zinsstruktur (dunkelgrüne "Kringel" i.e. FFR=rot steigt über 10Y=blau) gefolgt von der ersten Zinssenkung (dunkelgrüne Linie nach oben i.e. FFR=rot sinkt) ein recht gutes Microtiming-Signal für den Start von S&P Bären.

Wenn entweder die Inversionen kurz waren oder der Zinssenkungszyklus schnell wieder abgebrochen wurde, dann war ein Marktexit eher negativ (rote Striche/Pfeile) oder hat zumindest nichts gebracht (gelbe "Kringel", Striche, Pfeile).

History Inversion and first rate cut.jpg

Grafik 9: Inversionen mit nachfolgender Zinssenkung als Signal

 

Fallhöhe (möglicher "draw down" für die US Märkte)

Ich habe mich nun als nächstes gefragt wie man die Fallhöhe der Märkte derzeit bestimmen kann. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass sich die Marktteilnehmer nachdem Sie sich im Anlagenotstand getrieben von einem Gipfel zum nächsten bis in die extrem dünne Bewertungsluft vorgetastet habe in Panik verfallen, so dass sich die Bewertungsniveaus wieder auf ein Normalmaß reduzieren. Insofern weisen die Indicatoren unter E) den Weg. Aber wie hoch ist die Fallhöhe? Fallen die Indizees einfach nur auf Ihre langjährigen Durchschnittwerte bzgl. CAPE, KGV etc. zurück oder fallen Sie tiefer und welche Rolle spielen die Zinsen dabei?

Um das herauszufinden habe ich insgesamt 7 verschiedene - jeweils in sich plausible - Methoden verwendet (siehe hier), die ich mit den "S&P Max Decline" aus der Tabelle (siehe Grafik 2) oben abgeglichen habe und mithilfe der Standardabweichung bewertet.

Im Schnitt ergibt sich demnach ein "draw down" für den derzeitigen S&P von etwa 33,42%. Methoden im Überblick:

 

7methods.jpg

Grafik 10: Aktuelles "Draw Down" Potenzial des S&P500

 

Der niedrigste prognostizierte Wert beträgt 19,5%, der höchste 56,59%. Insgesamt verhalten sich die Methoden einigermassen robust zueinender. Am realististen ist aber wohl die Berücksichtigung des derzeit hohen Zinsniveaus, welches durch die ersten 3 Modelle nicht so gut eingefangen wird. Auch Modell 4 hat keine gute Standardabweichung.

 

Daher sind die letzten 3 Modelle am glaubwürdigsten und haben sehr gute Standardabweichungen. Sie kommen gleichgewichtet auf 29,17% max DD raus.

 

Fazit: Keine wirklich bewegenden Erkenntnisse, die man nicht schon nach der blossen Durchschnittsbildung berechnet hätte. Aber doch eine robuste Falsifizierung der Aussage, dass aufgrund der derzeit extrem niedrigen Zinsniveau nur ein geringes Absturzrisiko bestehe. Das ist eindeutig falsch.

 

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Posted · Edited by Bärenbulle

Habe gerade einen prima Artikel von John Mauldin (Artikel in Englisch hier Klicken) gelesen, der eine Menge Dinge aus meiner Sicht auf den Punkt bringt. Daher werde ich einiges daraus 1:1 hier posten. Hier kommt Teil 1:

 

Zitat

Sturmwolken der Rezession (Teil 1)

07:00 Uhr  |  John Mauldin

 

Oft werde ich - und das aus verschiedenen Gründen - gefragt, ob uns eine Rezession bevorsteht. Einige Leute sorgen sich um ihre Investitionen. Andere wiederum sorgen sich um ihren Arbeitsplatz oder ihre Kinder. Politisch engagierte Leute fragen sich, ob und wie eine Rezession die nächste Wahl beeinflussen könnte.

Meine Antwort an all diese Menschen lautet: "Ja, aber noch nicht jetzt." Das denke ich auch heute noch, doch mehr und mehr Warnsignale, die ich in der Vergangenheit schon einmal verwendet habe, tauchen wieder auf.

Wenn ich einen Blick auf die Daten werfe, dann sehe ich einige gute Neuigkeiten, aber auch, dass eine Frühindikatoren an Stärke verlieren. Ich sehe, dass schlaue Leute wie Dave Rosenberg argumentieren, dass wir uns heute möglicherweise bereits in einer Rezession befinden könnten. Und ich sehe auch, dass sich die Wall Street nicht wirklich darum schert, solange es genügend Zinssenkungen gibt, um die Vermögenswertpreise oben zu halten. Nichts davon ist sonderlich beruhigend.

Heute werfen wir einen Blick auf unser Umfeld und was gerade passiert. Da ich immer versuche, mir meiner eigenen Vorurteile bewusst zu sein, werden wir zudem auch optimistischere Ansichten betrachten. Diese mögen vielleicht nicht sonderlich überzeugend sein, doch es ist wichtig, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wie Sie sehen können, sammeln sich die Sturmwolken. Jemand wird von dem darauffolgenden Blitz getroffen werden. Vielleicht sind das sogar Sie.

Länger und Schwächer

Lassen Sie uns mit einem Überblick damit beginnen, wo wir uns gerade befinden. Ich denke, dass wir alle zustimmen, dass dieser Erholungszyklus sowohl länger als auch schwächer ausfiel als in der Vergangenheit. Jegliches Wachstum ist natürlich gut und sicherlich besser als die Alternative. Doch das letzte Jahrzehnt war kein "Boom", mit Ausnahme der Aktien- und Immobilienpreise.

(Lassen Sie uns rasch den Mythos aus der Welt schaffen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession größer wird, je länger die Erholung andauert. Das ist eine Tautologie. Erholungen enden nicht aufgrund ihrer Länge. Zurück zum eigentlichen Punkt...)

Mir gefällt dieser Chart von Lance Roberts, da er langfristige (über fünf Jahre) Veränderungen dreier Schlüsselindikatoren über lange Zeitspannen (seit 1933) hinweg zeigt: Produktivität, Gehaltswachstum und BIP-Wachstum. Wie Sie sehen, fallen diese drei Faktoren verglichen mit ihren historischen Durchschnitten eher mäßig aus.

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Quelle: Lance Roberts



Diese Maßstäbe sind seit Anfang des 21. Jahrhunderts allgemein gefallen, was darauf hindeutet, dass das, was unsere aktuellen Probleme verursacht hat, vor der Finanzkrise aufgetreten ist. Doch wir müssen die Ursache nicht wissen, um die Auswirkungen feststellen zu können, die - wenn auch nicht katastrophal (zumindest noch nicht) - besorgniserregend sind. Und, wie Lance hervorhebt, hat ein Jahrzehnt voller Bailouts und taubenhafter Geldpolitik keine vorherigen Trends wiederbelebt.

Die Abschwächung des Wachstums ist ebenfalls sichtbar, wenn wir die kürzliche Vergangenheit via des Goldman Sachs Current Acitivitiy Indicator betrachten. Dieser bildete Anfang 2018 eine Spitze (das war, meiner Ansicht nach, nicht zufällig zum selben Zeitpunkt, als Trump damit begann, Zölle auf chinesische Waren zu erheben) und ging in diesem Jahr weiter zurück. Ein Großteil ist der Schwäche im Produktionssektor zuzuschreiben, doch der Verbraucher- und Immobiliensektor spielen ebenfalls hinein.

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Quelle: Goldman Sachs via The Daily Shot


Das bedeutet nicht, dass die Rezession gegenwartsnah ist. Die US-amerikanische Wirtschaft wächst, gemessen an den meisten Maßstäben, noch immer. Doch das Wachstum geht zurück und wird, wenn es von niemandem wiederhergestellt wird, letztlich zu einer Kontraktion werden.

Mein Freund Lakshman Achuthan vom Economic Cycle Research Institute (ECRI) stellt das außergewöhnlich berechtigte Argument auf: Rezessionen treten nicht basierend auf soliden Wachstumszyklen auf. Volkswirtschaften bewegen sich allgemein in eine so genannte "verwundbare Phase", bevor sie durch etwas in eine Rezession gezogen werden. Wir stimmen alle zu, dass sich die US-Wirtschaft - nicht zu vergessen die Weltwirtschaft - in einer verwundbaren Phase befindet. Es wird keinen sonderlichen Schock brauchen, um sie in eine Rezession zu ziehen.

 

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Die Indikatoren im Teil 1 sind eher unspektakulär, so dass ich wohl keine davon übernehmen werde, es sein denn jemand singt das hohe Loblied auf diese.

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Posted · Edited by Bärenbulle

Spannender ist Teil 2. Er behandelt u.a. die Zinsstruktur und auch die Wirkung der aktuellen Zentralbankpolitik darauf. Das ist schon sehr interessant. Der wichtigste mir bekannte Indikator für den Forecast einer Rezession und somit eines Börsencrashes ist eh die Zinsstruktur. Sie hatte in der Vergangenheit hohe Prognosekraft und ist durch viele wissenschaftliche Studien erforscht.

Zitat

...

 

Das sind aus vielerlei Gründen schlechte Nachrichten. Doch einer dieser Gründe ist die Tatsache, dass wir einiges aufzuholen haben. Meine Freundin Philippa Dunne zitierte erst kürzlich Nachforschungen des IWFs, die sich auf bleibenden Schaden von der Finanzkrise bezogen. Reales BIP pro Kopf seit 1970 fällt nun etwa 10.000 Dollar pro Person niedriger aus, als der Wert, bei dem es sich laut Vorkrisentrend nun eigentlich befinden müsste. Philippa rechnete, dass sich die Wirtschaft zu aktuellen Raten nicht dort befinden wird, wo sie sich bis 2048 eigentlich befinden "sollte."

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Quelle: TLR Analytics



Eine Rezession wird uns noch stärker unter die Trendlinie von 1970 bis 2007 drücken. Und keine Nullzinspolitik (ZIRP) und quantitative Lockerung auf dieser Welt wird uns zurück zu diesem Trend bringen können, genau wie nach 2008. Egal wie schnell wir zu rennen versuchen, es wird immer schwerer werden, zurück zu dieser Trendlinie zu gelangen.


Invertierungen

Die invertierte Renditekurve ist einer der verlässlicheren Rezessionsindikatoren, wie ich im letzten Dezember diskutiert habe. Damals gab es noch keine vollständige Invertierung. Im Nachhinein kann es jedoch sein, dass die Kurve vielleicht bereits "invertiert" war und wir das einfach noch nicht wussten.

Sie können sich vielleicht daran erinnern, dass Powells Fed 2018 damit verbrachte, die Zinsen nach und nach zu erhöhen und die Assets innerhalb der Bilanz zu reduzieren, die über die QE-Jahre angesammelt wurden. Das führte zu zusätzlicher Straffung. Ich meinte, dass sei ein Fehler, aber leider hörte die Fed nicht auf mich. Tatsächlich habe ich fortwährend argumentiert, dass die Fed ein unkluges Experiment mit zwei Variablen durchführen würde, indem beides zeitgleich getan wird. Viele ernsthafte Beobachter fragen sich, was problematischer für die Wirtschaft ist. Ich denke, dass die Bilanzreduzierung deutlichere Auswirkungen hatte als die niedrigen Zinsen.

Wenn Sie annehmen - ähnlich wie Morgan Stanley unten (und ich habe einige Varianten dessen von verschiedenen Analysten gesehen) - dass jede Bilanzreduzierung um 200 Milliarden Dollar mit einer weiteren Zinserhöhung um 0,25% gleichzusetzen ist - was ich für vernünftig halte - dann hat sich die Kurve tatsächlich früher invertiert als die meisten dachten. Schlimmer noch, die Straffung vom Höhepunkt der QE im Jahr 2015 war viel aggressiver und schneller als wir realisiert haben.

Lassen Sie uns den unteren Chart betrachten. Die hellblaue Linie ist eine adjustierte Renditekurve basierend auf den Annahmen, die ich gerade beschrieben habe.

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Quelle: Morgan Stanley



Doch sogar die nominale Renditekurve zeigt eine beunruhigend hohe Rezessionswahrscheinlichkeit. Zu Beginn des Monats zeigte das Modell der New Yorker Fed eine Wahrscheinlichkeit von 33%, das im nächsten Jahr eine Rezession auftritt.

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Quelle: New Yorker Fed

Bisschen seltsam / reißerisch ist die Trendkurve im ersten Bild, da sich mir nicht erschliesst, warum es sich um eine sich beschleunigende Steigung halten sollte. Eine Gerade halte ich für plausibler und dann wäre die Lücke am Ende auch viel kleiner.

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Zitat

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Ihre nächste Aktualisierung sollte diese Wahrscheinlichkeit etwas niedriger anzeigen, da die Fed darauf aus zu sein scheint, die kurzfristigen Zinsen zu kürzen, während andere Sorgen die langfristigen Zinsen erhöhen. Doch die Wahrscheinlichkeit ist, meiner Ansicht nach, noch immer zu hoch.

Doch beachten Sie, dass wir uns, wann immer die Wahrscheinlichkeit etwa 33% erreichte (mit Ausnahme von 1968), bereits in einer Rezession befanden oder kurz davor waren, eine zu betreten. Ich persönlich glaube, dass die Offiziellen der Fed ihren eigen Chart oben betrachten und sich Sorgen machen. Das ist der Grund, warum weitere Zinssenkungen nicht überraschend sein werden. Und ehrlich gesagt, würde ich auch "präventive, quantitative Lockerung" nicht ausschließen, sollte die Wirtschaft vor der nächsten Wahl im nächsten Jahr gedämpft wirken.

Doch das ist nicht Jedermanns Meinung. Gavekal stellt uns diesen praktischen Chart zur Verfügung, der zeigt, dass Invertierungen nicht immer zu sofortigen Rezession führen.

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Quelle: Gavekal Research

 


Schön und gut; kurze Invertierungen signalisieren nicht immer Rezessionen. Doch wie erwähnt, wenn Sie an die Straffung der Bilanz bedenken, dann war diese nicht kurz. Beachten Sie zudem, dass das Ende einer Invertierung keine Entwarnung ist. Die Renditekurve verläuft oftmals steil, selbst während eine Rezession stattfindet.

Eines ist sicher: Obgleich die Renditekurve keine Rezession signalisieren mag, so signalisiert sie auch kein höheres Wachstum. Das Beste, was man sagen kann, ist, dass sich die milde Expansion so fortsetzen wird wie bisher. Das ist vielleicht besser als die Alternative, sorgt jedoch nicht dafür, dass ich vor Freude eine Flasche Champagner öffnen möchte.

Rob Arnott von Research Affiliates ist einfach einer der besten Marktanalysten überhaupt. Er hat mehr Preise und Auszeichnungen gewonnen als fast jeder andere, den ich kenne. Ich bin stolz darauf, ihn einen Freund nennen zu dürfen und häufig die Gelegenheit zu bekommen, von seinen Kommentaren zu meinen Briefen profitieren zu können. Ich lasse Rob für sich selbst sprechen:

Ich bin fasziniert davon, dass es so viele Volkswirtschaftler und Experten gibt, die glauben, dass Zinssenkungen eine schlechte Idee sind, wenn viele (manchmal sogar dieselben Leute!) glaubten, dass die Nullzinspolitik ein halbes Dutzend Jahre in Ordnung war.

Ich war überrascht von Yellens kürzlichem Kommentar, dass es "sehr schwierig" sei, die langfristigen Zinsen zu senken. Das scheint Biancos Behauptung Glaubwürdigkeit zu verschaffen, dass die Invertierung der Renditekurve keine Rezession "prognostizieren" muss; es "verursacht" eine Rezession. Die "Kausalität" ist eine kontroverse Idee.

Mein Argument: Die langfristigen Zinsen werden von den Märkten bestimmt, nicht von den Aufsichtsbehörden. Sie sind hoch, wenn die Inflation und/oder die Wachstumserwartungen stark sind und niedrig, wenn die Inflation/Wachstumserwartungen niedrig sind. Wenn die langfristigen Zinsen unter die kurzfristigen fallen (oder die kurzfristigen Zinsen über die langfristigen steigen), dann erzählen uns die langfristigen Zinsen, dass die Leute lieber langfristige Kredite zu Zinsen vergeben, die niedriger als die kurzfristigen Kapitalkosten ausfallen und, dass sie es vermeiden, Kredite zu Zinsen aufnehmen, die bei oder über den kurzfristigen Kapitalkosten liegen.

Das deutet wahrscheinlich auf eine Mischung aus Risikoaversion und Pessimismus hin. Die Fed wartet bis sie Zeichen der Schwäche sieht, also liegt sie immer hinter der Kurve zurück. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem objektive Beweise der Schwäche vorliegen, ist es für die Fed zu spät etwas zu tun.

Das ist auch der Grund, warum Kritiker Steve Moore oder Judy Shelton nicht dafür kritisiert werden sollten, höhere Zinsen vor Trumps damaliger Präsidentschaftswahl gewollt zu haben und nun mittlerweile Befürworter niedrigerer Zinsen zu sein. Der untere Chart deutet darauf hin, dass die langfristige Anleihe die Fed zur Normalisierung angefleht hat, innerhalb weniger Monate nachdem die Weltwirtschaftskrise beendet war. Und nun sagt sie: "Uns geht die Zeit zur Lockerung aus."

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Quelle: Research Affiliates

 

Meiner Meinung nach ähnelt eine invertierte Renditekurve einem Fieber. Sie erzählt uns, dass da etwas in unserem Wirtschaftskörper nicht stimmt. Und leider - zumindest historisch betrachtet - liegt Rob richtig. Die Fed lag schon immer hinter der Kurve zurück. Trotzdem sei Powell die Tatsache gutzuschreiben, dass er versucht, vor die Kurve zu gelangen; zumindest diesmal. Ich bin jedoch wenig hoffnungsvoll, was das Endergebnis angeht.

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Zitat

Güterstopp

Die Renditekurve und andere Finanzindikatoren sind, wenn auch interessant, irgendwie abgekoppelt von der "realen" Wirtschaft. Was passiert an der Main Street, wo die realen Leute reale Produkte kaufen und verkaufen, die sie im Alltagsleben verwenden? Die dortigen Nachrichten sind auch nicht wirklich beruhigend.

Die physischen Waren, die wir kaufen - Lebensmittel, Kleidung, Möbel, Häuser und alles andere - haben eines gemeinsam. Sie (oder ihre Bestandteile) reisen lange Distanzen, um uns zu erreichen. Manchmal kommen sie aus dem Ausland, manchmal aus dem Inland, doch keiner von uns lebt in der Nähe all dieser Dinge, die er braucht. Die Marktwirtschaft bringt sie zu uns.

Die Leute haben den Transportsektor der Wirtschaft treffend mit dem Zirkulationssystem unseres menschlichen Körpers verglichen. Es ist eine gute Metapher. Blut liefert Nährstoffe an unsere Organe, ebenso wie LKWs Produkte zu uns nach Hause liefern. Probleme beginnen dann, wenn diese Lieferungen erlahmen... und das tun sie.

Der Cass Freight Index (dem ich seit mehr als einem Jahrzehnt gefolgt bin) misst die Liefervolumen (durch Quantität, nicht Kosten) über die Wirtschaft hinweg: LKW, Eisenbahn, Flugzeug, Schiff, alles. Der untere Chart zeigt die prozentualen Veränderungen im Jahresvergleich.

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Quelle: Cass Information Systems



Sie können sehen, dass das Lieferwachstum 2016 zulegte, nachdem es längere Zeit Schwäche verzeichnete. Das setzte sich bis ins Frühjahr 2018 fort, als ein steiler Rückgang erfolgte. (Beachten Sie, dass dies zeitgleich mit der Kontraktion des Produktionssektors zusammenfiel, der im Chart von Goldman Sachs oben gezeigt wird und zudem zeitgleich mit der ersten Erhebung von Zöllen durch Trump stattfand). Das jährliche Wachstum fiel im Dezember 2018 unter Null und blieb seitdem dort - nunmehr sieben aufeinanderfolgende Monate.

"Was ist schon dabei?" fragen Sie sich vielleicht. Bedenken Sie, wie lange die Kontraktion von 2014 bis 2016 anhielt. Sie signalisierte keine Rezession. Hier möchte ich zwei Punkte erwähnen:

Erstens: Der Rückzug erfolgte aufgrund eines Ölpreiseinbruchs, der im November 2014 begann und dann rasch die Schieferölproduktion der USA beeinflusste. Das reduzierte die Liefervolumen stark.

Zweitens: Obgleich sie keine allgemeine Rezession auslöste, so erlebte dieser spezielle Teil der Wirtschaft seine ganz eigene Rezession und die war unangenehm. Fragen Sie diejenigen, die in der Energiebranche oder in Energie produzierenden Regionen tätig sind, wie sie diese Jahre erlebt haben.

Die aktuelle Lieferkontraktion ist möglicherweise viel schlimmer. Wir können das keinem plötzlichen Ereignis zuschreiben - die OPEC, die plötzlich die Ölschleusen öffnet - und es ist auch auf keinen bestimmten Sektor fokussiert. Die Cass-Daten zeigen überall Rückgänge, bei allem.

Schiebe ich Trumps Handelskrieg die Schuld zu? Teilweise ja, doch ich denke, dass da noch mehr hineinspielt. Jahrelang flache Gehälter zwangen Haushalte dazu, mehr Schulden auf sich zu nehmen. Das hat einen kumulierenden Effekt; Sie können die Zahlungen eine Weile lang bewältigen, doch letztlich passieren andere Dinge. Steigende Zinsen helfen dabei nicht.

Das wäre einst ein normales Muster gewesen, nicht gut, aber auch nicht alarmierend. Die Wirtschaft hatte Zyklen und wir haben uns mit diesen abgefunden. Doch die lange Dauer und das schwache Ausmaß dieser Wachstumsphase sorgt dafür, dass sich die unausweichliche Abwärtsbewegung schlimmer "anfühlt" als viele andere. Das Leid sammelt sich an und führt letztlich zu einer Rezession.


Plan für das weitere Vorgehen

Wenn Sie also Investitionen besitzen, was bedeutet dass dann alles für diese? Wahrscheinlich nichts Gutes. Aktienbewertungen sind historisch hoch gegenüber unserem tatsächlichen Einkommen. Sie erkennen das vielleicht als Lieblingsindikator von Warren Buffet: das Verhältnis zwischen Aktien und dem Bruttonationaleinkommen.

Steven Blumenthal teilte kürzlich einen guten Chart diesbezüglich. Hier ein Zitat zu seiner Erklärung:

Der untere Chart betrachtet, was Warren Buffet als seinen liebsten Bewertungsmaßstab bezeichnet. Er vergleicht den Gesamtwert des Aktienmarktes mit dem nominalen, inländischen Bruttoeinkommen. Aktienmarktkapitalisierung berechnet sich auf der Anzahl an Aktien, die ein Unternehmen ausstehend hat, multipliziert mit dem aktuellen Aktienpreis. Alle US-amerikanischen Unternehmen werden kalkuliert und zusammengerechnet, um den Gesamtwert an US-Aktien zu erhalten.

Denken Sie sich das Bruttoinlandseinkommen als das, was wir gemeinsam verdienen. Wenn die Aktienkurse steigen, dann steigt der kollektive Wert des Marktes und wenn Sie diesen mit unserem kollektiven Einkommen vergleichen, erhalten Sie ein Verhältnis, mit dem man feststellen kann, ob die Preise überbewertet oder gegenüber unserem Einkommen billig (unterbewertet) sind.

Ned David Research (NDR) testete die Daten bis zum Jahr 1925 und gliederte das Verhältnis zwischen Aktienmarktwert und Einkommen in fünf Quintile auf (überbewertet bis unterbewertet).

Und so lesen Sie den Chart richtig:

Fokussieren Sie sich zuerst auf den unteren Teil des Charts. Die rote Linie zeigt das Verhältnis seit 1925.

 

Über der grünen, gepunkteten Linie befindet sich das oberste Quintil oder am meisten überbewertet, was das Verhältnis zwischen Aktienmarktkurs und Einkommen angeht. Unten finden Sie das unterste Quintil, wo es die besten Schnäppchen gibt. Der rote Pfeil markiert die früheren Spitzen der Bewertung (1929, 1966, 2000, 2008 und heute).

 

Betrachten Sie als nächstes das rote Rechteck im oberen linken Bereich des Charts. Fokussieren Sie sich auf den gelben Kreis. Er zeigt die fünfjährige Rendite, die erreicht wurde, als das Verhältnis im obersten Quintil und bei nur 1,41% lag. Das ist die Gesamtrendite nach fünf Jahren, was bedeutet, dass Ihre 100.000 Dollar nur auf 101.410 Dollar anwuchsen. Auf das Jahr hochgerechnet, macht das einen zusammengesetzten Ertrag von etwa 0,22% im Jahr. Nicht gut. Die 10-Jahresrendite lag bei nur 50,66%, was einen annualisierten, zusammengerechneten Ertrag von etwa 4,25% ergibt. Nicht so gut.

 

Nun betrachten Sie die folgenden 5- und 10-Jahresrenditen, als sich das Verhältnis im untersten Quintil befand. +123,87% durchschnittlich nach fünf Jahren und +367,36% nach 10 Jahren. Ziemlich gut.

 

NDR meinte, dass kein Indikator einen besseren Job gemacht hätte, die 5- und 10-Jahresrednite zu zeigen. Das sollten wir bedenken.


d2.jpg

 

Quelle: CMG Wealth Management



In anderen Worten: Es zählt, wann Sie beginnen und aktuell ist kein guter Zeitpunkt. Sie möchten zur Zeit von Schwäche kaufen, nicht Stärke. Die Schwäche wird auftreten, doch noch ist das nicht der Fall.

Es gibt jedoch ein Gegenargument. Vielleicht zählt diese Hintergrundgeschichte nicht, wenn die Zentralbanken absurde Dinge wie Negativzinspolitik einführen. Ich sehe das echte Risiko, dass die Fed die Negativzinspolitik einführen wird, bevor all das zu Ende geht. Stellen Sie sich vor, was das mit Billionen von Dollar tun wird, die zuvor in Anleihen investiert wurden. Werden die Leute (nicht zu vergessen die Rentenfonds) ohne zu zögern für das Privileg bezahlen, Geld zu besitzen? Wenn nicht, wohin werden sie dieses Bargeld dann investieren?

Für viele lautet die Antwort vielleicht: in Aktien. Die resultierenden Geldflüsse könnten die Aktienkurse trotz negativer Fundamentaldaten hoch halten. Ich prognostiziere dieses Resultat nicht, doch es ist möglich.

Wir befinden uns in derartig bizarren Zeiten, dass so ziemlich alles möglich ist. Es ist sicherlich nicht die Zeit "zu halten und zu kaufen", wenn es nicht Ihr Ziel ist, alles zu verlieren. Wenn nicht, dann brauchen Sie eine aktive, flexible, defensive Investmentstrategie; nun mehr als jemals zuvor.

Eine Warnung: Die beiden letzten Male (2000 und 2006), als sich der Fed-Zyklus da befand, wo er heute ist, stiegen die Aktien tatsächlich etwa sechs Monate lang. Im Jahr 2006 war ich zu Larry Kudlows Show mit Nouriel Roubini eingeladen, bei der wir die Bärenmärkte besprochen haben. Larry und John Rutherford machten uns fertig und erklärten, dass die Märkte Rallys verzeichnen würden. Da lagen sie richtig.

Die Aktienindices stiegen nach dieser Dezember-TV-Show weitere 20%, bevor sie um 50% zurückgingen und dann weiter fielen. Das ist einer der Gründe, warum meine eigenen persönlichen Strategien nun differenzierter sind als nur "verkaufe alles und flüchte zum Bargeld." Es gibt Wege, sich ordnungsgemäß abzusichern und noch immer am Markt teilzunehmen.

 

Am Ende ganz nette Erklärungen zum potenziellen Absturzniveau des amerikanischen Aktienmarketes. Ob man nun CAPE, KGV, KBV, KUV oder KCV nimmt. Die Forwardrendite ist gruselig niedrig, wenn nicht negativ.

 

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Posted · Edited by PapaPecunia
Link eingefügt

Spannend! Auch der alte, mir noch unbekannte, Thread.

 

Kleiner Einwurf meinerseits: Sind wir in D nicht evtl. schon in der Krise oder zumindest kurz davor? Stichwort erste Entlassungen, Abmeldung von Leiharbeitern, Anstieg der Kurzarbeit, Werke die langfristig geschlossen werden sollen. 

 

Auch Miniaspekte sind evtl. am Rande interessant. Hab im Radio gehört, dass ein BMW Werk für 4 Wochen "Ferien" macht, wo BMW doch üblicherweise 3 Wochen frei macht.

Einstellungsstopps in vielen Konzernen wirken sich auf die Nachfrage nach Fachkräften aus:

https://www.hays.de/personaldienstleistung-aktuell/fachkraefte-index

 

Ray Dalio trommelt ja momentan für Gold und hat auf der Bridgewater HP ein 480-Seiten PDF mit einer Analyse vergangener Krisensituationen veröffentlicht. Für jemand  wie mich, der in Sachen Wirtschaft höchstens halbgebildet ist, leider kein großer Erkenntnisgewinn dabei.

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Posted · Edited by Bärenbulle

vor 10 Stunden von PapaPecunia:

Kleiner Einwurf meinerseits: Sind wir in D nicht evtl. schon in der Krise oder zumindest kurz davor?

Das kann gut sein. Rezessionen werden oft erst beim Blick in den Rückspiegel nach mehreren Monaten erkannt. Deswegen habe ich auch gedacht, dass es höchste Zeit für so einen Faden wird.

 

Auch die möglicherweise anstehende Zinssenkung der FED würde die These unterstreichen. Der Artikel oben meint aber, es dauert noch etwas z.B. 6 Monate bezogen wohl auf USA. Habe mich mal sehr genau mit der Inversion der Zinsstruktur beschäftigt. Die Kurve (bzw. der Zinsspread zwischen langem und kurzem Ende) schaut ca. 6-18 Monate (im Mittel 1 Jahr)  in die Zukunft und sagt das Wirtschaftswachstum zumeist recht präzise voraus. Es kann aber auch 2 Jahre bis zu einer Rezession dauern. In Europa sind die Kurven nicht invers nur sehr flach.

Die Aktienmärkte sind eigentlich auch vorausschauend aber deutlich unpräziser. Im Mittel brechen diese 6 Monate vor einer Rezession ein (Ergebnis einer Studie). Allerdings streut das zeitlich noch mehr und ist sehr unzuverlässig. Es gab auch Einbrüche davor und nicht selten auch erst in der Rezession.

 

Nimmt man den Zinsstrukturvorlauf mal mit 1 Jahr an und laufen die Aktienmärkte tatsächlich 6 Monate vor, dann ist es etwa im September soweit. Berechnung:

1) Zinsstruktur invertierte erstmals im März 19

2) Vorlauf Zinsstruktur im Mittel 1 Jahr minus 6 Monate Aktienvorlauf vor Rezession => 12 m - 6 m =  6 Monate nach Invertierung brechen Aktienmärkte ein

3) März + 6 Monate = September 2019

 

Das wäre zur Zeit mein Basiszenario.

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Der Conference Board Leading Economic Index hat offenbar die letzten Rezessionen in den USA mit zeitlichem Vorlauf relativ zuverlässig angezeigt. Der Index besteht aus folgenden Komponenten: 

 

-Average weekly hours, manufacturing
-Average weekly initial claims for unemployment insurance
-Manufacturers' new orders, consumer goods and materials
-ISM® Index of New Orders

-Manufacturers' new orders, nondefense capital goods excluding aircraft orders
-Building permits, new private housing units
-Stock prices, 500 common stocks
-Leading Credit Index™
-Interest rate spread, 10-year Treasury bonds less federal funds
-Average consumer expectations for business conditions

 

Gerade noch liegt der Index im “grünen” Bereich:

 

https://www.advisorperspectives.com/dshort/updates/2019/07/18/conference-board-leading-economic-index-fell-in-june

 

5E2DCB43-BB8F-4ADD-B6D7-97489D7B9A8B.png

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Man kann in dem Chart aber auch sehen, dass es Fehlsignale geben kann, wie bspw um 67 und 98 rum. Wie stark der Einbruch (und die zugehörige Rezession) letztlich ausfallen werden ist damit auch nicht geklärt. Nicht bei jeder Rezession wäre eine (starke) Umschichtung im eigenen Portfolio wirklich hilfreich gewesen, zumal man ja auch wieder im richtigen Moment einsteigen/zukaufen muss. Die Zinsstruktur ist sicher ein guter Indikator, aber halt (erwartungsgemäß) absolut nicht ausreichend (ich weiß, nichts anderes sagt der Thread auch aus). 

 

Man darf dabei auch nicht vergessen, dass der Markt die Zinsinversion ja selbst herbeiführt und damit schon eine gewisse Zukunft antizipiert. Das ist für sich genommen schon eine selbsterfüllende Prophezeihung. Andererseits kann es, wenn dieser Indikator von zu vielen Anlegern herangezogen wird, zu mehr Fehlsignalen oder auch wieder selbsterfüllenden Prophezeihungen kommen. 

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Posted · Edited by Bärenbulle

vor 9 Stunden von Cairol:

Der Conference Board Leading Economic Index hat offenbar die letzten Rezessionen in den USA mit zeitlichem Vorlauf relativ zuverlässig angezeigt. ... Gerade noch liegt der Index im “grünen” Bereich:

 

5E2DCB43-BB8F-4ADD-B6D7-97489D7B9A8B.png

 

Ja der LEI ist auch ein interessanter Indikator bzw. besser ein ganzer Mix aus Indikatoren. Den nehme ich auch auf jeden Fall mit auf. Er enthält allerdings auch viele Indikatoren die mMN eher gleichlaufen. Er schaut daher weniger weit in die Zukunft. Welchen Vorlauf er im Mittel hatte, weiß ich nicht genau, aber wenn ich raten müßte, dann liegt der Vorlauf so bei 0 Monate vor Aktiencrash und 6 Monate vor Rezession.  Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Der Vorlauf ist ja sogar in Deiner Grafik angegeben:

lei.jpg

 

vor 10 Stunden von Bärenbulle:

Nimmt man den Zinsstrukturvorlauf mal mit 1 Jahr an und laufen die Aktienmärkte tatsächlich 6 Monate vor, dann ist es etwa im September soweit. Berechnung:

1) Zinsstruktur invertierte erstmals im März 19

2) Vorlauf Zinsstruktur im Mittel 1 Jahr minus 6 Monate Aktienvorlauf vor Rezession => 12 m - 6 m =  6 Monate nach Invertierung brechen Aktienmärkte ein

3) März + 6 Monate = September 2019

 

Das wäre zur Zeit mein Basiszenario.

 

Für den LEI müßte man sich aber mal die Mühe machen den historischen Vorlauf in Monaten zu präzisieren. Wäre sicher interessant. Der LEI läuft einer Rezession also 5-7 Monate vor und hätte somit im Mittel keinen Vorlauf zum Aktienmarkteinbruch (er wäre synchron). Schaut man sich das Bild, dann könnte somit ein Crashdatum September in etwa bestätigen. Nimmt man den Median, wäre er dem Aktienmarkt sogar nachlaufend. Er ist demnach nur bedingt vorlaufend, denn wir wollen ja eigentlich auch keine Rezessionen vorhersagen, sondern Aktienmarkteinbrüche. Aber er ist als Bestätigung und zur Timingpräzisierung sicher sehr wertvoll. Denn selbst mitten in einer Krise, weiß man ja noch nicht mal ob es wirklich eine ist oder nur ein kleiner Rücksetzer. Da kann der LEI prima helfen.

 

Der LEI enthält halt ja auch die Zinsstruktur als wichtigen Indikator. Die Aufnahme des Aktienmarketes ist natürlich für Aktienmarktprognosen nur bedingt hilfreich.:P Was mir auch an ihm nicht so gefällt ist, dass immer wieder an seiner Zusammensetzung herumgeschraubt wurde. Das riecht nach "back filling bias" in Kombination mit "data mining bias". Ein so komplexer Indikator ist dafür sehr anfällig. Ich bin daher nie so richtig warm mit diesem Indikator geworden. Aber selbstkritisch muss man sagen, dass bei diesem Faden vielleicht etwas sehr ähnliches herauskommt. Aber zumindestens kann man dann die Zusammenhänge aus der Diskussion viel besser begreifen.

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Haben Notenbanken eigentlich früher auch schon so massiv eingegriffen wie das derzeit gemacht wird?

 

Dann könnte man fast die These aufstellen, dass wir keinen richtigen Crash mehr sehen werden eben weil die Notenbanken sofort massiv eingreifen würden (Wobei man natürlich niemals nie sagen sollte).

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vor 5 Stunden von Bärenbulle:

Was mir auch an ihm nicht so gefällt ist, dass immer wieder an seiner Zusammensetzung herumgeschraubt wurde. Das riecht nach "back filling bias" in Kombination mit "data mining bias". Ein so komplexer Indikator ist dafür sehr anfällig. Ich bin daher nie so richtig warm mit diesem Indikator geworden. Aber selbstkritisch muss man sagen, dass bei diesem Faden vielleicht etwas sehr ähnliches herauskommt. Aber zumindestens kann man dann die Zusammenhänge aus der Diskussion viel besser begreifen.

Erfinder und Ersteller des Index ist eine non-Profit Organisation, die nichts verkaufen will, so daß schon mal einige Interessenkonflikte wegfallen. Zudem nutzt die FED selbst den Index bzw. alle Komponenten des Index zur Bestimmung des Rezessionsrisikos.

 

Aber wie du schon richtig sagst: der Index ist nicht direkt bzw. explizit darauf ausgerichtet, Ein-/Ausstiegszeitpunkte für den Aktienmarkt abzuleiten.

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vor 1 Stunde von mike4001:

Dann könnte man fast die These aufstellen, dass wir keinen richtigen Crash mehr sehen werden eben weil die Notenbanken sofort massiv eingreifen würden (Wobei man natürlich niemals nie sagen sollte).

Mit Zinsen von -5%? Das glaube ich nicht.

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vor 37 Minuten von Dividende:

Mit Zinsen von -5%? Das glaube ich nicht.

Ich konnte mir vor einiger Zeit auch noch keine Zinsen von -0,4% vorstellen.

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vor 47 Minuten von Dividende:

Mit Zinsen von -5%? Das glaube ich nicht.

Es gibt auch noch andere Möglichkeiten im Arsenal was nicht nur Zinssenkungen sind.

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Posted · Edited by Bärenbulle

Wirklich interessant ist auch die Grafik von Gavekal.

 

c1.jpg.acb390217a869f127cb12e58e8543a32.jpg

 

Ich mußte selbst auch nachschauen, daher nochmal hier für Euch erklärt was "bear steepening" von "bull steepening" unterscheidet:

 

Bei Ersterem steigen die Zinsen am lange und kurzen Ende, aber am langen schneller.

 

Bei Zweiterem sinken die Zinsen aber am kurzen Ende schneller als am langen.

 

Zuverlässiger haben anscheinend die Inversionen mit anschliessendem bull steepening eine Krise vorhergesagt (hab ich jetzt nicht überprüft). Frage ist, was jetzt aktuell war. Wie hat sich das seit März entwickelt. Im Augenblick ist ja eher "bull" (sinkende Zinsen) aufgrund der FED Ankündigung angesagt, aber ist es auch wirklich ein "bull steepening"? Mauldin kommentiert das auch nicht so richtig.

Wahrscheinlich ist es ihm auch zu kompliziert.:P

 

Man kann aber leicht erkennen, das die Rezessionen bei den beiden "bear steepening" Fehlalarmen nicht wirklich ausgefallen sind. Sie wurden eigentlich nur nochmal um 2 Jahre verschoben.

 

************* jetzt mal geschaut ************

yc.jpg

 

Wie man sieht dürfte sich 2019 als "bull steepening" qualifizieren. Das sieht also nicht gut aus. Fällt vom Timing her dann auch schön mit Boris ungeordnetem Brexit zusammen.

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Zerohedge bläst momentan ja auch wieder kräftig in das Horn "Untergang" - ich habe leider immer Probleme bei den vielen Charts zwischen Mist und wertvoller Information zu unterscheiden:

https://www.zerohedge.com/news/2019-07-30/its-already-earnings-recession-and-second-half-looking-even-worse

https://www.zerohedge.com/news/2019-07-30/10-charts-almost-fully-invested-bears-are-watching-now

 

In Sachen Kurzarbeit ist in D bereits ein langsamer Anstieg zu verzeichnen, nach allerdings äußerst niedrigem Stand in den letzten beiden Jahren. Für mich ist das immer ein spannender Indikator, weil die Karte ja erst gezogen wird, wenn firmeninterne Maßnahmen nicht gefruchtet haben. Wenn nach der Urlaubspause die Auftragseingänge und -abmeldungen gegengecheckt werden, dann wird das ganze nochmal steigen. 

 

 

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Es steht außer Frage, dass eine wirtschaftliche Abkühlung bereits da ist und die Unternehmen auch schon darauf reagieren. Das ist kein Geheimnis mehr. Zumindest in der deutschen Industrie ist das sehr sehr deutlich fühlbar.

 

Die Frage ist nur - was machen die Aktienmärkte damit? Ist alles schon eingepreist?

 

Dafür spricht:

Trotz jahrelanger Hausse haben wir auf dem aktuellen Gewinn-Niveau aus meiner Sicht keine massiven Überbewertungen. Der US-Markt ist hoch bewertet - keine Frage - aber trotzdem noch nicht komplett irrational.

 

Der Rest der Welt ist dagegen durchaus vernünftig bewertet.

- EM CAPE 15

- Europa CAPE 18

- Asia ex Japan 16

 

Wer selbst in den Daten stöbern will: https://interactive.researchaffiliates.com/asset-allocation#!

 

Die Aussicht auf 1-2 schwächere Jahre dürfte die Kurse aus meiner Sicht nicht völlig crashen lassen (in der Kategorie von -60%), sondern allenfalls in der Größenordnung von -30%. Danach sollte der Optimismus wieder die Oberhand gewinnen und die Schnäppchenjäger aktiv werden. So war es ja auch im letzten Jahr als sich die Rezession das erste Mal ankündigte und es von Oktober bis Dezember 30% nach Süden ging. Zumal alle Notenbanken entschlossene Schritte angekündigt haben und ich bin davon überzeugt, dass die Notenbank noch so einige "Ideen" hat, um den Staat zu entschulden und die Unternehmen mit Kapital anzutreiben.

 

Ändern würde sich das, wenn sich die Gewinnaussichten auf längere Sicht verschlechtern würden, etwa bei einer Eskalation des oder der US-Handelsstreits, einer Absenkung des US-Staatsanleihenratings, einer Eskalation der Spannungen zwischen China und seinen Nachbarn, einem Platzen einer chinesischen Schuldenblase oder einer neuerlichen Italien- / Euro-Krise.

 

Die oben genannten Krisen werden sich aber nicht ankündigen, sondern von einem auf den anderen Tag über uns hereinbrechen. Daher halte ich es für schwierig, Krisen zu timen.

 

@Bärenbulle: Ketzerische Fragen, aber wie viel Geld ist dir durch deine bereits defensive Ausrichtung schon durch die Lappen gegangen? Und wie viel wird es noch sein, bevor der Crash dann tatsächlich kommt? Opportunitätskosten in welcher Höhe wärst du bereit zu akzeptieren, wenn der Crash einfach ausfällt? Hast du dir das alles überlegt?

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vor 12 Minuten von Sucher:

und es von Oktober bis Dezember 30% nach Süden ging.

Sprichst du von deinem Portfolio? Weltweit ging hier nichts 30% Richtung Süden, 15% vielleicht.

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vor 6 Minuten von Dividende:

Weltweit ging hier nichts 30% Richtung Süden, 15% vielleicht.

 

Der S&P 500 hat ganz knapp vor 20% Halt gemacht (19,8% oder so).

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vor 6 Minuten von Dividende:

Weltweit ging hier nichts 30% Richtung Süden, 15% vielleicht.

 

Der S&P 500 hat ganz knapp vor 20% Halt gemacht (19,8% oder so).

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Posted · Edited by Bärenbulle

vor 11 Stunden von PapaPecunia:

Zerohedge bläst momentan ja auch wieder kräftig in das Horn "Untergang"...

crash aufter first rate cut.jpg

 

Das Chart ist ja "timing"-technisch interessant. Demnach könnte es sogar vor September losgehen. Da heute die FED den Zinssenkungszyklus eingeleitet hat, kann es ergo morgen mit dem Aktieneinbruch losgehen. (Wird ja dann ein kurzer Faden:P).

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Der Mensch ist emotional, Gier und Panik wechseln sich ab.

 

Volatilität_20190731.png

 

buysell.jpg

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Posted · Edited by NiccoBond

Wichtiger Konjunkturindikator

 

 

Surprise_Index_20190831.PNG

 

 

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vor 21 Stunden von Bärenbulle:

Das Chart ist ja "timing"-technisch interessant. Demnach könnte es sogar vor September losgehen. Da heute die FED den Zinssenkungszyklus eingeleitet hat, kann es ergo morgen mit dem Aktieneinbruch losgehen. (Wird ja dann ein kurzer Faden:P).

 

Soll mir auch recht sein - so lange dann wieder ein Faden zur Trendumkehr folgt.

 

Der zumeist recht bullische Ken Fisher ist weiterhin optimistisch und gibt uns noch 18 Monate Party (bzw. den US-Märkten).

Der Tweet bringts auf den Punkt, es gibt aber auch einen aktuelle Blogbeitrag dazu:

 

 

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